Das unfassbare Sieben-Milliarden-Kind

Ja, ich hab’s kapiert. Ein erheblicher Teil unsere Daseins besteht daraus, dass uns jemand verarscht. Mal übel, mal nett. Jetzt waren es die Vereinten Nationen, die uns mitgeteilt haben, dass ein neugeborenes Mädchen namens Danica aus Manila der siebenmilliardste Mensch auf unserem Planeten sein soll. Das ist doch Krampf.

Mit dieser Botschaft begibt sich der gewiss seriöse UN-Generalsekretär Ban Ki Moon auf das Niveau der Leiters eines Provinz-Supermarktes, der sich korrekt gescheitelt, mit Anzug und Krawatte, einem lapprigen Blumenstrauß und seiner hübschesten Verkäuferin vor den Laden stellt, um der angeblich 10.000. Kundin ein ausgefülltes Rabattmarken-Heft ins Konsumentenhändchen zu drücken.

Weil die Volkszählung schon lange her ist, wissen wir doch nicht mal genau, wie viele Menschen in Deutschland leben. Woher also will die Uno wissen, wie viele Leute tatsächlich in einer ostasiatischen Mega-City unter den Brücken schlafen? Und woher wollen die Statistiker wissen, dass es 1804 die erste, 1927 die zweite, 1960 die dritte und jetzt die siebte Milliarde Mensch gegeben hat?

Schon klar. Hier geht es nicht um exakte Daten, sondern um das große Ganze. Und da muss ich zugeben, dass ich mir eine Milliarde Menschen ähnlich schlecht vorstellen kann, wie die 55,5 Milliarden Euro, die bei Hypo Real Estate völlig überraschend nicht verschwunden ist. Ich kann mir überlegen, dass diese Menschen, sauber aufeinandergestellt, ungefähr die halbe Strecke bis zum Mars ausmachen.

Ich kann es auch mit meiner engen fränkischen Sicht versuchen und diese Zahl auf Nürnberg übertragen. Eine Milliarde Menschen sind die 2000-fache Einwohnerzahl von Nürnberg. Um sie zu versorgen, bräuchte es also 6000 U-Bahn-Linien, 2000 Opernhäuser, zirka 50000 Brezen- und 800000 Dönerbuden. Unsere Standesämter müssten 4,4 Millionen Paare trauen, Krematorien und Friedhöfe müssten jedes Jahr 10,7 Millionen Leichen bestatten, durch den Tiergarten würden sich 118 Millionen Besucher drängen. Und, und, und…

Ich gebe zu, dass mich solche Zahlen beunruhigen. Einerseits. Und traurig machen. Andererseits.

Denn wieder einmal frage ich mich: Warum bin ich Journalist geworden? Und nicht doch der Weltmarktführer für Babyschnuller? Was wär das doch für ein Markt.