Müller trifft nicht. Seien wir froh

Die Fußball-Nation jubelt – und ist doch in Sorge: Thomas Müller trifft nicht mehr. Warum, fragen sich viele, haut der Raumdeuter mit den Storchenbeinen zurzeit dauernd daneben? Die Antwort: Es ist egal. Fürchtet Euch nicht.

Null Tore sind Müller bei der Europameisterschaft bisher gelungen. Auch im Viertelfinale gegen Italien schoss er zu schwach oder am Tor vorbei. Die Folge: „Die Mannschaft“, die sich sonst auf seine genialen Momente verlassen konnte, musste sich dem finalen Drama stellen.

Das Elfmeterschießen ist eine Lotterie. Das Können am Ball alleine entscheidet nicht, sonst hätten nicht ausgerechnet Müller, Özil und Schweinsteiger ihre Strafstöße versemmelt. Doch dieser Modus hat Vorteile: Er ist hoch spannend und er lässt dem Unterlegenen seinen Stolz. Dieser kann sagen, dass er erst ganz am Ende niedergerungen wurde. Und dass es genauso gut anders hätte kommen können. Die Ungerechtigkeit des Zufalls kann trösten.

So war es nach diesem EM-Viertelfinale. Und es war gut so. Italien war an diesem Abend gebeutelt vom Schock über den Tod mehrerer Landleute bei einem Terrorangriff in Bangladesch gebeutelt. Es war die große Nachricht neben dem Fußball-Spiel gegen den ewigen Rivalen Deutschland.

Hätte Thomas Müller das bei wichtigen Turnieren Übliche getan, Italien wäre wohl schon nach 90 Minuten vom Platz gegangen. So aber war die Niederlage keine Katastrophe. Der Dank an die eigene, große Mannschaft beherrschte alle Stellungnahmen italienischer Experten nach dem Spiel.

Auf dem Fußballplatz hätte es also gar nicht besser laufen können. Deutschland im Halbfinale, Italien ein aufrechter Verlierer. Manchmal ist es ohne Müllern besser.