Posts Tagged ‘geld’
Wenn zwei das Gleiche tun…
Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Ja, dieses Sprichwort ist abgedroschen. Aber es stimmt. Das erleben wir gerade am Beispiel der Affäre Hoeneß.
Zwar gibt es viele Stimmen, die nach Rücktritt rufen. Doch alles in allem ist die Reaktion auf seinen Steuerbetrug moderat. Weil Uli Hoeneß eine Reizfigur ist, die man trotz alledem nicht missen möchte. Er zählt zu den Oberhäuptern der einzigen weltumspannenden Religion, des Fußballs. Also ist mancher willens, dem kaiserlichen Steueroptimierer Franz Beckenbauer zu glauben, wenn dieser, wie auf Sky geschehen, dreist erklärt: “Na ja, der Uli. Der macht immer zehn Sachen gleichzeitig. Da hat er halt was vergessen.” Und so lernen Menschen, die in einem kompletten Arbeitsleben einen Bruchteil von dem verdienen, was der Bayern-Präsident an Zinsgewinnen einsackt, ein großes Wort aus der Welt der Justiz fehlerlos auszusprechen: UNSCHULDSVERMUTUNG!
Nehmen wir doch einmal an, Uli Hoeneß wäre ein unbeliebter Politiker. Bei der Klage gegen den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff geht es noch um ein paar hundert Euro. Aber weil die Bild-Zeitung die Jagd mit allem Nachdruck betrieben hat, wurde der blutleere Nicht-Kämpfer radikal zum Abschuss freigegeben. Was hätte ihm geblüht, wenn er einen Millionenbetrug begangen hätte. Lebenslänglich? Oder Vierteilung durch mit Ecstasy aufgeputschte Heidschnucken?
Andere Beispiele: Der zurecht vergessene Ex-Bundesverkehrsminister der Nachwendezeit, Günther Krause, stolperte darüber, dass seine Ehefrau eine Putzhilfe zu 70 Prozent aus Fördermitteln des Arbeitsamtes bezahlt hatte. Die Menschen fanden es gut. Dem FDP-Politiker Jürgen Möllemann machte im Jahr 1992 die so genannte “Briefbogen-Affäre” den Garaus. Mit dem Briefkopf des Bundesministeriums für Wirtschaft hatte er deutschen Handelsketten einen Chip empfohlen, der als Pfandmünze bei Einkaufswagen zum Einsatz kommen sollte. Ein solcher Chip wurde von der Firma eines seiner Verwandten vertrieben. Der Rücktritt wurde bejubelt.
Das war auch immer so, wenn gierige Manager in die Wüste geschickt wurden. Für den Ex-Vorstandschef der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, hatte nach dessen Abgang wegen Steuerhinterziehung niemand mehr ein gutes Wort.
Volkes Sympathie macht jedenfalls den Unterschied. Als Bundesbildungsministerin Annette Schavan wegen einer teilweise abgeschriebenen Doktorarbeit den Hut nehmen musste, heulten nur einige Parteifreunde und das Volk nahm es eher gleichgültig auf. Dagegen wären dem dreisten CSU-Lügenbaron Karl Theodor zu Guttenberg vermutlich Hunderttausende gefolgt, wenn er dazu augerufen hätte, ihn per blutiger Revolution zurück ins Amt zu bringen.
Wie sehr ein entlarvter Gauner tatsächlich verachtet wird, hat also mehr mit dem persönlichen Image als mit dem Ausmaß seiner Tat zu tun. Verlassen kann man sich in dieser Situation wohl nur auf den Volksmund. Alsdenn, Sprichwort Nummer 2: “Bei großem Gewinn ist großer Betrug.” Stimmt.
Öko-Peter und die Kampfradler
Ist CSU-Verkehrsminister Ramsauer in Wahrheit ein “Öko-Peter”? Zuletzt hat sich dieser Verdacht aufgedrängt. So hat er sich dafür eingesetzt, dass durch eine Pkw-Maut das Fahren auf Autobahnen teurer wird. Und jetzt setzt er auf sanfte Fortbewegung. Deutschland soll eine fahrradfreundliche Republik, die Radfahrer selbst sollen Menschenfreunde werden.
Zweifel am Erfolg, heftige sogar, sind erlaubt. Einige Zeit vor Bekanntgbe seines Zieles, den Radanteil am Verkehr von 10 auf 15 Prozent zu steigern, hat Ramsauer die Mittel für Investitionen in Radwege um 16 auf 60 Millionen Euro gekürzt. Zudem bräuchte es auch Phantasie und entschiedenes Handeln vor Ort. Es gibt doch in jeder Stadt wichtige Stellen, an denen das Radfahren grausam gefährlich ist. In Nürnberg ist das zum Beispiel der Platz am Hauptbahnhof. Man weiß seit langem, dass es dort zu eng, zu unübersichtlich und zu kompliziert ist. Aber es passiert nichts.
Und wer Radfahren wirklich fördern will, muss zum Beispiel im Winter zumindest wichtige Radwege von Schnee und Eis räumen. Da heißt es dann, dass das zu teuer sei.
Vollends zum Wolkenkuckucksheim wird die ministerielle Offensive, wenn man meint, dass man die Radfahrer gleichzeitig zu größerer Disziplin bringt. Das wird nicht klappen. Denn es ist so, dass sich der Mensch verändert, sobald er auf sein Bike steigt. Während er im Auto selbst mitten in der Nacht bei null Verkehr fünf Minuten an der roten Ampel stehen bleibt, nimmt er diese im Ledersattel allenfalls als freundlichen Hinweis wahr. Auch Fußgänger sieht er als lästige Hindernisse an und umkurvt sie mit vollem Karacho.
Warum das so ist, ist ungewiss. Handelt es sich um eine umgekehrt evolutionäre Rückkehr zum Mitglied eines Reitervolkes? Oder ist das Leid einfach zu groß, wenn der Antrieb per Muskelkraft immer wieder jäh gestoppt wird?
Wie auch immer: So genannte “Kampfradler” wird es immer geben. Wenn die Radwege besser sind, fallen sie allerdings weniger auf.
Krise? Not? Egal, das Geld muss raus!

Eine Frau, ein Kleid: Angela Merkel mit Mann, Dirigent und Krawallmacher.
Herbei, Ihr Retter! Der Untergang ist nah! So möchte man es hinausrufen ins raue Klima des globalisierten Globus. Wohin man schaut, ist nichts mehr sicher. Euro? Schicksal ungewiss? Renten? Bestimmt geringer als gedacht. 1. FC Nürnberg und Greuther Fürth? Ohne Nichtabstiegsgarantie. Fazit: Wir können uns nur noch selber helfen.
Zum Beispiel durch Shopping. Experten der Gesellschaft für Konsumforschung wollen herausgefunden haben, dass die Menschen in der Krise ihr Geld lieber verprassen, anstatt die 0,7 Prozent Guthabenzinsen bei ihrer Hausbank einzustreichen. “Die Anschaffungsneigung ist überraschend hoch”, heißt es dazu in der Sprache der Marktforscher.
Ich grüble bloß: Woher wissen die das? Wurden Sie, liebe Leserin, lieber Leser jemals von einem jungen Mann im schwarzen Businessanzug nach ihrer Anschaffungsneigung gefragt? Kennen sie jemand, der jemals nach seiner Anschaffungsneigung gefragt wurde. Haben Sie jemals erklärt, dass sie gedenken, am langen Samstag anschaffen zu gehen.
Wenn ich meiner Fleischereifachverkäuferin gegenüberstehe, sagt die immer noch “Wos derfs denn sei?”, aber nie “Hamm Sie heid a Neichung nach unsrer Gelbworschd?”. Niemals hat mich eine Kassiererin beim Discounter gefragt, ob der Kauf von Klopapier und Dosenbier meinen Neigungen entspricht. Oder beschreibt die Anschaffungsneigung in Wahrheit die Körperhaltung beim Blick in einen Wühltisch?
Nein, das ist doch alles frei erfunden. Und den besten Beweis dafür liefert unser aller Bundeskanzlerin Angela Merkel. Bei ihrem Besuch bei den Wagner-Festspielen in Bayreuth trug sie wahrhaftig ihre türkisfarbene Premierenrobe aus dem Jahr 2008. Wenn aber schon die Regierungschefin ein derart demonstrative Unlust auf hochpreisige Anschaffungen verströmt – wie soll dann das einfach Volk freudig die Kassen klingeln lassen?
Begreift doch endlich: Dieses Land, dieses Europa wird nicht dadurch gerettet, dass man nur noch alle 20 Jahre ein neues Auto, aber dafür alle neun Monate ein neues Handy kauft. Das Geld muss raus. Und zwar richtig! Merkeln Sie sich das, Frau Bundeskanzlerin!
Was macht reich? Billigwurst und dicke Autos
Es ist doch die große Frage in unserem Leben: Wie werde ich reich? Mancher hofft bis zu seinem Tod auf einen Lottogewinn. Die Cleveren lesen Zeitung. Darin stehen immer gute Tipps für alle Lebensarten.
In meinem persönlichen Leib- und Magen-Blatt, den Nürnberger Nachrichten, ging es heute recht ausführlich um die Milliardäre in Deutschland. Deren Zahl ist auf inzwischen 108 gestiegen. Es gibt also Wachstum.
Wer den Artikel liest, lernt aber auch wie man reich werden könnte. So belegt Aldi-Gründer Karl Albrecht mit einem geschätzten Vermögen von 17,2 Millarden Euro Platz eins der Rangliste. Demnach hat man Erfolg, wenn man Lebensmittel ähnlich liebevoll wie Schrauben oder Waschbecken-Armaturen präsentiert. Und wenn man die Lieferanten in Sachen Preis so brutal knebelt, dass sie nur noch an großen Mengen verdienen können.
Der Esskultur im Lande hat Aldi sicher nicht gedient. Wir haben gelernt, dass auch Schrott den Magen stopft. Außerdem: Wenn das Zeug billig ist, können wir es problemlos wegschmeißen. Denn es gibt wichtigeres als gutes Essen.
Autos zum Beispiel. Weshalb BMW-Großaktionärin Susanne Klatten auf dem zweiten Platz landet. Auf Rang drei ist aber schon wieder ein Billigmacher unterwegs, nämlich Dieter Schwarz von Lidl/Kaufland. Er hat 11,5 Milliarden Euro gesammelt.
Wer also will, dass es über ihm Geld regnet, dass die Scheinwerfer Scheine auf ihn werfen, sollte also Kopfweh-Bier, Sonderangebots-Wurst und Tiefkühlpizza verkaufen und nebenbei Luxusautos unter’s Volk bringen. Man wird es ihm durch Umsatz danken.
Wer auf Geldregen steht, könnte allerdings auch einen Staat ruinieren. Aber das ist jetzt eine andere Geschichte…
Ruhig bleiben, wenn die Geldprofis panisch sind
Nein, ich kann diesen Satz nicht mehr hören: “Die Kleinanlager sollten die Ruhe bewahren.” Jedesmal, wenn an den Börsen Panik ausbricht, ist es offenbar der letzte Rettungsanker für die globale Finanzwirtschaft, dass die Zwergspekulanten genau andersherum handeln als die famosen Finanzprofis vor ihren übergroßen Monitoren.
Gerade flippen die Experten wieder mal aus. Und das muss man nur mal auf andere Lebenslagen übertragen. Da würden Polizeibeamte nach einem Unfall auf der Autobahn kopflos herumrennen, vor einem brennenden Haus würden aufgeregte Feuerwehrleute den Mensch zurufen, dass sie doch bitte gelassen bleiben sollen, wenn es warm wird. Wenn im Freibad jemand absäuft, würde der Bademeister auf die Knie sinken, sich die Haare raufen, “Ogottogott” rufen und ansonsten nichts unternehmen. Auf der Titanic, wäre die Besatzung panisch ins kalte Wasser gesprungen, während die Passagiere salutierend abgesoffen wären.
Genau solche Leute schicken aber innerhalb von Sekunden Milliardenbeträge um den Globus. Wobei ihre einzige Leistung darin besteht, den “Verkaufen”- oder “Kaufen”-Knopf immer dann zu drücken, wenn das alle anderen auch tun. Ich denke mir: Würden auf den Stühlen der Börsenmakler Gummibäume oder Teddybären sitzen, liefe der nächste Crash nach dem gleichen Muster. Nur die Panik wäre weg.
Ich schreibe das jetzt nicht, weil gerade meiner Altersversorgung wegschmilze. Ich frage mich bloß: Warum können Profis nicht professionell handeln, also ruhig bleiben, wenn es kracht? Vielleicht kann man die Finanzwelt wirklich nicht verstehen. Aber egal: Keine Angst, ich bin nicht panisch. Ich bin bloß sauer.
Dringend! Die Welt braucht ein Geld-App!
e Was waren doch die USA dereinst für eine Verheißung? Retter der Welt, Hüter der Freiheit, Kämpfer für die Gerechten, Auslöser jedweden Fortschritts, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Und jetzt ist man auf einem umfassenden Pleite-Kurs. Stand am Ende der Amtszeit von George W. Bush der moralische Bankrott, so fehlt unter Obama auch noch das Geld.
Jawohl, es gibt einiges, wofür wir die Amis mal geliebt haben. Man denke an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, wo sie die Berliner mittels Rosinenbombern ernährt und uns nach der schrecklichen Nazi-Herrschaft mit Jazz, Nylonstrümpfen, Coca-Cola, Kaugummis und Zigaretten wieder in die Genussspur gebracht haben. Unter anderem lernten wir, dass man sich in einem öffentlichen Park auf den Rasen setzen darf. Dank der US-Soldaten sind wir alle lässiger geworden.
Aber die heiße Liebe ist abgekühlt. Insgeheim war uns klar, dass unter einer weißen Weste immer auch Dreck ist. Also wurden viele der jüngeren Segnungen der USA alsbald angezweifelt. McDonald’s macht dick, Microsoft-Programme laufen immer wieder mal anders als sie sollen. Der Fall der Berliner Mauer wurde Helmut Kohl und nicht Ronald Reagan zugeschrieben. Und Barack Obama kann entgegen früherer Annahmen doch nicht übers Wasser laufen.
Jetzt also stehen die Börsenexperten der Fernsehsender vor dem Spiegel und üben ihr schlimmstes Krisengesicht. Heiner Geißler baut noch an seinem Bahnhof und fällt als Schlichter aus. Helfen kann somit nur noch Apple. Diese Firma ist derart beliebt, dass sie inzwischen mehr Geld auf dem Konto hat, als die USA in der Staatskasse.
Bitte, lieber Apple-Chef Steve Jobs. Du und nur du bist der Rosinenbomber dieser schweren Zeit: Schenk dem Obama ein Geld-App. Die Welt wird es Dir danken.
Geld ist da – bloß immer am falschen Ort
Was ist eigentlich Geld? Ein seltsames Ding. Oder wie kann man sich eine Sache erklären, die es zwar in einer unfassbaren Menge gibt, die aber meistens am falschen Ort ist. Jedenfalls nicht dort, wo sie am dringendsten gebraucht würde.
Nehmen wir den Winterdienst. Die Kämmerer der Städte, Gemeinden und Landkreise stehen unter dem ständigen Druck, einen Sparbeitrag für den Haushalt zu erbringen. Das läuft so, dass die jeweiligen Kommunalpolitiker die Zahlen durchforsten. Dabei stellen sie zum Beispiel fest, dass der Streusalz-Etat über drei Jahre hinweg nicht ausgeschöpft wurde. Also wird gekürzt, bloß: Wenn es nach drei milden Wintern irrwitzig viel Schnee fällt, fehlt es am Salz. Autos rutschen kreuz und quer durch die Gegend, Fußgänger brechen sich Arme und Hüften.
Fatal: Der Euro-Schutzschirm könnte Löcher haben…
“Der Herr ist des Armen Schutz, ein Schutz in Zeiten der Not.” Ja, ja, damals, als die Kirche noch groß und mächtig war, hätte man die Griechenland- und Eurokrise noch unter Berufung auf Psalm 9 geregelt. Man hätte auf Gott vertraut und wäre schon irgendwie über die Runden gekommen.
Jedoch, diese heutige Welt betet die Computer an.
Die Griechen sind unerreichbar – und kommen immer wieder hoch
“Ihr griecht nix!” Das Niveau der Debatte um die Pleitegeier der Ägäis wird längst nicht mehr auf die nette Art geführt. 110 Milliarden Euro, wie jetzt beschlossen, sind ja auch eine Unsumme. Aber man wird Griechenland helfen müssen, genauso wie Hypo Real Estate, Opel und demnächst wahrscheinlich Karstadt. Es geht schließlich um die Eigenkapitalrendite jener Wettbüros für Nadelstreifen-Zocker, die früher mal Banken waren.
Ich finde meinen Vorschlag, den deutschen Defizit-Ausgleichsbeitrag in Form von Reisegutscheinen auszuzahlen (siehe hier) immer noch ckever. Aber so etwas macht keine Regierung. Die Menschen könnten ja Freude an der Finanzkrise entwickeln. Und irgendwann dafür beten, dass auch Spanien, Italien, Portugal und die französischen Überseegebiete pleite gehen. Damit man auch da mal zum Nulltarif hinfahren kann.
Es geht aber nicht, die Griechen derart heftig an den Pranger zu stellen, wie das gerade geschieht. Schließlich haben sie uns in den letzten gut 2000 Jahren unendlich viel an Bildung, Umgangsformen etc. geschenkt.
Lassen wir dazu etwa den Gelehrten und Staatsmann Wilhelm von Humboldt (1767-1835) sprechen. In seiner Betrachtung “Über den Charakter der Griechen, die idealische und historische Ansicht desselben” schrieb er unter anderem dieses:
“Die Griechen sind uns ein Ideal. Ihre Vorzüge über uns sind von der Art, dass gerade ihre Unerreichbarkeit es für uns zweckmässig macht, ihre Werke nachzubilden, und wohlthätig, in unser durch unsre dumpfe und engherzige Lage gepresstes Gemüth ihre freie und schöne zurückzurufen. Das Leben kann wie eine Kunst, und der im Leben dargestellte Charakter wie ein Kunstwerk betrachtet werden…
…durch alle diese Züge wurde der Charakter der Griechen insofern das Ideal alles Menschendaseyns, dass man behaupten kann, dass sie die reine Form der menschlichen Bestimmung unverbesserlich vorzeichneten, wenn auch die Ausfüllung dieser Form hätte hernach auf andre Weise geschehen können.”
Wer diese Zeilen liest, wird das europäische Geldproblem gelassener sehen. Es geht eben in diesem Leben nicht nur darum, unablässig Kohle in den Sparstrumpf zu stopfen. Man muss auch gut leben wollen.
Natürlich: Es gibt auch andere Stimmen. Der alte Miesepeter Friedrich Nietzsche schrieb über die Griechen: “Die Gefahr eines Rückfalls ins Asiatische schwebte immer über den Griechen. Und wirklich kam es von Zeit zu Zeit über sie wie ein dunkler überschwemmender Strom mystischer Regungen, elementarer Wildheit und Finsternis. Wir sehen sie untertauchen, wir sehen Europa gleichsam weggespült. Aber immer kommen sie auch wieder ans Licht, gute Schwimmer und Taucher wie sie sind, das Volk des Odysseus.”
Die Griechen sind demnach Seelenverwandte unseres 1. FC Nürnberg. Auch da heißt es bei Abstieg stets: “Wir kommen wieder!”
Damit es Kinder gibt: Liebesschwüre im Tretboot
Schade, dass sie das Fach gewechselt hat, die Mutter der Nation. Da hat Ursula von der Leyen nicht nur selbst Maßstäbe im Kinderkriegen gesetzt. Dank ihrer neuartigen und anfangs keineswegs konservativen Familienpolitik hat sie die Nation viel stärker für Fortpflanzung begeistert, als NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers mit seinem „Kinder statt Inder“-Gebrabbel.
Jetzt wurde Bilanz gezogen: Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern ist die Botschaft angekommen. Die Kinderzahl pro Frau stieg 2008 gegenüber dem Vorjahr stieg dort von 1,36 auf 1,41. In Sachsen sogar auf 1,44. Bundesweit steigerte von der Leyens Politik die durchschnittliche Kinderzahl um 0,0 auf 1,38. Bayern lag bei 1,36. Die Schlusslichter bildeten das arme Saarland und das reiche Hamburg.
Gerade Letzteres zeigt deutlich: Geld macht keine Kinder. Kein Geld aber auch nicht. Es ist demnach verkehrt, die Reproduktionsrate ausschließlich über die Finanzen stimulieren zu wollen. Wir brauchen wieder mehr Romantik!
Ist doch auch so. Früher robbte sich der heiratswillige Jüngling mit zitternden Knien und Fleurop-Strauß in der Hand an Schwiegermutter und -vater heran und bat um die Hand der Tochter. Dieser Demutsakt machte auch ihm klar, welch wertvolles Gut da gerade zur Debatte stand.
Und die Orte für Heiratsanträge sind oft auch nicht so toll. Es passiert beim Verfassen der Steuererklärung am Esstisch, als Gedankenblitz im Supermarkt oder in der Werbungs-Pinkelpause der Sportschau.
So nicht: Die Reiseseite lastminute.de in einer Umfrage die schönsten Orten für den Heiratsantrag ermittelt. Deutlich in Führung liegt danach mit 21 Prozent der Nennungen Paris mit dem Eiffelturm als bestem Ort für die Frage aller Fragen. Es folgt knapp dahinter Venedig (18 Prozent), wo man sich die Liebesschwüre auch von einem Gondoliere jodeln lassen kann Auf Platz drei (mit zehn Prozent) landete der Antrag an einem Strand – egal wo. Und dann folgen nah beieinander die Karibik (fünf Prozent) und die Malediven (vier Prozent).
Auf Nürnberg übertragen heißt das also: Platz eins für Kaiserburg oder Businesstower. Dahinter folgen der Tretbootverleih am Dutzendteich, Stadionbad oder Wöhrder Wiese und schließlich die Pegnitzwiesen und der Kanalhafen. Zwei Orte also, die in der Nähe von Wasser liegen und ansonsten ziemlich langweilig sind.
Weitere Ideen sind willkommen…
Hey, Mr. Taliban! Guido zahlt für Dich!
Guido Westerwelle hat als FDP-Parteichef und -Wahlkämpfer bereits die eigentlich längst geplatzte Steuer-Seifenblase aufsteigen lassen. Jetzt will der Außenminister in Zusammenarbeit mit seinem famosen Entwicklungshilfeexperten Dirk Niebel etwas ganz Neues probieren: Ein Aussteigerprogramm für Taliban soll her.
Geht sowas? Nach allem, was wir über die Taliban denken, handelt es sich doch um die fanatistischten Fanatiker auf diesem Globus. Abgesehen vielleicht von der nordkoreanischen Führungsclique. Sie sind ja sogar eine asymmetrische Bedrohung. Diese trutzigen Bartträger, die Frauen für Humanvieh und Musik für Teufelszeug halten, sollen also bindende Verträge mit dem deutschen Staat abschließen. Das birgt Probleme.
Wie etwa soll man den Kontrakt formulieren? “Ich, Ali ….., bestätige hiermit, dass ich auf die 72 Jungfrauen verzichte, die im Paradies schon auf mich warten.” So etwa? “Ich versichere, dass ich vor einem Selbstmordattentat den gewährten Betrag mit Zins und Zinseszins zurückzahle.” Oder: “Die nächste Folter durch den örtlichen Warlord werde ich nach Gewährung der Unterstützung klaglos durchstehen.”
Und: Wie ist es mit den Fristen? Wie schnell soll das Aussteigerprogramm in Kraft treten? Schließlich wird für die Zeit, in der diese Geschichte durchs Parlament genudelt wird, die Teilnahme an Umtrieben der Taliban attraktiv. Wer noch nicht dabei ist, kann schließlich nicht aussteigen. Und wer sowieso friedlich ist, kriegt ja erstmal gar nichts.
Ach, Guido! Gibt`s nicht vielleicht eine Idee, die uns auch dann noch Hoffnung macht, wenn wir nachgedacht haben?
Geld ist unsexy – aber auch überflüssig?
“Geld allein macht nicht glücklich.” Wie oft haben wir diesen Satz schon gehört? Mehr als Mahnung ist er gedacht als tröstender Hinweis an all jene, die keine Kohle haben. Der Tenor: Es gibt Schlimmeres.
Oder ist alles ganz anders? Ein gewisser Mark Boyle findet nämlich, dass man erst durch völlige Abwesenheit von Geld so richtig glücklich wird. Der 30-jährige Brite hat ein Jahr ohne Geld hinter sich. Er wohnte in einem Wohnwagen in der Nähe von Bath in Südwestengland, pflanzte sein eigenes Gemüse und suchte sich Kleidung im Abfall. „Es war befreiend“, sagte der in Irland geborene Wirtschaftswissenschaftler. Deshalb will er nun auf „unbegrenzte Zeit“ ohne Geld leben.
Richtig ist, dass Geld ansich nicht sexy ist. Sein Wert definiert sich ausschließlich über seine Menge und über seine Währung. Es hat kein Gefühl, weshalb es auch schwer ist, ein Gefühl fürs Geld zu entwickeln.
Unglücklich macht Geld dann, wenn entweder viel zu wenig da ist, so dass man jeden Cent umdrehen muss. Oder wenn es um unüberschaubar hohe Summen geht, so dass den Eigentümer ständige Verlustängste plagen. Es gibt Psychiater, die sich speziell um Superreiche kümmern, die einen Teil ihres Vermögens verzockt haben. Reiche Menschen stecken einen 500-Euro-Schein achselzuckend in die Tasche, sehen aber richtig glücklich aus, wenn ihnen die Verdienstmedaille des von ihnen geförderten Sportvereins an die Brust geheftet wird.
Am besten ist das Leben mit Geld doch dann, wenn es zwar nicht in riesigen Mengen, aber immer ausreichend vorhanden ist, so dass man ohne ständiges Nachrechnen gut leben kann. Wenn man es also hat, wenn man es braucht. Das sagen auch psychologische Studien.
Herr Boyle aus England indes wird nur einem kleineren Teil der Menschheit eine Hilfe sein. Er hat ja auch deshalb ge- und überlebt, weil er sein Gemüse selbst angebaut hat. Das hilft Vegetariern. Andere werden ein paar Euro für Wurst und Fleisch brauchen. Es sei denn, sie wären Metzger.
Bad Bank? Gebt uns den “Bad Schreibtisch”!
Es ist doch ein Jammer mit unseren Politikern. Sie müssen die Weltwirtschaftschaft retten und vergessen dabei die wahren Bedürfnisse der Menschen. Wie bei der “Bad Bank”. Ein wirklicher Segen wäre etwas anderes.
Der Begriff als solcher ist aber grandios. Eine Bad-Bank hatten wir uns bisher als Rasthilfe für fußkranke Kurgäste in Windsheim oder Kissingen vorgestellt. Andererseits: Was den Service angeht, sind viele Bank schon seit langem “bad”. Aber mit einer Krise kommen eben neue Begriffe. Und so passiert es, dass Zecher in Südstadt-Pilsbars inzwischen mit folgende Worten anschreiben lassen. “Herr Wird, mei Audo is dausnd Euro werd. Also gehmsmer nu a Bier – auf Massegredidd.”
Diese Kolumne soll aber auch bilden. Also schreiten wir zur korrekten Definition: “Eine Bad Bank (auf Deutsch: “schlechte Bank”) ist ein gesondertes staatlich geschaffenes Kreditinstitut zur Aufnahme und Abwicklung notleidender Kredite von sanierungsbedürftigen Banken. Im Rahmen der Finanzkrise wird überlegt, ob es sinnvoll ist, notleidende Kredite in eine Bad Bank zu überführen. Die Haftung für die Kreditrisiken der Bad Bank würde er Staat, ein Einlagensicherungsfonds oder eine Bankengruppe übernehmen.”
Super Konstruktion, das wird uns alle retten. Viel besser für das Glück der Menschen wäre jedoch ein “Bad Schreibtisch”. Ein Möbelstück, auf das alle toxischen Papiere ausgelagert werden könnten, die uns das Leben schwer machen. Beschwerdebriefe, Termine zu ungünstigen Zeiten, blödes Zeug, das der Chef für wichtig hält, Mahnungen, und, und, und…
Wir wären frei, uns den wirklich wichtigen Dingen des Lebens zu widmen. Wir könnten an jedem Tag ganz von vorne beginnen. Herlich!!!
Wenn ich nur nicht immer solche Problem damit hätte, irgendetwas wegzuschmeißen….
Vom Weltstadt-Warenhaus zur Resterampe
Na, sauber: Man kann also, das nötige Kleingeld vorausgesetzt, das Kaufhaus des Westens einsacken. Ein deutlicheres Signal dafür, dass unsere einstmals bewunderten und begehrten Konsumtempel nichts mehr zählen, könnte es doch gar nicht geben. Was ist da passiert?
Denken wir (soweit alterstechnisch möglich) mal 31 Jahre zurück. Damals hat Karstadt sein Kaufhaus in der Nürnberger Innenstadt eröffnet. In einer ziemlichen Durchschnitts-Architektur zwar – einige Umland-Sparkassen haben die gleiche Fassade – aber man nannte es “Weltstadt-Warenhaus”. Und das war damals Balsam für die von Selbstzweifeln zernagte Seele von uns Mittelfranken. Wenigstens beim Shopping schienen wir auch einmal mit München auf Augenhöhe zu sein.
Bergab ging es vor zehn Jahren. Karstadt und Quelle fusionierten. Und man fragte sich, was kommen würde. Würde es künftig bei Quelle die kostspieligen Weltstadtwaren geben? Oder bei Karstadt den Wühltisch-Ramsch aus der Fürther Straße? Heute wissen wir: Karstadt ist schlechter geworden.
Und wir haben uns geändert. Hat es uns früher gefallen, im Überfluss zu schwlegen und entlang prall gefüllter Regale zu flanieren, waren wir früher glücklich, vor dem Mutertag aus 69 verschiedenen Bügeleisen auswählen zu können, so lieben wir heute Verknappung und klare Entscheidungen auf Verkäuferseite. Wie beim Discounter: Es gibt alles, was man unbedingt braucht. Und jede Woche kommen Super-Angebote, die wir dringendst nutzen müssen. Wenn Lidl in seinem Prospekt Pferde-Abschwitzdecken anpreist, wissen wir, dass wir diesen ersten Schritt zum eigenen Reitstall mitgehen werden.
Der weitere Weg scheint klar zu sein. “Arcandor” (was für ein bescheuerter Name, übrigens) verabschiedet sich vom Luxus. Das Oberpollinger wird verscherbelt (Ätsch, Ihr Münchner). Mit Blick auf unseren Karstadt gilt dagegen: Erst wenn das letzte Weltstadt-Warenhaus zur Resterampe geworden ist, werdet Ihr feststellen, dass man Pferde-Abschwitzdecken nicht essen kann.

Kauflust ist nur die pure Verzweiflung
Die Zeiten für die Märkte sind schwer. Aber es gibt, so heißt es neuerdings, sehr viel Hoffnung. Denn die Konsumenten machen den ganzen Pessismus angeblich nicht mit. Die Kauflaune der Deutschen, behaupten die einschlägigen Forscher, sei überragend gut. Es gebe keine Rezession, weil das Geld herausgehauen werde. Und zwar mit Herzenslust. Ach Leute, was für ein unglaublicher Quatsch! Gekauft wird doch vor allem aus Verzweiflung.
Ich habe gerade Post bekommen. Von meiner Genossenschaftsbank, die ich eigentlich wirklich schätze. Beigelegt war ein Prospekt, mit dem mir “Starke Zinsen” versprochen werden. Zu erreichen durch einen famosen neuen Sparbrief. Daneben stand ganz groß die Zahl “1,5″. Wie bitte, Einskommafünf?
Wenn das starke Zinsen sein sollen, dann bedeutet das, dass es heutzutage spezieller Bankprodukte bedarf, um die schleichende Enteignung durch die Inflation zumindest einzudämmen. Das Sparbuch hingegen unterscheidet sich vom Sparstrumpf nur noch dann, wenn die eigene Bank keine Gebühren verlangt. Eigentlich ist es aber egal, ob man Geld im Tresor oder unter dem Kopfkissen ablegt. Es ist so oder so totes Kapital, viel öder als ein neues Sofa.
Also ziehen wir die Scheckkarte und helfen den Konjunktur-Gesundbetern. Oder ist das alles nur ein Irrtum?
So hat das Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK beobachtet, dass sein “Konsumbarometer” im Mai auf den höchsten Stand seit fast sechs Jahren gestiegen sei. Kein Wunder. Dieses Barometer hängt wahrscheinlich vor dem Fenster des für Kaffeesatzleserei zuständigen Abteilungsleiter. Es ist so geeicht, dass es kräftig nach oben ausschlägt, sobald das Wetter weihnachtlich wird. Und was haben wir? Einen klimatischen Bockmist, der uns davon abhält, in Freibädern herumzuliegen oder im Biergarten herumzusitzen. Wir bekämpfen unsere Nachtfrost-Depression, indem wir uns wenigstens was Schönes gönnen. Jacken und Smartphones sind aber teurer als die Currywurst am Stausee.
Somit haben wir gelernt: Der Umsatz passt – aber von Lust keine Spur. Stattdessen Verzweiflung, wohin das Auge blickt. Gegen die Inflation hilft uns wahrscheinlich nichts. Ansonsten flehen wir mit lauter Stimme: “Verzeih’ uns endlich! Kachelmann hilf!”