Das E-Auto ist böse, sehr böse

Wohin wir auch fahren, es ist Gift in der Welt. Einige Wochen lang schien es, als dass die deutsche Autoindustrie einem Orkan des Wandels ausgesetzt sei, nach dessen Wüten sie nicht mehr wiederzuerkennen wäre. Umwelt-Käfer statt Diesel-Schrott war die neue Devise, es schien nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis sich Automanager im Schafwollpullover auf ihrer Hauptversammlung zeigten.  Grün, grün, vor allem aber elektrisch sollte unser Individualverkehr in Zukunft rollen.

Und das haben wir geglaubt? Wir haben wirklich gemeint, dass die Leitenden Angestellten unserer Autoindustrie angesichts ihrer Abgas-Betrügereien und ihrer Trägheit im Denken Demut empfinden? Naivität muss wohl ein kollektives Problem sein, denn ansonsten hätten wir uns denken können, dass sich die Mobilitätskonzerne nicht so einfach abwatschen lassen. Uns hätte klar sein müssen, dass sie ihre PR-Abteilungen in Marsch setzen. Mit dem Auftrag, die ertragreichen Verbrennungsmotoren zu retten.

Und da die Öffentlichkeitsarbeit von VW, Audi, Mercedes oder BMW jeweils mehr Menschen beschäftigt als jede Tageszeitungs-Redaktion wirkt das. Schon werden Zweifel an der Elektromobilität gestreut. Das Leitmedium Der Spiegel ist in diesem Sinne gerade groß eingestiegen, andere Medien werden folgen.  Am Ende der Kampagne wird uns allen klar sein: Elektroautos haben keinen Auspuff, aber umweltfreundlicher sind sie deshalb noch lange nicht.

Die Politik hat auch keine Lust, mit der Autolobby zu streiten. Also formt Angela Merkel im Wahlkampf die Erneuerbare-Energien-Raute, verändert aber nichts. Ein Beispiel: Möchte der Bewohner eines Mehrfamilienhauses an seinem Pkw-Stellplatz auf eigene Kosten eine Ladestation einrichten, braucht er die 100-prozentige Zustimmung der Eigentümergemeinschaft. Sonst verbietet es das Baurecht.

Firmen, die E-Mobilität fördern wollen, haben ein steuerrechtliches Problem: Das Abgeben von kostenlosem Strom ist nur dann kein geldwerter Vorteil, also nur dann nicht zu versteuern, wenn die Fahrzeuge langsamer als 25 km/h sind. Das gilt nur für wenige E-Bikes. Und weil das Unternehmen langsame und schnellere Fahrräder identifizieren und registrieren müsste, lässt man es lieber.

Politik könnte solche Hürden beseitigen. Aber sie tut es nicht. Und warum? Weil sie weiß, was andere gerade erst erfahren: Das E-Auto ist böse, sehr böse.