Alphamännchen im schwarzen Bauerntheater

Horst Seehofer sehe manche wie die Hauptfigur in einer antiken Tragödie. Das ist, mit Verlaub, ziemlich übertrieben. Intrigen in der CSU sind immer auch ein Stück weit Bauerntheater. Die Geschichte ist, alles in allem, recht banal.

Bei einem Parteichef und Ministerpräsidenten ist es nicht anders als bei einem Sportfunktionär. Er ist unumstritten, so lange er Erfolg hat. Und wer eine Partei coacht, die die absolute Mehrheit als  Normalfall betrachtet, hat es besonders schwer. Bei Marktführernmüssen Manager gehen, wenn die Spitzenposition gefährdet ist,

Der aktuelle CSU-interne Krach findet seine Entsprechung aber noch besser in der Tierwelt. Bei den Säugetieren mag das Alpha-Männchen die meiste Zeit faul herumliegen. Das stört niemand, so lange es für zahlreichen gesunden, kräftigen Nachwuchs sorgt. Selbst bei Gallischen Feldwespen ist der Rang der Individuen sehr wichtig. Ranghöhere Wespen müssen weniger arbeiten, dürfen mehr eigene Eier legen und sich intensiver um die eigene Brut kümmern.

In der Politik geht es nicht um Kinder, dafür jedoch um Mandate, welche, gekoppelt mit einem frühzeitigen Pensionsanspruch, ihrem Inhaber ein gutes Leben sichern. Selbst wenn dieser außer Daherreden gar nichts kann.

Die Junge Union sieht deshalb schlechte Wahlergebnisse besonders kritisch. Schließlich gibt es in ihren Reihen viele Nachwuchskräfte, die nicht vorhaben, vor ihrer segensreiche Tätigkeit im Parlament sinnlos Zeit mit normaler Arbeit zu verschwenden. Da sieht man es nicht gerne, wenn der spätestens für 2023 ins Auge gefasste Wahlkreis nicht mehr sicher ist.

Also schmeißt man sich kollektiv dem vermutlichen neuen Alpha-Männchen an den Hals.

Allerdings: Das Ganze ist ein Risiko. Zahlreiche Tierfilme zeigen, wie der grau gewordene Rudelführer beim Angriff des Jüngeren in höchste Not gerät, sich aber mit Zähigkeit und Schläue schließlich doch behauptet. Das Bild des halbstarken Giraffenjünglings, dem beim vernichtenden Schlag des alten Bullen das Genick gebrochen wird, sollte Markus Söder zu denken geben.

Im Tierfilm wird der Sieg des Alten aber stets traurig kommentiert. „Ein letztes Mal hat er es geschafft“, heißt es dann. Muss Söder demnach bloß warten? Mag sein – aber das hat sich Prinz Charles vor 20 Jahren wahrscheinlich auch gedacht. Warten wir im Bauerntheater auf den nächsten Akt.