Shit vom Andy. Lässig serviert.

Unser Verkehrsminister Andreas Scheuer zählt seit seiner Wahl in den Bundestag im Jahr 2002 zu den zwanglosesten Abgeordneten. Kaum einer gibt sich so lässig, kaum einer zeigt seine Zuneigung zu den Managern der Autoindustrie so schamlos, kaum einer haut seine Statement ähnlich schonungslos raus. Und: Dieser Mann mag Menschen, die er so sieht, wie sich selbst: Schöne Menschen.

Das beweist gerade wieder die Fahrradhelm-Kampagne seines Ministeriums. „Looks like shit. But saves my life“ – „Sieht scheiße aus, rettet aber mein Leben“ – steht auf den Plakaten. Präsentiert wird die hilfreiche Kopfbedeckung von jungen Unterwäsche-Models. Fahrräder sucht man auf den Bildern vergeblich.

„So läuft’s halt in der Werbung“, wird mancher die Kampagne verteidigen. Tatsächlich haben verkaufsfördernde Botschaften und Wirklichkeit häufig nichts miteinander zu tun. Kein SUV-Fahrer düst nach der Autowäsche durchs nächstbeste Schlammloch. Kein Tier ist für unsere Wurst freiwillig gestorben. In keiner Beziehung gibt es so viel Glück wie in der Check-24-Familie.

Freilich hat sich der Scheuers Andy mit Wahrheit und Logik noch nie sonderlich aufgehalten. Unvergessen seine Funkloch-Melde-App, die die Menschen – so sein Rat – dann nutzen könnten, wenn sie keinen Empfang hätten. Oder denken wir an sein Gebrabbel aus seinen rauschhaften Zeiten der Flüchtlings-Krise: „Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese. Der ist drei Jahre hier – als Wirtschaftsflüchtling. Den kriegen wir nie wieder los.“

Dieser Minister ist eben kein Mann mit Prinzipien, sondern ein Mann des Effekts. Aber woran merkt man das? Klar doch, an der Sprache: Denn wie ist es möglich, dass ein Politiker, der im Auftrag der CSU Heimat und deutsche Leitkultur hochhält, mitten im Europa-Wahlkampf seine Botschaften in der Brexit-Sprache Englisch verbreitet?

Das ist, Pardon, nicht Passau, sondern Prenzlauer Berg. Andererseits: Dort gibt es einen hohen Anteil junger bürgerlicher Paare mit oder ohne Kinder. Die sind helm-affin wie sonst bloß die mächtigen Gruppen von E-Bike-Rentnern, die seine Heimatstadt auf dem Donauradweg durchqueren.

Da sieht’s vielleicht scheiße aus, rettet aber die Gastronomie. Helm ab zum Schweinsbraten! Wir haben es nochmal überlebt.