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Jetzt mehrt Euch! Oder es wird teuer

- Da ist er aber wieder mal in den Fettnapf getreten, der Bundestagsabgeordnete Wanderwitz, Marco. Für seine Idee, Kinderlose oder Einzelkinderzeuger zwecks Sicherung der Renten mit einer Demografie-Abgabe zu belegen, hat der CDU-Mann aus Chemnitz fast ausschließlich böse Kommentare geerntet. Angela Merkel hat das Projekt offiziell beerdigt. Endgültig muss das nicht sein.
Denn es gehört zu den Spielregeln der Politik, dass man ein Thema austestet. Da die Kanzlerin sowie ihre Kabinettskollegen - Ausnahme: Kristina Schröder - aus Respektsgründen auf allzu absurde öffentliche Vorschläge verzichten, werden Hinterbänkler nach vorne geschickt. Diese bringen als realpolitische Trüffelschweine revolutionäre Gedanken in die Diskussion. Und falls die öffentliche Reaktion nicht zu hundert Prozent vernichtend ausfällt, wird die Geschichte irgendwann erneut aus der Schublade geholt. Nach dem vierten Sturm der Entrüstung ist die Gesetzesreife erreicht.
In Sachen Demografie-Rücklage war Wanderwitz (drei Kinder) als Freund verrückter Ideen die Idealbesetzung. Von ihm stammte auch der Vorschlag, dass Griechenland seine Inseln verkaufen könnte, wenn es seinen finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen könne. Ein weiterer Treppenwitz aus Chemnitz war die Idee, dicke oder fettleibige Menschen stärker zur Finanzierung der Krankenkassen heranzuziehen. Das gilt als erledigt, dürfte aber irgendwann wieder hochkommen.
Genauso wie die Kinderlosen-Steuer. Denn eigentlich ist es doch eine Ungeheuerlichkeit, wie sehr sich die junge Generation auf einen Gebärstreik verständigt hat. Milliardenbeträge sind in den vergangenen Jahren in die Finanzierung der Elternzeit gepumpt worden. Doch gereicht hat das nur für einen Geburtenanstieg von 0,05 pro Frau. Ungefähr.
Tja, und wenn das Zuckerbrot nichts bringt, greift man zur Peitsche. Dann gibt es eben keine Geschenke mehr, sondern gezielte Wohlstandsverringerung.
Aber wirklich motivieren wird das niemand. Beim Kinderkriegen geht es ja letztlich nicht ums Materielle, sondern um die Sehnsucht. Marco Wanderwitz sollte daran denken, dass in seiner Geburtsurkunde “Karl-Marx-Stadt” steht. Und da liegt die Lösung. Würde die Regierung ein Gesetz erlassen, wonach der Marx’sche Leitspruch “Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!” über allen Betten hängen muss – die Sorgen um unsere Zukunft wären schon nach wenigen Jahren nur noch ganz, ganz klein.
Der Nasal-Punk und das Scheiß-Gewissen
Somit verkörpert er für uns eher den Typ des noblen Dichters, Forschers oder Künstlers. Eines Mannes, der aufgrund seiner Bildung gewohnt ist, seine Worte sorgsam zu wägen. Um sie, sobald er den Mund aufmacht, bedeutungsvoll in die Breite zu quetschen. Aber so ist er nicht.
Ronald Pofalla, der studierte Sozialpädagoge, ist in Wahrheit ein Punk. Das hat er schon mal in einem famosen Streitgespräch mit FDP-Entwicklungshelfer Dirk Niebel bewiesen. Und wenn er das richtige Opfer gefunden hat, geht er ab wie Nachbars Lumpi. Wie etwa den armen Parteifreund Wolfgang Bosbach.
Ihm hat er also wegen dessen Widerstand gegen den Euro-Rettungsschirm den Satz “Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen” um die Ohren gehauen. Und dessen Hang zur Gewissensentscheidung als “Scheiße” bezeichnet. Die allgemeine Empörung ist groß. Recht so. Aber andererseits: Glaubt jemand wirklich, dass vulgäre Beschimpfungen in Parteizirkeln ganz und gar unmöglich sind? Dass ein Strauß, ein Stoiber, ein Kohl oder ein Gerd nie übel rumgedöbert haben?
Aber Hallo! Und so wird sich die CDU-Spitze weniger Sorgen wegen ihres Pofallas, sondern wegen der Indiskretion machen, die den Ausraster publik gemacht hat. Der Kanzleramts-Näsler wiederum hat etwas geschafft, was ihm nur wenige zugetraut haben: Große Fresse ist gleich große Presse.
Bei Wahlen siegt die Wahrheit – aber nicht immer
“Nur die Wahrheit trägt den Sieg davon.” So also sprach ums Jahr 400 herum der Kirchenvater und Heilige Augustinus Aurelius. Wie wahr dieser schlichte Satz auch in der heutigen Zeit ist, hat sich am Sonntag in den Bindestrich-Ländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gezeigt. Die Grünen haben gewonnen. Und wie.
Ein Sieg der Wahrheit war es insofern, als tatsächlich nur die Grünen immer gegen Kernkraft waren. Das war in den Anfängen dieser Partei auch ziemlich einfach, weil mit einer Regierungsbeteiligung nicht zu rechnen war. Dort, wo sie mittlerweile mitregiert hat, drückte die Öko-Partei zwar nicht so ganz strikt auf den Abschaltknopf. Aber das macht nichts. Den Menschen war klar: Von allen deutschen Politikern/-innen hat Claudia Roth den Super-Gau von Fukushima am wenigsten gewollt. Und nur sie und ihre Freunde garantieren, dass Mercedes, Saumagen und Riesling für immer weniger verstrahlt sind als Toyota, Sushi und Reiswein.
Die CDU zeigte im Wesentlichen zwei Gesichter: Da moserte Bildungsministerin Annette Schavan bei Anne Will über die Ungerechtigkeit, dass ihr Stefan Mappus weniger Stimmenanteile verloren habe als Kurt Beck in Mainz, anders als dieser aber abtreten müsse. Andererseits zeigte die frühere Weinkönigin Julia Klöckner als CDU-Spitzenkandidatin in Rheinland-Pfalz, dass man auch von 2,5 Prozent besoffen werden kann.
Die SPD wiederum erweiterte das Spektrum der menschlichen Psychologie um die Erscheinungsform des überglücklichen Verlierers. Fast zehn Prozent weniger in Rheinland-Pfalz? Egal? Nur noch drittstärkste Kraft in Baden-Württemberg? Total wurscht, so lange die anderen verlieren? In dieser Schönheit hat man einen solchen Verlierer-Jubel zuletzt nach der Fußball-Vizeweltmeisterschaft 2006 gesehen.
Und die FDP? So bot ein Bild des Jammers. Und sie widerlegte unseren Heiligen Augustinus. Da hatte ihr Spitzenmann Rainer Brüderle in Sachen Atom-Wahltaktik die Wahrheit gesagt – und trotzdem gab es zwei Klatschen. Tja, wenn die Wahrheit aus einer Ecke kommt, aus der man sie am wenigsten erwartet, ist es eben auch nicht recht.
Merkels Weg: Vom Aussitzen zum Aussetzen
In früheren Zeiten galt das “Aussetzen” allgemein als unmoralische Handlung. Man verwendete dieses Wort in Zusammenhang mit Haustieren, die zum Beispiel auf Parkplätzen ihrem Schicksal überlassen wurden. Die Gesellschaft war sich einig in der Ablehnung dieser Unsitte. Allen war klar: Wer aussetzt, hat einen schlechten Charakter.
Bis Angela Merkel kam. Seitdem sie Guido Westerwelle an ihrer Seite hat, ist das Aussetzen zur Grundlinie der deutschen Politik geworden. Wehrpflicht? Ausgesetzt. Steuersenkungen? Zunächst ausgesetzt. Gesundheitsreform? Entscheidung ausgesetzt.
Und nun also das Prinzip bei der Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke. Gut, es war klar, dass angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen so etwas kommen musste. Aber es ist nicht logisch. Denn gerade vor dem Beschluss, die “Brückentechnologie” viele Jahre länger zu nutzen, hätte es eine genaueste Überprüfung der Sicherheit geben müssen. Das war wohl nicht der Fall.
Und wie war es früher? Angela Merkels Vor-Vorgänger Helmut Kohl hatte auch seinen eigenen Politikstil. Den nannte man “Aussitzen”. Ist demnach in der konservativen Politik seit 1998 lediglich ein Vokal nach vorne gerutscht? Und kommt in einigen weiteren Jahren dann logischerweise das “Aussatzen”? Das klingt schon mal unappetitlich. Wir sollten es nicht wollen.
Ein kleiner Hinweis sei der Kanzlerin gegönnt. Wer bei Gesellschaftsspielen aussetzt, wird meistens abgehängt.
Das neue Projekt heißt “Rettet die FDP!”
Heute ist Welt-Anti-Korruptionstag. Also ein Datum, an denen wir allen, die sich durch dunkle Machenschaften und geheime Absprachen die Taschen vollstopfen, den erhobenen Zeigefinger zeigen. Es ist ein Datum, das der Gerechtigkeit zum Durchbruch verhelfen soll. Ein Tag, an dem mehr Transparenz erreicht werden soll. Also ist unsere Bundesregierung zur Stelle: Sie will Steuererklärungen vereinfachen und den Menschen zugleich Geld schenken.
Und wie immer sind Angela Merkel & Co. dabei gerecht bis ins Knochenmark. Vier Milliarden Euro bekommt die Wirtschaft, damit sie Arbeitsplätze schaffen kann. Was sie erfahrungsgemäß tun wird. Den Bürgern sind 590 Millionen Euro zugedacht. Das sieht gut aus, bedeutet aber bloß, dass jede(r) in Deutschland lebende Mensch um 7,21 Euro pro Jahr entlastet wird, also um 60 Cent pro Monat. Wenn man sieht, dass das durchschnittliche Bruttoeinkommen pro Haushalt bei 44.000 Euro jährlich liegt, ist sonnenklar, dass die Nachricht aus Berlin dem Weihnachtsgeschäft den finalen Schub geben wird.
Man könnte nun fragen, warum es automatisch mehr Steuerrückzahlung bringen soll, wenn weniger Daten abgefragt werden. Man könnte auch fragen, ob durch den Verzicht auf Belege korrupten Zeitgenossen das Leben erleichtert wird.
Aber darum geht es bei der "Aktion Steuergeschenk" ohnehin nicht. Die entscheidende Zahl für die schwarz-gelbe Koalition lautet vier Prozent. Auf diesem Wert dümpelt die FDP in den Umfragen herum. Die CDU hat sich dank Wirtschaftsaufschwung erholt. Nun muss man die Partei der Steuerlüge sanieren.
Fazit: Die Bundesregierung verkündet Steuergeschenke und Bürokratieabbau, startet aber nur das Programm "Rettet die FDP!". Irgendwie korrupt, oder?
Warum wurde Schäuble zum Rollstuhl-Terminator?
Tja, da rätseln wir also: Was ist da bloß in Wolfgang Schäuble gefahren? Es dürfte der erste Fall eines medien-öffentlichen Rufmordes gegen einen leitenden Angestellten gewesen sein, als der Bundesfinanzminister seinen Pressesprecher mit den Worten “Reden Sie nicht, Herr Offer!” dazu aufforderte, endlich “die Zahlen” herbeizuschaffen.
Der erste Reflex der Öffentlichkeit war Zustimmung für den Minister. Da habe endlich mal einer Klartext geredet, war das spontane Gefühl. Erst nach und nach wurde uns klar, dass sich kein Chef, der auch annähernd bei Trost ist, so verhält.
Kristina S., die Schutzheilige der Männer!
Und wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her. Ja, so ist es im Leben. Da war ich quasi gerade fertig mit meiner Betrachtung zum gesellschaftlichen und sonstigen Abstieg des männlichen Geschlechts, da schüttet eine wahrhaftige Ministerin ein Füllhorn voller Trost über uns aus. Indem sie der Welt mitteilt, dass es normal ist, wenn Frauen unten liegen. Und dass diese selber schuld seien, wenn sie nicht hochkommen.
Nachdem Frau Schröder îm Juli den monatlichen Treff der Nürnberger Twittergemeinde besucht hatte (siehe hier), waren die Kommentare der Anwesenden geteilt. Sie, die den selbst ernanntenKinderporno-Fahnder Jörg Tauss von Platz 1 der einflussreichsten Twitter-Politiker verdrängt hat, wurde als nett, putzig oder auch als ein bisschen doof erlebt. Keinesfalls aber als Staatenlenkerin, die anderen Menschen nachhaltig Orientierung geben könnte.
Das hat sich jetzt geändert: Es ist nicht überliefert, dass sich vor ihr eine Ministerin oder ein Minister in einer derart schonunglosen Offenheit zum Thema Geschlechtsverkehr geäußert hätte. „Zum Beispiel, dass der heterosexuelle Geschlechtsverkehr kaum möglich sei ohne die Unterwerfung der Frau. Da kann ich nur sagen: Sorry, das ist falsch”, lautete eine ihrer Anmerkung, mit der sie sich scharf von der langjährigen Chef-Feministin Alice Schwarzer abgrenzte. Denn es sei absurd, wenn etwas, das für die Menschheit und deren Fortbestand grundlegend sei, per se als Unterwerfung definiert werde.
“Gut gesprochen”, sagt man da als Mann. Auch wenn man Alice Schwarzer ohnehin nicht unterwerfen möchte und irgendwo schon einmal gelesen hat, dass in einem indischen Buch namens Kamasutra auch unterwerfungsfreie Möglichkeiten der Fortpflanzung bestehen. Aber dieses Wissen des Ostens ist im Wesentlichen nur unter Angehörigen der Esoterik-Fraktion der Stuttgart-21-Gegner verbreitet.
Aber Kristina Schröder salbte die Männer-Seele zusätzlich. Eine Frauenquote im Berufsleben sei Quatsch. Zumal die Damen selbst schuld seien: „Die Wahrheit sieht doch so aus: Viele Frauen studieren gern Germanistik und Geisteswissenschaften, Männer dagegen Elektrotechnik – und das hat eben auch Konsequenzen beim Gehalt. Wir können den Unternehmen nicht verbieten, Elektrotechniker besser zu bezahlen als Germanisten.“
Unsere Ministerin ist Doktorin der Soziologie. Wie also kam sie zum gutbezahlten Job? Mit Glück? Per Zufall? Denken wir mal nach…
Kanzler zu Guttenberg? Niemals, er ist nicht integriert
Es ist wirklich eine drollige Debatte, die da um den möglichen neuen Bundeskanzler Karl Theodor zu Guttenberg geführt wird. Er werde, so flüstern es manche Politik-Experten, Angela Merkel spätestens dann beerben, wenn die Wahl in Baden-Württemberg für die CDU verloren gegangen sei. Lassen wir uns nicht wirr reden. Es wird nichts. Unser oberfränkischer Sonnenkönig hat keine Chance.
Gut, der Mann sieht aus, als hätte ein Genlabor den Auftrag bekommen, den idealen Politiker zu schaffen.
Deutschenfeindlichkeit: Kann man im eigenen Land fremd sein?
Für gewöhnlich verbringe ich meine Herbst-Urlaube fernab der deutschsprachigen Medienzivilisation. Kein Internet, nicht mal ein Stand mit der “Bild”-Zeitung. Es gibt nur das italienische Fernsehen. Dann wundere ich mich (unter anderem darüber, dass selbst News-Moderatoren mehr schreien als reden und dass es dort einen Lotto-Jackpot mit 158 Millionen Euro gibt), denke mir aber dann, dass ich eben anders bin. So, wie das Karl Valentin umschrieben hat: “Der Fremde ist ein Fremder nur in der Fremde.”
Letzten Sonntag aber schlurfe ich doch an einem international bestückten Kiosk vorbei. Und lese auf Seite 1 der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung diese Schlagzeile: “Kampf der Deutschenfeindlichkeit”. Also wirklich: Während meinen früheren Urlauben ist Bundeskanzler Helmut Schmidt zurückgetreten und ist die Berliner Mauer gefallen. Was ist denn jetzt daheim schon wieder los?
Beim Tête-a-Tête mit Ministerin Schröder
Ja, wie ist die denn eigentlich so? Mehr muss, mehr will man gar nicht wissen, wenn man sich zum Date mit der neuen Familienministerin Kristina Schröder geht. Der größere Teil der heimischen Twittergemeinde wollte die CDU-Politikerin in Nürnberg treffen – der andere Teil, der Polit-Inszenierungen verabscheut, saß bei einem Sushi-Wirt nahe der Stadtgrenze zu Fürth. Ich war bei Schröder. Alsdenn: Wie war`s? Wie ist die Frau?
Gesucht: Ein Draufhau-Tisch für Mutti Merkel
Mutti, jetzt mach doch mal. Zeig`s den Mädels und Knaben – und hau mal richtig auf den Tisch. Zurzeit fordern das alle möglichen Leute von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Warum in aller Welt macht sie es nicht?
Ganz klar, es ist eine Frage des Materials.
Roland Koch geht – wer wird das neue Feindbild?
Dumme Situation: Man kann einen Menschen irgendwie nicht leiden, regt sich über ihn auf, findet ihn unmöglich – aber wenn er dann endlich geht, mag man sich doch nicht so richtig freuen. Hessens Ministerpräsident Roland Koch will zum Jahresende 2010 von allen politischen Ämtern zurücktreten.
Dieses ist ein unerhörter Vorgang. Der Mann ist gerade mal 51 Jahre alt. Es kann doch nicht sein, dass er zurücktritt, nur weil er sich inzwischen den Anspruch auf die Ministerpräsidenten-Pension gesichert hat. Aber vielleicht gibt es da eine Wesensverwandtschaft zu Friedrich Merz. Auch dieses CDU-Alphamännchen hat hingeschmissen, weil es immer wieder von Mutti Merkel untergebuttert wurde.
Roland Koch wurde zuletzt für seine Sparvorschläge abgebügelt – und die jüngsten Maßnahmen in Sachen Finanzmarktkontrolle dürfte ihm überhaupt nicht gefallen haben. Sollte er geplant haben, Finanzminister Schäuble zu beerben, könnte er zuletzt die Lust verloren haben.
Für die Medien ist Kochs Abgang auf jeden Fall ein Verlust. War er doch stets ein verlässliches Feindbild. So etwa, nachdem er nach der CDU-Spendenaffäre “brutalstmögliche Aufklärung” vorgegaukelt hatte. Oder als er nach dem brutalen Überfall in der Münchner U-Bahn im Dezember 2007 gegen junge Ausländer hetzte. “Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass es eine sehr aggressive Kriminalität einer sehr kleinen Gruppe von Menschen unter 14 Jahren gibt. In Ausnahmefällen könnten Elemente des Jugendstrafrechts für diese Zielgruppe eingesetzt werden”, grollte er damals. Weitere Aufreger lieferte Koch genug.
Wer kann oder soll in diese Fußstapfen treten? Unser CSU-Spitzenmann Markus Söder ist als Feindbild – bundespolitisch gesehen – nicht wichtig genug. Männliche CDU-Politiker mit beachtenswerten exotischen Ansichten sind kaum vorhaben. Wirklich beleben könnte es die politische Debatte, wenn Thilo Sarrazin ins Bundeskabinett berufen würde.
Und was Roland Koch angeht, hat man vielleicht nicht immer genau genug zugehört oder einfach nicht gedacht, dass er wirklich meint was er sagt. Von ihm stammt auch der Satz: “Ich habe den Hessen nie angedroht, mein ganzes Leben lang Ministerpräsident sein zu wollen.” Gesagt im November 2002 – damals allerdings noch mit der Aussicht, Kanzlerkandidat werden zu wollen.
Ein kleines Erinnerungsvideo habe ich auch noch:
Die deutsche Politik braucht einen Messias
Warum gehen Menschen heute noch in die Politik? Es gibt kaum noch die Chance, mit einer wahrhaftigen Großtat berühmt zu werden. Gut ist schon, wer beim täglichen Regieren folgenschwere Fehler vermeidet. So recht geht nichts voran.
Nehmen wir Ursula von der Leyen. In ihrer Zeit als Familienministerin schien es so, als würde die oftfache Mutter ihren Landsleuten die Lust am zeugen, gebären und erziehen vermitteln können. Aber was passiert? Trotz Familiengeld? Noch nie kamen in Deutschland so wenige Kinder auf die Welt wie im Jahr 2009. DasStatistische Bundesamt meldete 651 000 neugeborene Jungen und Mädchen. Das waren rund 30000 oder 3,6 Prozent weniger als 2008. Nix war`s mit dem demographischen Wandel von unten.
Nehmen wir die Bankenkrise. Da wird ein gigantischer Rettungsschirm aufgespannt, da werden Leerverkäufe verboten. Und was ist? Das Ausland macht nicht mit, die Banken maulen – und der Eurokurs geht weiter nach unten.
Liegt das alles an Bundeskanzlerin Angela Merkel? Nein, das wäre ungerecht. So waren viele Deutsche monatelang davon überzeugt, dass Barack Obama übers Wasser gehen könne. Heute wissen wir: Das ist nicht der Fall. Immerhin hat er seine Gesundheitsreform so einigermaßen hingekriegt.
Ja, die Macht der Politik ist derart begrenzt, dass es schon eines Messias bedürfte, um das nachhaltig zu ändern. Nun ist der einzige Mensch, bei dem die Deutschen zuletzt göttliche Kräfte vermuteten, Bayern-Trainer Louis van Gaal, zwecks falscher Nationalität nicht wählbar.
Aber vielleicht tut`s ja auch eine schwergewichtige Light-Version? Reiner Calmund, einst erfolgreicher Fußball-Manager, hat gerade seinen Twitter- und Facebook-Freunden mitgeteilt, dass er in Paraguay zum Vize-Häuptling ernannt worden ist. Auch da vermuten Einheimische zumindest einen halbgöttlichen Status. Und mit diesem Amt kennt er sich aus, füllte er es ja lange Zeit mit Hingabe als bundesliga-Vize von Uli Hoeneß aus. Einer wie er könnte van Gaal vertreten.
Andererseits: Der aktuelle Deutschland-Vize heißt Guido Westerwelle. Einen wie ihn kann wohl auch ein Normalsterblicher ersetzen.
Roland Koch: Der Mann mit der Säge für Merkels Stuhl
Roland Koch? Was will der denn plötzlich wieder? Man könnte sich das schon fragen, nachdem der hessische Ministerpräsident mit viel Getöse auf die bundespolitische Bühne zurückgekehrt ist. Und gleich mal in der ihm eigenen Weise provoziert hat. Bei Themen wie Kinderbetreuung oder Bildung müsse gespart werden, lautet seine These.
Leider ist das kein Gebrabbel eines machtlosen Provinzpolitikers. Der vielfach als vergessen geglaubte CDU-Mann mit der markanten Unterlippe arbeitet zielstrebig an seiner Karriere. Er sieht sich als bestmöglicher Nachfolger von Finanzminister Wolfgang Schäuble, falls dieser gesundheitlich nicht mehr auf die Beine kommen sollte. Koch ist 52 Jahre alt. Er muss baldmöglichst nach Berlin, falls er noch nach ganz oben will.
Ob ihm die derzeit allgemein vermutete Schwäche von Angela Merkel hilft, ist allerdings ungewiss. Bestimmt gibt es in der CDU ein Bedürfnis nach einem”starken Mann” und einem wahrhaftigen Hüter konservativer Werte. Würde ihn die Kanzlerin holen, wäre das eine Beruhigung für unzufriedene Parteimitglieder und Wähler. Allerdings würde sie einen Mann engagieren, der bei günstigen Gelegenheiten brutalstmöglich an ihrem Stuhl sägen würde.
Sein Sparvorschlag dürfte in jeder mittelständischen Männerrunde heftigst begrüßt werden. Schließlich müsse doch mal Schluss sein, mit alldem übertriebenen Sozial- und Weibergedöns. Die tatsächlichen und selbst ernannten “Leistungsträger” fordern auch ihre Streicheleinheiten.
Kurzsichtig ist seine Idee allemal. Jeder vernünftige Mensch weiß doch, dass in diesem Land der Geist der wichtigste Rohstoff ist. Also braucht es unbedingt eine gute Bildung. Eine, die frühzeitig beginnt. Wer hier sparen will, macht vor allem eines: Er bedient die Bedürfnisse von Menschen, die ihre besten Jahre hinter sich haben, denen die Zukunft egal ist und die deshalb ungestört ihren Egoismus ausleben wollen.
Einen Politiker, der für diese Menschen kämpft, brauchen wir ganz bestimmt. Oder?






Rösler und Merkel: Da wird der Prinz zum Frosch
Sicher, man könnte abwinken, “Ach ja, der Rösler” sagen und einfach weitermachen. Ist doch der FDP-Chef für seine Witze berühmt-berüchtigt. Seine Ironie geht oft haarscharf am Ziel vorbei, so dass hinterher jemand beleidigt ist.
Und Verniedlichungen oder gar Kosenamen sind ohnehin so eine Sache. Man kommt sich ziemlich nahe. Nicht jede möchte sich ungefragt Hasi, Engel, Sahneschnitte, Erdbeerpfötchen oder Puddingbrumsel nennen lassen.
Unbedingt vermeiden sollte man aber Vergleiche, welche der oder die andere garantiert nicht mag. Wie das beim Frosch der Fall ist. Dieses Tier ist bestenfalls lustig (in der Inkarnationsform Kermit), sitzt aber ansonsten dumm, aufgeblasen und dick auf einem Seerosenblatt oder auf einem Stein herum, quakt und wartet darauf, dass Beute vorbeifliegt. Frösche gelten zwar als schöner als Kröten. Trotzdem haftet ihnen etwas Glitschiges an.
Selbst als Märchenfigur ist der Frosch nur zweite Wahl. Wir alle haben als Kind gelernt, dass etwas ganz Schönes herauskommt, wenn man ihn ganz lieb küsst. Was also will Philipp Rösler? Merkel küssen und Nahles bekommen? Oder Sigmar Gabriel? Oder Claudia Roth?
Wahrscheinlicher ist da schon dieser Fall: Merkel küsst Rösler und verwandelt ihn in einen Frosch. Und dann wird sie ihn kochen. Ganz langsam. Mit Genuss. Ganz bestimmt.