Angela Merkel geht – wenn sie selber mag

Macht sie weiter oder nicht? Vermutlich mangels anderer wichtiger Nachrichten wird die Zukunft unserer Kanzlerin im späten Sommerloch zur nationalen Schicksalsfrage hochstilisiert. Das Volk begehrt Auskunft: Angela, was willst Du tun?

Sie könnte aus freien Stücken aufhören. Zum Zeitpunkt der nächsten Wahl ist sie 63 Jahre alt. Schon deshalb würde die SPD ihren Renteneintritt befürworten. Für Merkel selbst gäbe es – trotz möglicher Langzeit-Aufenthalte auf Kreuzfahrtschiffen – bestimmt einige interessante Jobangebote. U-Kommisionspräsidentin, Uno-Generalsekretärin, Chefin des internationalen Flüchtlings-Hilfswerkes, Vollenderin des Berliner Flughafens – und vieles andere.

Es könnte zur Palastrevolution kommen. Laut neuesten Umfragen ist die Hälfte der Deutschen gegen eine weitere Amtszeit von Angela Merkel. Andererseits: Würde die andere Hälfte für die Amtsinhaberin stimmen, erreichte sie ein sagenhaftes und in der heutigen Zeit eigentlich völlig unmögliches Ergebnis.

Und wer wollte diesen Putsch anzetteln? In der CDU hat Angela Merkel die meisten politischen Talente neben ihr kaltgestellt. Um Ursula von der Leyen ist es ruhig geworden. Man denkt also an den Chef der Schwesternpartei.

Die AfD nähme ihn mit Handkuss als ihren Koalitions-Vorsitzenden. Bloß: Horst Seehofer ist kein Esel. Er macht kein Nein, wie es das Grautier tut. Er sagt Nein, ohne dass es große Folgen hätte. Letztlich wirkt er im großen Spiel weniger als Akteur, sondern eher als Fan, der von der Tribüne lautstark gegen die Trainerin brüllt, aber die Fliege macht, wenn er Dinge wirklich regeln soll.

Die Gegner Merkels denken, wie es der Dichter Emanuel Geibel gesagt hat: „Klug ist, wer stets zur rechten Stunde kommt, doch klüger, wer zu gehn weiß, wann es frommt.“ Doch so wird es mit dieser Kanzlerin nicht laufen. Sie wird machen, was sie will und wann sie will. Oder um es mit den Worten eines anderen berühmten Mannes zu sagen: „Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter.“