217 Jahre Arbeit für Gerechtigkeit

Was ist gerecht? Weil gerade 1. Mai war und weil ein paar Wahlen  vor der Tür stehen, wird diese Frage gerade wieder leidenschaftlich diskutiert. Haben alle die gleichen Chancen? Ist der Wohlstand gerecht verteilt? Lohnt sich Leistung immer? Ja, so möchten wir unsere Gesellschaft gerne haben. Doch das ehrliche Fazit lautet: Nette Idee. Aber träumt weiter!

Nehmen wir doch diese Zahl: In Deutschland werden pro Jahr rund 300 Milliarden Euro vererbt. Das Aufkommen an Erbschaftssteuer lag zuletzt bei 6,4 Milliarden Euro. Das bedeutet, dass sich dieses Land den Luxus gönnt, einen leistungsfrei erworbenen Wohlstand mit 2,1 Prozent zu besteuern. Man erinnert sich an Guido Westerwelles Wort von der „spätrömischen Dekadenz“. Der frühere FDP-Vorsitzende wollte damit die ruinöse Ausbeutung des Staates durch Sozial-Schmarotzer anprangern. Bezogen auf die Erben passt der Begriff besser.

Nun blinken bei den besonderen Gerechten,  zum Beispiel in der CSU, die Warnleuchten. Wer Kapital erbe, lebe nicht automatisch in Saus und Braus.  Er sichere vielmehr als fürsorgerlicher Unternehmen viele Arbeitsplätze. Eine hohe Erbschaftssteuer schade bloß dem Standort. Also Finger weg vom hart Erarbeiteten der Eltern und Großeltern. Keiner wird wollen, dass die Startphase junger Unternehmer mit einer Bruchlandung endet. Aber unsere heutige Staatsräson lautet doch so: Wer reich ist, soll das bleiben.

Nehmen wir Vorstände von DAX-Unternehmen. Ihr durchschnittliches Jahreseinkommen beträgt fünf Millionen Euro. Nun kann jeder kalkulieren, wie lange er bräuchte, diesen Betrag zu erarbeiten. Das Vollzeit-Jahreseinkommen einer Verkäuferin liegt bei 23.000 Euro. Sie bräuchte demnach 217 Jahre, um mit dem Ein-Jahres-Vorstand mithalten zu können.

Ist das gerecht? Die Frage ist allenfalls rhetorisch. Aber sie muss gestellt werden. Ungleichheit zerstört die Gesellschaft. Wer Umverteilung fordert, dient dem Staat. Alsdenn: Trauen wir uns. Bloß keine falsche Scheu.

Es gibt ein Recht auf Faulheit

Spüren Sie, wie schön es ist? Seit Tagen kein Amoklauf, keine wichtigen Spiele der Bundesliga, kein akuter Streit um Erdogan. Es herrscht sommerliche Ruhe. Wir können uns entspannen, unterm Sonnenschirm Espresso oder Bier schlürfen. Unser gestresstes Gehirn hat Pause, es macht Urlaub von den bösen Gedanken.

Diese Situation passt zum internationalen Faulpelztag am 10. August. Dessen Titel klingt zwar negativ, aber er soll der Menschheit die richtige Erkenntnis vermitteln, dass es völlig in Ordnung ist, einfach einmal gar nichts zu tun. Dasitzen, auf die imaginäre Prärie starren oder olympisches Dressurreiten schauen, und das Bruttosizalprodukt nicht zu steigern. Doch wo die Chinesen 28 Stunden am Tag arbeiten: Ist dann nicht unanständig?

Gar nicht. Hilfe bekommen wir von der Wissenschaft. Im Interview mit den Nürnberger Nachrichten hat der Neurologe Frank Erbguth klargestellt, dass das menschliche Gehirn schöpferische Pausen braucht. Wer sich diese gönne, sei hinterher frischer und ausgeruhter als die rastlosen Schaffens-Fanatiker. Wer döst, schafft es auf die Überholspur. Dauerhektik ist widernatürlich, erläutert der Hirnforscher und belegt es mit diesem Satz: „Kein Hund käme auf die Idee, einfach mal durchzumachen.“

Das sitzt. Danke für die Erkenntnis, Herr Professor. Auch wenn sie nicht neu ist. Die Arbeiterbewegung hat schon im 19. Jahrhundert erkannt, dass es nicht gut sein kann, wenn Arbeiter rund um die Uhr schuften. Im Jahr 1900 wurde der 10-Stunden-Tag, 1918/19 der Acht-Stunden-Tag geregelt. Schließlich wurden Verkürzungen der Arbeitszeit bis hinunter zur 35-Stunden-Woche erstreikt.

Chefs sehen die Sache meistens anders. Fürs Ranklotzen gibt es Schulterklopfen, fürs Burnout eher nicht.

Doch: Wir haben es selber in der Hand. Legen wir Pausen, denn ein Recht auf Faulheit gibt es. Sagt das Arbeitszeitgesetz. Ob wir dabei der Gewerkschaft oder einem Hirnforscher folgen, ist letztlich egal. Hauptsache, wir machen es.

 

 

 

 

Die neuen Tagelöhner sitzen am PC

Den 1. Mai wird es, als „Tag der Arbeit“ noch sehr lange geben. Wäre ja auch noch schöner, wenn uns der einzige globale Feiertag genommen würde, welcher nicht von Staaten oder Kirchen ausgerufen worden ist. Was aber wird aus der Arbeit?

Der Druck auf arbeitende Menschen wird gewiss weiter steigen. Unsere Wirtschaft ist an Wachstumsraten, vor allem bei den Gewinnen gewöhnt. Bloß gab es in den vergangenen Jahren stets diese „moderaten“ Tarifabschlüsse. Heute ist die Inflation niedrig. Guthabenzinsen sind minimal, Kredite deutlich teurer. Also kaufen die Menschen zaghaft. Kurzum: Es rührt sich nichts.

Die Arbeitgeber reagieren mit jenen Methoden, die für sie naheliegend sind. Sie quetschen ihre Beschäftigten aus. Wenn der Umsatz stagniert, muss die Produktivität steigen. Stellen werden nicht mehr besetzt, die Arbeitsmenge bleibt mindestens gleich. Der Druck steigt und steigt. Nette Chefs bieten – immerhin – Yoga am Mittag oder bezahlen die Startplätze für Firmenläufe. Ganz so, als gehörte es zu den Pflichten der Beschäftigten, sich für das tägliche Hamsterrad fit zu halten.

Was aber, wenn das alles noch nicht für schöne Zahlen reicht? Auch dafür haben Arbeitgeber eine Lösung: Es gilt, Menschen so einzusetzen, als würden sie nach seriösen Regeln beschäftigt. Ansonsten behandelt man sie anders. Leiharbeit ermöglicht es, Mitarbeiter ohne Kündigungsschutz loszuwerden. Auch mit befristeten Verträgen bringt man jemand bequem in eine Abhängigkeit vom Chef. Wer aufmuckt, bleibt nicht. Werkverträge sind wirksame Werkzeuge, um den Wert von Arbeit nach unten zu definieren. Warum gemäß Tarif 12 Euro bezahlen, wenn es doch den Mindestlohn gibt?

Aber die vorläufige Krönung der Kostenminimierung ist das so genannte „Cloudworking“. Menschen bieten auf Internetplattformen ihre Fähigkeiten und ihre guten Ideen feil. Weil die Konkurrenz groß ist, halten sie die Preise niedrig. Arbeitgeber haben die freie Auswahl. Sie können die Billigsten unter den Besten herausfiltern und zuschlagen. Es gibt ein Honorar, um alle Nebenkosten müssen sich die zumeist gut ausgebildeten Cloudworker selbst kümmern.

Mag sein, dass der eine oder andere auf diese Weise reich und berühmt wird. Aber eigentlich erleben wir Ausbeutung im großen Stil. Das Internet spiegelt die Wirklichkeit, in diesem Fall das Dasein der Tagelöhner, die früher an bestimmten Straßenecken standen. In der Hoffnung, dass sie wenigstens an diesem Tag ein paar Kröten einnehmen.

Dieser brutale Kapitalismus ist widerlich. Wir sollten ihn bekämpfen. Sein Niedergang? Er hat ihn verdient.

Wer den Bossen blind vertraut, lebt verkehrt

Wir sehen diesen Herrn im feinen Anzug, entweder drahtig und durchtrainiert oder grauhaarig-professoral. Ja, da ist einer, der uns zu führen vermag. Ein Chef wie aus dem Bilderbuch. Wir vertrauen, fühlen uns wohl dabei – und machen einen großen Fehler.

Ex-VW-Chef Martin Winterkorn hat uns das gerade wieder gelehrt. Vor wenigen Wochen hat er einen heftigen hausinternen Machtkampf gewonnen, weil er von seinen Unterstützern als fähigster Manager überhaupt angesehen wurde. Jetzt ist er weg. Als oberster Verantwortlicher des Größten Anzunehmenden Unfalls, den sein Konzern erleben konnte.

Doch auch andere bedeutende Männer haben uns schwer enttäuscht. Denken wir an den vermeintlichen Quelle-Retter Thomas Middelhoff oder an den Manager Peter Hartz, früher ebenfalls in Diensten von Volkswagen. Nach ihm wurden sogar Gesetze benannt – der Charakter hielt auch bei ihm mit dem Ruhm nicht Schritt.

Sicher, es ist schwer, sich von der Kombination Macht und Geld nicht korrumpieren lassen. Zumal sehr wichtige Personen immer viele Jünger finden und zahlreich Freunde haben. Und wenn dann noch der Zwang dazu kommt, ein Produkt so schönzureden, dass ein Höchstpreis verlangt werden kann, wird es in Sachen Ethik erst recht problematisch.

In Nürnberg wurde gerade ein Gewerkschafter, der sich für die Rechte von Textilarbeiterinnen und -arbeitern in Bangladesch einsetzt, mit dem Menschenrechtspreis geehrt. Amirul Haque Amin kann die Gewinnspanne einer sympathischen Marke wie Adidas sicher gut nachvollziehen. Er wird sie unerhört nennen.

Sehen wir die Dinge realistisch. Dazu gehört zum Beispiel die Erkenntnis, dass vor unseren Arbeitsgerichten die Zahl der Gesetzesbeuger und -brecher auf Arbeitgeberseite höher ist als unter den dort auftretenden Arbeitnehmern. Das mag in der Natur der Sache liegen, weil ja fast immer nur Unternehmen verklagt werden.
.
Trotzdem: Der Glaube an die Redlichkeit und Ehrlichkeit aller Bosse ist pure Naivität. Schauen wir also beim nächsten Mal nicht auf den Anzug vom Maßschneider oder auf die seidene Krawatte. Schließen wir die Augen und hören wir zu, was einer sagt. Und die Entzauberung hat begonnen…

1. Mai: Rituale können sinnvoll sein

Es ist seltsam: Als dem modernen Leben zugewandter Mensch kannst du an einem 1. Mai alles machen. Den Rausch der Walpurgisnacht ausschlafen, Rasen mähen, im Wildgehege Rehe füttern, Schweinebraten mit Kloß wegschaufeln oder auf einer Wiese im Stadtpark neuartige meditativ-gymnastische Übungen ausprobieren. Aber auf eine Gewerkschaftskundgebung gehen? Da reagieren manche Leute so: „Ist ja gut, dass wenigstens du da hingehst. Ich hab‘ für sowas keine Zeit.“

Gleich wird auf das Motto verwiesen. „Gute Arbeit. Soziales Europa“. Wie wolle man denn, heißt es, mit einem derart drögen Spruch Menschen auf die Straße locken? Das sei doch einfallslos, miefig, komplett prickelfrei. Stimmt schon. Aber andere machen es auch nicht besser. Ein CDU-Slogan zur Europawahl lautet „Damit ein stabiler Euro allen hilft“. Das allerdings reicht für knapp 40 Prozent bei 40 Prozent Wahlbeteiligung.

Erstaunlich ist die Leichtigkeit, mit der die gewerkschaftliche Maifeier zum langweiligen, also verzichtbaren Ritual erklärt wird. Tatsächlich, sie ist ein Ritual, weil sich der Ablauf alljährlich wiederholt und weil lediglich einige Akteure wechseln. Aber: Bei anderen Institutionen wird genau dies als Stärke wahrgenommen. Als die katholische Kirche jetzt zwei ihrer früheren Chefs die Ehrenmitgliedschaft im Paradies zugesprochen hat, geschah diese Heiligsprechung in einem – objektiv betrachtet – langweiligen Ritual. Millionen haben die Veranstaltung gleichwohl als erhebend wahrgenommen.

Der größte Irrtum ist aber, dass es das Arbeitnehmer-Brimborium sowieso nicht bräuchte. Die Wirtschaft boome doch, die Erwerbslosenquote sei niedrig und sinke weiter. Die Menschen seien doch bei ihren Bossen in guten Händen.

Wirklich? Dann fragen wir doch mal anders: Warum gibt es immer mehr Fehlzeiten wegen psychischer Erkrankungen? Warum werden junge Menschen in befristeten Jobs weichgekocht und von einer verlässlichen Zukunftsplanung ferngehalten? Warum müssen wir einen Mindestlohn von im Grunde läppischen 8,50 Euro als Erfolg feiern? Warum gibt es auf der Bank keine Zinsen mehr?

Die Reihe der offenen Fragen ließe sich problemlos fortsetzen. Es gibt also allen Grund für Arbeitnehmer/-innen, sich am Tag der Arbeit zu versammeln. Und wenn es auch nur die sind, die Ungerechtigkeit nicht akzeptieren wollen. Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly hat diese Menschen auf der Kundgebung „Stolze Stellvertreter“ genannt. Alsdenn, wir waren da. Den Schweinebraten holen wir uns später.

 

 

Geh wählen! Hier ist der allerbeste Spot

Ich gestehe, dass ich Fan von Wahlwerbespots bin. Wann sonst erfährt man, was die Partei Bibeltreuer Christen im Programm hat? Die handverwackelten Videos der Kleinparteien sind allemal lustiger als die geradezu klinisch Filme der Großen. Aber das hier ist für mich der ultimative Spot. Gemacht von der IG Metall, temporeich, witzig und aufrüttelnd. Anschauen lohnt sich!

http://www.youtube.com/watch?v=qorPt1dxxWY

Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt

Manchmal wäre ich gerne altmodisch. Es würde mir gefallen, wenn ich zur Maikundgebung nur deshalb gehen würde, weil ich das als Lebensritual so gewohnt bin. Es würde mir gefallen, wenn ich sicher sein könnte, dass es Fahnen, Transparente, Parolen und Reden eigentlich nicht mehr braucht. Weil für die Menschen alles gut geregelt ist. Dummerweise stimmt das nicht.

Ich denke da an die Situation junger Menschen. Bei uns, mehr aber noch in anderen EU-Staaten. Da gibt es gerade eine Generation mit äußerst mäßigen Zukunftsaussichten. Manchmal kommt es mir so vor, als hätten unsere Weltkonzerne das „alte Europa“ abgeschrieben. Da gibt es noch eine Generation, die anständig Geld verdient hat und verdient. Die darf ihren Erben über die Runden helfen. Die wahren Zukunftsmärkte sind aber woanders.

Zur heutigen Lage fällt mir Karl Marx ein. Er hat geschrieben, dass der Ochse dem Bauern keineswegs seine Arbeitskraft verkauft, sondern dass der Ochse dem Bauern ganz gehört. Und so hätten es viele Chefs gerne mit ihren jungen Beschäftigten. Nicht nur, dass die modernen Kommunikationsmittel eine ständige Erreichbarkeit nach Feierabend ermöglichen. Man macht sich die Menschen auch durch Befristungen gefügig.

Fragt man einen Chef, warum er feste Jobs nicht gleich vergibt, wird er vielleicht sagen, dass das üblich und letztlich doch gar nicht so schlimm sei. Oder er wird sagen, dass es gut sei, gerade junge Menschen durch eine Befristung zusätzlich zu motivieren.

Tatsächlich aber will er eine größere Macht über seine Nachwuchskraft. Und wenn diese erst einmal zum Gehorsam erzogen ist, wird sie später nicht mehr aufmucken. Der Mitarbeiter ist gut, wenn er zum Ochsen geworden ist.

Mich widert das an. Aber es zeigt auch, dass niemand darauf warten sollte, dass Fairness quasi von oben herunterregnet. Wer alleine keine Macht hat, muss gemeinsam auftreten. Also ist klar, wo ich am 1. Mai 2013 sein werde. Auf der Straße. Schön wär’s, wenn es dabei nur um Rituale ginge.

Wer streikt, darf nicht in die Straßenbahn

Die VAG und ihre Straßenbahnen: Wichtig ist, wer drinsitzt.

Die VAG und ihre Straßenbahnen: Wichtig ist, wer drinsitzt.

Um 30 Prozent wollen die städtischen Verkehrsbetriebe in Nürnberg (VAG) ihre Fahrpreise erhöhen. Oberbürgermeister Ulrich Maly sprach in diesem Zusammenhang von einer der schwersten Entscheidungen seiner Amtszeit. Dem Unternehmen fehlt demnach das Geld. Aber nimmt es deshalb zahlende Kundschaft an? Nicht immer.

Da gehen also in der kommenden Woche die Tarifverhandlungen für die Zeitungsredakteure/-innen in die vielleicht entscheidende Runde. Die ver.di-Gewerkschaft, die Deutsche Journalisten-Union, wollte aus diesem Anlass mit einer Straßenbahn durch die Stadt fahren und Passanten auf ihre Forderungen aufmerksam machen. 540 Euro wäre der Gewerkschaft eine zweieinhalbstündige Fahrt wert gewesen.

Das Problem: Sie kriegt keine Straßenbahn. Das zuständige Vorstandsmitglied hat nämlich entschieden, dass das Ganze „zu politisch“ sei. Oder wie es sein Mitarbeiter dem potenziellen Kunden erklärte: „Wir sind eben ein besonderes Unternehmen.“ Und berichtete, dass er habe „antreten“ müssen, nachdem er eine Straßenbahn an die CSU vermietet hatte.

Jedenfalls zeigt sich an dieser Stelle, dass so etwas wie ein Streik für manche Menschen etwas höchste Bedrohliches ist. Wer die Arbeit verweigert, um bessere Konditionen am Arbeitsplatz zu erreichen, gilt als destruktives und mutmaßlich gewalttätiges Element. Es könnte ja was passieren.

Übersehen wird dabei Folgendes: Gewerkschaften sind vom Grundsatz her parteipolitisch neutral. Und außerdem ist das Streikrecht ein Grundrecht. Es gehört also zu den höchsten Gütern unserer Verfassung.

Aber erkläre man das mal einem Bürokraten, der vor allem seine Ruhe haben will…

Die Internationale vor dem Grand Hotel

Das Proletariat beschallt das Grand Hotel.

Das Proletariat beschallt das Grand Hotel.

„Und die Goldene Ehrennadel geht an Frau Bundeskanzlerin a. D. Angela Merkel.“ Seit dem heutigen Samstag halte ich dies für einen denkbaren Satz bei einem großen Gewerkschaftskongress im Jahr 2014. Denn eines schafft die schwarz-gelbe Bundesregierung: Sie treibt die Menschen in hellen Scharen zum Protest auf die Straße. Nicht nur gegen Atomstrom, sondern auch gegen ihr „Sparpaket“. Mindestens 30.000 waren es alleine in Nürnberg.

Vor ein paar Jahren hätte dies niemand für möglich gehalten. Engagement für die Gewerkschaft wirkte manchmal ähnlich prickelnd wie das Reiten eines totes Pferdes. Junge Menschen fragten schon mal, wozu sich Arbeitnehmer organisieren sollten. Sie selbst fühlten sich in der Barmer schließlich gut aufgehoben.

Gestern waren auffällig viele junge Leute dabei. Und diese sorgten auch für lustige Momente im Demonstrationszug. Eine Gruppe von Mädchen schrie sich immer wieder derart die Seele aus dem Leib, als würde nicht der bayerische DGB-Vorsitzende Matthias Jena, sondern Robbie Williams am Mikrofon stehen.  Von einem Wagen aus warfen junge Leute wie im Fasching Bonbons und Traubenzucker ins Volk und drehten die Musik auf volle Lautstärke.

Und als der Zug wegen des übergroßen Andrangs ins Stocken kam, wurde das Le Meridien Grand Hotel gut 20 Minuten lang kräftigst beschallt. Unter anderem mit der „Internationalen“ . „Völker, hört die Signale“, ausgerechnet vor Nürnbergs  Luxusherberge? Passt eigentlich schon. Denn so gut sind die Löhne in der Hotellerie ja auch nicht…

PS.: Mit einer Ehrennadel für Gesundheitsminister a. D. Rösler wäre ich auch einverstanden.