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Voll im Trend: Verblöden mit dem Bachelor
In Selbstgesprächen haben sich Menschen seit jeher mit der Erkenntnis konfrontiert, dass sie gelegentlich ziemlich blöd waren. Die Frage unserer Tage lautet anders: Sind wir schon alle blöd? Sind wir auf dem Weg dorthin? Ist dieser Zug noch zu stoppen?
Ein klares Indiz für den Verfall von Geist und Moral ist der Erfolg der RTL-Serie “Der Bachelor”. Der “Bätschalla”, wie die “Bild”-Zeitung ihren Lesern in Lautschrift erklärt hat, durfte sich aus einer Gruppe williger junger Frauen seine zukünftige Gefährtin erwählen. Diese heißt Anja, ist aber drei Monate nach Abschluss der Dreharbeiten schon wieder weg. Weshalb sich unser starker Held namens Paul jetzt voll auf seine Autogrammstunden in Kaufhäusern konzentrieren kann.
Das müsste niemand interessieren, wenn diese Sendung nicht an die Grundfesten unseres Zusammenlebens rühren würde. Früher war es völlig klar, dass Fußball die höchsten Einschaltquoten hat. An diesem Aschermittwoch jedoch wollten 3,45 Millionen Menschen zwischen 14 und 49 Jahren (werberelevante Zielgruppe) der Vereinigung von Paul und Anja beiwohnen. Die Champions-League guckten 800.000 weniger.
Casting schlägt Fußball. Und Tussi schlägt Feministin. Letzterer muss es doch ein Gräuel sein, wenn aufgebrezelte Mädels dem Ruhm an der Seite eines angeblich reichen Schönlings hinterherstöckeln. Und kaum ist der Bachelor vorbei, geht die Party zum Auftakt der Fastenzeit mit “Germany’s Next Top Model” weiter. Nach dem Motto: Junge Frauen präsentieren ihren surrealen Körperbau. Da gab es schon mal andere Ziele.
Aber was macht daran blöd? Ganz einfach: Unser Gehirn bräuchte Ruhe, um sich zu regenerieren. Es möchte anhand neuer, ungewohnter Aufgaben wachsen. Aber es bekommt keine Casting-Verschnaufpausen mehr. Kaum ist ein Top Model gewählt, sucht ein Bauer eine Frau, werden Superstar und Supertalent, Dschungelkönige, Voices, Sänger für Baku oder Schwiergertöchter gesucht. Es ist immer was los. Aber es ist immer das Gleiche.
Und deshalb gilt – auf Fränkisch gesagt: “Wo der Bädschalla is, is der Baddscha ned weit.”
PS: Das Wort “Baddscha” steht für “Patscher” und steht für einen weitgehenden oder kompletten Ausfall denkrelevanter Gehirnfunktionen bei vollem Bewusstsein.
Vergesst Alzheimer! Denkt an die Achillesferse!
Es gibt eine ganz besondere Form von Burnout, den geistig-moralischen Nachbrenner. Da schreibe ich etwas über Fußball und Alzheimer und merke kurze Zeit später, dass das eigentliche Thema ein ganz anderes ist. So gewaltig ist der Einfluss der Kick-Branche auf die öffentliche Debatte nämlich doch nicht.
Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass meinungsbildende Zeitungen oder Zeitschriften jemals den Kreuzbandriss zum Titelthema gemacht hätten. Dabei handelt es sich hier um eine der schlimmsten Verletzungen, die Männern in kurzen Hosen passieren können. Auch Mittelfußbrüche oder Adduktorenprobleme kommen allenfalls in der Apothekenumschau prominent zum Zuge.
Gleiches gilt für den Jochbeinbruch, obwohl es gerade diese Verletzung verdient hätte, in schärfster Sprache verurteilt zu werden. Entsteht sie doch durch den massenhaften Einsatz des Ellenbogenchecks, welcher die Blutgrätsche als fiestestes Foul abgelöst zu haben scheint.
Auch das Schambein, das – entweder aufgrund neuer Trainingsmethoden oder evolutionärer Veränderungen im Körperbau des Mannes – immer häufiger auftritt, führt in der öffentlichen Wahrnehmung ein unerklärliches Schattendasein. Man nimmt zur Kentniss, dass es sich gelegentlich schmerzhaft entzündet, macht sich aber keine Gedanken darüber, dass hier der vordere Teil der Hüftgelenkpfanne geschädigt ist.
All dies zeigt die ganze Gnadenlosigkeit des Publikums. Wir jubeln den Fußballern zu, interessieren uns aber nicht für ihre wahren Probleme. Alzheimer ist somit ein – wie wir Journalisten sagen – typisches Hund-beißt-Mann-Thema. Nur das Ungewöhnliche, in diesem Fall der Held, kann uns bewegen. Wohingegen andere Themen für nicht vorhanden erklärt werden. Weshalb Fußballer zwar wie Cristiano Ronaldo aussehen, aber keinesfalls schwul sein dürfen.
So geht das nicht weiter. Besinnen wir uns auf die Antike! Wir brauchen wieder ein Bewusstsein für die Achillesferse. Bald! Schnell! Jetzt!
Wenn der Fußball Alzheimer hat…
Fußball regiert die Welt? Das ist vielleicht ein bisschen hoch gegriffen, aber der Einfluss des Spiels der elf Freunde auf die öffentliche Meinung ist schon beeindruckend. Kaum gibt der ehemalige Manager von Schalke 04, Rudi Assauer, bekannt, dass er an Alzheimer leidet, schon hat die Republik kaum ein anderes Thema.
In seinem Fall passt aber auch die Dramaturgie. Rudi Assauer war ein Kicker und später ein Sportmanager auf Testosteron. Im Jahr 1974 nannte man ihn den schönsten Fußballer Deutschlands. Als gesunder Mann war er einer der letzten authentischen Machos, der mit dicken Zigarren und einer zeitweise dramatischen Selbstüberschätzung in finanziellen Angelegenheiten seiner Leidenschaft für Fußball und schöne Frauen frönte.
Wie aber kann es gerade einen derartigen Kämpfer und Niederringer erwischen? Die Antwort: Es ist ganz normal. Auch ein Charles Bronson musste erfahren, dass es nicht vor Alzheimer schützt, wenn man massivstmöglich unter den Bösewichten aufgeräumt hat. Die ehemalige englische Premierministerin Maggie Thatcher kann sich vielleicht gar nicht mehr daran erinnern, wie sie die Argentinier von den Falklandinseln-Inseln vertrieben hat. Und der frühere US-Präsident Ronald Reagan konnte zwar die Berliner Mauer überwinden – gegen den Verfall im Kopf hat ihm das nicht geholfen.
Die Krankheit Alzheimer holt sich ihre Opfer wie es ihr gefällt. Sie nimmt auch die scheinbar Unverletzbaren nicht aus. Das mach sie zu einem großen, faszinierenden Thema. Und wenn der Fußball mithilft, müsste die Diskussion doch in Gang kommen. Wirklich? Nachdem sich Ex-Nationaltorhüter Robert Enke vor einen Zug geworfen hatte, war Depression in aller Munde. Das Schicksal von Trainer Ralf Ragnick führte dazu, dass sich Millionen von Menschen als Burnout-Patienten fühlten.
Doch die Nachrichtenflut hält an. Selbst der Fußball bringt nur noch selten nachhaltige Legenden hervor, wenn fast täglich ein neues Spiel im Fernsehen läuft. Das verbindet ihn mit Alzheimer. Alles wird schnell vergessen. Und schon bald heißt es: “Das nächste Schicksal bitte!”
Babak Rafati oder: Was sind wir doch nachdenklich
Was für ein schöner Satz, der da heute vielfach zu lesen war: “Der deutsche Fußball steht nach dem Suizidversuch von Schiedsrichter Babak Rafati unter Schock.” Wollen wir das glauben? Ich sag mal: Vielleicht, aber lange hält dieser Zustand bestimmt nicht an.
Erinnern wir uns noch? Vor fast genau zwei Jahren hatte sich der damalige Nationaltorwart Robert Enke das Leben genommen. Damals legte die Fußball-Branche den Schalter von Geld- und Leistungsstreben auf Nachdenklichkeit um. Es gab eine riesige Trauerfeier im Stadion. Es wurde auch viel darüber geredet, dass dieser Todesfall für die gesamte Gesellschaft der Anlass sein sollte, das Thema Depressionen zu enttabuisieren und zu diskutieren. Geändert hat sich nichts.
Jetzt forderte DFB-Präsident Theo Zwanziger wieder, in all dem Bundesliga-Trubel wieder mehr auf den einzelnen Menschen zu schauen.
Danke, das wäre dann also gesagt. Das Leben kann weitergehen. Es muss. Denn im Profifußball ist kein Platz für gescheiterte Menschen. Hier geht es um den Erfolg, um tatsächliche oder scheinbare Größe.
Man muss sich doch nur die Selbstinszenierung anschauen. In der Sportschau wird kein schlechtes 0:0 mehr gezeigt, ohne dass vorher eine dramatische Fanfare abgespielt wird. Die Hymne der Champions League klingt, als würden gleich anschließend Cäsar und Kleopatra samt 5000 Lakaien ins Stadion einmarschieren.
In dieser Welt sind die Schiedsrichter eine besonders geforderte Gruppe. Ihre Leistung bewegt im Zweifel Millionenbeträge. Ein falscher Abseitspfiff kann darüber entscheiden, ob ein Verein in der nächsten Saison in der Ersten oder Zweiten Liga kickt. Und wenn dann einer unbeliebt ist, wie eben Babak Rafati, ist der Druck noch größer.
Aber so ist das gewollt. Nur Leistung darf sich lohnen. Der einzelne Mensch zählt nur so lange, wie er es bringt. Das ist Fußball! Aber das soll es auch in anderen Branchen geben.
Wer kennt sie – die Wahrheit über Frauen?
Im Journalismus lernt man von Anfang an, dass man es mit den Botschaften nicht übertreiben soll. Vor allem sollte man nie sensationelle Versprechen geben, die man nicht erfüllen kann. Aber was macht gerade das selbst ernannte Magazin für die Info-Elite, der “Focus”? Geht mit der Titelgeschichte “Die Wahrheit über Frauen” auf den Markt. Und illustriert diese Botschaft mit TV-Moderatorin Michelle Hunziker. Mit einer durchschnittlichen Frau also.
Muss Mann das kaufen? Keinesfalls. Schließlich kann es keine noch so gute Zeitschrift schaffen, jene Rätsel zu entschlüsseln, die zahllose Männer bis ans Lebensende und oft genug darüber hinaus begleiten. Ein Heft wie der “Focus” schon gar nicht.
Nein, Frauen bleiben ein Rätsel. Zu erleben ist das bei den Chefs in den allermeisten Firmen. Diese machen ihre Unternehmen zu Weltmarktführern, erfinden die besten Automotoren, Solarzellen und Kuhstall-Fliegenfallen überhaupt, haben aber mitunter erhebliche Probleme, ihren Mitarbeiterinnen bereits vor deren zehntem Betriebsjubiläum den jeweils richtigen Namen zuzuordnen. Vor allem tun sich Spitzenmänner schwer mit der Vorstellung, dass eine Frau ihren Job genauso gut machen könnte, wie sie selbst. Wo doch die eigene Gattin mit Tennis, Golfen, Kosmetik-Terminen oder mit dem Betreiben ihrer kleinen Kunstgalerie so irrsinnig ausgelastet ist.
Deshalb wurden wahrhaftige Glanzlichter der Frauenförderung in Deutschland bislang nur dann gesetzt, wenn ein alter Mann seine Frau durch ein jüngere Mitarbeiterin ausgetauscht hat und anschließend gestorben ist. Die so aufgestiegenen Chefinnen heißen dann zum Beispiel Friede Springer oder Liz Mohn. Und deren Läden laufen.
Aber ein bisschen muss man die Männer auch verstehen. Denn dann, wenn man Frauen einmal bedingungslos vertraut, versagen sie. Oder war es nicht ausgemacht, dass sie Fußball-Weltmeisterinnen werden? Und dann das Aus! Gegen diese Japanerinnen mit ihren kleinen Füßen! Wären sie im Halbfinale rausgeflogen, hätte man die DFB-Frauen wenigstens “Weltmeisterinnen der Herzen” rufen dürfen. Aber so. Wer braucht schon Weltmeisterinnen der Nieren.
Klar, sie waren schon mal die Besten der Besten. Aber für drei Siege in Folge haben unsere Frauen offenbar noch nicht den ausreichend langem Atem. Ähem, will nicht unsere Bundeskanzlerin 2013 auch noch mal….?
Die bunte Fußballmode für die neue Saison
Das Fernsehen macht uns sooo müüüde…
Sehen wir den Dingen ins Auge: Wir sind ein Volk der müden, nervösen und traurigen Menschen geworden. Aufstehen und Bäume ausreißen war gestern. Heute fühlen wir uns ausgebrannt, bevor auch nur das kleinste Feuer gelodert hat. Und wer ist schuld? Ich sage, das Fernsehen.
Der Beruf mag eine Rolle spielen. Die Arbeitsverdichtung nimmt ebenso zu wie der Druck, mit elektronischer Unterstützung mit wachsendem Zeitaufwand sinnlose Dinge zu tun. Und diese für wichtig zu halten. So wie und das weiß behemdete Bahnfahrer mit Laptop vorführen.
Aber die Ursache unserer Müdigkeit haben wir schnell gefunden, wenn wir an frühere Zeiten zurückdenken. Ja, es war tatsächlich so, dass es drei Fernsehprogramme gab, von denen 80 Prozent eine wichtige Sendung (Edgar Wallce, Raumschiff Orion etc.) angeschaut haben. Arbeitsbeginn war gegen 7 Uhr. Und aus Rücksicht auf die werktätigen Massen kamen die bedeutenden Sachen früh genug, damit man ausschlafen konnte. Nach 23 Uhr wurde ein buntes Testbild gesendet.
Heute ist das anders. Da schauen 4,4 Millionen Menschen das spanische Fußball-Pokalfinale, welches mit Verlängerung bis kurz vor Mitternacht dauert. Sie haben erlebt, wie “Der Checker” bei “Let’s Dance” den alten Samba-Mimen Bernd Herzsprung hinausgeworfen hat und liegen lange wach, um zu ergründen, wie das geschehen konnte. Sie haben Jutta Ditfurth bei “Hart, aber fair” diskutieren sehen und sind aufgewühlt bis unter die Milz. Von den heißen Tränen, die nach Beckmanns nächtlichen Psycho-Seancen vergossen werden, ganz zu schweigen.
Das Problem unserer Zeit ist dieses: Unser Arbeitsbeginn ist so früh, wie er immer war. Aber das Fernsehen lässt uns immer später ins Bett.
Wohl dem, der am Arbeitsplatz dösen kann. Noch wohler dem, der im Wortsinn abschalten.
Der Fluch der ständigen Erreichbarkeit…
In diesem lustigen Fußball-Video spiegelt sich ein großes Leid unserer Zeit wieder: Wir müssen immer und überall auf Empfang sein. Im konkreten Fall traf es Matthias Hilbrands, Abwehrspieler beim ostfriesischen Kreisligisten Jemgum. Weil er als Hausmeister des Krankenhauses für Notfälle erreichbar sein muss, wurde er während des Spiels ans Handy geholt. Mit bösen Folgen für einen Gegenspieler…

Schwatzkisten-Jubiläen: Ein Hoch auf Loddar und Twitter
Ein guter Spruch zur rechten Zeit lässt uns lächeln, beflügelt unsere Phantasie, macht uns glücklich. Deshalb verehren wir Menschen, die uns zuverlässig mit originellen Wortgebilden beglücken. Zwei solcher Schwatzkisten feiern unde Jubiläen: Lothar Matthäus wird 50, das Kurznachrichten-Netzwerk Twitter wird fünf Jahre alt.
Ich gratuliere unserem fränkischen Ex-Weltfußballer “Loddar” allerlherzlichst zum runden Geburtstag. Schließlich hat er mir mehrfach hirndübel-tauglichen Stoff geliefert. Weniger mit lieblichen Aphorismen, wohl aber als notorisch liebeskranker Held.
Legendär ist Matthäus gleichwohl für seine Sprüche. Die Kolleginnen und Kollegen der Nürnberger Nachrichten haben da eine schöne Sammlung veröffentlicht. (Der Link) Sie wäre vielleicht noch um diese Aussagen zu ergänzen: “Jeder, der mich kennt und der mich reden gehört hat, weiß genau, dass ich bald englisch in sechs oder auch schon in vier Wochen so gut spreche und Interviews geben kann, die jeder Deutsche versteht.” Oder: “Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken.”
Ich trete jede Wette an: Wäre ein Lothar Matthäus nicht 1961, sondern 1981 oder später geboren worden, er wäre nicht nur Starfußballer, sondern auch Follower-König. Er wäre ein Popstar des Twitter. Denn auch in diesem Netzwerk geht es neben sehr privaten Mitteilungen und der gelegentlich Unterstützung von Dikatoren-Stürzen vor allem um Originalität, Witz und einen Hauch von Wahnsinn. Letzten Endes gilt: Die Durchgeknallten kommen besser durch.
Und produziert wird wie irre: Jede Woche senden die Twitter-Nutzer eine Milliarde Meldungen. Über 200 Millionen registrierte Nutzer soll es geben, alleine im vergangenen Monat sind laut Anbieter jeden Tag 460.000 hinzugekommen. Das nennt man Wachstum XXL.
Wird unser krummbeiniger Held also irgendwann vom Sprüche-Tsunami weggespült und in Vergessenheit geraten? Wohl kaum. Denn noch weiß niemand so ganz genau, womit Twitter Geld verdienen soll, um seine wachsende Mitarbeiterschar auf Dauer zu ernähren. Diese ist letztlich schlechter gegen eine Pleite abgesichert, als des Ex-Fußballers Ex-Frauen.
Meine Prognose: Ein Lothar Matthäus macht Schlagzeilen, so lange es ihn selbst und junge Frauen gibt. Wir werden also noch viel Freude mit ihm haben…
Festtags-Schock: Die neue Lothar-Matthäus-Passion
Ich gebe zu, irgendwo macht mir die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr Angst. Zu oft haben sich da in den letzten Jahren Katastrophen ereignet. Nehmen wir bloß den zweiten Weihnachtsfeiertag: Da rauschte 1999 ein verheerender Orkan namens Lothar durch Nord- und Westeuropa, 2003 wurde die historische Stadt Bam bei einem Erdbeben im Iran zerstört und 2004 forderten die Tsunamis nach einem Seebeben im Indischen Ozean weit über 200.000 Menschenleben. Ich war also vorbereitet, dass Schlimmes passieren oder bekannt werden würde. So ist es auch gekommen. Und schuld ist Lothar.
Zum Glück für die Menschheit erleben wir aber keinen neuen Orkan, sondern eine – jahreszeitlich unpassende – Matthäus-Passion. Unser fränkischer Fußballgott Lothar/Loddar ist im Hafen der Ehe bereits zum vierten Mal auf Grund gelaufen. Sylvia, Lolita und Marijana sind schon weg. Und jetzt hat Noch-Ehefrau Liliana vermutlich eingesehen, dass ihr Talent nicht für eine große Show-Karriere ausreicht. Trotz ihres weltberühmten Mannes.
Ihres Mannes, der einem auf seiner unglücklichen Suche nach wahrer Liebe so richtig leid tun kann. Was sogar die ansonsten eher unsensiblen Journalisten der “Bild”-Zeitung empfunden haben müssen, als sie ihren Ehe-Abgesang geradezu dramatisch begannen: “Die Gefühle verebbten und brandeten wieder auf, mal schwammen sie auf einer Glückswelle, dann brach alles über ihnen zusammen.”
Nein, hier tobte kein Orkan. Wir wissen nichts von einem Gefühls-Erdbeben. Aber am Ende war es, wie schon einmal an einem zweiten Weihnachtsfeiertag, ein astreiner Tsunami.
Doch einer wie Lothar Matthäus war beruflich lange genug mit Oliver Kahn zusammen, um zu wissen, dass es im Leben immer weiter geht. Was uns auch eine andere Katastrophen-Meldung dieses Tages signalisiert: Playboy-Gründer Hugh Hefner (84) hat sich mit einem 24-jährigen Playmate namens Crystal verlobt.
Lothar Matthäus ist gerade mal 49 Jahre alt. Wir sehen ihn also noch oft in diesem Theater…
Sepp Blatter – unser Präsident für die Ewigkeit!
“Sepp Blatter ist ein Schweizer, wie es keinen Schweizer mehr geben wird.” Dieser Satz stammt zwar aus einer Franz-Beckenbauer-Parodie, jedoch: Bestimmt ist der Präsident des Welt-Fußballverbandes Fifa als Mensch ein wunderbarer Solitär. Denn gerade haben wieder alle Zweifler erfahren, dass er und nur er weiß, wo es auf diesem Planeten entlanggeht.
Wer das nicht glaubt, soll doch bitte mal sagen, welchem Menschen es sonst noch vergönnt ist, dass seine Grundschule zu seinen Lebzeiten nach ihm benannt wurde. In Visp in der Schweiz, wo dazumal der kleine Sepp auf der Schiefertafel herumgekratzt hat, ist das so. Und sind von diesem Mann Momente des Scheiterns überliefert? Außer bei seinem erfolglosen Vorschlag aus dem Jahr 2004, die Bekleidung von Fußballerinnen femininer zu machen? Blatter dachte damals (sicher) an Volleyballhöschen und (eventuell) an Fußballschuhe mit Absätzen und aufgemalten lackierten Zehen. Dafür war die Zeit noch nicht reif.
Die jüngsten Entscheidungen seiner Fifa haben jedenfalls Weltökonomie und Klimawandel im Blick. Blatter weiß, dass sich bis 2018 mit Öl und Gas noch mächtig Geld verdienen lässt. Also schickt er die Kicker ins russische Riesenreich. Der Umstand, dass dieses Land nur halbdemokratisch regiert wird und dass an allen Ecken und Enden die Mafia lautert, mag manchen abstoßen. Ein Fifa-Funktionär, und erst recht der Alpha-Rüde des Weltfußballs, kennt das aus der täglichen Arbeit.
Bekannt ist aber auch, dass das Öl immer knapper und teurer wird. Also gilt es, während späterer Wettbewerbe kostspielige Mannschaftstransport-Flüge zu vermeiden. In Katar 2022 klappt das. Dieses Land entspricht von seiner Größe her – einem 80 Kilometer breiten Streifen zwischen Nürnberg und München. Es liegt am Meer, was schön ist und bietet ansonsten als Sehenswürdigkeiten vor allem Hochhäuser. Das ist übersichtlich. Man muss bloß die Fußballstadien so platzieren, dass man sie nach der WM wieder abreißen kann. Brauchen wird man sie ja nicht mehr.
Ja, Sepp Blatter weiß, was er tut. Gilt er doch auch als nimmermüder Reformator des Fußballs. Und eine WM der kürzesten Wege bietet doch zum Beispiel die Möglichkeit, die Zahl der teilnehmenden Nationalmannschaften zu verdoppeln (TV-Rechtevermarktung!). Schließlich würde die 15-minütige Halbzeitpause genügen, damit Teams die Stadien wechseln und nebenan ein neues Spiel beginnen.
Sein wahrer Plan ist aber ein ganz anderer. Blatter hat insgeheim genug von neureichen Rohstoffvermarktern. Er will dorthin, wo das große Geld seit fast zwei Jahrtausenden zuhause ist, nämlich in den Vatikan. 2026 wird die Fußball-WM in dem aus dem Petersplatz gestampften “Josephs Dome” eröffnet. Vor Anpfiff des Finales bekommt unser Fifa-Sepp, inzwischen 90-jährig, im Anstoßkreis vom Papst persönlich die letzte Ölung.
Und dann ist er das, als was er sich schon seit langem sieht: Unser Präsident für die Ewigkeit!
“Geh waida, El Kaida!”
Und hier kommt mein Posting zum Ausklang des CSU-Parteitages: Ich hatte in einer Umfrage nach einem stimmenträchtigen zuwanderungs- und islamkritischem Parteislogan gefragt. Die Zahl der Teilnehmer(innen) war mit 75 gut. Weitere Klicks sind willkommen.
Favorit meiner Leser(innen) war der Spruch “Geh waida, El Kaida”. 42,67 Prozent fanden ihn am besten. Mithalten konnte da nur noch die frauen- und dekolleté-freundliche Formulierung “Dirndl statt Burka” mit sehr ordentlichen 36 Prozent.
Adieu, Frankreich. Was denkt sich bloß der Fußballgott?
“Adieu, les Bleus!” Während dieser Beitrag geschrieben wird, scheint sich der Niedergang der französischen Nationalelf ins Bodenlose zu beschleunigen. Was ist geschehen, dass der Fußballgott den Galliern jedewede Zuneigung entzogen hat? Gibt es ihn überhaupt? Darf und soll man zu ihm beten? Unsere evangelische Kirche sagt dazu “Ja”.
Mein WM-Trauma: Jogi könnte Mutti retten
Eines vorneweg: Selbstverständlich habe ich mich über das wunderbare Spiel unseres „multiethnischen Panzers“ (so eine italienische Zeitung) beim 4:0-Sieg gegen Australien gefreut. So darf es bei der Fußball-WM weitergehen. Störend ist nur die mögliche Nebenwirkung weiterer Erfolge. Die Menschen könnten im Dauerjubel die Stümperei der Regierung vergessen.



Fußball macht keine Demokratie
Manchmal wirkt der politische Betrieb wie ein fester Bestandteil des allgemeine Unterhaltungsbetriebes. Es gibt offenbar keine Obergrenze für die Zahl verschrobener Debatten. Gerade läuft wieder eine solche. Die Fragestellung: Muss die Fußball-Europameisterschaft in der Ukraine boykottiert werden? Muss gar das ganze Turnier in ein in Sachen Menschenrechte unverdächtiges Land verlegt werden?
Man kann es wirklich übertreiben. Gut, da liegt also die frühere Ministerpräsidentin der Ukraine, Julia Timoschenko, mit einem Bandscheibenschaden im Gefängnis. Sie wird dort schlecht behandelt. Also wollen wir nicht mehr hin.
Sicher, das Verhalten der ukrainischen Regierung ist herzlos, schäbig und angesichts der Auswirkungen auf ihr internationales Ansehen reichlich doof. Aber hat die zu ihrer politischen Glanzzeit durchaus machtbewusste Frau Timoschenko den Rang einer Märtyrerin?
Das nicht. Da denke ich eher an die Menschen, die in Bahrain gefoltert wurden, während die schnellen Formel-1-Bubis in den Strampelanzügen vorbeidüsten. Millionäre, die für sich beanspruchen, doch nur ein bisschen Sport zu machen, die nur spielen wollen. Und wie brutal wurde und wird in Aserbaidschan “aufgeräumt”, damit der Eurovision Song Contest mit reichlich Glitzerkulisse ablaufen kann?
Es ist gut, wenn unsere Politiker(innen) ihre Möglichkeiten nutzen, um auf Unrecht hinzuweisen. Zum Beispiel, indem sie sich nicht auf Ehrentribünen setzen, sondern die EM-Spiele daheim anschauen. Aber wer gar so sensibel über das Schicksal der Julia Timoschenko klagt, sollte sich gerne der Frage widmen, wie mies zum Beispiel bei uns Bewohner(innen) von Pflegeheimen behandelt werden. Auch da gäbe es viel zu tun.
Man sollte den Sport nicht überschätzen. Ein paar Fußballern schaffen keine saubere Demokratie, genauso wenig, wie die Olympioniken China revolutioniert haben. Bleiben wir also auf dem Teppich. Oder auf dem grünen Rasen.