Die Liebe zum Fußball ist ewig. Doch das Glück flieht schnell

Die wilden Tage kommen. Es wird Dramen geben, Tragödien gar. Neue Könige werden gekrönt, einstige Helden müssen wieder von unten anfangen. Worum geht’s? Um den Endspurt in den Bundesligen. Ja, man wird Männer weinen sehen.

Wir dürfen davon ausgehen, dass die Emotionskurven in Münchens Bayern-Arena weniger stark ausschlagen werden. Ein einziger Titel pro Saison ist undiskutabel. Man wird sich fragen, wie es sein kann, dass der spanische Trainer-Messias weniger erfolgreich ist als der nette Jupp vom Niederrhein. Der fehlenden Begeisterung um die läppische Deutsche Meisterschaft könnte dadurch Rechnung getragen werden, dass man die diesbezügliche Weißbier-Dusche mit alkoholfreiem Weizen durchführt.

Aber was wird aus den anderen Menschen? Aus denen, die das Unerwartete erleben? Deren Mannschaft für ein Jahr im “europäischen Geschäft” mitmischen und sich in eine Zitterpartie gegen den albanischen Pokalsieger begeben muss. Was erleiden jene, deren Teams nicht mehr gegen München, Dortmund oder Schalke sondern gegen Sandhausen oder Bielefeld antreten müssen? Werden sie ein Jahr pures Glück oder eine Saison der tiefsten Depression erleben?

Die Antwort lautet Nein. Zwar ist die Treue eines Mannes zu seinem Fußballverein durch nichts und niemand zu steigern. Aber: Psychologen der Universität Konstanz haben festgestellt, dass Fußballergebnisse das Wohlbefinden von Zuschauern zwar kurzfristig ansteigen lassen aber kaum nachhaltig beeinflussen.

Im Zuge derWeltmeisterschaft in Brasilien haben die Psychologen über eine spezielle Smartphon-App ihren Studienteilnehmern vor und nach den Spielen der Gruppenphase Fragen zu ihrem persönlichen Wohlbefinden gestellt. Es zeigte sich, dass sich Fans der deutschen Elf danach besser fühlten.  Dieses steigerte sich bei Siegen mit einer höheren Tordifferenz. Aber dieser Anstieg war nur von kurzer Dauer. 100 bis 150 Minuten nach dem Spiel regierten die Glückshormone. Doch schon am Morgen nach dem 4:0-Sieg von Deutschland gegen Portugal hatte sich das zunächst markant gesteigerte Wohlbefinden um 23 Prozent reduziert und war damit gleich hoch wie an Tagen ohne Fußballspiele.

Die Liebe zum Fußball ist ewig, aber auch heißeste Herzen erkalten schnell. So wie die Tränen zügig trocknen.

Aber ist das nun schlecht? Gar nicht. Denn so gibt es Hoffnung, dass Sepp Blatter nicht Gott ist, sondern nur ein Schweizer, wie es keinen Schweizer mehr geben. Ein Dasein ohne Fußball mag sinnlos sein. Aber es ist möglich. Schlusspfiff! Das Leben geht weiter!

 

 

 

WM in Katar: Joseph wird kein Messias mehr

Diese Gesellschaft hat sich daran gewöhnt, dass Profi-Fußball immer und überall ist. In manchen Wochen wird an jedem Nachmittag oder Abend gekickt. Aber der wahre Belastungstest kommt erst noch: Die Fifa will die Weltmeisterschaft 2022 in die Vorweihnachtszeit legen. Am 23. Dezember soll Finale sein. Unser Advent als Zeit der stillen Besinnungslosigkeit bekommt einen weiteren Stressfaktor.

So ist sie eben, die Fifa. In ihrer unermesslichen Geldgier hat sie die WM versehentlich in ein Emirat vergeben, in dem es zwecks größter Hitze blödsinnig erscheint, überhaupt Fußball zu spielen. Außerdem müssen die ganzen Stadien auf eine Fläche passen, die nur eineinhalb Mal größer als Mittelfranken ist. Was schon fast wie eine Aufforderung zu gemäßigten Eroberungskriegen wirkt.

Wirkliche Sinnkrisen wird aber der Termin auslösen. Nehmen wir bloß den Einzelhandel. Traditionell waren große sommerliche Sportereignisse ein guter Anlass um für neue Fernsehgeräte das Urlaubsgeld zu verpulvern. Wie machen wir das 2022? Im November kaufen, aber das Geschenk erst nach Weihnachten bezahlen? Verschenken wir Fußballtrikots, Kamelschrei-Tröten und schwarz-rot-goldene Bohrturm-Mützen bereits zu Halloween? Startet der Sale schon Anfang Dezember? Und: Wann, bitteschön, sollen Männer Einkaufen gehen? Der 24. Dezember 2022 ist zwar ein Samstag – doch zwecks Restalkohol könnte dieser Weg kein leichter sein.

Ganz grundsätzlich hätte man von einem Menschen, der wie Blatter Joseph heißt, so viel Respektlosigkeit gegenüber dem christlichen Kommerz nicht erwartet.  Doch das halten wir aus. Die Bibel hat den Fußball vorhergesehen. “Viele blieben erschlagen liegen bis an das Tor”, kommentierte das zweite Buch Mose das Elfmeterschießen bei großer Hitze. “Sie umgeben mich von allen Seiten; aber im Namen des Herrn will ich sie abwehren”, sagt Psalm 118 über den Widerstand bei Powerplay. Und wer der erste Torwart war, wissen wir auch, denn: “Gott sprach: Noah, geh in den Kasten, ich lass es stürmen.”

Den WM-Gastgebern wiederum müsste ihre Zusammenarbeit mit der Fifa eigentlich peinlich sein. Denn islamische Gelehrte sehen Fußball keineswegs positiv. Sie wünschen sich sportliche Betätigungen, die keine Schäden für Körper und Geist verursachen und weder Neid noch Hass schüren. Das ist in diesem Sport undenkbar.

Aber das ist den islamisten-freundlichen Scheichs an dieser Stelle wurscht. Sie reiben sich die Hände, wenn es im Abendland vor Weihnachten noch mehr Zwist und Streit gibt als ohnehin gewohnt. Und der Blatter Sepp hilft eifrig mit. Er mag im Geld schwimmen, bis er ein U-Boot braucht. Aber Messias wird er keiner mehr.

 

 

Baby-Namen zeigen: Uns fehlen wahre Idole

Politiker und Bürger sind sich fremd geworden. Beispielhaft zeigt sich das an den Vornamen der Neugeborenen. Vorbei die Zeiten, in denen sich Eltern bei der Namenswahl an den Reichen und Mächtigen orientiert haben. Wie der bekannteste deutsche Vornamensforscher Knud Bielefeld ermittelt haben will, waren Emma und Ben im Jahr 2014 die beliebtesten Baby-Namen.

Warum das so ist, bleibt im Dunkeln. Der Name Ben hat sicherlich den Vorteil, dass er sich für eine maßregelnde Ansprache bestens eignet. Ein Satz, der mit “Also, wennnnnn, Bennnn…” beginnt, ist antiautoritär undenkbar. Emma ist für mein Empfinden altmodisch. Vielleicht liegt es daran, dass ich noch aus der Zeit vor Amazon und Ebay stamme und deshalb diesen Namen zwanghaft mit dem Zusatz “Tante” sehe.

Nun aber machen wir den Test: Gibt es namhafte Politiker/-innen, die so heißen? Nein, da ist nichts. Weder im Deutschen Bundestag, noch im Bayerischen Landtag sitzen auch nur eine Emma oder auch nur ein Ben. Die Namen des Spitzenpersonals wiederum bleiben in den Kreißsälen weitestgehend ungehört. Angela findet sich nach den Bielefeld-Charts nicht einmal unter den 500 häufigsten Vornamen. Unsere Kanzlerin rangiert also noch hinter Cassandra, Saphira und Melody. Der SPD-Spitze ergeht es nicht besser. Sigmar bleibt ebenfalls ungelistet und verliert den Kampf gegen Hussein oder Lennox.

Selbst die CSU muss die Vornamensliste mit Grausen beobachten. Zum ersten Mal seit Menschengedenken steht bei den Jungs nicht mehr Maximilian an der Spitze. Der Name, nach dem das Parlament heißt. Die meisten Baby-Bayern heißen heute Lukas oder Lucas. Tja, man hat sich das selbst zuzuschreiben. Hatte man doch früher Ministerpräsidenten mit den alpenländischen Supernamen Josef (Goppel), Franz-Josef (Strauß) und Max (Streibl). Es folgte Edmund (Stoiber), ein Name, der aus dem Englischen kommt und “Beschützer des Erbgutes” bedeutet. Schließlich der entsetzlich unbayerische, weil altgermanische Vorname Günther (Beckstein) sowie in unseren Tagen Horst (Seehofer). Einen regionalen Bezug kann man hier mit viel gutem Willen nur so ableiten, dass alpine Greifvögel in Wohnungen dieses Namens nisten.

Erstaunlicherweise zeigen unsere Eltern auch den Helden des Sports die kalte Schulter. Die beiden Ober-Weltmeister Mario (Torschütze) und Manuel (Torverhinderer) bleiben absolute Randfiguren. Vielleicht ist Jerome (263. Platz) durch die Fußball-Berichte entdeckt worden. Sollte allerdings die überraschend steile Karriere von Mats (Platz 25!) mit der erfrischenden Spielweise von Borussia Dortmund zu tun gehabt haben, dürfte sich dies in nächster Zukunft wieder legen.

Als Fazit bleibt folgende Erkenntniss: Wenn es um Vornamen geht, machen die Leute was sie wollen. Man mag das als Beweis größtmöglicher Freiheit deuten. Aber vielleicht zeigt sich unsere Sehnsucht nach Heldinnen und Helden, die wir wirklich mögen. Mal sehen, wie lange Frau von der Leyen braucht, bis sie feststellt, dass sie eigentlich Emma heißt.

Meine Jahrescharts: Vom Tag der Schande bis zum Apple-Kult

Danke CSU! Ich bin froh, dass es Dich gibt. Nichts hat im Jahr 2014 für mehr Klicks gesorgt, als Betrachtungen zu Deinen politischen Vorschlägen. Dies zeigt der Blick auf meine Jahres-Klick-Charts.

Absoluter Renner war der christ-soziale Doppelschlag am 5. Dezember. Die CSu hat voll hingelangt und die Wahl des ersten Ministerpräsidenten der Linken zum “Tag der Schande” im wiedervereinigten Deutschland erklärt.   Nebenbei wurde den Migranten noch mitgegeben, dass sie doch bitteschön zuhause Deutsch reden sollen. Bingo!

Rein ethisch ist meine Leserschaft gut sortiert. Sonst wäre der Beitrag “Die Gier siegt über die Gerechtigkeit”

nicht so famos geklickt worden. Thema des nach Klicks zweitplatzierten Beitrags war das erstaunlich milde Urteil gegen den Formel-1-Gauner Bernie Ecclestone.

TTIP, ein Aufreger-Thema vom Feinsten, stieß auch in meinem Blog auf Interesse. Kann man sich

Franzosen ohne Wein  vorstellen? Dafür gab’s Platz 3.

Platz 4 für ein Thema, das immer gut ankommt: Die unerfüllte Sehnsucht der Franken nach “Glämmer” – in diesem Fall beschrieben am Scheitern des Nürnberger Opernballs.

Klick-Meistbeteiligung Nummer 5 für eine Betrachtung zu den Veränderungen, die moderne Kommunikationstechnik mit uns Menschen anrichtet: Der  Sims-Daumen kann keine Schönschrift.

Ein weiteres, mittlerweile erst recht politisches Thema bekam die sechstmeisten Klicks. Nämlich ein Kommentar zur Aufregung um die von ein paar Deppen gegründete Wuppertaler “Islam-Polizei”.

Auf den weiteren Plätzen folgten als Themen:

– Der neue Rekordpreis für die Oktoberfest-Maß.

http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2014/06/06/1010-e-franken-bestaunt-den-wiesn-mauerfall/

– Die Suche des bayerischen Finanzministers Markus Söder nach der Mitte Frankens.

http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2014/06/03/mit-dem-bobbycar-zur-vollkommenen-mitte/

– Das WM-Aus für galaktische Fußballer.

http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2014/06/16/wenn-messi-und-ronaldo-sterben/

– Schließlich: Die neue Super-Uhr der Super-Firma Apple.

http://blog.nn-online.de/hirnduebel/2014/09/14/apple-hilf-wir-haben-keine-zeit/

In einer Hinsicht staune ich: Nicht in meine Charts geschafft hat es ein Beitrag über Helene Fischer. Er kam nur auf Rang 13. Nicht alle lesen eben atemlos…

 

 

 

Fußball: Die Parallelwelt der Selbstgerechten

Ja, ich bin Fußballfan. Ein Leben ohne dieses spannende Spiel wäre für mich ziemlich sinnlos. Es hat mir überragende und – weil ich Anhänger des 1. FC Nürnberg bin – noch mehr niederschmetternde Erlebnisse beschert. Ich habe Star-Kicker verehrt und hingebungsvoll Panini-Sammelbilder gesammelt. Was mich aber nervt: Die Macher des Fußballs missachten Ethik und Recht.

Nehmen wir Uli Hoeneß. Als Steuerbetrüger würde es ihm gut anstehen, sich für seinen Freigang zu bedanken und ansonsten den Mund zu halten. Stattdessen lässt er durch seine Ehefrau seinen Bayerischen Verdienstorden zurückgeben, welcher ihm vor zwölf Jahren für “hervorragende Verdienste” um Freistaat und Volk verliehen worden war. Und zwar, weil er sich ungerecht behandelt fühlt und deshalb auf Distanz zur Politik gehen will.

Geht’s noch? Sicher, es ist klug, sich von Horst Seehofer fern zu halten. Menschen, die dem CSU-Chef allzu nahe sind, leben erfahrungsgemäß gefährlich. Aber ist es Hoeneß wirklich nicht bewusst, dass sein Urteil keineswegs hart war und  dass es von einem Richter und nicht vom Landtag gesprochen wurde? Denkt er nicht daran, wie seine trotzige Aktion auf die Jugendlichen wirken muss, die er demnächst betreuen darf?

Aber die Sache passt ins System. Der Fußball ist zu einem Geschäft geworden, in dem unfassbar viel Geld bewegt wird. Nur deshalb ist es möglich, dass Weltmeisterschaften an Putins Russland und an Katar, den Staat, in dem man die Sklaven nicht sieht, vergeben werden. Ethik ist egal. Man darf vielmehr vermuten, dass Fifa-Präsident Sepp Blatter einer WM in Nordkorea zustimmen würde, wenn dessen Diktator dafür die Staatskonten leerräumen würde.

Da ist aber auch Marco Reus. Genial am Ball ist er, im Kopf sicher nicht. Wie jetzt belegt ist, ist er jahrelang mit einem Sportwagen ohne Führerschein durch die Gegend gegondelt.

Jetzt nehmen wir doch mal an, es würde bekannt, dass ein 20-jähriger Araber mit seinem Porsche durch die Nürnberger Südstadt gedüst und trotz Polizeikontrollen und Bußgeldern unbehelligt geblieben wäre. Es würde sich auf der Stelle ein paar Dutzend Leute finden, die sich als „Pegemas“ – Patriotische Europäer gegen Migranten am Steuer“ – als Mahnwache an die Hauptstraße stellen würden. Es sei denn, dieser 20-Jährige wäre als torgefährlich bekannt.

Früher waren wir sicher, dass Fußballer doof sind und fanden es gut. Die Geschichte des 60er-Jahre-Stürmers Timo Konietzka etwa, der bei seinem Wechsel zu 1860 München ein Monatsgehalt von 5000 Mark verweigerte, weil er es keinesfalls unter 50.000 im Jahr machen wollte, ist ganz wunderbar. Aber heute sind die Kicker und ihre Chefs nur noch dreist. Zeigen wir den Selbstgerechten die Gelbe Karte. Mindestens.

Die Buß-Fahrt der Bayern zum Papst

Ach wunderbar! Welch Ehre! Der FC Bayern München wird am Mittwochvormittag von Papst Franziskus zu einer Privataudienz empfangen. Die Vereins-PR und alle gierigen Abnehmer ihrer Produkte vermitteln uns das Bild einer harmonischen Begegnung, nach deren Ende man sich mit Handkuss und La-Ola-Welle verabschieden wird. Die Wahrheit jedoch ist eine andere. Beim Abstecher in den Vatikan handelt es sich um eine Buß-Fahrt mit kollektiver Beichte. Gründe gibt’s genug.

Die ehrliche Begeisterung des Heiligen Vaters für den mehrfachen argentinischen Meisters Atletico San Lorenzo de Almagro vermag nur schwer zu kaschieren, dass es an diesem Mittwoch zuvörderst um Seelenreinigung gehen wird. So ist der FC Bayern die zurzeit wohl härteste Inkarnation des vom Papst so heftig kritisierten Kapitalismus. Eine Geldmaschine in gestreiften Trikots, die es sich zum Prinzip gemacht hat, Konkurrenten kaputtzukaufen. “Du sollst nicht begehren deines Nächsten Spieler, Trainer, falsche Neun, Doppelsechs, Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat” – das zehnte Gebot interessiert diese Bayern nicht.

Das Wirken ausgewählter Persönlichkeiten kommt hinzu. Ex-Präsident Uli Hoeneß hat der Gesellschaft viele Millionen Euro an Steuergeldern vorenthalten. Karl-Heinz Rummenige ist wegen einer nicht verzollten Uhr vorbestraft, Franck Ribery ist wegen, na ja, irgendwas mit einer Minderjährigen mit Schuld beladen. Und es gibt diese Lichtgestalt, die zwecks Steuerflucht ins Ausland gezogen ist und noch nie einen Sklaven in Katar gesehen hat.

Genug Stoff für eine tagfüllende Beichte. Doch all dies ist nichts gegen die Sache mit der falschen Neun. Es kann den argentinischen Papst nicht ruhen lassen, dass ein Götze die Siegesträume seiner Nation ausgelöscht hat. Er kann nicht hinnehmen, wie sehr Götzenverehrung in Deutschland normal geworden ist.

Wenn also nach der Audienz ein bislang unentdeckter Kreuzbandriss beim jungen Mario gemeldet wird, glauben wir es nicht: Er ist an die Abteilung Inquisition, Exorzismus und verwandte Randgebiete des ehemaligen Regensburger Bischofs Müller überwiesen worden.

Dort wird man ihn reinigen und läutern, bis er ein Fräulein Engel heiratet, deren Namen annimmt und sich fortan beim Torjubel bekreuzigt. Ja, diese Papst-Audienz ist wichtig. Amen!

 

Opernball futsch. Wer wird nun unsere Seele streicheln?

Armes Nürnberg! Nur zu gerne hätten deine Menschen ein bisschen mehr Glamour. Wenigstens etwas Glanz, der über das Funkeln der Rauschgoldengel auf dem Christkindlesmarkt hinausgeht. Und nun dieses: Der Opernball, einst großer Stolz der Kommunalpolitik, des Bildungsbürgertums und des neureichen Mittelstands, steht vor dem Aus.

Das ist kein wirkliches Wunder, denn der Opernball war seinem Wesen nach immer sinnlos. Schon vom Publikum her gab es zumeist zu wenig große Oper. Selbst ein Günther Beckstein als bayerischer Ministerpräsident war bestenfalls Operette – wenn überhaupt. Aber Sinnlosigkeit allein ist kein Grund für Misserfolge. Den größten Teil der Fernseh-Unterhaltung braucht niemand – und trotzdem gefällt sie vielen Menschen. Kartoffel- oder Weißkohl-Könginnen müssten angesichts der weltpolitischen Lage nicht sein. Aber sie sind eben doch schön anzuschauen. Wir Nürnberger freuen uns sogar darüber, dass die deutschen Nationalelf in unserem Stadion gegen Gibraltar spielt. Als ob das spannender Sport wäre.

Aber nicht nur für Fußball-Länderspiele gilt: Überflüssiges wird wertvoll, wenn es etwas Seltenes bietet. Und das waren beim Opernball die auswärtigen Promis. Es streichelte die vom Minderwertigkeitskomplex geplagte Nürnberger Seele, wenn man wusste, dass sich eine durch eine verkorkste Ehe mit Dieter Bohlen und durch Spinatwerbung berühmt gewordene Schönheit hier bei uns aus einem Luxusauto schälen würde. Uns entzückte die Anwesenheit von Schauspielern, wenngleich wir kaum sagen konnten, für welche Streifen sie für den Bayerischen Filmpreis nominiert waren.

Verona Pooth und Co. waren da. Wir aber waren kollektiv geadelt, und nutzten unsere Flanierkarten noch eifriger als die Läufer beim Indoor-Marathon in der Landesgewerbeanstalt.

Doch seit Jahren bleiben die Promis weg. Nicht mal Roberto Blanco mochte mehr kommen. Und so ist der Opernball als „gesellschaftliches Ereignis“ kaum bedeutsamer als ein mit rotem Plüsch veredelter Ball der Bäcker-Innung.

Wir sagen also „Ganz schee wor’s, oba rumm is rumm“ und vergessen das Ganze leichten Herzens. Doch: Was kann unser Rettungsanker sein. In diesen Zeiten, wo sie unseren 1. FC Nürnberg sogar in einem Kaff wie Heidenheim verhöhnen? Na klar, es ist der Tatort. Er kann unsere Seele streicheln. Aber nur, wenn die Einschaltquoten höher sind als beim München-Krimi. Hoffen wir das Beste…

Hilfe, ich habe Angst vor einer Frau

Superstar zu werden, ist in diesem Land nicht die leichteste Übung. Wir haben zwei, drei Weltmeister-Fußballer, aber diese verhalten sich untypisch. Sie glitzen nicht, sondern leben nach dem Motto „Groß kassieren, leise auftreten“. Den allgemeinen Maßstab in Sachen Selbstinszenierung scheint unsere Bundeskanzlerin gesetzt zu haben. Angela Merkel protzt nicht, macht aber trotzdem, was sie denkt.

Manchmal entsteht aber doch ein bisschen Hollywood. Jemand taucht auf, dem nie und nirgends zu entkommen ist. Ja, es gibt diese Frau. Sie sieht fabelhaft aus. Als Drogeriemarkt-Mitarbeiterin für niedrigpreisiges Pafüm würde sie Umsatzrekorde bewirken. Sie hätte für jeden Versandhaus-Katalog als Top-Model getaugt und hätte bei jeder regionalen Misswahl eine Platzierung zwischen eins und drei erreicht.

Ob in Jeans, Kleid oder knappem Show-Fummel: Diese Frau sieht immer gut aus und sie gibt den Menschen Halt, weil sie deren Lebensträume in leicht verständlichen Texten besingt. Sie schildert ihnen, wie sie mit dem/der Liebsten „auf das höchste Dach der Welt steigen“ können. Sie stärkt deren Selbstvertrauen mit der Zeile „Du lässt mich so sein, so wie ich bin, mich zurechtzubiegen hätte keinen Sinn“.

Diese Frau hegt die Schlaflosen, indem sie „Lass dieses Nacht nie enden“ singt. Sie schildert die ganze Widersprüchlichkeit des Daseins mit der Zeile „Du fängst mich auf und lässt mich fliegen“. Und hinterfragt religiöse Wahrheiten mit „Ewig ist manchmal zu lang“.

Wir hören die Botschaften und wollen mehr wissen. Ist diese Frau wirklich so blond, wie sie vorgibt. Ist sie glücklich verheiratet? Ist sie schwanger? Und falls ja, wir ihr noch genug Zeit bleiben, um Nacktfotos für den Playboy zu machen?

Wir folgen dieser Frau, wir hängen an ihr. Sogar Weltmeister umkreisen sie. Atemlos.

Und ja. Ich gebe es zu: Helene Fischer macht mir Angst.

 

Ob Krisenherd oder Lotto: Hohe Bälle machen glücklich

Ob man sich glücklich oder niedergeschlagen fühlt, hat immer mit der persönlichen Wahrnehmung zu tun. Pickel auf der Seele verursacht uns etwa das Gefühl, dass uns Informationen  intellektuell überfordern. Und dazu genügt mitunter die Lektüre einer einzigen Tageszeitung.

Darin steht beispielsweise, dass die Wirtschaft die Krisenherde spürt. Sofort fragt man sich, ob diese gegen die kalte Progression helfen, die uns ja gräßlich frösteln lässt. Man erfährt aber auch, dass sich die Chefin der bayerischen Staatskanzlei, Christine Haderthauer, wegen einer Modellauto-Affäre im Kampfmodus befinde. Ihr Vorbild dabei sei die Superheldin Lara Croft.

Diese ist virtuell, wird aber leibhaftig von Angelina Jolie gespielt. Fragt sich also, wer Frau Haderthauers Brad Pitt ist. Horst Seehofer wäre – bei allem Respekt – für diese Rolle fehlbesetzt. Bleibt als hochrangiger Parteifreund Finanzminister Dr.Markus Söder. Und dieser wagt sich tatsächlich an schier übermenschliche Aufgaben. Ihm wird es zu verdanken sein, wenn Westmittelfranken in eine “neue Förderkulisse” aufsteigen wird. Dank “dezentraler  Entwicklungsachsen”.

Wir wissen nicht, was das ist. Aber hier handelt ein Held. Oder? Gleichfalls lesen wir nämlich, dass der von ihm geschaffene Sandstrand am Wöhrder See in Nürnberg von Enten und Gänsen erobert wurde und gnadenlos zugekackt wird. Dieser Mann, der mit der geballten Landtags-Opposition je nach Lust und Laune mehr oder weniger heftig Schlitten fährt, kapituliert vor einer Ansammlung von Stadtgeflügel?

Wer soll sich da glücklich und geborgen fühlen? Letztlich sind wir – wie bei verrückten Lottozahlen – dem Zufallsgenerator des Lebens ausgeliefert. Doch wir resignieren nicht. Haben doch die deutschen U-19-Fußballer ihre  Europameisterschaft gewonnen. “Gegen tief stehende Portugiesen”, wie die Zeitung schreibt. Unsere Wahrnehmung ist eindeutig: Hohe Bälle machen glücklich.

Bestraft Putin! Gebt ihm jede WM!

Es ist eine besondere Erfahrung, das Finale einer Fußball-Weltmeisterschaft irgendwo im Ausland zu erleben. Keine Fahnen, kein Geschrei, kein Autokorso. Später liest man nach, was  in Deutschland anschließend passiert ist und denkt sich, dass es sich um einen Irrsinn von erheblicher Größenordnung gehandelt haben muss. Und ein solcher erzeugt jede Menge Irrtümer.

Führend beim Verbreiten abseitiger Schlussfolgerungen waren die Boulevard-Medien. Sie verbreiteten die frohe Kunde, dass sich die Stimmung im Lande grundlegend gewandelt habe. Mutmaßliche Experten erklärten, dass  Menschen nun motivierter zur Arbeit gingen. Sie hätten ja, schließlich, den Anspruch, Weltmeister zu sein. Es wurde darauf gewettet, dass ab sofort in jeder Stunde zehn Minuten pure Fröhlichkeit der Standard sein würde. Schließlich zeigten sich die WM-Folgen-Abschätzer überzeugt davon, dass auch das Wetter besser würde.

Dabei wissen wir doch: Nichts von alldem wird passieren. Es handelte sich ja nur um ein weltberühmtes Sportereignis, das bei den Siegern gute Laune macht. Aber davon wird die Welt nicht besser. Auch der Urlaubseffekt verfliegt bekanntlich schnell.

Der größte alle Irrtümer war aber über die Schlagzeile “Nehmt Putin die WM weg!”. Dies sei die angemessene Strafe für den Abschuss des Passagierflugzeuges MH 17 in der Ost-Ukraine. Abgesehen davon, dass es das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen obszön bagatellisiert, sie in Bezug zu einem Fußballturnier zu setzen, liegt dieser Idee der falsche Gedanke zugrunde, dass eine Fußball-Weltmeisterschaft ein Geschenk sei.

Das Gegenteil ist der Fall. Die famose Fifa-Party reißt große Löcher in jede Staatskasse und hinterlässt prachtvolle Stadien, von denen keiner weiß, was man hinterher damit anfangen kann. Jede WM muss größer, schöner und vor allem teurer sein als ihre Vorgängerin.

Und deshalb, liebe Leute vom Boulevard, hätte eure Botschaft lauten müssen: “Bestraft Putin! Gebt ihm jede WM!”. Das wäre noch immer völliger Quatsch gewesen. Aber so ist das eben – mit so mancher Schlagzeile.