Gabriele und Mercedes – es war so schön

Meine Schreibmaschine heißt Mercedes.

Meine Schreibmaschine heißt Mercedes.

Was für eine wunderbare Idee! Wir ziehen den Geheimdiensten dieser Welt den Stecker. Über allen Glasfaserkabeln ist Ruh‘. Dafür wird das leise Tocken der Computertastaturen von einem herzhaften Klackern abgelöst. Jawohl, wir hacken wieder auf der Schreibmaschine herum.

Der kluge Gedanke kommt vom russischen Geheimdienst. Spähern, Spannern und anderen Datendieben kann man ganz einfach das Handwerk legen, indem man dem Internet den Strom abklemmt, indem man unplugged werkelt. Eine mechanische Schreibmaschine hat kein Kabel, also kann auch nichts abgesaugt werdeen.

Und, ehrlich gesagt: Die mechanischen Zeiten waren so schlecht nicht. Mein erstes Arbeitsgerät als freier Mitarbeiter einer kleinen Lokalzeitung hörte auf den schönen Namen „Gabriele“. Eine Maschine dieses Namens hatte ich später auch im Büro. Artikel zu schreiben, war eine sinnliche Tätigkeit. Denn die Tasten hatten einen echten Widerstand. Nach einem Tag mit hingebungsvoll protokollierter Brauchtumspflege, mit Autounfall und Gesangsvereins-Konzert (Standard-Überschrift: „Meisterhafte Interpretation“) konnten einem die Finger weh tun.

Sinnlose Recherche war nicht. Wenn nach dem Frühstück das Postfach geleert war, war ziemlich klar, was am Tag darauf in der Zeitung stehen sollte. Die anderen Geschichten holte man sich als Redakteur auf der Straße oder im Café. Telefone, Festnetz wohlgemerkt, gab es noch nicht in jedem Haushalt.

Das klingt jetzt sehr romantisch. Also möchte ich schon zugeben, dass das Auswechseln eines Farbbandes einen ähnlichen Nervfaktor hatte wie heute das Aktivieren eines Surfsticks. Schreibfehler waren ein größeres Problem als heute. Weshalb man vor dem Buchstaben mehr Respekt hatte als heute vor dem flüchtigen Zeichen.

Das erste Faxgerät in unserer Redaktion schließlich wirkte gewaltig. Es war in Orange lackiert und stand da wie eine Tiefkühltruhe. Die Übertragung eines Blattes Papier dauerte drei bis fünf Minuten. Aber schon damals war spürbar: Was durch den Draht kommt, wird als wichtiger empfunden.

Das hat sich nicht mehr geändert. Gabriele habe ich schon vor vielen Jahren auf den Wertstoffhof gebracht. Geblieben ist ihre antike Schwester namens Mercedes. Ja, ich sollte wieder einen Text hacken. Mit geschwungenen Buchstaben und zu 100 Prozent abhörsicher. Wenn da nicht diese Meldung vom Support wäre: „Ihr Farbband wird vom Hersteller nicht mehr unterstützt. Mit freundlichen Grüßen. Ihre NSA.“