Posts Tagged ‘CSU’

Mai 9th, 2012

CSU-Party? Seehofer braucht High Heels

Jung, trendy, stylish, sexy: Diese Attribute hat man bisher eher mit Dolce & Gabbana als mit Seehofer & CSU in Verbindung gebracht. Doch das hat sich seit Dienstagabend geändert. Die erste Partei-Facebook-Party hat stattgefunden. Ohne Tote und Verletzte, vielleicht mit einer paar Besoffenen.

Nach Auskunft von Teilnehmern soll die Party ganz nett gewesen sein. Der erwartete riesige Ansturm sowie die Rache der am Einlass Enttäuschten ist ausgeblieben. Die Zahl der Medienvertretert war groß, alles lief in ruhigen Bahnen. Also alles in Butter?

Finde ich nicht. Es gab immer wieder mal Diskussionen über die Frage, ob Parteienwerbung durch öffentliche Gelder finanziert werden darf. Die CSU hat mit ihrer flapsigen Einladung das Versprechen auf ein riesiges Chaos ausgelöst. Belohnt wurde sie mit einem überragenden Medienecho. Der Polizeieinsatz zur Absicherung der Veranstaltung wiederum geht auf Kosten der Steuerzahler. Die Partei zahlte ihren Gästen gerade mal ein Freigetränk.

Ausgeprägte Volks- oder Zielgruppennähe hat die CSU eh nicht bewiesen. Um Horst Seehofer nahe zu sein, musste die Jugend der Welt laut Medienberichten zehn Sicherheitsschleusen passieren. Als Veranstaltungsort wurde eine Nobeldisco ausgewählt, wie sie auch einem Sarkozy gefallen hätte. Schließlich: Jede Salsa- oder High-Heels-Party in einer mittelfränkischen Großdisco lockt mehr Besucher an als die CSU-Facebook-Sause. Schöne Schuhe hätten vielleicht was gebracht.

Der Erfolg bestand letztlich in der öffentlichen Wahrnehmung. Weil man dachte, dass an diesem Abend Dinge zusammenwachsen könnten, die eigentlich nicht zusammengehören. Wahrscheinlich nehmen sich andere Institutionen bald ein Beispiel. Die FDP-Facebook-Party bei der Heilsarmee ist nur noch eine Frage der Zeit.

April 17th, 2012

Auf See qualmt nur der Dampfer

Käpt'n Söder sorgt für saubere Luft.

Käpt'n Söder kämpft für frische Luft.

Der Kampf schien vorbei, das Problem befriedet: Mit dem schärfsten Rauchverbot aller Zeiten wurde Frieden zwischen den Menschen mit und ohne Mundgeruch geschaffen. Schien es. Doch wir wissen, dass eine funktionierende Bürokratie und eine mitfühlende Politik für jedes Problem stets noch eine offene Frage findet.

In diesem Sinne ist unser Ex-Gesundheitsminister Markus Söder erfolgreich gewesen. Als neuer Finanzminister ist er der oberste Herr über Bayerns Schlösser und Seen. Er trägt damit auch die Verantwortung für die auf den Gewässern kreuzenden Ausflugsdampfern. Dort jedoch trafen bislang Nikotinfreunde und -feinde völlig unkontrolliert aufeinander. Das geht nicht. Also hat Söder ein Rauchverbot auf “seinen” Schiffen erlassen. Zum Schutz der mitfahrenden Kinder, wie es hieß.

An dieser Stelle dürften sich selbst erklärte Rauchgegner gewundert haben. Eine Schifffahrt ist ja in der Regel mit Fahrtwind verbunden. Weshalb der Qualm schnell verschwinden sollte.

Aber vielleicht liegt hier der wahre Verbotsgrund, nämlich der Schutz der an den Seeufern wohnenden Großkopferten á la Edmund Stoiber. Der Tabakqualm wird schließlich an die Berghänge geweht und erreicht die dort grasenden Gemsen. Diese werden krank – und die Metastasen landen über die Nahrungskette auf den Tellern der Kommandeure der Gebirgsschützenkompanien.

Nichts gegen diese fürsorgliche Regelung, aber so etwas wünscht sich auch das Volk. Und das geht so: Während der Öffnungszeiten von Biergärten wird ab sofort die Vorbeifahrt von Lastwagen strikt unterbunden. Erst dann wird abgasfreier Genuss richtig schön. Herr Söder, übernehmen Sie!

April 11th, 2012

Eigener Herd ist Geldes wert

So ist's recht: Diese Familienidylle geht aber nur, wenn Mami am Herd bleibt.

So ist's recht: Diese Familienidylle geht aber nur, wenn Mami am Herd bleibt.

Wenn es um Mann, Frau, Kind und Familie geht, sitzt bei der CSU der Stachel der Moderne tief. Gerade Kinderkrippen sehen Teile unserer früheren Alleinregierungspartei noch immer als Teil einer sozialistischen Verschwörung an. Wurde dieses System doch in der früheren DDR eingeführt und erprobt.

Was solle denn bitteschön, hieß es in zurückliegenden Diskussionen, aus der Beziehung von Eltern und Kind werden, wenn schon kleinste Kinder von der Mutterbrust gerissen und in die Obhut staatlich ausgebildeter Fachkräfte gegeben würden? Auch das staatliche Familiengeld war lange Zeit nicht im Sinne der CSU. Deren Idealbild war die oberbayerische Vorzeigefamilie, in der die Kinder den Papa bei dessen Rückkehr aus dem rauen Alltag mit zünftiger Zither- und Hackbrettmusik empfangen und Mamas Schweinebraten mit einem innigen Tischgebet begrüßen.

Aber die Zeiten haben sich gewandelt. Selbst die naivste Frau weiß inzwischen, dass es für ihr Geschlecht drei entscheidende Karrierehindernisse gibt: 1. Die Möglichkeit, dass sie ein Kind bekommt. 2. Dass sie ein Kind bekommen hat. 3. Dass sie wegen eines Kindes für längere Zeit nicht mehr am Arbeitsplatz erscheint. Entsprechend handelt der Großteil unserer famosen Wirtschaft.

Also bleibt für die CSU nur das Betreuungsgeld als letztmögliche Brandmauer gegen die alles verderbende Kinder-Gleichmacherei. Die Mütter und Väter sollen „freiheitlich” ent­scheiden dürfen, ob sie ihre Kinder in eine Krippe geben oder sie zu Hause erziehen wollen. Und wer daheim erzieht, soll finanziell belohnt werden.

Parteichef Horst Seehofer will das bedingungslose Heimerziehungs-Grundgehalt mit ganzer Macht einführen. Verschiedentliche Zweifel hat er mit dem Satz gekontert: “Da wird kein Jota verändert.” Gut, allerdings wissen wir auch: Schon mehrfach in den letzten Jahren hat der Stellvertreter des bayerischen Löwen auf Erden laut gebrüllt. Doch wenn es ernst wurde, waren die Zähne immer weg. Also, schaumer mal.

März 6th, 2012

Wie endet Putin? Wie Stoiber oder wie Rasputin?

Ach, Wladmir! Da gibt es so viele Menschen auf dieser Welt, die so gerne gewählt werden möchten.  Du, Putin, zeigst ihnen, wie es richtig geht. Mache ein Land zu deinem Besitz. Mache den Menschen klar, dass das genau und nur so richtig ist. Und sie werden dir folgen.

Ein klein bisschen erinnerst Du uns EU-Europäer an den großen Demokraten Silvio Berlusconi. Auch er war nach außen nie von Selbstzweifeln geplagt. Auch er war körperlich klein, aber in seiner komprimierten Form ein ganzer Kerl. Die schönsten Frauen lagen ihm (und seinem Geldbeutel) zu Füßen.

Der letzte lupenreine Demokrat, der bei uns ein annäherndes Ergebnis wie Du geschafft hat, hieß Edmund Stoiber. Und deshalb sei vorsichtig. Beim weißen Ritter von Wolfratshausen mündete die Zwei-Drittel-Mehrheit in eine absolutistisch-durchgeknallte Phase. Bis sich eine rothaarige Hexe aus dem Fränkischen daran machte, dessen wilden Treiben einen Rücktrittsfluch entgegenzusetzen. Das Ende ist bekannt: Stoiber kämpft jetzt in Brüssel gegen die Demokratie und muss in Passau reden, wenn in Berlin ein Bundespräsident zurückgetreten ist.

Und denke daran, Wladimir, es gab schon einen, der deinen Namen in seinem Namen trug.  Rasputin, Grigori Jefimowitsch, ein Wanderprediger und Geistheiler, dem breiten Publikum auch als “Lover of the Russian Queen” bekannt. Nicht zuletzt dank der immensen Kraft seiner Lenden erarbeitete er sich am Hof der Zarin einen enormen Einfluss. Im Laufe des Ersten Weltkriegs wurde er aber  zum Sündenbock für die militärische Schwäche des großen russischen Reiches. Am 17. Dezember 1916 wurde Rasputin unter Führung von engen Verwandten von Zar Nikolaus II. ermordet.

Darum, merke, Wladmir. Alle Macht ist endlich. Pass auf, sonst endest Du wie Edmund Stoiber. Im besseren Fall.

März 4th, 2012

Wenn Wulff die Gabriele Pauli wäre…

Christian Wulff kriegt also sein Geld. Und wir alle fragen uns, ob das irgendetwas mit Gerechtigkeit zu tun hat.  Schließlich kann kein/e Arbeitnehmer/in jemals in diese Pensionsregionen vordringen. Aber auch innerhalb der politischen Kaste gibt es Ungleichheit. Wie wäre es gewesen, wenn unser Ex-Bundespräsident Gabriele Pauli wäre?

Gabriele Pauli war jene “schöne Landrätin”, die den großen CSU-Zampano Edmund Stoiber quasi im Alleingang demontiert hat. Weitere massive politische “Vergehen” ihrerseits sind nicht überliefert. Die von ihr vorgeschlagene befristete Ehe war ja nur eine Idee. Für Bestechlichkeit ist sie nicht bekannt. Sie hat sich allerdings Latex-Handschuhe angezogen für Fotos, welche sexuell deutlich aufgeladener waren, als sämtliche “Bunte”-Bilderstrecken von Bettina Wulff.

Jedenfalls hat sie im Jahr 2008 ihr Büro im Landkreis Fürth aus freien Stücken geräumt. Im Alter von 50 Jahren. Nach 18-jähriger Amtszeit hat sie einen Anspruch auf eine monatliche Pension von 4000 Euro erworben. Also nicht einmal ein Viertel Ehrensold. Doch ihr Kreistag legte hinter verschlossenen Türen fest, dass die Auszahlung dieser Pension erst im Alter von 62 Jahren beginnen wird. Das war Auslegungssache – und wahrscheinlich auch ein Stück weit Rache.

Auf den Punkt gebracht hat die Angelegenheit der damalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) mit folgendem Satz: “Es kriegt niemand eine Rente mit 50 und wir sehen das auch für uns nicht vor.” Mit Blick auf die Wulff’sche Sofortrente drängt sich die Assoziation zu dem berühtem Satz “Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten”, irgendwie auf.

Aber egal. Auf die Frage, was geschehen würde, wenn Christian Wulff Gabriele Pauli wäre, gibt es eine klare Antwort: In Großburgwedel würde bald ein Möbelwagen vorfahren.

 

 

 

 

 

 

 

 

Januar 20th, 2012

Guttenbergs Brief: Bis Ende 2013 gescheitert

“Vorerst gescheitert” lautet der Titel des Buches mit dem Männergespräch zwischen Karl-Theodor zu Guttenberg und Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo. Seit heute wissen wir, dass das Scheitern bis Ende 2013 anhalten wird. Der ehemalige Politik-Star hat den CSU-Mitgliedern einen entsprechenden Brief geschrieben. Hier ist er. Sprachanalytiker, Graphologen und sonstige Kommentatoren bitte vortreten…

Januar 2nd, 2012

Seehofer, der scheinheilige Rentenzweifler

Was bringt das neue Jahr – außer guten Vorsätzen, die man schnell vergisst? 2012 ist es die Aussicht auf mehr Arbeit. Mehr Lebensarbeit. Denn die Aktion “Rente mit 67″ beginnt. Und schon schlägt die Stunde des großen Populisten Horst Seehofer.

Falls das Rentenalter steige, ohne dass es mehr Arbeit für Ältere gebe, sei das eine Rentenkürzung durch die Hintertür. Und das sei nicht sozial, hat der bayerische Ministerpräsident fein erkannt. Allerdings ist er mit dieser Kritik der Zweifelsheuchler der alten CSU-Schule. Als solcher folgt er diesem Prinzip: Mitregieren, mitbeschließen, kritisieren, Nachdenken fordern – und dann weitermachen wie zuvor beschlossen. Ernst nehmen müsste man das nicht, wenn es nicht noch immer Menschen gäbe, die auf diese Masche hereinfallen.

Aber wie ist es denn nun, mit der Rente ab 67? Ich halte dieses Gesetz für unsozial. Sicher, es ist ein Argument, dass längeres Arbeiten möglich sein müsste, wenn es immer weniger junge Leute gibt und der Altersdurchschnitt steigt. Nicht in Ordnung ist allerdings, dass wie so oft vor allem jene Menschen benachteiligt werden, denen es ohnehin wirtschaftlich schlechter geht.

Wer einfachere, schlechter bezahlte körperliche Arbeit macht, hat einen höheren Verschleiß. Er wird also früher aus dem Berufsleben ausscheiden. Das bedeutet kräftige Abstriche.

Auf der anderen Seite gibt es genug Menschen, die in ihrem Beruf weitermachen möchten und könnten. Die es aber nicht dürfen, weil es eine Altersgrenze gibt. Sinnvoll ist auch das nicht.

Es bräuchte also Regelungen, die an den jeweiligen Einzelfall angepasst ist. Wirklich? Wo das hinführt, zeigt das Steuerrecht. Die Sache wird elend kompliziert – und ist am Ende auch nicht gerecht.

Man kann es mit den Rentnern also eigentlich nur mehr oder weniger falsch machen. Wünschen wir also Horst Seehofer alles Gute für seinen Kampf gegen die Rente mit 67. Und arbeiten wir stattdessen schon mal für ein besseres Image der Rentner. Auch da gibt es viel zu tun, wie dieser Satz zeigt: “Wer im Müßiggang verzehrt, was er selbst nicht erworben hat, verübt geradezu einen Diebstahl, und ein Rentner, den der Staat für sein untätiges Leben in Form von Zinsen bezahlt, ist in meinen Augen kaum von einem Straßenräuber verschieden, der auf Kosten der Reisenden lebt.” Gesagt hat ihn der Dichter Jean-Jacques Rousseau irgendwann im 18. Jahrhundert. Seien wir ehrlich: Manche sehen das noch heute so.

Dezember 19th, 2011

Wenn der Bock zum Gärtner wird

Nur wer das Böse kennt, kann dem Guten dienen. Wie das gemeint ist, erkläre ich am Beispiel unseres vorerst gescheiterten Starpolitikers Karl-Theodor zu Guttenberg in meinem aktuellen Video.

November 3rd, 2011

Markus Söder, unser Held zum Weltmännertag

Wie kein anderer pflügt er durch das Meer der Politik: Markus Söder.

Wie kein anderer pflügt er durch das Meer der Politik: Markus Söder.

Heute ziehe ich den Hut vor der CSU! In einer Zeit der schleichenden Feminisierung dieser Gesellschaft zeigt sie uns, dass sie echte Kerle zu schätzen weiß. Sie hat Markus Söder aus Nürnberg zum bayerischen Finanzminister ernannt. Und das ist, ob es der Konkurrenz gefällt oder nicht, ein starkes Signal zum heutigen Weltmännertag.

Markus Söder, das war immer der Mann fürs Grobe. Unvergessen ist der Vergleich vom Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg aus dem Jahr 2009. Da wurde der gerade irrwitzig berühmt gewordene Jungstar Karl Theodor zu Guttenberg als Gustav Gans der CSU bezeichnet, unser Mann aus Nürnberg jedoch als Donald Duck. Als ewiger Pechvogel wurde er diffamiert.

Er ist also so etwas wie die Bild-Zeitung der Christsozialen. Er wird gewählt, aber keiner will es gewesen sein. Seine Umgangsformen sind nicht elegant, Humor ist vorhanden, aber nicht feinsinnig.

Ausgeblendet haben die Satiriker, dass es sich bei Markus Söder um einen Überlebenskünstler ersten Ranges handelt. Ob seine Herren nun Strauß, Stoiber, Beckstein oder Seehofer hießen – der gelernte Fernsehredakteur diente seinen Herren zuverlässig in jedem Amt, das ihm zugewiesen wurde. Frei nach dem alten Journalisten-Erfolgsrezept “Nichts wissen, aber das gekonnt ausdrücken.” Und einen Guttenberg konnte er auch deshalb überstehen, weil seine eigene Doktorarbeit zum Thema “Von altdeutschen Rechtstraditionen zu einem modernen Gemeindeedikt. Die Entwicklung der Kommunalgesetzgebung im rechtsrheinischen Bayern zwischen 1802 und 1818“ so schlecht benotet wurde, dass es gar nicht um ein Plagiat handeln kann.

Eine Parteifreundin, die Markus Söder in innigstem Hass verbunden ist, äußerte sich über dessen Zukunft mir gegenüber einmal so: “Manchmal genügt es, am Ufer eines Fluss zu sitzen und darauf zu warten, dass die Leiche des Feindes vorüberschwimmt.”

So ist es jetzt: Söder sitzt am Fluss. Seehofer rudert hektisch durch die Gegend. Fortsetzung könnte folgen – sofern die CSU diese Personalie überlebt.

Oktober 9th, 2011

Schöne Zeiten enden – bei ZDF und CSU

Die Zukunft ruft. Sie lockt mit stetem Wandel und der Verheißung auf immer neue Rettungsschirme. Bloß: Viele hören nicht hin. Sie wollen, dass alles bleibt wie es ist. Oder das es wieder so wird, wie es einmal war. Zu erleben war dies am Wochenende gleich bei zwei Veranstaltungen im Nürnberger Messezentrum: beim CSU-Parteitag und bei “Wetten. dass….?”.

Erstmal zeigte sich der Hang zum Immergleichen am Beispiel der Show. Obwohl Moderator Thomas Gottschalk inzwischen als Auslaufmodell antritt, war er mit 9,06 Millionen Zuschauern der Sieger des Samstagsabends. Konkurrent Dieter Bohlen kam mit seinem “Supertalent” nur auf 6,58 Millionen Fans.

Wie kann das sein? Ein paar bekannte Showgrößen lümmeln auf einer Couch, dürfen kostenlose Werbung für ihre neuen Produkte machen. Dazwischen gibt es abstruse Wetten und ein bisschen Musik. Neu ist das alles nicht, aber “Wetten, dass…?” hat eben den Status von Tagesschau, Tatort oder Neujahrs-Skispringen. Es war irgendwie immer da und wird deshalb auch geguckt.

Allerdings: Gerade diese Show wird heftigst mit ihrem Moderator indentifiziert. Wer immer für Gottschalk kommt, wird es schwer haben oder wird schon bald das Comeback seines Vorgängers ankündigen. Ein ganz neues Gesicht, also einen großen Wandel, hält “Wetten, dass…?” nur schwer aus.

Nicht viel anders geht es der CSU. Früher war diese Partei ein echter Machtfaktor. In der alten Bundesrepublik schaute man nach Bayern, die Gamsbartträger am alpenländischen Sonntags-Stammtisch konnten die Weltpolitik in der Überzeugung diskutieren, dass die Oberen ihrer Partei in Bonn für Zucht und Ordnung sorgen würden.

Heute muss die CSU das tun, was eine ostdeutsche Pfarrerstochter will. Und so hatten beim Parteitag fast die hälfte der Delegierten Lust auf den Anti-Euro-Illusionisten Peter Gauweiler. Kein Seehofer-Stellvertreter hebt die Welt aus den Angeln. Das weiß man. Aber da wäre wenigstens wieder einer gewesen, der so redet wie damals.

Das Signal von Nürnberg von Anfang Oktober lautet also: Es ist nicht leicht, wenn schöne Zeiten zu Ende gehen. Ob beim ZDF – oder bei der CSU.

Juli 26th, 2011

Kaufhof-Rettung? Da hilft nur Geld.

Kennen Sie den? Den Primat der Politik? Dieser Begriff steht für die Meinung, dass bei wichtigen Entscheidungen der politische Wille Vorrang vor allen anderen Interessen, insbesondere vor wirtschaftlichen, haben sollte. Manchmal aber ist dieser Primat ein Witz. Aus gutem Grund.

Namhafte Gelehrte bezweifeln ohnehin längst, dass eine Welt funktionieren kann, in der die Politiker/-innen stets zuallererst den Ton angeben. Sie beschäftigen sich dabei gerne mit der Globalisierung. Ich nehme ein Nürnberger Thema. Den Kaufhof.

Jüngst hatte ich geschildert, dass mich das für 2012 geplante Aus für das traditionsreiche Nürnberger Südstadt-Kaufhaus richtig traurig macht. Mich verbinden damit viele persönliche Erinnerungen. Auch zahlreiche andere Menschen zeigten sich geschockt.

Alle, die in dieser Gegend Verantwortung tragen, sollten daher schleunigst gemeinsam nach der besten Lösung für die Zukunft suchen. Meint man. Aber das gelingt nicht. Zurzeit jedenfalls sucht offenbar jede Partei nach einer eigenen Lösung, die Einzelhändler-Vereinigung “Südstadt Aktiv” verbündet sich ganz offiziell mit der CSU,  bedient sich aber auch bei Ideen bei der SPD. Aus Sicht der Bürger entwickelt sich ein “Herr-Lehrer-ich-weiß-was-Spiel”. Am vergangenen Samstag waren auf dem Aufseßplatz zwei Stände zum Thema Kaufhof aufgebaut. Ein seltsames Bild.

So werden die Akteure nicht zum Ziel kommen. Den Primat der Politik kann man vergessen. Es hilft nur jemand, der den Mut hat, in diesen grauen Kasten viel Geld zu investieren. “It’s the econonmy, stupid” – es kommt darauf an, was die Wirtschaft sagt. Der frühere US-Präsident Bill Clinton hat mit seinem berühmten Satz in Sachen Nürnberger Südstadt recht. Und das ist ja auch ein globaler Aspekt.

 

 

 

 

 

Mai 28th, 2011

Atomkraftwerke: Verseuchte Gurken in Merkels Garten

Jetzt hat sie ihren ganz persönlichen radioaktiven EHEC-Salat, unsere Kanzlerin. Laut ZDF-Politbarometer glauben etwas mehr als zwei Drittel der Deutschen nicht mehr, dass Angela Merkels Regierung eine redliche Atompolitik macht. Nur noch 13 Prozent halten die im “Herbst der Entscheidungen” beschlossene Laufzeitverlängerung für richtig. Was ist bloß geschehen?

Halten wir kurz inne. Wäre vor einem Jahr der Mond auf die Erde gefallen, hätte uns der Bayerische Umweltminister Markus Söder versprochen, dass dieser am Kühlturm von Isar 1 folgenlos abprallen würde. Viele hätten es geglaubt, auf dem Politischen Aschermittwoch hätte ihm die versammelte CSU für dieses Versprechen zugejubelt. Schließlich wurden doch – dank unserer überragenden Ingenieurleistungen – bei uns schon immer die sichersten Atommeiler der Welt gebaut. Nichts konnte passieren. Lästig war nur das Gebrabbel grüner/linker Kreise.

Aber stand dahinter eine Überzeugung? Nie und nimmer. Denn in dieser Regierung gibt es keine. Es kann doch nicht sein, dass sich das mit fester Stimmer gegebene Versprechen, dass unsere Kraftwerke Tod und Teufel trotzen würden, nicht mehr gilt, nur weil der große Airbus neuerdings zehn Meter länger ist. Oder weil ein Tsunami bei Landhut angesichts des weiteren Abschmelzens der Polkappen nicht einhundertprozentig ausgeschlossen werden kann?

Die deutsche Atompolitik ist ein gutes Beispiel dafür, wie die Menschen verarscht werden, wenn sie es sich gefallen lassen. Weil Entscheidungen frei nach Winston Churchills berühmtem Satz gefällt werden: “Glaube nur dem Gutachten, das du selbst gefälscht hast.” Notfalls mit einer grandios besetzten Ethik-Kommission.

Tja – und jetzt hat es das Volk gemerkt. Und lässt es sich nicht mehr gefallen, sondern geht auf die Straße. Wie heute in vielen Städten, unter anderem in Fürth.

Für unredliche Politiker/-innen ist das der Super-Gau. Verseuchte Gurken können schlimmer nicht sein.

April 11th, 2011

Zu Guttenberg netter als van Gaal? Vielleicht nicht

Ja, dieser Karl Theodor zu Guttenberg war ganz anders: Unbestechlich, unabhängig, energisch und dennoch sympathisch. Einer, der den Taliban im schicken Wüsten-Outfit Dampf unterm Hintern machte und auch ansonsten die schwierigsten Aufgaben mit einem strahlenden Lächeln löste. Doch immer stärker zeigt sich, dass wir uns getäuscht haben. Dass einer wie er “trickreich” dissertiert, dann aber vor der Verantwortung desertiert, hätten wir nie und nimmer gedacht.

Dabei galt uns Guttenberg als exaktes Gegenstück zu Fußballtrainer Louis van Gaal. Dieser hätte den Verdacht des Abkupferns mit den Worten “Ich bin wie Gott. Ich weiß alles” kommentiert. “Als Trainer top. Als Mensch ein Arsch”, hätten wir geantwortet und ich heim ins Tulpenland geschickt. Uns war immer klar, dass dieser Egomane scheitern musste.

Jetzt aber zeigt sich: Auch Baron zu Guttenberg weist eine schwierige Persönlichkeitsstruktur auf. Er war zunächst nicht bereit, Fehler zuzugeben und flüchtete sich dann in Ausreden. So wie einst Roland Koch kündigte er an, bei einer brutalstmöglichen Aufklärung seiner Affäre vorneweg zu marschieren. Aber jetzt, wo sie ihm an der Uni Bayreuth offenbar auf die Schliche gekommen sind, will er seine Anwälte eine öffentliche “Würdigung” seiner Doktorarbeit verhindern lassen. Und auch die Bayerische Staatsregierung ist bemüht, die Angelegenheit diskret, sprich ohne Strafverfolgung zu regeln.

Na gut, Egoisten sind wir alle. Aber, ehrlich, wer ist uns letztlich lieber? Das ehrliche Ekelpaket aus den Niederlanden oder der smarte Vertuscher aus Oberfranken? Hm!

März 31st, 2011

Der Islam? In der Tasse ist er gut

In dieser bebenden, radioaktiven, unübersichtlichen Welt dürstet es uns danach, dass uns wenigstens einzelne Politiker die Gewissheit geben, dass unser Weltbild trotz Japan, Knut und Grün-Rot in Baden-Württemberg weiterhin im Lot ist. Und für diese Aufgabe ist, wir ahnen oder wissen, nur eine Partei geeignet: die CSU. Sie muss durch ihr Spitzenpersonal neuerdings nicht mehr Deutschland am Hindukusch verteidigen, also verteidigt sie die Nation gegen den Islam.

Der neue Innenminister Hans-Peter Friedrich hat diesen Job übernommen. Mit seinem Hinweis, dass der Islam – historisch gesehen -nicht zu Deutschland gehöre, hat er einen uralten Pflock seiner Partei erneut in den Boden gerammt. Damit hat er die Mitglieder der Islamkonferenz gegen sich aufgebracht. Aber alte Stammtischbrüder werden zufrieden sein.

Wenn es nur stimmen würde. Denn die Früchte morgenländischer Kultur sind bei uns allgegenwärtig. So greifen unsere Mediziner auch heute noch im Wesentlichen auf jahrhundertealte Erkenntnisse arabischer Ärzte zurück. Auch das Grundrezept für Seife stammt aus dem Orient. Deutschland ohne Islam würde also nicht gut riechen.

Und schließlich: Der Kaffee. Dieses Getränk wurde der Legende nach von Hirten in Jemen entdeckt. Im 17. Jahrhundert wurde in Venedig des erste europäische Kaffeehaus eröffnet. Mit ausdrücklicher Billigung des damaligen Papstes Clemens VII. Christliche Fanatiker hatten ihn gedrängt, das heidnische Teufelsgesöff zu verbieten. Der Pontifex fand es jedoch so köstlich, dass er erklärte, dass es eine Sünde wäre, es alleine den Ungläubigen zu überlassen. (So schildert es das Arabische Museum Nürnberg)

Heute liegt der Konsum an Kaffee pro Kopf in Deutschland nach der Statistik bei 146 Litern im Jahr – bei Mineralwasser sind es nur 130 Liter, und auch Bier wird weniger getrunken. Nicht mal CSU-Wähler kämen auf die Idee, 800 Euro und mehr für einen Schankbier-Dosierautomaten auszugeben. Für eine Espressomaschine schon.

Also, lieber Herr Friedrich. Wer mir die Freude an meinem Kaffee nehmen will, kriegt meine Stimme nicht. Und überhaupt: Glaubwürdig wären CSU und Bayerische Staatsregierung erst, wenn sie feierlich erklären würden, dass Franck Ribéry (Moslem) kein Teil von Bayern München ist.

März 11th, 2011

Japan zeigt: Unsere Probleme hätten andere gern

Die wahnsinnigen Ereignisse nach dem Erdbeben im Japan machen es wieder einmal deutlich: Alles in allem gesehen geht es uns gut. Sehr gut sogar.

Nehmen wir doch mal drängende Fragen dieser Tage: Gehört der Islam zu Deutschland oder nicht? Ist eine klitzekleine Steuersenkung vielleicht doch möglich? Dürfen, was CSU-Generalsekretärin Dorothee Bär heftig kritisiert, Germany`s Next Top Models in einer Kirche Brautkleider vorführen? Und kann es gutgehen, dass bei DSDS Nina Richel durch Sarah Engels ersetzt wird?

Unsere Richter-Skala der überflüssigen und belanglosen Themen ist nach unten offen, während es in Japan viele Erdbeben- und Tsunamiopfer gibt und sogar eine atomare Katastrophe droht. Und während der irre libysche Diktator nahezu ungestört seine Gegner beschießen lässt. Was er die nächsten Tage sogar wieder besser kann, weil es seit heute ein anderes großes Thema gibt.

Logisch. Es überfordert uns, für das komplette Weltgeschehen Interesse oder echte Gefühle für Opfer von Katastrophen zu entwickeln. Kein Mensch will und kann Tag und Nacht nur die ganz großen Probleme lösen. Wir brauchen auch das Einfache, das Triviale, um uns gut zu fühlen.

Also mag es unglaubwürdig sein, heute von Trauer oder “tiefer Betroffenheit” zu reden. Aber wir könnten innehalten und unsere eigenen Probleme gelassener betrachten. Der Sarkasmusgenerator in meinem Gehirn jedenfalls hat gerade Sendepause. Und das ist auch gut so.