Zu Hilfe, Petrus hat Demenz!

Nein, dieses Wetter ist nicht mehr in Ordnung. Was hatten wir zuletzt? Einen überlangen Winter, wochenlang bedeckten Himmel, keine Sonnenstrahlen, verheerende Überschwemmungen, Ölheizung im Juni und zuletzt eine Hitzewelle mit saharischen Temperaturen. Es scheint so, als habe das Wetter seine Mitte verloren. Ich befürchte: Petrus, unser Wettergott, leidet an Demenz.

Er hat es, das sei ihm zugestanden, aber auch nicht leicht. Nehmen wir nur jene Gruppe von Menschen, die sich, gemäß Auftrag des Herrn, die Erde untertan macht. Es sind die Bauern, die grundsätzlich am Wetter herummäkeln. Ist der April sonnig, mit Temperaturen über 20 Grad, fehlt aus deren Sicht das Wasser. Ist es im Mai kalt, jammern sie, weil der Spargel im Boden bleibt. Regnet es zuviel, hadern sie damit, dass die Kartoffel-Krautfäule um sich greift. Hat es mehr als fünf Tag über 30 Grad, meldet der Bauernverband eine drohende Versteppung des halben Bundesgebietes.

Die Restbevölkerung ist nicht besser. Wenn das Wetter nur ein bisschen von Durchschnittswerten abweicht, wird lautstark geklagt. Man kann sogar davon ausgehen, dass Hochwasseropfer, die vor kurzem noch mit dem Schlauchboot durch ihr Wohnzimmer gefahren sind, spätestens nach sieben Tage Bruthitze Regentänze aufführen.

Trotzdem: Was Petrus, oder genauer Simon Petrus, in diesen Tagen, Wochen und Monaten abliefert, ist nicht mehr tragbar. Seine Kälte-Hitze-Nässe-Zuteilung passt nicht mehr nach Mitteleuropa. Es wirkt so, als habe der Wettergott sein Koordinatensystem verloren und würde nun immer mal ein paar Tage herumprobieren. Das ist verdächtig. Und wenngleich Petrus als Heiliger über besondere Kräfte verfügen sollte, kann es doch sein, dass er seinem hohen Alter Tribut zollen muss. Er ist vielleicht nur vergesslich geworden.

Im Alter von 65 bis 69 Jahren leiden 1,2 Prozent der Menschen in Deutschland unter Demenz. Bei den 80- bis 84-Jährigen sind es 13,3 und bei den über 90-Jährigen schon 34,6 Prozent.  Unser Wettergott hat gut 2000 Jahre auf dem Buckel. Da kann es, nein, muss es Demenz sein. Schließlich haben wir ja alles getan, damit es keinen Klimawandel gibt.

Somit gibt es nur eine Hoffnung: Jörg Kachelmann muss schleunigst in den Himmel kommen und dort das Ruder übernehmen. Blöderweise ist er erst 55 Jahre alt. Doch nie wäre ein Frühableben sozialverträglicher als in diesem Fall. Und wer weiß, vielleicht kann es zur Belohnung ausnahmsweise ein paar christliche Jungfrauen geben.  Lieber Gott, hilf uns. Das mit der Sintflut hast Du ja hoffentlich vergessen.