Schröpfer-Alex und die fremden Autos

Politiker, wie auch Gewerkschafter, Pfarrer, Sozialarbeiter und andere Beseelte, kämpfen in diesem Leben vor allem für eines: Gerechtigkeit! Man könnte auch sagen, dass es das Ziel der Arbeit der Angehörigen dieser und verwandter Berufsgruppen ist, den Himmel auf Erden zu schaffen. Aber das ginge beim Thema Pkw-Maut dann doch zu weit. Grenzenlose Freiheit verspricht dieses Projekt ja nicht.

Oder doch? Über die Vignette erwirbt der inländische Autofahrer eine Flatrate für alle Straßen. Unbegrenzt darf er von der Spielstraße bis zu achtspurigen Autobahn alle Fahrbahnen benutzen – und sich zudem daran freuen, dass die holländischen Wohnwagenbesitzer den Verkehr nicht mehr kostenfrei behindern dürfen. Wir sparen schließlich bei der der Kfz-Steuer. Unsere Straßen gehören uns. Und wer drauf will, zahlt gefälligst. Sagenhafte 71 Prozent der Bundesbürger finden dies gut. Dies besagt eine Umfrage des Institus dimap (die die CSU bezahlt hat, aber das ist selbstverständlich nebensächlich – sagen die Meinungsforscher).

Also alles in Butter? Das leider nicht. Denn das Konzept der Pkw-Maut trägt die schlimmen Aspekte des deutschen Steuerrechts in sich. Auch dieses folgt dem Prinzip “Himmel auf Erden”, was bedeutet, dass es einerseits Gerechtigkeit für Alle schaffen, aber andererseits jedem Einzelfall gerecht werden will. Am Ende wird es derart kompliziert, dass es, wie beim Steuerrecht, einer blutigen Revolution bedürfte, um Nachhaltiges zu ändern. Wenn wirklich alle Öko-Aspekte für die Zuweisung der Vignettenfarbe beachtet werden sollen, dürfte es bunt werden auf den Autoscheiben. Und warum für Elektroautos nichts bezahlt werden soll, ist schwer nachvollziehbar. Kann man doch seriös nur Luftkissenfahrzeugen bescheinigen, dass sie den Straßenbelag nicht abnutzen.

So bleibt diese Maut ein rätselhaftes Ding. Und warum einer, der zum Schröpfer-Alex mutiert, beim Vorstellen seiner Idee so selbstzufrieden grinst, fragt man sich auch. Er ist eben beseelt, unser Minister Dobrindt.

 

Verdiente Watschn für eine träge Partei

Das Wesen der bayerischen “Watschn” wie auch der fränkischen “Schelln” ist es, dass diese krachende Ohrfeige für die meisten Betroffenen unerwartet kommt. Ihr Effekt ist dafür umso donnernder. Denn sie ist zwar eine unmoderne, aber meistens auch gerechte Maßregelung. In diesem Sinne hat es jetzt die CSU erwischt. Das 40-Prozent-Ergebnis bestraft eine Partei, die denkfaul und träge geworden ist.

Diese vermaledeiten Landtagswahlen. Immer wenn diese gut gelaufen sind, steigt der CSU der Erfolg zu Kopf. Das war so, als Edmund Stoiber mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit gesegnet wurde und sich danach in einen krankhaft fanatischen Aktionismus gestürzt hat. Nach einem brutalen Absturz gewann man vor einem Jahr die absolute Mehrheit zurück. Horst Seehofer und die Seinen vermittelten danach den Eindruck, dass ihr Allmachtsanspruch für Bayern fortan für alle Ewigkeit bestehen würde. Egal, ob das, was heute gesagt wird, morgen noch gilt. Eigentlich egal, was überhaupt gesagt wird.

Großer Irrtum! Das gestrige Wahlergebnis ist so, als würde Bayern München die Qualifikation für die Europa-League verpassen. Beim Nobelverein gäbe es sofort harte Konsequenzen, in der CSU wird man sich wahrscheinlich erst einmal fassungslos fragen: “Was erlaube Volk?” Dabei liegen die Gründe auf der Hand. Der CSU ist zu Europa nichts Originelles eingefallen. Zu hören war nur die alte Leier, dass außerhalb des Muster-Freistaates das Böse lauert. Dass Armut zuwandert, dass Flüchtlinge die Sozialkassen plündern und dass wichtigtuerische Bürokraten in Brüssel nur eines vwollen: Das schöne weiß-blaue Leben mit unnötigen Vorschriften zu erschweren.

Nur die CSU kann Bayern in Europa retten. Das war die Melodie der CSU-Wahlwerbung schon in den 80er Jahren. Aber wer sollte bitteschön daran glauben, dass acht Gesandte des Freistaates den Kurs von 760 Europaabgeordneten steuern könnten? Oder jetzt nur noch fünf?

Märchen sind schön. Aber in der Politik helfen sie auf Dauer nicht. Die Ideensuche darf beginnen…

Der Flüsterer ist oft der Dumme

Es ist tragisch. In der schwarz-gelben Koalition war Hans-Peter Friedrich das Montagsauto unter den Ministern. Sein Überleben als Innenminister war er vor allem dadurch gesichert, dass sein  Parteichef Horst Seehofer ausschließlich selbst entscheidet, ob und wann er sich – auch in Personalfragen – getäuscht hat. Mit Ackerbau und Viehzucht, mit Schulobst und Imkerei war nun ein Aufgabenfeld gefunden worden, das sich auch mit beschränkten Fähigkeiten beackern lässt. Und nun stolpert der arme Mann über den Skandal eines anderen. Dabei hatte er es doch bloß gut gemeint.

Friedrichs Sturz ist ein neuerlicher Beweis für die uralte Erkenntnis, dass Überbringern schlechter Nachrichten Ungemach droht. Der Agrarminister erlebt gerade eine Art Edward-Snowden-Gefühl. Eigentlich müssten ihm Staat und Regierung dankbar dafür sein, dass er einen bösen Verdacht angesprochen und somit einem GroKo-Skandal vorgebeugt hat. Stattdessen steht er selber im Abseits. Man kann auch – ganz andere Baustelle – an Uli Hoeneß denken. Er hatte seinerzeit öffentlich gemacht, dass der designierte Fußball-Bundestrainer Christoph Daum weiße Linien nicht nur als Spielfeldmarkierungen betrachten würde. Der Koks-Verdacht war zutreffend, der Flüsterer wurde gleichwohl aufs Heftigste beschimpft.

Übel spielt das Leben mit den naiv Aufrechten. Aber warum ist die CSU nun derart empört? Das wiederum ist normal. Es ist integraler Bestandteil unseres politischen Systems, dass es reale Feindschaften politischer Gegner in Wirklichkeit nicht gibt. Die Akteure, speziell der etablierten Parteien, wissen nur zu gut, dass sie einander immer wieder brauchen. Das Publikum bekommt die im Rahmen der politischen Meinungsbildung erforderliche Talk-Show-Debatte, beim anschließenden Bier duzt man sich und haut sich auf die Schultern. Politiker/-innen verbindet eine Grund-Sympathie und -Solidarität. Schließlich erledigt man einen harten und sehr oft miesen Job, für die “die Menschen draußen” zu faul und feige sind. Also hilft man sich auch mal, Schlimmes zu vermeiden.

Das ist nicht mal schlecht für’s Land. Aber schwierig wird es dann, wenn es im Zuge eines Skandals nur ein einzelnes politisches Lager erwischt. Auch nach dem Sturz des Edelmannes Karl Theodor zu Guttenberg reagierte die CSU zunächst mit dramatischen Solidaridätsadressen und Beschimpfungen der Fürstenmörder. Und bei Hans-Peter Friedrich muss das vermeintliche Unrecht erst recht herausgestellt werden. Schließlich ist die Sicherheit, der Schutz des Volkes vor Ungemach und somit die enge Zusammenarbeit mit Ermittlern und Gerichten, ein Markenkern der CSU. Ein Versagen auf diesem Gebiet kann nur aus edlen Motiven erfolgen.

Meine Prognose: Das Geheul wird noch ein, zwei Wochen anhalten. Dann ist der Kurzzeit-Agrarminister vergessen. Für die Frage allerdings, ob es zwecks Edathy und Friedrich auch SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann erwischt, ist nur eines entscheidend: Ist Vizekanzler Gabriel in die Angelegenheit verwickelt? Falls ja, sieht es für den nachrangigen Sozi übel aus. Kann man nichts machen. So geht sie eben, die große Politik.

 

 

 

Schluss mit Skandalen! Doktortitel für Alle!

Ja, es stimmt. In Sachen Politik suche ich stets das Haar in der Suppe. Heute jedoch wende ich mich mit einem gut gemeinten Rat an Regierende und Volk: Kümmern wir uns endlich um die großen Themen. Machen wir Schluss mit vermeidbaren Skandalen. Starten wir die Aktion “Doktortitel für Alle!”.

Geweckt wurde meine heiße Sehnsucht nach Harmonie durch ein gegeltes Haar in der Suppe. Sozusagen. Der neue CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer verzichtet ab sofort auf das Führen seines Doktortitels. Diesen hatte er als “kleines Doktorat” auf eine billige Art in Prag erworben. Die Pinscher-Promotion hatte er gewählt, weil man ihn an der Universität seiner Heimatstadt Passau zugelassen hatte. Der zuständige Politik-Professor Heinrich Oberreuter (als TV-Analytiker von der CSU durchaus geschätzt) erinnert sich: „Andreas Scheuer gehörte nicht zu denen, die sich uns dazu aufgedrängt hätten, dass wir sie zu höheren akademischen Weihen führen.“

Es ist also wieder ein Schaumschläger entlarvt. Aber was bringt uns das? Wir wissen doch eh, dass scharfer Intellekt oder gar ausgewiesene Klugheit den erfolgreichen Politiker nicht zwangsläufig ausmachen. Wir wissen zugleich, dass sich viele Politiker/-innen Respekt sehnen. Niemand soll Zweifel daran haben, dass sie etwas Besonderes sind. Wohlklingende Titel oder Anreden für die Herrschenden hat es immer gegeben.

Majestät, Durchlaucht, Exzellenz – das alles klingt nach etwas. Wie öde wirken dagegen Titel wie MdB (Mitglied des Bundestages) oder MdL (Mitglied des Landtags). Da lacht doch selbst der gemeine Facharbeiter.

Ich schlage deshalb Folgendes vor: Wir erkennen an, dass die Fähigkeit, in einer 15-minütigen Wirtshausrede  sowohl über Familienpolitik, Armut, Rentenkasse, Afghanistan, Schulobst wie auch Windkraft zu schwadronieren, als akademische Leistung anerkannt wird. Was bedeutet, dass jedem/r Politiker/-in vom Landtag aufwärts nach erfolgter Wahl der Doktortitel zugesprochen wird. Fraktionsvorsitzende und deren Stellvertreter/-innen dürfen sich für die Dauer dieser Tätigkeit “Professor auf Zeit”. Ab Minister aufwärts darf zwischen Anreden gewählt werden. Eminenz für christliche Politiker oder ZK-Chef für Linke sind im Angebot. Schließlich: Wenn sich das Ganze bewährt hat, werden Doktortitel auch für TÜV-zertifizierte Wichtigtuer freigegeben.

Dann ist Frieden an der Plagiatsfront. Dann steht die Sonne der Forschung endlich tief. Und dann, wir wissen es vom Satiriker Karl Kaus, werfen selbst Zwerge einen langen Schatten.

 

 

 

 

 

Gute Vorsätze? Nö, die CSU macht Angst

Gute Vorsätze für das neue Jahr? Nein, das lasse ich diesmal besser bleiben. Zu schwer wiegt die aktuelle Drohung der CSU, “Wer betrügt, der fliegt”. Und, ja, ich habe mich und andere an Silvester schon zu oft selbst betrogen. Ich habe mir heilige Versprechen gegeben und sie nach spätestens drei Tagen gebrochen. Das würde ich wieder tun, der Rauswurf aus dem Freistaat Bayern wäre denkbar. Also gibt’s für 2014 keine offiziellen Pläne.

Dabei bin ich keineswegs völlig gescheitert. Seit zirka 20 Jahren bin ich mir mit mir einig, dass ich im jeweils neuen Jahr abnehmen sollte. Stattdessen bin ich schwerer geworden. Unter Anwendung der hellenischen Prinzipen der EU-Troika war ich gleichwohl erfolgreich. Denn meine regelmäßigen Mahnungen an mich selbst haben ein Abflachen meiner Zunahme-Kurve bewirkt. Ohne gute Vorsätze wäre ich längst so weit, dass mich das Rote Kreuz im Falle einer Krankheit mit einem Kranwagen abholen müsste. Bewältigt ist die Krise nicht, jedoch in ihrem möglichen Ausmaß begrenzt worden.

Eine ganz andere Frage ist, ob ich mich und andere überhaupt betrogen habe. Wäre ich eine Partei, dann eher nicht. Schließlich gehört es zum Wesen der Politik, mehr zu versprechen, als erreicht werden kann. Man nennt das Wahlprogramm oder (in besonders freigeistigen Talk-Shows) Vision. Sobald gewisse Pläne aufgeschrieben oder verkündet sind, ist allerdings auch den Wählern klar, dass diese scheitern werden. Es gibt ja so viele Gründe dafür. Mal sind es die äußeren Umstände im Allgemeinen, mal eine plötzliche Krise, die Sorge um den Industriestandort oder einfach ein böswilliger Koalitionspartner.

Das Gute für Parteien ist allerdings, dass ihre guten Vorsätze gerne vergessen werden. Nur selten kommt es vor, dass, wer betrügt, auch fliegt. Das passiert vor allem nicht, wenn eine Partei als unverzichtbar angesehen wird. Wie die CSU in Bayern. Deshalb glaubt sie, dass sie Rumänen und Bulgaren generell unter Betrugsverdacht stellen, ihr nahe stehende entlarvte Betrüger aber verteidigen kann. Sie darf das. Das Volk erlaubt das.

Für mich wiederum gilt eine andere Wahrheit, nämlich “Jeder Mensch ist ersetzbar”. Also halte ich mich zurück. Bis das Rauswurf-Versprechen der CSU vergessen ist. Ich rechne damit etwa sechs Wochen nach der Europawahl. Bis dann!

 

 

 

GroKo und die weiß-blauen Bettvorleger

Als Löwen gesprungen, als Bettvorleger gelandet. Dieses Schicksal hat gerade die CSU ereilt. In der neuen Großen Koalition ist sie die neue FDP, also weitgehend überflüssig.

Vor einigen Wochen hatte das noch ganz anders ausgesehen. Absolute Mehrheit in Bayern zurückerobert, Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einem blendenden Wahlergebnis zwischen Main und Zugspitze in die Nähe derselben gebracht. Horst Seehofer und die Seinen schwelgten im Glück, sie konnten vor Kraft nicht laufen.

Und nun? Der neue Verkehrsminister heißt Alexander Dobrindt. Der Experte für überflüssiges Getöse und schiefe Sprachbilder darf also beweisen, dass er sowohl Pkw-Maut als auch Berliner Flughafen hinbekommt. Sein Kollege Gerd Müller führt das Entwicklungshilfeministerium, dessen Existenzberechtigung ja durchaus umstritten ist.Den großartigsten Abstieg aber hat Hans-Peter  Friedrich hingelegt. Der ehemalige Innenminister, der dem Großen Verbündeten USA so mutig die Stirn geboten hat, darf in Zukunft gemeinsam mit den Imkern gegen die Verbreitung der Varroa-Milbe kämpfen und sich an der Seite des EU-Bürokratenschrecks Edmund Stoiber für den freien Verkauf krummer Salatgurken einsetzen. Da Verbraucherschutz nicht mehr zu seinem Ressort gehört, wird er sich mit seinem Staatssekretär heftig um den Posteingang balgen.

Wie aber konnte das passieren? Wer, bitteschön, hat unsere CSU geschrumpft? Antwort: Es war der Horst. Man darf davon ausgehen, dass Parteichef Seehofer die Bundespolitik egal ist. Sinnstiftend für die CSU ist die absolute Mehrheit im schönen Bayern. Und dann ist es gut, wenn man mit den wirklich kontroversen oder schmerzhaften Themen nichts zu tun hat. Eurorettung? Macht der Mann im Rollstuhl. Energiewende? Schaut Leute, der irre Gabriel schröpft die Bürger. Pflegenotstand? Den regelt der Gröhe mit der lustigen Frisur. Gäbe es ein Bundesministerium für Bedeutungslosigkeit – die CSU hätte es genommen.

Denn was immer auch in Berlin passiert: Schuld sind die anderen. Man kann das als taktisch versiert ansehen. Tatsächlich zeigt es eine feige Gesinnung. Manche Bettvorleger haben ihr Schicksal verdient…

Es gibt auch Helden in der Politik

Nelson Mandela - für mich ein echter Held.Es schimpft sich leicht über die Politiker. Ihnen fehle jedes Gespür für das wahre Leben. Sie seien verlogen, arrogant, ausschließlich geil auf wichtige Posten. Und sie taugten ganz und gar nichts. Weil sie nicht handelten, sondern nur schön reden würden. Das sagen wir – und rufen nach besseren Volksvertretern.

Zum Glück: Es gibt in der Politik auch Helden. Nehmen wir Nelson Mandela. Der jetzt gestorbene südafrikanische Präsident hat einen schier unfassbaren Lebenslauf. Als Anwalt der schwarzen Bevölkerung zu lebenslanger Haft verurteilt, lehnte er nach 23 Jahren im Gefängnis  seine Freilassung ab,  weil ihm die Abschaffung der Apartheid nicht zugesichert wurde. Erst weitere vier Jahre später war er ein freier Mann.

Seine wahre menschliche Größe zeigte er, als er als erster schwarzer Staatspräsident keinen Rachefeldzug gegen die ehemaligen Unterdrücker führte. Er setzte, im Gegenteil, auf eine versöhnliche Aufarbeitung der Geschichte. So wurde Nelson Mandela zum wirklich würdigen Friedensnobelpreisträger.

Gäbe es mehr Politiker/-innen dieses Kalibers, könnte man sich zurecht Hoffnungen auf eine bessere Welt machen. Aber es sind auch andere da.

Nehmen wir Hans-Peter Friedrich. Der CSU-Mann aus Naila in Oberfranken ist der nachvollziehbar schlechteste Innenminister seit vielen Jahrzehnten, vermutlich sogar seit dem Zweiten Weltkrieg. Aus einer Gegend stammend, aus der die Menschen wegziehen, hat er meistens von Vertretern seiner Partei besetzte Rolle des Überfremdungs-Mahners übernommen.

Tausende von Flüchtlingen ersaufen im Mittelmeer “Italien muss seine Hausaufgaben machen”, sagt Friedrich. Freizügigkeit für EU-Bürger/-innen? Ja, aber bloß nicht für Bulgaren und Rumänen. Auch dann nicht, wenn es überwiegend gebildete, gut ausgebildete Migranten sind. Und Rückgrat zeigen bei Großmachts-Gehabe der USA? Nicht mit Friedrich, dem großen Freund des großen Verbündeten.

Fazit: Es stimmt, dass es falsch ist, nur über die Politiker zu schimpfen. Aber dass zu oft die Falschen am Ruder sind, stimmt leider auch.

 

 

 

Aliens sind unsere Hoffnung

Weltsensation! Die Bild-Zeitung, die gerade mit einer Sonderausgabe zur Bundestagswahl 41 Millionen Haushalten die Altpapiertonnen verstopft hat, meldet also außerirdisches Leben in unserer Stratosphäre. Es handle sich um Einzeller, deren DNA-Struktur einer irdischen Algenart gleiche. Liebe Leute, warum wundert uns das? Es muss extraterristrisches Spezies geben. Alles andere wäre ein dramatisches Versagen der Evolution.

Stellen wir uns doch bloß mal vor, es wäre der Endpunkt der Schöpfung, dass Bild, RTL 2 und Bunte nebeneinander existieren können. Stellen wir uns vor, Gott würde mit Wohlgefallen auf den Euro-Rettungsschirm und auf das deutsche Steuerrecht in seiner Gesamtheit schauen. Er würde sagen, dass beides so blendend aufgebaut sei, als wäre es direkt vom Baum der Erkenntnis gepflückt.

Stellen wir uns weiter vor, dass es galaxieweit keine Spezies gäbe, die erkannt hätte, dass Telefon-Flatrates mit angegliedertem Schrottservice zu überwinden sind. Und dass es so genannte Führungs-Nationen gäbe, in denen eine Angela Merkel an der absoluten Mehrheit kratzt.

Nein, es wäre eine Tragik des universalen Lebens, wenn es keine klügere Lebewesen als uns Menschen gäbe. Wenn Wahlkämpfe der SPD und der Grünen den Standard für andere Planenten setzen würden. Wenn die die AfD auf dem Mars die Abschaffung des Sonnendollars fordern könnte.

Nein, Aliens sind keine Bedrohung. Sie sind unsere Hoffnung. Aber wer weiß, vielleicht hat das Aufräumen schon begonnen. Die FDP wurde am Wahlsonntag eindrucksvoll eliminiert. Wie? Sie meinen, das kann nicht das Werk von Aliens sein, weil die doch bestenfalls in der Stratosphäre sitzen? Tja, aber war da nicht dieser Irre, der aus größter Höhe abgesprungen ist? Ja, er hat sie mitgebracht. Red Bull verleiht der Evolution Flügel. Sie sind da. Herzlich willkommen!

Seehofer, Guardiola und die Pkw-Maut

Also sprach der  große Vorsitzende Horst Seehofer: Er werde einen neuen Koalitionsvertrag nur dann unterschreiben, wenn darin die Pkw-Maut für Ausländer enthalten sei. Ist das nun mehr als eine Stammtisch-Parole? Denken wir mal nach.

Interessant ist zunächst, dass der CSU-Chef an mehreren Stellen seines Interviews in der Bild am Sonntag so redet, als sei die Bundestagswahl entschieden. Der Gedanke, dass seine Unterschrift auf dem künftigen rot-grünen Regierungsfahrplan gar nicht gebraucht werden könnte, kommt in seinem Denken offenbar überhaupt nicht vor. Es scheint, dass die Wahl für ihn als gewonnen abgehakt ist.

Aber stellen wir die entscheidende Frage: Müsste Pep Guardiola Autobahn-Maut zahlen, wenn er Uli Hoeneß zum Steuerflüchtlings-Seminar im Hause Beckenbauer nach Kitzbühel fahren sollte? Eher nein, denn er ist kein Ausländer. Nach EU-Recht gelten Staatsangehörige als Inländer. Also werden Portugiesen genauso wenig Pkw-Maut zahlen wie Österreicher oder Bulgaren. Blechen müssten allerdings stinkreiche Leute, nämlich die Schweizer, Russen und Chinesen. Auch Papst Franziskus müsste sich die Vignette auf sein Papamobil kleben lassen.

Es lauern aber noch mehr Probleme: Ist die Pkw-Maut an den Ort der Zulassung gebunden? Wird sie also für Autos mit deutschen Kennzeichen auch dann nicht erhoben, wenn ein Brasilianer am Steuer sitzen sollte? Was, andererseits, ist mit neuen deutschen Staatsbürgern, die ihre Verwandten auf der Heimreise mit einem türkischen Wagen zum Familientreffen nach Deutschland fahren? Die Sache wird derart kompliziert, dass ein gerechtes Gebühreneinzugssystem selbst von Siemens und SAP gemeinsam kaum programmiert werden könnte.

Die Sache ist somit ein Rohrkrepierer. Aber das ist Horst Seehofer und seinen Parteistrategen egal. Sie bauen darauf, dass sich nach dem Kirchgang in Mausgesees folgende Stammtischrede entwickelt:

“Des mid därrer Maud bassd scho. Mir hamm doch die andern Völger erschd zeichd, wäi mer Audobahner baud. Und die Schbageddifresser hulnsi unser Geld doch scho lang. Na, a su a Maud mou scho sei. Und där Horsd schaud, dass mir nix zohln müssen, sondern blouß die andern. Goud, dassmer unser CSU hamm.” Ich glaube, auf unserem Bierdeckel können wir das so unterschreiben…

 

 

 

 

 

Söders Salat und der Arsch der Republikaner

Was haben Menschen und Botschaft miteinander zu tun?

Was haben Menschen und Botschaft miteinander zu tun?

Ganz ehrlich, ich langweile mich. Nur zu gerne würde ich über die großen Dramen und Tragödien anlässlich der bevorstehenden Wahlen schreiben. Es drängt mich danach, leidenschaftlich für die einen zu werben und vor den anderen zu warnen. Ich möchte der Demokratie dienen. Allein, es geht nicht.

Es gibt ein klares Indiz dafür, dass Politik und Wahlvolk diesmal gleich träge sind. Keine/r der Matadore/-innen droht bisher mit einer “Schicksalswahl”. Die Bundeskanzlerin schweigt, ihr Herausforderer Peer Steinbrück sagt immer etwas, was irgend jemand aufregt. CSU-Chef Horst Seehofer sagt immer das, was nach den jeweils aktuellen Umfragen den meisten Menschen gefällt.

Das Leid dieser Wahlen zeigt sich auch an den Plakaten. Hierzu nur Beispiele: Für die CSU kandidiert bei der bayerischen Landtagswahl im Stimmkreis Nürnberg-Nord der Landwirt Michael Brückner. Auf dem Plakat steht unter seinem Namen der Slogan “Frisches aus dem Knoblauchsland”. Was bedeutet das politisch? Wurde gentechnisch ein Zwirbelsalat gezüchtet, der sich beim Wachstum genauso oft um die eigene Achse dreht wie Horst Seehofer bei der Anwendung seiner Prinzipien? Soll konservativen Müttern eine kostenlose Tüte Karotten als Dreingabe zum Betreuungsgeld versprochen werden? Oder können Panini-Sammelbilder mit dem Porträt von Finanzminister Markus Söder ab sofort mit der Gemüsekiste bestellt werden?

Die SPD wiederum offeriert ihren bayerischen Spitzenkandidaten Christian Ude als den Ministerpräsidenten, “der Wort hält”. Optisch wird das so umgesetzt, dass Ude einen vermutlich aus Styropor geschnitzten Schriftzug “Wort” in der Hand hält. Das ist jene Kategorie Kalauer, für die Comedians selbst bei der Bambi-Verleihung von der Bühne gepfiffen werden. Die Sozialdemokratie war nie das Biotop des Humors. Aber warum hat man, wenn schon, das Ganze nicht weiterentwickelt? Warum nicht Vegetarier mit dem Satz ansprechen “Ude, der Mann, der beim Schlachten bummelt”? Und Sportfans mit dem Slogan “Der Politiker, der den Fuß ballt”?

Die Plakate der Grünen sind mit ihren mehreren Köpfen so kompliziert, dass man sie schon beim Vorbeifahren auf dem E-Bike nicht erfassen kann. Auch die Linke bietet so viel Botschaft, dass Autofahrer allenfalls das Wort “sozial” erfassen werden. Bei der FDP reicht eigentlich der Hinweis, dass ein lokaler Kandidat Facharzt ist. Man kennt dann das Programm.

Die Piraten zeigen eine Oma mit zwei Enkelkindern und schreiben dazu “Nicht käuflich, nur wählbar”. Gibt es also die Forderung nach kostenlosen Tagesmüttern? Schließlich sind die Republikaner am Start. Sie zeigen vier Mal einen Hintern, wobei dieser mit den Farben der Konkurrenz unterlegt ist und fragen, welches A……… man diesmal zu wählen gedenke. Andy Warhol hat gestalterisch Marilyn Monroe auf diese Weise bearbeitet, die Rockgruppe Queen hat so ein missratenes Plattencover gestaltet. Man fragt sich nur: Warum fehlt hier der braune Arsch?

Trotz alledem: Ich will dieser Demokratie dienen. Meine Heimatstadt hat mich als Wahlvorsteher eingeteilt. Da werde ich ganz korrekt sein. Ich halte Wort.