Ich werde alt. Ich trauere um ein Kaufhaus

„Ach, das ist doch bloß ein schlecht besuchtes Kaufhaus. Und sieht auch noch beschissen aus.“ Da schließt also die Kaufhof AG Mitte 2012 ihre Filiale in der Nürnberger Südstadt – ich erwarte auch Kommentare dieser Sorte, finde das selber aber wirklich schlimm. Wahrscheinlich merke ich bei dieser Gelegenheit nur mal wieder, wie alt ich inzwischen geworden bin.

So lange ich zurückdenken kann, war dieser merkwürdige Betonwürfel mit seiner Bienenwaben-Fassade für mich so etwas wie das Herz der Südstadt. Mal hieß das Kaufhaus Merkur, dann Horten, dann Kaufhof – aber immer stand es da, als wäre sein Grundstück extra dafür geschaffen worden. Ich habe dort in den letzten 40 Jahren alles mögliche Zeug gekauft. Klamotten, Schreibmaschinen, Sektgläser, Zeitschriften, Parfüm, Lebensmittel, jede Menge Geschenke. Ich bin gerne die denkmalgeschützte Wendeltreppe rauf- und runtergelaufen, habe mir dort die Haare schneiden lassen und habe in der Fernsehabteilung die ersten Bilder von der Ratzinger-Papstwahl gesehen.

Da ich sicher bin, dass viele andere Menschen ähnliche persönliche Erlebnisse gehabt haben, mag ich mir nicht vorstellen, dass dort eine Reste-Rampe oder ein großer Elektromarkt einziehen. Gerade eine Gegend, in der 30.000 Menschen aus allen Teilen der Welt ganz überwiegend in Mietshäusern und oft genug alleine leben, braucht Kristallisationspunkte wie ein ordentlich bestücktes Kaufhaus. Und auch andere Händler und Dienstleister leben davon. Denn rund um den Magneten sammeln sich andere, die von und mit ihm profitieren. Die Experten reden da von „Clustern“.

Aber der Umsatz? Haben nicht einfach zu wenige Menschen beim Kaufhof Geld gelassen? Handel ist Wandel, schon immer gewesen.

Tja, wenn das so ist, dann bin ich bei diesem Thema vielleicht doch bloß ein weinerlicher Nostalgiker. Der noch nicht kapiert hat, dass heute diese Sätze stimmen: „Wir brauchen keine alten Kaufhäuser. Wir haben Amazon und Ebay.“