Ein Parlament für das Pferd

Die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles besitzt ein erstaunliches Talent für Entscheidungen, welche die Mehrheit der Menschen schlecht findet. So wurde vor einigen Wochen bekannt, dass sie eine besondere Vorreiterrolle übernommen hat: Sie gehört zu den Gründern des „Parlamentskreises Pferd“.

Sofort waren die üblichen Verdächtigen auf dem Weidezaun. Vor allem von ganz links kamen Attacken.  Spitzengenossinnen oder – genossen sollten sich bitteschön nicht für ein solches Luxusgut, das eigene Pferd, engagieren. Im Sattel säßen doch bloß die Ober-Schnösel und -Zicken der Nation.

In dieser Schärfe stimmt das nicht. Auch Pferdehalter haben Sorgen. So hat der zurückliegende Dürresommer den Preis für Heu in zum Teil ungeahnte Höhen getrieben. Was fatal ist, denn ein Ross weiß, was ihm schmeckt. Eine rasche Ernährungsumstellung, wie etwa bei Kühen, ist nicht möglich. Was zum Beispiel in Nord- und Ostdeutschland dazu geführt hat, dass sich Pferdehalter_innen gegenseitg das Futter von den Feldern klauten.

Und man sollte Andrea Nahles auch den Weitblick bescheinigen, wie man ihn vom Pferderücken haben  sollte. Das Bekenntnis zum Pferd ist eine Chance, um insbesondere Jungwählerinnen an die Partei heranzuführen. Sozialdemokratische Pferdekompetenz könnten sogar schon vierjährige Mädchen begeistern. Die Arbeitsgruppe „Kleinst-Jusos“ wäre geboren.

Aber die Sache hat einen Haken: den Klimawandel. Die in der Schweiz ansässige und auf das Erstellen von Ökobilanzen spezialisierte Firma „ESU-services“ hat den ökologischen Pfoten- oder Hufabdruck verschiedener Haustiere ermittelt. Berücksichtigt wurden Aspekte wie  Fütterung,  Behausung, Fäkalien, Pkw-Fahrten zum Gassigehen oder zum Tierarzt sowie Anschaffungen für und rund um unsere Lieblinge.

Die Bilanz für das Pferd war verheerend. Sie entspricht laut ESU-Fachfirma der Umweltbelastung einer 21.500 Kilometer langen Autofahrt. Zum Vergleich: Pkw in Deutschland werden im Durchschnitt 13.000 Kilometer pro Jahr gefahren. Ein Hund kommt umgerechnet auf 3700 Kilometer. Das Pferd ist also die Braunkohle unter den Haustieren.

Was Nahles‘ Engagement auch wieder schlüssig macht. SPD, Kohle und Pferd – das passt doch. Um die Goldhamster kann sich Christian Lindner kümmern.