Vorsätze sind gut – sie müssen bloß passen

Preissturz? Sale? Ja, gut, das gibt es in diesen Tagen auch. Aber wenn bei uns, und nicht in England, demnächst Pfunde purzeln sollten, ginge es um etwas anderes: Wir hätten das Unmögliche geschafft. Wir wären unseren guten Vorsätzen gerecht geworden.

Es gibt offenbar kein Entkommen vor dem Drang, ab Gültigkeit einer neuen Jahreszahl unser Leben zum Besseren zu wenden. Wir wollen schlanker, schöner, sportlicher, tabak- und alkoholfreier, mitfühlender, freundschaftlicher und hilfsbereiter werden, als wir es vielleicht jemals zuvor gewesen sind. Und selbst im fortgeschrittenen Alter fragen wir uns nicht, warum wir immer wieder vor den selbst gestellten Aufgaben versagt haben. Am 1.1. muss was passieren. Am Veränderungs-Feiertag.

Ein nachweisliches Erfolgsrezept ist der persönliche Jahreswechsel-Relaunch aber nicht. Eine englische Studie mit 3000 Teil­nehmern hat ergeben, dass 88 Prozent ihre guten Vorsätze nicht einhalten. Das ist sehr viel. Andererseits: 12 Prozent sind auch etwas. Hierzulande können sie reichen, um einer Bundesregierung anzugehören. Als Verzinsung von Guthaben sind sie ein Traum, bei der Verzinsung von Dispokrediten Realität. Stellen wir uns doch nur vor, Jahr für Jahr würden 12 Prozent der Fettleibigen schlank. Schon nach fünf Jahren hätten wir nur noch halb so viele Dicke. Die Änderungsschneidereien würden zur Boombranche.

Doch das passiert nicht. Auch deshalb, weil wir uns die falschen Ziele setzen. Warum müssen wir immer gut und besser werden? Warum können wir uns nicht vornehmen, wenigstens ein Mal im Monat ordentlich mit Freunden zu saufen? Warum versprechen wir uns nicht, konsequent ein Jahr lang jede Sportschau vom Anfang bis zum Ende zu schauen? Warum schwören wir nicht, 2013 einen Wälzer von Umberto Eco nicht zu lesen? Warum nehmen wir uns nicht vor, dass wir uns auch im neuen Jahr auf gebratenes Fleisch und Vollbier freuen?

Setzen wir uns doch Ziele, die zu uns passen. Erst dann entfaltet die Weisheit, dass es zum Optimismus keine sinnvolle Alternative gibt, ihre wundersame Wirkung.  Und übrigens: Ich habe zwischen dem 15. und 17. November 2007 mit dem Rauchen aufgehört. Das Jahr hat also 365 Veränderungstage. Wenn man nur will.