Wenn zwei das Gleiche tun…

Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Ja, dieses Sprichwort ist abgedroschen. Aber es stimmt. Das erleben wir gerade am Beispiel der Affäre Hoeneß.

Zwar gibt es viele Stimmen, die nach Rücktritt rufen. Doch alles in allem ist die Reaktion auf seinen Steuerbetrug moderat. Weil Uli Hoeneß eine Reizfigur ist, die man trotz alledem nicht missen möchte. Er zählt zu den Oberhäuptern der einzigen weltumspannenden Religion, des Fußballs. Also ist mancher willens, dem kaiserlichen Steueroptimierer Franz Beckenbauer zu glauben, wenn dieser, wie auf Sky geschehen, dreist erklärt: “Na ja, der Uli. Der macht immer zehn Sachen gleichzeitig. Da hat er halt was vergessen.” Und so lernen Menschen, die in einem kompletten Arbeitsleben einen Bruchteil von dem verdienen, was der Bayern-Präsident an Zinsgewinnen einsackt, ein großes Wort aus der Welt der Justiz fehlerlos auszusprechen: UNSCHULDSVERMUTUNG!

Nehmen wir doch einmal an, Uli Hoeneß wäre ein unbeliebter Politiker. Bei der Klage gegen den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff geht es noch um ein paar hundert Euro. Aber weil die Bild-Zeitung die Jagd mit allem Nachdruck betrieben hat, wurde der blutleere Nicht-Kämpfer radikal zum Abschuss freigegeben. Was hätte ihm geblüht, wenn er einen Millionenbetrug begangen hätte. Lebenslänglich? Oder Vierteilung durch mit Ecstasy aufgeputschte Heidschnucken?

Andere Beispiele: Der zurecht vergessene Ex-Bundesverkehrsminister der Nachwendezeit, Günther Krause, stolperte darüber, dass seine Ehefrau eine Putzhilfe zu 70 Prozent aus Fördermitteln des Arbeitsamtes bezahlt hatte. Die Menschen fanden es gut. Dem FDP-Politiker Jürgen Möllemann machte im Jahr 1992 die so genannte “Briefbogen-Affäre” den Garaus. Mit dem Briefkopf des Bundesministeriums für Wirtschaft hatte er deutschen Handelsketten einen Chip empfohlen, der als Pfandmünze bei Einkaufswagen zum Einsatz kommen sollte. Ein solcher Chip wurde von der Firma eines seiner Verwandten vertrieben. Der Rücktritt wurde bejubelt.

Das war auch immer so, wenn gierige Manager in die Wüste geschickt wurden. Für den Ex-Vorstandschef der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, hatte nach dessen Abgang wegen Steuerhinterziehung niemand mehr ein gutes Wort.

Volkes Sympathie macht jedenfalls den Unterschied. Als Bundesbildungsministerin Annette Schavan wegen einer teilweise abgeschriebenen Doktorarbeit den Hut nehmen musste, heulten nur einige Parteifreunde und das Volk nahm es eher gleichgültig auf. Dagegen wären dem dreisten CSU-Lügenbaron Karl Theodor zu Guttenberg vermutlich Hunderttausende gefolgt, wenn er dazu augerufen hätte, ihn per blutiger Revolution zurück ins Amt zu bringen.

Wie sehr ein entlarvter Gauner tatsächlich verachtet wird, hat also mehr mit dem persönlichen Image als mit dem Ausmaß seiner Tat zu tun. Verlassen kann man sich in dieser Situation wohl nur auf den Volksmund. Alsdenn, Sprichwort Nummer 2: “Bei großem Gewinn ist großer Betrug.” Stimmt.

Röttgen, oder: Wenn der Blender bleich wird

Norbert Röttgen: Schöne Brille, aber sonst?

Norbert Röttgen: Schöne Brille, aber sonst?

Es gehört zu unseren Grundbedürfnissen, dass wir Menschen rein äußerlich mit ihren Aufgaben identifizieren möchten. Ein Model muss dürr, ein Profifußballer tätowiert und ein Popstar bunt angezogen sein. Darin steckt die Chance für die Blender dieser Welt. Es ist gut wenn diese scheitern. So wie am Sonntag der vormalige CDU-Star Norbert Röttgen.

Mit den größten Blendern der jüngeren Vergangenheit, Allzweckminister Karl Theodor zu Guttenberg oder Multimanager Thomas Middelhoff, kann Röttgen nicht mithalten. Aber so wie ihn hat man sich einen klugen Politiker schon vorgestellt. Graumeliertes, sorgfältig frisiertes Haar, Klugschau-Brille, geschliffene Rhetorik. Eben einer, der optisch auch einen Konzernmanager geben könnte und den man sich auch deshalb für die ganz großen Aufgaben (Merkel-Nachfolge?) vorstellen konnte.

Und dann versagt dieser Mensch in einem Wahlkampf von vorne bis hinten. Erklärt, dass „leider“ die Wähler/-innen und nicht die Parteifreunde über sein Schicksal entscheiden oder dass in Nordrhein-Westfalen über die Europa-Sparpolitik seiner Kanzlerin abgestimmt wird. Zudem gibt er zu erkennen, dass ihm dieses Bundesland nur dann nicht egal ist, wenn er dessen Chef wird.

Tja, heute gibt’s Blümchen von Angela Merkel. Vermutlich so ein mickriges Verlierergesteck, das Menschen beim Discounter für ihre nicht so sehr geliebten Müttern kaufen. Das haben zuletzt etliche hoffnungsvolle CDU-Politiker bekommen. Ein schöner Kranz wäre jeweils ehrlicher gewesen. Wahrscheinlich auch für Norbert Röttgen, den nächsten bald Vergessenen.

Guttenbergs Brief: Bis Ende 2013 gescheitert

“Vorerst gescheitert” lautet der Titel des Buches mit dem Männergespräch zwischen Karl-Theodor zu Guttenberg und Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Seit heute wissen wir, dass das Scheitern bis Ende 2013 anhalten wird. Der ehemalige Politik-Star hat den CSU-Mitgliedern einen entsprechenden Brief geschrieben. Hier ist er. Sprachanalytiker, Graphologen und sonstige Kommentatoren bitte vortreten…

Loddar Guttenberg: Keiner braucht ihn

Wer ist der wahre Loddar Matthäus? Er?

Wer ist der wahre Loddar Matthäus? Er?

Oder er?

Oder er?

Wie schön, wenn man treue Freunde hat. So wie unser verflossener Polit-Held Karl Theodor und sonstwas zu Guttenberg. Der überraschend schnell vergessene Ex-Verteidigungsminister will nach einer Schäm-Frist zurück auf die große Politik-Bühne. Die Kumpels von Bild helfen mit. Und sogar die noble “Zeit” ist zur Stelle.

Wie anders ist es zu erklären, dass der Auftritt eines zwecks Charakterlosigkeit geflüchteten Politikers bei einer Sicherheitskonferenz im kanadischen Halifax eine solche Aufmerksamkeit findet? Bei jedem anderen wäre ein solches Comeback mit ähnlicher Intensität verfolgt worden, wie das Platzen eines Reissackes an einer Ausfallstraße nahe Shanghai. Aber es ist “Gutti”. Also bricht da ein Genie von Rang sein Schweigen und liest der Politik, den Regierungen und dem Rest der Welt der Leviten. Um nebenbei ein Buch mit dem Titel “Vorerst gescheitert” anzukündigen. Ein 208-seitiger Band, der Gespräche zu Guttenbergs mit “Zeit”-Chefredakteur Giovanni die Lorenzo dokumentiert.

Es ist der Auftakt zu einer typischen “Bild”-Inszenierung. In der nächsten Stufe werden zirka vier prominente Parteifreunde sowie Arnulf Baring, Peter Scholl-Latour und Johannes B. Kerner dem Volk erklären, warum Deutschland, Europa, die Welt und der Mond man auf dieses überragende politische Talent keinesfalls verzichten dürften. Erstmal erklärt das Boulevardblatt seinen Lesern den “neuen Guttenberg”. Wobei es zuallererst – man weiß eben, was bei Guttenberg wirklich wichtig ist – auf das Aussehen eingeht. Kein Gel mehr, Haare nach vorne gescheitelt, keine Brille mehr. Dass das wie ein kräftiger Bruder von Lothar Matthäus aussieht, erwähnt Bild nicht. Geradezu als befreit wird er geschildert. Der Ex-Verteidigungsminister könne sogar wieder ohne Bodyguards Bus fahren.

Ja, dann bleib doch dort, lieber Gutti. Genieße Dein Leben, fahr mal rüber zu Sarah Palin und schieß Dir ein paar Elche. Lass Dir beim Heimaturlaub von der Jugendfeuerwehr-Kapelle Unterzipfelbach “Highway to Hell” vorspielen. Aber dann lass es auch wieder gut sein.

Du siehst nicht nur aus wie Loddar Matthäus, Du hast auch sein Problem: Wir vermisssen Dich nicht, wir brauchen Dich nicht.

Markus Söder, unser Held zum Weltmännertag

Wie kein anderer pflügt er durch das Meer der Politik: Markus Söder.

Wie kein anderer pflügt er durch das Meer der Politik: Markus Söder.

Heute ziehe ich den Hut vor der CSU! In einer Zeit der schleichenden Feminisierung dieser Gesellschaft zeigt sie uns, dass sie echte Kerle zu schätzen weiß. Sie hat Markus Söder aus Nürnberg zum bayerischen Finanzminister ernannt. Und das ist, ob es der Konkurrenz gefällt oder nicht, ein starkes Signal zum heutigen Weltmännertag.

Markus Söder, das war immer der Mann fürs Grobe. Unvergessen ist der Vergleich vom Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg aus dem Jahr 2009. Da wurde der gerade irrwitzig berühmt gewordene Jungstar Karl Theodor zu Guttenberg als Gustav Gans der CSU bezeichnet, unser Mann aus Nürnberg jedoch als Donald Duck. Als ewiger Pechvogel wurde er diffamiert.

Er ist also so etwas wie die Bild-Zeitung der Christsozialen. Er wird gewählt, aber keiner will es gewesen sein. Seine Umgangsformen sind nicht elegant, Humor ist vorhanden, aber nicht feinsinnig.

Ausgeblendet haben die Satiriker, dass es sich bei Markus Söder um einen Überlebenskünstler ersten Ranges handelt. Ob seine Herren nun Strauß, Stoiber, Beckstein oder Seehofer hießen – der gelernte Fernsehredakteur diente seinen Herren zuverlässig in jedem Amt, das ihm zugewiesen wurde. Frei nach dem alten Journalisten-Erfolgsrezept “Nichts wissen, aber das gekonnt ausdrücken.” Und einen Guttenberg konnte er auch deshalb überstehen, weil seine eigene Doktorarbeit zum Thema “Von altdeutschen Rechtstraditionen zu einem modernen Gemeindeedikt. Die Entwicklung der Kommunalgesetzgebung im rechtsrheinischen Bayern zwischen 1802 und 1818“ so schlecht benotet wurde, dass es gar nicht um ein Plagiat handeln kann.

Eine Parteifreundin, die Markus Söder in innigstem Hass verbunden ist, äußerte sich über dessen Zukunft mir gegenüber einmal so: “Manchmal genügt es, am Ufer eines Fluss zu sitzen und darauf zu warten, dass die Leiche des Feindes vorüberschwimmt.”

So ist es jetzt: Söder sitzt am Fluss. Seehofer rudert hektisch durch die Gegend. Fortsetzung könnte folgen – sofern die CSU diese Personalie überlebt.

Die Ursuppe der Casting-Stars

Ja, ich gebe es zu: In meiner jüngsten Helden-Umschau habe ich Deutschlands neuen Superstar Pietro Lombardi ausgespart. Das war ein Fehler, denn Casting-Stars wie der schnoddrige Italiener sind sozusagen das Gebot der Stunde. Wie aber kommt es, dass es immer mehr Berühmtheiten dieser Kategorie gibt?

Ich meine, dass das der Europäische Menschenrechtsgerichtshof zu verantworten hat. Dieser hat in seiner Rechtsprechung zu den Paparazzi-Attacken auf Caroline von Monaco (von Hannover) der Berichterstattung über Promis relativ enge Fesseln angelegt. Medien müssen sich sich zurückhalten. Sie müssen Juristen fragen, bevor sie fotografieren oder schreiben lassen. Weil es sonst teuer werden kann.

Also erschaffen sich die Medien ihre eigenen harmlosen Helden. Wer sich in die Fänge von DSDS, Dschungelcamp oder Supertalent begibt, unterschreibt auch, dass er seine Privatsphäre mitvermarkten oder sich vom Produktionsteam einen neuen Lebenslauf zuteilen lässt. Nun mag schwer sein, eine 18-jährige Nachwuchssängerin zur spannenden Persönlichkeit zu stylisieren. Aber wo ein Wille ist…

Castingstars sind für die TV-Sender und ihr Haupt-Vermarktungsorgan “Bild” auch deshalb interessant, weil sie schnell wieder verschwinden. Die DSDS-Gewinner der letzten Jahre kennt noch kaum jemand, die alten Let’s-Dance-Götter eh nicht. Und am kommenden Samstagabend wird zu erleben sein, wie ein Popsternchen namens Lena nach einem guten Jahr seiner Existenz verglüht.

In der Politik hat dieses Verfahren – nachhaltige Spannung durch mediale Todesfälle – bislang erst bei Karl Theodor zu Guttenberg überzeugend funktioniert. Weshalb es zunächst hierbei bleibt: Erst wenn das letzte Talent super ist, der letzte König seinen Dschungel verlässt, erst wenn die letzte Frau getauscht ist und der letzte Bauer seine Frau gefunden hat, werdet Ihr feststellen, dass Fernsehen manchmal ganz schön scheiße ist.

Meine kleine (Anti-)Helden-Wochenschau

Wer ist ein Held, wer ist keiner? Oft ist das schwer zu sagen. Neben objektiven Kriterien kommt es auch auf die Einstellung des Betrachters an. Wichtig ist auch die Gegend, in der jemand bewertet wird.

Wir Franken lieben das Widersprüchliche. Unsere Helden mögen geniale Erfinder oder irgendwelche Weltmarktführer sein. So richtig sympathisch werden sie uns aber erst, wenn sie nicht zu glatt sind und auch Fehler oder Irrtümer begangen haben. Ein bisschen erkennbare Tragik darf gerne sein. Siehe Lothar Matthäus.

Der Oberfranke Karl Theodor zu Guttenberg hingegen ist endgültig aus unserem Heldenraster gefallen. Weiter lesen

Ein sauberes Buch zum sauberen Bier

Welch ein Datum: Der heutige 23. April ist ein doppelter Gedenktag von hoher Aktualität.

Ich sehe ihn besonders interessiert als “Tag des Deutschen Bieres”. Niemand wird bestreiten wollen, dass das vor 495 Jahren erlassene Bayerische Reinheitsgebot ein segensreicher Entschluss war. Zwar panschen die Brauereien inzwischen alle möglichen Säfte ins Bier. Aber wer es sauber haben will, kann es kriegen.

Speziell bei Doktorarbeiten ist das mit der Reinheit nicht so einfach. Wie wir inzwischen wissen. Trotzdem: Heute ist auch Welttag des Buches und des Urheberrechtes. Wollen wir mal hoffen, dass es noch Autoren gibt, die ihre Texte ohne Copy und Paste formulieren. Sonst gibt’s irgendwann nix Neues mehr zu lesen.

Und: Zwar klingt die liberale Abschreiberin Silvana Koch-Mehrin vom Vornamen her nach Weißwein. Dafür kommt Ex-Doktor Karl Theodor zu Guttenberg aus einer Gegend, in der es originelle Biersorten in Hülle und Fülle gibt. Setzt Euch doch mal zusammen, ihr beiden. Trinkt oberfränkischen Gebräu – und lasst Euch die Kraft der Reinheit mal richtig in die Birne fahren.

Wir sollten das auch tun. Wenn auch aus anderen Gründen. Prost!

Zu Guttenberg netter als van Gaal? Vielleicht nicht

Ja, dieser Karl Theodor zu Guttenberg war ganz anders: Unbestechlich, unabhängig, energisch und dennoch sympathisch. Einer, der den Taliban im schicken Wüsten-Outfit Dampf unterm Hintern machte und auch ansonsten die schwierigsten Aufgaben mit einem strahlenden Lächeln löste. Doch immer stärker zeigt sich, dass wir uns getäuscht haben. Dass einer wie er “trickreich” dissertiert, dann aber vor der Verantwortung desertiert, hätten wir nie und nimmer gedacht.

Dabei galt uns Guttenberg als exaktes Gegenstück zu Fußballtrainer Louis van Gaal. Dieser hätte den Verdacht des Abkupferns mit den Worten “Ich bin wie Gott. Ich weiß alles” kommentiert. “Als Trainer top. Als Mensch ein Arsch”, hätten wir geantwortet und ich heim ins Tulpenland geschickt. Uns war immer klar, dass dieser Egomane scheitern musste.

Jetzt aber zeigt sich: Auch Baron zu Guttenberg weist eine schwierige Persönlichkeitsstruktur auf. Er war zunächst nicht bereit, Fehler zuzugeben und flüchtete sich dann in Ausreden. So wie einst Roland Koch kündigte er an, bei einer brutalstmöglichen Aufklärung seiner Affäre vorneweg zu marschieren. Aber jetzt, wo sie ihm an der Uni Bayreuth offenbar auf die Schliche gekommen sind, will er seine Anwälte eine öffentliche “Würdigung” seiner Doktorarbeit verhindern lassen. Und auch die Bayerische Staatsregierung ist bemüht, die Angelegenheit diskret, sprich ohne Strafverfolgung zu regeln.

Na gut, Egoisten sind wir alle. Aber, ehrlich, wer ist uns letztlich lieber? Das ehrliche Ekelpaket aus den Niederlanden oder der smarte Vertuscher aus Oberfranken? Hm!