Die Fifa ist sauber – aber nur für 90 Tage?

Da geht er hin, der kleine, große Diktator. Sepp Blatter als Präsident des Weltfußballverbandes Fifa ist nicht mehr. So sehen und so glauben wir es gerne. Aber Vorsicht: Dieser Drops ist nicht gelutscht.

Man mag sich sowieso fragen, warum es uns so sehr interessiert, wer einen internationalen Sportverband führt. Der Radball-Weltvorsitzende war noch nie berühmt. Aber gerade die Fifa greift ins Leben vieler Menschen ein. Sie macht zweifelhafte Regierungen international hoffähig, sie lässt Schwellenländer teure Stadien bauen, die nach dem Turnier keiner mehr braucht. Wie aktuell in Russland sorgt sie dafür, dass auf den WM-Baustellen Arbeitsgesetze und Schutzvorschriften nicht beachtet werden. Und ihre Mitgliedsverbände schröpfen zusehends diejenigen, die deren Personal bei der Arbeit zusehen wollen.

Aber es ist auch so ein schönes Spiel. Mit guten und schlechten Seiten, welche sich mitunter gar nicht so klar definieren lassen. Stellen wir uns nur folgende Frage: Zerstört es Ehen, weil Papa zwecks Fußball nie Zeit hat? Oder rettet es Ehen, weil der Alte zuverlässig ruhig gestellt ist?

Doch zurück zu Blatter. Zum zentralen Wesen des Fußballs gehört es, dass man nie weiß, wie es ausgeht. Das ist eine Weisheit von Wundertrainer Herberger, sie hat somit den Rang der Unfehlbarkeit. Und nun sind der Fifa-Sepp und sein Sportsfreund Platini für 90 Tage suspendiert. Also weg vom Fenster, meinen da unbedarfte Zeitgenossen.

Jedoch: Zum Wesen des Fußballs, von der Weltmeisterschaft bis in die unterste Liga, gehört die Überzeugung, dass nichts einen Kicker, Trainer oder Funktionär mehr läutert, als wenn man ihm den Ball oder seinen Platz im Stadion wegnimmt. Foul, Tätlichkeit, Beleidigung – ein paar Wochen Sperre, und der Bösewicht ist einer neuer Mensch.

Unvorstellbar, dass einer wie Blatter das anders sieht. Es sollte auch genügend seiner Jünger geben, die ihn darin unterstützen. Der nächste Akt der Fifa-Geschichte könnte also lauten: „Er ist wieder da.“ Dann allerdings in Originalbesetzung.