Du bist (oft nicht), was Du isst

„Du bist, was Du isst.“ Mit dieser Botschaft wird uns eingebleut, dass wir gefälligst darauf schauen sollen, dass mehr Qualität auf unsere Teller und in unsere Mägen kommt. Gute Botschaft, denn wer will schon BigMäc, Döner oder Bratwurst sein? Wahrhaftig ist das aber nicht immer.

Rein theoretisch sind wir ein Volk von Köchinnen und Köchen. Die schlichte Suchanfrage „Kochbuch“ führt beim Online-Buchhändler amazon zu 82.588 Treffern. Alle Lebenslagen sind erfasst. Es gibt 3374 Kochbücher für Kinder, die vermeintliche Herd-Randgruppe Männer bekommt 655 Anleitungen für Essenszubereitung geboten. 334 Bücher präsentieren Rezepte für Singles.

122 liebevoll gestaltete Druckwerke bieten Köstlichkeiten für Haustiere. Die Zahl der Kochbücher für Senioren liegt nur bei 34. Angeblich ist Essen der Sex des Alters. Aber wahrscheinlich kennt man bis dahin schon alles.

Stetig steigend ist die Zahl der Design-Küchen mit selbstreinigenden Herden und twitterfähigen Kühlschränken. Das spricht für Kochlust, ist aber wohl bloß vorgetäuscht. Denn bei der schon erwähnten Online-Suche kommt als erster Treffer die Rezeptsammlung „20 Minuten sind genug“.

Man mag das enttäuschend finden, doch Tarnen und Täuschen gehört zur menschlichen Existenz. Was sich auch im Balzverhalten spiegelt. Forscher haben festgestellt, dass sich Männer und Frauen bei ihren ersten Verabredungen viel besser ernähren, als sie es üblicherweise tun. Männer bestellen edlen Wein statt Bier, Frauen wählen mutmaßlich gesunde Gerichte mit viel Salat.

Aber es stimmt ja. Zu einem Heidi-Klum-Model mit Kleidergröße 32 kann man sich kein Schäufele mit Kloß denken. Obwohl ein voller Magen auch für solche junge Frauen kein Schaden wäre. Aber das ist jetzt wirklich ein anderes Thema.