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Die Angst des Schreibers vor dem Grundgesetz
Ich habe die letzten Tage Ruhe gegeben, weil mich diese Nachricht geschockt hat: Die CDU möchte die deutsche Sprache ins Grundgesetz schreiben lassen.
Gibt es jetzt das Nachrichten-Sommerloch zum Winter-Sale bei Kaufhof? Bisher hatte ich gedacht, eine Verfassung wäre dazu da, die wirklich großen Daseinsfragen und die zentralen, aber nicht allgemein als selbstverständlich anerkannten Bürgerrechte und -pflichten zu regeln. Grundsätze aufzustellen, unterhalb derer dann die einzelnen Gesetze verfeinerte Regeln formulieren. Aber die deutsche Sprache? Die gehört für mich ganz selbstverständlich zu Deutschland. Das muss man, finde ich, nicht extra in die Verfassung schreiben.
Als Journalist wil ich das auch gar nicht. Gehöre ich doch zu einer Berufsgruppe, die nach einer Verfassungsänderung ständig mit einem Bein im Gefängnis stünde. Unnötige Denglisch-Begriffe, schlechter Stil, falsche Satzstellung, Schreibfehler, Verstöße gegen die Kommaregeln. Wenn du pro Tag mindestens 1,5 Artikel schreibst, machst Du einfach immer wieder mal was verkehrt.
Was ist eigentlich, wenn pensionierte ehemalige Oberstudiendirektoren aus purer Langeweile und aus Zorn über den zehnten zurückgeschickten Leserbrief mit einigen meiner fehlerhaften Machwerke protestierend vor das Bundesverfassungsgericht ziehen? Was droht mir dann? Ein Berufsverbot? Oder doch nur ein öffentlicher Deutschtest?
Naja, vielleicht geht die Sache glimpflicher ab. Schließlich wird das mit den Grundrechten ja allgemein nicht so bierernst genommen. Nehmen ir Artikel 1, “Die Würde des Menschen ist unantastbar”. Wie kann es dann Ein-Euro-Jobs geben? Oder Artikel 3, “Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich”. Wer kann irklich sagen, dass er diese Vorgabe immer konsequent umsetzt? Oder Artikel 10, “Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich” und Artikel 13, “Die wohnung ist unverletzlich”. Wie war das nochmal mit dem BKA-Gesetz?
Davon, dass “Eigentum verpflichtet”, will ich gar nicht mehr schreiben Auch beim Grundgesetz gilt also: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
Deshalb schreibe ich weiter, und fordere als fränkischer Patriot die Einführung von Artikel 20: “Jeder hat das Recht auf Rostbratwurst und dunkles Bier. Immer und überall.”
Bier und Kosmetik? Nicht mit Uschi Glas
Reden wir doch mal über Bierkultur. Unter den 756 Kulturen , die der Dichter Eckard Henscheid dankenswerterweise aufgelistet hat, ist sie mir jedenfalls wesentlich lieber als die Erinnerungs-, Mülltrennungs-, Entfeindungs- oder Aufbahrungskultur. Ich halte es da mit Herrn Demleitner, einem von zwei Geschäftsführern des Bundes der Privatbrauereien, der anlässlich der Verleihung des “European Beer Star Awards” den “so genannten Gutmenschen” (militanten Antialkoholikern) gehörig die Leviten gelesen hat. Seine Erkenntnis: “Bier ist ein das Leben bereicherndes und das Leben verlängerndes Lebensmittel, ohne das dieses Land so nicht denkbar wäre.” Das hat gesessen – auch wenn die Suchtbeauftragte den letzten Halbsatz auch so verwenden könnten.
Aber was es nicht alles gibt: Eine von 42 Kategorien beim Internationalen Bierpreis hieß “Bottom fermented beer with alternative cereals or field corps”. Es ging also um flaschengegärtes Bier jenseits des Reinheitsheitsgebotes. Bronze ging da an die Sonnenbräu aus Rebstein in der Schweiz für Maisbier. Das Silberbier der Carlsberg Bräu trägt den bedrohlichen Namen “Hamas”, Gold für alternatives Cereal-Bier ging an die High Fall Brewery in Rochester/USA für die Sorte Genesee.
Und? Wollen wir das trinken? Natürlich nicht. Und da kommt Uschi Glas ins Spiel. Die Schauspielerin, kurz vor der ersten Mondlandung berühmt geworden mit dem Kinofilm “Zur Sache, Schätzchen”, ist zurzeit in der ZDF-Serie “Zur Sache, Lena!” im Einsatz. Dort spielt sie eine mittelständische Brauereichefin. Und weil sie das so gut macht, hat man ihr den “Bayerischen Bierorden” verliehen. Sie ist damit eine Nachfolgerin von Franz-Josef Strauß. Der ihn bekommen hat, damals, als die Politik und die CSU noch richtig berühmt waren.
Im Gespräch mit den Medien ist man beim Trinkgenuss geblieben. Das Thema “Bier und Kosmetik” hat man ausgelassen. Das ist eines – man denke nur an Dr. Guhl`s Biershampoo – aber Uschi Glas ist bei Hautcremes und Co. ja ein bisschen traumatisiert.
Eines lehrt uns die Braumesse: Was dem Italiener sein Parmaschinken und dem Franzosen sein Froschschenkel, ist für uns das Bier. Es ist ein entschieden erfolgreicherer Exportartikel als Schwarzbrot. Sogar eine Brauerei aus Namibia bekam eine Goldmedaille. Sie braut nach dem bayerischen Reinheitsgebot. Franken war auch stark dabe. Gold gab`s für Rauchbier aus Hallerndorf, Weißbier aus Adelsdorf und für einen Weizenbock aus Scheßlitz.
Mit dem Bier haben wir der Welt wirklich etwas geschenkt. Man kriegt es überall, sei es in den Bars nahe der Bahnhöfe von Bamako in Mali oder in Dakar im Senegal. Die Webseite “Bier am Bahnhof” zeigt das prima auf. Parmaschinken wird man in solchen Gegenden dagegen kaum finden. Alsdenn, Prost! Wo immer Ihr gerade seid.
Landesbanker: Wie die Biedermänner im Puff
Eigentlich bin ich kein Freund jener Modellrechnungen, wonach die Jahresproduktion Nürnberger Rostbratwürste, Stück für Stück aneinandergeleg, eine direkte Verbindung vom Hauptmarkt ins Sternbild Großer Wagen schaffen würde. Aber die Nachrichten aus der Bayerischen Landesbank schreien nach ungeheuerlichen Vergleichen. 6,4 Milliarden Euro hat man dort (nach jetzigem Stand) versemmelt.
Ausgerechnet die Landesbank. Hätte man früher unbedarfte Menschen nach deren Meinung über dieses Institut befragt, wäre “langweilig” eines der am häufigsten gebrauchten Adjektive gewesen. Man stellte sich doch eine Sparkasse mit anderen Mitteln vor, in der sich die Welt ein ganzes Stück langsamer dreht als zum Beispiel bei der Hypovereinsbank. Und jetzt wirken ihre Manager wie jene biederen Ehemänner, die immer ordentlich ihre Thuja-Hecken schneiden, aber dann doch immense Summen in Puff-Besuche investieren.
6,4 Milliarden Euro – was ist das jetzt eigentlich? Dieses Geld würde zum Beispiel ausreichen, um jedem der 736 Millionen Europäer eine Maß Oktoberfestbier zu spendieren. Nähme man die berühmte Billigbier-Marke Oettinger, würde es sogar für die Aktion “Ein Liter für jeden auf der Welt” reichen. Knapp die Hälfte der Weltbevölkerung könnte man mit “Drei in an Weggla” beglücken.
Dass Geld würde aber auch reichen, um rund 350 Vier-Personen-Haushalte in einer geschenkten, sanierten Altbauwohnung unterzubringen. Bayerische Autofreunde könnten sich 1425 BMW X 3 mit 272PS oder Audi A6 mit 220 PS kaufen. Ferner wäre es möglich, ein neues Geschäftsmodell zu erproben und 13.333 geringfügig Beschäftigte (ja 400 Euro) für sich arbeiten zu lassen. Und wen bei soviel Arbeitswut der Hunger packt, kann ja mal eben 4500 Tonnen Bio-Garnelen von Aldi eintüten. Und für jedes Kind der Welt gäb`s von Lidl zwei Tafeln Halloween-Gruselschokolade.
Sie finden diese Rechnungen absurd? Nein, es ist tatsächlich zum Gruseln, was bei der Landesbank (und bei anderen Banken) gelaufen ist. Erstaunlich ist im Grunde die Ruhe, mit der die Menschen diese Nachrichten hinnehmen.
Überraschung: Heavy-Metal-Fans sind liebe Leute
Ganz ehrlich: Ich habe mich gelegentlich gefragt, wie jemand beschaffen sein muss, wenn er die “Wildecker Herzbuben” verehrt. Ich vermute da einen Menschen, der,wie einst im Mai, am frühen Samstagnachmittag sein Auto wäscht, danach ein Wannenbad nimmt, die “Sportschau” guckt, um dann nach zwölf Minuten “Wetten, dass…?” einzuschlafen. Auch professionelle Psychologen vermuten schon lange, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Musikgeschmack und der Persönlichkeit eines Menschen gibt. Die Ergebnisse einer Mitmach-Studie auf der Internetseite http://www.peopleintomusic.com bestätigen diesen nun, allerdings anders als erwartet.
Heavy-Metal-Fans sind eher sanftmütig, lautet ein Ergebnis der Befragung. Unmöglich, meinen Sie? Diese zotteligen, gerne mal besoffenen Gestalten in ihren bevorzugt schwarzen Klamotten seien doch wenigstens latent gefährlich. Nun, wer so denkt und redet, kennt Wacken nicht. Das Dorf in Schleswig-Holstein erlebt jedes Jahr das größte Metal-Festival der Welt. bis zu 75.000 Freunde der lauten Musik fallen dort ein.
Und was passiert? Der Filialleiter vom Supermarkt ist glücklich, weil er Dosenbier und Gummibärchen palettenweise verkauft. Der Mann vom Schuhgeschäft jubelt, weil es in Wacken oft regnet, aber Metal-Fans selten Gummistiefel mitbringen. Und die örtliche Feuerwehrkapelle benennt sich in “Fire Fighters” um und absolviert einen Auftritt vor großem Publikum. Die Fans bedanken sich mit Headbanging zu Blasmusik. Auf “peopleintomusic” lernen wir nach der Auswertung von inzwischen 36.000 Online-Fragebögen auch dieses: Menschen, die sich gerne mit Metal-Klängen zudröhnen, sind im sonstigen Leben entspannt aber auch schüchtern.
Pop-Liebhaber sind demnach wenig kreativ und Funk-Fans etwas faul. Die Umfrage der schottischen Universität Heriot-Watt in Edinburgh outet schließlich Country-Fans als relativ fleißig, Menschen mit Vorliebe für Rap als eher aufgeschlossen und Jazzer und Klassik-Fans als kreativ sowie von sich selbst überzeugt. Leuten, die auf Punk abfahren, fehlen dagegen meist Selbstbewusstsein und Sanftmütigkeit.
Als überraschend sehen die schottischen Forscher die Wesenverwandtschaft zwischen Klassik- und Metal-Liebhabern an. Laut Umfrage sind beide kreativ, fühlen sich wohl in ihrer Haut und sind nicht besonders aufgeschlossen. Mich wundert das nicht so: Wer einen Motörhead-Song kompositionstechnisch betrachtet, wird erkennen , dass da mehr Bach drinsteckt als bei Dieter Bohlen.
Hüten wir also vor den Vorurteilen. Dass Pop-Fans am 28. September CSU wählen, erscheint mir aber sehr naheliegend.

Romantisch: Zu Seehofer-Rede spielen die “Moonlights”
So lacht der Horst – und die "Moonlights" spielen dazu.
Ach, irgendwie ist er doch ein Herzenbrecher, unser Ministerpräsident Horst Seehofer. Schaut mit seinem “Heiratsschwindler-Lachen” (so nennt das die Süddeutsche Zeitung, ich würde mir das nie trauen) vom Wahlplakat und bittet für den 19. August zur Wahlveranstaltung ins Kirchweih-Festzelt nach Nürnberg-Langwasser. Musik hat er dabei: Es spielt die Gruppe “The Moonlights”.
Aber hallo, klingt das nicht ein klitzeklein bisschen anzüglich. “The Moonlights”, das klingt doch sehr nach Schieberrunden im Tanzcafé Rennbahn, dem traditionsreichen Aufreißer-Schuppen für die ältere Generation.
Gut, aber es ist nicht so. Die vier Musiker namens Roland, Bernd, Heiko und Harald besitzen Kompetenz eher in Sachen Frohsinn denn in Sachen Zärtlichkeit. Die Hits ihrer aktuellen CD haben Titel wie “Endlich fangt die Musi an”, “Heut gemma rock`n” und “Boarisch is Wahnsinn”. Wie Bilddokumente auf ihrer Homepage zeigen, war ihr Gastspiel bei der Kärwa in Großweismannsdorf eine wilde Party. Diesmal liegen ein paar Reden dazwischen. Man kann ja etwas später hin.