Posts Tagged ‘CSU’

Februar 16th, 2014

Der Flüsterer ist oft der Dumme

Es ist tragisch. In der schwarz-gelben Koalition war Hans-Peter Friedrich das Montagsauto unter den Ministern. Sein Überleben als Innenminister war er vor allem dadurch gesichert, dass sein  Parteichef Horst Seehofer ausschließlich selbst entscheidet, ob und wann er sich – auch in Personalfragen – getäuscht hat. Mit Ackerbau und Viehzucht, mit Schulobst und Imkerei war nun ein Aufgabenfeld gefunden worden, das sich auch mit beschränkten Fähigkeiten beackern lässt. Und nun stolpert der arme Mann über den Skandal eines anderen. Dabei hatte er es doch bloß gut gemeint.

Friedrichs Sturz ist ein neuerlicher Beweis für die uralte Erkenntnis, dass Überbringern schlechter Nachrichten Ungemach droht. Der Agrarminister erlebt gerade eine Art Edward-Snowden-Gefühl. Eigentlich müssten ihm Staat und Regierung dankbar dafür sein, dass er einen bösen Verdacht angesprochen und somit einem GroKo-Skandal vorgebeugt hat. Stattdessen steht er selber im Abseits. Man kann auch – ganz andere Baustelle – an Uli Hoeneß denken. Er hatte seinerzeit öffentlich gemacht, dass der designierte Fußball-Bundestrainer Christoph Daum weiße Linien nicht nur als Spielfeldmarkierungen betrachten würde. Der Koks-Verdacht war zutreffend, der Flüsterer wurde gleichwohl aufs Heftigste beschimpft.

Übel spielt das Leben mit den naiv Aufrechten. Aber warum ist die CSU nun derart empört? Das wiederum ist normal. Es ist integraler Bestandteil unseres politischen Systems, dass es reale Feindschaften politischer Gegner in Wirklichkeit nicht gibt. Die Akteure, speziell der etablierten Parteien, wissen nur zu gut, dass sie einander immer wieder brauchen. Das Publikum bekommt die im Rahmen der politischen Meinungsbildung erforderliche Talk-Show-Debatte, beim anschließenden Bier duzt man sich und haut sich auf die Schultern. Politiker/-innen verbindet eine Grund-Sympathie und -Solidarität. Schließlich erledigt man einen harten und sehr oft miesen Job, für die “die Menschen draußen” zu faul und feige sind. Also hilft man sich auch mal, Schlimmes zu vermeiden.

Das ist nicht mal schlecht für’s Land. Aber schwierig wird es dann, wenn es im Zuge eines Skandals nur ein einzelnes politisches Lager erwischt. Auch nach dem Sturz des Edelmannes Karl Theodor zu Guttenberg reagierte die CSU zunächst mit dramatischen Solidaridätsadressen und Beschimpfungen der Fürstenmörder. Und bei Hans-Peter Friedrich muss das vermeintliche Unrecht erst recht herausgestellt werden. Schließlich ist die Sicherheit, der Schutz des Volkes vor Ungemach und somit die enge Zusammenarbeit mit Ermittlern und Gerichten, ein Markenkern der CSU. Ein Versagen auf diesem Gebiet kann nur aus edlen Motiven erfolgen.

Meine Prognose: Das Geheul wird noch ein, zwei Wochen anhalten. Dann ist der Kurzzeit-Agrarminister vergessen. Für die Frage allerdings, ob es zwecks Edathy und Friedrich auch SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann erwischt, ist nur eines entscheidend: Ist Vizekanzler Gabriel in die Angelegenheit verwickelt? Falls ja, sieht es für den nachrangigen Sozi übel aus. Kann man nichts machen. So geht sie eben, die große Politik.

 

 

 

Januar 19th, 2014

Schluss mit Skandalen! Doktortitel für Alle!

Ja, es stimmt. In Sachen Politik suche ich stets das Haar in der Suppe. Heute jedoch wende ich mich mit einem gut gemeinten Rat an Regierende und Volk: Kümmern wir uns endlich um die großen Themen. Machen wir Schluss mit vermeidbaren Skandalen. Starten wir die Aktion “Doktortitel für Alle!”.

Geweckt wurde meine heiße Sehnsucht nach Harmonie durch ein gegeltes Haar in der Suppe. Sozusagen. Der neue CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer verzichtet ab sofort auf das Führen seines Doktortitels. Diesen hatte er als “kleines Doktorat” auf eine billige Art in Prag erworben. Die Pinscher-Promotion hatte er gewählt, weil man ihn an der Universität seiner Heimatstadt Passau zugelassen hatte. Der zuständige Politik-Professor Heinrich Oberreuter (als TV-Analytiker von der CSU durchaus geschätzt) erinnert sich: „Andreas Scheuer gehörte nicht zu denen, die sich uns dazu aufgedrängt hätten, dass wir sie zu höheren akademischen Weihen führen.“

Es ist also wieder ein Schaumschläger entlarvt. Aber was bringt uns das? Wir wissen doch eh, dass scharfer Intellekt oder gar ausgewiesene Klugheit den erfolgreichen Politiker nicht zwangsläufig ausmachen. Wir wissen zugleich, dass sich viele Politiker/-innen Respekt sehnen. Niemand soll Zweifel daran haben, dass sie etwas Besonderes sind. Wohlklingende Titel oder Anreden für die Herrschenden hat es immer gegeben.

Majestät, Durchlaucht, Exzellenz – das alles klingt nach etwas. Wie öde wirken dagegen Titel wie MdB (Mitglied des Bundestages) oder MdL (Mitglied des Landtags). Da lacht doch selbst der gemeine Facharbeiter.

Ich schlage deshalb Folgendes vor: Wir erkennen an, dass die Fähigkeit, in einer 15-minütigen Wirtshausrede  sowohl über Familienpolitik, Armut, Rentenkasse, Afghanistan, Schulobst wie auch Windkraft zu schwadronieren, als akademische Leistung anerkannt wird. Was bedeutet, dass jedem/r Politiker/-in vom Landtag aufwärts nach erfolgter Wahl der Doktortitel zugesprochen wird. Fraktionsvorsitzende und deren Stellvertreter/-innen dürfen sich für die Dauer dieser Tätigkeit “Professor auf Zeit”. Ab Minister aufwärts darf zwischen Anreden gewählt werden. Eminenz für christliche Politiker oder ZK-Chef für Linke sind im Angebot. Schließlich: Wenn sich das Ganze bewährt hat, werden Doktortitel auch für TÜV-zertifizierte Wichtigtuer freigegeben.

Dann ist Frieden an der Plagiatsfront. Dann steht die Sonne der Forschung endlich tief. Und dann, wir wissen es vom Satiriker Karl Kaus, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten.

 

 

 

 

 

Januar 1st, 2014

Gute Vorsätze? Nö, die CSU macht Angst

Gute Vorsätze für das neue Jahr? Nein, das lasse ich diesmal besser bleiben. Zu schwer wiegt die aktuelle Drohung der CSU, “Wer betrügt, der fliegt”. Und, ja, ich habe mich und andere an Silvester schon zu oft selbst betrogen. Ich habe mir heilige Versprechen gegeben und sie nach spätestens drei Tagen gebrochen. Das würde ich wieder tun, der Rauswurf aus dem Freistaat Bayern wäre denkbar. Also gibt’s für 2014 keine offiziellen Pläne.

Dabei bin ich keineswegs völlig gescheitert. Seit zirka 20 Jahren bin ich mir mit mir einig, dass ich im jeweils neuen Jahr abnehmen sollte. Stattdessen bin ich schwerer geworden. Unter Anwendung der hellenischen Prinzipen der EU-Troika war ich gleichwohl erfolgreich. Denn meine regelmäßigen Mahnungen an mich selbst haben ein Abflachen meiner Zunahme-Kurve bewirkt. Ohne gute Vorsätze wäre ich längst so weit, dass mich das Rote Kreuz im Falle einer Krankheit mit einem Kranwagen abholen müsste. Bewältigt ist die Krise nicht, jedoch in ihrem möglichen Ausmaß begrenzt worden.

Eine ganz andere Frage ist, ob ich mich und andere überhaupt betrogen habe. Wäre ich eine Partei, dann eher nicht. Schließlich gehört es zum Wesen der Politik, mehr zu versprechen, als erreicht werden kann. Man nennt das Wahlprogramm oder (in besonders freigeistigen Talk-Shows) Vision. Sobald gewisse Pläne aufgeschrieben oder verkündet sind, ist allerdings auch den Wählern klar, dass diese scheitern werden. Es gibt ja so viele Gründe dafür. Mal sind es die äußeren Umstände im Allgemeinen, mal eine plötzliche Krise, die Sorge um den Industriestandort oder einfach ein böswilliger Koalitionspartner.

Das Gute für Parteien ist allerdings, dass ihre guten Vorsätze gerne vergessen werden. Nur selten kommt es vor, dass, wer betrügt, auch fliegt. Das passiert vor allem nicht, wenn eine Partei als unverzichtbar angesehen wird. Wie die CSU in Bayern. Deshalb glaubt sie, dass sie Rumänen und Bulgaren generell unter Betrugsverdacht stellen, ihr nahe stehende entlarvte Betrüger aber verteidigen kann. Sie darf das. Das Volk erlaubt das.

Für mich wiederum gilt eine andere Wahrheit, nämlich “Jeder Mensch ist ersetzbar”. Also halte ich mich zurück. Bis das Rauswurf-Versprechen der CSU vergessen ist. Ich rechne damit etwa sechs Wochen nach der Europawahl. Bis dann!

 

 

 

Dezember 18th, 2013

GroKo und die weiß-blauen Bettvorleger

Als Löwen gesprungen, als Bettvorleger gelandet. Dieses Schicksal hat gerade die CSU ereilt. In der neuen Großen Koalition ist sie die neue FDP, also weitgehend überflüssig.

Vor einigen Wochen hatte das noch ganz anders ausgesehen. Absolute Mehrheit in Bayern zurückerobert, Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einem blendenden Wahlergebnis zwischen Main und Zugspitze in die Nähe derselben gebracht. Horst Seehofer und die Seinen schwelgten im Glück, sie konnten vor Kraft nicht laufen.

Und nun? Der neue Verkehrsminister heißt Alexander Dobrindt. Der Experte für überflüssiges Getöse und schiefe Sprachbilder darf also beweisen, dass er sowohl Pkw-Maut als auch Berliner Flughafen hinbekommt. Sein Kollege Gerd Müller führt das Entwicklungshilfeministerium, dessen Existenzberechtigung ja durchaus umstritten ist.Den großartigsten Abstieg aber hat Hans-Peter  Friedrich hingelegt. Der ehemalige Innenminister, der dem Großen Verbündeten USA so mutig die Stirn geboten hat, darf in Zukunft gemeinsam mit den Imkern gegen die Verbreitung der Varroa-Milbe kämpfen und sich an der Seite des EU-Bürokratenschrecks Edmund Stoiber für den freien Verkauf krummer Salatgurken einsetzen. Da Verbraucherschutz nicht mehr zu seinem Ressort gehört, wird er sich mit seinem Staatssekretär heftig um den Posteingang balgen.

Wie aber konnte das passieren? Wer, bitteschön, hat unsere CSU geschrumpft? Antwort: Es war der Horst. Man darf davon ausgehen, dass Parteichef Seehofer die Bundespolitik egal ist. Sinnstiftend für die CSU ist die absolute Mehrheit im schönen Bayern. Und dann ist es gut, wenn man mit den wirklich kontroversen oder schmerzhaften Themen nichts zu tun hat. Eurorettung? Macht der Mann im Rollstuhl. Energiewende? Schaut Leute, der irre Gabriel schröpft die Bürger. Pflegenotstand? Den regelt der Gröhe mit der lustigen Frisur. Gäbe es ein Bundesministerium für Bedeutungslosigkeit – die CSU hätte es genommen.

Denn was immer auch in Berlin passiert: Schuld sind die anderen. Man kann das als taktisch versiert ansehen. Tatsächlich zeigt es eine feige Gesinnung. Manche Bettvorleger haben ihr Schicksal verdient…

Dezember 6th, 2013

Es gibt auch Helden in der Politik

Nelson Mandela - für mich ein echter Held.Es schimpft sich leicht über die Politiker. Ihnen fehle jedes Gespür für das wahre Leben. Sie seien verlogen, arrogant, ausschließlich geil auf wichtige Posten. Und sie taugten ganz und gar nichts. Weil sie nicht handelten, sondern nur schön reden würden. Das sagen wir – und rufen nach besseren Volksvertretern.

Zum Glück: Es gibt in der Politik auch Helden. Nehmen wir Nelson Mandela. Der jetzt gestorbene südafrikanische Präsident hat einen schier unfassbaren Lebenslauf. Als Anwalt der schwarzen Bevölkerung zu lebenslanger Haft verurteilt, lehnte er nach 23 Jahren im Gefängnis  seine Freilassung ab,  weil ihm die Abschaffung der Apartheid nicht zugesichert wurde. Erst weitere vier Jahre später war er ein freier Mann.

Seine wahre menschliche Größe zeigte er, als er als erster schwarzer Staatspräsident keinen Rachefeldzug gegen die ehemaligen Unterdrücker führte. Er setzte, im Gegenteil, auf eine versöhnliche Aufarbeitung der Geschichte. So wurde Nelson Mandela zum wirklich würdigen Friedensnobelpreisträger.

Gäbe es mehr Politiker/-innen dieses Kalibers, könnte man sich zurecht Hoffnungen auf eine bessere Welt machen. Aber es sind auch andere da.

Nehmen wir Hans-Peter Friedrich. Der CSU-Mann aus Naila in Oberfranken ist der nachvollziehbar schlechteste Innenminister seit vielen Jahrzehnten, vermutlich sogar seit dem Zweiten Weltkrieg. Aus einer Gegend stammend, aus der die Menschen wegziehen, hat er meistens von Vertretern seiner Partei besetzte Rolle des Überfremdungs-Mahners übernommen.

Tausende von Flüchtlingen ersaufen im Mittelmeer “Italien muss seine Hausaufgaben machen”, sagt Friedrich. Freizügigkeit für EU-Bürger/-innen? Ja, aber bloß nicht für Bulgaren und Rumänen. Auch dann nicht, wenn es überwiegend gebildete, gut ausgebildete Migranten sind. Und Rückgrat zeigen bei Großmachts-Gehabe der USA? Nicht mit Friedrich, dem großen Freund des großen Verbündeten.

Fazit: Es stimmt, dass es falsch ist, nur über die Politiker zu schimpfen. Aber dass zu oft die Falschen am Ruder sind, stimmt leider auch.

 

 

 

September 23rd, 2013

Aliens sind unsere Hoffnung

Weltsensation! Die Bild-Zeitung, die gerade mit einer Sonderausgabe zur Bundestagswahl 41 Millionen Haushalten die Altpapiertonnen verstopft hat, meldet also außerirdisches Leben in unserer Stratosphäre. Es handle sich um Einzeller, deren DNA-Struktur einer irdischen Algenart gleiche. Liebe Leute, warum wundert uns das? Es muss extraterristrisches Spezies geben. Alles andere wäre ein dramatisches Versagen der Evolution.

Stellen wir uns doch bloß mal vor, es wäre der Endpunkt der Schöpfung, dass Bild, RTL 2 und Bunte nebeneinander existieren können. Stellen wir uns vor, Gott würde mit Wohlgefallen auf den Euro-Rettungsschirm und auf das deutsche Steuerrecht in seiner Gesamtheit schauen. Er würde sagen, dass beides so blendend aufgebaut sei, als wäre es direkt vom Baum der Erkenntnis gepflückt.

Stellen wir uns weiter vor, dass es galaxieweit keine Spezies gäbe, die erkannt hätte, dass Telefon-Flatrates mit angegliedertem Schrottservice zu überwinden sind. Und dass es so genannte Führungs-Nationen gäbe, in denen eine Angela Merkel an der absoluten Mehrheit kratzt.

Nein, es wäre eine Tragik des universalen Lebens, wenn es keine klügere Lebewesen als uns Menschen gäbe. Wenn Wahlkämpfe der SPD und der Grünen den Standard für andere Planenten setzen würden. Wenn die die AfD auf dem Mars die Abschaffung des Sonnendollars fordern könnte.

Nein, Aliens sind keine Bedrohung. Sie sind unsere Hoffnung. Aber wer weiß, vielleicht hat das Aufräumen schon begonnen. Die FDP wurde am Wahlsonntag eindrucksvoll eliminiert. Wie? Sie meinen, das kann nicht das Werk von Aliens sein, weil die doch bestenfalls in der Stratosphäre sitzen? Tja, aber war da nicht dieser Irre, der aus größter Höhe abgesprungen ist? Ja, er hat sie mitgebracht. Red Bull verleiht der Evolution Flügel. Sie sind da. Herzlich willkommen!

August 11th, 2013

Seehofer, Guardiola und die Pkw-Maut

Also sprach der  große Vorsitzende Horst Seehofer: Er werde einen neuen Koalitionsvertrag nur dann unterschreiben, wenn darin die Pkw-Maut für Ausländer enthalten sei. Ist das nun mehr als eine Stammtisch-Parole? Denken wir mal nach.

Interessant ist zunächst, dass der CSU-Chef an mehreren Stellen seines Interviews in der Bild am Sonntag so redet, als sei die Bundestagswahl entschieden. Der Gedanke, dass seine Unterschrift auf dem künftigen rot-grünen Regierungsfahrplan gar nicht gebraucht werden könnte, kommt in seinem Denken offenbar überhaupt nicht vor. Es scheint, dass die Wahl für ihn als gewonnen abgehakt ist.

Aber stellen wir die entscheidende Frage: Müsste Pep Guardiola Autobahn-Maut zahlen, wenn er Uli Hoeneß zum Steuerflüchtlings-Seminar im Hause Beckenbauer nach Kitzbühel fahren sollte? Eher nein, denn er ist kein Ausländer. Nach EU-Recht gelten Staatsangehörige als Inländer. Also werden Portugiesen genauso wenig Pkw-Maut zahlen wie Österreicher oder Bulgaren. Blechen müssten allerdings stinkreiche Leute, nämlich die Schweizer, Russen und Chinesen. Auch Papst Franziskus müsste sich die Vignette auf sein Papamobil kleben lassen.

Es lauern aber noch mehr Probleme: Ist die Pkw-Maut an den Ort der Zulassung gebunden? Wird sie also für Autos mit deutschen Kennzeichen auch dann nicht erhoben, wenn ein Brasilianer am Steuer sitzen sollte? Was, andererseits, ist mit neuen deutschen Staatsbürgern, die ihre Verwandten auf der Heimreise mit einem türkischen Wagen zum Familientreffen nach Deutschland fahren? Die Sache wird derart kompliziert, dass ein gerechtes Gebühreneinzugssystem selbst von Siemens und SAP gemeinsam kaum programmiert werden könnte.

Die Sache ist somit ein Rohrkrepierer. Aber das ist Horst Seehofer und seinen Parteistrategen egal. Sie bauen darauf, dass sich nach dem Kirchgang in Mausgesees folgende Stammtischrede entwickelt:

“Des mid därrer Maud bassd scho. Mir hamm doch die andern Völger erschd zeichd, wäi mer Audobahner baud. Und die Schbageddifresser hulnsi unser Geld doch scho lang. Na, a su a Maud mou scho sei. Und där Horsd schaud, dass mir nix zohln müssen, sondern blouß die andern. Goud, dassmer unser CSU hamm.” Ich glaube, auf unserem Bierdeckel können wir das so unterschreiben…

 

 

 

 

 

August 10th, 2013

Söders Salat und der Arsch der Republikaner

Was haben Menschen und Botschaft miteinander zu tun?

Was haben Menschen und Botschaft miteinander zu tun?

Ganz ehrlich, ich langweile mich. Nur zu gerne würde ich über die großen Dramen und Tragödien anlässlich der bevorstehenden Wahlen schreiben. Es drängt mich danach, leidenschaftlich für die einen zu werben und vor den anderen zu warnen. Ich möchte der Demokratie dienen. Allein, es geht nicht.

Es gibt ein klares Indiz dafür, dass Politik und Wahlvolk diesmal gleich träge sind. Keine/r der Matadore/-innen droht bisher mit einer “Schicksalswahl”. Die Bundeskanzlerin schweigt, ihr Herausforderer Peer Steinbrück sagt immer etwas, was irgend jemand aufregt. CSU-Chef Horst Seehofer sagt immer das, was nach den jeweils aktuellen Umfragen den meisten Menschen gefällt.

Das Leid dieser Wahlen zeigt sich auch an den Plakaten. Hierzu nur Beispiele: Für die CSU kandidiert bei der bayerischen Landtagswahl im Stimmkreis Nürnberg-Nord der Landwirt Michael Brückner. Auf dem Plakat steht unter seinem Namen der Slogan “Frisches aus dem Knoblauchsland”. Was bedeutet das politisch? Wurde gentechnisch ein Zwirbelsalat gezüchtet, der sich beim Wachstum genauso oft um die eigene Achse dreht wie Horst Seehofer bei der Anwendung seiner Prinzipien? Soll konservativen Müttern eine kostenlose Tüte Karotten als Dreingabe zum Betreuungsgeld versprochen werden? Oder können Panini-Sammelbilder mit dem Porträt von Finanzminister Markus Söder ab sofort mit der Gemüsekiste bestellt werden?

Die SPD wiederum offeriert ihren bayerischen Spitzenkandidaten Christian Ude als den Ministerpräsidenten, “der Wort hält”. Optisch wird das so umgesetzt, dass Ude einen vermutlich aus Styropor geschnitzten Schriftzug “Wort” in der Hand hält. Das ist jene Kategorie Kalauer, für die Comedians selbst bei der Bambi-Verleihung von der Bühne gepfiffen werden. Die Sozialdemokratie war nie das Biotop des Humors. Aber warum hat man, wenn schon, das Ganze nicht weiterentwickelt? Warum nicht Vegetarier mit dem Satz ansprechen “Ude, der Mann, der beim Schlachten bummelt”? Und Sportfans mit dem Slogan “Der Politiker, der den Fuß ballt”?

Die Plakate der Grünen sind mit ihren mehreren Köpfen so kompliziert, dass man sie schon beim Vorbeifahren auf dem E-Bike nicht erfassen kann. Auch die Linke bietet so viel Botschaft, dass Autofahrer allenfalls das Wort “sozial” erfassen werden. Bei der FDP reicht eigentlich der Hinweis, dass ein lokaler Kandidat Facharzt ist. Man kennt dann das Programm.

Die Piraten zeigen eine Oma mit zwei Enkelkindern und schreiben dazu “Nicht käuflich, nur wählbar”. Gibt es also die Forderung nach kostenlosen Tagesmüttern? Schließlich sind die Republikaner am Start. Sie zeigen vier Mal einen Hintern, wobei dieser mit den Farben der Konkurrenz unterlegt ist und fragen, welches A……… man diesmal zu wählen gedenke. Andy Warhol hat gestalterisch Marilyn Monroe auf diese Weise bearbeitet, die Rockgruppe Queen hat so ein missratenes Plattencover gestaltet. Man fragt sich nur: Warum fehlt hier der braune Arsch?

Trotz alledem: Ich will dieser Demokratie dienen. Meine Heimatstadt hat mich als Wahlvorsteher eingeteilt. Da werde ich ganz korrekt sein. Ich halte Wort.

 

Juni 3rd, 2013

Wir nach der Sintflut

“Das ist ja wie die Sintflut!” Das rufen die Menschen gerade überall. Selten hat es eine derartige massenhafte Wiederentdeckung des Alten Testaments gegeben. Was die meisten übersehen: Es ist tatsächlich eine neue Sintflut. Gott hat es mit dem Bestrafen der Menschen heute bloß schwerer.

Der Herr hat gute Gründe für seinen Zorn. Wir glauben immer noch fest an Angela Merkel, die CSU könnte trotz der Verwandtenaffäre die absolute Mehrheit bekommen. Die FDP ist völlig grundlos wieder bei fünf Prozent – und Bayern München gewinnt alles, was es zu gewinnen gibt. Wer fressen die sinnlosesten Lebensmittel und bereiten uns durch den Kauf von Vierrad-Fahrzeugen auf die schwierigeren Straßenverhältnisse durch Starkregen und Wüstenausbreitung vor. Die Nation glotzt “Wer wird Millionär?” oder “Germany’s Next Top Model”, während in Südeuropa zwecks Jobmangel eine junge Bürgerkriegsgeneration herangezüchtet wird. Und, und, und…

Sicher, zur Zeit des Alten Testaments gab es reichlich Unrecht und Barbarei. Wer sich mit dem Nachbarn über einen falsch gesetzten Gartenzaun gestritten hat, hat ihm mit dem Knüppel die Rübe weggehauen. Heute schickt man Drohnen los. Diese töten mit dem Bösewicht zwölf unschuldige Zivilisten. Sie arbeiten aber sauberer.

Recht hat er also, der liebe, wütende Gott. Er hat bloß ein Problem: Er kriegt das mit der Höchststrafe – dem Ausradieren aller Sünder – nicht mehr hin. Denn seit Noah hat sich einiges geändert. Es wurden Deiche gebaut, in jedem Baumarkt gibt es Hochleistungspumpen. Und schließlich sind überall aktive Ortsgruppen von Feuerwehr oder Technischem Hilfswerk im Einsatz.

Man fragt sich doch: Wie wäre es in der Bibel weitergangen, wenn es zu Noahs Zeiten schon Talsperren und Regenrückhaltebecken gegeben hätte? Wenn die freiwilligen Abpumper schon gelebt hätten? Wären vielleicht nur die Nagetiere ersoffen und die Menschen hätten Gott besiegt und wären noch schneller böse geworden?

Wir werden darauf, wie auf viele Fragen des Glaubens, keine eindeutige Antwort finden. Wir wissen allerdings, dass Angela Merkel und Horst Seehofer das überflutete Passau besuchen werden. Gemeinsam, wahrscheinlich in Gummistiefeln. Das ist der endgültige Sieg des modernen Menschen über das Alte Testament. Fürchtet Euch nicht!

Mai 15th, 2013

Horst Seehofer und seine CSU 21

Eines muss man Horst Seehofer lassen: Wenn es um Machterhalt geht, arbeitet er ohne Rücksicht auf Verluste. Die berühmte Steigerungsformel Feind, Todfeind, Parteifreund stimmt bei ihm. Wer nichts mehr bringt, wird abserviert. Bis aus seiner Sicht alles wieder im Lot ist, werden noch einige Opfer Donau, Inn oder Main hinabschwimmen.

Oder auch die Pegnitz? Die Nürnberger Bundestagsabgeordnete Dagmar Wöhrl hat zurzeit ziemliche Probleme. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass sie mit einem Beratervertrag für die Schweizer Sarasin-Privatbank ähnlich viel Geld verdient wie für ihr Bundestagsmandat. Das ist schädlich, weil man in diesen schweren Zeiten für Steuersünder die Nähe zu Geldinstituten der Alpenrepublik meiden sollte. Da muss jemand die nächste Zeit höllisch aufpassen.

Wie dem auch sei: Dem CSU-Chef ist zu bestätigen, dass er aus der jüngeren Geschichte gelernt hat. Nämlich von Stuttgart 21. Wenn die Probleme zu groß werden, wenn sich gar zwei bis drei Prozent der Wähler/-innen abzuwenden drohen, holt man eine Persönlichkeit von früher, die als moralisch sauber gilt. Beim berüchtigten Bahnhof war es Heiner Geißler, bei der CSU ist es Theo Waigel. Ein Mann, dem man zutraut, jene Verhaltensregeln zu formulieren, die für anständige Politiker/-innen selbstverständlich sein sollten. Ich denke, das schafft er. Mich hätten sie aber genauso fragen können.

Oder Günther Beckstein. Man kann ihm vorwerfen, dass er in Sachen Innere Sicherheit eine mitunter extreme Nervensäge war. Andererseits konnte man ihn nicht einmal in seiner Zeit als bayerischer Kurzzeit-Sonnenkönig mit Raffgier-Vorwürfen in Verbindung bringen. Seine Ehefrau hat ihr Geld immer selbst verdient – und sogar das Oktoberfest-Dirndl verweigert.

Somit wäre er nicht der schlechteste Anstands-Sanierer für die CSU. Aber: Seine Leiche ist die Pegnitz schon hinabgeschwommen. Letztlich mit den Zielen Regnitz, Main, Rhein und Nordsee. Dort wird er wohl verschollen bleiben. Bayern ist nicht die hohe See. Hier meucheln sich die poilitischen Binnenschiffer. Wer am Ende übrig bleiben wird – außer dem Horst – wird sich noch zeigen…

Mai 7th, 2013

Was macht die Gsell, wie geht’s der Pauli?

Zu den allseits beliebten journalistischen Produkten zählt die Rubrik “Was macht eigentlich…..?”. Man erinnert damit an berühmte Menschen, die in Vergessenheit geraten sind. Man schreibt zum Beispiel darüber, dass der große Kriegstreiber Georg W. Bush heute Bilder von Hundebabys malt. Aber bleiben wir in Franken, und fragen: Was machen zwei große Heldinnen dieses Blogs, nämlich Tatjana Gsell und Gabriele Pauli?

Als ich kürzlich an Tatjana Gsell gedacht habe, war das vermutlich eine Vorahnung. Denn tatsächlich: Sie ist wieder da. Die einstmals teuerste Frau der Welt hat eine Hauptrolle in der quotenstarken RTL2-Serie “Promi-Frauentausch” bekommen. Sie präsentiert sich dort, wie es heißt, dank einer konsequenten Champagner-Botox-Diät völlig faltenfrei und mit einer Oberweite, die nach den Gesetzen der Schwerkraft den aufrechten Gang unmöglich macht. Aber gut, auch Hummeln können fliegen. Wie das Fernsehpublikum mittlerweile erfahren hat, lebt die berühmte Witwe heute mit zwei Männern in London. Wobei einer von beiden deutlich jünger ist und in der Wohnung Waschbären und Leguane hält. Das alles klingt nach ganz großem Drama.

Bei Gabriele Pauli ist die Sache anders gelagert. Sie hat, erstens, gerade den Chef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, erfolgreich auf eine persönliche Wahlkampfkostenerstattung von 4600 € verklagt. Sie hat, zweitens, ein Buch geschrieben. Es soll im Sommer 2013 erscheinen und neben autobiographischen Inhalten auch Vorschläge für eine moderne Politik enthalten.

Wir sollten es lesen. Klar, es stimmt, dass Gabriele Pauli nach ihrer nahezu im Alleingang betriebenen Demontage des Ministerpräsidenten Edmund Stoiber zeitweise allzu stark in die Welt der Modestrecken und der spirituellen Grenzerfahrungen abgedriftet ist. Die vormals schöne Landrätin wurde deshalb irgendwann als absurde Politikerin wahrgenommen.

Aber kann man es ihr verdenken? Sie hat sich ja mit dem am besten funktionierenden politischen Beziehungssystem überhaupt angelegt. Wenn man bloß überlegt, wie erfolglos sich die komplette Opposition in Bayern an der CSU abarbeitet, war doch klar, dass die Rache der Staatspartei fürchterlich sein würde. Zumal sich die feigeren (oder klügeren?) Mitstreiter nach dem Putsch eiligst in die Büsche geschlagen hatten. Der alte Edmund Stoiber wurde parteiintern rehablitiert. Er ist sogar als künftiger Präsident des FC Bayern München im Gespräch. Eine Funktion, die im Lederhosen-und-Laptop-System als papstgleich gelten darf.

Fassen wir zusammen, kommen wir zum Fazit. Wie in der “Zeit” zu lesen war, ist in unserer Gesellschaft der Platz von Uli Hoeneß für eine frühere Heldin frei geworden. Klare Wahl: Vergeben wir ihn an Gabriele Pauli. Vielleicht hilft es irgendwann doch noch was.

April 22nd, 2013

Rettet die CSU-Politikerfrauen!

Angesichts der Steuerhinterziehung durch Uli Hoeneß, Fußballgott, ist für die Öffentlichkeit ein anderer großer bayerischer Skandal in den Hintergrund gedrängt worden: Es geht um das Schicksal von Frauen. Genauer gesagt, um das weitere Überleben der Frauen bedeutender CSU-Politiker.

Politischen Beobachtern ist seit langem klar, dass die CSU den Freistaat Bayern als ihr Eigentum betrachtet. Die meisten Wahlergebnisse der Vergangenheit haben – das sei der Partei zugestanden – diese Vermutung durchaus gestützt.
Was aber ist gerade los?

Alle Landtagsabgeordneten erhalten eine Pauschale, mit der sie Bürokräfte bezahlen können. Aber brauchen das Volksvertreter einer Partei, der aus Tradition sowieso sämtliche Ministerien treu und ergeben zuarbeiten? Also dachten sich alte Recken wie der Staatsminister für Unterricht und Kultus, Ludwig Spaenle und Fraktionsschef Georg Schmid, dass man dieses Geld doch auch in der Familien lassen könne. Man beschäftigt also, so wie das Oktoberfest-Wirte und Dönerbuden-Besitzer tun, die eigene Frau. Und entschädigt sie so nebenbei für die Entbehrungen an der Seite eines hauptberuflichen Weltenlenkers.

Jetzt ist diese besondere Form der Arbeitsbeschaffung herausgekommen. Und sofort gab CSU-Chef Horst Seehofer die Büro-Gattinnen zum Abschuss frei. Spaenle kündigte seiner Frau zum 1. Mai, Schmid schickte seine Angetraute mit sofortiger Wirkung zur Arbeitsagentur.

Als überzeugter Gewerkschafter finde ich das unerhört. Wo bleibt der Aufschrei meiner Organisation? Sind nicht sechs Wochen zum Quartalsende die Mindest-Kündigungsfrist? Ist die Politik ein rechtsfreier Raum, in der langjährige Mitarbeiterinnen einfach auf der Straße gesetzt werden, weil irgendein Oberboss den Daumen senkt? Wo bleibt die Vorbildfunktion für andere Arbeitgeber?

Nach allem, was ich weiß, gibt es betriebsbedingte Kündigungen. Was bedeutet, dass ein Arbeitgeber jemand auif die Straße setzt, weil er sich die Beschäftigung dieses/dieser Mitarbeiter/-in nicht mehr leisten kann. Diese Stelle muss nach der Entlassung frei bleiben.

Ein Abgeordneter ohne Büro ist aber undenkbar. Somit bleibt nur die außerordentliche, sprich fristlose Kündigung. Hier muss sofort auf ein eklatantes Fehlverhalten reagiert werden.

Aber was könnten diese Frauen getan haben? Haben sie Horst Seehofer beleidigt? Haben sie beharrlich die Arbeit verweigert oder haben sie eine Krankheit vorab angekündigt? (Und heut’ Abend hab’ ich Kopfweh?) Haben sie Menschen für blöd erklärt, weil diese immer noch CSU wählen? Haben Sie die Rede für das Kaninchenzüchter-Jubiläum geklaut? Waren sie pampig zu Lobbyisten?

Diese und viele andere Fragen stehen im Raum. Mindestens ein Grund muss zutreffen. Ansonsten werde ich mich auf allen Ebenen meiner Gewerkschaft für eine massivst-mögliche Kündigungsschutzklage einsetzen. Wie? Was? Frau S. wurde in einem Bayern-Trikot in der Schweiz gesehen? Na gut, dann hat er recht, der Horst. So etwas geht wirklich nicht mehr…

April 1st, 2013

Ein schwarzer Sheriff für Til Schweiger

In seinem ersten “Tatort” hat sich Til Schweiger als ziemlicher Superheld präsentiert. In der Schlussszene wurde Kommissar Tschiller zwar nicht von stolzen Astronauten, sondern von geschändeten Zwangsprostituierten flankiert, aber es hatte was von “Armageddon” und Bruce Willis. Doch auch Helden brauchen Hilfe.

Da hat doch eine Gruppe namens “Tatortverunreiniger_innen” Farbflaschen gegen das Hamburger Wohnhaus Schweigers geworfen und den Kleinwagen dessen Freundin Svenja Holtmann in Brand gesetzt.

Eine hirnlose Sachbeschädigung? Könnte man meinen. Doch in diesem Fall geht es um mehr. Das meint zumindest der medienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Börnsen. Der 71-Jährige sieht die Freiheit der Kunst in Gefahr, weshalb er folgende Erklärung abgesetzt hat: “Die CDU-/CSU-Bundestagsfraktion verurteilt den Anschlag auf das Haus von Til Schweiger mit Entschiedenheit. Wir verstehen ihn als Anschlag auf die Freiheit der Künstler und damit auf die Freiheit der Kunst in unserem Lande. Dies können wir, nicht zuletzt mit Blick auf die Geschichte unseres Landes, unter keinen Umständen dulden. Mit dieser feigen Tat soll ein Klima der Angst und Einschüchterung bei Kreativen und Künstlern erzeugt werden.”

Nun ist Wolfgang Börnsen bislang nicht so oft durch Originalität aufgefallen. Immerhin: Als der Ego-Shooter “Crysis 2″ beim Deutschen Computerspielpreis 2012 als bestes deutsches Produkt ausgezeichnet wurde, sprang er empört in die Bresche. Killerspiele dürften keinesfalls prämiert werden, tobte der CDU-Mann, musste sich aber sogar von eigenen Leuten sagen lassen, dass dieses Spiel neben vorzüglicher Technik auch inhaltliche Qualität böte.

Im konkreten Fall ist das aber sowieso ein Nebenkriegsschauplatz. Denn grundsätzlich ist jede Sachbeschädigung ein Angriff auf die Freiheit eines anderen. Man hat ja als Opfer mindestens Scherereien, im schlechten Fall zahlt man drauf. Die wahre Bedeutung der Tat ergibt sich aber offenbar daraus, was einer sonst im Leben macht. sollte also irgendein Wicht “ACAB” an unsere Hauswand sprühen, betrachte ich das als Journalist fürderhin als Anschlag auf die Pressefreiheit. Und sollte mir jemand einen Autoreifen zerstechen, werde ich das als aktiver Gewerkschafter als unerhörten Anschlag auf die Tarifautonomie und damit auf die Grundfesten unserer Demokratie anprangern.

Somit bleibt fürs Erste nur eine Frage offen: Würde sich ein Bruce Willis von einem wie Wolfgang Börnsen helfen lassen? Von einem leicht verwirrten Schwarzen? Niemals nicht, sagt unser erster Denkreflex. Aber wer hat denn wirklich an ihn geglaubt, damals bei “Stirb langsam”? War das nicht ein lustiger Schw…. ? Ich glaub’, ich fang’ hier nochmal an.

März 4th, 2013

Keine Homo-Ehe in Oberpimpfhausen!

“Liebe Freunde, liebe Mitglieder des Bläservereins Oberpimpfhausen. Seid’s gewiss: Mit mir, mit unserer CSU, wird auf unseren Bergen niemals ein Schwuler in unser geliebtes Alphorn stoßen. Und keine Lesbe ein Dirndl tragen. Lieber ein kalter Krieger als ein warmer Bruder! Unsere Almen bleiben sauber! Mia samma mia!” – Wer mit gleichgeschlechtlich orientierten Extrem-Trötern kein Problem hat, sollte die schwarzen Abgeordneten und die Talkshowgäste quatschen lassen und einfach ein bisschen Geduld haben. Die völlige Gleichstellung homosexueller Partnerschaften kommt spätestens kurz nach der Bundestagswahl 2013. Selbst dann, wenn Angela Merkel und Horst Seehofer regieren sollten.

Es ist ein Drama, wie dieses Thema in den Wahlkampf hineingeschwafelt wird. Kein normal denkender Mensch regt sich noch darüber auf, dass Mann und Mann oder Frau und Frau oder Wer-mit-Wem-auch-immer zusammenlebt. Man darf sogar vermuten, dass es ein Kind bei zwei vorhandenen Vätern besser hat, als bei einem davongelaufenen Erzeuger und somit einer alleinerziehenden Mutter.

Wobei es immer konkret auf die Menschen ankommt. Die Zugehörigkeit zu einer Randgruppe allein macht noch keinen besseren Menschen. Denn wie wir gerade aus Südafrika erfahren haben, können selbst beinamputierte Menschen Idioten sein.

Gut und Böse hängen jedenfalls nicht an der sexuellen Orientierung. Weshalb das auch nicht per Gesetz so festgestellt werden kann.

Aber es ist ja Wahlkampf. Und vor allem für CSU und CDU gilt es, jene konservative Klientel zu bedienen, der das für sie Fremde ein Dorn im Auge ist. Menschen, denen die Halsschlagader schwillt, weil der Nachbar seine Hecke zu schlampig schneidet. Menschen, die Falschparker aufschreiben, denen bekennende Linkshänder der strukturellen Abartigkeit verdächtig sind, Menschen die um Mitternacht bei null Verkehr an einer roten Ampel stehen bleiben.

Es sind auch Menschen, die den Verdacht nicht loswerden, dass Lesben und Schwule nur ein Ziel haben: Kinder und Jugendliche von einer ordentlichen Fortpflanzungs-Sexualität abzubringen und sie an ein anderes Ufer zu locken, an dem am Ende der Tod dieser Gesellschaft durch Aussterben mangels Nachwuchs steht. Menschen, die glauben, dass diese Homo-, Trans- und Dingssexuellen von einem ansteckenden Menschen-Umdreh-Virus befallen sind.

Sie alle brauchen Politiker(innen), die sie vor dem Anderen warnen und beschützen wollen. Die alle möglichen Werte bewahren wollen, außer Toleranz und Menschlichkeit. Und die CSU hat ihre Wahlkämpfe schon immer gegen das vermeintlich Böse geführt. Mal war es der Sozialismus, mal waren es die Asylanten. Und hier, nur hier, liegt die Chance, dass die Gleichstellung homosexueller Ehen doch vor den Wahlen kommt. In ersten Talkshows wird eifrig über die Bedrohung durch Bulgaren, Rumänen, Sinti und Roma schwadroniert.

Hoffnungsvolles Wahlkampfthema. Denn es ist doch klar: Wenn das Boot voll ist, ist ein rosa Alphorn das kleinere Übel. Döööööhhhhhh!!!!

November 5th, 2012

Müde Politiker in dünner Luft

Gipfel und Abgrund sind eins. Das sagte der große Denker Friedrich Nietzsche, wie stets ein wenig rätselhaft. Wenn man die Beschlüsse der Berliner Koalition anschaut, beginnt man diesen großen Satz zu verstehen. Der Gipfel ist nicht zwangsläufig der Ort der Erleuchtung.

Gipfel, das Wort signalisiert uns Großes. Es ist der Ort, nach dem der mühselige Mensch heftig strebt. Dort angekommen, fällt die Last dieser Welt von ihm ab. Er ist befreit, ist Gott nahe, er schaut von oben auf die Probleme der Welt, die auf einmal ganz klein erscheinen.  Ja, beim Erreichen des höchsten Punktes ist etwas ganz Besonderes passiert. Wer hier steht, hat es geschafft und  macht keine Fehler mehr.

Schön, bloß: Wer so denkt, kennt die reale Politik nicht. Wahrscheinlich auch keine tatsächlichen Gipfelstürme. Denn nach einem langen, langen Aufstieg sind die Helden übermüdet. Hinzu kommt die Höhenluft, die die Sinne ein Stück weit vernebelt. Und dann stehen da mehrere Leute oben, die sich untereinander eigentlich nicht ausstehen können. Irgendwie müssen sie sich einigen. Oder wenigstens so tun.

Aus solchen Situationen nährt sich der faule Kompromiss. Jeder hat einen nutzlosenWunsch frei – bekommt ihn aber sicher erfüllt.

Das hilft für den Moment. Ganz klar. Nie vergessen sollte man allerdings: Vom Gipfel nach unten kann es viel schneller gehen als umgekehrt.