Wenn das Show-Sofa zum Sarg wird

„Wetten, dass…?“ ist nicht mehr. Ja, dieser Satz wird wahr. Die größte Show des deutschen Fernsehen wird Ende des Jahres von uns gegangen sein – nach langem Siechtum. Dieser Tod war absehbar.

Ich zitiere mich einfach selbst. Zum Abschieds-Auftritt von Thomas Gottschalk Ende 2012 habe ich geschrieben:

„Eines der faszinierendsten Themen für uns Menschen ist der Tod. Deshalb musste Jesus leiden und auferstehen, deshalb liegen millionenfach Krimis und Thriller unter dem Weihnachtsbaum – und deshalb hatte “Wetten, dass…?” am 3. Dezember eine Zuschauerzahl, wie man sie sonst nur von wichtigen Fußballspielen kennt. 14,73 Millionen Menschen wollten den Abgang von Thomas Gottschalk miterleben.

Die Fernsehzuschauer machten also klar: Vielleicht hat man den Meister des Breitgrinsens irgendwo satt, vielleicht mag man seine PR-lastige Show gar nicht mehr so sehr, aber zum Begräbnis geht man als anständiger Mensch.

So hat sich das auch gehört. Denn jede/r Nachfolger/in wird scheitern. Die Frage ist nur, mit welcher Wucht. Das Konzept und die Präsentation von Wetten, dass…? sind derart verstaubt, dass es nur durch und mit Gottschalk funktioniert hat. Seine Abschieds-Show zeigte das. Gäste oder Wetten waren völlig nebensächlich. Es ging nur um den Chef…“

So ist es gekommen. Der bedauernswerte Markus Lanz  erlebte seitdem von Show zu Show eine Echo, das von „einigermaßen vernichtende Kritik“ über „ziemlich vernichtende Kritik“ bis „völlig vernichtende Kritik“ reichte. Noch ein paar Sendungen, und der Schrecken hat zumindest für ihn ein Ende.

Wir werden das Ende von „Wetten, dass…?“ überleben. Ein Volk, das ohne Peter Frankenfeld und Rudi Carrell auskommt, wird auch ein Dasein ohne Samstags-Lanz durchstehen.

Wirklich Grund zum Heulen haben jedoch die Mitglieder eines eingetragenen Vereins, nämlich des VdDP mit Sitz in Herford/Nordrhein-Westfalen. Die Abkürzung steht für „Verband der Deutschen Polstermöbelindustrie“, einer Vereinigung, die vom ZDF-Showjuwel mehr profitiert haben dürfte, als die allermeisten Gaststars. Ging doch von „Wetten, dass…?“ immer die Botschaft aus, dass unterhaltsame Gespräche immer dann entstehen, wenn Menschen nebeneinander auf einem Sofa sitzen. Nun wird die Couch aus dem Fernsehgeschehen verschwinden, das Volk blickt lieber auf unbequeme Holzpritschen in australischen Dschungelgebieten.

Das zauberhafte Sitzmöbel wird zum Grab, es taugt bestenfalls noch für’s Museum. Und unser VdDP muss mit seltsamen Botschaften dagegen halten. Seine neueste Pressemitteilung lautet so: „Die widersinnige Grenzwert-Ziehung bei Formaldehyd in Höhe von 0,01 ppm durch russische Gesundheitsbehörden lässt die Branchenverbände der Möbelindustrie in Deutschland und Russland zusammenrücken. Ein Ergebnis ist der geplante Aufbau einer gemeinsamen Zertifizierungsstelle für Möbel in Russland.“ Wie traurig, dass wir das jetzt brauchen,