Das Spiel ist aus. Das Leben geht weiter.

„Aus. Aus. Aus. Das Spiel ist aus.“ Vor 64 Jahren, damals, in Bern, war dies ein Ausruf fassungsloser Freude. Jetzt taugt er allenfalls als Signal zum Kofferpacken. Die deutsche Fußball-Nationalelf hat bei der Weltmeisterschaft versagt. Uns droht eine Phase der Depression.

Ganz konkret könnte es in diesem Sinne alle jene erwischen, die ihre Werbung auf  deutsche Erfolge ausgerichtet haben.  Zuletzt war der Eindruck entstanden, dass es unmöglich sei, ohne die Kombination Schwarz-Rot-Gold Geschäfte zu machen. Supermärkte sind so dekoriert, der Fußball steckt in Autos, in Bier oder in Baumärkten. Sogar die ZDF-Mainzelmännchen spielten mit Bällen. Und nun haftet alldem ein Verliererimage an.

Ganz böse ist die Situation für Bundeskanzlerin Angela Merkel. Weil sie in ihren politischen Kreisen derzeit nur noch am Betteln oder am Streiten ist, wäre es für sie total wichtig gewesen, dass wenigstens das grantige Volk abgelenkt ist. Ein deutscher Finalsieg mit anschließendem Kabinenbesuch von Frau Merkel hätte die Stimmung enorm gehoben. Pech gehabt. Und: Unsere Nationalmannschaft taugt nicht mal mehr als Symbol für gelungene Integration. Denn sämtliche Fachkräfte mit Migrationshintergrund, ob nun Gündogan, Kedhira, Özil, Gomez, Rüdiger oder Boateng, haben schlecht gespielt.

Wahrscheinlich werden Merkels Helfershelfer kolportieren, dass man sich über das Versagen nicht wundern müsse, wenn der Bundes-Sportminister Horst Seehofer heißt. Es sei doch klar, dass seine Sportler an den Strafraumgrenzen zurückgewiesen werden. Zwei Tore in drei Spielen sind für eine deutsche Elf undenkbar wenige

Doch vielleicht hat die WM-Pleite etwas Gutes. Dann nämlich, wenn aus der Überhöhungs-Maschinerie des Profifußballs ein wenig die Luft herausgelassen wird. Das hätte konkreten Nutzen für die Zunft der Kommentatoren. Denn seitdem Profi-Fußball vor allem ein riesiges Geschäft geworden ist, in dem Milliardenbeträge bewegt werden, wurden die journalistischen Beobachter mehr und mehr in dessen Dienst gestellt. Die Kommentierung der misslungenen Spiel von Russland waren weniger kluge Schilderungen und Analysen, in der auch Respekt vor den Gegnern vorkam. Sie glichen eher tristen Therapiesitzungen für gescheiterte Kicker und deren bis jetzt unantastbaren Trainer.

Letztlich war es nichts. Die anderen waren besser. Das Spiel ist aus.

Aber das Leben geht weiter.