Der Cäsium-Heiner und sein Brüderle

Wie ist sie doch groß, die Empörung über Wirtschaftsminister Rainer Brüderle. Da hat er also im Kreis erlauchter Energiemanager erklärt, dass man das mit dem Atom-Moratorium nicht so eng sehen dürfe. Es seien schließlich Wahlkampfzeiten. Und die Reaktionen waren so, als würde die politische Welt aus dem Gleichgewicht geraten.

Tja, so weit kommt es, wenn ein Politiker mal ganz unvorsichtig die Wahrheit sagt. Denn es war doch völlig klar, dass die neuesten Atomkraft-Verrenkungen der Regierung Merkel nur dazu da waren, um einem gewssen Stefan Mappus ein dauerhaftes Amtsmoratorium zu ersparen. Es war der Versuch, eine Brücke für die Brückentechnologie zu schlagen.

An Brüderles Worten war nichts verkehrt. Wir wussten eh Bescheid, und sind sicher, dass Politiker selten die Wahrheit sagen. Also hat er unsere Erwartung nicht erfüllt, in dieser schwierigen Lage wenigstens ein bisschen beruhigt und belogen zu werden. Das hat uns schwer irritiert.

Die Brüderle-Affäre ist auch ein harter Schlag für Groß-Verrenkung Nummer zwei, die Ethik-Kommission. Da will Angela Merkel die bei einem Bahnhofsbau bewährte Methode auf Atomkraftwerke übertragen. Ein alter, als weise eingeschätzter Mann soll eine Gesprächsrunde leiten, bei der das Für und Wider dieser Energieart abgewogen werden soll. Klaus Töpfer soll, gewissermaßen als Cäsium-Heiner, in die Fußstapfen seines Kollegen Geißler treten.

Aber auch dieser Auftrag von Angela Merkels ist leicht durchschaubar. Es geht vor allem um Zeitgewinn und darum, dass Argumente formuliert werden, dass man Atomstrom – bei allen Risiken – doch brauchen könne.  Um das zu sagen,  braucht es aber bestimmt keine Kommission. Es gibt ja kaum eine Technik, über die seit Jahrzehnten derart umfassend gestritten wird.

Die Kanzlerin wollte tricksen – aber wir haben es durchschaut. Einfach dumm gelaufen, Frau Merkel.