Politik ist schmutzig – auch beim Dieselauto

Politik ist ein schmutziges Geschäft. Selbst Donald Trump hat dies in seiner ersten Rede nach der Wahl festgestellt. Wir sagen gerne: Dieser Kerl ist ein Lügner. Solche Politiker gibt es bei uns nicht. Wirklich nicht? Dann denken wir mal an Dieselautos.

Seit Umweltproblemen immer offensichtlicher wurden, ist die Autoindustrie immer lebensbewahrender geworden. Zum Teil mit besserer Technik, zum Teil bloß in ihrer Werbung. Als Mitte der 80-er Jahre Katalysatoren auf den Markt kamen und schließlich mit reichlich Steuergeldern gefördert wurden, wurde den Autokäufern das gute Gefühl vermittelt, mit jedem Neuwagen drei Hektar Fichtenwald gerettet zu haben. Autos schienen endlich sauber zu sein. Unser Gewissen war rein.

Schon bald rollte die große Dieselwelle. Diese Motoren verbrauchten weniger Treibstoff, der Staat half mit einer niedrigeren Mineralölsteuer. Auch der Diesel wurde als Öko-Auto propagiert. Die deutschen Hersteller profitierten von diesem Image-Gewinn ganz besonders, denn die Konkurrenz aus Fernost war bei dieser Technik im Hintertreffen.

Inzwischen wissen wir: Die Firmenangaben hinsichtlich der Abgaswerte sind gelogen, selbst aus dem Auspuff eines Drei-Liter-Autos kommt reichlich giftiges Zeug. Speziell Feinstaub ist aus Diesel gemacht.

Wir wurden also schmutzig belogen. Was in einer Nation von Autofahrern Groll verursacht, und uns schwer glauben lässt, dass mit Kohlestrom betriebene Elektroautos abgasfrei fahren sollen.

Aber so ist das eben. Politik dient nicht allein der Wahrheit. Sie dient der Wirtschaft, den Arbeitsplätzen, dem Export. Und flunkert deshalb, lügt oder verschweigt, was nicht zu diesen Zielen passt.

Jedoch, ist das ein Skandal? Sicherlich. Andererseits hat der Bürger, der mündig sein will, die Pflicht, selbst nach der Wahrheit zu suchen. Wir haben nicht den Himmel oder die Hölle auf Erden, wir haben die Erde auf Erden. Sie hat schmutzige Ecken, aber wir können sie säubern, wenn wir falschen Propheten nicht vertrauen.

Es kann besser oder sogar gut werden. Aber es liegt sehr an uns.