Nicht nur im Fußball: Gerecht ist selten

Aus einem „Tatort“ ist uns durch Hauptkommissar Schimanski folgende Erkenntnis überliefert: „Eher findest Du bei einer Hure die Unschuld, als im Leben Gerechtigkeit.“ Und so war das wieder, an diesem Samstagabend. Der FC Bayern München war besser, aber hat sein legendäres „Finale dahoam“ verloren. Der Champions-League-Pokal geht nach London.

Als Fan des 1. FC Nürnberg könnte ich mich zurücklehnen und mich grinsend den Bauch kraulen. Gilt mir doch jeder Bayern-Sieg zunächst als Unrecht. Aber das Finale wirkte anders. Der Gegner hat ja hauptsächlich den anderen beim Fußballspielen zugeschaut. Noch dazu ein Gegner, an dessen aus Öl-Milliarden finanzierten Trikots sozusagen die Not des russischen Volkes klebt.

Aber: Fußball muss so sein. Ginge es nämlich nur nach dem Können der einzelnen Spieler, gäbe es niemals Pokalsensationen durch Amateure aus entlegenen Provinzstädtchen. Wir müssten das Wort „Sensation“ streichen, spannend wären nur noch Begegnungen gleichstarker Teams. Bei dieser Vorstellung schlafen einem doch die Schreibfinger ein.

Und ist uns nicht auch der Boxer sympathisch, der zwölf Runden lang angeschlagen durch den Ring torkelt, um seinen Gegner mit einem unfassbaren Verzweiflungsschlag niederzustrecken? Den Igel, der sich bei Gefahr völlig destruktiv zusammenrollt, mögen wir auch lieber als den Kampfhund, den er in die Schnauze sticht. Leistung muss sich nicht immer lohnen.

Stattdessen gilt: Die Liste der Ungerechtigkeiten auf dieser Welt reicht für ein mittleres Lexikon. Ob das Spiel vom Samstag darin eingetragen wird, ist für mich allerdings gar nicht so sicher. Man hätte ja nur ins Tor schießen müssen…