Die EU-Alexa heißt Ursula

 Der Tod von Leonardo da Vinci liegt 500 Jahre zurück. Dieses Jubiläum erinnert uns daran, dass die Zeit der Universalgelehrten hinter uns liegt. Jedoch, das Genie hat Nachfahren im Kleinformat, nämlich unsere Politiker*innen. Von ihnen wird erwartet, dass sie sehr viel wissen. Schließlich entscheiden sie auch über alles Mögliche.

Deshalb haben wir uns schon oft gewundert. Politiker*innen übernehmen Ministerien mit Themen, über die sie bis dahin nichts gewusst haben. Da wird ein ausgewiesener Außenpolitiker schon mal zum Landwirtschaftsminister, die Bäuerin dafür zur Drogenbeauftragten. Ein Soziologe bekommt alle Möglichkeiten, eine Pkw-Maut krachend und elend teuer in den Sand zu setzen – und nutzt diese trefflich.  

Und nun Ursula von der Leyen. Sie wurde von 28 Staatschefs für den Chefposten der EU-Kommission nominiert. Alle, die von deren Arbeit etwas verstehen, fallen hinten runter und sind vergebens als Spitzenkandidaten durch Europa gegondelt. 

Werden soll es unsere Verteidigungsministerin. Was zumindest in einer Hinsicht nicht absurd wirkt: Ursula von der Leyen ist in der Lage jedes Thema dieser Welt in druckreifen Sätzen zu erklären. Krieg im Nahen Osten, atomare Bewaffnung, das beste Rezpet für russischen Zupfkuchen – diese Frau hat es drauf.

Sie ist der Typ Politikerin, von dem man glauben möchte, dass es ein zweites Gehirn knapp oberhalb der Milz gibt. Ursula von der Leyen ist nicht Leonardo, aber schon so eine Alexa des Staatswesens. Und die Frisur hält, selbst im Staub von Afghanistan.

Aber ist sie in ihrem Amt auch erfolgreich? Was darf Europa von einer Kommissions-Präsidentin erwarten, die mit einer lädierten Gorch Fock nach Brüssel segelt? Einer Verteidigungsministerin, deren Flugzeuge nur in Ausnahmefällen fliegen, die ihre Beschaffungs-Bürokratie nicht in den Griff bekommen hat und die es schon gar nicht geschafft hat, das Ansehen der Bundeswehr in der Öffentlichkeit zu verbessern?

Nicht übermäßig viel. Aber vielleicht ist es genau das, was die Regierungschefs zu ihrem Vorschlag gebracht hat. Schön reden, wenig Konkretes leisten: Ein Anforderungsprofil, wie gemacht für Präsidentinnen. Und nicht zu vergessen: AKK kann ruhiger schlafen…