Posts Tagged ‘Fußball’

Januar 5th, 2013

Gospodin Depardieu – der neue Russe

Wein oder Wodka? Fragt sich Gospodin Depardieu.In dieser Welt stimmt gar nichts mehr. Früher sind bedrängte Steuerflüchtlinge in Gebiete gejettet, in denen ein grundsolider Glitzerkapitalismus herrschte. Aber keinem wäre damals jemand in den Sinn gekommen, seinen Reichtum in einem kommunistischen Land oder einem seiner Nachfolgestaaten zu verprassen. Man hätte es als degoutant angeschaut. Und heute? Gérard Depardieu, der Urtyp des  genusssüchtigen Franzosen, will  Russe werden.

Das entsprechende Angebot hat ihm – wohl erfolgreich – der Großkumpan aller Testosteronbündel, Russlands Präsident Waldimir Putin, gemacht. Aber warum bloß?

Wenn man den kleingewachsenen, durchtrainierten Judoka Putin anschaut, bekommt man keine Verbindung zum einzig wahren Obelix-Darsteller. Aus unserer Sicht. Rein optisch geht da Depardieu als Russe nie und nimmer durch. Er er ist zu dick, hat viel zu lange Haare und wirkt nicht brutal genug.

James-Bond-Darsteller Daniel Craig könnte man einbürgern – und kein echter Russe würde fremdeln. Dagegen Depardieu: Wenn er mit Öl hantiert, möchte er keinen englischen Fußballclub kaufen. Er will mit Olivenöl kochen. Und trinken will er Wein statt Wodka, wenn auch gegebenfalls mit einer höheren Gesamt-Alkoholmenge. Völlig unwahrscheinlich, dass er den eingesprungenen Spagat beim Kasatschok hinbekommt. Und obendrein ist er bei allem Hang zur Völlerei unrussisch geizig. Zumindest als Steuerbürger.

Nein, das diese neue Staatsbürgerschaft hat keinen Sinn. Es sei denn, dass es sich um eine Marketing-Aktion handelt. Dass der Kreml zeigen will, dass es auch ganz andere Landsleute gibt. Dick, gemütlich und immer lustig. Knuddel-Russen, wie es sie noch nie gegeben hat.

Klingt logisch, doch da gibt es dieses Depardieu-Zitat: “Das Leben ohne Frauen wäre fad und leer. Doch warum hat Gott ihnen die Sprache geschenkt? Wären sie stumm, könnte man sie viel mehr lieben.” Das wiederum hätte jeder Klischee-Russe nicht schöner sagen können. Halten wir also fest: Flüchte ruhig, lieber Gérard. Die Himmelsrichtung scheint zu stimmen.

Wie gerade gemeldet wird, will auch Brigitte Bardot Russin werden. Und zwar dann, wenn im Zoo von Lyon zwei kranke Elefanten eingeschläfert werden. Wie es scheint, ist in Russland auch die offene Psychiatrie hoch angesehen.

Dezember 31st, 2012

Von First Lady bis Neonazis: Die Hirndübel-Top-Ten 2012

Noch ein Jahresrückblick? Muss das sein? Muss nicht, kann aber – also biete ich mit diesem Beitrag das Hirndübel-Best-Off von 2012.

Ich klaue damit eine Idee meines Kollegen Peter Viebig. Er hat zurückgeschaut, was in seinem vipraum im alten Jahr am häufigsten angeklickt wurde. Logisch, die meistgesehenen Beiträge müssen nicht die besten gewesen sein. Es kommt ja auch darauf an, an welchem Wochentag und zu welcher Uhrzeit man postet, ob eine Geschichte über soziale Netzwerke weiterverbreitet wird, undsoweiter. Aber die Leser(innen) haben ein gutes Gespür dafür, was interessant, intelligent oder witzig ist. Es kommt kaum vor, dass Gelungenes bezeihungsweise Relevantes ignoriert wird.

Klicktechnisch die Nummer 1 von 139 Beiträgen war der Text über unsere Nürnberger “First Lady”, Daniela Schadt. Das berührt die Frankenherzen, zudem wirkt meine Herkunft als Ex-Gesellschaftsreporter nach. Sehr erfolgreich war auch eine – national betrachtet – Verrätergeschichte: Ich habe dem Fußballgott für die EM-Niederlage gegen Italien gedankt. Das große Fußballturnier landet mit Betrachtungen zu den verschiedenen Tier-Orakeln auch noch auf Platz 8.

Auch das (doofe) Fernsehen interessiert immer. Deshalb gab es Platz 3 für den Beitrag “Verblöden mit dem Bachelor”. Platz 4 für einen Beitrag über das Meldegesetz überrascht mich, dagegen ist Platz 5 für meinen Vorschlag, Markus Söder zum König von Griechenand zu ernennen, aus meiner Sicht normal. Markus Söder ist in unserer Region vom Aufmerksamkeitswert her so etwas wie die Tatjana Gsell der großen Politik. Also ein zuverlässiger Quotenbringer.

Unerwartet oft geklickt war ein Video über die DJ-Ausbildung im Jahr 1969. Es kam auf Platz 6. Dagegen landete der Beitrag über die Promi-Saufbilanz beim Bundespresseball schon wegen seiner gesellschaftlichen Bedeutung zurecht auf Platz 7. Platz 9 gab es für einen Beitrag über die Folgen von Stromausfällen. Und ebenfalls in den Top Ten landete der Aufruf, gegen Nazis klare Kante zu zeigen.

Hier also meine Meistklick-Liste für 2012:

1. Glückwunsch an unsere First Lady

2. Lieber Fußballgott, Du bist so weise

3. Voll im Trend: Verblöden mit dem Bachelor

4. Meldegesetz: Wir surfen über Schlaglöcher

5. Markus Söder, unser neuer König von Griechenland

6. Ein DJ braucht saubere Finger

7. In Stadion oder Ballsaal: Der Alkohol lenkt alles

8. EM-Orakel: Ein göttlicher Funke steckt in jedem Tier

9. Wenn der Strom ausfällt, wächst das Vertrauen

10. Gegen Nazis hilft nur die klare Kante

August 2nd, 2012

Neue Heimat für die Kaufhof-Zecher

Südstadt-Idylle: Der Biergarten der "Silbernen Kanne".

Südstadt-Idylle: Der Biergarten der "Silbernen Kanne".

Als bekannt wurde, dass der Kaufhof in der Nürnberger Südstadt schließen wird, war ich wirklich traurig. (siehe hier) Nun soll der große Betonklotz am Aufseßplatz abgerissen und durch etwas Neues ersetzt werden. Irgendwann. Aber wohin hat es das Stammpublikum des alten Kaufhauses verschlagen? Eine Stück neue Heimat gibt es: Das Gasthaus “Silberne Kanne” in der Breitscheidstraße.

An der Fassade prangt noch immer der stolze Schriftzug „Speisehaus“. Doch das ist Vergangenheit. Die “Silberne Kanne“ nennt sich jetzt “Sportsbar” und ist seit ihrer Wiedereröffnung vor vier Wochen ganz auf den „Glubb“ eingestellt. Und sie ist ein Asyl für besondere Heimatvertriebene.

Wirtin Sandy Schmalfuß (32) hatte zuletzt im “Dinea”-Restaurant im 200 Meter Luftlinie entfernten Kaufhof am Aufseßplatz gearbeitet. Sie kannte auch die Stammkunden der dortigen “Franeknstube”. Diese war Treffpunkt von Clubfans und hatte daneben immer auch die Funktion und das Flair einer Wärmestube. Auch wer sonst keine recht Heimat hatte, war dort willkommen.

Noch vor der Schließung des Kaufhofs entschloss sich Schmalfuß, ihrem Stammpublikum ein neues Nest zu bauen. Sie wurde sich mit den Eigentümern der seit zirka eineinhalb Jahren geschlossenen Lokals einig. Ihre Mutter Annette Basse kündigte ihren ungeliebten Job an der Kasse eines Discounters – fertig war die Wirtschafts-Gründung.

Montags bis samstags ist von 11 bis 22 Uhr geöffnet. Das rustikale Mobiliar des ehemaligen Speiselokals ist mit Devotionalien des ruhmreichsten aller fränkischen Fußballvereine geschmückt. Alle Spiele des 1. FC Nürnberg werden live zu sehen sein. Dazu gibt es Faß- und Flaschenbiere zu Preisen zwischen zwei und 2,60 Euro. Die Hauptgerichte sind Schnitzel mit Beilage oder drei Bratwürste mit Kraut für jeweils 5,90 Euro.

Eine Attraktion für sich ist der Biergarten. Gäste sitzen dort unter sechs mächtigen Kastanien. Ein unerwartetes Ambiente an dieser Stelle der Südstadt. Die Nachbarschaft wird dessen Existenz spätestens am Samstag, 4. August, registrieren: Dann ist Sommerfest mit Live-Musik.Das gab’s nicht mal im Kaufhof.

 

Juni 29th, 2012

Lieber Fußballgott, Du bist so weise!

Seit Donnerstag ist Heidi Klum für Seal kein Problem mehr. Foto: dpa

Seit Donnerstag ist Heidi Klum für Seal kein Problem mehr. Foto: dpa

„Herr, Warum hast du uns verlassen:“ So hadern heute viele deutsche Fans mit dem Fußballgott. Warum mag er uns seit vielen Jahren nie so ganz? Sehen wir es aber doch mal anders: Italien gewinnen zu lassen, war eine ausgesprochen weise Entscheidung.

Das merkt man zum Beispiel an den Schlagzeilen italienischer Zeitungen. „Ciao Merkel!“ lautet eine davon. Und das sagt uns, dass es für die Menschen in anderen Ländern ungeheuer wichtig ist, dass die Deutschen auch einmal eine auf die Mütze kriegen. Man erlebt, dass wir nicht unbesiegbar sind – und das tut vielen gut.

Jetzt steht fest, dass zwei Krisenländer den Fußball-Europameister ermitteln. Spanien, mit 62 Prozent Ballbesitz und 51 Prozent Jugendarbeitslosigkeit sowie Italien, das von einem dunkelhäutigen Exzentriker angeführt wird. Lustig für ein Land, in dem Schwarzafrikanern ansonsten vor allem für den Straßenverkauf von Feuerzeugen und Freundschaftsbändern zuständig sind. Der Held Balotelli muss die in Italien vergleichsweise zahlreichen Rassisten elendig ärgern. Und das ist richtig gut so.

Aber auch Deutschland tut die Niederlage gut. Hätte unsere Nationalelf wieder gewonnen und hätte sie sogar den Titel geholt, wären wir in Europa noch ein Stückchen unbeliebter geworden. Aber so freuen sich andere, dass wir für unseren Geiz und unser Strebertum auch einmal bestraft werden.

Schließlich: Angela Merkel bleibt die Reise nach Kiew erspart. Sie muss nicht Julia Timoschenko besuchen, sie braucht sich auch nicht neben ukrainische Musterdemokraten auf die Tribüne setzen. Da muss jetzt ein Italiener hin, wobei uns Silvio angesichts seiner verwandten Denkstrukturen die beste Besetzung wäre.

Letztlich stellen wir fest: “Lieber Fußballgott, Du hast diesen Pokal von uns genommen. Die Last des Abschiednehmens wiegt schwer auf unseren Seelen. Doch wir wissen, dass es gut ist. Lieber Fußballgott, wir danken Dir!”

Juni 25th, 2012

Wir brauchen die Partei des deutschen Fußballs!

Reden kann Jogi Löw. Er wäre ein guter Kanzlerkandidat.

Reden kann Jogi Löw. Er wäre ein guter Kanzlerkandidat.

Vorüber, ach vorüber. Die politische Landschaft war früher angenehm überschaubar. Es gab vier Parteien, wobei die CSU, wie jetzt auch wieder, gerne laut, aber folgenlos auf ihrr Eigenständigkeit beharrte. Aber jetzt? Sechs Parteien sind schon im Bundestag, die Piraten kommen vermutlich noch dazu. Und wer weiß, was sich bis zur Wahl im kommenden Jahr alles noch ergibt.

Ganz aktuell droht der Nation eine Sängerpartei. Gotthilf Fischer, Erfinder des freudetrunkenen Massengesangs, möchte mit einer “Singenden Volkspartei” in den Bundestag einziehen. Eine gar nicht mal so schlechte Idee. Fehlt uns doch in diesen Krisenzeiten die Leichtigkeit, mit der die deutsche Nationalelf in griechische Strafräume stürmt. Mit einem lustigen Lied auf den Lippen ginge vieles leichter.

Drei Probleme gibt es allerdings: Der Volksmund hat sich beim Reimen seiner Volkslieder bislang noch keinen Reim auf zeitgemäße Begriffe wie Fiskalpakt oder Betreuungsgeld gemacht. Außerdem werden Sänger(innen) lästig, wenn sie nicht mehr wissen, wann sie aufhören müssen. Und schließlich sagen erste Prognosen, dass eine Sängerpartei kaum in großer Zahl ins Parlament kommen wird. Wen aber soll ein fünfköpfiges Chörlein beeindrucken?

Im Trend liegt unser Sangesfreund Fischer aber allemal Das Stichwort heißt “Partikularinteressen”. Ging man früher davon aus, dass drei Parteien reichen würden, um das ganze Spektrum unseres Daseins abzudecken, so gilt heute diese Richtung: Für jedes Problem eine eigene Partei. Für jedes Interesse ebenso.

Freuen wir uns also über die baldige Gründung der Gut-Holz-Keglerpartei, der Anglerpartei, der Aperol-Spritz-Union, der Vereinigten Solariumsgänger, der Freien Currywurstesser, des demokratischen Bundesschwimmerbundes oder der Sofahocker-Partei. Ganz sicher: Wenigstens eine dieser neuen politischen Gruppierungen würde den Einzug in einen oder mehrere Landtage und vielleicht sogar ins Berliner Parlament schaffen.

Eine Partei fehlt in dieser Auflistung, trotz Sieggarantie: Die Partei des deutschen Fußballs. Spätestens dann, wenn das EM-Finale gewonnen wäre, würde sie es mit ihrem Kanzlerkandidaten Jogi Löw und dem designierten Pressesprecher Lukas Podolski auf mindestens 25 Prozent schaffen. Und somit wissen wir, warum sich Kanzlerin Angela Merkel zurzeit so gerne neben den DFB-Präsidenten auf die Tribüne setzt. Der Fußball ist ihr völlig egal. Sie führt schon Koalitionsverhandlungen.

Juni 20th, 2012

Wenn Finale, dann fliegt Merkel

So, und jetzt mal die Lauscher aufgestellt: Hört man noch was? Von Diktatur, von Korruption, von Menschenhandel – von unterdrückten Demokraten? Eher mal nicht. Anlässlich der Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine, konzentrieren wir uns längst wieder auf das Wesentliche. Auf Poldi und Miro, auf Super-Mario und Jogi. Am ersten fußballfreien Tag wird klar: Sport ist Sport. Und das andere ist die böse Welt.

Zunächst hat es schon so ausgesehen, als würden wir während dieses Sportturniers ganz genau hinsehen. Als würde jeder Fan mit einem Menschenrechts-T-Shirt auf der Tribüne. Frau Timoschenko hat uns da einfach zu leid getan. Ein Merkel-Besuch in der Ukraine? Galt zunächst als völlig undenkbar.

Inzwischen hat die Stimmung umgeschlagen. Der deutsche Fußballfreund klatscht rhythmisch in die Hände und brüllt alle zehn Sekunden „Sieg!“. Und nichts wird die Kanzlerin vor einer peinlichen Dienstreise retten können, außer einer rechtzeitigen Niederlage der deutschen Elf vor dem Finale. Schließlich werden am 1. Juli in Kiew Bilder für die Geschichtsbücher gemacht.

Soll man nun verzweifeln, schimpfen, jammern? Nein, denn wer in Sachen Ukraine wegschaut und die nach-sowjetische Art der Demokratie für in Ordnung befindet, folgt größtmöglichen Vorbildern. So ist bekannt geworden, dass sich Deutschlands beliebstester Steuerflüchtling, der “Kaiser” Franz Beckenbauer, einen Nebenverdienst bei der Russian Gas Society gesichert hat. In deren Auftrag wird er zum Beispiel für die in Russland stattfindende Fußball-WM 2018 werben.

Die Gas-Gesellschaft ist eine Tochter des Gazprom-Konzerns, welcher durch Aufkäufe und andere Nettigkeiten die russischen Medien im Sinne des großen Präsidenten Wladimir Putin zurechtformt. Wenn sich solche Lichtgestalten verbünden, was bleibt da noch dem kleinen Fan? Klar, er klatscht in die Hände und brüllt “Sieg!”.

 

 

 

 

Juni 8th, 2012

EM-Orakel: Ein göttlicher Funke steckt in jedem Tier

Hirndübel-Orakelhamster Gerd rechnet in Sachen Fußball-EM auch mit dem Unerwarteten.

Hirndübel-Orakelhamster Gerd rechnet in Sachen Fußball-EM auch mit dem Unerwarteten.

Als Orakel galt uns früher eine göttliche Offenbarung, die in Form eines Zeichens Aufschluss über die Zukunft geben soll. Je nach Religionszugehörigkeit dachte man, dass uns ein jeweils allwissender Herr mitteilen würde, was uns oder anderen Menschen in nächster Zeit blüht. Doch wo früher ein göttlicher Funke war, regiert in unserer profanen Zeit der tierische Instinkt. Zur Fußball-Europameisterschaft wird jedes Viech wird zum Propheten.

Angefangen hat das alles im Jahr 2010 mit Krake Paul. Einem Tier, das aufgrund seiner körperlichen Besonderheiten durchaus als Torwart geeignet wäre. Der alte Fisch löste seine Aufgaben mit Bravour. Er lag immer richtig.

Und jetzt bricht die Tier-Orakel-Flut über uns herein wie einst der EHEC-Virus. Es gibt höchst sympathische Hellseher wie Mops Otto von nordbayern.de oder Bayern 1-Mini-Bulldogge Xaver. Ziege Traudl tippt für eine obayerbayerische Molkerei, in der Ukraine wiederum grunzt ein dicker Eber in den visionären Futtertrog.

Auch Otter, Seehunde, Möwen und eine Elfantenkuh aus Krakau sind im Einsatz. Und schließlich die einstige Fluchtkuh Yvonne. Sie hat ihrem Ruf, ein eigenwilliger Charakter zu sein, bereits alle Ehre gemacht und auf einen Sieg von Portugal gegen Deutschland getippt.

Mir sind diese reinen Futtervorhersagen allerdings viel zu untranszendentral. Mir fehlt da das Übersinnliche. Deshalb würde ich gerne den erschossenen bayerischen Problembär Bruno einschalten. Vom weltberühmten Löffeltöter Uri Geller spiritistisch befragt, müsste sich vor dem Bären der jeweils passende Ländernapf unter heftigen Vibrationen verbiegen. Bruno wiederum, der ja wie alle Mordopfer nächtens als verlorene Seele am Tatort umherstreift, bekäme nach dem fünften Treffer die ewige Erlösung geschenkt.

Aber geht das überhaupt? Können Tiere zu uns sprechen? Das wiederum glaube ich sehr wohl. Als ich jüngst vor einer Currywurst gesessen bin, habe ich ganz eindeutig die Worte “Du wirst mich essen! Jetzt!” vernommen. Und sehet, genauso ward es!

April 30th, 2012

Fußball macht keine Demokratie

Manchmal wirkt der politische Betrieb wie ein fester Bestandteil des allgemeine Unterhaltungsbetriebes. Es gibt offenbar keine Obergrenze für die Zahl verschrobener Debatten. Gerade läuft wieder eine solche. Die Fragestellung: Muss die Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine boykottiert werden? Muss gar das ganze Turnier in ein in Sachen Menschenrechte unverdächtiges Land verlegt werden?

Man kann es wirklich übertreiben. Gut, da liegt also die frühere Ministerpräsidentin der Ukraine, Julia Timoschenko, mit einem Bandscheibenschaden im Gefängnis. Sie wird dort schlecht behandelt. Also wollen wir nicht mehr hin.

Sicher, das Verhalten der ukrainischen Regierung ist herzlos, schäbig und angesichts der Auswirkungen auf ihr internationales Ansehen reichlich doof. Aber hat die zu ihrer politischen Glanzzeit durchaus machtbewusste Frau Timoschenko den Rang einer Märtyrerin?

Das nicht. Da denke ich eher an die Menschen, die in Bahrain gefoltert wurden, während die schnellen Formel-1-Bubis in den Strampelanzügen vorbeidüsten. Millionäre, die für sich beanspruchen, doch nur ein bisschen Sport zu machen, die nur spielen wollen. Und wie brutal wurde und wird in Aserbaidschan “aufgeräumt”, damit der Eurovision Song Contest mit reichlich Glitzerkulisse ablaufen kann?

Es ist gut, wenn unsere Politiker(innen) ihre Möglichkeiten nutzen, um auf Unrecht hinzuweisen. Zum Beispiel, indem sie sich nicht auf Ehrentribünen setzen, sondern die EM-Spiele daheim anschauen. Aber wer gar so sensibel über das Schicksal der Julia Timoschenko klagt, sollte sich gerne der Frage widmen, wie mies zum Beispiel bei uns Bewohner(innen) von Pflegeheimen behandelt werden. Auch da gäbe es viel zu tun.

Man sollte den Sport nicht überschätzen. Ein paar Fußballern schaffen keine saubere Demokratie, genauso wenig, wie die Olympioniken China revolutioniert haben. Bleiben wir also auf dem Teppich. Oder auf dem grünen Rasen.

Februar 23rd, 2012

Voll im Trend: Verblöden mit dem Bachelor

In Selbstgesprächen haben sich Menschen seit jeher mit der Erkenntnis konfrontiert, dass sie gelegentlich ziemlich blöd waren. Die Frage unserer Tage lautet anders: Sind wir schon alle blöd? Sind wir auf dem Weg dorthin? Ist dieser Zug noch zu stoppen?

Ein klares Indiz für den Verfall von Geist und Moral ist der Erfolg der RTL-Serie “Der Bachelor”. Der “Bätschalla”, wie die “Bild”-Zeitung ihren Lesern in Lautschrift erklärt hat, durfte sich aus einer Gruppe williger junger Frauen seine zukünftige Gefährtin erwählen. Diese heißt Anja, ist aber drei Monate nach Abschluss der Dreharbeiten schon wieder weg. Weshalb sich unser starker Held namens Paul jetzt voll auf seine Autogrammstunden in Kaufhäusern konzentrieren kann.

Das müsste niemand interessieren, wenn diese Sendung nicht an die Grundfesten unseres Zusammenlebens rühren würde. Früher war es völlig klar, dass Fußball die höchsten Einschaltquoten hat. An diesem Aschermittwoch jedoch wollten 3,45 Millionen Menschen zwischen 14 und 49 Jahren (werberelevante Zielgruppe) der Vereinigung von Paul und Anja beiwohnen. Die Champions-League guckten 800.000 weniger.

Casting schlägt Fußball. Und Tussi schlägt Feministin. Letzterer muss es doch ein Gräuel sein, wenn aufgebrezelte Mädels dem Ruhm an der Seite eines angeblich reichen Schönlings hinterherstöckeln. Und kaum ist der Bachelor vorbei, geht die Party zum Auftakt der Fastenzeit mit “Germany’s Next Top Model” weiter. Nach dem Motto: Junge Frauen präsentieren ihren surrealen Körperbau. Da gab es schon mal andere Ziele.

Aber was macht daran blöd? Ganz einfach: Unser Gehirn bräuchte Ruhe, um sich zu regenerieren. Es möchte anhand neuer, ungewohnter Aufgaben wachsen. Aber es bekommt keine Casting-Verschnaufpausen mehr. Kaum ist ein Top Model gewählt, sucht ein Bauer eine Frau, werden Superstar und Supertalent, Dschungelkönige, Voices, Sänger für Baku oder Schwiergertöchter gesucht. Es ist immer was los. Aber es ist immer das Gleiche.

Und deshalb gilt – auf  Fränkisch gesagt: “Wo der Bädschalla is, is der Baddscha ned weit.”

PS: Das Wort “Baddscha” steht für “Patscher” und steht für einen weitgehenden oder kompletten Ausfall denkrelevanter Gehirnfunktionen bei vollem Bewusstsein.

Februar 8th, 2012

Vergesst Alzheimer! Denkt an die Achillesferse!

Es gibt eine ganz besondere Form von Burnout, den geistig-moralischen Nachbrenner. Da schreibe ich etwas über Fußball und Alzheimer und merke kurze Zeit später, dass das eigentliche Thema ein ganz anderes ist. So gewaltig ist der Einfluss der Kick-Branche auf die öffentliche Debatte nämlich doch nicht.
Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass meinungsbildende Zeitungen oder Zeitschriften jemals den Kreuzbandriss zum Titelthema gemacht hätten. Dabei handelt es sich hier um eine der schlimmsten Verletzungen, die Männern in kurzen Hosen passieren können. Auch Mittelfußbrüche oder Adduktorenprobleme kommen allenfalls in der Apothekenumschau prominent zum Zuge.
Gleiches gilt für den Jochbeinbruch, obwohl es gerade diese Verletzung verdient hätte, in schärfster Sprache verurteilt zu werden. Entsteht sie doch durch den massenhaften Einsatz des Ellenbogenchecks, welcher die Blutgrätsche als fiestestes Foul abgelöst zu haben scheint.
Auch das Schambein, das – entweder aufgrund neuer Trainingsmethoden oder evolutionärer Veränderungen im Körperbau des Mannes – immer häufiger auftritt, führt in der öffentlichen Wahrnehmung ein unerklärliches Schattendasein. Man nimmt zur Kentniss, dass es sich gelegentlich schmerzhaft entzündet, macht sich aber keine Gedanken darüber, dass hier der vordere Teil der Hüftgelenkpfanne geschädigt ist.
All dies zeigt die ganze Gnadenlosigkeit des Publikums. Wir jubeln den Fußballern zu, interessieren uns aber nicht für ihre wahren Probleme. Alzheimer ist somit ein – wie wir Journalisten sagen – typisches Hund-beißt-Mann-Thema. Nur das Ungewöhnliche, in diesem Fall der Held, kann uns bewegen. Wohingegen andere Themen für nicht vorhanden erklärt werden. Weshalb Fußballer zwar wie Cristiano Ronaldo aussehen, aber keinesfalls schwul sein dürfen.
So geht das nicht weiter. Besinnen wir uns auf die Antike! Wir brauchen wieder ein Bewusstsein für die Achillesferse. Bald! Schnell! Jetzt!

Februar 6th, 2012

Wenn der Fußball Alzheimer hat…

Fußball regiert die Welt? Das ist vielleicht ein bisschen hoch gegriffen, aber der Einfluss des Spiels der elf Freunde auf die öffentliche Meinung ist schon beeindruckend. Kaum gibt der ehemalige Manager von Schalke 04, Rudi Assauer, bekannt, dass er an Alzheimer leidet, schon hat die Republik kaum ein anderes Thema.
In seinem Fall passt aber auch die Dramaturgie. Rudi Assauer war ein Kicker und später ein Sportmanager auf Testosteron. Im Jahr 1974 nannte man ihn den schönsten Fußballer Deutschlands. Als gesunder Mann war er einer der letzten authentischen Machos, der mit dicken Zigarren und einer zeitweise dramatischen Selbstüberschätzung in finanziellen Angelegenheiten seiner Leidenschaft für Fußball und schöne Frauen frönte.
Wie aber kann es gerade einen derartigen Kämpfer und Niederringer erwischen? Die Antwort: Es ist ganz normal. Auch ein Charles Bronson musste erfahren, dass es nicht vor Alzheimer schützt, wenn man massivstmöglich unter den Bösewichten aufgeräumt hat. Die ehemalige englische Premierministerin Maggie Thatcher kann sich vielleicht gar nicht mehr daran erinnern, wie sie die Argentinier von den Falklandinseln-Inseln vertrieben hat. Und der frühere US-Präsident Ronald Reagan konnte zwar die Berliner Mauer überwinden – gegen den Verfall im Kopf hat ihm das nicht geholfen.
Die Krankheit Alzheimer holt sich ihre Opfer wie es ihr gefällt. Sie nimmt auch die scheinbar Unverletzbaren nicht aus. Das mach sie zu einem großen, faszinierenden Thema. Und wenn der Fußball mithilft, müsste die Diskussion doch in Gang kommen. Wirklich? Nachdem sich Ex-Nationaltorhüter Robert Enke vor einen Zug geworfen hatte, war Depression in aller Munde. Das Schicksal von Trainer Ralf Ragnick führte dazu, dass sich Millionen von Menschen als Burnout-Patienten fühlten.
Doch die Nachrichtenflut hält an. Selbst der Fußball bringt nur noch selten nachhaltige Legenden hervor, wenn fast täglich ein neues Spiel im Fernsehen läuft. Das verbindet ihn mit Alzheimer. Alles wird schnell vergessen. Und schon bald heißt es: “Das nächste Schicksal bitte!”

November 20th, 2011

Babak Rafati oder: Was sind wir doch nachdenklich

Was für ein schöner Satz, der da heute vielfach zu lesen war: “Der deutsche Fußball steht nach dem Suizidversuch von Schiedsrichter Babak Rafati unter Schock.” Wollen wir das glauben? Ich sag mal: Vielleicht, aber lange hält dieser Zustand bestimmt nicht an.

Erinnern wir uns noch? Vor fast genau zwei Jahren hatte sich der damalige Nationaltorwart Robert Enke das Leben genommen. Damals legte die Fußball-Branche den Schalter von Geld- und Leistungsstreben auf Nachdenklichkeit um. Es gab eine riesige Trauerfeier im Stadion. Es wurde auch viel darüber geredet, dass dieser Todesfall für die gesamte Gesellschaft der Anlass sein sollte, das Thema Depressionen zu enttabuisieren und zu diskutieren. Geändert hat sich nichts.

Jetzt forderte DFB-Präsident Theo Zwanziger wieder, in all dem Bundesliga-Trubel wieder mehr auf den einzelnen Menschen zu schauen.

Danke, das wäre dann also gesagt. Das Leben kann weitergehen. Es muss. Denn im Profifußball ist kein Platz für gescheiterte Menschen. Hier geht es um den Erfolg, um tatsächliche oder scheinbare Größe.

Man muss sich doch nur die Selbstinszenierung anschauen. In der Sportschau wird kein schlechtes 0:0 mehr gezeigt, ohne dass vorher eine dramatische Fanfare abgespielt wird. Die Hymne der Champions League klingt, als würden gleich anschließend Cäsar und Kleopatra samt 5000 Lakaien ins Stadion einmarschieren.

In dieser Welt sind die Schiedsrichter eine besonders geforderte Gruppe. Ihre Leistung bewegt im Zweifel Millionenbeträge. Ein falscher Abseitspfiff kann darüber entscheiden, ob ein Verein in der nächsten Saison in der Ersten oder Zweiten Liga kickt. Und wenn dann einer unbeliebt ist, wie eben Babak Rafati, ist der Druck noch größer.

Aber so ist das gewollt. Nur Leistung darf sich lohnen. Der einzelne Mensch zählt nur so lange, wie er es bringt. Das ist Fußball! Aber das soll es auch in anderen Branchen geben.

Juli 11th, 2011

Wer kennt sie – die Wahrheit über Frauen?

Im Journalismus lernt man von Anfang an, dass man es mit den Botschaften nicht übertreiben soll. Vor allem sollte man nie sensationelle Versprechen geben, die man nicht erfüllen kann. Aber was macht gerade das selbst ernannte Magazin für die Info-Elite, der “Focus”? Geht mit der Titelgeschichte “Die Wahrheit über Frauen” auf den Markt. Und illustriert diese Botschaft mit TV-Moderatorin Michelle Hunziker. Mit einer durchschnittlichen Frau also.

Muss Mann das kaufen? Keinesfalls. Schließlich kann es keine noch so gute Zeitschrift schaffen, jene Rätsel zu entschlüsseln, die zahllose Männer bis ans Lebensende und oft genug darüber hinaus begleiten. Ein Heft wie der “Focus” schon gar nicht.

Nein, Frauen bleiben ein Rätsel. Zu erleben ist das bei den Chefs in den allermeisten Firmen. Diese machen ihre Unternehmen zu Weltmarktführern, erfinden die besten Automotoren, Solarzellen und Kuhstall-Fliegenfallen überhaupt, haben aber mitunter erhebliche Probleme, ihren Mitarbeiterinnen bereits vor deren zehntem Betriebsjubiläum den jeweils richtigen Namen zuzuordnen. Vor allem tun sich Spitzenmänner schwer mit der Vorstellung, dass eine Frau ihren Job genauso gut machen könnte, wie sie selbst. Wo doch die eigene Gattin mit Tennis, Golfen, Kosmetik-Terminen oder mit dem Betreiben ihrer kleinen Kunstgalerie so irrsinnig ausgelastet ist.

Deshalb wurden wahrhaftige Glanzlichter der Frauenförderung in Deutschland bislang nur dann gesetzt, wenn ein alter Mann seine Frau durch ein jüngere Mitarbeiterin ausgetauscht hat und anschließend gestorben ist. Die so aufgestiegenen Chefinnen heißen dann zum Beispiel Friede Springer oder Liz Mohn. Und deren Läden laufen.

Aber ein bisschen muss man die Männer auch verstehen. Denn dann, wenn man Frauen einmal bedingungslos vertraut, versagen sie. Oder war es nicht ausgemacht, dass sie Fußball-Weltmeisterinnen werden? Und dann das Aus! Gegen diese Japanerinnen mit ihren kleinen Füßen! Wären sie im Halbfinale rausgeflogen, hätte man die DFB-Frauen wenigstens “Weltmeisterinnen der Herzen” rufen dürfen. Aber so. Wer braucht schon Weltmeisterinnen der Nieren.

Klar, sie waren schon mal die Besten der Besten. Aber für drei Siege in Folge haben unsere Frauen offenbar noch nicht den ausreichend langem Atem. Ähem, will nicht unsere Bundeskanzlerin 2013 auch noch mal….?

Mai 16th, 2011

Die bunte Fußballmode für die neue Saison

Die aktuelle Saison der Fußball-Bundesliga ist gelaufen. Also gilt es, neue Trikots festzulegen, in denen unsere Kicker nicht nur bunt, sondern auch geschmeidig-elegant daherkommen. Hier sind Vorschläge – kommentiert von Günther Netzer. (Dank an Linktippgeberin Sara)

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April 21st, 2011

Das Fernsehen macht uns sooo müüüde…

Sehen wir den Dingen ins Auge: Wir sind ein Volk der müden, nervösen und traurigen Menschen geworden. Aufstehen und Bäume ausreißen war gestern. Heute fühlen wir uns ausgebrannt, bevor auch nur das kleinste Feuer gelodert hat. Und wer ist schuld? Ich sage, das Fernsehen.

Der Beruf mag eine Rolle spielen. Die Arbeitsverdichtung nimmt ebenso zu wie der Druck, mit elektronischer Unterstützung mit wachsendem Zeitaufwand sinnlose Dinge zu tun. Und diese für wichtig zu halten. So wie und das weiß behemdete Bahnfahrer mit Laptop vorführen.

Aber die Ursache unserer Müdigkeit haben wir schnell gefunden, wenn wir an frühere Zeiten zurückdenken. Ja, es war tatsächlich so, dass es drei Fernsehprogramme gab, von denen 80 Prozent eine wichtige Sendung (Edgar Wallce, Raumschiff Orion etc.) angeschaut haben. Arbeitsbeginn war gegen 7 Uhr. Und aus Rücksicht auf die werktätigen Massen kamen die bedeutenden Sachen früh genug, damit man ausschlafen konnte. Nach 23 Uhr wurde ein buntes Testbild gesendet.

Heute ist das anders. Da schauen 4,4 Millionen Menschen das spanische Fußball-Pokalfinale, welches mit Verlängerung bis kurz vor Mitternacht dauert. Sie haben erlebt, wie “Der Checker” bei “Let’s Dance” den alten Samba-Mimen Bernd Herzsprung hinausgeworfen hat und liegen lange wach, um zu ergründen, wie das geschehen konnte. Sie haben Jutta Ditfurth bei “Hart, aber fair” diskutieren sehen und sind aufgewühlt bis unter die Milz. Von den heißen Tränen, die nach Beckmanns nächtlichen Psycho-Seancen vergossen werden, ganz zu schweigen.

Das Problem unserer Zeit ist dieses: Unser Arbeitsbeginn ist so früh, wie er immer war. Aber das Fernsehen lässt uns immer später ins Bett.

Wohl dem, der am Arbeitsplatz dösen kann. Noch wohler dem, der im Wortsinn abschalten.