Der starke Mann ist ziemlich blind

Jetzt also Strafzölle. Donald Trump hat festgelegt, dass Importe von Stahl und Aluminium mit zusätzlichen Abgane von 25 beziehungsweise 10 Prozent belegt werden. Ziel ist es, dass die eigene Industrie mit erfolgreicheren Unternehmen mithalten kann. Was ist zu tun?

Zunächst einmal müssen alle Betroffenen ihre Fassungslosigkeit überwinden. Man muss ja fragen, was dieser Präsident eigentlich bestrafen will. Der angebliche Anführer der freien Welt nimmt es sich heraus, geltende Verträge einfach so zu missachten.

Trumps Verhalten ist das eines Despoten. Recht dient in seiner Gedankenwelt dazu, den Zielen des Stärkeren zum Durchbruch zu verhelfen. Aber ist er das überhaupt?

Es gibt gar nicht so viele US-Produkte, die man so dringend bräuchte, dass sie nicht durch EU-Strafzölle verteuert werden dürften. Erdnussbutter? Wer isst die schon? Gartenbohnen? Gibt es auch woanders. Motorräder von Harley Davidson? Es wird sich doch ein anderes Ventil für die Midlife-Crisis finden lassen. Whiskey? Machen die Iren und Schotten eh besser. Motorjachten? Wer die kauft, hält einen Strafzoll aus.

Bleiben die digitalen Segnungen und die wunderbaren Produkte aus dem Silicon Valley. Aber mal ehrlich: Ist das iPhone wirklich konkurrenzlos? Gibt es als Suchmaschine wirklich bloß Google? Ist Amazon unverzichtbar? Und wenn Facebook nicht mehr da wäre: Gäbe es nicht ganz schnell ein neues Netzwerk?

Schon manches Imperium ist an seiner Selbstüberschätzung gescheitert. Das kann den USA in einem Handelskrieg auch passieren.

Das sollten wir wissen. Bleiben wir also fair. Sorgen wir, ganz ohne Hass, für eine gerechte Besteuerung der großen US-Digital-Monopolisten. Und wünschen wir Donald Trump vor allem eines: Vernunft, zumindest zwischendurch. Es soll ja auch mal Wunder geben.