Posts Tagged ‘FDP’

Mai 4th, 2012

Willkommen zum Benzinwucher-Livestream

Der Pranger war im Mittelalter eine beliebte Erziehungsmaßnahme. Diebe, Ehebrecher und andere Bösewichte wurden auf den Markplatz geschraubt und durften dort begafft, beschimpft und bespuckt werden. Das auf diese Weise geläuterte Opfer war hinterher ein guter Mensch. Wenn es nach dem Bundeskabinett geht, werden demnächst die Mineralölkonzerne als Kleinkriminelle bloßgestellt.
Es gibt es ja drei Dinge, die vom Volk unbedingt gebraucht und deshalb zu Wucherpreisen verkauft werden: Benzin, Diesel und das Sortiment von Apple. Aggressionen löst allerdings nur die Ausbeutung der Autofahrer aus. Weil es sich um stinkendes Zeug handelt, das von hässlichen Widerlingen verkauft wird, die mit ihrer Kundschaft weder Gnade noch Erbarmen kennen.
Das kann die Politik nicht ruhen lassen. Also müssen die Betreiber der 14700 Tankstellen in Deutsch­land künftig bei einer “Markttransparenzstelle” detailliert melden geben, wann und in welchem Umfang sie die Preise erhöhen oder senken. Die Kundschaft kann im Internet in Echtzeit zuschauen.
Eine famose Idee! Die Preise werden weiter steigen. Weil es auf dieser Welt immer eine Krise gibt. Sei es nun das Auftauchen eines politischen Halbirren in Arabien, sei es die steigende Nachfrage in China oder die sinkende Nachfrage in Portugal. Sei es der Bau einer teuren Pipeline, sei es der Umstand, dass diese Pipeline zwecks Schutz des kaukasischen Wanderhamsters nicht gebaut werden kann. Schließlich wegen der Fünf-Euro-Kräfte, die die neuen Tarife eintippen.
Aber die ganze Welt schaut zu, wenn die Preisschilder ausgetauscht werden. Weshalb sich die Manager der Ölkonzerne in Zukunft richtig schlecht fühlen werden, wenn sie ihren Aktionären Rekorddividenden verkünden. Und weshalb sie die Abrechnungen mit ihrem Millionengehalt nur noch mit allergrößter Verachtung entgegennehmen werden.
“Denen haben wir es aber gezeigt”, werden wir uns freuen. Und vielleicht erreicht die Meldebehörde sogar ihr eigentliches Ziel: Dass Philipp Rösler und seine FDP als Groß-Verbraucherschützer ans rettende Fünf-Prozent-Ufer hüpfen können. Oder mit seinen Worten gesagt: Pack den Laubfrosch in den Tank.

April 22nd, 2012

Herr Rösler und der Weg der Mitte

Die Frage lautet: Was ist das Ziel der meisten Parteipolitiker? Die Antwort liefert Wikipedia: “Bei einer Strecke, einem Kreis, einer Kugel oder allgemein bei einer n-dimensionalen Sphäre ist der Mittelpunkt der Punkt, der von allen Punkten dieser Sphäre den gleichen (minimalen) Abstand besitzt.” Jawohl, es ist die Mitte.

Viele Jahrzehnte lang war die politische Mitte etwas, zu dem das Wort “minimal” auf gar keinen Fall passte. Fast jeder wollte dorthin und fühlte sich auch dort daheim: CDU/CSU, SPD, Grüne, FDP, die Grauen, die Bayernpartei, und, und, und… Die Mitte in der Politik, das war wie der Saturn. Ein riesiges Gebilde, das auf einer Ringstraße von ein paar unmaßgeblichen Halbirren umkreist wurde. Nur wer auf dem “Planeten Mitte” war, schien Chancen auf Wahlerfolge zu haben.

Inzwischen haben sich die Dinge verschoben. Es ist wieder schick geworden, sich “links” zu nennen. Auch die Rechten werden immer frecher. Aber ein solides Eigelb in einem Spiegelei ist die Mitte mindestens noch. Schließlich wird hier der ruhende Pol der Gesellschaft vermutet. Oder wie es der chinesische Philisoph Mo Ti vor 1600 Jahren darstellte: “Der edle Mensch verkörpert den Weg der Mitte, der gemeine Mann handelt dem Weg der Mitte zuwider. Der edle Mensch scheut keine Mühe, um das Leben anderer zu erleichtern.”

Gerade hier will sich nun Philipp Rösler festsetzen. Auf dem Bundesparteitag der Liberalen hat er erklärt, dass die “Bürgerliche Mitte” ausschließlich seiner stark geschrumpften FDP gehöre. Die Konkurrenz sei ja kollektiv auf dem Pfad nach links.

Und somit sind Saturn oder Eigelb zum Zehner auf einer Zielscheibe geschrumpft. Wenn Rösler zuletzt so viel daneben ging, müssen wir uns zumindest nicht mehr wundern.

April 1st, 2012

Wer denkt an die Schlecker-Männer?

Arme Schlecker-Frauen. Mit Euch hatten die FDP-Politiker kein Mitleid. Hilfe vom Staat gibt’s nicht. Geht doch zum Arbeitsamt, wenn Ihr Kohle braucht.
Aber wieso klagen alle immer nur über das Schicksal der Schlecker-Frauen? Denkt keiner an die Schlecker-Männer? An die Bezirks-, Oberbezirks- und Hauptbezirksleiter? Jedes Ausbeutersystem funktioniert erst durch willige Vollstrecker.
Es war doch nicht Schlecker senior persönlich, der seine Frauen im Sozialraum und auf der Toilette ausspioniert und der für jede Kleinigkeit Abmahnungen oder Kündigungen geschrieben hat. Nein, das waren jene Männer, die sauber ihren Job erledigt haben.
Das Prinzip funktioniert überall: Wenn der Mächtige dem Ohnmächtigen die Chance gibt, auf andere Menschen Macht auszuüben, ist dieser gnadenloser als der wirklich Mächtige selbst. Das gibt es im Kleinen, wenn der Abteilungsleiter seinen Mitarbeitern klarmacht, warum man leider, leider nur Minilöhne zahlen kann.
Es klappt auch im Großen. Ein Diktator Assad jagt ja nicht persönlich Stromstöße durch die Körper von Gefangenen oder schneidet Gliedmaßen mit dem eigenen Küchenmesser ab. Er hat seine Helfer. Die erledigen das, weil es für das Vaterland notwendig ist.
Schauen wir also dankbar auf das Werk der Bezirks-, Oberbezirks- und Hauptbezirksleiter. Hätten wir sie ungestört machen lassen, wären Shampoo und Klopapier bei Schlecker am billigsten. Die Firma wäre niemals pleite gegangen. Die wahren Liberalen wissen: Auch der Ausbeuter ist ein Erfolgsfaktor in einer freien Marktwirtschaft. Aber wer fragt demnächst schon noch die FDP?

März 26th, 2012

Das Saarland wird abgeschafft

Als Angehöriger einer im eigenen Bundesland unterdrückten Minderheit, den Franken, sollte man ich mit Schmähungen von Randgruppen zurückhalten. Aber ich kann es nicht anders schreiben: Seit gestern lehne ich das Wort “Saarland” in allen Schreibweisen und Darstellungsformen ab. Es war einfach zu viel.

800.000 Menschen leben in diesem “Bundesland”. Das ist hierzulande das Format einer Großstadt, das würde aber zum Beispiel in Istanbul nur für einen weniger bedeutenden Stadtteil reichen. Trotzdem: Im Fernsehen gab es Sonntagabend stundenlang Prognosen, Hochrechnungen, Interviews, Analysen, Kommentare und eine Elefantenrunde.

Kurzum, es wurde das seit Jahrzehnten erprobte komplette Repertoire für Landtagswahlen abgespielt. Endlos lange wurde geredet, um den Menschen das Gefühl zu vermitteln, dass diese bessere Kommunalwahl irgendeine Bedeutung für Deutschland, Europa und die Welt hätte.

Aber das ist falsch. Vom Saarland wissen wir doch bloß, dass es deswegen mal Ärger mit den Franzosen gegeben hat, dass Erich Honecker dort geboren wurde und dass die Leute einen eigenwilligen Dialekt sprechen. Wir wissen, dass der alte Oskar Lafontaine dort immer noch Politik macht, dass die Landesmutter einen Doppelnamen hat, der in kein Überschrift passt und dass die FDP dort nur wenige Stimmen mehr bekommt als die NPD. Ansonsten kommt dieses Land nicht mal in der Zweiten Fußball-Bundesliga vor. Als Ort für umwälzende Ereignisse ist es somit völlig überschätzt.

Und noch etwas wissen wir: Aus Saarbrücken kommt Deutschlands schlechtester “Tatort”. Aus Franken dagegen gar keiner. Lasst uns zeigen, dass wir es besser können. Das Saarland wird abgeschafft. Dann werdet Ihr schon sehen.

Februar 27th, 2012

Rösler und Merkel: Da wird der Prinz zum Frosch

Im harten Alltagsgeschäft gerät allzu leicht in Vergessenheit, dass Angela Merkel eine Frau ist. Auch ihr Vizekanzler Philipp Rösler hat das gerade verdrängt. Er hat seine politische Lebensabschnittsgefährtin mit einem Frosch verglichen.  Das ist heftig. So heftig, dass alles unterhalb der ewigen Feindschaft eine Überraschung wäre.

Sicher, man könnte abwinken, “Ach ja, der Rösler” sagen und einfach weitermachen. Ist doch der FDP-Chef für seine Witze berühmt-berüchtigt. Seine Ironie geht oft haarscharf am Ziel vorbei, so dass hinterher jemand beleidigt ist.

Und Verniedlichungen oder gar Kosenamen sind ohnehin so eine Sache. Man kommt sich ziemlich nahe. Nicht jede möchte sich ungefragt Hasi, Engel, Sahneschnitte, Erdbeerpfötchen oder Puddingbrumsel nennen lassen.

Unbedingt vermeiden sollte man aber Vergleiche, welche  der oder die andere garantiert nicht mag. Wie das beim Frosch der Fall ist. Dieses Tier ist bestenfalls lustig (in der Inkarnationsform Kermit), sitzt aber ansonsten dumm, aufgeblasen und dick auf einem Seerosenblatt oder auf einem Stein herum, quakt und wartet darauf, dass Beute vorbeifliegt. Frösche gelten zwar als schöner als Kröten. Trotzdem haftet ihnen etwas Glitschiges an.

Selbst als Märchenfigur ist der Frosch nur zweite Wahl. Wir alle haben als Kind gelernt, dass etwas ganz Schönes herauskommt, wenn man ihn ganz lieb küsst. Was also will Philipp Rösler? Merkel küssen und Nahles bekommen? Oder Sigmar Gabriel? Oder Claudia Roth?

Wahrscheinlicher ist da schon dieser Fall: Merkel küsst Rösler und verwandelt ihn in einen Frosch. Und dann wird sie ihn kochen. Ganz langsam. Mit Genuss. Ganz bestimmt.

Januar 11th, 2012

Gesucht: Ein alter Mann zum Anlehnen

Achtung, hier kommt ein Stoßseufzer: Dieses Land braucht Vorbilder! Dringendst! Wenn selbst der Bundespräsident, also der “Erste Mann im Staat” in merkwürdige Geschäfte und Kungeleien verwickelt ist, müssen wahre Helden her. Aber wie das so ist, in unserer schnelllebigen Zeit. Diese sind voraussichtlich nur noch zeitlich begrenzt für uns da.

Denn das Volk zieht gnadenlose Konsequenzen aus dem Scheitern der Ministerial-Praktikanten von der FDP: Es setzt auf alte Männer. Nach einer neuen Umfrage im Auftrag der Zeitschrift “stern” gilt Nelson Mandela (bald 93) den Deutschen als absolute moralische Institution. 82 Prozent nannten ihn ein “großes Vorbild”. Gleich dahinter folgt Alt-Kanzler Helmut Schmidt (im Dezember) mit 74 Prozent. Ihm wird sogar verziehen, dass er Kettenraucher ist. Der Dalai Lama alias Tendzin Gyatsho auf Platz drei bekommt 69 Prozent. Er ist ein netter Kerl – und hat eventuell den Platz von Jopi Heesters eingenommen.

Wir haben also wieder Lust auf den Opa, der uns im Lehnstuhl sitzend die Welt erklärt. US-Präsident Barack Obama, der mit 64 Prozent den vierten Umfrage-Platz erreicht, ist in diesem Sinne ein echter Ausreißer. Während der Fünfplatzierte, Günther Jauch, mit 55 Jahren unverschämt jung ist, aber eben auch Unmengen sinnlosen Wissens unter die Menschen streut.

Der Trend zur Erfahrung zeigt sich auch beim ersten Fußball-Star unter den Vorbildern. Nicht Gomez oder Götze liegen vorne, sondern Bundestrainer Joachim Löw. Mit 54 Prozent rangiert er drei Punkte vor Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Papst Benedikt XVI., der in seinem schonungslosen Kampf gegen die Überbevölkerung die Homosexuellen zur Bedrohung für die Welt erklärt hat, rangiert mit 32 Prozent schon deutlich dahinter. Und erst dann folgt unser eigentliches hauptamtliches Vorbild, Christian Wulff. Nur jede/r Fünfte erklärt ihn um Idol.

Das ist dramatisch schlecht, aber wir wollen gerne annehmen, dass Guido Westerwelle und Herr Achmedinedschad aus Teheran noch schlechter dastehen. In unserer schnelllebigen Zeit wird man eben leicht mal unpopulär.

Eine Frage aber bleibt: Wo sind unsere vorbildlichen Frauen? gut, Inge Meysel und Heidi Kabel sind tot. Aber was ist mit unserer Familienministerin? Ach so, Kristina Schröder ist zu jung. Stimmt, doch Hoffnung ist da. 93 wird sie im Jahr 2070. Bis dahin, ganz sicher, ist sie eine richtig gute Politikerin.

Januar 7th, 2012

Röslers Mitte hilft uns gar nicht

Also sprach Philipp Rösler: “Wir brauchen Wachstum in der Mitte.” So also stellt sich der FDP-Chef den Weg zur Rettung des Landes, seiner Partei und seiner eigenen Jobs vor. Warum das alles so gut sein soll, sagt er aber nicht.

Wir alle wissen, dass sich außer der Linken alle Bundestagsparteien in “der Mitte” daheim fühlen. Das liegt wohl daran, dass man dort die große Masse an Menschen und somit das größte Wählerpotenzial vermutet. Wahrscheinlich denkt man auch, dass dort Eigenschaften wie Vernunft, Politikverstand und Duldsamkeit verortet sind.

Das Zentrum hat aber einen großen Nachteil: Es ist nur bedingt zukunftsfähig. Die Masse der Vernünftigen strebt vor allem danach, gut zu funktionieren. Kreativität, die Lust auf Veränderung, kommt hingegen meistens von den Rändern. Das Wort “Mittelstand”, das jeder FDP-Chef permanent vorbeten muss muss, signalisiert keinesfalls die Lust auf Bewegung.

Und wenn man sich einen normal proportionierten Menschen anschaut, so sitzt die Mitte irgendwo in der Nähe des Bauchnabels. Dort wächst also in erster Linie das Bauchfett.

Wachstum in der Mitte führt also letztlich zur Figur von Helmut Kohl. Und einen solchen Politiker wollen wir so schnell nicht wieder haben. Nicht mal als FDP-Chef. Schlechtes Motto, Herr Rösler!

Dezember 17th, 2011

Schnäppchenjagd beim StressStresstest

Es ist erstaunlich, dass “Stresstest” erst 2011 zum “Wort des Jahres” geworden ist. Dabei kennen wir alle dieses Verfahren, die Grenzen unserer physischen und mentalen Belastbarkeit in einer besonderen Versuchsanordnung zu erproben, die meiste Zeit unseres Lebens. Einfacher gestrickte Menschen nennen es Weihnachtseinkauf.

Unser Jesuskind-Stresstest wird immer schwieriger. Reichte es früher, kurz vor dem Fest loszuziehen, so macht uns die Werbung der Einzelhändler längst klar, dass wir spätestens Ende September ans Schenken denken müssen. Weil danach die besten Stücke weg sind.

Und jetzt flattern vor dem vierten Advent die “Sale”-Fahnen im Wind. Was bedeutet, dass wir uns mitten im allgemeinen Getümmel auch noch darum kümmern müssen, bloß kein Schnäppchen zu verpassen. Man macht das wahrscheinlich, weil auch die Fernseh-Jahresrückblicke schon Anfang Dezember laufen. Aber das steigert die potentielle Belastung, bei Sat1 würden sie vom StressStresstest reden.

Aber wir werden es aushalten, wissen wir doch aus Ländern wie Bangladesch, Indien oder China, dass sich auch extremste Überbevölkerung alles in allem ertragen lässt. Der Mensch ist wohl doch ein Kuschelwesen. Bis an den Rand des rabattgehebelten Sale-Burnouts.

Übrigens: Ich finde, dass die Gesellschaft für deutsche Sprache die Kategorie “Verschwindende Begriffe” einführen sollte. Mein Favorit für 2011 ist “FDP”. Aber bestimmt gäb’s da ja noch mehr.

Dezember 13th, 2011

Reiche in Not – Arme früh tot

Ich schreib jetzt einfach mal, was ziemlich viele denken: Eure Armut kotzt mich an! Seit dem Abschied von Sabine Christiansen sind die Reichen aus den Talkshows verschwunden. Nur einige viel zu junge FDP-”Politiker” halten das Fähnchen unserer Leistungselite hoch. Ansonsten gibt es nur noch ein bisschen Rettungsschirm, tonnenweise Ungerechtigkeit sowie Not, Not, Not und nochmals Not.

Leute, begrift doch: Reiche Menschen haben es schwer. Sie haben etwas zu verlieren. Sie werden vom Staat geschröpft. Brutalstmöglich, nachdem sie ihr Luxusauto und die selbstverständlich für das Büro angeschafften teuren Skulpturen von der Steuer abgesetzt haben. Nachdem sie nachweisen konnten, dass sie beim Restaurantbesuch mit der hübschen Sekretärin auch einen Geschäftsfreund getroffen und im Rotlichtviertel von Rio de Janeiro eine umfangreiche Markterkundung vorgenommen haben.

Das alles kommt erst mal weg – aber was dann zu zahlen ist, ist immer noch viel zu viel. Man sagt nicht umsonst, das man Steuern “abführt”. Diese Gesetze sind doch fürs Klo.

Dagegen die Armen. Schon Jesus hat sie als die eigentlich Glückseligen beschrieben. Leben von Luft und Liebe. Gut, sie rauchen mehr als unsereins. Was bedeutet, dass sie die asozialste Steuer dieser Republik berappen, die Tabaksteuer. 4,90 € kostet die Schachtel. 3,58 € kriegt der Staat. Macht zusammen 13,5 Milliarden.

Aber dafür sterben die Armen auch früher. Sagt eine neue Statistik. Ihnen bleibt es also erspart, in einem sündhaft teuren Wohnstift dement dem Ende entgegen zu dämmern. Sie haben kein schlechtes Gewissen, weil sie ihr Rentenwegfallalter (veritabler Fachbegriff) viel zu spät erreichen.

Ja, wir sollten den kapitalschwachen Menschen für alles danken, was sie für diese Gesellschaft leisten. Dazugehören will ich aber nicht. Sag ich mal, sozial schwach wie ich bin.

November 13th, 2011

Rösler und die Taschentücher: Wir winken zum Abschied

“Schluss mit der Trauer, Schluss mit den Tränen: Es ist Zeit, die Taschentücher wegzustecken”. Ach, wie ist er doch knuffig, der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler. Er hat genug davon, dass seine Partei unter ständigen Wahlniederlagen ächzt. Also erklärt er das Problem für beendet. Kann das gehen?

Rösler erinnert an einen Menschen, der sich krankhaft vor Dunkelheit fürchtet, aber unbedingt in den Keller muss. Also steigt er – scheinbar – vergnügt pfeifend oder singend die Treppen hinunter, an deren Ende irgendein Grauen lauern könnte. Der FDP-Chef, der in seinem früheren Leben als Arzt seine jüngsten Patienten als Bauchredner aufgemuntert hat, probiert es also mit Humor. Oder was er dafür hält.

In seiner Parteitagsrede philosophierte er darüber, dass sich SPD-Chef Sigmar Gabriel zuletzt deshalb von den Grünen distanziert habe, weil diese eine Sondersteuer für dicke Menschen planten. Und die Meldung, dass Oskar Lafontaine und Sarah Wagenknecht ein Paar seien, kommentiert er so: “Sie hat ganz kleine Augen. Ich kenn mich damit aus.” Wahrhaft ein Hammer-Gag!

Würde Philipp Rösler einsehen, dass sein Kollege Rainer Brüderle der begabtere Humorist ist, würde das ihm und seiner Partei sehr helfen. So aber gibt es keinen Grund, die Taschtücher wegzustecken. Ganz im Gegenteil: Wir werden sie brauchen – um der FDP zum Abschied zuzuwinken.

September 16th, 2011

Rösler muss sich scheiden lassen

Kann man sich Philipp Rösler mit dicken Backen und Bauch vorstellen? Schwierig, aber es ist denkbar. Denn in Berlin besteht akute Scheidungsgefahr. Also drohen ihm ein paar neue Pfunde.
Warum? Bisher galt es als ehernes Gesetz, dass Männer nur in festen Beziehungen zunehmen. Weil Frauen, die ihrerseits am Anfang gemeinsamer Lebensabschnitte runder werden, ihren Liebsten gerne füttern. Weil ihnen ein treues Dickerchen letztlich lieber ist als ein schicker Fremdgänger.
Der Wegfall der eigentlichen Ernàhrerin würde demnach, so denkt der Laie, wie eine Diät wirken. Tut es aber nicht. Nach einer Langzeit-Studie der Universität von Ohio nehmen die meisten Männer auch nach einer Scheidung zu. Der wahre Lehrsatz lautet demnach: Wer jemals in einer Beziehung war, wächst an den falschen Stellen. Egal, wie sein Leben läuft.
Soll man also Philipp Rösler zur politischen Scheidung raten? Auf jeden Fall. Denn die Krux der derzeitigen FDP-Führungsriege ist doch, dass sie alle so jung und schlank sind, dass man meint, dass sie wie aufgeputschte Windhunde jedem möglichen Thema hinterherhetzen. Dass sie heute hier und morgen da sind, dass sie unbedingt beachtet werden wollen, aber eigentlich keine Prinzipien.
Das Volk will aber auch Wohlfühl-Minister. Es sucht jemand, dem es vertrauen kann, an dem es sich ankuscheln kann. Das kann ein Brüderle gegen Westerwelle, Lindner und Bahr nicht schaffen. Rösler sollte also weg von Mutti, um dann nach einer ausgiebigen Schlemmerreise durch treudeutsche Schweinebraten-Kneipen im Genschman-Format mit gelbem Pullunder zurückzukehren.
Sie wollen Beweise für den Erfolg dieser Strategie? Schauen Sie doch mal den Gabriel an.

September 5th, 2011

Keiner mag ihn. Keiner traut ihm. Es ist Guido.

Lach nur, Guido. Dich mag trotzdem keiner.

Lach nur, Guido. Dich mag trotzdem keiner.

Also, jetzt muss doch mal Schluss sein. Es kann nicht so weitergehen, dass der gesamte, in diesem Land vorhandene Hass auf die Politik auf eine einzige Person projiziert wird. Ist aber so: Guido Westerwelle ist der Giga-Mega-Anti-Typ schlechthin.

Als Moderator eines Politik-Frühschoppens habe ich das am Sonntag live erlebt. Da wurden sämtliche Aussagen von Abgeordneten von fünf Parteien gelassen zur Kenntnis genommen. Aber schon die Erwähnung des Namens Westerwelle brachte das Blut der Zuhörer in Wallung. Und als ihn FDP-Landtagsvizepräsident Jörg Rohde als “den besten Außenminister seit Genscher” bezeichnete, gab es höhnische bis wütende Proteste.

Kein Zweifel, dieser Mann kann tun was immer er will. In den Augen der Menschen macht er es falsch. Er hat das eigentlich für höchste Popularitätswerte bekannte Amt des Außenministers im öffentlichen Ansehen derart heruntergewirtschaftet, dass er in der Beliebtheitsskala ganz unten herumkrebst. Aus dem einstigen Überflieger der Liberalen ist der Maulwurf der Nation geworden. Zu seinem beiden linken Händen kommen mindestens zwei linke Füße.

Ist es gerecht? Zunächst: So schlecht kann er seine Arbeit gar nicht machen, als dass die Komplett-Ablehnung der Menschen gerechtfertigt wäre. Aber Guido Westerwelle ist eben so ein Typ, der wahrscheinlich schon als Kind keine Spielgefährten gefunden hat. Ein Großmaul mit Hang zur übertriebenen Selbstdarstellung. Ob er nun 18-Prozent auf seine Schuhsohlen malte, im Big-Brother-Container auftauchte oder mit einem Gaga-Mobil auf Wahlkampftour ging oder das blödsinnige Wort von der “spätrömischen Dekadenz” in die Welt setzte.

Keiner mag ihn. Keiner will ihn mehr. Keiner findet ihn gut. Der ehemalige CSU-Halbgott Franz-Josef Strauß meinte mal: “Everybody’s darling is everybody’s Rindviech”. Mancher schafft Letzteres, ohne jemals Darling gewesen zu sein.

Für Interessierte hab ich das noch: http://www.istwesterwellenochimamt.de/
und die von mir gegründete Facobook-Gruppe “Schickt Guido Westerwelle auf die Alm”. http://www.facebook.com/groups/257545684265515/

Mai 8th, 2011

Meine kleine (Anti-)Helden-Wochenschau

Wer ist ein Held, wer ist keiner? Oft ist das schwer zu sagen. Neben objektiven Kriterien kommt es auch auf die Einstellung des Betrachters an. Wichtig ist auch die Gegend, in der jemand bewertet wird.

Wir Franken lieben das Widersprüchliche. Unsere Helden mögen geniale Erfinder oder irgendwelche Weltmarktführer sein. So richtig sympathisch werden sie uns aber erst, wenn sie nicht zu glatt sind und auch Fehler oder Irrtümer begangen haben. Ein bisschen erkennbare Tragik darf gerne sein. Siehe Lothar Matthäus.

Der Oberfranke Karl Theodor zu Guttenberg hingegen ist endgültig aus unserem Heldenraster gefallen.

April 17th, 2011

Philipp Rösler und die Rente mit 100

Ist es gut? Schlecht? So zwischendrin? Unser Leben besteht zu einem großen Teil aus einem “Einerseits – Andererseits” Im Grunde genommen sind wir ständig auf der Suche nach dem kleineren Übel. Nur unverbesserliche Optimisten sehen immer und überall neue Chancen. Den anderen vergeht der Spaß zumindest ab und zu.

Nehmen wir zwei Artikel aus meiner Lieblings-Sonntagszeitung “Sonntagsblitz”. Erstens: “Rösler feilt an seinem Personaltableau”. Tatsächlich, der designierte FDP-Chef hat einiges zu tun. Mit einer neuen Führungsriege soll er das Volk begeistern. Aber wen hat er schon greifbar? Zum Beispiel zwei Herren namens Lindner. Der eine, Martin, ein ondulierter neoliberaler Alleswisser. Der andere, Christian, ein höchbegabter hyperaktiver Klugscheißer.

Bringt’s das? Eigentlich kann es Rösler gelassen sehen. Weiß man doch aus dem Fußball, dass jeder, der eine Mannschaft auf deren Tiefpunkt übernimmt,  immer gut aussieht. Weil es ja nur besser werden kann. Aber noch toller würde es laufen, hätte die FDP auf das Ergebnis meiner Umfrage in Sachen Westerwelle-Nachfolge gehört: 48,39 Prozent plädierten für Sylvie van der Vaart, 41,94 Prozent für Gabriele Pauli. Da fehlte der Mut zur Frau. Andererseits: Philipp Rösler bekam in dieser Umfrage 6,45 Prozent. Seine Partei wäre da schon froh.

Bericht Nummer zwei: “Er wurde 114 Jahre alt.” Es handelte sich um einen Nachruf auf den gerade verstorbenen mutmaßlich ältesten Mann der Welt, den US-Amerikaner Walter Breuning. Auch hier gilt das “Einerseits – Andererseits.” Schade, dass er tot ist. Schön, dass er so lange leben durfte.

Letztlich aber beunruhigt er uns. Weil wir wissen, dass sein Altersrekord schon bald überholt werden und seine Lebenserwartung normal werden wird. Was Folgen hat. Wenn man nämlich davon ausgeht, dass die Rente so lange sicher ist, wie sie – wie heute – um die 15 Jahre lang bezahlt wird, bedeutet das ja nichts anderes, als dass irgendwann die Rente mit 100 eingeführt werden muss.

Wollen wir das wirklich? Nein, nicht mal Philipp Rösler will das. Er möchte mit 45 mit der Politik aufhören. Was Walter Breuning dazu sagen würde?

April 5th, 2011

Philipp, Sylvie, Gabi? Wen braucht die FDP?

Schon lustig, diese FDP. Jetzt haben sie ihren „Igitt-Faktor-Mann“ Guido Westerwelle weg – und wissen nicht mehr weiter. Also helfen wir. Suchen wir den/die ideale/n Nachfolger/in.

Offenbar läuft alles auf Philipp Rösler zu. Für ihn spricht, dass er alles Leid dieser Welt mit asiatischer Gelassenheit kommentieren kann. Außerdem erinnert er stark an Harry Potter, spricht also belesene junge Frauen an. Und Lord Voldemort alias Wolfgang Schäuble ist auch ruhiger geworden.

Heiße Kandidatin Nummer 2: Sylvie van der Vaart. Die FDP war Spaßpartei immer am angenehmsten. Und außerdem
feierte sie große Erfolge, wenn sie hübsche, aber politisch unbedarfte Frauen ins Rennen schickte. Wie zuletzt mit “Katja” in Hamburg.

Rainer Brüderle darf nicht vergessen werden. Ein Politiker, der für alle Gelegenheiten eine Kiste Wein im Schreibtisch hat, ist überall gerne gesehen. Außerdem steht er als schwatzhafter Geselle für eine Öffnung der Partei.

Arnulf Baring wäre der Gegenentwurf zu Sylvie van der Vaart. Aufgrund seines Alters ein Übergangskandidat, glänzt er durch notorische Empörung. Als gut trainierter und viel gebuchter Talk-Show-Gast ist er attraktiv.

Schließlich Gabriele Pauli: Ist als brave bayerische Landtagsabgeordnete in Vergessenheit geraten. Ist aber immer bereit, wenn ein heikler Führungsjob zu vergeben ist. Ihre Esoterik-Erfahrung sollte der richtunglosen FDP beim geistig-moralischen Neuanfang helfen.