Ziel verfehlt – dann läuft die Erbsenzählerei

Je größer das Ziel, desto größer die Fallhöhe. Dieser Satz passt zum gerade durchgeführten Friedensmarsch der Muslime in Köln. 10.000 Teilnehmer*innen hatten die Veranstalter erwartet. Tatsächlich gekommen sind deutlich weniger. 3000 schätzten die Organisatoren, 2000 die Polizei. Eher dreistellig, verkündete die AfD.

Was soll, wem hilft die Erbsenzählerei? Hätte es eine fünfstellige Teilnehmerzahl gegeben, die Freude wäre groß gewesen bei allen, die sich für Toleranz einsetzen. Es hätte für gute Stimmung gesorgt. Es hätte aber sowieso die Zweifel rechter Kreise gegeben. Diese hätten, wie auch jetzt, in Sozialen Netzwerken darüber gelästert, dass auf den Fotos von der Demonstration viele äußerlich nicht-muslimische Menschen zu sehen seien.

Fürs Erste sind die rechten Welterklärer obenauf.  Beatrix von Storch von der AfD postete in Twitter: „Nur wenige hundert Muslime auf Anti-Terror-Demo in Köln? Islam-Terrorismus in Europa. #nichtinmeinemNamen? Also doch in Deinem Namen?“

Ruhig, Braune. Wenigstens zwei Aspekte sollten hinterfragt werden: Hätten Christen oder Atheisten eine Fastenzeit, in der sie bei Tageslicht weder essen noch trinken dürfen – würden sie sich ein paar Stunden lang als Demonstranten auf einen Platz stellen? Und wie kann mit sich gegen etwas bekennen, mit dem man – gerade, weil man friedliebend ist – nicht das Geringste zu tun hat? Wie viele Demonstranten brächten die Botschaften #nichtmeinAbgasbetrug oder #nichtmeinRüstungsexport oder #nichtmeineKillerdrohne auf die Beine? Wann stehen Apple-Nutzer auf einem Marktplatz und wenden sich gegen die Ausbeutung von faktisch versklavten Minenarbeitern im Kongo, die die Rohstoffe für ihre chic gestylten Geräte fördern?

Wir sollten gelassen bleiben, wenn eine geplante Zahl verfehlt wird. Das Grundgesetz kennt keine Pflicht zum Demonstrieren.

Und ganz am Rande: Es gibt bereits Ereignisse, bei denen Christen, Atheisten, Muslime, Buddhisten und andere Seite an Seite marschieren. Für Frieden, Solidarität, gegen Ausbeutung – und das seit 131 Jahren. Es sind die Maikundgebungen der Gewerkschaften. Unsere Erbsenzähler würden staunen.

 

 

Frau Merkel an Volk: „Ich bin wie Ihr!“

Manchmal ist es aufschlussreich, sich zu erinnern. Vor 15 Jahren hatte der von uns als tumber Geselle eingeschätzte US-Präsident Georg W. Bush den Irak-Krieg vom Zaun gebrochen. Die Bundesregierung lehnte eine Beteiligung ab. Was Kanzler Gerhard Schröder dem Volk auf dem Marktplatz von Goslar mitteilte. CDU-Spitzenkandidatin Angela Merkel fand das damals abseitig, unhöflich und schädlich. Man könne so etwas doch nicht auf diese Art sagen.

Heute sind die Vorzeichen anders. Angela Merkel nutzt eine Bierzelt-Rede, um den heutigen US-Präsidenten Donald Trump zum Problembären der Weltpolitik zu erklären. Man könnte fragen: Gehört sich das?

Höflich ist es vielleicht nicht, aber in jeder Hinsicht hilfreich. Die Wahlkämpferin Angela Merkel nutzt, wie ihr Vorgänger, eine Umgebung, in der sie dem Volk nahe ist. Indem sie sich nicht im Kabinett oder in der Bundespressekonferenz äußert, sagt sie: „Seht her, ich bin wie Ihr!“  Die Botschaft wird auf diese Weise stark. Zumal in den USA sowieso viele glauben, dass die Deutschen im Bierzelt hocken, falls sie einmal keine teuren Autos bauen.

Das Volk freut sich: „Die hat es diesem Typen endlich mal gezeigt. Souveräne Frau, unsere Kanzlerin.“ Und das macht unterm Strich: Weniger Stimmen bei der AfD, Unions-Anhänger mit Wohlgefühl und eine Opposition, die sich schwer tut, mit Donald Trump noch viel, viel böser zu sein.

Ach so, man möchte wissen, was Angela Merkel wirklich über ihn denkt. Keine Sorge, das erfahren wir. Nach der Wahl. Falls es diesen Präsidenten dann noch gibt…

 

 

 

Gut, dass es die Franzosen gibt

Und wieder eine Wochenende der Schicksalwahlen: In Schleswig-Holstein geht es um die weiteren Aufstiegschancen von Martin Schulz. In Frankreich darum, ob eine rechtsextreme Kandidatin die Lizenz zum Zerstören der Europäischen Union bekommt. Bleiben wir bei Letzterem. Weil es bedeutender ist.

An dieser Stelle könnte sich Protest regen. Was interessieren uns die Franzosen? Wir sind Exportweltmeister und die klügste und fortschrittlichste Nation überhaupt. Unseretwegen kann jeder die EU verlassen. Dann regeln wir die Dinge – bestmöglich für die Menschen, versteht sich – in eigener Regie.

Einspruch! Das stimmt so nicht. Das Kernland des gesellschaftlichen Fortschritts war Deutschland beileibe nicht immer. So galt bei uns bis zum Jahr 1958 dieser Paragraph des Bürgerlichen Gesetzbuches (alte Schreibweise): „Hat sich die Frau einem Dritten gegenüber zu einer von ihr in Person zu bewirkenden Leistung verpflichtet, so kann der Mann das Rechtsverhältniß ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist kündigen, wenn er auf seinen Antrag von dem Vormundschaftsgerichte dazu ermächtigt worden ist. Das Vormundschaftsgericht hat die Ermächtigung zu ertheilen, wenn sich ergiebt, daß die Thätigkeit der Frau die ehelichen Interessen beeinträchtigt.“ Was bedeutet: Wenn die Frau wegen einer Berufstätigkeit daheim nicht in seinem Sinne funktioniert, kann der Mann ihren Job kündigen.

Noch etwas anderes: Das Recht auf eine gleiche Bezahlung von Mann und Frau für gleiche Arbeit gilt in der EU seit 1977 und ist inzwischen ein Grundrecht. Zu verdanken ist das Frankreich. Dort war das Thema längst Gesetz und die Regierung machte sich Sorgen wegen einer eventuellen Billig-Konkurrenz in anderen Staaten.

Den Franzosen ist auch zu verdanken, dass wir länger Urlaub haben. Bis in die 70-er Jahre waren bei uns drei Wochen Jahresurlaub der Mindestanspruch. Unsere Nachbarn konnten vier Wochen schon seit 1928 nehmen. Dss Urlaub nach längerer Krankheit nicht schon zum 31. März des Folgejahres verfällt, ist eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes, an die sich die EU-Mitgliedsstaaten halten müssen.

Wenn man sieht, wovon unsere deutschen Exportweltmeister-Arbeitgeber so träumen, sollten wir froh sein, dass es europäisches Recht. Und natürlich die renitenten Franzosen, die ihre 35-Stunden-Woche nicht so einfach gegen ein Rund-um-die-Uhr-Jobben hergeben.

Ja, aber was ist mit Martin Schulz? Wenn wir ehrlich sind, war von Anfang an klar, dass es mit ihm – vielleicht mit geänderten Kräfteverhältnissen – in Richtung neue GroKo ginge. Das ist wohl zu schaffen. Der Mann wird auch seine Niederlagen überleben.

Das Glück wohnt hoch im Norden

Was ist Glück? Seit Menschen denken, haben sich Philosophen aller Länder an dieser Frage abgearbeitet. Als sicher darf gelten, dass es sich um etwas Leichtflüchtiges handelt. Oft wird uns unser Glück bewusst, wenn es wieder weg ist. Aber es gibt Aspekte des Lebensgefühls. Sind wir zufrieden?  Bemerken wir auch kleine Freuden? Oder laufen wir generell mit hängenden Mundwinkeln durchs Leben?

Diesen Themen geht der jährlich erscheinende Weltglücksbericht nach. Darin wird untersucht, in welchen Ländern der Erde die glücklichsten Menschen der Welt leben. Und siehe da: Das Glück wohnt im Norden oder in den Bergen. Der neue Wohlfühl-Spitzenreiter heißt Norwegen.

Welche Gründe könnte das haben? Norwegen hat vergleichsweise viel Natur und wenig Menschen, nämlich nur 13 pro Quadratkilometer. Man hat einen Köing und eine eigene Währung. Das gesellschaftliche Klima ist tolerant. Die Norweger sind zu einem erstaunlichen Anteil erfolgreiche Sportler und werden im Schnitt fast 83 Jahre alt. Allerdings wird auch kolportiert, dass sie trotz hoher Preise für Alkohol gerne picheln.

Das Klima ist rauer als in den südlichen Ländern, in denen wir unser Urlaubsglück suchen. Aber das Wetter ist als Glücksfaktor eh nicht so wichtig. Denn Dänemark und Island belegen die Plätze zwei und drei. Gerade Island, diese Insel mit extrem schwefelhaltiger Luft, auf der die Stadtplaner die Interessen der Trolle berücksichtigen müssen. Vielleicht macht Sonnenschein froher, wenn er selten da ist. Platz vier im internationalen Glücks-Ranking belegt die Schweiz. Berge verleihen Flügel.

Uns unser Deutschland? Rangiert auf Platz 16. Der Fußball-Weltmeister erreicht also gerade so das Achtelfinale der Glücks-WM.  Aber warum bloß? Auf eine heiße Spur bringt uns ein Experte des norwegischen Statistikamtes: „In Norwegen und den nordischen Ländern gibt es dazu sehr geringe Einkommensunterschiede. Wir haben wenig Armut und Arbeitslosigkeit.“

Für Deutschland wurde vom zuständigen Ministerium ganz frisch berichtet, dass die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer wird. Und dass zwei von drei großen Vermögen nicht durch ehrliche Arbeit, sondern durch Schenkungen und Erbschaften entstanden sind. Fazit: Geld allein macht nicht glücklich. Aber wenn das Geld gerecht verteilt ist, hilft das auf dem Weg zum Glück durchaus.

Merkel und Trump: Szenen keiner Ehe

Wie riecht Donald Trump? Angela Merkel muss es seit diesem Wochenende wissen. Denn geht es nach den bedeutendsten Politik-Beobachtern dieses Landes, hatte die erste Begegnung der beiden Anführer der westlichen Welt vor allem diesen Zweck: Man sollte sich beschnuppern.

Was gar nicht so einfach war. Beim offiziellen Fototermin standen die Sessel weit auseinander, zu erleben war eine Szene, wie man sie aus sehr langjährigen Beziehungen kennt. Unsere Mutti amüsierte sich dezent über den grantigen alten Mann neben ihr, zeigte sich aber von der Körpersprache zugewandt. Mr. President wiederum saß da wie Opa Paul, der wegen einer lästigen Familienangelegenheit das Endspiel des DFB-Pokals verpasst.

Was peinlich und extrem unhöflich wirkte, hat das Weiße Haus inzwischen erklärt. Donald Trump habe die leisen Hinweise der Kanzlerin und die lauten Aufforderungen der Fotografen schlicht und ergreifend überhört. Absicht habe keinesfalls vorgelegen, erklärte sein Sprecher Sean Spicer auf Nachfrage des Spiegel. Vielleicht versteckt sich ja unter dem dichten Blondhaar ein Hörgerät, dessen Akku gerade leer war.

Möglicherweise war der Präsident einfach abgelenkt und in Gedanken schon beim nächsten Dekret. Er hat ja viel zu tun. Er muss zum Beispiel die Betonmischung für seine Mauer festlegen und darüber nachdenken, wie viele muslimische Staaten  mit einem Einreisebann zu belegen sind, damit auch die höchsten Richter der USA zustimmen. Oder hat er überlegt, wie er es mit Angela Merkels Hilfe erreichen kann, dass im Kaufhaus des Westens eine Vitrine mit Tochter Ivankas Modekreationen aufgestellt wird? Hat Ehefrau Melania aus Langeweile ihr Haushaltsgeld für März bereits verprasst und fordert einen Nachschlag, für den das karge Präsidenten-Gehalt nicht reicht?

Solche Probleme vermutet man bei Donald Trump. Vielleicht aber war die Szene pure Strategie, nämlich im Sinne eines Versöhnungssignals an die Adresse radikaler Muslime. Er hat, immerhin, einem unreinen Weib den Handschlag verweigert. Vielleicht hat er diese Chance erschnuppert.

Wir warten auf das Lob des Kalifen. Um dann zu wissen: Unser großer Verbündeter ist mehr Profi als wir alle denken.

Bleiben wir cool, der Sultan ist besoffen

Im Jahr 1990 hat der US-amerikanische Anwalt Mike Godwin diese berühmte These aufgestellt: In Diskussionen geht ab einer gewissen Dauer die Wahrscheinlichkeit eines Nazivergleichs gegen Eins. Bleiben wir also gelassen. Was gerade passiert ist völlig normal.

So zu denken fällt uns schwer.  Denn der unsympathische Großkotz und türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan hat den deutschen Behörden „Nazi-Methoden“ vorgeworfen. Das ist für uns der denkbar schlimmste Vorwurf.

Anderererseits stimmt es doch. An jedem Stammtisch, an dem ein paar Besoffene über Politik diskutieren, taucht irgendwann „der Adolf“ auf. Er würde jeglichen Laden ordnen, den es gerade aufzuräumen gilt.

Und ja, Erdoğan ist besoffen. Nicht von Bier, Wein oder Raki, versteht sich. Sondern von der Macht – und die ist eine starke Droge. Wer jedoch im benebelten Zustand angreift, agiert besonders wild. Das Volk wiederum, so das Kalkül, ist mit dem Bedrängten, der sich gegen böse fremde Mächte stemmt.

Wir sollten also, sofern alle für Kundgebungen üblichen Auflagen erfüllt sind, das Wahlkampf-Geschrei ertragen. Überlassen wir die Reden  Erdoğans den  Satirikern, bekämpfen wir ihn ernsthaft dort, wo er Freiheitsrechte mit den Füßen tritt und menschliche Existenzen zerstört.

Und vergessen wir nicht: Ungefähr die Hälfte der Türken ist gegen seine Politik.  Erdoğan ist laut. Aber er ist nicht das Volk. Wir haben Probleme mit einer Regierung, aber nicht mit „den Türken“.

P.S.: Gäbe es bei uns tatsächlich Nazi-Methoden – man ließe die Redner ins Land. Aber sie kämen nicht mehr nach Hause. Das ist aktuell kein Vorgehen der Behörden. Zumindest nicht in Deutschland.

 

 

 

 

Dicke Bretter bohren? Bei Waffen geht es schnell

Trifft man Politiker*innen, insbesondere in Wahlkampfzeiten, weisen sie gerne darauf hin, dass sie es auch nicht leicht hätten. Sie hätten, im Gegenteil, ein schweres Geschäft. Um zu einem Ziel zu kommen, müssten unablässig dicke Bretter gebohrt werden. Spontan passiere nichts.

Diese Fälle gibt es aber doch. Bankenrettung und Atomausstieg sind Paradebeispiele. Und nun den Militärhaushalt. Da reicht es offenbar, dass ein prolliger US-Präsident gewählt wird, der den Europäern rotzig unter die Nase reibt, dass sie gefälligst mehr für ihre Verteidigung tun sollen. Ein paar Reden bei der Münchner Sicherheitskonferenz – und schon ist geklärt, dass aufgerüstet werden muss. 30 Milliarden Euro mehr pro Jahr sollen es für Deutschland sein.

Das Böse lauert schließlich überall, vor allem aber im unberechenbaren Russland. Weist jemand darauf hin, dass die Nato-Staaten rund 900 Milliarden Euro für’s Militär ausgeben, Putins Riesenreich aber nur 66 Milliarden Euro, wird seitens der USA daran erinnert, dass sich alle Nato-Staaten auf zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes geeinigt hätten. Übertroffen hat diese Quote in der EU Griechenland mit 2,4 Prozent. Allerdings nur, weil zuvor die Wirtschaft zusammengebrochen ist.

„Wir haben verstanden“, beteuerte Ministerin Ursula von der Leyen auf der Sicherheitskonferenz. Aber müssen wir wirklich verstehen, dass die alte Formel vom Frieden schaffen mit immer mehr Waffen wieder stimmen soll? „Waffen sind die schlechtesten Argumente“, sagt man in Donald Trumps aktuellem Lieblings-Staat Schweden. Bringen nachdenken und verhandeln nicht doch mehr Frieden?

Vielleicht, sagen die Aufrüster. Aber der Staat hat gerade einen gewaltigen Überschuss. Da kann man doch auch mal investieren. Stimmt. Wie wäre es zum Beispiel mit den Renten?

Unser angeblich leistungsfähiges Sozialsystem schafft es, dass die durchschnittliche Altersrente bei uns in Mittelfranken 1090 Euro für Männer und 590 Euro beträgt. In Österreich sind die Renten doppelt so hoch.

100 Prozent mehr, das ist ein dickes Brett. Aber für diese Sache sollten wir es gerne bohren.

 

Trump und Höcke – wir kriegen eine neue Mauer

Ab heute ist er da: Donald Trump. Und schon melden Geheimdienste, dass es unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel superschnell an den Kragen gehen wird. Der neue US-Präsident verbündet sich mit AfD. Die Bundesregierung schweigt bisher.

Angestachelt zum Geheimplan wurde der Neue im Weißen Haus durch Extrem-Rechtsaußen Björn Höcke. Demnach wird Trumps Unternehmen in Deutschland eine neue Mauer bauen. Dieser „antiislamistische Schutzwall“ soll im Wesentlichen entlang der früheren Ost-West-Grenze verlaufen

Dank dieser Grenzziehung hat die AfD in den befreiten Gebieten die Chance, den Regierungschef zu stellen.  Ein neuer Westteil von Berlin ist vorgesehen, allerdings soll er gezielt aus Stadtteilen mit hohem Ausländeranteil gebildet werden.

Kreuzberg-Friedrichshain und Neukölln werden zwingend eingemauert. Doch auch ein unbedeutendes Viertel am Stadtrand soll einbezogen werden. Es soll – nicht als Herz, sondern als Blinddarm der Stadt – das Holocaust-Denkmal übernehmen.

Dann ist ausgemistet – und selbst Berlin wieder vorzeigedeutsch.

Danke, Mister President, we love you.

Wobei unsere Enthüllung einen kleinen Nachteil hat: Sie ist frei erfunden.

FAKE-NEWS also. Aber das sollte weder Trump noch Höcke stören.

 

Erdogans Zorn – eindeutig Privatsache

In unseren naiven Momenten stellen wir uns vor, dass Beziehungen zwischen Staaten ausschließlich durch große, wirklich bedeutende Themen bestimmt werden. Aber so ist das wohl nicht. Die Politik ist auch immer die Bühne persönlicher Eitelkeiten. Wie wir gerade anlässlich der Affäre Böhmermann erleben.

Ein satirischer Beitrag in einem ZDF-Spartensender ist zu einer veritablen Krise zwischen Deutschland und der Türkei mutiert. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan fühlt sich durch ein vom Moderator vorgetragenes Schmähgedicht beleidigt. Er fordert nun von der Regierung die Bestrafung des Witzboldes.

Rein menschlich kann man Erdogan verstehen. Zwar hat er sich öffentlichen Spott redlich verdient. Er teilt selber gerne aus, nennt politische Gegner „Perverse“. Widerspruch bekämpft er brutal. Aber Böhmermann hat üble Geschmacklosigkeiten aneinandergereiht, von denen sich ein Mensch beleidigt fühlen kann. Nun war das miese Niveau ausdrücklich angekündigt und somit erklärter Teil der Satire. Aber man darf nicht gegen eine Hauswand pinkeln, nur weil man die Absicht vorher mitgeteilt hat.

Der türkische Präsident kann also Strafanzeige wegen Beleidigung stellen. Ein Gericht müsste darüber befinden.

Das muss es dann aber gewesen sein. Eine Regierung hat nicht darüber zu entscheiden, ob einem Menschen der Prozess gemacht wird. Majestätsbeleidigung ist ein Straftatbestand von gestern. Das muss auch ein noch so bedeutender Präsident akzeptieren lernen. Erst recht einer, der sich jegliche Einmischung von außen verbittet, wenn er Redaktionen stürmen oder Journalisten einsperren lässt.

Was ein Beleidigter mit seinem Zorn anfängt, ist seine Privatsache. Wer publiziert, muss mögliche Folgen aushalten. Und wie die sind, entscheidet die Justiz. Punkt.

 

 

 

 

Das große Glück ist Däne

Jeg er lykkelig.  Ég er ánægður. Auf unser Sprachzentrum im Gehirn wirken diese Sätze äußerst schwierig. Jedenfalls können wir uns nicht vorstellen, dass jemand, der so lesen und reden muss, vergnügt durchs Leben läuft. Und doch: So sagt man „Ich bin glücklich“ in Dänemark und Island, in zwei der drei Länder mit den zufriedensten Menschen. Richtig gut geht es auch den Schweizern.

Der an der Columbia Universität in New York erstellte so genannte „Weltglücksbericht“ sieht die Dänen auf dem ersten Platz. Vielleicht ist es gar nicht so erstaunlich, dass dieses Land von US-Forschern  wahrgenommen wird. Ist es doch – zumindest im Kern – genauso groß wie der Bundesstaat West Virginia. Welcher von einem deutschstämmigen Folksänger bekanntlich als „dem Himmel nahe“ gerühmt wurde.

Das dänische Volk hat eine ausgesprochen witzige Königin, lebt ganz überwiegend in Städten und gilt als lässig und tolerant. Das Wetter ist angenehm. Es regnet selten. Andererseits gehören zum Staatsgebiet die Faröer Inseln. Dort leben mehr Schafe als Menschen, wobei Letztere zu mitunter erstaunlichen Erfolgen im Fußball fähig sind. Wenn man das menschenleere Grönland dazunimmt, wächst Dänemark auf die Größe von Saudi-Arabien, kauft aber dennoch nur wenige Panzer.

Die Schweizer sind auf dem zweiten Glücks-Platz gelandet. Sie profitieren gewiss von einer Sprache, die nicht zum Dramatisieren neigt. Die Wüstlinge der Silvesternacht von Köln etwa würden im Schwyzerdütsch als „Glüschtälä“ bezeichnet. Anstrengende Arbeit wiederum heißt „Chrampf“, was sehr nach unserem Krampf klingt. Die Schweizer haben zudem glückliche Kühe und mit der Fifa den weltweit erfolgreichsten Unterhaltungskonzern.

Auf die Isländer sind ein cooles Volk. Während Vulkan-Ausbrüche in anderen Teilen der Welt für Panik sorgen, setzen sie sich hin, schauen zu und warten bis der Radau vorbei ist. Selbst Elfen und Trolle gelten als erfolgreich integriert.

Was aber ist mit Deutschland? Wir haben gemäß der Studie einen erfreulichen Sprung von Platz 26 auf Rang 16 gemacht, können also mit Puerto Rico und Brasilien mithalten. Aber Vorsicht: In den Erhebungszeitraum fallen der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft und die Einführung des Mindestlohns. Ob sich der Siegeszug der AfD ähnlich günstig auswirken wird, ist doch sehr, sehr ungewiss.