Beim Selfie ist die Laus nicht weit

Andere Zeiten, andere Gefahren. Innerhalb weniger Jahre ist das Smartphone für viele Menschen zum treuesten und lebendigsten Begleiter geworden. Die mit den famosen Geräten verbundenen Risiken sind uns aber zu wenig bewusst. Die neueste Entdeckung: Selfies fördern die Verbreitung von Kopfläusen.

Dies behauptet zumindest Professor Hermann Feldmeier vom Institut für Mikrobiologie und Hygiene an der Berliner Charité. In der Zeitschrift Apotheken Umschau weist er darauf hin,  dass weibliche Teenager immer häufiger befallen würden. Die naturgemäß mit dichtem Haar gesegneten Mädchen steckten beim Selfie fröhlich die Köpfe zusammen. Dies nutzten clevere Läuse zur Übersprungshandlung.  Sollten die Tiere allerdings daneben springen, ist gemäß den Erkenntnissen der Zoologie ihr Schicksal besiegelt. Vier Stunden ohne Blut – und die Laus ist tot.

Die Erkenntnisse des Professors mögen ein Trost für alle Männer seien, die eine Frisur vom Typ Namib-Wüste tragen. Sie haben neuerdings mehr Bärte als früher, sind aber bei Selfies wohl weniger gefährdet. Dafür dürfte bei ihnen Handy-Hygiene das größere Problem sein. Smartphone-Displays sind, wie auch PC-Tasturen, in der Regel mit mehr Keimen behaftet als jede professionell gewartete Ratsstätten-Toilette. Und ein echter Mann stört sich nicht an den Currywurst-Fettschlieren vom Vortag.

Doch es gibt noch mehr Gefahren. Die für Gesundheit im Job zuständige Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin warnt vor schädlichen Beanspruchungen des Muskel- und Skelettsystems der Menschen durch Handys und Tablets. Wer sie allzu exzessiv verwende, bezahle mit Schmerzen in Daumen und Nacken. Beansprucht würden die Augen, weil sie bei schlechten Lichtverhältnissen überanstrengt oder durch Reflexionen geblendet würden. Schließlich führe der Versuch, das Display gegen Sonneneinstrahlung „abzuschatten“, zu ungünstigen Körperhaltungen. Der Smartphone-Mensch verhält sich somit wider die Evolution oder steckt in einem Prozess der Fortentwicklung.

Man sieht: Oft hat ein vermeintlicher Segen eine Kehrseite. Wir sollten also Smartphones und Tablets nie als unser Gehirn betrachten. Sondern als unseren Blinddarm. Und der ist im Zweifel verzichtbar. Weglegen ist erlaubt. Den Läusen hilft das nicht. Aber sie werden, ganz sicher, trotzdem überleben.

 

 

Wir wollen alle anders sein

„Ich will so bleiben, wie ich bin. Du darfst.“ In der Rangliste der verlogensten Werbeversprechen stünde dieser Vorschlag für mich ganz oben. Ich kenne nämlich nur ganz wenige Menschen, die das überhaupt wollen. Die große Mehrheit verwendet eine ungeheuere Energie darauf, anders zu sein oder zu werden.

Wir leben in Zeiten der Castings und des Benchmarkings, also der vergleichenden Forschung. Und so finden wir uns fast alle zu dick. Das ist angesichts der fortschreitenden Fettleibigkeit unserer Gesellschaft nicht verwunderlich. Aber hilft dieses Problem letztlich nicht vor allem den Verfassern von Abnehm-Ratgebern und den Herstellern von Diät-Kost? Es mag ja sein, dass wir mal unter Schmerzen zehn oder zwanzig Kilo abspecken. Das Problem ist bloß, dass wir nach einem halben mindestens genauso viel wiegen wie vor unserer Kur. Anstatt Bücher und neue Regale zu kaufen, könnten wir also gleich ein paar Flaschen Wein aufmachen.

Das mit den Haaren ist auch so ein Problem. Wir möchten sie auf dem Kopf sehr zahlreich und dicht haben, auf dem Körper aber weniger. Leider ist das vor allem bei Männern im fortgeschrittenen Alter meistens umgekehrt. Da wachsen neue Haare im Kopfbereich nur noch aus den Ohren. Also wird transplantiert, rasiert und epiliert was das Zeug hält.

Wer aber glaubt, das schöne dünne Menschen keine Probleme hätten, sieht sich auch getäuscht. Das zarte Frauenwesen gilt erst dann als wirklich sexy, wenn es die Brüste einer sizilianischen Pastaköchin hat. Und schon klingeln bei den Silikonschnipplern im Arztkittel die Kassen gar wunderbar.

Wir wären zufriedener und reicher, wenn wir einsehen würden, dass nicht einmal wir in jeder Hinsicht perfekt sein können. Aber das werden wir nicht schaffen, zumal das Erreichen jeden Zieles den Hunger auf ein neues Ziel weckt. Unter den gegenwärtigen Anforderungen unserer Gesellschaft wird am Ende der brasilianische Arzt und Nobelpreisträger Dr. Drauzio Varella richtig liegen.

Er hat so in die Zukunft geschaut: „In der heutigen Welt wird fünfmal mehr in Medikamente für die männliche Potenz und Silikon für Frauen investiert als für die Heilung von Alzheimerpatienten. Daraus folgernd haben wir in ein paar Jahren alte Frauen mit grossen Titten und alte Männer mit hartem Penis, aber keiner von denen kann sich daran erinnern wozu das gut ist.“