Politik auf der Wolke der Arroganz

Twitter ist ein tolles Instrument, um aktuelle Informationen und Meinungen zu verbreiten. Manchmal sind die spontan ins Netz gezwitscherten Kurznachrichten vor allem entlarvend. Dann geben sie direkte Einblick ins Denken ihrer Verfasser. Dank Twitter wissen wir, dass US-Präsident Donald Trump ein neureicher Proll ist. Und jetzt hat CDU-Generalsekretär Peter Tauber die Maske fallen lassen.

Er hat gerade ein Wahlprogramm zu verkaufen. Die Union beschreibt darin ein Land, in dem die Menschen „gut und gerne leben“. Was im Weltbild von CDU/CSU vor allem bedeutet: Viel arbeiten, weniger Steuern zahlen, Häusle baue. Deshalb hat Tauber per Twitter verkündet, dass Vollbeschäftigung wichtiger als Gerechtigkeit sei. Eine starke Wirtschaft zählt demnach mehr als das Sozialgedöns der linken Kreise.

Ein Leser dieser Nachricht funkte zurück: „Heißt das jetzt 3 Minijobs für mich?“ Woraufhin der CDU-Politiker feststellte: „Wenn Sie was ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine 3 Minjobs.“

Das ist nicht nur arrogant, sondern erstaunt auch. Wäre Peter Tauber von seinem Lebenslauf her doch ein typischer Kandidat für prekäre Beschäftigung. Er hat Geschichte und Politikwissenschaften studiert und war nach seinem Abschluss vom Jahr 2000 bis 2001 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main. Vermutlich war dieser Job mies bezahlt und befristet. Danach ist er in die Politik gewechselt, zunächst als Landesgeschäftsführer der Jungen Union Hessen, schließlich als Bundestagsabgeordneter.

Politikern wird gerne vorgeworfen, die Bodenhaftung zu verlieren. Wenn man sieht, dass von rund 7,7 Millionen Minijobbern in Deutschland etwa die Hälfte einen anerkannten Bildungsabschluss und rund eine halbe Million einen akademischen Abschluss hat, darf man feststellen: Peter Tauber hat es in diesem Sinne geschafft. Realität ist Nebensache, sein Schreibtisch schwebt weit oben – auf der Wolke der Arroganz.