Schwere Zeiten für uns Philosophen

Ich bin enttäuscht! Jawohl! Nein, nicht über Philipp Rösler, den thüringischen Verfassungsschutz oder über Mark van Bommel. Ich bin enttäuscht über unsere Philosophen. Es gäbe gerade in dieser Zeit so viel zu erklären. Aber weitgehend herrscht Schweigen im Walde. Zum Tag der Philosophie frage ich: Wo seid Ihr, Ihr großen Denker?

Ich gebe zu, früher war es einfacher. Vor der Antike hatten die Menschen vor allem damit zu tun, sich und ihre Kinder zu ernähren. Die Lebenserwartung war gering – da blieb nicht viel Zeit zum Grübeln. Die alten Griechen hatten viel Sonne, vor allem auch reichlich Wein, Aussagen zum Leben als solchem waren ohne Plagiatsverdacht in ihrer ganzen Breite möglich. Die Frauen kochten, die Männer dachten nach. Sofern sie Frauen mochten.

Nehmen wir Diogenes. Von ihm stammen wahrhaft große Erkenntnisse. „Tote heilen und Greise ermahnen ist dasselbe“ zum Beispiel. Oder: „An seinen Feinden rächt man sich am besten dadurch, dass man besser wird als sie.“ Aber auch der für Midlife-Marathonläufer geeignete Hinweis „Sport ist von Nutzen, bis deine Wangen sich röten. Danach ist er schädlich und zerstört den Verstand.“ Nicht schlecht, alter Saufkopf.

Aber dass er sich mit einem Satz wie „Geh mir aus der Sonne, Fremder“ einen festen Platz in der ewigen Denker-Hitparade gesichert hat, ist ein Witz. Oder glaubt jemand, dass sich die Menschheit in 200 Jahren seelisch an Zitaten wie „Hau ab, du Depp“ oder „Ey, ich weiß wo du wohnst“ labt?

Wenn das also schon gereicht hat, ist klar, dass Philosophen heute kaum noch etwas Neues sagen können. Und die Themen passen ja auch nicht mehr. Denker sollen die Welt erklären. Aber wie macht man das, wenn es um Derivate, Wetten auf Staatsanleihen oder Ratingagenturen geht? Wie lässt es sich begründen, dass Menschen davon leben, Bauer sucht Frau zu erfinden? Wer sagt uns, wie es zu Motsi Mabuse kommen konnte? Und warum Menschen vor dem Fernsehgerät sitzen, wenn einem 16-jährigen Rauhaardackel auf Vox ein Darmtumor minimalinvasiv entfernt wird?

Ich weiß es nicht. Ich kümmere mich meine persönliche Müllphilosophie. Das kann ich: Aludeckel in den gelben Sack, Kaffeesatz in die Biotonne, zu eng gewordene Hosen in die Altkleidersammlung, alte Wurst in den Restmüll, Batterien in…. Batterien? Wohin bloß mit den Batterien? Danke, danke. Es gibt doch noch große Fragen des Daseins.