Posts Tagged ‘Fernsehen’

April 18th, 2012

Erst die Titanic, jetzt Gottschalk

Dank der zahlreichen Castingshows haben wir uns daran gewöhnt, dass Super- und Megastars heute kommen und spätestens übermorgen gehen. Moderne Stars sind wie U-Bahnen. Es kommt immer gleich eine andere.

Wie anders erschien uns da Thomas Gottschalk. Als bis vor kurzem größter Showmaster des Landes, als Luxusliner der TV-Unterhaltung, wagte er sich an eine neue Herausforderung. Mit einer Live-Wohnzimmer-Show wollte er dem öden Vorabendprogramm der ARD frisches Leben einhauchen.

Unsinkbar sollte er unter vollem Dampf durch die Todeszone des öffentlich-rechtlichen Fernsehens kreuzen. Mit spontanen Späßen und richtig berühmten Gästen. Ganz anders als die Privatsender mit ihren blutjungen Plaudertaschen oder seichten Daily Soaps.

Kein Eisberg sollte sich ihm in den Weg stellen. Und das tat auch keiner. Es kam noch ärger: Das schlimmste Eis für einen Moderator ist die kalte Schulter des Publikums. Sie lauert knapp unter dem Wasser und schlägt bei sinkendem Quotenpegel erbarmungslos zu.

Titanic ist überall. Am 7. Juni ist für Gottschalk in der ARD Schluss. Und wenn er sich nicht zum anderen Luxusdampfer MS Harald Schmidt auf die Altenheimterrasse setzen will, bleibt ihm nur noch eine Hoffnung: Dass sein Nachfolger Markus Lanz bei “Wetten, dass…?” versagt. Denn dort könnten sie den alten Chaoten immer brauchen. Ganz bestimmt.

Februar 22nd, 2012

Nordkorea trauert um Christian Wulff

YouTube Preview ImageSpät, jedoch mit größtmöglicher Hingabe, hat sich das Staatsfernsehen Nordkoreas mit dem Rücktritt unseres geliebten Bundespräsidenten Christian Wulff befasst. Ein wunderbares Internet-Fundstück.

Dezember 4th, 2011

Gottschalk Abschied: Es war wie Winnetou IV

Auch wenn es uns nicht immer bewusst ist: Eines der faszinierendsten Themen für uns Menschen ist der Tod. Deshalb musste Jesus leiden und auferstehen, deshalb liegen millionenfach Krimis und Thriller unter dem Weihnachtsbaum – und deshalb hatte “Wetten, dass…?” am 3. Dezember eine Zuschauerzahl, wie man sie sonst nur von wichtigen Fußballspielen kennt. 14,73 Millionen Menschen wollten den Abgang von Thomas Gottschalk miterleben.

Die Fernsehzuschauer machten also klar: Vielleicht hat man den Meister des Breitgrinsens irgendwo satt, vielleicht mag man seine PR-lastige Show gar nicht mehr so sehr, aber zum Begräbnis geht man als anständiger Mensch. Wir haben, wie man in unseren Breiten sagt, “a scheene Leich” erlebt.

So hat sich das auch gehört. Denn jede/r Nachfolger/in wird scheitern. Die Frage ist nur, mit welcher Wucht. Das Konzept und die Präsentation von Wetten, dass…? ist derart verstaubt, dass es nur durch und mit Gottschalk funktioniert hat. Seine Abschieds-Show zeigte das. Gäste oder Wetten waren völlig nebensächlich. Es ging nur um den Chef.

Wobei sich dieser ungewöhnlich nachdenklich gab. Er habe eigentlich nichts anderes als Seifenblasen produziert, sagte er. Und anders als bei seinem ersten Abschied von “Wetten, dass…?”, als “Show must go on” von Queen dröhnte, setzte er diesmal auf sanfte Orchestermusik. Als Gottschalk seinem Publikum zum Abschied den Rücken kehrte, klang es wie Winnetou IV.

Letztlich gilt auch für ihn: Der Tod ist der lebendige Beweis, dass kein Mensch unentbehrlich ist. Oder doch? Gottschalks letzte Worte waren: “Ich komme bald wieder”. Wir sind gespannt, Messias!

Juni 14th, 2011

“Bauer sucht Frau” und der rosa Traktor

Ach ja, im Fernsehen ist es doch immer dasselbe: Sobald die Quote zu bröckeln drohen, beginnt die Suche nach jener  Provokation, die uns wieder neugierig machen könnte. Sogar bei der beliebten, treudoofen Agrar-Kuppelshow “Bauer sucht Frau” läuft das so: Zum ersten Mal ist ein schwuler Landwirt am Start.

Es stimmt doch. Wir hatten uns immer gedacht, dass sich draußen in der Pampa manchmal nicht nur Fuchs und Hase, sondern auch Sodom und Gomorrha “Gute Nacht” sagen würden. Uns war auch aufgefallen, dass in entlegenen Dörfern überraschend viele Menschen überraschend oft die gleichen Namen tragen. Aber Schwulsein? Davor sollte doch die psychosoziale Zwangsmitgliedschaft in Feuerwehr und Schützenverein schützen. Dachten wir.

Doch  jede Show braucht neue Reize. Also reicht es nicht, dass unsere Franken-Transe Valencia Vintage alias Florian Stöhr einige Zeit lang durchs Big-Brother-Haus gehüpft ist. Bald also sucht der schwule “attraktive Biobauer”  Jan-Oliver Seit’ an Seit’ mit dem “sanften Schweinebauern” Uwe , dem “liebevollen Lausitzer” Dirk und dem “gutmütigen Kuhbauern” Horst nach dem großen Glück.

Und die Menschen freuen sich auf TV-Bildern von Fahrten mit dem rosa Traktor und auf die Abenteuer rund ums Jauchefass von Alessi.

Ich aber bitte die Zuschauer inständig: Lasst Euch verarschen, schaltet zahlreich ein und schaut die neue Staffel bis zur letzten Folge. Nur dann bleibt die nächste Steigerung des Nervenkitzels aus. Nur dann heißt es auch in Zukunft: Nein, Schäfer Heinrich, wir wollen nicht wissen, was Du abends machst.

Mai 10th, 2011

Die Ursuppe der Casting-Stars

Ja, ich gebe es zu: In meiner jüngsten Helden-Umschau habe ich Deutschlands neuen Superstar Pietro Lombardi ausgespart. Das war ein Fehler, denn Casting-Stars wie der schnoddrige Italiener sind sozusagen das Gebot der Stunde. Wie aber kommt es, dass es immer mehr Berühmtheiten dieser Kategorie gibt?

Ich meine, dass das der Europäische Menschenrechtsgerichtshof zu verantworten hat. Dieser hat in seiner Rechtsprechung zu den Paparazzi-Attacken auf Caroline von Monaco (von Hannover) der Berichterstattung über Promis relativ enge Fesseln angelegt. Medien müssen sich sich zurückhalten. Sie müssen Juristen fragen, bevor sie fotografieren oder schreiben lassen. Weil es sonst teuer werden kann.

Also erschaffen sich die Medien ihre eigenen harmlosen Helden. Wer sich in die Fänge von DSDS, Dschungelcamp oder Supertalent begibt, unterschreibt auch, dass er seine Privatsphäre mitvermarkten oder sich vom Produktionsteam einen neuen Lebenslauf zuteilen lässt. Nun mag schwer sein, eine 18-jährige Nachwuchssängerin zur spannenden Persönlichkeit zu stylisieren. Aber wo ein Wille ist…

Castingstars sind für die TV-Sender und ihr Haupt-Vermarktungsorgan “Bild” auch deshalb interessant, weil sie schnell wieder verschwinden. Die DSDS-Gewinner der letzten Jahre kennt noch kaum jemand, die alten Let’s-Dance-Götter eh nicht. Und am kommenden Samstagabend wird zu erleben sein, wie ein Popsternchen namens Lena nach einem guten Jahr seiner Existenz verglüht.

In der Politik hat dieses Verfahren – nachhaltige Spannung durch mediale Todesfälle – bislang erst bei Karl Theodor zu Guttenberg überzeugend funktioniert. Weshalb es zunächst hierbei bleibt: Erst wenn das letzte Talent super ist, der letzte König seinen Dschungel verlässt, erst wenn die letzte Frau getauscht ist und der letzte Bauer seine Frau gefunden hat, werdet Ihr feststellen, dass Fernsehen manchmal ganz schön scheiße ist.

April 21st, 2011

Das Fernsehen macht uns sooo müüüde…

Sehen wir den Dingen ins Auge: Wir sind ein Volk der müden, nervösen und traurigen Menschen geworden. Aufstehen und Bäume ausreißen war gestern. Heute fühlen wir uns ausgebrannt, bevor auch nur das kleinste Feuer gelodert hat. Und wer ist schuld? Ich sage, das Fernsehen.

Der Beruf mag eine Rolle spielen. Die Arbeitsverdichtung nimmt ebenso zu wie der Druck, mit elektronischer Unterstützung mit wachsendem Zeitaufwand sinnlose Dinge zu tun. Und diese für wichtig zu halten. So wie und das weiß behemdete Bahnfahrer mit Laptop vorführen.

Aber die Ursache unserer Müdigkeit haben wir schnell gefunden, wenn wir an frühere Zeiten zurückdenken. Ja, es war tatsächlich so, dass es drei Fernsehprogramme gab, von denen 80 Prozent eine wichtige Sendung (Edgar Wallce, Raumschiff Orion etc.) angeschaut haben. Arbeitsbeginn war gegen 7 Uhr. Und aus Rücksicht auf die werktätigen Massen kamen die bedeutenden Sachen früh genug, damit man ausschlafen konnte. Nach 23 Uhr wurde ein buntes Testbild gesendet.

Heute ist das anders. Da schauen 4,4 Millionen Menschen das spanische Fußball-Pokalfinale, welches mit Verlängerung bis kurz vor Mitternacht dauert. Sie haben erlebt, wie “Der Checker” bei “Let’s Dance” den alten Samba-Mimen Bernd Herzsprung hinausgeworfen hat und liegen lange wach, um zu ergründen, wie das geschehen konnte. Sie haben Jutta Ditfurth bei “Hart, aber fair” diskutieren sehen und sind aufgewühlt bis unter die Milz. Von den heißen Tränen, die nach Beckmanns nächtlichen Psycho-Seancen vergossen werden, ganz zu schweigen.

Das Problem unserer Zeit ist dieses: Unser Arbeitsbeginn ist so früh, wie er immer war. Aber das Fernsehen lässt uns immer später ins Bett.

Wohl dem, der am Arbeitsplatz dösen kann. Noch wohler dem, der im Wortsinn abschalten.

April 8th, 2011

Nur echte Doktoren werden verehrt

Wen mögen, wen lieben, wen verehren wir? Diese Frage zieht sich durch unser gesamtes Leben. Die damit verbundenden Konsequenzen sind allerdings unterschiedlich. Je weiter jemand weg ist, umso leichter legen wir uns fest. Das klappt beim so genannten Politiker-Ranking, fällt uns aber noch leichter, wenn es um Berufe geht. Und Sieger ist der, der Karl-Theodor zu Guttenberg nicht mehr ist: der Doktor.

Januar 13th, 2011

Das Grauen im Fernsehdschungel

Jeder kennt den Spruch “Das Grauen hat viele Gesichter”. Seit 14. Januar hat es genau elf Gesichter. Dann startet die neue Staffel des RTL-Dschungelcamps. Der australische Dauerregen der letzten Zeit  hat nichts genutzt. Diese Sendung läuft. Marcel Reich-Ranicki wurde nicht gehört.

Wenngleich man Machwerke wie das Dschungelcamp mit Missachtung strafen möchte, kommt man daran nicht ganz vorbei. Denn es sagt viel über diese Gesellschaft aus.

April 6th, 2010

Italien war auch schon mal schöner…

Ach, wie schön war doch Italien! Das Land an der Adria war unser Traumziel, hier konnten wir Deutschen mal ganz anders sein. Das stimmt nicht mehr so ganz. So völlig glücklich wirken die Italiener auch nicht.

Blicken wir aber zurück. Der Stiefel war das Land, in dem die Zitronen blühen. In dem sich große Geister wie Albrecht Dürer oder Johann Wolfgang von Goethe bei einer täglichen Überdosis edlen Weines besonders hochfliegenden Gedanken hingeben konnten. Wo jeder Mann ein Herzensbrecher war, wo man vier Stunden Mittagspause und 52 Feiertage hatte und mit 40 Jahren in die Rente ging. Und in dem selbst  Regierungswechsel im Acht-Wochen-Turnus kein Chaos anzurichten vermochten.

Dann kam Berlusconi. Er brachte Kontinuität in die Politik und das Privatfernsehen in die Wohnzimmer Italiens. Politisch schaffte er zum Teil mehr als ein Annäherung an die angeblich fleißigen Nachbarn wie uns. Heute gibt es seinem Land kaum noch einen Tag, an dem alle Geschäfte geschlossen sind. Einkaufsbummel am Karfreitag ist kein Problem – ein Ostermontag wird gar nicht mehr gefeiert.

Dafür hat Silvio Berlusconi das mutmaßlich dümmste und zugleich widersprüchlichste Fernsehprogramm der Welt geschaffen. Einerseits schöpft man bis heute in 60 Jahren Nachkriegs-Unterhaltung. Auf jung geliftete und gespritzte Altstars erklären in mehrstündigen Nachmittagsshows dem Publikum auf immer gleiche Art das Leben und die Liebe. Zur Belohnung dürfen sie ein Lied von anno dunnemals singen. Mittendrin ist jeweils mindestens eine junge Frau mit Cindy-Crawford-Frisur. Sie hat ein sehr kurzes Kleid und Schuhe mit sehr hohen Absätzen an, redet viel und laut und ist notorisch gut gelaunt. Ihr Name tut nicht unbedingt etwas zur Sache.

Die so beglückten Zuschauer bekommen aber auch die gegensätzliche Medizin verabreicht. Fernsehnachrichten in Italien sind nämlich so aufgebaut, dass jede Gewalttat und jeder schwere Autounfall in diesem ja nicht so kleinen Land ausführlichst breit getreten werden. Wer guckt, lernt also, dass es in Italien die tollsten Frauen der Welt gibt, dass aber das Böse hinter jeder Ecke lauert.

Und da die Wahrscheinlichkeit, einer der Schönen von Canale 5 im realen Leben zu begegnen, sehr begrenzt ist, sind die Sorgen nach jedem Fernsehtag ein bisschen größer. Also, früher war Italien schöner. Da wollte auch ich – wenigstens zwischendrin – ein Italiener sein. Heute bin ich mir da nicht mehr so sicher.

März 26th, 2010

Jörg Kachelmann: Verschwindet unser lustiger Held?

Jörg Kachelmann: Was wird aus ihm?In vielen Partner- und Freundschaften kommt es irgendwann zu diesem Satz: “Ach, wie habe ich mich doch in diesem Menschen getäuscht!” In unserem Fall gilt er einem gewissen Jörg Kachelmann, von Beruf Wetterfrosch. Ihm wird vorgeworfen, seine Freundin vergewaltigt zu haben. Er selbst nennt sich unschuldig. Was sein gutes Recht  ist.

Die aktuelle Affäre macht uns aber schlagartig klar, dass wir bei ihm einem Irrtum unterlegen waren: Wir haben ihn für nett und lustig gehalten. Das lag sicher an seiner Schweizer Sprachfärbung, die bei mir als Deutschem als gemütlich, selbstironisch und etwas schrullig auskommt. Außerdem wirkte es sympathisch, mit welcher Selbstverständlichkeit er mit einer schlampigem Frisur und einem gelegentlichen Zauselbart ins Rampenlicht ging. Und schließlich stammt sein Vater aus Bamberg. Er ist demnach halber Franke – so halbwegs einer von uns.

In erster Linie ist Jörg Kachelmann aber ein cleverer Geschäftsmann. Er hat zwar keine Ausbildung zum Meteorologen, weshalb man ihn den Udo Walz der Stratosphäre nennen könnte (der legendäre Star-Figaro hat auch keinen Meisterbrief). Er hat aber frühzeitig entdeckt, dass sich aus dem Wetterbericht, der ja praktisch jeden Menschen interessiert, eine Show machen lässt. Also lässt er die bevorstehenden Temperaturen von der schicken Blondine Claudia Kleinert und ihrem latent froschartigen Kollegen Sven Plöger aufsagen. Und wenn der Sturm über Deutschland tobt, stellt er jemand mit einem Mikrofon mitten in die schlimmsten Böen auf der Zugspitze.

Tendenziell lustig, das. So, wie wir uns Kachelmann immer vorgestellt haben. Obwohl seine Rolle als Botschafter für die neoliberale Initiative Soziale Marktwirtschaft Punktabzüge in der B-Note bringt.

Sollten allerdings die Vorwürfe seiner Ex-Freundin stimmen, hätte sich Kachelmann, der mutige Erneuerer eines Genres, äußerst rückständig verhalten. Man möchte hoffen, dass sich die Affäre irgendwie in Wohlgefallen auflöst. Denn der Verlust eines Helden tut uns allen immer weh. Leider gilt auch dies: Die Erkenntnis, dass man am sichersten Menschenfreund bleiben kann, wenn man auf Menschenkenntnis verzichtet, ist kaum zu widerlegen. Man wird sehen, wie es ausgeht.

Februar 11th, 2009

Die Klimaschutz-Glotze und die Folgen

Seehofer, Glos, Williams und der Papst – es gibt zum Glück noch anderes im Leben. Wichtigeres. Unseren Fernseher zum Beispiel. Wir könnten doch auf sehr vieles verzichten. Aber auf die Glotze? Wenn da nicht die Sache mit dem Klimaschutz wäre…

Das Problem ist doch dieses: Die Qualität/Attraktivität der Sendungen steigt tendenziell mit der Uhrzeit. Das hat zur Folge, dass die vom oft hirnrissigen Nachmittagsprogramm erschöpften Menschen wegdösen, wenn ein Mord kurz vor der Aufklärung steht oder wenn auf “Arte” eine wirklich gute Sendung beginnt. Das Beste wird verschlafen – Stromverschwendung. Die Pole schmelzen, nur weil keiner zuschaut.

Der japanische Sony-Konzern hat nun reagiert. Sein neuer Fernseher Typ ”Bravia V5″ ist mit speziellen Detektoren ausgestattet, die registrieren, ob sich ein Mensch vor dem Gerät befindet oder nicht. Eine mit den Detektoren gekoppelte Zeitschaltuhr schaltet das Gerät automatisch aus, wenn niemand davorsitzt. Schläft ein Zuschauer vor dem Fernseher ein und bewegt sich also nicht mehr, versetzt sich das Gerät automatisch in den Standby-Betrieb und spart damit Strom.

Sind die verrückt geworden? Es droht Ärger ohne Ende. Einmal kennt es jeder Mann, dass seine Partnerin kurz nach Krimibeginn dahinschlummert. Er interessiert sich nicht, liest irgendetwas, ehe  sie gleich nach dem Abspann hochschreckt und die Frage “Was ist passiert?” stellt. Er kann nicht einmal den Mörder benennnen, weil der Fernseher längst ausgeschaltet ist. Beziehungskrise.

Und außerdem: Seit wann muss man sich vor der Glotze überhaupt bewegen? Nein, es gibt Chaos, weil eine sitzfeste Drei-Zentner-Sofakartoffel ausrastet, nachdem sich der Kasten zum vierten Mal selbsttätig verabschiedet hat. Es gibt einen Schrei, er schmeißt den neuen Sony aus dem Fenster. Dieser trifft zunächst einen Fußgänger tödlich am Kopf, rollt über ein Autodach auf die Straße, wo der Fahrer eines Tanklastzuges vor Schreck das Steuer verreißt…

Liebe Sony-Leute, bringt was Neues auf den Markt. Aber bitte nicht das…

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Januar 5th, 2009

“Loddar” bleibt einfach unbesiegbar

Loddar - er liebt junge Frauen, versteht sich aber auch mit alten Herren.

Loddar - er liebt junge Frauen, versteht sich aber auch mit alten Herren. Foto: dpa

Es gehört zum Wesen von uns Franken, dass wir uns gelegentlich selber peinlich sind. Weil wir zum Beispiel beim Reden auf die harten Buchstaben “P” und “T” verzichten oder sie – falls doch – garantiert verkehrt einsetzen. Also gruselt es uns, wenn wir im Fernsehen Menschen sehen, die genauso reden wie wir. Was die Sache erschwert: Unserem Landstrich sind tatsächlich immer wieder wahrhaft peinliche Persönlichkeiten entwachsen. Dazu zählen Tatjana Gsell, Gabriele Pauli in ihrer Endphase als CSU-Landrätin, der 1. FC Nürnberg als solcher immer wieder mal – und eben Lothar “Loddar” Matthäus. Er hat zum vierten Mal geheiratet.

Dem Franken wohnt angeblich das Widersprüchliche inne. Beim Rekord-Nationalspieler ist das nicht anders. In einer düsteren Stunde meinte er einst: “Die biologische Uhr tickt und geht auch an mir nicht vorbei.” Jetzt aber scheint er dieser, seiner Erkenntnis zu folgen: “Ein Lothar Matthäus läßt sich nicht von seinem Körper besiegen, ein Lothar Matthäus entscheidet selbst über sein Schicksal.”

Jedenfalls gehört einiger Optimismus dazu, als 47-Jähriger eine 21-jährige zu heiraten. Klar, Geld ist da, aber ob Loddar die Gymnasiastin Liliana wirklich gut unterhalten kann, ist doch ungewiss. Zur erfolgreichen Nachhilfe in Atomphysik wird es bei ihm definitiv nicht reichen.

Die Frage ist halt, wann ein Mann bei der Wahl seiner Frau als Held oder als alter Depp dasteht. Lother Matthäus steht hart an der Schwelle zu Letzterem, wäre er erst 40 wären die 26 Jahre Altersunterschied garantiert rufschädigend, Andererseits regt sich keiner darüber auf, dass die Frau von Operetten-Ururopa Johannes Heesters noch lange keine 79 ist.

Der Mann braucht endlich einen passenden Job, ansonsten wird er immer wieder für peinliche Schlagzeilen sorgen. Für sein neue Ehe wünschen wir ihm aber alles Gute. Ganz in seinem Stil: “We hope, you’ll have a little bit lucky.”


November 9th, 2008

Sarah Connor, so traurig? So schlimm war das nicht

connor.JPGIch muss da mal widersprechen. Sarah Connor war diese Woche in der Erlanger Uni-Kinderklinik. Als Schirmfrau für eine “Ronald McDonald-Oase” für wartende Familien. Über die Trennung von Ehemann Marc Terenzi wollte die Sängerin ichts sagen. Was also macht “Bild”? Zeigt Bilder, auf denen sie nachdenklich schaut. Und schreibt: “Sarah, so schön, so traurig.”

Ich habe das nicht so erlebt. Man kann ja sowieso nicht erwarten, dass eine Künstlerin lachend herumhüpft und ein Rad nach dem anderen schlägt, wenn es um eine Einrichtung für wirklich schwerkranke Kinder geht. Zumal ihr die Kameraleute und Fotografen dafür kaum Platz gelassen hätten. Und dass sie sich nicht über die Trennung freut, hat sie auf ihrer Homepage selbst bekanntgegeben. Sie hat aber gemeinsam mit ihrem Mann hinzugefügt: “Wir sind Seelenverwandte und werden auch diesen Sturm als Familie überstehen.”

Ich fand, Sarah Connor wirkte aufgeräumt. Sie meisterte die Aufgabe, der versammelten Weltpresse das Wesen einer intakten Familie mehrfach zu erklären, mit großer Geduld. Mehr Aufregung als ihre Erläuterungen verursachte das Bekenntnis der RTL-Reporterin. Auf Sarah Connors Frage, ob sie ein Kind hätte, sagte sie “Leider nicht!”. Da wechselten die männlichen Lichtbildner kurz die Blickrichtung.

Der neue Aufenthaltsraum in der Klinik ist eine prima Sache. Zweierlei möchte ich aber anmerken. Man sollte nicht vergessen, dass er erst durch den Verkauf von ungesundem Essen möglich geworden ist. Und auffällig ist auch, dass sofort weltbekannte Firmen als Geldgeber hinter dem Busch hervorspringen, sobald McDonald`s ruft. Welcher französische Stararchitekt hätte wohl eine Gratis-Planung für das Projekt einer privaten Elterninitiative gemacht? Alsdenn: Tut Gutes, esst BigMäc!

Oktober 30th, 2008

WDR: Wieder eine falsche Deutschlandfahne

Wie ich aus meiner Blog-Statistik weiß, macht es meinen Lesern großen Spaß, wenn die mutmaßlich allwissenden öffentlich-rechtlichen Sender scheinbar sinnlose Schnitzer machen. Deshalb wurden die Beiträge über die falsche Deutschland-Flagge und die kastrierte US-Flagge in den “Tagesthemen” vergleichsweise zahlreich gelesen.

Nun ist es beileibe nicht so, dass mir keine Fehler unterlaufen. Und mir ist klar, dass Journalisten zu Unrecht als besonders dumm angesehen werden, wenn ihnen aus Schludrigkeit oder wegen Zeitnot eine Panne unterläuft, die selbst Grundschüler so nicht fabrizieren würden. Ich will also gar nicht laut spotten, denn ich sitze diesbezüglich im Glashaus.

Nun hat der von mir sehr geschätzte Schweizer Satireblog “Lupe” eine neuerliche Panne aufgedeckt. Bei einem Studiogespräch über die deutsch-niederländischen Beziehungen war die Deutschland-Tischfahne verkehrtherum montiert. Sie wieder saublöd aus – “WDR” steht in diesem Fall für “Wieder Deutschland realitätsfern” oder so.

Zum Anschauen setze ich einen Link. Dann kriegt der Blogger-Kollege die verdienten Links.

Oktober 14th, 2008

Der Fernsehpreis, und RTL fragt: Wer kam ohne BH?

elvers.jpgKleiner Nachschlag zum grandiosen Auftritt von Marcel Reich-Ranicki. Privatsender RTL hat seine Bilanz der Fernsehpreis-Verleihung gezogen, und die wesentlichen Erkenntnisse in einem Newsletter zusammengefasst. Und als wollte man nochmal zeigen, wovon der renitente alte Mann spricht, wenn er das mangelnde Niveau beklagt, trägt die Mail diesen  Titel: “Skandal beim Fernsehpreis: Wer kam ohne BH?”.

Gut,  den “Ausraster” von Reich-Ranicki behandeln sie auch, es gibt sogar ein Interview mit dem Kritiker. Aber das Top-Thema für RTL in Sachen Fernsehpreis ist dann doch dieses (O-Ton): “Jenny Elvers-Elbertzhagen kam in einem durchsichtigen Kleid mit sehr tiefem Ausschnitt – ohne BH und ohne Tape: ,Michalsky (der Designer) ist schuld, dass ich dauernd am Ausschnitt zuppeln muss.’ Einen Slip hatte Jenny aber trotzdem an: ,Die Zeiten sind vorbei.’”

Weitere Informationen in Sachen Fernsehpreis: n-tv-Moderatorin Christina Ringer (ehemals Fleischberger) arbeitet mit ihrem Ehemann gerade “ernsthaft” an einem Baby; Jeanette Biedermann gab an, dass ihr die anderen Gäste “581 Trillionen Mal” auf die Schleppe ihres Kleides getreten seien.

Fazit: Da Marcel Reich-Ranicki eine Niveaudebatte angestoßen hat, kann die Nachbereitung der Fernsehrpreis-Gala durch RTL mit angemessenem Zynismus in einem bekannten Werbespruch zusammengefasst werden: “Wir haben verstanden!”