Posts Tagged ‘geld’

Oktober 11th, 2011

Was macht reich? Billigwurst und dicke Autos

Es ist doch die große Frage in unserem Leben: Wie werde ich reich? Mancher hofft bis zu seinem Tod auf einen Lottogewinn. Die Cleveren lesen Zeitung. Darin stehen immer gute Tipps für alle Lebensarten.

In meinem persönlichen Leib- und Magen-Blatt, den Nürnberger Nachrichten, ging es heute recht ausführlich um die Milliardäre in Deutschland. Deren Zahl ist auf inzwischen 108 gestiegen. Es gibt also Wachstum.

Wer den Artikel liest, lernt aber auch wie man reich werden könnte. So belegt Aldi-Gründer Karl Albrecht mit einem geschätzten Vermögen von 17,2 Millarden Euro Platz eins der Rangliste. Demnach hat man Erfolg, wenn man Lebensmittel ähnlich liebevoll wie Schrauben oder Waschbecken-Armaturen präsentiert. Und wenn man die Lieferanten in Sachen Preis so brutal knebelt, dass sie nur noch an großen Mengen verdienen können.

Der Esskultur im Lande hat Aldi sicher nicht gedient. Wir haben gelernt, dass auch Schrott den Magen stopft. Außerdem: Wenn das Zeug billig ist, können wir es problemlos wegschmeißen. Denn es gibt wichtigeres als gutes Essen.

Autos zum Beispiel. Weshalb BMW-Großaktionärin Susanne Klatten auf dem zweiten Platz landet. Auf Rang drei ist aber schon wieder ein Billigmacher unterwegs, nämlich Dieter Schwarz von Lidl/Kaufland. Er hat 11,5 Milliarden Euro gesammelt.

Wer also will, dass es über ihm Geld regnet, dass die Scheinwerfer Scheine auf ihn werfen, sollte also Kopfweh-Bier, Sonderangebots-Wurst und Tiefkühlpizza verkaufen und nebenbei Luxusautos unter’s Volk bringen. Man wird es ihm durch Umsatz danken.

Wer auf Geldregen steht, könnte allerdings auch einen Staat ruinieren. Aber das ist jetzt eine andere Geschichte…

August 6th, 2011

Ruhig bleiben, wenn die Geldprofis panisch sind

Nein, ich kann diesen Satz nicht mehr hören: “Die Kleinanlager sollten die Ruhe bewahren.” Jedesmal, wenn an den Börsen Panik ausbricht, ist es offenbar der letzte Rettungsanker für die globale Finanzwirtschaft, dass die Zwergspekulanten genau andersherum handeln als die famosen Finanzprofis vor ihren übergroßen Monitoren.

Gerade flippen die Experten wieder mal aus. Und das muss man nur mal auf andere Lebenslagen übertragen. Da würden Polizeibeamte nach einem Unfall auf der Autobahn kopflos herumrennen, vor einem brennenden Haus würden aufgeregte Feuerwehrleute den Mensch zurufen, dass sie doch bitte gelassen bleiben sollen, wenn es warm wird. Wenn im Freibad jemand absäuft, würde der Bademeister auf die Knie sinken, sich die Haare raufen, “Ogottogott” rufen und ansonsten nichts unternehmen. Auf der Titanic, wäre die Besatzung panisch ins kalte Wasser gesprungen, während die Passagiere salutierend abgesoffen wären.

Genau solche Leute schicken aber innerhalb von Sekunden Milliardenbeträge um den Globus. Wobei ihre einzige Leistung darin besteht, den “Verkaufen”- oder “Kaufen”-Knopf immer dann zu drücken, wenn das alle anderen auch tun. Ich denke mir: Würden auf den Stühlen der Börsenmakler Gummibäume oder Teddybären sitzen, liefe der nächste Crash nach dem gleichen Muster. Nur die Panik wäre weg.

Ich schreibe das jetzt nicht, weil gerade meiner Altersversorgung wegschmilze. Ich frage mich bloß: Warum können Profis nicht professionell handeln, also ruhig bleiben, wenn es kracht? Vielleicht kann man die Finanzwelt wirklich nicht verstehen. Aber egal: Keine Angst, ich bin nicht panisch. Ich bin bloß sauer.

Juli 30th, 2011

Dringend! Die Welt braucht ein Geld-App!

e Was waren doch die USA dereinst für eine Verheißung? Retter der Welt, Hüter der Freiheit, Kämpfer für die Gerechten, Auslöser jedweden Fortschritts, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Und jetzt ist man auf einem umfassenden Pleite-Kurs. Stand am Ende der Amtszeit von George W. Bush der moralische Bankrott, so fehlt unter Obama auch noch das Geld.

Jawohl, es gibt einiges, wofür wir die Amis mal geliebt haben. Man denke an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, wo sie die Berliner mittels Rosinenbombern ernährt und uns nach der schrecklichen Nazi-Herrschaft mit Jazz, Nylonstrümpfen, Coca-Cola, Kaugummis und Zigaretten wieder in die Genussspur gebracht haben. Unter anderem lernten wir, dass man sich in einem öffentlichen Park auf den Rasen setzen darf. Dank der US-Soldaten sind wir alle lässiger geworden.

Aber die heiße Liebe ist abgekühlt. Insgeheim war uns klar, dass unter einer weißen Weste immer auch Dreck ist. Also wurden viele der jüngeren Segnungen der USA alsbald angezweifelt. McDonald’s macht dick, Microsoft-Programme laufen immer wieder mal anders als sie sollen. Der Fall der Berliner Mauer wurde Helmut Kohl und nicht Ronald Reagan zugeschrieben. Und Barack Obama kann entgegen früherer Annahmen doch nicht übers Wasser laufen.

Jetzt also stehen die Börsenexperten der Fernsehsender vor dem Spiegel und üben ihr schlimmstes Krisengesicht. Heiner Geißler baut noch an seinem Bahnhof und fällt als Schlichter aus. Helfen kann somit nur noch Apple. Diese Firma ist derart beliebt, dass sie inzwischen mehr Geld auf dem Konto hat, als die USA in der Staatskasse.

Bitte, lieber Apple-Chef Steve Jobs. Du und nur du bist der Rosinenbomber dieser schweren Zeit: Schenk dem Obama ein Geld-App. Die Welt wird es Dir danken.

Januar 11th, 2011

Geld ist da – bloß immer am falschen Ort

Was ist eigentlich Geld? Ein seltsames Ding. Oder wie kann man sich eine Sache erklären, die es zwar in einer unfassbaren Menge gibt, die aber meistens am falschen Ort ist. Jedenfalls nicht dort, wo sie am dringendsten gebraucht würde.

Nehmen wir den Winterdienst. Die Kämmerer der Städte, Gemeinden und Landkreise stehen unter dem ständigen Druck, einen Sparbeitrag für den Haushalt zu erbringen. Das läuft so, dass die jeweiligen Kommunalpolitiker die Zahlen durchforsten. Dabei stellen sie zum Beispiel fest, dass der Streusalz-Etat über drei Jahre hinweg nicht ausgeschöpft wurde. Also wird gekürzt, bloß: Wenn es nach drei milden Wintern irrwitzig viel Schnee fällt, fehlt es am Salz. Autos  rutschen kreuz und quer durch die Gegend, Fußgänger brechen sich Arme und Hüften.

Mai 11th, 2010

Fatal: Der Euro-Schutzschirm könnte Löcher haben…

“Der Herr ist des Armen Schutz, ein Schutz in Zeiten der Not.” Ja, ja, damals, als die Kirche noch groß und mächtig war, hätte man die Griechenland- und Eurokrise noch unter Berufung auf Psalm 9 geregelt. Man hätte auf Gott vertraut  und wäre schon irgendwie über die Runden gekommen.

Jedoch, diese heutige Welt betet die Computer an.

April 29th, 2010

Die Griechen sind unerreichbar – und kommen immer wieder hoch

So, und jetzt greifen wir diesem Griechen in die Tasche.

“Ihr griecht nix!” Das Niveau der Debatte um die Pleitegeier der Ägäis wird längst nicht mehr auf die nette Art geführt. 110 Milliarden Euro, wie jetzt beschlossen, sind ja auch eine Unsumme. Aber man wird Griechenland helfen müssen, genauso wie Hypo Real Estate, Opel und demnächst wahrscheinlich Karstadt. Es geht schließlich um die Eigenkapitalrendite jener Wettbüros für Nadelstreifen-Zocker, die früher mal Banken waren.

Ich finde meinen Vorschlag, den deutschen Defizit-Ausgleichsbeitrag in Form von Reisegutscheinen auszuzahlen (siehe hier) immer noch ckever. Aber so etwas macht keine Regierung. Die Menschen könnten ja Freude an der Finanzkrise entwickeln. Und irgendwann dafür beten, dass auch Spanien, Italien, Portugal und die französischen Überseegebiete pleite gehen. Damit man auch da mal zum Nulltarif hinfahren kann.

Es geht aber nicht, die Griechen derart heftig an den Pranger zu stellen, wie das gerade geschieht. Schließlich haben sie uns in den letzten gut 2000 Jahren unendlich viel an Bildung, Umgangsformen etc. geschenkt.

Lassen wir dazu etwa den Gelehrten und Staatsmann Wilhelm von Humboldt (1767-1835) sprechen. In seiner Betrachtung “Über den Charakter der Griechen, die idealische und historische Ansicht desselben”  schrieb er unter anderem dieses:

“Die Griechen sind uns ein Ideal. Ihre Vorzüge über uns sind von der Art, dass gerade ihre Unerreichbarkeit es für uns zweckmässig macht, ihre Werke nachzubilden, und wohlthätig, in unser durch unsre dumpfe und engherzige Lage gepresstes Gemüth ihre freie und schöne zurückzurufen. Das Leben kann wie eine Kunst, und der im Leben dargestellte Charakter wie ein Kunstwerk betrachtet werden…

…durch alle diese Züge wurde der Charakter der Griechen insofern das Ideal alles Menschendaseyns, dass man behaupten kann, dass sie die reine Form der menschlichen Bestimmung unverbesserlich vorzeichneten, wenn auch die Ausfüllung dieser Form hätte hernach auf andre Weise geschehen können.”

Wer diese Zeilen liest, wird das europäische Geldproblem gelassener sehen. Es geht eben in diesem Leben nicht nur darum, unablässig Kohle in den Sparstrumpf zu stopfen. Man muss auch gut leben wollen.

Natürlich: Es gibt auch andere Stimmen. Der alte Miesepeter Friedrich Nietzsche schrieb über die Griechen: “Die Gefahr eines Rückfalls ins Asiatische schwebte immer über den Griechen. Und wirklich kam es von Zeit zu Zeit über sie wie ein dunkler überschwemmender Strom mystischer Regungen, elementarer Wildheit und Finsternis. Wir sehen sie untertauchen, wir sehen Europa gleichsam weggespült. Aber immer kommen sie auch wieder ans Licht, gute Schwimmer und Taucher wie sie sind, das Volk des Odysseus.”

Die Griechen sind demnach Seelenverwandte unseres 1. FC Nürnberg. Auch da heißt es bei Abstieg stets: “Wir kommen wieder!”

Januar 28th, 2010

Damit es Kinder gibt: Liebesschwüre im Tretboot

Wenn er jetzt was sagt, wird geheiratet. Der Eiffeltour ist der Heiratsantrags-Ort Nummer eins.Schade, dass sie das Fach gewechselt hat, die Mutter der Nation. Da hat Ursula von der Leyen nicht nur selbst Maßstäbe im Kinderkriegen gesetzt. Dank ihrer neuartigen und anfangs keineswegs konservativen Familienpolitik hat sie die Nation viel stärker für Fortpflanzung begeistert, als NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers mit seinem „Kinder statt Inder“-Gebrabbel.

Jetzt wurde Bilanz gezogen: Vor allem in Mecklenburg-Vorpommern ist die Botschaft angekommen. Die Kinderzahl pro Frau stieg 2008 gegenüber dem Vorjahr stieg dort von 1,36 auf 1,41. In Sachsen sogar auf 1,44. Bundesweit steigerte von der Leyens Politik die durchschnittliche Kinderzahl um 0,0 auf 1,38. Bayern lag bei 1,36. Die Schlusslichter bildeten das arme Saarland und das reiche Hamburg.

Gerade Letzteres zeigt deutlich: Geld macht keine Kinder. Kein Geld aber auch nicht. Es ist demnach verkehrt, die Reproduktionsrate ausschließlich über die Finanzen stimulieren zu wollen. Wir brauchen wieder mehr Romantik!

Ist doch auch so. Früher robbte sich der heiratswillige Jüngling mit zitternden Knien und Fleurop-Strauß in der Hand an Schwiegermutter und -vater heran und bat um die Hand der Tochter. Dieser Demutsakt machte auch ihm klar, welch wertvolles Gut da gerade zur Debatte stand.

Und die Orte für Heiratsanträge sind oft auch nicht so toll. Es passiert beim Verfassen der Steuererklärung am Esstisch, als Gedankenblitz im Supermarkt oder in der Werbungs-Pinkelpause der Sportschau.

So nicht: Die Reiseseite lastminute.de in einer Umfrage die schönsten Orten für den Heiratsantrag ermittelt. Deutlich in Führung liegt danach mit 21 Prozent der Nennungen Paris mit dem Eiffelturm als bestem Ort für die Frage aller Fragen. Es folgt knapp dahinter Venedig (18 Prozent), wo man sich die Liebesschwüre auch von einem Gondoliere jodeln lassen kann Auf Platz drei (mit zehn Prozent) landete der Antrag an einem Strand – egal wo. Und dann folgen nah beieinander die Karibik (fünf Prozent) und die Malediven (vier Prozent).

Auf Nürnberg übertragen heißt das also: Platz eins für Kaiserburg oder Businesstower. Dahinter folgen der Tretbootverleih am Dutzendteich, Stadionbad oder Wöhrder Wiese und schließlich die Pegnitzwiesen und der Kanalhafen. Zwei Orte also, die in der Nähe von Wasser liegen und ansonsten ziemlich langweilig sind.

Weitere Ideen sind willkommen…

Januar 25th, 2010

Hey, Mr. Taliban! Guido zahlt für Dich!

Guido Westerwelle hat als FDP-Parteichef und -Wahlkämpfer bereits die eigentlich längst geplatzte Steuer-Seifenblase aufsteigen lassen. Jetzt will der Außenminister in Zusammenarbeit mit seinem famosen Entwicklungshilfeexperten Dirk Niebel etwas ganz Neues probieren: Ein Aussteigerprogramm für Taliban soll her.

Geht sowas? Nach allem, was wir über die Taliban denken, handelt es sich doch um die fanatistischten Fanatiker auf diesem Globus. Abgesehen vielleicht von der nordkoreanischen Führungsclique. Sie sind ja sogar eine asymmetrische Bedrohung. Diese trutzigen Bartträger, die Frauen für Humanvieh und Musik für Teufelszeug halten, sollen also bindende Verträge mit dem deutschen Staat abschließen. Das birgt Probleme.

Wie etwa soll man den Kontrakt formulieren? “Ich, Ali ….., bestätige hiermit, dass ich auf die 72 Jungfrauen verzichte, die im Paradies schon auf mich warten.” So etwa? “Ich versichere, dass ich vor einem Selbstmordattentat den gewährten Betrag mit Zins und Zinseszins zurückzahle.” Oder: “Die nächste Folter durch den örtlichen Warlord werde ich nach Gewährung der Unterstützung klaglos durchstehen.”

Und: Wie ist es mit den Fristen? Wie schnell soll das Aussteigerprogramm in Kraft treten? Schließlich wird für die Zeit, in der diese Geschichte durchs Parlament genudelt wird, die Teilnahme an Umtrieben der Taliban attraktiv. Wer noch nicht dabei ist, kann schließlich nicht aussteigen. Und wer sowieso friedlich ist, kriegt ja erstmal gar nichts.

Ach, Guido! Gibt`s nicht vielleicht eine Idee, die uns auch dann noch Hoffnung macht, wenn wir nachgedacht haben?

November 30th, 2009

Geld ist unsexy – aber auch überflüssig?

“Geld allein macht nicht glücklich.” Wie oft haben wir diesen Satz schon gehört? Mehr als Mahnung ist er gedacht als tröstender Hinweis an all jene, die keine Kohle haben. Der Tenor: Es gibt Schlimmeres.

Oder ist alles ganz anders? Ein gewisser Mark Boyle findet nämlich, dass man erst durch völlige Abwesenheit von Geld so richtig glücklich wird. Der 30-jährige Brite hat ein Jahr ohne Geld hinter sich. Er wohnte in einem Wohnwagen in der Nähe von Bath in Südwestengland, pflanzte sein eige­nes Gemüse und suchte sich Kleidung im Abfall. „Es war befrei­end“, sagte der in Irland geborene Wirtschaftswissenschaftler. Deshalb will er nun auf „unbegrenzte Zeit“ ohne Geld leben.

Richtig ist, dass Geld ansich nicht sexy ist. Sein Wert definiert sich ausschließlich über seine Menge und über seine Währung. Es hat kein Gefühl, weshalb es auch schwer ist, ein Gefühl fürs Geld zu entwickeln.

Unglücklich macht Geld dann, wenn entweder viel zu wenig da ist, so dass man jeden Cent umdrehen muss. Oder wenn es um unüberschaubar hohe Summen geht, so dass den Eigentümer ständige Verlustängste plagen. Es gibt Psychiater, die sich speziell um Superreiche kümmern, die einen Teil ihres Vermögens verzockt haben. Reiche Menschen stecken einen 500-Euro-Schein achselzuckend in die Tasche, sehen aber richtig glücklich aus, wenn ihnen die Verdienstmedaille des von ihnen geförderten Sportvereins an die Brust geheftet wird.

Am besten ist das Leben mit Geld doch dann, wenn es zwar nicht in riesigen Mengen, aber immer ausreichend vorhanden ist, so dass man ohne ständiges Nachrechnen gut leben kann. Wenn man es also hat, wenn man es braucht. Das sagen auch psychologische Studien.

Herr Boyle aus England indes wird nur einem kleineren Teil der Menschheit eine Hilfe sein. Er hat ja auch deshalb ge- und überlebt, weil er sein Gemüse selbst angebaut hat. Das hilft Vegetariern. Andere werden ein paar Euro für Wurst und Fleisch brauchen. Es sei denn, sie wären Metzger.

Juli 5th, 2009

Bad Bank? Gebt uns den “Bad Schreibtisch”!

Es ist doch ein Jammer mit unseren Politikern. Sie müssen die Weltwirtschaftschaft retten und vergessen dabei die wahren Bedürfnisse der Menschen. Wie bei der “Bad Bank”. Ein wirklicher Segen wäre etwas anderes.

Der Begriff als solcher ist aber grandios. Eine Bad-Bank hatten wir uns bisher als Rasthilfe für fußkranke Kurgäste in Windsheim oder Kissingen vorgestellt. Andererseits: Was den Service angeht, sind viele Bank schon seit langem “bad”. Aber mit einer Krise kommen eben neue Begriffe. Und so passiert es, dass Zecher in Südstadt-Pilsbars inzwischen mit folgende Worten anschreiben lassen. “Herr Wird, mei Audo is dausnd Euro werd. Also gehmsmer nu a Bier – auf Massegredidd.”

Diese Kolumne soll aber auch bilden. Also schreiten wir zur korrekten Definition: “Eine Bad Bank (auf Deutsch: “schlechte Bank”) ist ein gesondertes staatlich geschaffenes Kreditinstitut zur Aufnahme und Abwicklung notleidender Kredite von sanierungsbedürftigen Banken. Im Rahmen der Finanzkrise wird überlegt, ob es sinnvoll ist, notleidende Kredite in eine Bad Bank zu überführen. Die Haftung für die Kreditrisiken der Bad Bank würde er Staat, ein Einlagensicherungsfonds oder eine Bankengruppe übernehmen.”

Super Konstruktion, das wird uns alle retten. Viel besser für das Glück der Menschen wäre jedoch ein “Bad Schreibtisch”. Ein Möbelstück, auf das alle toxischen Papiere ausgelagert werden könnten, die uns das Leben schwer machen. Beschwerdebriefe, Termine zu ungünstigen Zeiten, blödes Zeug, das der Chef für wichtig hält, Mahnungen, und, und, und…

Wir wären frei, uns den wirklich wichtigen Dingen des Lebens zu widmen. Wir könnten an jedem Tag ganz von vorne beginnen. Herlich!!!

Wenn ich nur nicht immer solche Problem damit hätte, irgendetwas wegzuschmeißen….

April 22nd, 2009

Vom Weltstadt-Warenhaus zur Resterampe

Na, sauber: Man kann also, das nötige Kleingeld vorausgesetzt, das Kaufhaus des Westens einsacken. Ein deutlicheres Signal dafür, dass unsere einstmals bewunderten und begehrten Konsumtempel nichts mehr zählen, könnte es doch gar nicht geben. Was ist da passiert?

Denken wir (soweit alterstechnisch möglich) mal 31 Jahre zurück. Damals hat Karstadt sein Kaufhaus in der Nürnberger Innenstadt eröffnet. In einer ziemlichen Durchschnitts-Architektur zwar – einige Umland-Sparkassen haben die gleiche Fassade – aber man nannte es “Weltstadt-Warenhaus”. Und das war damals Balsam für die von Selbstzweifeln zernagte Seele von uns Mittelfranken. Wenigstens beim Shopping schienen wir auch einmal mit  München auf Augenhöhe zu sein.

Bergab ging es vor zehn Jahren. Karstadt und Quelle fusionierten. Und man fragte sich, was kommen würde. Würde es künftig bei Quelle die kostspieligen Weltstadtwaren geben? Oder bei Karstadt den Wühltisch-Ramsch aus der Fürther Straße? Heute wissen wir: Karstadt ist schlechter geworden.

Und wir haben uns geändert. Hat es uns früher gefallen, im Überfluss zu schwlegen und entlang prall gefüllter Regale zu flanieren, waren wir früher glücklich, vor dem Mutertag aus 69 verschiedenen Bügeleisen auswählen zu können, so lieben wir heute Verknappung und klare Entscheidungen auf Verkäuferseite. Wie beim Discounter: Es gibt alles, was man unbedingt braucht. Und jede Woche kommen Super-Angebote, die wir dringendst nutzen müssen. Wenn Lidl in seinem Prospekt Pferde-Abschwitzdecken anpreist, wissen wir, dass wir diesen ersten Schritt zum eigenen Reitstall mitgehen werden.

Der weitere Weg scheint klar zu sein. “Arcandor” (was für ein bescheuerter Name, übrigens) verabschiedet sich vom Luxus. Das Oberpollinger wird verscherbelt (Ätsch, Ihr Münchner). Mit Blick auf unseren Karstadt gilt dagegen: Erst wenn das letzte Weltstadt-Warenhaus zur Resterampe geworden ist, werdet Ihr feststellen, dass man Pferde-Abschwitzdecken nicht essen kann.

April 9th, 2009

Adieu, ihr Autos. Eine große Liebe ist vorbei

dpa

Kann verschrotten, wer sein Auto wirklich liebt? Foto:dpa

Seufz, eine große Liebe geht dahin. Was gab es nicht an Hingabe, tiefen Gefühlen, an Bereitschaft, großzügig viel Geld zu investieren?Alles vernichtet in den Schrottpressen dieser Republik: Unsere Autos haben ihr Sex-Appeal verloren. Sie werden abgewrackt.

Es war doch vorneherein klar, dass mit dieser Aktion etwas nicht stimmen konnte. Schrotthändler reiben sich verwundert die Augen, dass TÜV-taugliche Autos einfach weggeworfen werden, Menschen verjubeln ihr Erspartes, um künftig einen koreanischen Kleinwagen zu fahren. Es wird bunter auf unseren Straßen, und vielleicht mangels PS-Zahlen langsamr gefahren. Das mag ein Vorteil der Prämie sein. Aber sonst?

Hier geht etwas an unseren Seelen kaputt. Ich hatte schon vor vier Monaten eine Studie des Kompetenzzentrums “Frau und Auto” aufgegriffen, wonach modernen Fahrzeugen aus weiblicher Sicht die Emotionen verlorengegangen seien. Zu perfekt, zu kalt, zu lösungsorientiert – so werden die Audis und BMW`s von heute gesehen. Wenigstens konnten sie so noch die Männer begeistern. Aber die müssen ja jetzt auf Kia und Co. umsteigen.

Noch wüsste ich nicht, was wir in Zukunft lieben werden. Überzeugt bin ich bloß davon, dass die nächste Abwrackprämie kommen wird. Gestern bei “Hart aber fair” durfte unsere berühmte Freie Wählerin Gabriele Pauli ihre Idee von der “Ehe auf Zeit” propagieren. Wie das geht, wissen wir. Autos wirft man nach neun Jahren weg, der Ehepartner darf gleich drin sitzenbleiben.

Ob das alles glücklich macht, ist freilich eine andere Frage. Wie auch die bereits vorhandene Abwrackprämie zeigt: Was nachkommt ist nicht zwingend besser.

März 26th, 2009

Zumwinkel: “Unterm Strich zähl ich”

Herr Zumwinkel kassiert und lacht sich tot.

Eine Plakat-Variation, die alles sagt: Herr Zumwinkel kassiert und lacht sich tot.

“Unterm Strich zähl ich”, verkündet eine neue Werbekampagne für das Gewinn-Sparen der Postbank. Damit propagiert das laut Bild-Zeitung bald von einem Ein-Euro-Jobber geführte Geldinstitut (Achtung, beschlossen ist nichts) das Bild vom sympathischen Egoisten. Ein Teil der Zinsausschüttung geht ja an die Aktion Mensch.

Dumm ist halt nur, dass der Werbespruch vom früheren Post-Chef Klaus Zumwinkel so überzeugend vorgelebt wurde. Man darf sicher sein, dass sich der kriminelle Steuerhinterzieher so richtig gefreut hat, als die Komplett-Auszahlung seiner Firmenpension von 20 Millionen Euro auf seinem Konto eingegangen ist.

Aber was war eigentlich genau mit dem Zuwinkel? Nicht ganz frisch (22. Januar), aber doch aufschlussreich, ist dieser Beitrag:

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März 13th, 2009

Das große Leid der Superreichen

dpa

Längst auch reich an Falten: The next Dagobert Duck, Bill Gates

 Dieses Leid ist unermesslich. Das Geld schmilzt dahin wie Butter in der Sonne. Nein, nicht auf den Sparkassenkonten von Hinz und Kunz, sondern in den Depots der Superreichen. Die Not ist riesengroß.

Nehmen wir den Inder Anil Ambani: Er büßte im vergangenen Jahr 32 Milliarden Dollar ein, weil die Anteile seine Konzerns Reliance zwei Drittel ihres Wertes verloren. Damit kommt er  im “Forbes”-Ranking jetzt noch auf ein Vermögen von nur noch rund zehn Milliarden Dollar. Und US-Investoren-Legende Warren Buffet muss es hinnehmen, dass der hässliche Emporkömmling Bill Gates wieder an ihm vorbeigezogen ist und sich wieder reichster Mann der Welt nennen darf. Buffet hat 37 Milliarden Dollar, Gates 40. Womit bewiesen wäre, dass es keiner herausragenden Qualität bedarf, um richtig reich zu werden und zu bleiben.

Die Forbes-Liste führt 54 deutsche Unternehmer und Erben aus Firmendynastien als Milliardäre auf. Und diese haben binnen eines Jahres zusammen fast 80 Milliarden US-Dollar verloren. “Na und, es bleibt doch genug übrig”, möchte man sagen. Doch das ist Quatsch. Denn um einen warmen Teller Suppe geht es gar nicht. In New York gibt es – wirklich, Ehrenwort – einen Psychotherapeuten, der sich auf das Seelenheil von Superreichen spezialisiert hat. Er hat in einem “Zeit”-Interview erklärt, dass es für die Psyche ab der vierten Milliarde gefährlich wird. Dann geht es nämlich nicht mehr um die Absicherung des Daseins als solchem. Sondern ums Renomée. 

Darum, dass alle, die vorher neidisch auf das viele Geld gestarrt haben, nun Jauchefässer voller Häme über den reichen Verlierern ausgießen. Und das sei, so der Therapeut, unheimlich schwer zu ertragen.

Nehmen wir doch Maria Elisabeth Schaeffler. Sie hat, so mutmaßt Forbes, von ihrem Vorjahresvermögen von 5,6 Milliarden Euro glatt die Hälfte verloren. Sie erreicht somit nur noch Platz 17 in der Liste der reichsten Deutschen ein. In der Öffentlichkeit steht sie eh schon da wie ein Paradefall für TV-Schuldnerberater Peter Zegart. Sie muss es aber auch hinnehmen, dass ein Windenergie-Unternehmer namens Aloys Wobben neuerdings ebenso vor ihr geführt wird wie Drogerie-Unternehmer Anton Schlecker. Und  Billigschuh-Händler Horst Deichmann bedrängt sie unmittelbar, nachdem er  um 700 Millionen auf 2,7 Milliarden Euro zugelegt hat. Wer die schönsten Wälzlager und die high-techichsten Reifen der Welt herstellt, muss da doch verzweifeln.

Haben wir also Mitleid. Und achten wir auf den Namen Joaquin Guzman Loera. Der Mexikaner ist mit einem Vermögen von 1,0 Milliarden Dollar neu in die Forbes-Liste eingestiegen. Der Mann ist Drogenhändler. Allmählich zeigt sich, welche Branchen wirklich krisensicher sind.

März 7th, 2009

Wo gibt`s Gerechtigkeit – außer in Frankreich?

dpa

Er bereut nichts: Edel-Pleitier Georg Funke. Foto: dpa

“Eher findest du bei einer Hure die Unschuld als im Leben Gerechtigkeit.” Dieser tiefsinnige Satz stammt nach meiner Erinnerung entweder von Tatort-Kommissar Horst Schimanski oder als Krakelei von der Herrentoilette einer mittelfränkischen Kleinkunstbühne. Und sie ist ja auch schwierig zu beantworten - die Frage nach der Gerechtigkeit.

Nehmen wir nur zwei aktuelle Fälle: Da verliert eine Supermarkt-Kassiererin ihre Klage gegen eine fristlose Kündigung. Ihr Arbeitgeber hatte behauptet, dass sie Getränkebons im Wert von 1,30 Euro zu ihren Gunsten abgerechnet hatte. Aber jetzt wird bekannt, dass der ehemalige Chef der Hypo Real Estate überhaupt nicht einsieht, dass er gefeuert wurde. Georg Funke fordert vor Gericht Gehaltszahlungen in Höhe von 3,5 Millionen Euro. Selbstverständlich besteht er auch auf seinen kompletten Pensionsansprüchen.

Im Grunde genommen müsste man jeder Frau gratulieren, die ihren Job bei einem Discounter nicht mehr machen muss. Gut, es gibt Unterschiede. Aldi gilt als korrekter Arbeitgeber, Lidl hat sich ein bisschen gebessert, Schlecker ist bislang ein Schrottbetrieb geblieben. Das mit dem Ausbeuten, Überwachen und dem Rauswurf nach kleinsten Schwierigkeiten geht aber nur, weil viele Frauen auf solche Jobs angewiesen sind. Und weil sich selten jemand darum kümmert, wenn der Bezirks- oder Filialleiter den Daumen senkt.

Einer wie Georg Funke verortet sich da ganz anders. Er hat zwar eine halbe Volkswirtschaft durcheinandergebracht und dafür gesorgt, dass 102 Milliarden Euro an Steuergeldern zur Rettung seines Institutes bereitgestellt werden. Aber er hat ja schließlich sein sonstiges Lebens lang die Pfandbriefe abgesichert – und somit Großes für Volk und Vaterland geleistet. Und: War sein Versagen eigentlich nicht ”marktüblich”?

Zum Glück gibt es noch andere Nachrichten. Eine französische Wurstverkäuferin, die angeblich 40 Cent auf ihre eigene Kunden-Treuekarte geschrieben hatte, wurde von ihrem Arbeitgeber, einem Discounter, fristlos gefeuert.  Sie ging vor das Arbeits-Schiedsge­richt in Versailles. Und dieses hat ihr nun rund 16 600 Euro Schadenersatz wegen einer „Kündigung ohne sachlichen Grund“ zugesprochen. Weitere 1380 Euro muss der Discounter der Frau wegen der demütigenden Umstände der Ent­lassung zahlen.

Wunderbar, hier hat die Gerechtigkeit gesiegt. Leider bloß in Frankreich. Herrn Real-Estate-Funke wiederum wünsche ich etwas ganz anderes: Ein klärendes Gespräch mit Kommissar Schimanski. Wenn’s sein muss, auf der Toilette einer Kleinkunstbühne.