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Mai 17th, 2013

Balanceakt mit dem vierten Grad

Glückwunsch: Der Bayerische Landtag hat die Neuzeit erreicht. In einer Epoche, in der Familienbeziehungen auseinander brechen, in der Patchwork-Familien mit letztlich völlig unübersichtlichen Beziehungen auf dem Vormarsch sind, hat das Landesparlament mit den Regeln der Beschäftigungsmöglichkeiten für seine Abgeordneten einen hoch modernen Pflock in den Boden gerammt. Vetternwirtschaft ist ab sofort verboten. Uns aber beschäftigt die Frage: Was in aller Welt ist ein Verwandter vierten Grades?

Im Normalfall hatten wir beim vierten Grad spontan an Verbrennungen gedacht. Aber man kann auch als Parlamentsabgeordneter verbrannt werden. Was zu vermeiden ist. Informieren wir uns also der Reihe nach. Verwandte ersten Grades sind die ganz direkten. Also Eltern und Kinder. Bruder und Schwester gelten als Verwandte zweiten Grades.

Das ist einfach. Doch Verwandtschaftsbeziehungen sind kompliziert. So sind die Geschwister der Eltern Verwandte dritten Grades. Der Onkel zweiten Grades ist der Cousin ersten Grades des Vaters oder der Mutter. Ehe- und Lebenspartner der Geschwister der Eltern sind im dritten Grad verschwägert. Ein Cousin oder Vetter ersten Grades ist das männliche, eine Cousine oder Base ersten Grades das weibliche Kind eines verwandten – also nicht nur angeheirateten – Onkels oder einer ebensolchen Tante. Mit Cousins und Cousinen ersten Grades ist man laut Bürgerlichem Gesetzbuch im vierten Grad verwandt. Und immer gilt es, aufzupassen: Verschwägert bleibt man mit anderen Menschen auch dann, wenn die Ehe, die die Verschwägerung ausgelöst hat, geschieden ist.

All dies müssen die bayerischen Abgeordneten erst einmal verstehen und dann auch noch beachten. Bedauernswerte Geschöpfe, die, wie bei komplizierten Gesetzen und Verordnungen gerne geseufzt wird, “mit einem Bein im Gefängnis stehen”. Aber wie ist es nun mit der Sorge, die neuen Regeln würden einem Berufsverbot gleichkommen? Jawohl, das stimmt.

Denn zu den Auffälligkeiten entlegener ländlicher Gebiete, etwa der Gebirgsregionen Oberbayerns oder der zahlreichen Gegenden mit Glaubensdaispora, gehört die weitgehende Namensgleichheit ihrer Bewohner. Hier ist es schwer bis unmöglich, eine(n) Nichtverwandte(n) oder einen Verwandten jenseits des fünften Grades zu finden, der nicht mit den eigenen Verwandten dritten Grades verschwägert ist.

Kann die ganze Aktion also wirklich gut gehen? Wir wissen es nicht. Aber wir sind froh, dass die strengen Verwandtschaftsregeln in anderen Branchen nicht gelten. Ein geschwächtes Parlament halten wir aus. Aber ein Wirtshaussterben wäre wirklich eine Katastrophe.

März 16th, 2010

Parfüm als störend wird empfunden, weil es mit Gestank verbunden

„Musik als störend wird empfunden, weil sie mit Geräusch verbunden.“ Mit diesem Zitat hat der famose Dichter Wilhelm Busch das Problem der Belästigung durch fremde Reize trefflich beschrieben. Was dem einen sein Wohlklang, ist dem anderen sein Lärm. Aber nicht nur Ohren leiden. Auch die Nasen.

Denn wer möchte schon festlegen, was Duft und was Gestank ist? Da fühlt sich die Frau vom dritten Stock als unwiderstehliche Sexbombe, wenn sie sich auf dem Weg in die Nacht mit 100 Milliliter „Opium“ einsprüht. Während ihr Nachbar, der unmittelbar nach ihr die Treppe hinuntergeht, kurz vor der Haustür ohnmächtig auf den Steinboden knallt. Da duftet der alternde Charmeur derart streng nach zotteligem Moschusochse, dass es selbst die Kakerlaken in die Flucht schlägt.

Zumindest das Zusammenleben in größeren Gruppen muss also in solchen Fällen geregelt werden. Es braucht Verbote. Wie jetzt in einer städtischen Behörde der US-Metropole Detroit. Deren Belegschaft wurde jetzt – wie zuvor schon Mitarbeitern verschiedenetr kanadischer Krankenhäuser – strikt untersagt, mit einem manipulierten Eigengeruch am Arbeitsplatz zu erscheinen. Weil eine Mitarbeiterin wegen des nach ihrem Empfinden unerträglichen Parfüms einer Kollegin auf 100.000 Dollar Schmerzensgeld geklagt hatte.

Aber wenn schon Parfüm so schlimm ist, was ist dann mit den Döner-Essern in den Straßenbahnen? Uns was mit jenen Kolleginnen und Kollegen, die uns gegenübersitzend einmal die Woche eine Fischsemmel mit Zwiebeln auspacken und die Büroluft so auf Stunden hinaus vernebeln?

Da ist die Ansage klar: Es ist nichts zu machen. Denn sie machen es nur am Freitag, wegen ihres tiefen Glaubens. Die Religionsausübung ist aber vom Grundgesetz nachhaltig geschützt. So wie übertriebenes Glockengeläut ja auch…