Posts Tagged ‘DSDS’

April 27th, 2012

Der welke Held und sein Finale

Wenn Helden verwelken, wird es gerne mal dramatisch. Gerhard Schröder hat nach seiner Abwahl herumgemotzt, Lothar Matthäus suchte nach immer jüngeren Frauen. Ein Dieter Bohlen ist (noch) anders. Er kämpft um seinen Ruhm. Notfalls gegen ein ganzes Land.

“Das klang wirklich wie ein offenes Raucherbein.” Wer so über andere herzieht, sollte ein bisschen Spott aushalten. Zum Beispiel eine ironische Zigarettenwerbung. Aber es läuft nicht mehr für den Dieter. Mit ihm als Oberjuror wäre früher jeder noch so sinnlose Wettbewerb zum Publikumserfolg geworden. Und was hat dieser Mann nicht alles gecastet? Sänger, biegsame Akrobaten, Schwertschlucker, besoffene Frauen, Panflötenspieler, tanzende Hunde und vieles mehr.

Jetzt aber schafft die neunte Staffel seiner Show mit den Superbubis nicht einmal mehr fünf Millionen Zuschauer. Weil offenbar der letzte Träumer bemerkt hat, dass hier niemals eine echte Karriere beginnen wird.

Die Spannung ist raus. Doch das Finale steht an. Was also tun? Logisch: Es braucht einen großen, aufsehenerregenden Skandal. Denn ein Titan macht keine Scherzchen.

Also zieht er gegen Deutschland vor den Europäischen Menschengerichtshof. Weil der Bundesgerichtshof die Spott-Werbung erlaubt hat. Die Beschwerden liegen schon seit 2009 beim Gericht. Aber es ist eben das wenig gefragte Finale. Welch Zufall, dass “Bild” gerade jetzt ganz groß berichtet.

Vielleicht bringt das nochmal eine Million Zuschauer, aber auf langer Sicht wird es nicht helfen. Dieter Bohlen wird, wie vor ihm Thomas Gottschalk oder Harald Schmidt, in den Ruhestand verschwinden. Und wenn er dann in einer Oldie-Show auftreten darf, wird ein Jung-Juror mit Dieters Worten vielleicht dieses sagen: “Wenn ich Auto fahre, und dich im Radio höre, da würde ich doch sofort bremsen und gucken, ob ich ‘ne Katze überfahrn habe.” Wie treffend.

März 13th, 2012

Dieter Bohlen, Retter der Sangesknaben

Sucht man nach Beweisen für die Gnadenlosigkeit unserer Gesellschaft, müssen wir in Bayern nicht weit schauen. Es sind unsere Schulen. Nirgends in der Republik bleiben so viele Kinder sitzen wie im Freistaat. Und nur ein Mann kann den Opfern dieses Systems Hoffnung machen: Dieter Bohlen, von Beruf Pop-Titan.

Das Ergebnis einer Bildungsstudie im Auftrag der einflussreichen Bertelsmann-Stiftung sieht für Bayern so aus: In keinem anderen Bundesland schaf­fen weniger Schüler das Abitur. Und nirgends sonst entscheidet die Herkunft stärker über die Schulkarriere als im Freistaat uns. Das sei schlecht, sagen die Bildungsforscher.

Leute, warum so wehleidig?  Nach der festen Überzeugung der einflussreichsten CSU-Politiker(innen) wird das bayerische Abitur in mindestens 178 Staaten der Welt als wahrhaftige Krone des deutschen Bildungswesens bewundert und respektiert. Unser Rohstoff ist wahrhaftiger weiß-blauer Geist. Wer dagegen nur Stroh im Kopf hat, taugt eben nur als Knecht. Das ist eine Wahrheit.

Die andere Wahrheit ist, dass Mädchen in ganz Deutschland fleißiger und klüger sind. Sie räumen in den Schulen ab. Sie hängen die Jungs ab, so dass diese im Vergleich immer blasser wirken. Aufzuhalten ist diese Entwicklung nicht mehr.

Nur eine Institution stemmt sich seit Jahren erfolgreich gegen diesen Trend: Die RTL-Castingshow “Deutschland sucht den Superstar”. Hier werden alle Erkenntnisse der Bildungsforschung auf den Kopf gestellt. Mädchen, und seien sie noch so talentiert, will das Publikum nicht sehen. Das Herz des Publikums gehört Sangesbuben in lustigen Gewändern.

Die rettende Botschaft für männliche Schulversager lautet also: “Singt, wenn Ihr sonst nichts könnt”. Das hilft vielleicht sogar im gnadenlosen Freistaat Bayern.

 

 

Mai 10th, 2011

Die Ursuppe der Casting-Stars

Ja, ich gebe es zu: In meiner jüngsten Helden-Umschau habe ich Deutschlands neuen Superstar Pietro Lombardi ausgespart. Das war ein Fehler, denn Casting-Stars wie der schnoddrige Italiener sind sozusagen das Gebot der Stunde. Wie aber kommt es, dass es immer mehr Berühmtheiten dieser Kategorie gibt?

Ich meine, dass das der Europäische Menschenrechtsgerichtshof zu verantworten hat. Dieser hat in seiner Rechtsprechung zu den Paparazzi-Attacken auf Caroline von Monaco (von Hannover) der Berichterstattung über Promis relativ enge Fesseln angelegt. Medien müssen sich sich zurückhalten. Sie müssen Juristen fragen, bevor sie fotografieren oder schreiben lassen. Weil es sonst teuer werden kann.

Also erschaffen sich die Medien ihre eigenen harmlosen Helden. Wer sich in die Fänge von DSDS, Dschungelcamp oder Supertalent begibt, unterschreibt auch, dass er seine Privatsphäre mitvermarkten oder sich vom Produktionsteam einen neuen Lebenslauf zuteilen lässt. Nun mag schwer sein, eine 18-jährige Nachwuchssängerin zur spannenden Persönlichkeit zu stylisieren. Aber wo ein Wille ist…

Castingstars sind für die TV-Sender und ihr Haupt-Vermarktungsorgan “Bild” auch deshalb interessant, weil sie schnell wieder verschwinden. Die DSDS-Gewinner der letzten Jahre kennt noch kaum jemand, die alten Let’s-Dance-Götter eh nicht. Und am kommenden Samstagabend wird zu erleben sein, wie ein Popsternchen namens Lena nach einem guten Jahr seiner Existenz verglüht.

In der Politik hat dieses Verfahren – nachhaltige Spannung durch mediale Todesfälle – bislang erst bei Karl Theodor zu Guttenberg überzeugend funktioniert. Weshalb es zunächst hierbei bleibt: Erst wenn das letzte Talent super ist, der letzte König seinen Dschungel verlässt, erst wenn die letzte Frau getauscht ist und der letzte Bauer seine Frau gefunden hat, werdet Ihr feststellen, dass Fernsehen manchmal ganz schön scheiße ist.

März 24th, 2011

Einfach mal abschalten – auch auf dem Sofa

“Wer lächelt statt zu toben, ist immer der Stärkere.” Sicher, es ist nicht leicht in diesen Tagen, nicht aufgeregt oder nicht empört zu sein. Aber niemand wird einen Zustand der chronischen Wut schadlos überstehen. Also sollte man mal Gas wegnehmen und sich entspannen.

Glaubt man den Psycho-Experten der Frauenzeitschriften, so ist dieser Zustand ohnehin dem wahren Glück am nächsten. Aber wie kommt man hin? Im Auftrag der “Apotheken Umschau” wurde dies in einer Umfrage untersucht. Und siehe da: Knapp  drei Viertel, nämlich 73,3 Prozent nanntzen Fernsehen als Mittel zur Entspannung.

Wie bitte?

März 11th, 2011

Japan zeigt: Unsere Probleme hätten andere gern

Die wahnsinnigen Ereignisse nach dem Erdbeben im Japan machen es wieder einmal deutlich: Alles in allem gesehen geht es uns gut. Sehr gut sogar.

Nehmen wir doch mal drängende Fragen dieser Tage: Gehört der Islam zu Deutschland oder nicht? Ist eine klitzekleine Steuersenkung vielleicht doch möglich? Dürfen, was CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär heftig kritisiert, Germany`s Next Top Models in einer Kirche Brautkleider vorführen? Und kann es gutgehen, dass bei DSDS Nina Richel durch Sarah Engels ersetzt wird?

Unsere Richter-Skala der überflüssigen und belanglosen Themen ist nach unten offen, während es in Japan viele Erdbeben- und Tsunamiopfer gibt und sogar eine atomare Katastrophe droht. Und während der irre libysche Diktator nahezu ungestört seine Gegner beschießen lässt. Was er die nächsten Tage sogar wieder besser kann, weil es seit heute ein anderes großes Thema gibt.

Logisch. Es überfordert uns, für das komplette Weltgeschehen Interesse oder echte Gefühle für Opfer von Katastrophen zu entwickeln. Kein Mensch will und kann Tag und Nacht nur die ganz großen Probleme lösen. Wir brauchen auch das Einfache, das Triviale, um uns gut zu fühlen.

Also mag es unglaubwürdig sein, heute von Trauer oder “tiefer Betroffenheit” zu reden. Aber wir könnten innehalten und unsere eigenen Probleme gelassener betrachten. Der Sarkasmusgenerator in meinem Gehirn jedenfalls hat gerade Sendepause. Und das ist auch gut so.

März 5th, 2011

Babynamen 2010: Stillstand statt Pfefferminza

Alarm, Alarm! Diese Republik stagniert. Ablesen lässt sich das aktuell an der von der  Gesellschaft für deutsche Sprache herausgegebenen Rangliste der beliebtesten Vornamen für Neugeborene. Die Favoriten sind schon seit Jahren die gleichen. Was ist bloß los? Wo bleibt die Innovationskraft in diesem Land der Dichter, Denker und Weltmarktführer?

So hat ein Standesamt den Wunschnamen Pfefferminza abgelehnt. Gut, die dazugehörigen Eltern haben einen Sprung in der Schüssel. Aber: Es ist ein Name aus der Weltliteratur, nämlich einer der fünf Vornamen von Pippi Langstrumpf. Nicht genehmigt wurden auch Gihanna und Menez. Obwohl das verdächtig nach DSDS-Kandidaten klingt.

Februar 27th, 2011

DSDS: Das Volk will keine “Superstarin”

Es gibt wahrlich gute Gründe, die alljährliche Suche nach Deutschlands neuem Superstar doof, schlecht, abschaltungs- oder gar verabscheuungswürdig zu finden. Aber diese Sendung erzählt uns viel etwas über unsere Gesellschaft. Nämlich dieses: Der Sozialismus mag irgendwann zurückkehren. Doch der Feminismus siegt nie.

So zeigte die erste RTL-”Mottoshow”, dass eine seit langem bekannte Grundregel der Politik unverändert gilt: Frauen wählen keine Frauen.

Januar 13th, 2011

Das Grauen im Fernsehdschungel

Jeder kennt den Spruch “Das Grauen hat viele Gesichter”. Seit 14. Januar hat es genau elf Gesichter. Dann startet die neue Staffel des RTL-Dschungelcamps. Der australische Dauerregen der letzten Zeit  hat nichts genutzt. Diese Sendung läuft. Marcel Reich-Ranicki wurde nicht gehört.

Wenngleich man Machwerke wie das Dschungelcamp mit Missachtung strafen möchte, kommt man daran nicht ganz vorbei. Denn es sagt viel über diese Gesellschaft aus.

Mai 18th, 2010

Lifestyle: Abschieds-SMS mit Tränen in den Augen

Die ehemalige Bohlen-Freundin Nadja Abdel Farrag, allgemein besser bekannt als “Naddel”, hat vor neun Jahren einen Trend gesetzt: Sie hat sich von Schlagerproduzent Ralph Siegel per SMS getrennt. Die Öffentlichkeit war schockiert.

Nicht, dass man die arabische Party-Tussi nicht verstanden hätte. So konnte sich TV-Fiesling Harald Schmidt die Beziehung der damals noch jungen Frau zum älteren Herren nur so erklären, “dass da doch der Ekel über die Gier gesiegt hat.” Irritiert hat damals die stillose Art, Schluss zu machen.

Aber während Naddel inzwischen derart durchgeknallt ist, dass sie trotz einer eher bulimischen Figur Fettabsaugungen plant, ist die finale elektronische Mitteilung längst zur Normalität. Angeblich haben drei Millionen Deutsche schon einmal per E-Mail oder SMS Schluss gemacht. Gemäß einer Forsa-Umfrage, über die die Nürnberger Nachrichten heute berichtet haben, be­enden meist jüngere Menschen eine Beziehung mit einer elektronischen Mitteilung. Jeder Siebte zwischen 14 und 19 Jahren hat sich demnach schon einmal auf diese Weise von seinem Partner getrennt.

Ist doch auch klar. Wir leben in einer Zeit, in der es schnell gehen muss. Und: Wir kennen alle unsere Probleme aus den Doku-Soaps dieser Welt. Eine Scheidung ist dort nach maximal drei Folgen erledigt. Das ist die Vorgabe – warum also irgendwelches Palaver.

Es reicht doch “(-.-) ´’`\_(ò_Ó)_/´’` (^_^)/” (q_q)” – was in etwa “finde Dich doof, alter Zombie. Winke mit Tränen in den Augen” heißen dürfte.

So genau weiß ich es aber nicht. Ich gehöre noch einer Generation an, die Beziehungen – wenn schon – mit einem persönlichen Gespräch beendet. Ob das wegen etwaiger explosiver Emotionen gesünder ist, sei dahingestellt. Aber vielleicht halten Partnerschaften mit Reden am Ende länger, als man selbst gedacht hat.

April 17th, 2010

DSDS-Mehrzad: Der Feminismus lebt doch noch

Merzad (li.) und Menowin mit Papa Bohlen.

Mehrzad (li.) und Menowin mit Papa Bohlen.

DSDS 2010 sei eine Pleite für den Feminismus hatte ich kürzlich in diesem Beitrag

geschrieben. Es gab daran Zweifel, und nach dem Sieg von Mehrzad Marashi sieht es so aus,als seien diese berechtigt gewesen. Das Schlimmste wurde vermieden.

Schließlich sind es junge Frauen, die mit ihren superschnellen SMS-Daumen für die Entscheidung gesorgt haben. Sie hatten die Wahl zwischen einem soften Typen, dem Frau und Familie viel bedeuten. Und der als dunklen Fleck in seiner Biographie nur einen verlorenen Führerschein herzeigen kann.

Auf der anderen Seite einer, den manche Medien bei anderer Gelegenheit als jugendlichen Intensiv-Straftäter führen würden. Einer, der selbst nach einer sanften Nummer wie ein hochexplosives Aggressionsbündel auf der Bühne steht. Dessen Blick nach der Entscheidung schlichtweg furchterregend war. Das also soll er sein, der Mann, den junge Frauen wünschen. Kann das wirklich sein?

Selbst die “Bild”-Zeitung flehte gestern geradezu, den “mächtigen Sieger” (so die Übersetzung des althochdeutschen Wortes Menowin) nicht zu wählen. Und wurde erhört. Vielleicht könnte Mehrzad zu den Lesern meines Blogs gehört. Die haben nämlich via Abstimmung

entschieden, dass “Erdbeerpfötchen” ein sinnlicher Kosename ist. 44 Prozent waren dieser Meinung. “Abendstern” kam auf 28 Prozent, “Sinuskürvchen” auf  18 Prozent. Es ist vorstellbar, dass der neue Superstar in seiner Beziehung einen dieser Namen verwendet. Wäre es Menowin geworden, hätte ich neu über die die Liebkosung “Schlampe” abstimmen lassen müssen.

Wie gesagt: Das Schlimmste wurde vermieden.

März 1st, 2010

Im Ring der Wiederkehr: DSDS und die Politik

Gesanglich der Einäugige unter den Blinden: Mehrzad Marashi.

Gesanglich der Einäugige unter den Blinden: Mehrzad Marashi.

Es war der geniale, letzten Endes aber ziemlich irre Philosoph Friedrich Nietzsche, der die Menschen im „Ring der ewigen Wiederkehr“ gefangen. Populärwissenschaftlich wurde dieser Stoff im Hollywood-Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ verarbeitet. Es gibt aber mindestens zwei weitere Institutionen, die uns das immer Gleiche als immer Neues präsentiert: Der Fernsehsender RTL und die Bundesregierung.

Als unser dicker Bundeskanzler Helmut Kohl Anfang der 80-er Jahre die „geistig-moralische Wende“ ausrief, hatten wir Fernsehzuschauer ganz andere Erwartungen. Hier waren die öffentlich-rechtlichen Sender mit ihren ständigen Wiederholungen alter Filme. Dort die privaten TV-Pioniere, die uns tagtäglich neue Überraschungen bieten würden. Das ist vorbei: Zu Tages- und Sportschau gesellten sich beim ZDF „Wetten, dass…“ und bei RTL „Wer wird Millionär?“ als ständige Neuauflagen des immer Gleichen. Bei diesen Angeboten geht das aber noch. Schlimm wird es allerdings, wenn Machwerke wie „Deutschland sucht den Superstar“ zu Konstanten des kollektiven Daseins werden.

Das Problem ist nämlich, dass diese alljährliche Wiederkehr nicht rund, sondern spiralförmig verläuft. Die Qualität, gemessen am Radius der Umdrehungen, wird immer kleiner. Die Geschwindigkeit, mit der junge Menschen vom Ruhm ins Vergessen geschleudert werden, steigt. Die Qualität nimmt Jahr für Jahr ab.

So ist es doch im Jahr 2010. Diese angebliche Mega-Show mutiert erreicht nach und nach das Niveau einer Agrardisco-Karaokeparty. Niemand bleibt vor allem deshalb drin, weil er/sie gut ist. Sondern deshalb, weil es noch schlechtere Bewerber(innen) gibt.

Und damit ist die Parallele zur aktuellen Politik da: Steuersünder, Steuersenkung, Hartz IV, Kopfpauschale, Afghanistan – die Diskussionen drehen sich im Kreis, der Regierung gelingt scheinbar immer weniger. Nach jeder neuen Debattenrunde ist das Bild diffuser anstatt klarer. Viele Wähler(innen) sind schon froh, wenn sie für sich das kleinere Übel finden.

Dumm ist nur eines: Beim Karoke kann sich jeder selbst blamieren, wann immer er will. In die Politik geht es nur nach Wahlen, so alle vier bis sechs Jahre.

Februar 14th, 2010

DSDS 2010: Eine Pleite für den Feminismus

Die Fernsehkritik ist eigentlich nicht mein Feld. Aber beim Zappen in die erste Entscheidungsshow von „Deutschland sucht den Superstar“ wurde mir klar: Der Feminismus hat nicht gesiegt. Das muss einfach raus.

Anders ist kaum zu erklären, dass eine im allgemeinen Personalwesen gängige Formulierung bei der Publikumswahl der zehn Finalisten völlig negiert wurde. „Bei gleicher Qualifikation werden Frauen bevorzugt eingestellt“ heißt es in Stellenanzeigen. „Bei gleich schwacher Gesangsleistung wählen wir Männer“, meinten die Menschen an den Telefon-Endgeräten.

Und was dann aufgeführt wurde, müsste frauenbewegte Menschen schlichtweg entsetzt haben. Männliche Sieger, die nach Bekanntgabe ihres Erfolgs wilde Initiationsrituale aufführten – und mittendrin zunächst nur ein kleines Mäuschen in lila Leggings, die nach eigenen Angaben ihr Geld fast komplett für Kosmetik ausgibt. In einem Gnadenakt des Publikums durften noch zwei weitere Mädels antreten. Sie passten, vor allem Blondine Steffi mit den engen Ledershorts, ins Raster von Dieter Bohlen: „Wir hatten noch nie so geile Weiber wie dieses Mal.“

Zupackende Jungs und ein paar Tussis – so geht`s bei DSDS weiter. Ach so, falls jemand nach dem Gesang fragt: Es ist ziemlich unerklärlich, dass unter angeblich mehreren zehntausend gecasteten Kandidatinnen und Kandidaten keine größeren Talente zu finden waren. Wer ein empfindliches Gehör hat, sollten mindestens bis zum Halbfinale an DSDS  vorbeizappen.

April 29th, 2009

DSDS – diese Scheibe ist der Ursprung

Bei “Deutschland sucht den Superstar” geht es gerade darum, welchen der drei Kandidaten am schnellsten wieder in der Versenkung verschwindet.

Aber die Frage ist doch: Wo kommt es her, dieses Spiel mit den Karriereträumen der vom eigenen Talent manchmal völlig zu Unrecht überzeugten jungen Menschen? Ich habe den DSDS-Urknall gefunden, mit einem Video aus dem Jahr 1975:

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Sie glauben das nicht? Dann gucken sie hier (entlarvend ist vor allem die Choreographie in der Schlussphase):

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April 13th, 2009

Ewiges Leben? Besser nicht.

Erstmal Glückwunsch, Jesus! Du hast es geschafft. Aufgefahren gen Himmel, beschenkt mit dem ewigen Leben. So toll ist das, dass unser Papst in 63 Sprachen spricht. Aber jetzt mal nachgedacht. Wollen wir sie überhaupt, die Unsterblichkeit?

Einerseits pflegen wir diese Perspektive. Andererseits stellen wir uns so ein körperloses Dasein langweilig vor. Wie wir zu wissen glauben, verbringt Jesus seine Ewigkeit sitzend zur Rechten Gottes. Sollte er da, weil ja als Mensch geboren, manchmal nicht anders können, als uns eine Finanzkrise zu schicken – wer wollte es ihm verdenken? Wer beim Casting von Petrus gut abschneidet, hat die Chance, zum Engel zu werden. Ewiges frohlocken kann aber, wie uns die Geschichte vom “Münchner im Himmel” lehrt, auch ziemlich nervtötend sein.

Die Masse der Deutschen hat das erkannt. Jedenfalls haben jüngst bei einer repräsentativen Umfrage nur zehn Prozent der Befragten erklärt, dass sie sich das ewige Leben wünschen. So alt wie Moses, nämlich 120 Jahren möchten knapp acht Prozent werden. 56 Prozent wären mit 90 Jahren Lebensdauer zufrieden, ein knappes Sechstel käme sogar mit nur 70 Jahren aus.

Wieder andere sitzen mit einer derartigen Ausdauer vor der Glotze, dass auch 40 Jahre reichen würden. Zugegeben hat das aber keiner. Je älter der Mensch wird, desto mehr sinkt der Wunsch auf eine Lebenszeit ohne Limit. Und das ist logisch. Denn wer will schon mit Rückenschmerzen, Gicht und Arthrose unaufhörlich existieren?

Es ist ja sowieso die große Frage, wie das gehen sollte mit dem ewigen Leben. Wie man das implementieren könnte. Da gäbe es Lösung A, das ewige Leben nach dem Gießkannenprinzip. Jeder Mensch weltweit würde in einem bestimmten Moment unsterblich. Unerträglich, und ungerecht wäre das. Denn dieses Verfahren könnte ohne flankierendes Alterungs- und Fortpflanzungsverbot nicht funktionieren. Johannes Heesters hätte es blöd erwischt. Er bliebe immer 104. Jedes Baby aber auch. Es müsste ewig in die Windeln kacken.

Also Lösung B, die allgemeine Total-Verlangsamung? Wir erlebten dann Elternproteste wegen des übertriebenen G 888, der 100-Meter-Weltrekord würde von einem gedopten Vielleicht-Sterblichen auf 2 Stunden und vier Sekunden verbessert, Ferraris würden in 50 Minuten von Null auf Hundert beschleunigen, die Pubertät würde (was angeblich bei manchen Männern schon heute sfunktioniert) 40 Jahre dauern undsoweiter. Altern würden wir trotzdem. Eine Schwangerschaft würde fünf Jahre dauern, die von Regierungs-Entscheidung zur Rente mit 155 ausgelöste Revolution würde dazu führen, dass die Masse der Unsterblichen häßliche Narben herumtragen würde.

So ist das auch nichts. Also die Unsterblichkeit auf freiwilliger Basis? Das Ewigkeits-Lotto für einige wenige? Nein, es ist zutiefst gerecht, dass wir alle sterben müssen. Auch wenn es viele Menschen zum völlig falschen Zeitpunkt trifft. Wie unser Schlagersternchen Vanessa Neigert, das bei DSDS jäh ausgeschieden ist. Immerhin, hier ist Trost, hier ist ein Leben nach dem Tod ganz sicher. Ansonsten stimmt wahrscheinlich dieses: Sterben ist immer schlimm, tot sein tut nicht weh.

April 6th, 2009

Such, such – Lierhaus, Klum und DSDS

Die tödliche Casting-Frau Heidi Klum.

Total gefragt im Web: Die tödliche Casting-Frau Heidi Klum.

Was bewegt die Menschen wirklich? Nun, der Zeitgeist weht am heftigsten im Internet. Und das Schöne ist, dass man die Nachfrage nach Themen kontrollieren kann. Weil Klicks leicht zu zählen sind. Die wahren Bedürfnisse der Menschen erkennt man jedoch bei den Suchmaschinen. Was dort eingegeben wird, wird dringendst gebraucht.

Yahoo hat jetzt seine Knüller-Begriffe des zurückliegenden Quartals veröffentlicht. Demnach darf man davon ausgehen, dass Politik die Internet-Gemeinde nur dann interessiert, wenn es darum geht, wie man für Schrott einen Haufen Geld bekommt. Das Stichwort “Abwrackprämie” landete im Januar auf Platz vier, die für die Abwicklung zuständige Behörde “Bafa” im Februar auf Platz Fünf.

Es heißt ja immer, dass nichts den männlichen Teil der Menschheit mehr fasziniert, als die Kombination “Der Tod und die Frau”. Stimmt: ”Monica Lierhaus”, also der Name der ganz böse erkrankten Sportmoderatorin, war im Januar bei “Yahoo” der häufigste Suchbegriff. Heidi Klum rangierte im Februar auf Platz zwei, die Show mit ihren im Wochentakt dahinscheidenden Möchtegern-Top-Models landete auf dem vierten Rang. Die neuerdings wohl ruinierte Ex-Werbe-Ikone Verona Pooth und die gestorbene britische Big-Brother-Kandidatin Jade Goodey wurden im März am dritt- und viertmeisten gesucht.

Ebenfalls hoch im Kurs stand mit Platz zwei im Januar das “Dschungelcamp”. Passt ins Bild, ist es doch die Fernsehshow der todgeweihten Abgewrackten. Und auch DSDS, Sieger-Suchwort im März, dreht sich bis zum Finale vor allem um die Frage, wer auf dem Weg zum Superstar vom Publikum gekillt wird. Welche Karriere einen jähen Tod findet.

Wie aber passt das Yahoo-Sieger-Stichwort des Monats Februar, nämlich “Valentinstag”, in diese Reihe? Ganz hervorragend. Denn der männliche Teil der Menschheit weiß genau: Wer diesen Tag vergisst und keine Geschenkidee hat, ist für seine Frau irgendwann gestorben.