Unsere Helden: Loddar, Boris und die Ossis

Nein, dies ist kein Land für Helden. Anderswo werden Menschen mit besonderen Fähigkeiten in den Himmel gehoben, ihnen werden Denkmäler gesetzt. Bei uns jedoch ist das anders: Mag einer noch so berühmt sein – wir nörgeln.

Nehmen wir Cristiano Ronaldo. Dieser Fußballer ist ganz gewiss überragend talentiert. Deshalb ist er auch zurecht Weltfußballer. Auf seiner Heimatinsel Madeira steht er als Bronzestatue vor einem nach ihm benannten Museum als Bronzestatue.

Auch wir hatten einen Weltfußballer. Das war vor 25 Jahren. Und er hieß, richtig: Lothar Matthäus. Wahre Freunde des Sports bekommen feuchte Augen, wenn sie an seine unglaubliche 1990-er WM-Gala gegen Jugoslawien zurückdenken. Aber nicht einmal in Nürnberg, das mit einer Büste einer renitenten Marktfrau gedenkt und seinen Flughafen nach einem Kunstmaler mit Jesus-Frisur namens Dürer benennt, kämen sie auf die Idee, ihrem „Loddar“ ein Monument zu errichten.

Nicht mal den „Glubb“ darf er trainieren. Und das nur wegen ein paar verkorkster Weibergeschichten mit zu jungen Frauen und einer Reihe von oettingeresken Interviews auf Englisch. Er war der Beste und gilt heute als Heini.

Ein Schicksal, das er mit einem anderen famosen Ballkünstler teilt, nämlich Boris Becker. Dieser hat, blutjung,  vor 30 Jahren die Becker-Rolle auf den Rasen von Wimbledon gezaubert. Viele Jahre lang fegte er jeden weg, der da stand und auf seine Bum-Bum-Aufschläge wartete. Und dann: Probleme mit Geld, Weibern und blöden Auftritten in blöden Fernsehshows. Auch er: Held im Ausland – Depp bei uns.

Der Heldenstatus gebührt aber noch einer großen, schwer verkannten Gruppe unserer Bevölkerung: den Ossis. Während wir im Westen nach der Wiedervereinigung vor 25 Jahren ein bisschen Soli bezahlen und ansonsten einfach weitermachen konnten, wurden den Ostdeutschen enorme Veränderungen abverlangt. Eine freie Wirtschaft ist ja nicht für jeden so schön, wie man denkt, wenn man sie nicht hat.

Eigentlich hätten auch sie ein Denkmal verdient. Dass sie uns als Angela Merkel und Joachimg Gauck umfassend regieren und repräsentieren, stimmt natürlich. Unterschätzt sind sie also auch. Einen Helden wie Ronaldo hingegen kann man gar nicht stark genug überschätzen. Vielleicht ist es das.

Kommunikation 4.0: Die vorgehaltene Hand

Was ist bloß los? Sind die alle krank? Haben sie Mundgeruch? Immer häufiger sehen wir Menschen, die beim Reden die Lippen abschirmen. Die vorgehaltene Hand ist der große Trend der nicht-virtuellen Kommunikation. Das muss auch sein. Denn es wird zugeguckt und abgehört wie nie zuvor.

Unser aller Bundestrainer Jogi Löw kann davon ein Lied singen. Während des Spiels gegen Gibraltar wurde er beobachtet, wie er sich die Fingernägel feilte. Was ihm als übelste Arroganz ausgelegt wurde – während er es später mit einem abgebrochenen Nagel begründete. Noch mehr jedoch  interessiert, was er während einer Begegnung so sagt. Dies wiederum erforschen Lippenleser, die vor Monitoren sitzend nach Hinweisen auf taktische Finessen spähen. Um sie dann auf die eigene Ersatzbank oder via Twitter dem Rest der Welt zu melden. Löw etwa wurde nachgewiesen, dass er nach einer verpasssten Großchance “Verdammte Scheiße” geflucht hat. Das muss man wissen.

Was hilft? Richtig, die vorgehaltene Hand. Vor allem in den Stadien der erfolgreichsten Fußball-Ligen ist sie zum Kommunikations-Standard geworden. Die dortigen besonders wichtigen Persönlichkeiten tuscheln fast ausschließlich. Denn es könnte ja ein Spiel komplett verändern, es könnte Millionen kosten, wenn bekannt würde, dass der spanische Star-Trainer zum Star-Spieler sagt: “Ramos, hau mal den Messi um”. Oder es drohten  wochenlange Schlagzeilen über Team-Konflikte, wenn herauskäme, dass der Stürmer zum Mitspieler sagt: “Gib doch mal ab, du Depp.”

Nun sind sich Fußballer bewusst, dass sie genauestens beobachtet werden. Bei uns galt das bis vor einiger Zeit nur für frühere DDR-Bürger. Da war klar, dass bestimmte Themen nicht zu laut und schon gar nicht am Telefon besprochen werden sollten. Aber bei uns, im freien Westen? Hier gilt  inzwischen: Man darf zwar sagen, was man will, aber im Zweifelsfall bekommt es irgendeiner mit. Und wenn wir vor dem PC sitzen, sollte klar sein, dass die Kamera laufen könnte, während wir in der Nase bohren.

Heute ist es Luxus, Geheimnisse zu haben. Um die zu bewahren, trifft man sich am besten zum Tuscheln auf einer Lichtung im Wald, während das Handy daheim im datentechnisch abgeschirmten Kühlschrank liegt. Dann ist man sicher. Oder? Die Tücken der menschlichen Kommunikation hat der römische Kaiser Marc Aurel so beschrieben: “Manche Leute verstehen unter Verschwiegenheit, dass sie die ihnen anvertrauten Geheimnisse nur hinter vorgehaltener Hand weitererzählen.”

Fazit also: Nur die Gedanken sind frei. Noch.

 

Fußball ist korrupt – G 7 ist verrückt

Jetzt ist die Bild-Zeitung aber wirklich böse. Unser Zentralorgan des gesundes Volksempfindens klärt uns darüber aus, wie viel Geld ARD und ZDF für die Übertragungsrechts für die nächsten Fifa-Fußball-Weltmeisterschaften in Russland und Katar zahlen: 432 Millionen Euro sollen es sein! Und das alles von unseren Gebühren!!! Gibt es noch Schlimmeres? Ja doch. Sein Name ist G 7.

Zunächst aber zur WM. Die Summe wirkt gigantisch. Andererseits genießt das Recht auf TV-Fußball hierzulande Verfassungsrang. Zumindest informell. Und sicher: Man könnte mit diesem Geld unglaublich viel Gutes bieten. Flaue Serien mit Fritz Wepper oder Christine Neubauer zum Beispiel. Doch würde mit einem Boykott auch das Geschäft der falschen Leute betrieben. Zögen sich die öffentlich-rechtlichen Sender vom Fußball zurück – in den Chefetagen von Sky würden die Sektkorken knallen. Endlich wäre das allerbeste Produkt der Welt nur noch gegen Aufpreis greifbar.

Der finanzielle Aufwand für die großen Blatter-Shows relativiert sich sowieso, wenn man sieht, wofür ansonsten Geld verschleudert wird. So wird der G 7-Gipfel auf Schloss Elmau, dieses Klassentreffen der Regierungschefs der großen Industrienationen, nach neuesten Schätzungen rund 390 Millionen Euro kosten. Und das alles von unseren Steuergeldern!!!

Man muss schon fragen, wie jemand die hirnrissige Idee haben konnte, ein solches Hochsicherheits-Meeting in die oberbayerischen Alpen zu verlegen. Diese Gegend ist hierfür komplett ungeeignet. Schon deshalb, weil im Freistaat der freie Zugang zu den Naturschönheiten Verfassungsrang genießt. Aber die Milliarden, die Berichte aus der wunderschönen Gegend sehen werden? Tja. Bayern punktet im Ausland mit schönen Landschaften, aber auch mit seiner Gelassenheit. Endlose Zäune, Schlagstöcke und Wasserwerfer passen hier nicht hin. Oder will die Münchner Regierung Werbung für Rüstungsprodukte machen?

Man fragt sich sowieso: Wie groß muss die Angst der Mächtigen vor den Menschen sein, wenn sie sich derart abschotten müssen? Wenn über Demonstranten  mehr als potenzielle Gewalttäter denn als Leute gesprochen wird, die von einem Grundrecht Gebrauch machen wollen.

Idylle wird es während der G7-Gipfeltage nicht geben. Und das Schlimmste: Man ahnt schon jetzt, dass nicht viel rauskommt. Außer öde Verlautbarungen, verletzte Demonstranten und Polizisten, gereizte Augen und Hämatome. Da hätten wir wirklich lieber noch eine WM genommen…

 

 

Beten zum Fußballgott? Sinnlos, denn sein Name ist Sepp

Keiner mag ihn, jeder hasst ihn, alle dreschen auf ihn ein. Und trotzdem: Sepp Blatter bleibt Präsident des Weltfußball-Verbandes Fifa. Wie schafft er das bloß?

Zunächst einmal: Dieser Schweizer hat noch mehr Stehvermögen als seine teure Landeswährung. Er hat schon so viele Skandale an sich abperlen lassen, dass er sich jetzt, mit 79 Jahren, erst recht gelassen in jede Schlacht stürzt. Wobei das bei ihm schon lange so war. In diesem Blog wurde seine Karriere am 3. Dezember 2010 ausführlich beleuchtet. Und die zwangsläufige Überschrift lautete: Unser Präsident für die Ewigkeit .

Aber all die Skandale? Muss man nicht ernst nehmen. Bedeutende Fußball-Funktionäre sind als kleine Kicker in ihren Vereinen sozialisiert worden. Und dort geht es nicht immer sauber zu. Wer an seine Anfänge zurückdenkt, wird sich nostalgisch lächelnd an wilde Gefechte auf überschwemmten Hartplätzen erinnern. Ein Sumpf ist für echte Fifa-Männer also mehr Verheißung als Grauen.

Zudem pflegt einer wie Sepp Blatter “die Liebe zum Spiel” in dem festen Bewusstsein, dass er die Welt beglückt. Deshalb sieht er keinerlei Grund, sich vor irgend jemand zu rechtfertigen. Auch nicht vor dem Fußball-Gott. Denn er ist es selbst. Selbst Stoßgebete für die Fifa landen direkt beim Sepp.

Wie also geht es weiter? Der Fifa-Präsident wird weiter regieren, um sich am Ende seiner Amtszeit als alternativlos zu präsentieren. Auch 2019 werden die Zeiten schwer sein, auch dann wird der Lotse an Bord bleiben müssen. Gegenkandidaten werden schnell resignieren, was bedeutet: Ein Sepp Blatter bekommt immer eine Verlängerung. Ein Elfmeterschießen, also eine Kampfabstimmung, braucht er nicht.

Ändern könnten das nur die Fußball-Verbraucher weltweit. Indem sie das Produkt so stark boykottieren, dass geldgebende Konzerne die Lust verlieren. Machen wir den Test: Schauen wir uns eine ehrliche Amateur-Schlammschlacht auf einem Hartplatz an und fragen wir uns, ob ein solcher Kick Deutschland gegen Brasilien ersetzen kann. Tja, wahrscheinlich hat er uns im Griff. Der ewige Sepp.

 

Die Liebe zum Fußball ist ewig. Doch das Glück flieht schnell

Die wilden Tage kommen. Es wird Dramen geben, Tragödien gar. Neue Könige werden gekrönt, einstige Helden müssen wieder von unten anfangen. Worum geht’s? Um den Endspurt in den Bundesligen. Ja, man wird Männer weinen sehen.

Wir dürfen davon ausgehen, dass die Emotionskurven in Münchens Bayern-Arena weniger stark ausschlagen werden. Ein einziger Titel pro Saison ist undiskutabel. Man wird sich fragen, wie es sein kann, dass der spanische Trainer-Messias weniger erfolgreich ist als der nette Jupp vom Niederrhein. Der fehlenden Begeisterung um die läppische Deutsche Meisterschaft könnte dadurch Rechnung getragen werden, dass man die diesbezügliche Weißbier-Dusche mit alkoholfreiem Weizen durchführt.

Aber was wird aus den anderen Menschen? Aus denen, die das Unerwartete erleben? Deren Mannschaft für ein Jahr im “europäischen Geschäft” mitmischen und sich in eine Zitterpartie gegen den albanischen Pokalsieger begeben muss. Was erleiden jene, deren Teams nicht mehr gegen München, Dortmund oder Schalke sondern gegen Sandhausen oder Bielefeld antreten müssen? Werden sie ein Jahr pures Glück oder eine Saison der tiefsten Depression erleben?

Die Antwort lautet Nein. Zwar ist die Treue eines Mannes zu seinem Fußballverein durch nichts und niemand zu steigern. Aber: Psychologen der Universität Konstanz haben festgestellt, dass Fußballergebnisse das Wohlbefinden von Zuschauern zwar kurzfristig ansteigen lassen aber kaum nachhaltig beeinflussen.

Im Zuge derWeltmeisterschaft in Brasilien haben die Psychologen über eine spezielle Smartphon-App ihren Studienteilnehmern vor und nach den Spielen der Gruppenphase Fragen zu ihrem persönlichen Wohlbefinden gestellt. Es zeigte sich, dass sich Fans der deutschen Elf danach besser fühlten.  Dieses steigerte sich bei Siegen mit einer höheren Tordifferenz. Aber dieser Anstieg war nur von kurzer Dauer. 100 bis 150 Minuten nach dem Spiel regierten die Glückshormone. Doch schon am Morgen nach dem 4:0-Sieg von Deutschland gegen Portugal hatte sich das zunächst markant gesteigerte Wohlbefinden um 23 Prozent reduziert und war damit gleich hoch wie an Tagen ohne Fußballspiele.

Die Liebe zum Fußball ist ewig, aber auch heißeste Herzen erkalten schnell. So wie die Tränen zügig trocknen.

Aber ist das nun schlecht? Gar nicht. Denn so gibt es Hoffnung, dass Sepp Blatter nicht Gott ist, sondern nur ein Schweizer, wie es keinen Schweizer mehr geben. Ein Dasein ohne Fußball mag sinnlos sein. Aber es ist möglich. Schlusspfiff! Das Leben geht weiter!

 

 

 

WM in Katar: Joseph wird kein Messias mehr

Diese Gesellschaft hat sich daran gewöhnt, dass Profi-Fußball immer und überall ist. In manchen Wochen wird an jedem Nachmittag oder Abend gekickt. Aber der wahre Belastungstest kommt erst noch: Die Fifa will die Weltmeisterschaft 2022 in die Vorweihnachtszeit legen. Am 23. Dezember soll Finale sein. Unser Advent als Zeit der stillen Besinnungslosigkeit bekommt einen weiteren Stressfaktor.

So ist sie eben, die Fifa. In ihrer unermesslichen Geldgier hat sie die WM versehentlich in ein Emirat vergeben, in dem es zwecks größter Hitze blödsinnig erscheint, überhaupt Fußball zu spielen. Außerdem müssen die ganzen Stadien auf eine Fläche passen, die nur eineinhalb Mal größer als Mittelfranken ist. Was schon fast wie eine Aufforderung zu gemäßigten Eroberungskriegen wirkt.

Wirkliche Sinnkrisen wird aber der Termin auslösen. Nehmen wir bloß den Einzelhandel. Traditionell waren große sommerliche Sportereignisse ein guter Anlass um für neue Fernsehgeräte das Urlaubsgeld zu verpulvern. Wie machen wir das 2022? Im November kaufen, aber das Geschenk erst nach Weihnachten bezahlen? Verschenken wir Fußballtrikots, Kamelschrei-Tröten und schwarz-rot-goldene Bohrturm-Mützen bereits zu Halloween? Startet der Sale schon Anfang Dezember? Und: Wann, bitteschön, sollen Männer Einkaufen gehen? Der 24. Dezember 2022 ist zwar ein Samstag – doch zwecks Restalkohol könnte dieser Weg kein leichter sein.

Ganz grundsätzlich hätte man von einem Menschen, der wie Blatter Joseph heißt, so viel Respektlosigkeit gegenüber dem christlichen Kommerz nicht erwartet.  Doch das halten wir aus. Die Bibel hat den Fußball vorhergesehen. “Viele blieben erschlagen liegen bis an das Tor”, kommentierte das zweite Buch Mose das Elfmeterschießen bei großer Hitze. “Sie umgeben mich von allen Seiten; aber im Namen des Herrn will ich sie abwehren”, sagt Psalm 118 über den Widerstand bei Powerplay. Und wer der erste Torwart war, wissen wir auch, denn: “Gott sprach: Noah, geh in den Kasten, ich lass es stürmen.”

Den WM-Gastgebern wiederum müsste ihre Zusammenarbeit mit der Fifa eigentlich peinlich sein. Denn islamische Gelehrte sehen Fußball keineswegs positiv. Sie wünschen sich sportliche Betätigungen, die keine Schäden für Körper und Geist verursachen und weder Neid noch Hass schüren. Das ist in diesem Sport undenkbar.

Aber das ist den islamisten-freundlichen Scheichs an dieser Stelle wurscht. Sie reiben sich die Hände, wenn es im Abendland vor Weihnachten noch mehr Zwist und Streit gibt als ohnehin gewohnt. Und der Blatter Sepp hilft eifrig mit. Er mag im Geld schwimmen, bis er ein U-Boot braucht. Aber Messias wird er keiner mehr.

 

 

Baby-Namen zeigen: Uns fehlen wahre Idole

Politiker und Bürger sind sich fremd geworden. Beispielhaft zeigt sich das an den Vornamen der Neugeborenen. Vorbei die Zeiten, in denen sich Eltern bei der Namenswahl an den Reichen und Mächtigen orientiert haben. Wie der bekannteste deutsche Vornamensforscher Knud Bielefeld ermittelt haben will, waren Emma und Ben im Jahr 2014 die beliebtesten Baby-Namen.

Warum das so ist, bleibt im Dunkeln. Der Name Ben hat sicherlich den Vorteil, dass er sich für eine maßregelnde Ansprache bestens eignet. Ein Satz, der mit “Also, wennnnnn, Bennnn…” beginnt, ist antiautoritär undenkbar. Emma ist für mein Empfinden altmodisch. Vielleicht liegt es daran, dass ich noch aus der Zeit vor Amazon und Ebay stamme und deshalb diesen Namen zwanghaft mit dem Zusatz “Tante” sehe.

Nun aber machen wir den Test: Gibt es namhafte Politiker/-innen, die so heißen? Nein, da ist nichts. Weder im Deutschen Bundestag, noch im Bayerischen Landtag sitzen auch nur eine Emma oder auch nur ein Ben. Die Namen des Spitzenpersonals wiederum bleiben in den Kreißsälen weitestgehend ungehört. Angela findet sich nach den Bielefeld-Charts nicht einmal unter den 500 häufigsten Vornamen. Unsere Kanzlerin rangiert also noch hinter Cassandra, Saphira und Melody. Der SPD-Spitze ergeht es nicht besser. Sigmar bleibt ebenfalls ungelistet und verliert den Kampf gegen Hussein oder Lennox.

Selbst die CSU muss die Vornamensliste mit Grausen beobachten. Zum ersten Mal seit Menschengedenken steht bei den Jungs nicht mehr Maximilian an der Spitze. Der Name, nach dem das Parlament heißt. Die meisten Baby-Bayern heißen heute Lukas oder Lucas. Tja, man hat sich das selbst zuzuschreiben. Hatte man doch früher Ministerpräsidenten mit den alpenländischen Supernamen Josef (Goppel), Franz-Josef (Strauß) und Max (Streibl). Es folgte Edmund (Stoiber), ein Name, der aus dem Englischen kommt und “Beschützer des Erbgutes” bedeutet. Schließlich der entsetzlich unbayerische, weil altgermanische Vorname Günther (Beckstein) sowie in unseren Tagen Horst (Seehofer). Einen regionalen Bezug kann man hier mit viel gutem Willen nur so ableiten, dass alpine Greifvögel in Wohnungen dieses Namens nisten.

Erstaunlicherweise zeigen unsere Eltern auch den Helden des Sports die kalte Schulter. Die beiden Ober-Weltmeister Mario (Torschütze) und Manuel (Torverhinderer) bleiben absolute Randfiguren. Vielleicht ist Jerome (263. Platz) durch die Fußball-Berichte entdeckt worden. Sollte allerdings die überraschend steile Karriere von Mats (Platz 25!) mit der erfrischenden Spielweise von Borussia Dortmund zu tun gehabt haben, dürfte sich dies in nächster Zukunft wieder legen.

Als Fazit bleibt folgende Erkenntniss: Wenn es um Vornamen geht, machen die Leute was sie wollen. Man mag das als Beweis größtmöglicher Freiheit deuten. Aber vielleicht zeigt sich unsere Sehnsucht nach Heldinnen und Helden, die wir wirklich mögen. Mal sehen, wie lange Frau von der Leyen braucht, bis sie feststellt, dass sie eigentlich Emma heißt.

Meine Jahrescharts: Vom Tag der Schande bis zum Apple-Kult

Danke CSU! Ich bin froh, dass es Dich gibt. Nichts hat im Jahr 2014 für mehr Klicks gesorgt, als Betrachtungen zu Deinen politischen Vorschlägen. Dies zeigt der Blick auf meine Jahres-Klick-Charts.

Absoluter Renner war der christ-soziale Doppelschlag am 5. Dezember. Die CSu hat voll hingelangt und die Wahl des ersten Ministerpräsidenten der Linken zum “Tag der Schande” im wiedervereinigten Deutschland erklärt.   Nebenbei wurde den Migranten noch mitgegeben, dass sie doch bitteschön zuhause Deutsch reden sollen. Bingo!

Rein ethisch ist meine Leserschaft gut sortiert. Sonst wäre der Beitrag “Die Gier siegt über die Gerechtigkeit”

nicht so famos geklickt worden. Thema des nach Klicks zweitplatzierten Beitrags war das erstaunlich milde Urteil gegen den Formel-1-Gauner Bernie Ecclestone.

TTIP, ein Aufreger-Thema vom Feinsten, stieß auch in meinem Blog auf Interesse. Kann man sich

Franzosen ohne Wein  vorstellen? Dafür gab’s Platz 3.

Platz 4 für ein Thema, das immer gut ankommt: Die unerfüllte Sehnsucht der Franken nach “Glämmer” – in diesem Fall beschrieben am Scheitern des Nürnberger Opernballs.

Klick-Meistbeteiligung Nummer 5 für eine Betrachtung zu den Veränderungen, die moderne Kommunikationstechnik mit uns Menschen anrichtet: Der  Sims-Daumen kann keine Schönschrift.

Ein weiteres, mittlerweile erst recht politisches Thema bekam die sechstmeisten Klicks. Nämlich ein Kommentar zur Aufregung um die von ein paar Deppen gegründete Wuppertaler “Islam-Polizei”.

Auf den weiteren Plätzen folgten als Themen:

– Der neue Rekordpreis für die Oktoberfest-Maß.

http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2014/06/06/1010-e-franken-bestaunt-den-wiesn-mauerfall/

– Die Suche des bayerischen Finanzministers Markus Söder nach der Mitte Frankens.

http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2014/06/03/mit-dem-bobbycar-zur-vollkommenen-mitte/

– Das WM-Aus für galaktische Fußballer.

http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2014/06/16/wenn-messi-und-ronaldo-sterben/

– Schließlich: Die neue Super-Uhr der Super-Firma Apple.

http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2014/09/14/apple-hilf-wir-haben-keine-zeit/

In einer Hinsicht staune ich: Nicht in meine Charts geschafft hat es ein Beitrag über Helene Fischer. Er kam nur auf Rang 13. Nicht alle lesen eben atemlos…

 

 

 

Fußball: Die Parallelwelt der Selbstgerechten

Ja, ich bin Fußballfan. Ein Leben ohne dieses spannende Spiel wäre für mich ziemlich sinnlos. Es hat mir überragende und – weil ich Anhänger des 1. FC Nürnberg bin – noch mehr niederschmetternde Erlebnisse beschert. Ich habe Star-Kicker verehrt und hingebungsvoll Panini-Sammelbilder gesammelt. Was mich aber nervt: Die Macher des Fußballs missachten Ethik und Recht.

Nehmen wir Uli Hoeneß. Als Steuerbetrüger würde es ihm gut anstehen, sich für seinen Freigang zu bedanken und ansonsten den Mund zu halten. Stattdessen lässt er durch seine Ehefrau seinen Bayerischen Verdienstorden zurückgeben, welcher ihm vor zwölf Jahren für “hervorragende Verdienste” um Freistaat und Volk verliehen worden war. Und zwar, weil er sich ungerecht behandelt fühlt und deshalb auf Distanz zur Politik gehen will.

Geht’s noch? Sicher, es ist klug, sich von Horst Seehofer fern zu halten. Menschen, die dem CSU-Chef allzu nahe sind, leben erfahrungsgemäß gefährlich. Aber ist es Hoeneß wirklich nicht bewusst, dass sein Urteil keineswegs hart war und  dass es von einem Richter und nicht vom Landtag gesprochen wurde? Denkt er nicht daran, wie seine trotzige Aktion auf die Jugendlichen wirken muss, die er demnächst betreuen darf?

Aber die Sache passt ins System. Der Fußball ist zu einem Geschäft geworden, in dem unfassbar viel Geld bewegt wird. Nur deshalb ist es möglich, dass Weltmeisterschaften an Putins Russland und an Katar, den Staat, in dem man die Sklaven nicht sieht, vergeben werden. Ethik ist egal. Man darf vielmehr vermuten, dass Fifa-Präsident Sepp Blatter einer WM in Nordkorea zustimmen würde, wenn dessen Diktator dafür die Staatskonten leerräumen würde.

Da ist aber auch Marco Reus. Genial am Ball ist er, im Kopf sicher nicht. Wie jetzt belegt ist, ist er jahrelang mit einem Sportwagen ohne Führerschein durch die Gegend gegondelt.

Jetzt nehmen wir doch mal an, es würde bekannt, dass ein 20-jähriger Araber mit seinem Porsche durch die Nürnberger Südstadt gedüst und trotz Polizeikontrollen und Bußgeldern unbehelligt geblieben wäre. Es würde sich auf der Stelle ein paar Dutzend Leute finden, die sich als „Pegemas“ – Patriotische Europäer gegen Migranten am Steuer“ – als Mahnwache an die Hauptstraße stellen würden. Es sei denn, dieser 20-Jährige wäre als torgefährlich bekannt.

Früher waren wir sicher, dass Fußballer doof sind und fanden es gut. Die Geschichte des 60er-Jahre-Stürmers Timo Konietzka etwa, der bei seinem Wechsel zu 1860 München ein Monatsgehalt von 5000 Mark verweigerte, weil er es keinesfalls unter 50.000 im Jahr machen wollte, ist ganz wunderbar. Aber heute sind die Kicker und ihre Chefs nur noch dreist. Zeigen wir den Selbstgerechten die Gelbe Karte. Mindestens.

Die Buß-Fahrt der Bayern zum Papst

Ach wunderbar! Welch Ehre! Der FC Bayern München wird am Mittwochvormittag von Papst Franziskus zu einer Privataudienz empfangen. Die Vereins-PR und alle gierigen Abnehmer ihrer Produkte vermitteln uns das Bild einer harmonischen Begegnung, nach deren Ende man sich mit Handkuss und La-Ola-Welle verabschieden wird. Die Wahrheit jedoch ist eine andere. Beim Abstecher in den Vatikan handelt es sich um eine Buß-Fahrt mit kollektiver Beichte. Gründe gibt’s genug.

Die ehrliche Begeisterung des Heiligen Vaters für den mehrfachen argentinischen Meisters Atletico San Lorenzo de Almagro vermag nur schwer zu kaschieren, dass es an diesem Mittwoch zuvörderst um Seelenreinigung gehen wird. So ist der FC Bayern die zurzeit wohl härteste Inkarnation des vom Papst so heftig kritisierten Kapitalismus. Eine Geldmaschine in gestreiften Trikots, die es sich zum Prinzip gemacht hat, Konkurrenten kaputtzukaufen. “Du sollst nicht begehren deines Nächsten Spieler, Trainer, falsche Neun, Doppelsechs, Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat” – das zehnte Gebot interessiert diese Bayern nicht.

Das Wirken ausgewählter Persönlichkeiten kommt hinzu. Ex-Präsident Uli Hoeneß hat der Gesellschaft viele Millionen Euro an Steuergeldern vorenthalten. Karl-Heinz Rummenige ist wegen einer nicht verzollten Uhr vorbestraft, Franck Ribery ist wegen, na ja, irgendwas mit einer Minderjährigen mit Schuld beladen. Und es gibt diese Lichtgestalt, die zwecks Steuerflucht ins Ausland gezogen ist und noch nie einen Sklaven in Katar gesehen hat.

Genug Stoff für eine tagfüllende Beichte. Doch all dies ist nichts gegen die Sache mit der falschen Neun. Es kann den argentinischen Papst nicht ruhen lassen, dass ein Götze die Siegesträume seiner Nation ausgelöscht hat. Er kann nicht hinnehmen, wie sehr Götzenverehrung in Deutschland normal geworden ist.

Wenn also nach der Audienz ein bislang unentdeckter Kreuzbandriss beim jungen Mario gemeldet wird, glauben wir es nicht: Er ist an die Abteilung Inquisition, Exorzismus und verwandte Randgebiete des ehemaligen Regensburger Bischofs Müller überwiesen worden.

Dort wird man ihn reinigen und läutern, bis er ein Fräulein Engel heiratet, deren Namen annimmt und sich fortan beim Torjubel bekreuzigt. Ja, diese Papst-Audienz ist wichtig. Amen!