Der Türke. Der Syrer. Der Nordafrikaner.

Also zitierte der Innenminister sein Flüchtlings-Einmaleins: „Türken sind leichter zu integrieren als Syrer. Syrer sind leichter zu integrieren als Nordafrikaner.“ Diese Sätze klingen harmlos. Sie könnten, wie es so schön heißt, an jedem Stammtisch so gesagt werden. In diesem Fall saß Thomas de Mazière auf einem Talk-Show-Sofa. Er fühlte sich mit seiner Aussage richtig wohl. Ich finde, zu Unrecht.

Seine Worte spiegeln unsere Vorurteile wider. Wenn wir auf Muslime schauen, erkennen wir keine Vielfalt. Wir meinen, dass es „den Türken“ gibt, der eben so ist, weil er irgendwo zwischen Istanbul, Ankara und Diyarbarkir lebt. Zwischen dem Mitarbeiter einer großstädtischen Werbeagentur und einem ostanatolischen Kleinbauern sehen wir im Grunde keinen Unterschied. Ja, man kann sie in unsere Gesellschaft eingliedern. Aber nur, wenn man ihnen die rotzige Frechheit und das verrückte Macho-Gehabe ihres Staatspräsidenten austreibt.

Nach schwieriger wird es, wenn man unserem Minister folgt, mit „den Arabern“. Wir haben uns seit langem darauf geeinigt, dass es sich hier um ein rückständigen Teil der Menschheit handelt. Arrogante, ungebildete Faulpelze, die ihren Ölreichtum beim Kamelrennen verwetten und entrechtete, zwangsverhüllte Frauen, die ausschließlich Haus, Hof und mindestens ein halbes Dutzend Kinder hüten. Menschen, die ihren Kopf nicht selbst benutzen, weil sie ja Allah haben.

Und „die Nordafrikaner“? Sie sind, zurzeit jedenfalls, die allergrößte Bedrohung unserer abendländischen Kultur. Wobei nicht so recht geklärt ist, wer sie eigentlich sind. Sind es die netten Ägypter, die am Nil den Touristenschiffen zuwinken, die chaotischen Libyer, die ziemlich demokratischen Tunesier oder die listigen Marokkaner? Oder handelt es sich um die komplett undurchschaubaren Bewohner von Mauretanien, Sudan, Eritrea, Niger oder Mali?

Spätestens an dieser Stelle springt uns eine ungeheure Vielfalt entgegen. Uns darauf einzulassen, würde uns aber bloß verwirren. Da folgen wir lieber dem Minister und stempeln „die Nordafrikaner“ mit dem Vermerk „schwerst integrierbar“ ab.

Ich habe fünf Menschen aus schwierigen Regionen kennengelernt – aus Iran, Palästina, Mali, Bangladesch und Gambia. Diese sind, weil Journalisten wie ich, gewiss nicht repräsentativ. Aber alle streben nach Demokratie und Pressefreiheit und sind bereit, dafür größte persönliche Opfer zu bringen. Während bei uns viele Talkshow-Seher schon schockiert wären, wenn man ihnen Bier und Chips wegnehmen würde.

Doch nie würde ich einem Innenminister so ganz widersprechen. Deshalb stelle ich fest: Der Sachse ist in Brandenburg leichter zu integrieren, als der Oberpfälzer im Saarland. Und der Mittelfranke in Ostfriesland? Das geht nun wirklich gar nicht.