Das Ratespiel der Stunde: Finde das zweite Thema

Ein spannendes Ratespiel in diesen flüchtlingsbewegten Zeiten könnte lauten: Finde das zweite Thema. Gut, wir kriegen wieder Griechenland auf den Schirm, wo doch dieser linke Hasardeur Alexis Tsipras trotz alledem kaum Stimmen verloren hat. Und natürlich Volkswagen, das zugegeben hat, dass es in den USA die Abgasmessungen von „Das Auto“ manipuliert hat. Ein Verhalten, das man bisher nur von einem Club mit gelben Engeln und von halbseidenen Autoschraubern gekannt hat.

Das könnte was werden. Aber zugleich müssen wir an die BSE denken. Diese Krankheit, die riesengroß war und dann fast schlagartig aus den Medien verschwunden ist. Gibt es möglicherweise einige unerledigte Dinge, die wir aus dem Blickfeld verloren haben? Blicken wir ein Jahr lang zurück –  stichprobenartig.

Im September 2014 wurde darüber diskutiert, dass die von den Autoherstellern gemeldeten Schadstoffwerte nicht stimmen können. Sie würden ja unter Laborbedingungen ermittelt, die mit dem normalen Straßenverkehr nichts zu tun hätten. Außerdem würden die Werte der Neuwagenflotten durch Elektroautos nach unten korrigiert, die allerdings keiner will. Tatsächlich ist gerade bekannt geworden, dass die Autofirmen mehr als die Hälfte ihrer E-Autos auf sich selber zulassen. Ist da vor einem Jahr ein US-Umweltbeamter hellhörig geworden?

Im Oktober 2014 war das Einfrieren von menschlichen Eizellen zwecks konzerngerechter Geburtenplanung ein großes Thema. Daran dürfte sich nichts ändern, zumal Hollywood-Stars (zuletzt Jennifer Aniston) der Erfolgsfrau klar machen, dass sexfreies Befruchten das Optimum ist. Wir hatten aber auch den – jawohl – Lokführer-Streik. Alleine der Gedanke, dass dieser jetzt stattfinden könnte, sollte unseren „besorgten Bürgern“ Tränen in die Augen treiben.

Zuwanderung wird von meiner Heimatstadt Nürnberg aus gesteuert. Angeblich hat ja ein unglückseliger Twitter-Beauftragter des Bundesamtes für Migration mit einer unvorsichtigen Kurzmitteilung dafür gesorgt, dass sich zurzeit die allermeisten Flüchtlinge als Syrer bezeichnen. Gerne übersehen wird allerdings der Beitrag der hier ansässigen Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Diese meldete im Oktober 2014, dass Deutschland das Land mit dem weltweit besten Image sei. Und jedes Medium hat diese Pressemitteilung aufgegriffen.

Man kommt also zur Erkenntnis, dass das jetzige einzige Thema vor einem Jahr schon da war. Irgendwie. Die Suche nach dem zweiten Thema sollten wir also weiter hinten beginnen. Vor fünf Jahren zum Beispiel. Der große Aufreger im September 2010: Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke. Sie meinen, wenigstens das sei abgehakt? Wenn wir uns da nicht täuschen. Gerade schaut ja keiner hin…