Posts Tagged ‘Guttenberg’

April 28th, 2013

Wenn zwei das Gleiche tun…

Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Ja, dieses Sprichwort ist abgedroschen. Aber es stimmt. Das erleben wir gerade am Beispiel der Affäre Hoeneß.

Zwar gibt es viele Stimmen, die nach Rücktritt rufen. Doch alles in allem ist die Reaktion auf seinen Steuerbetrug moderat. Weil Uli Hoeneß eine Reizfigur ist, die man trotz alledem nicht missen möchte. Er zählt zu den Oberhäuptern der einzigen weltumspannenden Religion, des Fußballs. Also ist mancher willens, dem kaiserlichen Steueroptimierer Franz Beckenbauer zu glauben, wenn dieser, wie auf Sky geschehen, dreist erklärt: “Na ja, der Uli. Der macht immer zehn Sachen gleichzeitig. Da hat er halt was vergessen.” Und so lernen Menschen, die in einem kompletten Arbeitsleben einen Bruchteil von dem verdienen, was der Bayern-Präsident an Zinsgewinnen einsackt, ein großes Wort aus der Welt der Justiz fehlerlos auszusprechen: UNSCHULDSVERMUTUNG!

Nehmen wir doch einmal an, Uli Hoeneß wäre ein unbeliebter Politiker. Bei der Klage gegen den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff geht es noch um ein paar hundert Euro. Aber weil die Bild-Zeitung die Jagd mit allem Nachdruck betrieben hat, wurde der blutleere Nicht-Kämpfer radikal zum Abschuss freigegeben. Was hätte ihm geblüht, wenn er einen Millionenbetrug begangen hätte. Lebenslänglich? Oder Vierteilung durch mit Ecstasy aufgeputschte Heidschnucken?

Andere Beispiele: Der zurecht vergessene Ex-Bundesverkehrsminister der Nachwendezeit, Günther Krause, stolperte darüber, dass seine Ehefrau eine Putzhilfe zu 70 Prozent aus Fördermitteln des Arbeitsamtes bezahlt hatte. Die Menschen fanden es gut. Dem FDP-Politiker Jürgen Möllemann machte im Jahr 1992 die so genannte “Briefbogen-Affäre” den Garaus. Mit dem Briefkopf des Bundesministeriums für Wirtschaft hatte er deutschen Handelsketten einen Chip empfohlen, der als Pfandmünze bei Einkaufswagen zum Einsatz kommen sollte. Ein solcher Chip wurde von der Firma eines seiner Verwandten vertrieben. Der Rücktritt wurde bejubelt.

Das war auch immer so, wenn gierige Manager in die Wüste geschickt wurden. Für den Ex-Vorstandschef der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, hatte nach dessen Abgang wegen Steuerhinterziehung niemand mehr ein gutes Wort.

Volkes Sympathie macht jedenfalls den Unterschied. Als Bundesbildungsministerin Annette Schavan wegen einer teilweise abgeschriebenen Doktorarbeit den Hut nehmen musste, heulten nur einige Parteifreunde und das Volk nahm es eher gleichgültig auf. Dagegen wären dem dreisten CSU-Lügenbaron Karl Theodor zu Guttenberg vermutlich Hunderttausende gefolgt, wenn er dazu augerufen hätte, ihn per blutiger Revolution zurück ins Amt zu bringen.

Wie sehr ein entlarvter Gauner tatsächlich verachtet wird, hat also mehr mit dem persönlichen Image als mit dem Ausmaß seiner Tat zu tun. Verlassen kann man sich in dieser Situation wohl nur auf den Volksmund. Alsdenn, Sprichwort Nummer 2: “Bei großem Gewinn ist großer Betrug.” Stimmt.

Mai 14th, 2012

Röttgen, oder: Wenn der Blender bleich wird

Norbert Röttgen: Schöne Brille, aber sonst?

Norbert Röttgen: Schöne Brille, aber sonst?

Es gehört zu unseren Grundbedürfnissen, dass wir Menschen rein äußerlich mit ihren Aufgaben identifizieren möchten. Ein Model muss dürr, ein Profifußballer tätowiert und ein Popstar bunt angezogen sein. Darin steckt die Chance für die Blender dieser Welt. Es ist gut wenn diese scheitern. So wie am Sonntag der vormalige CDU-Star Norbert Röttgen.

Mit den größten Blendern der jüngeren Vergangenheit, Allzweckminister Karl Theodor zu Guttenberg oder Multimanager Thomas Middelhoff, kann Röttgen nicht mithalten. Aber so wie ihn hat man sich einen klugen Politiker schon vorgestellt. Graumeliertes, sorgfältig frisiertes Haar, Klugschau-Brille, geschliffene Rhetorik. Eben einer, der optisch auch einen Konzernmanager geben könnte und den man sich auch deshalb für die ganz großen Aufgaben (Merkel-Nachfolge?) vorstellen konnte.

Und dann versagt dieser Mensch in einem Wahlkampf von vorne bis hinten. Erklärt, dass „leider“ die Wähler/-innen und nicht die Parteifreunde über sein Schicksal entscheiden oder dass in Nordrhein-Westfalen über die Europa-Sparpolitik seiner Kanzlerin abgestimmt wird. Zudem gibt er zu erkennen, dass ihm dieses Bundesland nur dann nicht egal ist, wenn er dessen Chef wird.

Tja, heute gibt’s Blümchen von Angela Merkel. Vermutlich so ein mickriges Verlierergesteck, das Menschen beim Discounter für ihre nicht so sehr geliebten Müttern kaufen. Das haben zuletzt etliche hoffnungsvolle CDU-Politiker bekommen. Ein schöner Kranz wäre jeweils ehrlicher gewesen. Wahrscheinlich auch für Norbert Röttgen, den nächsten bald Vergessenen.

Januar 20th, 2012

Guttenbergs Brief: Bis Ende 2013 gescheitert

“Vorerst gescheitert” lautet der Titel des Buches mit dem Männergespräch zwischen Karl-Theodor zu Guttenberg und Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Seit heute wissen wir, dass das Scheitern bis Ende 2013 anhalten wird. Der ehemalige Politik-Star hat den CSU-Mitgliedern einen entsprechenden Brief geschrieben. Hier ist er. Sprachanalytiker, Graphologen und sonstige Kommentatoren bitte vortreten…

Dezember 19th, 2011

Wenn der Bock zum Gärtner wird

Nur wer das Böse kennt, kann dem Guten dienen. Wie das gemeint ist, erkläre ich am Beispiel unseres vorerst gescheiterten Starpolitikers Karl-Theodor zu Guttenberg in meinem aktuellen Video.

November 22nd, 2011

Loddar Guttenberg: Keiner braucht ihn

Wer ist der wahre Loddar Matthäus? Er?

Wer ist der wahre Loddar Matthäus? Er?

Oder er?

Oder er?

Wie schön, wenn man treue Freunde hat. So wie unser verflossener Polit-Held Karl Theodor und sonstwas zu Guttenberg. Der überraschend schnell vergessene Ex-Verteidigungsminister will nach einer Schäm-Frist zurück auf die große Politik-Bühne. Die Kumpels von Bild helfen mit. Und sogar die noble “Zeit” ist zur Stelle.

Wie anders ist es zu erklären, dass der Auftritt eines zwecks Charakterlosigkeit geflüchteten Politikers bei einer Sicherheitskonferenz im kanadischen Halifax eine solche Aufmerksamkeit findet? Bei jedem anderen wäre ein solches Comeback mit ähnlicher Intensität verfolgt worden, wie das Platzen eines Reissackes an einer Ausfallstraße nahe Shanghai. Aber es ist “Gutti”. Also bricht da ein Genie von Rang sein Schweigen und liest der Politik, den Regierungen und dem Rest der Welt der Leviten. Um nebenbei ein Buch mit dem Titel “Vorerst gescheitert” anzukündigen. Ein 208-seitiger Band, der Gespräche zu Guttenbergs mit “Zeit”-Chefredakteur Giovanni die Lorenzo dokumentiert.

Es ist der Auftakt zu einer typischen “Bild”-Inszenierung. In der nächsten Stufe werden zirka vier prominente Parteifreunde sowie Arnulf Baring, Peter Scholl-Latour und Johannes B. Kerner dem Volk erklären, warum Deutschland, Europa, die Welt und der Mond man auf dieses überragende politische Talent keinesfalls verzichten dürften. Erstmal erklärt das Boulevardblatt seinen Lesern den “neuen Guttenberg”. Wobei es zuallererst – man weiß eben, was bei Guttenberg wirklich wichtig ist – auf das Aussehen eingeht. Kein Gel mehr, Haare nach vorne gescheitelt, keine Brille mehr. Dass das wie ein kräftiger Bruder von Lothar Matthäus aussieht, erwähnt Bild nicht. Geradezu als befreit wird er geschildert. Der Ex-Verteidigungsminister könne sogar wieder ohne Bodyguards Bus fahren.

Ja, dann bleib doch dort, lieber Gutti. Genieße Dein Leben, fahr mal rüber zu Sarah Palin und schieß Dir ein paar Elche. Lass Dir beim Heimaturlaub von der Jugendfeuerwehr-Kapelle Unterzipfelbach “Highway to Hell” vorspielen. Aber dann lass es auch wieder gut sein.

Du siehst nicht nur aus wie Loddar Matthäus, Du hast auch sein Problem: Wir vermisssen Dich nicht, wir brauchen Dich nicht.

November 3rd, 2011

Markus Söder, unser Held zum Weltmännertag

Wie kein anderer pflügt er durch das Meer der Politik: Markus Söder.

Wie kein anderer pflügt er durch das Meer der Politik: Markus Söder.

Heute ziehe ich den Hut vor der CSU! In einer Zeit der schleichenden Feminisierung dieser Gesellschaft zeigt sie uns, dass sie echte Kerle zu schätzen weiß. Sie hat Markus Söder aus Nürnberg zum bayerischen Finanzminister ernannt. Und das ist, ob es der Konkurrenz gefällt oder nicht, ein starkes Signal zum heutigen Weltmännertag.

Markus Söder, das war immer der Mann fürs Grobe. Unvergessen ist der Vergleich vom Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg aus dem Jahr 2009. Da wurde der gerade irrwitzig berühmt gewordene Jungstar Karl Theodor zu Guttenberg als Gustav Gans der CSU bezeichnet, unser Mann aus Nürnberg jedoch als Donald Duck. Als ewiger Pechvogel wurde er diffamiert.

Er ist also so etwas wie die Bild-Zeitung der Christsozialen. Er wird gewählt, aber keiner will es gewesen sein. Seine Umgangsformen sind nicht elegant, Humor ist vorhanden, aber nicht feinsinnig.

Ausgeblendet haben die Satiriker, dass es sich bei Markus Söder um einen Überlebenskünstler ersten Ranges handelt. Ob seine Herren nun Strauß, Stoiber, Beckstein oder Seehofer hießen – der gelernte Fernsehredakteur diente seinen Herren zuverlässig in jedem Amt, das ihm zugewiesen wurde. Frei nach dem alten Journalisten-Erfolgsrezept “Nichts wissen, aber das gekonnt ausdrücken.” Und einen Guttenberg konnte er auch deshalb überstehen, weil seine eigene Doktorarbeit zum Thema “Von altdeutschen Rechtstraditionen zu einem modernen Gemeindeedikt. Die Entwicklung der Kommunalgesetzgebung im rechtsrheinischen Bayern zwischen 1802 und 1818“ so schlecht benotet wurde, dass es gar nicht um ein Plagiat handeln kann.

Eine Parteifreundin, die Markus Söder in innigstem Hass verbunden ist, äußerte sich über dessen Zukunft mir gegenüber einmal so: “Manchmal genügt es, am Ufer eines Fluss zu sitzen und darauf zu warten, dass die Leiche des Feindes vorüberschwimmt.”

So ist es jetzt: Söder sitzt am Fluss. Seehofer rudert hektisch durch die Gegend. Fortsetzung könnte folgen – sofern die CSU diese Personalie überlebt.

Mai 10th, 2011

Die Ursuppe der Casting-Stars

Ja, ich gebe es zu: In meiner jüngsten Helden-Umschau habe ich Deutschlands neuen Superstar Pietro Lombardi ausgespart. Das war ein Fehler, denn Casting-Stars wie der schnoddrige Italiener sind sozusagen das Gebot der Stunde. Wie aber kommt es, dass es immer mehr Berühmtheiten dieser Kategorie gibt?

Ich meine, dass das der Europäische Menschenrechtsgerichtshof zu verantworten hat. Dieser hat in seiner Rechtsprechung zu den Paparazzi-Attacken auf Caroline von Monaco (von Hannover) der Berichterstattung über Promis relativ enge Fesseln angelegt. Medien müssen sich sich zurückhalten. Sie müssen Juristen fragen, bevor sie fotografieren oder schreiben lassen. Weil es sonst teuer werden kann.

Also erschaffen sich die Medien ihre eigenen harmlosen Helden. Wer sich in die Fänge von DSDS, Dschungelcamp oder Supertalent begibt, unterschreibt auch, dass er seine Privatsphäre mitvermarkten oder sich vom Produktionsteam einen neuen Lebenslauf zuteilen lässt. Nun mag schwer sein, eine 18-jährige Nachwuchssängerin zur spannenden Persönlichkeit zu stylisieren. Aber wo ein Wille ist…

Castingstars sind für die TV-Sender und ihr Haupt-Vermarktungsorgan “Bild” auch deshalb interessant, weil sie schnell wieder verschwinden. Die DSDS-Gewinner der letzten Jahre kennt noch kaum jemand, die alten Let’s-Dance-Götter eh nicht. Und am kommenden Samstagabend wird zu erleben sein, wie ein Popsternchen namens Lena nach einem guten Jahr seiner Existenz verglüht.

In der Politik hat dieses Verfahren – nachhaltige Spannung durch mediale Todesfälle – bislang erst bei Karl Theodor zu Guttenberg überzeugend funktioniert. Weshalb es zunächst hierbei bleibt: Erst wenn das letzte Talent super ist, der letzte König seinen Dschungel verlässt, erst wenn die letzte Frau getauscht ist und der letzte Bauer seine Frau gefunden hat, werdet Ihr feststellen, dass Fernsehen manchmal ganz schön scheiße ist.

Mai 8th, 2011

Meine kleine (Anti-)Helden-Wochenschau

Wer ist ein Held, wer ist keiner? Oft ist das schwer zu sagen. Neben objektiven Kriterien kommt es auch auf die Einstellung des Betrachters an. Wichtig ist auch die Gegend, in der jemand bewertet wird.

Wir Franken lieben das Widersprüchliche. Unsere Helden mögen geniale Erfinder oder irgendwelche Weltmarktführer sein. So richtig sympathisch werden sie uns aber erst, wenn sie nicht zu glatt sind und auch Fehler oder Irrtümer begangen haben. Ein bisschen erkennbare Tragik darf gerne sein. Siehe Lothar Matthäus.

Der Oberfranke Karl Theodor zu Guttenberg hingegen ist endgültig aus unserem Heldenraster gefallen.

April 23rd, 2011

Ein sauberes Buch zum sauberen Bier

Welch ein Datum: Der heutige 23. April ist ein doppelter Gedenktag von hoher Aktualität.

Ich sehe ihn besonders interessiert als “Tag des Deutschen Bieres”. Niemand wird bestreiten wollen, dass das vor 495 Jahren erlassene Bayerische Reinheitsgebot ein segensreicher Entschluss war. Zwar panschen die Brauereien inzwischen alle möglichen Säfte ins Bier. Aber wer es sauber haben will, kann es kriegen.

Speziell bei Doktorarbeiten ist das mit der Reinheit nicht so einfach. Wie wir inzwischen wissen. Trotzdem: Heute ist auch Welttag des Buches und des Urheberrechtes. Wollen wir mal hoffen, dass es noch Autoren gibt, die ihre Texte ohne Copy und Paste formulieren. Sonst gibt’s irgendwann nix Neues mehr zu lesen.

Und: Zwar klingt die liberale Abschreiberin Silvana Koch-Mehrin vom Vornamen her nach Weißwein. Dafür kommt Ex-Doktor Karl Theodor zu Guttenberg aus einer Gegend, in der es originelle Biersorten in Hülle und Fülle gibt. Setzt Euch doch mal zusammen, ihr beiden. Trinkt oberfränkischen Gebräu – und lasst Euch die Kraft der Reinheit mal richtig in die Birne fahren.

Wir sollten das auch tun. Wenn auch aus anderen Gründen. Prost!

April 11th, 2011

Zu Guttenberg netter als van Gaal? Vielleicht nicht

Ja, dieser Karl Theodor zu Guttenberg war ganz anders: Unbestechlich, unabhängig, energisch und dennoch sympathisch. Einer, der den Taliban im schicken Wüsten-Outfit Dampf unterm Hintern machte und auch ansonsten die schwierigsten Aufgaben mit einem strahlenden Lächeln löste. Doch immer stärker zeigt sich, dass wir uns getäuscht haben. Dass einer wie er “trickreich” dissertiert, dann aber vor der Verantwortung desertiert, hätten wir nie und nimmer gedacht.

Dabei galt uns Guttenberg als exaktes Gegenstück zu Fußballtrainer Louis van Gaal. Dieser hätte den Verdacht des Abkupferns mit den Worten “Ich bin wie Gott. Ich weiß alles” kommentiert. “Als Trainer top. Als Mensch ein Arsch”, hätten wir geantwortet und ich heim ins Tulpenland geschickt. Uns war immer klar, dass dieser Egomane scheitern musste.

Jetzt aber zeigt sich: Auch Baron zu Guttenberg weist eine schwierige Persönlichkeitsstruktur auf. Er war zunächst nicht bereit, Fehler zuzugeben und flüchtete sich dann in Ausreden. So wie einst Roland Koch kündigte er an, bei einer brutalstmöglichen Aufklärung seiner Affäre vorneweg zu marschieren. Aber jetzt, wo sie ihm an der Uni Bayreuth offenbar auf die Schliche gekommen sind, will er seine Anwälte eine öffentliche “Würdigung” seiner Doktorarbeit verhindern lassen. Und auch die Bayerische Staatsregierung ist bemüht, die Angelegenheit diskret, sprich ohne Strafverfolgung zu regeln.

Na gut, Egoisten sind wir alle. Aber, ehrlich, wer ist uns letztlich lieber? Das ehrliche Ekelpaket aus den Niederlanden oder der smarte Vertuscher aus Oberfranken? Hm!

April 8th, 2011

Nur echte Doktoren werden verehrt

Wen mögen, wen lieben, wen verehren wir? Diese Frage zieht sich durch unser gesamtes Leben. Die damit verbundenden Konsequenzen sind allerdings unterschiedlich. Je weiter jemand weg ist, umso leichter legen wir uns fest. Das klappt beim so genannten Politiker-Ranking, fällt uns aber noch leichter, wenn es um Berufe geht. Und Sieger ist der, der Karl-Theodor zu Guttenberg nicht mehr ist: der Doktor.

März 5th, 2011

Babynamen 2010: Stillstand statt Pfefferminza

Alarm, Alarm! Diese Republik stagniert. Ablesen lässt sich das aktuell an der von der  Gesellschaft für deutsche Sprache herausgegebenen Rangliste der beliebtesten Vornamen für Neugeborene. Die Favoriten sind schon seit Jahren die gleichen. Was ist bloß los? Wo bleibt die Innovationskraft in diesem Land der Dichter, Denker und Weltmarktführer?

So hat ein Standesamt den Wunschnamen Pfefferminza abgelehnt. Gut, die dazugehörigen Eltern haben einen Sprung in der Schüssel. Aber: Es ist ein Name aus der Weltliteratur, nämlich einer der fünf Vornamen von Pippi Langstrumpf. Nicht genehmigt wurden auch Gihanna und Menez. Obwohl das verdächtig nach DSDS-Kandidaten klingt.

März 3rd, 2011

Bis zum Comeback helfen Heidi und Ken

Ken (50) - irgendwie der bessere zu Guttenberg

„Wir wollen Guttenberg zurück!“ An diesem 3. März gegen 11 Uhr hatten sich hierzu auf Facebook bereits über eine halbe Million Menschen bekannt. Aber geht es diesen Menschen wirklich um gute Politik? Darum, dass Deutschland am Hindukusch durch die CSU verteidigt wird? Nein. Hinter diesem Aufschrei steckt unsere Sehnsucht nach Schönheit. Der Trost: Uns kann geholfen werden.

Gut, auch Thomas de Mazière hat das Gesicht eines Politikers, welcher ernsteste Probleme löst. Aber er ist keine „Stilikone“, wie „Bild“ seinen Vorgänger betitelt hat. Doch was soll man machen, wenn ein Stern zunächst so gleißend hell strahlt, um dann umso schneller zu verglühen?

Eine viel größere Ausdauer zeigt zu Guttenbergs in feinsten Kunststoff gegossenes Ebenbild. Ken, der keimfreie Gefährte von Barbie, feiert bald seinen 50 Geburtstag. Am 11. März 1961 tauchte er unter seinem vollständigen Namen Ken Carson erstmals im Handel auf. Bei seiner Premiere trug er rote Badeshorts, Sandalen und ein gelbes Handtuch. 1973 gab es Ken erstmals mit kämmbarem Haar, er erschien uns als Pilot, Olympiawettkämpfer oder Pilot.

Dass er von Anfang an ein ziemlich hirntoter Lackaffe war, wurde ihm angesichts des blendenden Äußeren verziehen. Das kennen wir ja von irgendwo her.

Aber eine aufs Sofa gesetzte Puppe, so wird mancher nun einwenden, ersetzt doch keinen Politiker aus Fleisch und Blut. Gut, dann legen wir eben noch was drauf: Heute, am Tag 2 nach Guttenbergs Rücktritt, beginnt wieder die famose Castingshow „Germany`s Next Top Model“. Und auch dort wird unsere Super-Dummina Heidi Klum Fachwissen darüber vermitteln, wie wichtig es im Leben ist, immer blendend auszusehen.

Die stilbewussten Guttenberg-Fans sollten Ken und diese Sendung nutzen, um die Zeit bis zum Comeback ihres wahren Stars zu überbrücken. Denn dass es zur glänzenden Wiederkehr kommen wird, lehrt uns der Lyriker Rainer Maria Rilke: „Alle, die in Schönheit gehen, werden in Schönheit auferstehn.“

März 1st, 2011

Die Lösung: Die Guttenbergs zu “Wetten, dass…?”

“In diesen Tagen ist der sonst als Stilikone auftretende Mann zu beobachten, wie er eingefallen und stoppelbärtig erscheint. Er nestelt ungeschickt an seinem Jackett herum. Plötzlich wahren auch solche Menschen Distanz zu ihm, die sich vorher nicht dicht genug zu ihm hindrängen konnten. Wie hält der Mann das aus? Wie kämpft er gegen sein Leid?”

Diese (minimal veränderte) Herz-Schmerz-Prosa aus “Bild” gilt nicht einem unverschuldet in Hartz IV abgedrifteten Ex-Angestellten, sondern unserem Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg am Tag vor dessen Rücktritt. Die Frage ist aber nicht, wie die Leser ihren Schmerz beim Lesen dieses Textes überwinden. Es geht darum, was wir mit ihm anfangen. Nach seinem Leben in der Politik. Wie wir alle miteinander verhindern, dass er aus schierer Verzweiflung irgendwann stockbesoffen unter den Brücken von Kundus herumliegt.

Und ja, es gibt eine mögliche Fügung des Schicksals, nämlich “Wetten, dass…?”.

Ich hatte vor einigen Tagen nach möglichen Nachfolgern für Thomas Gottschalk gefragt. Als klarer Favorit entpuppte sich mit 80,42 Prozent der Stimmen Hape Kerkeling. Allerdings ist diese Quote anzuzweifeln, weil es schwer danach aussieht, als hätte sich da ein Hardcore-Fan die Finger wundgeklickt. Während Frank Elstner total und Jörg Pilawa ziemlich herb durchfielen, kam Dieter Bohlen mit 5,59 Prozent auf Platz drei.

Auf Platz zwei jedoch finden wir – richtig – Stephanie zu Guttenberg. Ihr trauen 10,49 Prozent zu, die berühmteste ZDF-Show zu moderieren. Ja, und nun stellen wir doch mal ihren Göttergatten dazu.
Wie Thomas Gottschalk kommt er aus Oberfranken, wird von den Leuten gerne angeschaut, kann ohne Punkt und Komma reden, ist im Herzen ein Rocker und weiß sich immer passend anzuziehen. Schließlich: Er würde eine Sendung übernehmen, in der fast immer die Schummler das größte Aufsehen erregt haben.

Stephanie und KT als Moderatorenpaar bei “Wetten, dass…?” – es wäre die von Millionen Rentnern herbeigesehnte Wiederkehr von Paola und Kurt Felix im 21. Jahrhundert. 15 Millionen und mehr würden zuschauen. Und Gottschalk wäre schnell vergessen.

Februar 24th, 2011

Plagiat? Der Soldat tarnt und täuscht

“Über Plagiate sollte man sich nicht ärgern. Sie sind wahrscheinlich die aufrichtigsten aller Komplimente.” Der Dichter Theodor Fontane, der uns diese Weisheit über *Fußnote* www.metager.de mitteilt, hatte leicht reden. Zu seinen Lebzeiten (1819-1898) war es ja auch noch schwer, irgendetwas abzukupfern. “Copy and Paste” gab es noch nicht. Mancher hatte beim Abschreiben wahrscheinlich mehr Mühe als der Poet, dem die schönen Worte nur so aus der Feder flossen. Kurzum, Ideenklau war eine Strafe für den Dieb.

Wir haben uns mittlerweile an Plagiate aller Art gewöhnt. Wir freuen uns diebisch, wenn wir aus Thailand oder aus der Türkei eine superbillige “Rolex”-Uhr oder eine “Armani”-Jeans für zwölf Euro mitbringen. Beim Radiohören wird uns tagtäglich bewusst, dass es kaum noch möglich ist, einen Pop-Song zu schreiben, der nicht verdächtig nach einem anderen klingt. Wir haben uns daran gewöhnt, dass sich viele Autos verschiedener Hersteller verdächtig ähnlich sehen.

Diese Welt ist also voller Plagiate. Das muss sie auch, denn die Menschen brauchen verlässliche Strukturen. Sie würden es gar nicht aushalten, wenn jeden Tag irgendetwas völlig anders wäre. Der Fortschritt ist eine Schnecke (*Fußnote* Urheber ist mit Sicherheit berühmt, aber mir nicht bekannt). Und das bedeutet, das auch die meisten neuesten Dinge zu einem erheblichen Teil kopiert.

Nächste Frage: Macht diese Erkenntnis Karl Theodor zu Guttenbergs Abschreiberei und ihn als Person und Juristen besser? Natürlich nicht. Disqualifiziert ihn das für das Amt des Verteidigungsministers? Das gerade nicht. Denn Tarnen und Täuschen ist integraler Bestandteil des Soldatenlebens. Es gibt die Zentrale Dienstvorschrift (ZDV) 3/710, in der anhand vieler Beispiele erläutert wird, wie man andere Menschen gekonnt übers Ohr haut. Zum Beispiel, indem man sich im Wald wie eine Fichte anzieht. Oder sich bei Dunkelheit das Gesicht schwarz anmalt.

Oder indem man die Garderobe ans jeweilige Gelände anpasst. Und so sieht man Karl Theodor zu Guttenberg im Bundestag im feinen Zwirn, in Afghanistan jedoch in einer sandfarbenen Tarnhose. Dieser Mann hat verstanden. Er trickst und gibt sich immer so, wie es ihm nützt. Er ist der Soldat im Kabinett. Ob das gut ist, steht auf einem anderen Blatt.