Oskar Lafontaine, die falsche Queen

Mal angenommen,Oskar Lafontaine hätte nicht auf dem Parteitag der Linken herumsitzen müssen. Bielleicht hätte er am Sonntagnachmittag seinen Fernseher eingeschaltet. Er hätte die Bootsparade zu Ehren der englischen Queen angeschaut. Und hätte sich gefragt: „Warum gibt es das nicht in Berlin auf der Spree? Das hätte ich auch verdient.“

Oskar Lafontaine ist einer der letzten großen Ego-Shooter der deutschen Politik. Klar, er wurde ja auch nicht in ein Königshaus hineingeboren, sondern hat sich alles selner erarbeitet. Er hat sich an die Spitze des Zwergstaates Saarland gekämpft. Er war Kanzlerkandidat, er hat den Langsamredner Rudolf Scharping aus dem Amt des SPD-Vorsitzenden gefegt.

Als Finanzminister und damit nachgeordneter Gefährte des wesenverwandten Gerhard Schröder hielt er es allerdings nur knapp fünf Monate, vom 27. Oktober 1998 bis zum 10. März 1999, aus. Dann hatte er die Schnauze voll und kämpfte mit seiner neuen Partei „Die Linke“ vor allem dafür, dass es seinen ehemaligen Genossinnen und Genossen schlechter ging als zuvor. Man hatte nicht auf ihn hören wollen.

Wer gegen mich ist, muss scheitern. Genau diesen Charakterzug hat Lafontaine jetzt wieder gezeigt. Weil ihm jemand das Comeback als Parteichef verdorben hatte, musste er bestraft werden. Der Bartsch ist abserviert, die neue Führung übernimmt einen vollkommen zerstrittenen Verein mit nunmehr ungewisser Zukunft.

Immerhin, seiner königlichen Eitelkeit ist Genüge getan. Oskar steht als Sieger da. Er ist und bleibt die Queen der Linken. Wenn auch eine falsche. Denn die andere, die in England, hält den Laden zusammen. und das seit 60 Jahren.