Enteignen hilft. Leider nicht so ganz.

Enteignet Sie! Angesichts des enormen Wohnungsnot bei unaufhaltsam steigenden Preisen ist dieser Ruf gerade angesagt. Man solle den Investoren und Spekulanten deren Immobilien wegnehmen. Nur so werde sich etwas zugunsten der Mieter ändern. Wenn es denn so einfach wäre.

Eigentlich müsste es die jetzige Misere nicht geben. Die größten Preistreiber sind nicht Beton, Steine, Laminatböden oder Badewannen. Es sind die Grundstücke, auf denen Häuser stehen oder gebaut werden. Somit wird in einem ungesunden Ausmaß für etwas bezahlt, was mit der eigentlichen Leistung, einem lebenswerten Wohnraum, nur mittelbar zu tun hat.

Man könnte nun philosophieren, dass die Erde als Lebensraum allen Menschen gehört. Demnach dürfte es Privatbesitz an Grund und Boden nicht geben. Man könnte Flächen pachten, diese wären aber dem Treiben der Finanzdienstleister ein gutes Stück weit entzogen. Der Gedanke erscheint schlüssig. Aber kann daraus konkrete Politik werden?

Zum Teil bestimmt. Allerdings müssten Kommunalpolitiker den Mut haben, sich mit Eigentümern und Wohlhabenden anzulegen. Sie müssten darauf reagieren, dass die Idee, dass der freie Markt alle Probleme am besten regelt, als falsche Ideologie entlarvt ist. Sie müssten verlangen, dass Baulücken zu füllen sind, sie könnten andernfalls Grundstücke zum Verkehrswert kaufen und mit bezahlbarem Wohnraum bebauen lassen.

Das ginge. Und es wäre besser als enteignen. Denn den betroffenen Eigentümern müsste ein Ausgleich gezahlt werden, dessen Höhe von Gerichten bestätigt würde. Geld, das den Kommunen danach an allen Ecken und Enden fehlen würde.

Die Lage ist vertrackt. Was wir brauchen, liegt auf der Hand: Wohnen ist ein Grundrecht. Es muss also bezahlbar sein. Das Leid von Menschen, die nach Alternativen zu ihrem Null-Zins-Konto suchen, ist zu vernachlässigen gegenüber der Verzweiflung jener, die nicht mehr wissen, wo sie morgen unterkommen.

Diesen Konsens brauchen wir. Nur dann wird es wieder besser.