Der Fußball stirbt an seiner Opulenz

Schon manches Imperium ist an seiner Opulenz zugrunde gegangen. Man denke nur ans römische Reich. Auch beliebte Massenprodukte wurden langweilig und gerieten in Vergessenheit. Das nächste Opfer könnte der Profifußball sein. Ein Sargnagel wäre die Weltmeisterschaft.

Der Fußball-Weltverband Fifa will die Zahl der WM-Teilnehmer erstmals im Jahr 2026 auf 48 erhöhen. Das Fan-Volk wird dann Mannschaften erleben, die es bei diesem Turnier nie zuvor gegeben hat. Zu erwarten sind die Demokratische Republik Kongo (Weltranglistenplatz 48) und Burkina Faso (Platz 50). Bislang chancenlose Teams wie Curacao (Platz 75) oder die Faröer (Platz 83) werden nun Startrainer engagieren, um sich noch ein Stück weit nach vorne zu arbeiten.

Wenngleich die entscheidenden Spiele wie immer von Italien, Frankreich, Argentinien, Brasilien, Spanien oder Deutschland ausgetragen werden dürften, ist das schön für die „kleinen“ Teams. Aber die Fifa spielt mit dem Erfolg ihres Kernproduktes. Es ist ja ohnehin schwer begreiflich, dass viele Menschen ebenso schmerzfrei wie zuverlässig an jedem Tag der Woche ihren überbezahlten Helden zuschauen. Das Geschäft läuft bis heute wie geschmiert.

Wenn aber beim absoluten Höhepunkt, eben einer WM, wochenlang langweiliger Sport  produziert wird, könnte das Publikum entdecken, dass es auf dieser Welt ehrlichere, witzigere und wesentlich spannendere Sportarten gibt – Handball, Basketball, Eishockey oder Darts. Fußball käme aus der Mode, ein bis dahin funktionierendes System aus Vermarktung, Korruption und Steuerhinterziehung würde irgendwann zusammenbrechen. Weil keiner mehr dafür zahlen will.

Eine Welt ohne Profi-Fußball also? Der Gedanke erscheint undenkbar, fürwahr. Aber ein Cäsar hatte sich die Zukunft seines Reiches auch anders vorgestellt…

 

 

Die Märkte mögen es charakterlos

Am Ende eines Jahres wird Bilanz gezogen. Dazu gehört stets auch die Frage, wer der Liebling „der Märkte“ ist. Welches Unternehmen also die Geldfürsten des Finanzkapitalismus am meisten begeistert. Das Geheimnis ist gelüftet, der Star der Börsianer ist gekürt: Der Apple-Konzern darf sich „wertvollstes Unternehmen der Welt“ nennen.

Das US-Unternehmen wird an den Finanzmärkten mit 625 Milliarden Dollar bewertet. Das ist mehr, als die sieben am höchsten bewerteten deutschen Firmen zusammen aufweisen. Als Mitglieder der digitalen Elite verstehen wir das.

Zwar kann ein ein iPhone kaum mehr als ein ganz offiziell in Fernost produziertes Smartphone. Aber dank neuem Wasserschutz ermöglicht es Selfies beim Schnorcheln, es hat Stereo-Lautsprecher, drahtlose Kopfhörer und ein Retina-Display mit Force Touch. Erstmals sind auch die Antennenstreifen an den Gehäusekanten effektiv getarnt. Schließlich stehen dem Quad-Core-Prozessor A10 Fusion 3 GB RAM zur Seite. Das ist, keine Frage, Fortschritt pur. Darauf hat die Welt gewartet.

Mit kühlem Kopf betrachtet, wirkt das iPhone übertrieben teuer. Aber vielleicht werden die Apple-Arbeiter besser bezahlt.  Mag sein, dass das für die Software-Entwickler, Designer und Marketing-Experten gilt. Fabrikarbeit lässt auch unser Vorzeige-Unternehmen allerdings wie alle anderen in Ostasien leisten. Zu konkurrenzfähigen, also elend schlechten Konditionen für die Menschen am Band.

Das allerdings wird gegenüber den Öffentlichkeit weggewischt. Was erst recht für die Förderung der für ein iPhone erforderlichen Rohstoffe gilt. Da sind so viele Subunternehmer, Rohstoffhändler und Milizenchefs aus unsicheren Regionen beteiligt, dass keine Verbindung zu Apple mehr hergestellt werden kann, wenn wieder einmal irgendwo in Afrika der Einsturz einer Mine ein paar Bergbau-Sklaven tötet. Und die in dreistellihger Millionenhöhe hinterzogenen Steuern von Apple lagern dem Vernehmen nach auf einer Südsee- oder Karibik-Insel. Wo jedoch, erscheint auf keinem Display.

Unser Fazit: „Die Märkte“ lieben Blender, Betrüger und eiskalte Ausbeuter. Hauptsache, man schaut gut aus. Champagner für die Märkte!

 

 

 

Leistung muss sich lohnen!???

Es ist das große Versprechen des Kapitalismus: Leistung lohnt sich. Man müsse sich nur anstrengen und leistungsbereit sein, wenn man gut durchs Leben kommen wolle. Leider handelt sich für viele Menschen um eine Lüge. Tatsächlich ist es in diesem Land so: Wer oben ist, bleibt wichtig und reich. Wer unten steht, braucht viel Glück und hilfreiche Zufälle, um nach oben zu kommen.

Diese Erkenntnis vermittelt der Armutsbericht der Bundesregierung. Demnach ist es ein Märchen, dass das Geld im Land wenigstens einigermaßen gleichmäßig verteilt ist. Das reichste eine Prozent der Bevölkerung besitzt in Deutschland bis zu 26 Prozent des Gesamtver­mögens. Die reichsten zehn Prozent haben zwischen 58 und 74 Prozent des gesamten Nettovermögens.

Keiner würde den Reichen den Reichtum neiden, wenn er offensichtlich erarbeitet worden wäre. Stimmt aber nicht. 2014 wurden 40 Milliarden Euro vererbt, im Jahr 2007 waren es erst 22 Milliarden Euro. Das Volumen von Schenkungen stieg in diesem Zeitraum von 13 auf 70 Milliarden Euro.

Der materielle Vorsprung von Kindern reicher Eltern wächst und wächst. Denn das so genannte Jobwunder hat massig Billigjopbs hervorgebracht. Von ganz unten nach ganz oben zu kommen, klappt wirklich gut allenfalls im Profi-Fußball oder in der Politik.

Letztere könnte all das ändern, mag aber nicht. Erbschaftssteuer gefährdet Arbeitsplätze, lautet die Faustregel der Vermögensschützer von FDP bis AfD.

Tja, gibt es wenigstens ein bisschen Trost? Probieren wir es mit einem Sprichwort: „Armut macht erfinderisch, Reichtum gefühlsarm.“ Das lobt die Besitzlosen, immerhin. Allerdings müssten die Vermögenden damit anfangen, Geldscheine unerotisch zu finden. Bald ist Weihnachten. Wir können es uns ja wünschen.

Der Kaiser ist kein Heiland

Wer sich als Mensch den Göttern nähert, fällt besonders tief. Dieser Satz gilt in diesen Tagen für Franz Beckenbauer. Der charmanteste, smarteste und erfolgreichste deutsche Fußballer wird als gieriger Gauner entlarvt. Und dies zehn Jahre nach seinem Aufstieg zur vermeintlichen Lichtgestalt.

Mit dem Votum zwielichtiger Funktionäre für das deutsche Sommermärchen hatte er dem Volk vermittelt, dass die Bezeichnung „Der Kaiser“ in seinem Fall enorm untertrieben sei. Franz Beckenbauer erschien als Mensch, der jeden anderen von allem Möglichen überzeugen könnte. Überbrückten andere Fußballer seiner Generation die Zeit bis zur Rente als Geschäftsführer eines Lotto-Toto-Ladens, so sprudelten bei ihm die Werbeeinnahmen noch einmal so richtig. Es gibt wohl kaum einen bedeutenden deutschen Konzern, für den „der Franz“ nicht die Werbefigur abgegeben hat.

Die dankbaren Menschen reagierten nicht genervt, sondern dankten ihm mit kultischer Verehrung.

Man darf sicher annehmen, dass er jene 5,5 Millionen Euro, die er als WM-Botschafter eingesteckt haben soll, nicht im Mindesten gebraucht hat. Die Lichtgestalt war längst so reich, dass ihr ausreichend Gelegenheiten fehlten, ihr Geld jenseits bezahlter Empfänge und Hubschrauberflüge wenigstens einigermaßen auszugeben. Andererseits: Wer, wie er, Beträge dieser Höhe mit leichter Hand an Berater von hochbegabten Jugendlichen aus Schwellenländern überwiesen hat, sieht ein solches Honorar wahrscheinlich als korrekte Ehrenamts-Entschädigung an.

Da ist einer aufgestiegen und in größter Höhe geflogen.  Aber daran kann man trefflich scheitern. Hoch gebildete Menschen kennen das als Sage von Ikarus. Uns anderen genügt ein Gedicht von Robert Gernhardt:

„Ich sprach nachts: Es werde Licht! Aber heller wurd‘ es nicht. Ich sprach: Wasser werde Wein! Doch das Wasser ließ dies sein. Ich sprach: Lahmer, Du kannst gehn! Doch er blieb auf Krücken stehn. Da ward auch dem Dümmsten klar, daß ich nicht der Heiland war.“

Das lange Warten auf den Renten-Speck

Alsdenn Opa, ran an den Speck. Die deutsche Bundesbank hat gefordert, das Rentenalter auf 69 Jahre zu erhöhen. Gähnt hier das Sommerloch? Oder wird im Auftrag der großen Politik ein unpopulärer Vorschlag auf sein Empörungspotential hin getestet?

Man sollte wachsam sein und Schlimmes befürchten. Während sich das Soziale in unserer Marktwirtschaft zusehends abnutzt, gewinnt der Wunsch der Wirtschaft nachmöglichst umfassender Nutzung des Humankapitals an Bedeutung. Das beginnt beim achtjährigen Turbo-Gymnasium, das Schüler, Eltern und Lehrer gleichermaßen nervt. Und geht hin zu einem immer weiter nach hinten verschobenen Ruhestand. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis der menschlichen Existenz muss stimmen.

Andererseits: Wenn ein deutscher Autokonzern aus Steuergeldern subventioniert wird, damit er ein Elektroauto mit mehr als 150 Kilometern Reichweite entwickeln kann, sollen wir das gut finden. Es geht ja um die Wettbewerbsfähigkeit unserer Produkte, um Arbeitsplätze und damit um die Zukunft überhaupt. Ähnliches wird bei Bankenrettungen erklärt. Der Geldfluss wird hier zwar von einem Grollen begleitet wird, welches für die Versager unter den Spekulanten aber folgenlos bleibt.

Bei den Themen Gesundheit und Soziales wird anders argumentiert: Hier stehen immer die Kosten im Vordergrund. Die Pflege alter Menschen frisst den Staat auf. Die Kranken werden immer teurer. Die  Rente ist selbstverständlich nicht sicher. Lösen lässt sich dieses Problem nur dadurch, dass die Menschen mehr Geld für die Gesundheit ausgeben, Riester-Verträge mit üblen Konditionen abschließen und so lange arbeiten, bis es tatsächlich gar nicht mehr geht.

Warum ist es nicht möglich, dass sich Politiker*innen hinstellen und verkünden, dass sie mit Freude mehr Geld für kranke und alte Menschen ausgeben. Einfach weil es richtig ist, dass die Gesellschaft solidarisch mit den Schwachen ist und nicht nur darauf schaut, ob jemand „den Märkten“ einen Nutzen bringt.

Schön wäre das. Kommen wird es anders. Opa kriegt den Speck, aber bedingungslos erst ganz, ganz spät.

Es gibt ein Pack. Es kann auch reich sein.

Wie sind wir doch müde. Da ist diese Geschichte mit den Briefkastenfirmen in Panama bekannt geworden. Und? Wir haben ein zweites Talk-Show-Thema neben der Flüchtlingsfrage. Aber Empörung? Konsequenzen gar? Die überlassen wir den Isländern. Wir sagen: Das alles ist nicht schön. Aber wir haben es doch sowieso gewusst.

Richtig ist, dass wir uns nicht wundern müssen. Die Frage ist jedoch, ob uns durchwegs bewusst ist, wie sehr die große Masse der ehrlichen Menschen verarscht wird. Diese Gesellschaft entwickelt sich immer stärker nach dem Prinzip „Wer hat, dem wird gegeben“. Wer etwa ein Unternehmen erbt, zahlt – wenn überhaupt – prozentual deutlich weniger Steuern als ein abhängig Beschäftiger. Der junge Herr Schaeffler zählt so zu den reichsten, milliardenschweren Deutschen. Was kaum das Ergebnis seiner Lebensleistung sein kann.

Die konkreten Verhältnisse begegnen einem auch anders. Ich habe zwei Verhandlungen vor dem Arbeitsgericht miterlebt. In einem Fall wurde ein Personalchef geschasst. Er klagte gegen diese Maßnahme, war dann aber zu einer gütlichen Einigung bereit. Die Gerichtssitzung bestand hauptsächlich darin, dass dessen Anwältin den Streitwert und damit ihre Gebühren nach oben getrieben hat.

Der Vertreter der Firma saß feixend dabei, widersprach in keinem Punkt, bedauerte allerdings, dass er als Angestellter nicht auch so schön abrechnen könne. Der Entlassene wiederum bekam knapp 14.000 Euro Lohnfortzahlung. Und für den Fall, dass er vor Ende seines Arbeitsvertrages auf eine neue Stelle wechseln würde, wurde ihm eine monatliche Abfindung von 10.000 Euro zugesagt – nach zweieinhalb Jahren im Unternehmen.

Im anderen Verfahren ging es darum, dass einem Bewachungsunternehmen ein Großauftrag entzogen wurde, was zu Entlassungen führte. Hier ging es um Menschen, die ein Dutzend oder mehr Jahre für die Firma gearbeitet hatten. Die Anwälte beider Seiten saßen zähnefletschend nebeneinander und feilschten darum ob nun 250 oder doch 2000 Euro Abfindung zu zahlen wären. Es blieb dreistellig.

Wir lernen also: Wer die Gnade der richtigen Geburt hatte oder zur rechten Zeit am rechten Ort war, schert sich einen Dreck um die Gesellschaft, in der er lebt. Ist er Unternehmer, verlangt er brauchbares Humankapital. Das Geld für gute Schulen oder Universitäten sollen andere auftreiben.

Das heißt: Es gibt ein Pack in dieser Gesellschaft. Es ist größer als man denkt. Und es kann auch reich sein…

 

 

 

Kauflust – mit ziemlich mieser Laune

Niemand sollte die Deutungsmacht der Marktforschungsinstitute gering- oder unterschätzen. Denn sie horchen uns aus, bewerten die gesammelten Daten und sagen uns daraufhin wie wir sind. Oder wie wir zu sein behaupten. Manchmal interpretieren die professionellen Verhaltensforscher aber falsch.

So hat die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung wie jedes Monat die Kaufneigung der Deutschen erforscht. Trotz Börsenturbulenzen, Terrorgefahr und des politischen Streits über die Asylpolitik sei die Kaufneigung ungebrochen. Eine gute Nachricht sei das, meint man bei der GfK. Nicht einmal die Flüchtlinge spielten beim Shoppen eine Rolle. Der Zuzug werde erst zur Belastung, wenn Verbraucher um ihren Job fürchteten. Ansonsten herrsche Kauflust.

Was für ein abseitiges Gerede. Die guten Umsätze im Handel ergeben sich kaum deshalb, weil der Anteil der wohlhabenden Menschen durch eine famose Wirtschaftspolitik gestiegen ist. Sondern eher dadurch, dass es in einer alternden Gesellschaft zusehends unwichtig wird, ob man Geld hat. Die Finanzkarriere des sorgsam alternden Menschen sah in der langen Ära vor der digitalen Finanzwirtschaft so aus, dass man bis zur Rente möglichst viel Geld gespart hat. Das hat man anschließend nicht verjubelt, sondern hat sich zu von den Zinsen zu Weihnachten etwas Nettes angeschafft. Geschrumpft ist das Vermögen nur sehr langsam.

Heute läuft das anders. Wegen der Politik der Europäischen Zentralbank gibt es keine Zinsen mehr. Wer ein gutes Polster hat, erlebt, wie es immer weiter schrumpft. Und sollte jemand teure Pflege brauchen, lautet die Formel: Hilfe bekommt nur, wer zuvor arm geworden ist.

Also raus in die Fußgängerzone, ran an den Computer – und weg mit dem Ballast. Seien wir verschwenderisch, befreien wir uns von der Last des Geldes. Die Konsumforscher sind dankbar. Sie jubilieren mit heißem Herzen. Unsere Laune ist schlecht, vielleicht fluchen wir sogar. Doch die Kassen klingeln lauter.

Griechenland, die Krönungskrise für die CSU

Ach, hätten unsere Politiker doch mehr Mut. Der Nicht-Grexit würde anders ausfallen. Nehmen wir bloß die CSU: Sie hätte die Chance gehabt, ihren Ur-Traum zu verwirklichen, unmittelbar in die Fußstapfen der Wittelsbacher zu treten und eine nach-parlamentarische Monarchie zu errichten. Mit König Horst, Prinz Markus und Prinzessin Ilse. Aber nix war’s.

Gerade Bayern hat Hellas viel gegeben. Nachdem ein damals 16-jähriger Wittelsbacher-Spross im Jahr 1832 als Otto I. König von Griechenland gekrönt worden war, gab es zahlreiche Veränderungen. Das Bayerische Reinheitsgebot wurde eingeführt, weshalb die Griechen bis heute ein ordentliches Bier brauen. Die weiß-blaue Flagge folgte farblich dem freistaatlichen Vorbild, die originellen Trachten der Athener Palastwachen wurden von Ottos Gemahlin Amalia entworfen.

Es geht sogar die Sage, dass das damals gängige Wort „Baiern“ wegen der königlichen Beziehungen nach Griechenland geändert wurde. Das „i“ kommt im griechischen Alphabet nicht vor, das „y“ sehr wohl.

Und in diesen Jahren der Euro-Krise regiert eine Partei in Bayern annähernd monarchisch. Ohne die CSU geht nichts, Opposition wird mit erledigt.  Also sieht man sich gewiss in der Nachfolge des alten Herrschergeschlechts. Aber taugt man auch dazu? Eine wenigstens zeitweise Wieder-Übernahme Griechenlands, der „GrEnter“, wäre als Lackmus-Test für dieses Projekt ideal gewesen.

Doch nicht einmal der ansonsten so zupackende Finanz- und Heimatminister Markus Söder hat hierfür den Mut. Er, der Herr über die bayerischen Schlösser und Seen ist und er, der sich energisch an die Wiederbelebung des seit vielen Jahren stillgelegten Nürnberger Fernsehturm-Restaurants macht, zeigt den Hellenen die kalte Schulter. Lieber verteilt er Schulnoten für deren Reformbemühungen – in einer Bandbreite zwischen Fünf minus und Sechs.

Ich hatte ihn in diesem Blog vor knapp drei Jahren, am 7. August 2012, als König von Griechenland vorgeschlagen. Söder jedoch wählte die Rolle des großtmöglichen Grexit-Propheten. Mit den unvergessenen Sätzen „Wenn jemand an deinem Seil hängt und dabei ist, dich mit in den Abgrund zu reißen, musst du das Seil kappen” und “Irgendwann muss jeder bei Mama ausziehen”.

Tja, es kommt anders. Tsipras sitzt wieder am Tisch von Mutti. Die CSU aber mault und mault und mault. Sie ist eben doch nur christsozial und gar nicht königlich.

PS.: Der Ausgewogenheit halber sei angemerkt: Nach König Ottos Sturz im Jahr 1862 beliefen sich die Schulden Griechenlands gegenüber dem Staat Bayern auf 1.933.333 Gulden und 20 Kreuzer oder 4.640.000 Drachmen. Ohne das letzte Darlehen von einer Million Gulden, das König Ludwig ermöglichte, hätte Griechenland den Staatsbankrott anmelden müssen. Die Nicht-Rückzahlung der Darlehen belastete bis zu der abschließenden Verhandlungslösung 1881 die griechisch-bayerischen Beziehungen sehr…

 

 

Wenn es ums Geld geht, bleiben die Herzen kalt

Die Europäische Union hat den Friedensnobelpreis bekommen. Dieser wurde ihr verliehen, weil sie Werte wie Demokratie, Freiheit und Menschenwürde im weltweit einzigartiger Weise verwirklicht. Durch die EU seien frühere Feinde zu Freunden geworden. Neuen Kriegen sei durch diese Wertegemeinschaft vorgebeugt worden.

Das stimmt soweit. In diesen Tagen zeigt sich aber, dass das Nobelpreiskomitee den vielleicht zentralsten Wert unserer kontinentalen Friedensinitiative weggelassen hat, nämlich das Geld. An der Berichterstattung der Medien lässt es sich gut ablesen. Während die Finanzkrise rund um die dreisten Griechen die Schlagzeilen beherrscht, rangiert das Versagen der Regierungschefs angesichts der humanitäten Katastrophe in der Nachbarschaft der EU auf dem zweiten Platz.

Hätte das Nobelpreiskomitee damals richtig entschieden und begründet, müsste es umgekehrt sein. Denn zweifellos dürfte ein Menschenrechts-Bündnis mit rund 500 Millionen Einwohnern auch vor mehreren hunderttausend Flüchtlingen nicht in die Knie gehen. Es müsste Menschenwürde gewähren – und dabei einig und gemeinschaftlich, also mit einer gerechten Lastenverteilung vorgehen.

Aber am Ende sind wir eben eine Gemeinschaft von Kapitalisten. Und das bedeutet, dass das Verhältnis von Aufwand und Ertrag stets betrachtet wird. Vor allem in Ländern, die nicht am Mittelmeer liegen.

Hilfe ist selbstlos. Das aber sieht unser Wertesystem in letzter Konsequenz dann doch nicht vor. Wir mauern uns ein. Wenn es ums Geld geht, bleiben die Herzen kalt. Vielleicht gibt es auch für diese klare Haltung einen Preis. Die internationale Finanzwirtschaftt hilft gerne…

Die Geschichte vom anstrengungslosen Umsatz

Zu Hilfe, wir werden ausgebeutet! Immer häufiger kommt es vor, dass Dienstleistungs-Firmen ganz  selbstverständlich davon ausgehen, dass wir ihnen die Arbeit abnehmen. Ein wichtiger Teil unserer Wirtschaft  reklamiert für sich den anstrengungslosen Umsatz. Und wir spielen mit. Ob wir wollen oder nicht.

Angefangen hat das Ganze an der Tankstelle. Wir wurden eingeladen, Benzin selbst zu zapfen. Und weil wir an unser geliebtes Auto nie gerne jemand anders heranlassen wollten, haben wir es frohen Herzens getan. Das dankbare Schlürfen beim Erreichen des Höchst-Füllstandes hat ja auch etwas.

Das ist schon Jahrzehnte her. Heute wird der Selbstbedienungs-Gedanke allerdings ins Absurde gesteigert. Etwa beim Thema Geld. Man geht zu seiner Bank, weil man Erspartes gewinnbringend anlegen will. Sparbuch bringt nichts, also denkt man an Fonds.

Man trifft den Berater. Und erfährt: Nichts. Weil dieser nach vom WPHG, dem Wertpapierhandelsgesetz, vorgeschrieben bekommt, dass er keinen Kunden in eine auch nur leichte Spekulation hineintreiben darf. Erst recht nicht, falls zum Beginn des Gesprächs ein Beratungsprotokoll fehlt. Holt man das nach, ist eine Dreiviertelstunde weg. Was sich nicht lohnt, weil unser Experte ohnehin nur seine hauseigenen Produkte verkaufen darf.  Er lässt zwar durchblicken, dass es auch Besseres gibt, dass er gute Tipps geben könnte, dass er aber schweigen muss.

Ergebnis der Begegnung: Man sitzt daheim vor dem Computer und sucht selbst. Denn kaufen kannst du, was du willst. Der eigentliche Kenner hat geschwiegen. Er erläutert nur noch die fälligen Gebühren.

So sind Banken, aber ein Einzelfall ist das nicht. In immer mehr Supermärkten dürfen Kunden ihre Ware selbst einscannen. Was so lange eine Option ist, bis es alle können. Dann wird es zur Pflicht, die Kassiererin ist dann weg.

Man fragt sich doch: Warum bekommen wir für diese, unsere Arbeit nichts bezahlt? Können uns das die  „Dienstleister“ mal erklären? Falls ja, dann legt mal los…