Posts Tagged ‘Club’

Oktober 23rd, 2012

Vom alkoholfreien Bahnhof zum Badekappenzwang

Also machte er sich auf. Edmund, der weiße Ritter von Wolfratshausen, wild entschlossen, der bösen Bürokratie Einhalt zu gebieten. Das Leben in Europa sollte einfacher werden. Zuerst in Brüssel – und dann auf allen Ebenen des Zusammenlebens bis in die kleinste Gasse. Doch so läuft das nicht. Das Leben wird schwieriger.

Einen Komplikationsschub hat uns das Rauchverbot gebracht. Ob in geselliger Runde oder am Arbeitsplatz – immer wieder erlebt man, wie Menschen wortlos aufstehen und sich in böser Absicht ins Freie zu schleichen. Nur dort, an der so genannten frischen Luft, ist das Rauchen noch erlaubt. Und auf Bahnsteigen lernen wir, dass  belastbarer Himmel mit gelben Vierecken zu markieren ist.

Gut, das Rauchverbot hat überraschend gut funktioniert. Amokläufe durch zwangsentwöhnte Qualmern sind ausgeblieben.  Die CSU schnuppert wieder an der absoluten Mehrheit. Wer mutwillig Tabak verschwelt, gilt nicht mehr als kreativ, auch nicht mehr als sexy, sondern nur noch als zu schwach.

Jetzt aber kommt die nächste Säuberungswelle: Die Deutsche Bahn hat für ihren Nürnberger Hauptbahnhof ein Alkoholverbot.  An „sensiblen Tagen“, also am Freitag- und Samstagabend, darf man zwar betrunken durch den Bahnhof laufen. Trinken oder das sichtbare Mitführen von Promillehaltigem wird mit Platzverweis bestraft. Mindestens. Wer saufen möchte oder die Nähe zu Saufenden sucht, geht gefälligste ins Freie.

Für mich ist das Verbot zwiespältig. Niemand möchte zwischen Yormaz und Müller in den handfesten Streit einer Horde besoffener Jugendlicher hineingeraten. Pluspunkt. Es dienst der Gesellschaft, wenn auch einmal deutlich gezeigt wird, dass ein Rausch unerotisch und unwillkommen ist. Pluspunkt. Aber hilft es der Müllabfuhr wirklich, wenn sie noch mehr als bisher Sonntagfrüh verstopfte Mülleimer ausleeren und zerbrochene Flaschen zusammenkehren muss? Minuspunkt. Bedroht ist zudem die Volksgesundheit. Der Hauptbahnhof ist Teil einer Partymeile – und in den entsprechenden Clubs sind die Stoffe sehr dünn und die Röcke sehr kurz. Das führt bei Kälte zu gefährlichen Krankheiten. Klarer Minuspunkt.

Es stellt sich die Frage, ob das alles sein muss. Und ob es besser ist, im Freien angepöbelt zu werden. Als böse Vision habe ich als nächsten Schritt die Rückkehr zum Badekappenzwang für öffentliche Schwimmbäder aus den 70-er Jahren vor Augen. Und dabei, Edmund, hatte ich doch so an Dich geglaubt.

August 2nd, 2012

Neue Heimat für die Kaufhof-Zecher

Südstadt-Idylle: Der Biergarten der "Silbernen Kanne".

Südstadt-Idylle: Der Biergarten der "Silbernen Kanne".

Als bekannt wurde, dass der Kaufhof in der Nürnberger Südstadt schließen wird, war ich wirklich traurig. (siehe hier) Nun soll der große Betonklotz am Aufseßplatz abgerissen und durch etwas Neues ersetzt werden. Irgendwann. Aber wohin hat es das Stammpublikum des alten Kaufhauses verschlagen? Eine Stück neue Heimat gibt es: Das Gasthaus “Silberne Kanne” in der Breitscheidstraße.

An der Fassade prangt noch immer der stolze Schriftzug „Speisehaus“. Doch das ist Vergangenheit. Die “Silberne Kanne“ nennt sich jetzt “Sportsbar” und ist seit ihrer Wiedereröffnung vor vier Wochen ganz auf den „Glubb“ eingestellt. Und sie ist ein Asyl für besondere Heimatvertriebene.

Wirtin Sandy Schmalfuß (32) hatte zuletzt im “Dinea”-Restaurant im 200 Meter Luftlinie entfernten Kaufhof am Aufseßplatz gearbeitet. Sie kannte auch die Stammkunden der dortigen “Franeknstube”. Diese war Treffpunkt von Clubfans und hatte daneben immer auch die Funktion und das Flair einer Wärmestube. Auch wer sonst keine recht Heimat hatte, war dort willkommen.

Noch vor der Schließung des Kaufhofs entschloss sich Schmalfuß, ihrem Stammpublikum ein neues Nest zu bauen. Sie wurde sich mit den Eigentümern der seit zirka eineinhalb Jahren geschlossenen Lokals einig. Ihre Mutter Annette Basse kündigte ihren ungeliebten Job an der Kasse eines Discounters – fertig war die Wirtschafts-Gründung.

Montags bis samstags ist von 11 bis 22 Uhr geöffnet. Das rustikale Mobiliar des ehemaligen Speiselokals ist mit Devotionalien des ruhmreichsten aller fränkischen Fußballvereine geschmückt. Alle Spiele des 1. FC Nürnberg werden live zu sehen sein. Dazu gibt es Faß- und Flaschenbiere zu Preisen zwischen zwei und 2,60 Euro. Die Hauptgerichte sind Schnitzel mit Beilage oder drei Bratwürste mit Kraut für jeweils 5,90 Euro.

Eine Attraktion für sich ist der Biergarten. Gäste sitzen dort unter sechs mächtigen Kastanien. Ein unerwartetes Ambiente an dieser Stelle der Südstadt. Die Nachbarschaft wird dessen Existenz spätestens am Samstag, 4. August, registrieren: Dann ist Sommerfest mit Live-Musik.Das gab’s nicht mal im Kaufhof.

 

Januar 27th, 2012

Video: Das Leben ist ein Fahrstuhl

Im Leben geht es meistens Auf und Ab. Mancher wird zum Star und stürzt genauso schnell wieder ab. Mancher gerät in die Krise – kommt aber wieder nach oben. Dazu ein paar Gedanken aus dem Fahrstuhl…

Januar 13th, 2012

Ein DJ braucht saubere Finger und…

Nicht wenige junge Menschen versuchen sich in ihrer Freizeit als DJ´s. Aber sind sie auf diese Tätigkeit ausreichend vorbereitet? Wie es geht zeigt dieses Video aus dem Jahr 1969. Und anders als bei Loriots Jodeldiplom handelt es sich nicht um Satire.
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November 28th, 2011

Das Unverhoffte kann so schön sein

Überraschung! Der Bahnhof kommt.

Überraschung! Der Bahnhof kommt.

Gibt es etwas Schöneres als das Unerwartete? Wenn es anders kommt als gedacht? Wenn alle Prognosen über den Haufen geworfen werden? Ja, das kann schön sein. Aber die Betonung liegt auf „kann“. Sicher ist nur, dass der große Wilhelm Busch richtig gelegen hat, als er dereinst dieses reimte: “Stets findet Überraschung statt. Da, wo man’s nicht erwartet hat.”

Nehmen wir das vergangene Wochenende: Bei der Volksabstimmung für „Stuttgart 21“ war eine klare Mehrheit für den unterirdischen Bahnhof. Das hatten sich viele anders ausgemalt. Andererseits: Durch den Weiterbau wird in Stuttgart zwar elend viel Geld vergraben. Aber vielleicht ist die Wirkung genauso wie bei einem anständigen Begräbnis: Danach herrscht Ruhe im Karton. Dann wäre es nicht so schlimm gewesen.

Unverhofft ist es auch gekommen, dass Florian Silbereisen mit seinem „Adventsfest der 1000 Lichter“ mehr Zuschauer in die ARD lockte als Dieter Bohlen und Konsortinnen mit ihrem „Supertalent“ in RTL. Es sei ihm vergönnt. Intellektuell schädlich ist jede dieser Sendungen – aber der nette Volksmusikant richtet keinen größeren Schaden an.

Völlig konfus und letztendlich glückselig hinterlässt es uns Nürnberger schließlich, dass an einem Spieltag der Fußball-Bundesliga der Club und Augsburg gewonnen und die Bayern verloren haben.

Ja, unglaubliche Überraschungen, die uns zeigen, dass die Dinge vielleicht doch besser sind, soll es noch viele geben. Die nächste Gelegenheit sehe ich bei der Klimakonferenz in Durban. Mal sehen.

Mai 8th, 2011

Meine kleine (Anti-)Helden-Wochenschau

Wer ist ein Held, wer ist keiner? Oft ist das schwer zu sagen. Neben objektiven Kriterien kommt es auch auf die Einstellung des Betrachters an. Wichtig ist auch die Gegend, in der jemand bewertet wird.

Wir Franken lieben das Widersprüchliche. Unsere Helden mögen geniale Erfinder oder irgendwelche Weltmarktführer sein. So richtig sympathisch werden sie uns aber erst, wenn sie nicht zu glatt sind und auch Fehler oder Irrtümer begangen haben. Ein bisschen erkennbare Tragik darf gerne sein. Siehe Lothar Matthäus.

Der Oberfranke Karl Theodor zu Guttenberg hingegen ist endgültig aus unserem Heldenraster gefallen.

Mai 9th, 2010

Schicksal ist mehr als eine Landtagswahl

Na toll, wir haben wieder Schicksalswochen. Weil uns Entscheidungen ins Haus stehen, die scheinbar von Hergott, Tod und Teufel gesteuert sind. Und doch ganz und gar irdisch sind.

Wir könnten nun Heidi Klum und ihre Topmodels in Augenschein nehmen, drängender ist freilich die Situation im  Profifußball. Seit Wochen reiht sich da ein “Schicksalsspiel” ans andere. Die Funktionäre, die unseren Sprachgebrauch um das Wort “Relegation” bereichert haben, bescheren uns in Nürnberg zwei weitere solcher Erlebnisse. Jedoch: Würde der x-te Abstieg in die Zweite Liga auch als tödliche Schmach gelten, ist doch gerade im Sport eine Auferstehung immer möglich.

Oder die heutige NRW-Wahl. Die deutsche Nachkriegszeit ist gespickt mit so genannten “Schicksalswahlen”. Aber was wäre denn, wenn der bei bestimmten Gelegenheiten käufliche Jürgen Rüttgers samt seiner Regierung einpacken müsste? Wenn daraufhin Angela Merkel stürzen würde?

Klare Antwort: Das Leben würde weitergehen. Vielleicht mit anderen Menschen an der Spitze. aber ansonsten nur unwesentlich anders.

Seien wir also doch ein bisschen sparsamer mit dem Begriff “Schicksal”. Dieser passt doch egentlich nur für ganz schlimmer Ereignisse, für ganz schwere Stunden im Leben eines Menschen. Aber nicht für die Folgen eines verschossenen Elfmeters oder einer Wahl.

Werden wir gelassener. Ansonsten gilt ein Satz des Philosophen Freiherr von Humboldt, nach dem in Nürnberg eine sehr schöne Straße benannt ist:  “Wie ein Mensch sein Schicksal meistert, ist wichtiger, als was sein Schicksal ist.”

März 15th, 2010

Der Papst schweigt. Was soll ein ratloser Mensch auch sagen?

Der von Mail zu Mail oder Tweet zu Tweet hüpfenden Generation Internet sei eines mal gesagt. Man kann vier Tage lang wegfahren, ohne dass sich die Aufregerthemen grundsätzlich ändern. Gut, beim 1. FC Nürnberg riecht es wieder stärker nach Klassenerhalt. Aber sonst: Wir ärgern uns über Guido Westerwelle und den Papst.

Beide gehen uns zurzeit mächtig auf die Nerven, wenngleich aus unterschiedlichen Gründen. Der Mann von der FDP, weil er zu oft zu laut zu abseitig daherredet. Der Stellvertreter Christi, weil er zum Problem von Kindsmissbrauch hinter Kirchenmauern erstmal gar nichts sagt. Laut Volksmund soll Reden Silber und Schweigen Gold sein. Hier schaffen es zwei berühmte Persönlichkeiten, dass beides Schrott ist. Aber bleiben wir beim Papst.

Ansich ist Aussitzen spätestens seit Helmut Kohl ein integraler Bestandteil nachhaltiger Regierungskunst. Auch seine Nachfolgerin Angela Merkel versucht sich daran. Um so zu handeln, fehlt dem Papst allerdings nicht nur das breite Gesäß der Politiker. Er geht auch keiner Wahl entgegen. Und er ist, mutmaßlich, unfehlbar. Also im Besitz der Wahrheit. Warum rückt er dann nicht raus damit?

Vielleicht, weil er an Plato denkt. Von dem griechischen Philosophen stammt der Satz: “Man soll schweigen oder Dinge sagen, die noch besser sind als das Schweigen.” Und was soll er denn sagen? Dass es ihm leid tut? Dass ihm die Opfer leid tun? Dass er alles dafür tun will, damit so etwas nicht mehr oder wenigstens viel seltener passiert? Wahrscheinlich wird er das in seinem angekündigten Hirtenbrief an die irischen Bischöfe tun.

Dieser wird dann herumgereicht und verlesen  – und darf als Lehrschreiben wohl auch für Deutschland angewendet werden. Die Persönlichkeitsstruktur des irischen Kinderschänders sollte sich von jener des deutschen Täters ja nicht grundlegend unterscheiden.

Tja, warten wir mal ab, was Benedikt so schreibt. Wesentlich besser wird die Lage durch seinen Brief nicht werden.  Die Strukturen von Priestertum, Glaube und Macht über andere sind so angelegt, dass es immer wieder zu Übergriffen kommen wird. Deshalb ist das Schweigen des Papstes wohl ein ratloses Schweigen.

Ein Satz eines anderen klugen Menschen lautet: “Ändere die Welt, sie braucht es!” Aber das war Bertold Brecht. Einem wie ihm wird die ach so mächtige katholische Kirche bestimmt nicht folgen.

Februar 3rd, 2010

Wie ist Lothar Matthäus? Genauso, wie man denkt

Wurde in Nürnberg fürsorglich belagert: Fußballgott Lothar Matthäus. Foto: LinkeWenn man Promis trifft, ist immer auch diese Frage dabei: Sind sie so, wie man denkt, dass sie sind? Im Fall von Lothar Matthäus sage ich mal: Jawoll.

Der einstige Fußball-Held war Gast bei einer Veranstaltung der Sparkasse. Dabei bewies er wieder einmal, dass man den fränkischen Dialekt auch so benutzen kann, dass es nicht schön klingt. So bezeichnete er sich auf die Frage nach seinen Wintersport-Favoriten definitiv als „Albin-Fan“.

Nett von ihm eine Aussage zum 1. FC Nürnberg, die er im Gespräch mit mir getroffen hat: „Es gibt bestimmt drei schlechtere Mannschaften in der Bundesliga.“ Allerdings werde der Klassenerhalt nicht so leicht zu erreichen sein. Dass er von Magazin á la „Bunte“ oder „Gala“ immer wieder durchgenudelt wird, nimmt Matthäus als unabänderlich hin. Zu mancher Negativnachricht habe er ja auch beigetragen.

Allerdings stört ihn der Neid in Deutschland. Wenn er in seiner Zeit in Italien mit einem großen Auto herumgefahren sei, seien die dortigen Fans darauf stolz gewesen. „Im Ausland hat man mehr Respekt vor Leuten, die in ihrem Leben etwas geleistet haben“, sagte er. Ein Lieblingsland habe er nicht, sehr schön sei sein Jahr in Israel gewesen. Die deutsche Geschichte habe dabei überhaupt keine Rolle gespielt, er sei dort richtig gut behandelt worden.

Und nun einige Matthäus-Zitate vom Abend:

“Ich bin froh, dass ich meinen Körper immer noch so bewegen kann, wie ich es möchte.”

“Alle vier Jahre findet eine Fußball-WM statt. Aber es ist nicht gesagt, dass immer Deutschland gewinnt.”

Was ist Skicross? “Irgendwas, was keine gerade Linie hat, oder?”

„Wir Sportler sind in der Breite interessiert für alle Sportarten.”

Zum Wesen des Fußballs: “Man will nicht nur aufs Tor schießen, sondern auch ein Tor schießen.”

Mai 31st, 2009

Hans Meyer, ein lädierter Held kehrt heim

Weil der 1. FC Nürnberg am heutigen Sonntag aufsteigen wird (ich schreib`s vorab, allem Aberglauben zum Trotz), darf man an einen Helden von einst erinnern: Hans Meyer, Trainer beim Pokalsieg vor zwei Jahren, kehrt als Vollzeit-Bürger kehrt nach Nürnberg zurück. Und ist doch heute am späten Nachmittag endgültig Vergangenheit.

Vor genau zwei Jahren hätte man ihm ein Denkmal gebaut – wenn es denn jemand ernsthaft bei der Stadt beantragt hätte. Es erschien undenkbar, dass in Nürnberg ohne ihn jemals wieder Profi-Fußball gespielt werden könnte. Dann ging`s bergab, der Putz bröckelte schneller als gedacht. Meyer prozessierte mit dem Club ums Geld, ging schließlich nach Mönchengladbach – und wurde nicht mehr richtig froh. Jetzt gab er zu Protokoll, dass er sich mit 67 Jahren zu alt fühle, um eine neue Mannschaft aufzubauen.

Der Trainerriese ist ein Vorzeige-Beispiel dafür, wie schnell auch hellster Heldenglanz verblassen kann. 2007 war er im “kicker” beinahe zum “Trainer des Jahres” ernannt worden. Die Leser fanden ihn super-sympathisch. Was damals schon falsch war, weil es immer zu Meyers Geschäftsgebaren gehörte, Journalisten wie Trottel zu behandeln. Das kam gut, wenn der Erfolg da war. Im absteigenden Trend hatte sein Zynismus keinen Charme.

Bei der neuesten Trainer-Umschau wurde er in die Riege der Branchen-Absteiger eingereiht. Was auch richtig war, weil es kein großer Erfolg war, mit einer teuer eingekauften Mannschaft gerade mal so den Klassenerhalt zu schaffen.

Jetzt also kommt der lädierte Held Hans Meyer als Rentner nach Nürnberg zurück. Mit dem neuerlichen Aufstieg ist er, was Fußball angeht, endgültig Geschichte. Also schlüpft er vielleicht in die angemessene Rolle des netten Opas. Auf dem Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne soll er – falls nichts dazwischenkommt – demnächst als Gesprächspartner für Kinder und Teenager zu Gast sein. Dann kann man seine Sprüche wieder lieben.

Mai 24th, 2009

Frau Schwan hat`s besser als der Oenning

Gelegentliches Abtauchen tut gut.

Die Schwäne lehren uns: Gelegentliches Abtauchen tut gut.

Gesine Schwan, Du hast es gut. Bei der Präsidentenwahl hast Du zwar verloren. Aber dieses Thema ist nach zwei fehlgeschlagenen Kandidaturen gegen “Super-Horst” Köhler auf jeden Fall gegessen. Du kannst Dich zurücklehnen, mal richtig schön abtauchen. Falls Du es kannst.

Denn die Menschen in Deutschland haben die Fähigkeit zum Entspannen offenbar verloren. Geht man nach der aktuellen Studie einer Krankenkasse lebt der Mensch von heute wie ein Elektrogerät. Immer auf Standby, immer auf dem Sprung, etwas tun zu müssen. Während wir gelernt haben. dass bei unseren Fernsehern komplettes Abschalten dem Geldbeutel und der Umwelt gut tut, können wir selbst nicht mehr auf den “Off”-Schalter drücken.

“Es gibt immer was zu tun!”, macht uns nicht nur Hornbach klar. Also leben wir wie Kaninchen:  die  Auge immer halb offen. Die Lage ist so, dass acht von zehn Menschen in Deutschland ihr Leben als stressig empfinden und dass jeder Dritte Dauerdruck empfindet. Das ergibt sich so,  weil wir spüren, dass immer irgendetwas Blödes passieren könnte.

Vor allem gibt es da die Sorge um den Job. Und den haben Angehörige einer Berufsgruppe besonders stark,  nach deren Ablösung selbst die werktätigen Massen unter gewissen Umständen immer wieder rufen: die Fußballtrainer. Unserem Nürnberger Coach Michael Oenning droht die Arbeitslosigkeit derzeit nicht.

Aber was soll man ihm zum Saisonfinale gegen Cottbus wünschen? Den Aufstieg, den sofortigen Überlebenskampf, den 17. Platz nach zwölf Spielen, de Präsidenten, der dann hinter ihm steht – mit dem Teppichmesser im Gewande?

Na logisch, uns geht`s doch auch nicht besser.

Mai 1st, 2009

Merkel und BMW sind unser Weltteam

Eigentlich sollte heute jedem Journalisten der Finger abfallen, wenn er einfach so etwas schreibt. Es ist  “Tag der Arbeit”. Und das ist der einzige Feiertag, der von keinem Staat und von keiner Kirche ausgerufen worden ist, aber weltweit gefeiert wird. Eigentlich wäre also Ruhe im Karton.

Aber dann kommt wieder eines dieser tollen Rankings, bei denen der irrsinnige Versuch unternommen wird, eine weltweit gültige Liste für irgendetwas aufzustellen. Diesmal hat das US-Nachrichtenmagazin “Time” die 100 einflussreichsten Menschen der Welt benannt. So wie bei der Wahl des Weltfußballer sind dort zwei Deutsche gelistet.

Angela Merkel kann lächeln.

Der Beweis: Angela Merkel kann lächeln.

Da ist – logisch – Bundeskanzlerin Angela Merkel. Jene Frau also, die man am einfachsten zum Lächeln bringt, indem man sie auf den Kopf stellt (siehe Bild). Das Magazin führt sie in der Kategorie  “Führungspersönlichkeiten und Revolutionäre”. Unsere Führungspersönlichkeit also – oder ist die Verlängerung des Kurzarbeitergelds schon revolutionär? – bekommt folgendes Zeugnis ausgestellt: “Merkels gutes Gespür und ihre Fähigkeit, mit anderen führenden Politikern Partnerschaften einzugehen, sorgen dafür, dass Deutschlands Stimme bei den Gipfeln und Zusammenkünften dieser Welt selten ungehört bleibt.” Na gut, wen hätten die Amis sonst nehmen sollen? Seehofer etwa?

Aber den “Time”-Leuten gelingt dann doch eine Überraschung. Der zweite Super-Deutsche ist Filmemacher Werner Herzog. Gut, er hat mit Klaus Kinski zusammengearbeitet, ohne selbst wahnsinnig zu werden. Er war auch dieses Jahr für seine tolle Antarktis-Dokumentation “Encounters at the End of the World” für einen Oscar nominiert. Aber weltweiter Einfluss?

“”Shooting-Star” würde man in der Sprache der Charts Obamas Frau Michelle nennen. Amerikas neue First Lady zählt auf Anhieb zu den “Helden und Ikonen”. In dieser Rubrik finden sich auch Golf- Legende Tiger Woods, Hollywood-Star George Clooney und Flugkapitän Chesley Sullenberger, dessen spektakuläre Notlandung auf dem Hudson River in New York allen 155 Passagieren das Leben gerettet hatte.

Als “Künstler und Entertainer” werden neben Herzog unter anderem die britische Sängerin M.I.A. und der chinesische Pianist Lang Lang genannt.

Besser als bei der Suche nach den tollsten Menschen steht Deutschland bei der Hitparade der wertvollsten Marken weltweit da. Hier führt Google vor Microsoft, Coca-Cola, IBM und McDonald`s. Zur Erläuterung: Es geht um den Wert auf den Kapitalmärkten und nicht um den Wert ansich. Neun deutschen Firmen sind dabei. Den 18. Platz schaffte BMW vor SAP (19), Porsche (35) und Mercedes (40).  Ferner gelten Siemens (51), T-Mobile (63), die Post-Frachttoch­ter DHL (68), der Discounter Aldi (74) und Nivea (96) .

Damit es wirklich wieder aufwärts geht, sollte Angela Merkel also BMW fahren. Beide sind unser Weltteam.

Objektiv nachprüfbar ist das aber nicht. Anders als bei (Stand: 1. Mai 2009) der Reihenfolge Greuther Fürth (2) und 1. FC Nürnberg (4) ist das anders. Hier zählen Punkte und Tore. Und das ist der Wahrheit!

März 25th, 2009

Erotik-Tipp: Ins Bett mit Mintal

Der Traum deutscher Männer? Monica Lierhaus mit Fußballtrikot? F.: dpa

Zur Abwechslung ein ungewöhnliches Thema: Sex, und zwar heterosexuell. Es ist ja nichts Schlechtes dran, wenn sich Frauen fürs Bett bekleidungstechnisch aufhübschen. Aber nach einer neuen Umfrage machen viel den Fehler, dafür sündhaft teure Dessous zu kaufen. Oft würde ein Fußballtrikot reichen.

Das Online-Portal “MyCelebrityFashion” hatte die Idee, Männer nach der aus ihrer Sicht schärfsten Nachtwäsche für ihre Liebste zu fragen. Das Ergebnis wirkt erstaunlich: 34 Prozent der 1900 Befragten gaben an, dass ihre Partnerin ein Trikot ihres Lieblingsclubs tragen sollten. 23 Prozent der Befragten fanden Dessous besonders aufregend, 21 Prozent gar nichts. Noch verblüffender äußerten sich Männer aus Wales. Sie finden Rugby-Trikots besonders sexy. 51 Prozent (!) wollen ihre Frauen darin sehen.

Machen wir uns aber keine Gedanken über Wales, diesen Landstrich mit den unaussprechlichen, superlangen Ortsnamen. Fragen wir uns, was die Umfrage bei uns bedeutet. Wenngleich nämlich in England die Verhältnisse immer etwas seltsam sind, so gibt sie doch einen Hinweis auf die alte Erkenntnis, dass die seelische Bindung eines Mannes zu seinem Fußballverein durch nichts zu überbieten ist. Das Stadion wie auch die Sandplatz-Kampfbahn eines Dorfclubs sind Orte, an denen Männer-Emotionen freigelassen werden, wie nirgends sonst. Mancher, der sonst in Gesprächen sorgfältig die Worte wägt, wird an der Seitenlinie zum Tier. Und holt sich zum Beispiel diesen Kommentar von Beobachtern ab: “Wenigstens ist klar, dass er nachher seine Frau nicht schlägt.”

Aber welches Trikot soll man nehmen? Soll die Frau ie Arbeitskleidung des von ihrem Mann besonders verehrten Starspielers tragen oder nimmt man das Bekleidungsstück eines Kickers, den Frauen schön finden? Klar, Club-Fans wären bei einem Mintal-Trikot immer gut drauf. Doch der ist ja nicht der sexiest man alive, keinVergleich zu David Beckham, dem Erfinder der metrosexuellen Bananenflanke.

Nach der Männersicht sollte man aber eh nicht gehen.Denn Bestnoten der Experten bekommt ja fast immer ein gewisser Franck Ribery. Zweifellos ein genialer Kicker und ein lustiger Typ. Aber auch objektiv hässlich. Wenn den die mit dem  Nachtgewand Beschenkte sieht, ist die Beziehungskrise garantiert. Das gönnen wir den Bayern-Fans von Herzen. Aber: Gibt es schöne Fußballer  in Nürnberg oder Fürth? So auf Anhieb weiß ich keinen.

Februar 17th, 2009

Megastar Rühmann – der Herbert Hisel der Nation

oh

Willy Fritsch und Oskar Karlweis (rechts) gratulieren ihrem Kollegen Heinz Rühmann (links) zum überragenden Erfolg. Foto: oh

And the Winner is: Heinz Rühmann. Wie eine Allensbach-Umfrage ergeben hat, müsste seine Wachsfigur in einer Erinnerungsstätte für große Gestalten aus Kunst, Kultur und Sport ganz vorn stehen. Mehr als jeder Zweite (55 Prozent) aus der Bevölkerung sieht das so. Wie die Wahl wohl bei uns in Franken ausgehen würde?

Offensichtlich haben wir ein Faible für Komiker. Erst recht, wenn sie wie Rühmann in der legendären Feuerzangenbowle die Menschen bis heute zum Lachen bringen. Auch ansonsten haben die Spaßmacher die Nase vorn: 51 Prozent der Befragten zählen Loriot zu den wichtigsten Deutschen der letzten 60 Jahre aus dem Kulturbereich zählen. Ebenfalls 51 Prozent plädieren für den charmanten Dampfplauderer Franz Beckenbauer, der somit als bedeutendster Sportler durchgeht.

Zu den zehn Namen aus Kunst, Kultur und Sport, die die Bevölkerung als besonders wichtig ansieht, gehören sechs Sportler, neben Franz Beckenbauer, Michael Schumacher (46 Prozent), Steffi Graf (44 Prozent) und Boris Becker (38 Prozent), auch Uwe Seeler (35 Prozent) und Fritz Walter (32 Prozent), der 1954 mitgewirkt hat am “Wunder von Bern”. Und dann gibt es noch ein ungleiches Paar, nämlich Thomas Gottschalk (33 Prozent) und Günter Grass (32 Prozent).

Menschen aus Ost- und Westdeutschland sind sich erstaunlich einig, was Namen und Rangfolge angeht. Allerdings hätte Boxer Henry Maske (42 Prozent) und Eisprinzessin Katarina Witt (38 Prozent) top-ten-reif abgeschnitten. Junge Menschen unter 30 Jahren entscheiden sich noch sportorientierter. Sie sehen Franz Beckenbauer (61 Prozent) und  Michael Schumacher (59 Prozent) ganz vorne.

Und wie wäre das bei uns? Komiker haben wir in Franken ja reichlich. Volker Heißmann und Martin Rassau würden demnach weit vorne landen, vermutlich aber hinter Herbert Hisel und den Peterlesboum. Aber vor Klaus Karl-Kraus und Lizzy Aumeier. Der Fußballpräsident Michael A. Roth würde von seinem Fürther Kollegen Helmut Hack trotz dessen aktuell größerer Erfolge kaum überflügelt. Auch dürfte sich Hockey-Olympiasieger Max Müller kaum gegen Club-Idol Marek Mintal , geschweige denn gegen die FCN-Legende Max Morlock durchsetzen. Bestplatzierter Schriftsteller wäre wahrscheinlich Fitzgerald Kusz.

Soweit meine Prognose. Aber vielleicht habe ich ja jemand völlig vergessen…

Dezember 22nd, 2008

Prognose ’09: Zum Club-Aufstieg tanzen die Kessler-Zwillinge

Der Jahreswechsel naht – und selbiger ist auch die Zeit der guten Vorsätze und der Prognosen. Und wie immer kurz vor Weihnachten zeigt sich die ganze Weisheit des Dichters George Bernhard Shaw:  “Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen”, sagte er. Und dieser Satz ist wahr. Zu 100 Prozent.

Das zeigt die Jahrebilanz der Hellseher, die jetzt von den Presseagenturen gezogen worden ist. Wieder haben sich viele Prognosen als falsch erwiesen. So wurde kein Transvestit zur “Miss America” gewählt, Prinz Albert von Monaco hat noch immer nicht geheiratet, so unafhaltsam seine biologische Uhr auch tickt. Gefehlt hat auch der Astrologe Wolfgang Scheer, der zu hundert Prozent auf den EM-Sieg der deutschen Elf tippte. Diese wurde Zweite – knapp daneben ist auch vorbei. Nochmal gut gegangen ist es dagegen für die zahlreichen Wahrsager, die seit Jahren einen Anschlag auf den US-Präsidenten vorhersagen. Hat geklappt, es hat ja den Schuhwurf von Bagdad gegeben.

Daneben lag dagegen die langbeinige Elisabeth Tessier. Sie sagte die Trennung von Brad Pitt und Angelina Jolie voraus. Tatsächlich erwischte es Marc Terenzi und Sarah Connor. Die Sterne sind eben weit weg. Klare Signale aus dem Weltall gab es auch dafür, dass sich bei Pop-Schlampe Britney Spears etwas ändern würde. Der mexi­kanische Wahrsager Antonio Vaz­quez Alba tippte auf Selbstmord. Tatsächlich gab es ein tri­umphales Comeback.

Was lernen wir daraus? Hellsehen ist gar nicht so schwer. Die Kunst ist die richtige Formulierung. Während wir ganz sicher davon ausgehen können, dass Greuther Fürth das letzte Spiel verliert und nicht aufsteigt, müssen wir beim Club vorsichtiger sein. Die Prognose: Wenn die Kessler-Zwillinge am 24. Mai in der Meistersingerhalle aufgetreten sind, wissen wir, ob der Club aufgestiegen ist. Logisch, ist ja danach. Wir gehen davon aus, dass Ursula von der Leyen auch nach der Bundestagswahl 2009 dem Kabinett angehört (Rot-Grün oder Rot-Rot reicht nicht, Rot-Gelb geht nicht). Das Preise für Gas und Öl werden 2009 steigen (und vielleicht auch wieder sinken). Der Dax geht rauf (und wahrscheinlich irgendwann auch runter).

Weitere Prognosen gefällig? Gut: Auf den Nürnberger Volksfesten 2009 wird es eine Geisterbahn geben, OB Ulrich Maly tritt nicht zurück, Günther Beckstein erlebt kein Comeback als bayerischer Ministerpräsident.

Nehmen Sie mich ruhig beim Wort. Sie werden erkennen, dass hier ein Mega-Wahrsager schreibt. Fragen zu Ihrer Zukunft beantworte ich gerne.