Die Briten können es noch

Na also, es läuft wieder. Die Briten können es noch. Wir waren schon sicher, das das Vereinigte Königreich im Brexit-Chaos untergehen würde. Aber jetzt: Baby, Fußball, Europawahl – alles gut.

Zunächst einmal ein Glückwunsch an die eingeheiratete Herzogin Meghan. Die US-Amerikanerin hat ihre zentrale berufliche Aufgabe erfüllt und den Briten einen Reserve-Thronfolger geschenkt. Zwar wird sie mit ihren 37-jährigen ihre gebärfreudige Schwägerin Herzogin Kate nicht mehr einholen. Doch die Mission ist erfüllt.

„Sussex“ heißt der an einem geheimen Ort geborene kleine Prinz zunächst. Die Benennung nach Regionen oder Stadtteilen ist also nicht bloß eine Marotte von Fußballer David Beckham (Sohn Brooklyn), sondern royale Sitte. Wäre der kleine Prinz ein Nürnberger, würde er demnach Zabo, Bleiweiß oder Katzwang heißen.

Witziger Gedanke, angesagt sind englisch klingende Namen zurzeit sowieso. In der Liste der beliebtesten Baby-Vornamen in Deutschland ist im Jahr 2018 Henry völlig unerwartet auf Platz 9 gesprungen. Ben ist bei den Jungs Fünfter, die aus „Dinner for one“ bekannte (Miss) Sophie rangiert bei den Mädchen gar auf Rang zwei.

Aber auch beim Fußball flutscht es. Da hat der große FC Liverpool gegen den eigentlich noch größeren FC Barcelona in der Fußball-Champions League ein Fußball-Wunder geschafft. Eines, wie wir es in Nürnberg immer bloß erleben, wenn am Ende der Abstieg steht. Da haben die Briten gezeigt, was Unglaubliches passieren kann, wenn man – unter der Führung eines deutschen Charismatikers – zusammenhält.

Selbst der Brexit erscheint nicht mehr so tragisch. Die endgültige Scheidung ist auf unbestimmte Zeit verschoben. Und: Es wurde bekanntgegeben, dass die Briten bei der Europawahl abstimmen dürfen. Wir singen „Freude schöner Götterfunken“, wir fragen aber auch, wer in den Umfragen führt: Es ist die Partei des besonders lauten EU-Gegners Nigel Farange.

So sind sie, die Briten. Wir mögen sie. Aber sie ganz verstehen, wird uns nie gelingen.