Der Dschungel – unsere heimliche Liebe

Die heimliche Liebe ist besonders schön. Wer wollte diesem Satz lügenfrei widersprechen? Und so geht es gerade den Menschen in Deutschland. Millionen v0n ihnen sind dem RTL-Dschungelcamp verfallen. Aber zugeben wollen sie es nicht.

Dieses peinliche Verleugnen hat es schon immer gegeben. Wer sich das Bücherregal eines durchschnittlichen Bildungsbürgers näher anschaut, könnte Folgendes feststellen: Ganz vorne stehen die Prachtbände mit Lederrücken, dort ist der Platz für hochwertige Prosa, die jeden Gast beeindrucken werden. Wirklich interessant aber wird es in der hinteren Reihe. Dort stehen die Bücher, die wirklich gelesen wurden. Früher hieß ein solches „Dallas – Die ganze Geschichte“, heute sind es die Lebensbeichten von Bettina Wulff oder Daniela Katzenberger. Es gibt kaum Lustigeres, als sich am Sinnlosen zu ergötzen.

Genauso geht es uns mit dem Dschungelcamp. Dort sind so genannte Promis eingesperrt und müssen seltsame Ekel-Aufgaben lösen. Allesamt handelt es sich um Menschen, denen man das Gefangenen-Schicksal durchaus gönnt. Ab und zu blitzt auch bei den Camp-Bewohnern wahrer Witz auf, auch die unvermeidbare Superzicke sorgt für Vergnügen. Aber insgesamt handelt es sich um eine Ansammlung gescheiterter Gestalten. Und das tut uns gut.

Denn wir mögen die Krisen der Prominenten. Weil es tröstet, wenn auch dem Multimillionär die Frau davonläuft. Weil es sich gut anfühlt, wenn auch die vielfach operierte Hollywood-Diva irgendwann zugeben muss, dass sie alt geworden ist. Weil es uns hilft, wenn wir sehen, dass auch vermeintliche Superstars derart abstürzen können, dass sie durch Rattentunnel kriechen, in Schleim baden und ekliges Zeug essen müssen. Würde uns ja nie passieren.

Nein, das RTL-Dschungelcamp ist mega-in und noch nicht am Ende seiner Entwicklung. Es fehlen nur noch drei bis vier „Wetten, dass…“-Sendungen. Dann heißt es: Lanz kocht Maden. Für seine Mitbewohner.