Hurra, die Liebe bricht herein!

Geldbeutel raus! Heute muss alles weg! Es ist doch schön, dass es in all dem Leid, in all dem Stress, der auf dieser Welt ist,  Tage gibt, an denen die Liebe dramatisch über uns hereinbricht. So auch heute. Es ist Valentinstag. Überall werden die Sendboten der Innigkeit zu Bündeln verschnürt und in Papier oder Folie verpackt.

Man kann am Sinn dieses Tages zweifeln. Mann sowieso, denn ein solches Ereignis bringt die eigene Routine völlig durcheinander. Schließlich muss  zu Arbeitsplatz, Heimweg, Sofa, Abendessen und Champions League ein Abstecher zum Floristen hinzugefügt werden. Immerhin, man leistet etwas für ärmere Regionen. 30 Prozent der in Deutschland verkauften Schnittblumen kommen aus Entwicklungsländern. Das findet Dirk Niebel gut, den im Pestiziddampf arbeitenden Frauen und Kindern hilft es wenigstens zum Teil.

Ein weiteres Gegenargument: Blumen schenken hat etwas vom Jahr der Behinderten oder vom Jahr der Frau. Man(n) geht, besorgt etwas, bringt es durch Schnee und Matsch nach Hause. Frau freut sich. Aber dann muss es auch wieder gut sein. Bis zum Muttertag. 

Auf jeden Fall sollten Schenkende die Sprache der Blumen kennen. Es hat eine bittere Ironie wenn der Sofahocker, der jeden Abend nach dem dritten Bier vergisst, dass er nicht alleine lebt, mit roten Rosen daherkommt. Die damit signalisierte Leidenschaft ist vermutlich schwer einzulösen, weshalb die Beschenkte dazu neigen könnte, ein schlechtes Gewissen zu vermuten. Nelken sind modern, werden aber auch gerne  für Trauerkränze benutzt. Das kann falsch verstanden werden.

Die Gerbera sieht hübsch aus, ist aber eine Blume, die man völlig leidenschaftslos auch an die eigene Oma verschenken kann. Recht clever ist es, die Iris in den Valentinstag-Strauß einzubauen. Sie steht für echte Liebe, worunter man ja durchaus auch den gemeinsamen Kartoffelchips – und Erdnussverzehr verstehen kann. Wer aber ganz sicher nichts verkehrt machen will, sollte zur Kamille greifen. Diese Blume steht für Hoffnung. Die können alle brauchen, Mann und Frau, zu jeder Zeit, an jedem Ort.

Wie dem auch sei: Ich war, Stand heute, 13.30 Uhr, noch nicht im Blumenladen. Aber ich werde tun, was ein Mann tun muss. Und vielleicht werde ich sogar überrascht, wenn Bier und Chips schon bereitstehen. Das ist dann mein schönes Geschenk. Bis zum Vatertag.