Donald T., der Winkekater

Es gibt Ereignisse und Bilder, bei denen man sich denkt: „Merkwürdig, das habe ich doch schon mal gesehen?“ Für ein solches Dejá-vu hat gerade wieder der Gröpaz der USA gesorgt. Donald Trump, gemäß Selbsteinschätzung größter Präsident aller Zeiten, schreitet über die Straße, stellt sich vor eine Kirche und hält mit der rechten Hand die Bibel in die Höhe.

Woher kennen wir diese Geste? Wer noch in einer Zeit aufgewachsen ist, in der nicht jede stark befahrene Kreuzung mit einer funktionierenden Ampel bestückt war, denkt an Verkehrspolizisten. Auch diese standen da, oft mit dem grimmigen Blick der absoluten Autorität. Bei Trump fehlt allerdings die Trillerpfeife.

Da kommt uns der Fußball-Schiedsrichter in den Sinn. Wenn er sich vor jenem Spieler aufbaut, der seinem Berufskollegen mittels Blutgrätsche die Bänder gedehnt hat. Rote Karte, Höchststrafe. So sieht das aus.

Oder denken wir an die Zeugen Jehovas. Auch sie stehen da und bieten religiöses Material feil. Allerdings wäre Donald Trump in diesem Fall ein schlechter Darsteller. Die Gestik der Sektenbrüder und -schwestern ist deutlich demütiger. Sie halten ihren Wachturm beidhändig vor die Brust.

Bleibt noch die chinesische Winkekatze. Tatsächlich, im Asia-Shop wird sie exakt mit der trumpischen Armhaltung verkauft. Ohne Bibel, klar, aber wir fragen uns doch: Handelte es sich bei der durch Tränengas-Einsatz ermöglichten Aktion am Weißen Haus in Wahrheit um eine geheime Botschaft an den Kollegen in Peking? Wollte Donald Trump dem Reich der Mitte signalisieren, dass er gerade keine Zeit für einen Handelskrieg hat?

Vielleicht werden wir es irgendwann in den Geschichtsbüchern lesen. Bis  dahin dürfen wir dankbar sein. Nämlich dafür, dass wir Regierende haben, die idiotische Inszenierungen in ernsten Zeiten bleiben lassen. Und dafür, dass man sich in Deutschland nicht nach zwei Wochen Arbeitslosigkeit in die Schlange bei der Essensausgabe stellen muss.

Sicher, manche trifft die Krise auch bei uns sehr hart. Aber niemand so sehr, dass er/sie unter Trump leben müsste. Und das ist schon ein bisschen wert.