Fußball: Beleidigt nie das große Geld

„Bloß gut, dass sich der Manni im Stadion so aufführt. Dann schlägt er wenigstens seine Frau nicht.“ In diesen Zeiten, in denen so viel über die unaufhaltsame Verrohung der Gesellschaft geredet wird, mag der Hinweis gut tun, dass dieser Satz aus den späten 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stammt. Der Fußballplatz war nie der Ort des gepflegten Diskurses.

Es gab immer Geschrei und schlechte Manieren. Häufiger als heute wurde rund um die Arena geprügelt. Der Schiedsrichter galt (mindestens) den Verlierern als „der Blinde“. Schließlich war jeder leicht besoffene Vereinsfunktionär am Spielfeldrand der größere Regel-Experte. Referees wurden seltener körperlich attackiert, aber ansonsten hat sich im Vergleich zu früher manches eher abgeschliffen.

Man denke nur an die innige Verachtung der Anhänger des 1. FC Nürnberg für den FC Bayern München, die der Liedermacher Maximiian Kerner so treffend auf den Punkt gebracht hat: „Ich bin a Glubberer/ und ich wärs immer bleim/ Ogmalt hab ich schwarz und rot mei Fensterscheibn/
Mei Nachbarn sochn ich köra in a Therapie/ Und an jeds Münchner Auto bruns ma ar weng hie.“ (https://www.youtube.com/watch?v=rNvdY_eZNNQ)

Nun also diese „Hurensohn“-Affäre. Selbstverständlich ist es abstoßend, das Gesicht eines Menschen in einem Fadenkreuz zu zeigen. Aber die konkrete Schmähung war früher schlimmer. Als ein Dietmar Hopp im Ultra-Alter war, war das anders. Mit dem Hurensohn wurde die Mutter beleidigt, die sich irgendeinem Kerl an den Hals geworfen hatte.

War sie ledig, zeigte das ihren schlechten Charakter. War sie verheiratet, galt ihr Abenteuer als geradezu kriminelle Verfehlung. Dies führte zur Ächtung, während der Fremdgänger als toller Hecht angeschaut wurde. Die Beleidigung Freierssohn ist denn auch unbekannt.

Junge Fußbllfans dürfte ein uneheliches Kind indes kaum in Wallung bringen. Als „Huso“ hat der Hurensohn vielmehr einen festen Platz in der Jugendsprache gefunden: Wobei die Anwendung auch für Streitfälle oberhalb der Gürtellinie benutzt wird.

Was war das also im Stadion von Sinsheim? Letztlich die Botschaft an die Fans: „Schreit Ihr nur: Ohne unser Geld hättet Ihr nichts.“ Als könnte sich der Milliardär Dietmar Hopp nicht selber helfen, wurde er von Spielern und Funktionären des Gegners in die Mitte genommen.

So zeigten sich diejenigen, die vom großen Geschäft profitieren. Diejenigen, die sich von Konzernchefs hätscheln lassen, die mit Mächtigen kungeln, weil sie ja auch so groß und wichtig sind. Und die Extra-Kohle verlangen, wenn die einfachen Leute besondere Spiele sehen wollen.

Wenn diese Leute die Seele des Fußballs sind, sollten wir die Sportart wechseln. Und wie war das noch? Franz Beckenbauer erklärte einst, in Katar niemals einen Sklaven gesehen zu haben. Huso hat man ihn da noch nicht genannt.