Amtliche Fake-News stinken extra-übel

Fake-News sind zurzeit das große Thema. Die Welt sei voller populistischer Bösewichte,  die uns mit dem Verbreiten von Lügen manipulieren wollen, heißt es. Zum Glück gibt es Qualitäts-Medien, die Fakten checken und Falsches aussieben. Was aber, wenn angebliche Fakten von Amts wegen gelogen sind? Nennen wir es Diesel.

Es ist noch nicht lange her, da wurde uns dieser Antrieb als umweltfreundlichste Form des Autofahrens präsentiert. Passé waren die dunklen Rußwolken, die uns im Winter rätseln ließen, ob der brave Mann vor uns vielleicht doch Heizöl getankt hat. Dieselmodelle bekamen Namen, die eher nach Ökosiegel als nach Abgas klangen. Und überhaupt: Der Verbrauch sei genial niedrig.

Das galt als nachprüfbare Wahrheit. Es kam ja von oben und zudem von der mutmaßlich besten Autoindustrie der Welt. Die Medien trugen die Botschaft weiter. Im Vertrauen, dass Minister oder Dax-Vorstände keine Gauner seien.

Die Wahrheit ist wohl eine andere. Es darf vermutet werden, dass Experten des Umweltministeriums längst wussten, dass Dieselmotoren keine Umweltengel sein können.  Aber sie saßen am Tisch mit dem Wirtschaftsministerium und Kanzler/-in, der oder die vor der Sitzung den Chef eines Autobauers am Telefon hatte.

Klimawandel  schön und gut. Aber wenn es um Arbeitsplätze und Dividenden. geht, dürfen Mensch und Natur nicht so zimperlich sein. Und die Fakten auch nicht.

Aber die Zeiten haben sich geändert. Kaum ein Tag ohne News,  wonach der Diesel schlimmer sei als jemals gedacht. Alles auf der Grundlage von Tatsachen, versteht sich.

Wir sind erleichtert.  Doch irgendetwas stört: unsere Lebenserfahrung.  Wir wissen ja, dass Industrie und Regierung mit wachsender Verzweiflung versuchen, Elektromobilität populär zu machen. Kann es sein, dass es hilft, wenn Konkurrenztechnik kaputt geredet wird?

 Lassen wir die Frage stehen. Stellen wir aber auch fest: Elektroautos sind nicht emissionsfrei. Wer das behauptet, lügt. Fake-News, nächste Runde?

Politik ist schmutzig – auch beim Dieselauto

Politik ist ein schmutziges Geschäft. Selbst Donald Trump hat dies in seiner ersten Rede nach der Wahl festgestellt. Wir sagen gerne: Dieser Kerl ist ein Lügner. Solche Politiker gibt es bei uns nicht. Wirklich nicht? Dann denken wir mal an Dieselautos.

Seit Umweltproblemen immer offensichtlicher wurden, ist die Autoindustrie immer lebensbewahrender geworden. Zum Teil mit besserer Technik, zum Teil bloß in ihrer Werbung. Als Mitte der 80-er Jahre Katalysatoren auf den Markt kamen und schließlich mit reichlich Steuergeldern gefördert wurden, wurde den Autokäufern das gute Gefühl vermittelt, mit jedem Neuwagen drei Hektar Fichtenwald gerettet zu haben. Autos schienen endlich sauber zu sein. Unser Gewissen war rein.

Schon bald rollte die große Dieselwelle. Diese Motoren verbrauchten weniger Treibstoff, der Staat half mit einer niedrigeren Mineralölsteuer. Auch der Diesel wurde als Öko-Auto propagiert. Die deutschen Hersteller profitierten von diesem Image-Gewinn ganz besonders, denn die Konkurrenz aus Fernost war bei dieser Technik im Hintertreffen.

Inzwischen wissen wir: Die Firmenangaben hinsichtlich der Abgaswerte sind gelogen, selbst aus dem Auspuff eines Drei-Liter-Autos kommt reichlich giftiges Zeug. Speziell Feinstaub ist aus Diesel gemacht.

Wir wurden also schmutzig belogen. Was in einer Nation von Autofahrern Groll verursacht, und uns schwer glauben lässt, dass mit Kohlestrom betriebene Elektroautos abgasfrei fahren sollen.

Aber so ist das eben. Politik dient nicht allein der Wahrheit. Sie dient der Wirtschaft, den Arbeitsplätzen, dem Export. Und flunkert deshalb, lügt oder verschweigt, was nicht zu diesen Zielen passt.

Jedoch, ist das ein Skandal? Sicherlich. Andererseits hat der Bürger, der mündig sein will, die Pflicht, selbst nach der Wahrheit zu suchen. Wir haben nicht den Himmel oder die Hölle auf Erden, wir haben die Erde auf Erden. Sie hat schmutzige Ecken, aber wir können sie säubern, wenn wir falschen Propheten nicht vertrauen.

Es kann besser oder sogar gut werden. Aber es liegt sehr an uns.

 

 

VW-Affäre: Auch Herbie hat gestunken

Wer erinnert sich noch an Herbie? An diese sympathische Variante von „Das Auto“? Ein Volkswagen mit Startnummer 53, der seine Besitzer in Kinofilmen ab Ende der 60-er Jahre mit turbulenten Aktionen durch die Gegend kutschierte. Er bot autonomes Fahren mit Knuddelfaktor. Der Käfer war der Mops unter den Autos. Nicht sportlich, sondern ziemlich rund und nicht so wirklich praktisch. Aber treu, nett und lustig. Der ideale Begleiter für die Überquerung der Großglockner-Hochalpenstraße.

Bloß, mit einem solchen Modell war die Zukunft nicht zu gewinnen. Mit dem Golf ging es in die Richtung „nicht schön, aber praktisch“. Weniger Emotion, mehr Verstand, lautete die Devise. Und weil das zum Zeitgeist passte, wurde dieses Modell zur Gewinnmaschine. Das machte es möglich, dass man heute bei einem Autohändler, der früher bloß VW-Händler war, Fahrzeuge von acht Marken bekommst. Vom Kleinstwagen aus tschechischer Produktion, über die Ingolstädter Edel-Limousine bis hin zum Bugatti mit 1001 PS.

Aus diesem gewaltigen Rundum-Sortiment hat sich logisch der Anspruch ergeben, der größte und beste Autobauer der Welt zu sein. Derjenige, der zum Beispiel die von Staaten vorgegebenen Abgas-Grenzen am lockersten einhält.

Wir Konsumenten haben all das gerne geglaubt. Ein VW war Baldrian für’s Umwelt-Gewissen. Wir waren sicher, dass bei einem deutschen Qualitäts-Diesel-Auto schon wegen des geringen Verbrauchs hinten kaum was rauskommt. Stickstoffdioxid im Diesel-Abgas? Erhöhte Lungenkrebsrate entlang unserer Hauptverkehrsstraßen? Nie gehört. Mega-Smog in Peking? Kommt von den offenen Wok-Küchen ohne Dunstabzugshauben.

Verabschieden wird uns doch von unserer Illusion. Autos waren und sind nie so sauber, wie sie hochglanzpoliert auf der IAA stehen. Wirklichen Fortschritt wird es hier nur geben, wenn wir Konsumenten kritischer werden. Vergessen wir nicht: Auch Herbie hat gestunken.

Willkommen zum Benzinwucher-Livestream

Der Pranger war im Mittelalter eine beliebte Erziehungsmaßnahme. Diebe, Ehebrecher und andere Bösewichte wurden auf den Markplatz geschraubt und durften dort begafft, beschimpft und bespuckt werden. Das auf diese Weise geläuterte Opfer war hinterher ein guter Mensch. Wenn es nach dem Bundeskabinett geht, werden demnächst die Mineralölkonzerne als Kleinkriminelle bloßgestellt.
Es gibt es ja drei Dinge, die vom Volk unbedingt gebraucht und deshalb zu Wucherpreisen verkauft werden: Benzin, Diesel und das Sortiment von Apple. Aggressionen löst allerdings nur die Ausbeutung der Autofahrer aus. Weil es sich um stinkendes Zeug handelt, das von hässlichen Widerlingen verkauft wird, die mit ihrer Kundschaft weder Gnade noch Erbarmen kennen.
Das kann die Politik nicht ruhen lassen. Also müssen die Betreiber der 14700 Tankstellen in Deutsch­land künftig bei einer „Markttransparenzstelle“ detailliert melden geben, wann und in welchem Umfang sie die Preise erhöhen oder senken. Die Kundschaft kann im Internet in Echtzeit zuschauen.
Eine famose Idee! Die Preise werden weiter steigen. Weil es auf dieser Welt immer eine Krise gibt. Sei es nun das Auftauchen eines politischen Halbirren in Arabien, sei es die steigende Nachfrage in China oder die sinkende Nachfrage in Portugal. Sei es der Bau einer teuren Pipeline, sei es der Umstand, dass diese Pipeline zwecks Schutz des kaukasischen Wanderhamsters nicht gebaut werden kann. Schließlich wegen der Fünf-Euro-Kräfte, die die neuen Tarife eintippen.
Aber die ganze Welt schaut zu, wenn die Preisschilder ausgetauscht werden. Weshalb sich die Manager der Ölkonzerne in Zukunft richtig schlecht fühlen werden, wenn sie ihren Aktionären Rekorddividenden verkünden. Und weshalb sie die Abrechnungen mit ihrem Millionengehalt nur noch mit allergrößter Verachtung entgegennehmen werden.
„Denen haben wir es aber gezeigt“, werden wir uns freuen. Und vielleicht erreicht die Meldebehörde sogar ihr eigentliches Ziel: Dass Philipp Rösler und seine FDP als Groß-Verbraucherschützer ans rettende Fünf-Prozent-Ufer hüpfen können. Oder mit seinen Worten gesagt: Pack den Laubfrosch in den Tank.

Benzinwucher: Wir wollen Rache!

Haben Sie es auch schon bemerkt? Man geht auf die Straße. Da, plötzlich, hört man diesen leisen Ruf, der überall durch die Lüfte weht: „Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen.“ Und ausgesendet wird er von jenen Menschen, die auf ihr Auto angewiesen sind.

Eine neue Studie hat also ergeben, dass die Mineralölkonzerne die Krisen dieser Welt zum Wucher nutzen. Bei fairer Berechnung könnten nur 60 Prozent der aktuellen Verteuerung begründet werden. Ja, aber was glauben wir denn? Haben wir jemals etwas anderes vermutet? Es ist nicht das vorrangige Ziel kapitalistischer Unternehmen, den Menschen Gutes zu tun. Sondern es geht darum, mit möglichst geringem Aufwand einen möglichst hohen Ertrag zu erzielen.

Und wir senden ja selbst Signale aus, dass wir das hinnehmen. An der Tankstelle, indem wir den billigeren Pflanzenfusel ignorieren. Aber ganz grundsätzlich auch dadurch, dass wir uns in eine Schlange stellen, um ein Apple-Produkt im Wert von 200 € für 500 € kaufen zu dürfen. Das signalisiert: Es ist immer noch genug Geld da, um es zu verprassen. Die Ölgeier glauben das nur zu gerne. Zumal sie ein ziemlich konkurrenzloses Produkt haben.

Wie also reagieren?  Blockieren wir Tankstellen-Zufahrten mit Lichterketten? Besuchen wir die Tankstellen mit einem Fahrradkorso und stoppen den Betrieb, indem wir eine lange Schlange am Luftmessgerät bilden? Stellen wir die Tiger eines Wanderzirkus vor die Tür und fordern frisches E10-Futter?

Reagieren wir darauf, dass die Tankstellen sechs Mal pro Tag den Preis verändern und bleiben demonstrativ so lange an der Zapfsäule stehen, bis der beste Preis angezeigt wird? Ketten wir uns so lange an die Zapfsäulen, bis die Polizei mit Bolzenschneidern kommt?

Alles ist möglich, alles rettet uns nicht wirklich aus unserer Not. Am Ende hilft uns wohl nur das Beispiel der antiken Heldin Lysistrate. Sie hatte eine Sex-Verweigerung der Frauen organisiert. Verabreden also auch wir uns zum Liebesstreik. Solange Wucher herrscht, wird nichts mehr eingeführt. Und wenn es, wie in unserem Fall, die Zapfpistole ist…