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Unsere Regierung: Nix Großes, aber kleiner Mist
Nun lasst es doch mal gut sein. Diese Bundesregierung ist gar nicht so schlecht, wie alle sagen. Sie ist vielmehr ganz nah dran am Volk. Wie viele von uns, bekommt sie nichts hin. Und der dazugehörige Satz lautet: “Morgen fange ich an.”
Wir kennen das, insbesondere von unserem persönlichen Gesundheitsmanagement. Wir haben uns entschlossen, unsere Rente langfristig auszukosten. Dazu müssen wir – logisch – unseren Körper in Schuss halten. Wir müssen Sport treiben, Fett abbauen. Dazu fassen wir Pläne.
Bloß: Der Einstieg ins Zukunftsprogramm mag uns nicht so recht gelingen. Also vertagen wir den Raketenstart auf morgen oder übermorgen. Und fangen mit kleinen Dingen an. Zum Beispiel mit temporärem Gummibärchen-Verzicht.
Und so macht es auch die schwarz-gelbe Koalition. Gestartet ist sie einst mit der machtvollen Parole vom “Durchregieren”. Zwischendrin gab es einen ziemlich folgenlosen “Herbst der Entscheidungen”. Nunmehr folgten Koalitionsgipfel und Kabinettssitzung. Mit einer enormen Tagesordnung, aber minimalen Ergebnissen.
Wichtiges wurde verschoben, das Betreuungsgeld hingegen wurde beschlossen. Dafür dankt die CSU. Außerdem gibt’s fünf Euro für die Pflegeversicherung. Dafür danken die FDP und die ihr treu verbundene Versicherungswirtschaft.
Politik also frei nach der Devise: Wachsen uns die Aufgaben über den Kopf, schaffen wir wenigstens noch kleinen Mist. Da brummt er zufrieden, der bayerische Problem-, äh Koalitionsbär.
Politiker auf dem Gipfel? Da stehen heute die Bosse
Jawohl, früher war es besser. Da konnte man noch Vertrauen haben. Da wurde noch regiert. Fußball-Weltmeister wurden wir auch. Aber heute?
Gerade waren G 8- und G-20-Gipfel. Und von dort kehrt Angela Merkel mit einer französisch/italienischen Bilanz zurück. Vielleicht kann sie später ein paar schöne Bilder im Kreise der mächtigsten Männer dieser Welt herzeigen. Viel mehr aber auch schon nicht. So darf sie zwar sparen lassen, hat aber bei ihrem persönlichen Vorzeigethema “Neue Finanzmarktregeln” nichts Vorzeigbares erreicht.
Klimagipfel: Wer bekommt die Welt-Abwrackprämie?
Der Klimagipfel ist also ziemlich übel gescheitert. Aber darüber jetzt zu schreiben, lohnt nicht. Schließlich habe ich das schon vor zwei Wochen hier angekündigt und begründet. So, wie die Verhältnisse aktuell sind, konnte das nichts Bahnbrechendes werden.
Origineller ist doch, wozu sich die Gesellschaft für deutsche Sprache entschlossen hat: Sie hat “Abwrackprämie” zum Wort des Jahres erklärt. Richtig so. Denn anders als das landwirtschaftliche Flächenstilllegungsprogramm ist die Abwrackprämie nicht nur ratzfatz in die Alltagssprache eingesickert. Wir haben sie auch noch allesamt derart stark genutzt, als wäre da etwas aufgetaucht, das wir uns insgeheim immer gewünscht hatten.
Es ist doch auch eine Verheißung. Man bekommt Geld, weil man dafür sorgt, dass etwas, dass man gebraucht, geschätzt oder gar geliebt hat, verschwindet. Und zwar so, dass es nicht mehr wiederkommt und garantiert keinen Spaß mehr hat. Ein Abwrackauto fährt nie wieder, Ex-Partnerin oder -Partner sind, wenn es schlecht läuft, fideler als vor der Trennung. Wobei sich diese für einen von beiden auch finanziell lohnen kann.
Interessanterweise ist auch der zweitplatzierte Begriff doppeldeutig. “Kriegsähnliche Zustände” konfrontiert uns mit weichspülerischer Politiker-Sprache in Sachen Afghanistan. Es gibt diese aber auch in Ehen, Lebensabschnittsbeziehungen und in Bürogemeinschaften. Rang drei für Schweinegrippe verweist uns auf unseren Hang, bestimmten Botschaften besinnungslos zu folgen. Wo doch diese Pandemie einfach nicht gefährlich werden will.
Und damit schließt sich der Kreis zum Abwracken und zum Klimagipfel. Die Mächtigen der Welt haben in Kopenhagen offenbar erkannt, dass diese Welt und insbesondere das menschliche Leben lange genug besteht, um allmählich ausgelöscht zu werden. Das käme ohnehin so. Man zerstört gar nicht, sondern führt das Ende nur schneller herbei.
Wem aber gebührt die Welt-Abwrackprämie? Den Aktionären der Kohelkraftwerksbauer? Den Fernfluglinien und ihren gedankenlosen Passagieren? Leuten, die das Fenster aufreißen. während die Heizung läuft?
Das Blöde an der Sache ist, dass die neue Welt , die nach dem Abwracken kommen müsste. noch nicht entdeckt ist. Und deshalb fällt die lustige Abschlusspointe an dieser Stelle aus. Weil es einfach keine gibt…
Müde Politiker in dünner Luft
Gipfel und Abgrund sind eins. Das sagte der große Denker Friedrich Nietzsche, wie stets ein wenig rätselhaft. Wenn man die Beschlüsse der Berliner Koalition anschaut, beginnt man diesen großen Satz zu verstehen. Der Gipfel ist nicht zwangsläufig der Ort der Erleuchtung.
Gipfel, das Wort signalisiert uns Großes. Es ist der Ort, nach dem der mühselige Mensch heftig strebt. Dort angekommen, fällt die Last dieser Welt von ihm ab. Er ist befreit, ist Gott nahe, er schaut von oben auf die Probleme der Welt, die auf einmal ganz klein erscheinen. Ja, beim Erreichen des höchsten Punktes ist etwas ganz Besonderes passiert. Wer hier steht, hat es geschafft und macht keine Fehler mehr.
Schön, bloß: Wer so denkt, kennt die reale Politik nicht. Wahrscheinlich auch keine tatsächlichen Gipfelstürme. Denn nach einem langen, langen Aufstieg sind die Helden übermüdet. Hinzu kommt die Höhenluft, die die Sinne ein Stück weit vernebelt. Und dann stehen da mehrere Leute oben, die sich untereinander eigentlich nicht ausstehen können. Irgendwie müssen sie sich einigen. Oder wenigstens so tun.
Aus solchen Situationen nährt sich der faule Kompromiss. Jeder hat einen nutzlosenWunsch frei – bekommt ihn aber sicher erfüllt.
Das hilft für den Moment. Ganz klar. Nie vergessen sollte man allerdings: Vom Gipfel nach unten kann es viel schneller gehen als umgekehrt.