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Von der Sex- zur Steuersteuer
Zu den edelsten Rechten der Kommunen zählt das Steuerfindungsrecht. Jede Stadt könnte, wenn sie es denn wollte, eine Abgabe auf Hauskatzen, Papageien oder Goldfische einführen. Bei uns in Nürnberg wäre auch eine Bratwurststeuer ein lukratives Geschäft. Die Stadt Bonn hat nun die Prostituierten als Geldquelle entdeckt.
Die Huren auf dem Straßenstrich müssen künftig vor Arbeitsbeginn ein “Steuerticket” ziehen. Sechs Euro kostet der Zettel, der aus einem umgebauten Parkscheinautomat gezogen wird. Dieser berechtigt die Prostitutierten zu einer “Betriebszeit” von 20.15 bis 6 Uhr.
Selbstverständlich will die Stadt Bonn durch ihre Straßenstrichsteuer niemand schröpfen. Sagt sie. Es gehe vielmehr darum, “Steuergerechtigkeit” herbeizuführen. Schließlich müssten auch stationäre Bordell-Prostituierte Geld abführen. Dass jährliche Einnahmen von 300.000 Euro erwartet werden, ist demnach nur ein netter Nebeneffekt. Ein Gerechtigkeitsbonus, sozusagen.
Nun könnte man fragen, ob eine Stadt, die sich an der Prostitution bereichert, nicht selbst zur Zuhälterin wird. Aber das ist Quatsch. Wer Kindergärten, Schulen und Sportplätze finanzieren will, muss eben dort hinlangen, wo etwas läuft. Auf dem Volksfest mit der Biersteuer, bei Starbucks mit der Kaffeesteuer, in der Schnapsbar mit der Branntweinsteuer, in Wäldern und auf Wiesen mit der Jagd- und Fischereisteuer, an unseren Arbeitsplätzen mit der Vergnügungssteuer, in den Werbeagenturen mit der Drei-Tage-Bart-Steuer, in den Stadien mit der Jubelsteuer, in den Dixie-Klos mit der Urinsteuer, in Vorgärten mit der Spatzensteuer und in Kirchen mit der Leuchtmittelsteuer auf Kerzen.
Sie finden, das alles geht zu weit? Quatsch, alle diese Abgaben gibt es oder hat es so oder so ähnlich schon irgendwann gegeben.
Sie sind deshalb froh, dass es das schlimmste fiskalische Folterinstrument nicht gibt, die Steuersteuer auf alles, was Steuern kostet? Auch Quatsch. Auch die gibt es, sie heißt nur eleganter Mehrwertsteuer. Aber die kriegen Bund und Länder. Da sind die Kommunen nicht schuld. Ausnahmsweise.
Klimaschutz 2011: Wer rülpst, wird erschossen
Wenn es um die Leiden der Natur geht, gibt es unter uns Menschen viele selbstkritische Gesellen. In Deutschland liegt ihr Anteil inzwischen bei 24,09 Prozent, also der addierten Zustimmung zu den Grünen und zur Partei bibeltreuer Christen. Aber auch andere Lebewesen schaden dem Planeten. Und zumindest die australische Regierung will nun aufräumen: Sie will rülpsende Kamele eliminieren.
Kamele sind nämlich gewaltige Klimasünder. Nach wissenschaftlichen Berechnungen stößt ein Tier dieser Spezies pro Jahr 45 Tonnen Methan aus. Ein Gas, das 21 mal klimaschädlicher ist als Kohlendioxid. In Australien leben angeblich mehr als 1,2 Millionen wilde Kamele. Ihr Gerülpse und Gefurze ist somit umgerechnet genauso klimaschädlich wie die Auspuffgase von rund 300.000 Autos.
Die Regierung will die Tiere nun massenweise erschießen lassen. Den Henkern wiederum sollen CO 2-Zertifikakte winken. Diese könnten an Firmen verkauft werden, die Verschmutzungsrechte brauchen. Eine Aktion also, damit die Schlote wieder furzen können.
Ehrlich gesagt, wünsche ich mir nicht, dass diese Aktion statfindet. Haben wir doch eine Bundeskanzlerin, der weltweit unter die Nase gerieben wird, dass sie mit ihrem Atomausstieg den Klimaschutz gefährdet. Sie ist auch eine Frau, die derzeit zu allem fähig ist.
Gleichzeitig gibt es gerade in Franken und Bayern – zwecks Bier- und Sauerkrautausstoß – außergewöhnlich rülps- und furzfördernde Veranstaltungen. Zu denken ist da an die Erlanger Bergkirchweih, das Oktoberfest, an politische Aschermittwoche sowie an ausverkaufte Heimspiele von Bayern München. Müsste nicht auch dort dem Planeten zuliebe aufgeräumt werden? Oder droht gar rohste Gewalt an den Zielorten der Vatertagsausflüge?
Hoffentlich nicht. Es ist auch nicht zu begründen. Der Homo Sapiens gehört schon immer zu Franken. In Australien hingegen sind ja nicht Beutel- oder Schnabelkamele unterwegs, sondern ganz normale Wüstenviecher. Und sie sind nicht auf den Fünften Kontinent geschwommen, sondern wurden zwecks Landeserkundung und -erschließung von Menschen importiert. Genauso wie die weidenden Rinder, welche in Australien eigentlich noch viel weniger zu suchen haben.
Fazit: Wir sind also doch wieder schuld. Mist.
Der Islam? In der Tasse ist er gut
In dieser bebenden, radioaktiven, unübersichtlichen Welt dürstet es uns danach, dass uns wenigstens einzelne Politiker die Gewissheit geben, dass unser Weltbild trotz Japan, Knut und Grün-Rot in Baden-Württemberg weiterhin im Lot ist. Und für diese Aufgabe ist, wir ahnen oder wissen, nur eine Partei geeignet: die CSU. Sie muss durch ihr Spitzenpersonal neuerdings nicht mehr Deutschland am Hindukusch verteidigen, also verteidigt sie die Nation gegen den Islam.
Der neue Innenminister Hans-Peter Friedrich hat diesen Job übernommen. Mit seinem Hinweis, dass der Islam – historisch gesehen -nicht zu Deutschland gehöre, hat er einen uralten Pflock seiner Partei erneut in den Boden gerammt. Damit hat er die Mitglieder der Islamkonferenz gegen sich aufgebracht. Aber alte Stammtischbrüder werden zufrieden sein.
Wenn es nur stimmen würde. Denn die Früchte morgenländischer Kultur sind bei uns allgegenwärtig. So greifen unsere Mediziner auch heute noch im Wesentlichen auf jahrhundertealte Erkenntnisse arabischer Ärzte zurück. Auch das Grundrezept für Seife stammt aus dem Orient. Deutschland ohne Islam würde also nicht gut riechen.
Und schließlich: Der Kaffee. Dieses Getränk wurde der Legende nach von Hirten in Jemen entdeckt. Im 17. Jahrhundert wurde in Venedig des erste europäische Kaffeehaus eröffnet. Mit ausdrücklicher Billigung des damaligen Papstes Clemens VII. Christliche Fanatiker hatten ihn gedrängt, das heidnische Teufelsgesöff zu verbieten. Der Pontifex fand es jedoch so köstlich, dass er erklärte, dass es eine Sünde wäre, es alleine den Ungläubigen zu überlassen. (So schildert es das Arabische Museum Nürnberg)
Heute liegt der Konsum an Kaffee pro Kopf in Deutschland nach der Statistik bei 146 Litern im Jahr – bei Mineralwasser sind es nur 130 Liter, und auch Bier wird weniger getrunken. Nicht mal CSU-Wähler kämen auf die Idee, 800 Euro und mehr für einen Schankbier-Dosierautomaten auszugeben. Für eine Espressomaschine schon.
Also, lieber Herr Friedrich. Wer mir die Freude an meinem Kaffee nehmen will, kriegt meine Stimme nicht. Und überhaupt: Glaubwürdig wären CSU und Bayerische Staatsregierung erst, wenn sie feierlich erklären würden, dass Franck Ribéry (Moslem) kein Teil von Bayern München ist.
Der Bierkonsum sinkt. Wir wissen, warum…
In dieser verrückten Welt voller Flugverbote, Aschewolken, Schuldenuhren und Taliban braucht der Mensch doch bitteschön etwas zum Festhalten. Zum Beispiel einen gut gefüllten Krug mit Henkel. So war das über Jahrhunderte hinweg zumindest für Männer. Aber das ist vorbei. Der Bierkonsum sinkt und sinkt…
Im dritten Jahr in Folge wurde in Deutschland weniger Bier getrunken. Der Rückgang betrug diesmal 1,8 Millionen auf 86,1 Millionen Hektoliter. Somit hat laut Statistischem Bundesamt jeder potenzielle Biertrinker über 14 Jahre im Schnitt 121,4 Liter geschluckt. Das entspreche einer kleinen Flasche Bier am Tag.
In Regionen, in denen das Vollrausch-Design aus fünf kleinen Bieren und zehn doppelten Schnäpsen besteht, mag man diese Entwicklung lässig betrachten. Meine Heimat Franken jedoch ist die Gegend mit der größten Brauereidichte überhaupt. In der Gemeinde Aufseß in der Fränkischen Schweiz gibt es vier Brauereien bei gerade einmal 1350 Einwohnern. Das ist Weltrekord in Sachen Brauereidichte. Und zwei Halbe kosten in dieser Gegend nicht mehr als ein kleines Pils in Berlin-Mitte. Zwischenfazit: Wenn zu wenig Bier getrunken wird, stirbt die Kultur.
Woran liegt es? Erste These: Wir sind ganz allgemein kritischer geworden. Der letzte Spitzenwert stammt mit 171,3 Litern pro Bundesbürger im bierfähigen Alter aus dem Jahr 1992. Kurz nach der Wiedervereinigung waren wir demnach nicht nur freudetrunken. Heute wissen wir, was daraus geworden ist. Unsere Hoffnung, dass es den Trabant mit Hybridantrieb geben würde, haben sich nicht erfüllt.
Zweite These: Allgemeiner Schönheitswahn. Nach zirka 756 Diätplänen aus “Man`s Health” ist der einst stolze Bauchträger so weit zermürbt, dass er sich zum Mineralwasser eine Schaumkrone halluziniert. Daneben geht mit dem Trend zur Komplettrasur der strikte Verzicht auf Mundgeruch einher. Was das angeht, schaut Bier selbst im Vergleich zu Schnäpsen schlecht aus.
Dritte These: Demographischer Wandel. Älter Männer vertragen weniger Alkohol, und zwar wegen des Medikamentencocktails, den sie sich wegen der Sünden der Vergangenheit einverleiben müssen.
Vierte These: Allgemeine Vereinsamung: Wer nur noch alleine herumhockt, muss sich niemand anders mehr schönsaufen.
Fünfte These: Angela Merkel ist schuld. Während sie ein Wasser- oder Bionade-Typ ist, wusste ein anderer Kanzler ein gutes Bier zu schätzen…
Romantisch: Zu Seehofer-Rede spielen die “Moonlights”

So lacht der Horst - und die "Moonlights" spielen dazu.
Ach, irgendwie ist er doch ein Herzenbrecher, unser Ministerpräsident Horst Seehofer. Schaut mit seinem “Heiratsschwindler-Lachen” (so nennt das die Süddeutsche Zeitung, ich würde mir das nie trauen) vom Wahlplakat und bittet für den 19. August zur Wahlveranstaltung ins Kirchweih-Festzelt nach Nürnberg-Langwasser. Musik hat er dabei: Es spielt die Gruppe “The Moonlights”.
Aber hallo, klingt das nicht ein klitzeklein bisschen anzüglich. “The Moonlights”, das klingt doch sehr nach Schieberrunden im Tanzcafé Rennbahn, dem traditionsreichen Aufreißer-Schuppen für die ältere Generation.
Gut, aber es ist nicht so. Die vier Musiker namens Roland, Bernd, Heiko und Harald besitzen Kompetenz eher in Sachen Frohsinn denn in Sachen Zärtlichkeit. Die Hits ihrer aktuellen CD haben Titel wie “Endlich fangt die Musi an”, “Heut gemma rock`n” und “Boarisch is Wahnsinn”. Wie Bilddokumente auf ihrer Homepage zeigen, war ihr Gastspiel bei der Kärwa in Großweismannsdorf eine wilde Party. Diesmal liegen ein paar Reden dazwischen. Man kann ja etwas später hin.
Die Angst des Schreibers vor dem Grundgesetz
Ich habe die letzten Tage Ruhe gegeben, weil mich diese Nachricht geschockt hat: Die CDU möchte die deutsche Sprache ins Grundgesetz schreiben lassen.
Gibt es jetzt das Nachrichten-Sommerloch zum Winter-Sale bei Kaufhof? Bisher hatte ich gedacht, eine Verfassung wäre dazu da, die wirklich großen Daseinsfragen und die zentralen, aber nicht allgemein als selbstverständlich anerkannten Bürgerrechte und -pflichten zu regeln. Grundsätze aufzustellen, unterhalb derer dann die einzelnen Gesetze verfeinerte Regeln formulieren. Aber die deutsche Sprache? Die gehört für mich ganz selbstverständlich zu Deutschland. Das muss man, finde ich, nicht extra in die Verfassung schreiben.
Als Journalist wil ich das auch gar nicht. Gehöre ich doch zu einer Berufsgruppe, die nach einer Verfassungsänderung ständig mit einem Bein im Gefängnis stünde. Unnötige Denglisch-Begriffe, schlechter Stil, falsche Satzstellung, Schreibfehler, Verstöße gegen die Kommaregeln. Wenn du pro Tag mindestens 1,5 Artikel schreibst, machst Du einfach immer wieder mal was verkehrt.
Was ist eigentlich, wenn pensionierte ehemalige Oberstudiendirektoren aus purer Langeweile und aus Zorn über den zehnten zurückgeschickten Leserbrief mit einigen meiner fehlerhaften Machwerke protestierend vor das Bundesverfassungsgericht ziehen? Was droht mir dann? Ein Berufsverbot? Oder doch nur ein öffentlicher Deutschtest?
Naja, vielleicht geht die Sache glimpflicher ab. Schließlich wird das mit den Grundrechten ja allgemein nicht so bierernst genommen. Nehmen ir Artikel 1, “Die Würde des Menschen ist unantastbar”. Wie kann es dann Ein-Euro-Jobs geben? Oder Artikel 3, “Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich”. Wer kann irklich sagen, dass er diese Vorgabe immer konsequent umsetzt? Oder Artikel 10, “Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich” und Artikel 13, “Die wohnung ist unverletzlich”. Wie war das nochmal mit dem BKA-Gesetz?
Davon, dass “Eigentum verpflichtet”, will ich gar nicht mehr schreiben Auch beim Grundgesetz gilt also: Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.
Deshalb schreibe ich weiter, und fordere als fränkischer Patriot die Einführung von Artikel 20: “Jeder hat das Recht auf Rostbratwurst und dunkles Bier. Immer und überall.”
Bier und Kosmetik? Nicht mit Uschi Glas
Reden wir doch mal über Bierkultur. Unter den 756 Kulturen , die der Dichter Eckard Henscheid dankenswerterweise aufgelistet hat, ist sie mir jedenfalls wesentlich lieber als die Erinnerungs-, Mülltrennungs-, Entfeindungs- oder Aufbahrungskultur. Ich halte es da mit Herrn Demleitner, einem von zwei Geschäftsführern des Bundes der Privatbrauereien, der anlässlich der Verleihung des “European Beer Star Awards” den “so genannten Gutmenschen” (militanten Antialkoholikern) gehörig die Leviten gelesen hat. Seine Erkenntnis: “Bier ist ein das Leben bereicherndes und das Leben verlängerndes Lebensmittel, ohne das dieses Land so nicht denkbar wäre.” Das hat gesessen – auch wenn die Suchtbeauftragte den letzten Halbsatz auch so verwenden könnten.
Aber was es nicht alles gibt: Eine von 42 Kategorien beim Internationalen Bierpreis hieß “Bottom fermented beer with alternative cereals or field corps”. Es ging also um flaschengegärtes Bier jenseits des Reinheitsheitsgebotes. Bronze ging da an die Sonnenbräu aus Rebstein in der Schweiz für Maisbier. Das Silberbier der Carlsberg Bräu trägt den bedrohlichen Namen “Hamas”, Gold für alternatives Cereal-Bier ging an die High Fall Brewery in Rochester/USA für die Sorte Genesee.
Und? Wollen wir das trinken? Natürlich nicht. Und da kommt Uschi Glas ins Spiel. Die Schauspielerin, kurz vor der ersten Mondlandung berühmt geworden mit dem Kinofilm “Zur Sache, Schätzchen”, ist zurzeit in der ZDF-Serie “Zur Sache, Lena!” im Einsatz. Dort spielt sie eine mittelständische Brauereichefin. Und weil sie das so gut macht, hat man ihr den “Bayerischen Bierorden” verliehen. Sie ist damit eine Nachfolgerin von Franz-Josef Strauß. Der ihn bekommen hat, damals, als die Politik und die CSU noch richtig berühmt waren.
Im Gespräch mit den Medien ist man beim Trinkgenuss geblieben. Das Thema “Bier und Kosmetik” hat man ausgelassen. Das ist eines – man denke nur an Dr. Guhl`s Biershampoo – aber Uschi Glas ist bei Hautcremes und Co. ja ein bisschen traumatisiert.
Eines lehrt uns die Braumesse: Was dem Italiener sein Parmaschinken und dem Franzosen sein Froschschenkel, ist für uns das Bier. Es ist ein entschieden erfolgreicherer Exportartikel als Schwarzbrot. Sogar eine Brauerei aus Namibia bekam eine Goldmedaille. Sie braut nach dem bayerischen Reinheitsgebot. Franken war auch stark dabe. Gold gab`s für Rauchbier aus Hallerndorf, Weißbier aus Adelsdorf und für einen Weizenbock aus Scheßlitz.
Mit dem Bier haben wir der Welt wirklich etwas geschenkt. Man kriegt es überall, sei es in den Bars nahe der Bahnhöfe von Bamako in Mali oder in Dakar im Senegal. Die Webseite “Bier am Bahnhof” zeigt das prima auf. Parmaschinken wird man in solchen Gegenden dagegen kaum finden. Alsdenn, Prost! Wo immer Ihr gerade seid.
Landesbanker: Wie die Biedermänner im Puff
Eigentlich bin ich kein Freund jener Modellrechnungen, wonach die Jahresproduktion Nürnberger Rostbratwürste, Stück für Stück aneinandergeleg, eine direkte Verbindung vom Hauptmarkt ins Sternbild Großer Wagen schaffen würde. Aber die Nachrichten aus der Bayerischen Landesbank schreien nach ungeheuerlichen Vergleichen. 6,4 Milliarden Euro hat man dort (nach jetzigem Stand) versemmelt.
Ausgerechnet die Landesbank. Hätte man früher unbedarfte Menschen nach deren Meinung über dieses Institut befragt, wäre “langweilig” eines der am häufigsten gebrauchten Adjektive gewesen. Man stellte sich doch eine Sparkasse mit anderen Mitteln vor, in der sich die Welt ein ganzes Stück langsamer dreht als zum Beispiel bei der Hypovereinsbank. Und jetzt wirken ihre Manager wie jene biederen Ehemänner, die immer ordentlich ihre Thuja-Hecken schneiden, aber dann doch immense Summen in Puff-Besuche investieren.
6,4 Milliarden Euro – was ist das jetzt eigentlich? Dieses Geld würde zum Beispiel ausreichen, um jedem der 736 Millionen Europäer eine Maß Oktoberfestbier zu spendieren. Nähme man die berühmte Billigbier-Marke Oettinger, würde es sogar für die Aktion “Ein Liter für jeden auf der Welt” reichen. Knapp die Hälfte der Weltbevölkerung könnte man mit “Drei in an Weggla” beglücken.
Dass Geld würde aber auch reichen, um rund 350 Vier-Personen-Haushalte in einer geschenkten, sanierten Altbauwohnung unterzubringen. Bayerische Autofreunde könnten sich 1425 BMW X 3 mit 272PS oder Audi A6 mit 220 PS kaufen. Ferner wäre es möglich, ein neues Geschäftsmodell zu erproben und 13.333 geringfügig Beschäftigte (ja 400 Euro) für sich arbeiten zu lassen. Und wen bei soviel Arbeitswut der Hunger packt, kann ja mal eben 4500 Tonnen Bio-Garnelen von Aldi eintüten. Und für jedes Kind der Welt gäb`s von Lidl zwei Tafeln Halloween-Gruselschokolade.
Sie finden diese Rechnungen absurd? Nein, es ist tatsächlich zum Gruseln, was bei der Landesbank (und bei anderen Banken) gelaufen ist. Erstaunlich ist im Grunde die Ruhe, mit der die Menschen diese Nachrichten hinnehmen.
Überraschung: Heavy-Metal-Fans sind liebe Leute
Ganz ehrlich: Ich habe mich gelegentlich gefragt, wie jemand beschaffen sein muss, wenn er die “Wildecker Herzbuben” verehrt. Ich vermute da einen Menschen, der,wie einst im Mai, am frühen Samstagnachmittag sein Auto wäscht, danach ein Wannenbad nimmt, die “Sportschau” guckt, um dann nach zwölf Minuten “Wetten, dass…?” einzuschlafen. Auch professionelle Psychologen vermuten schon lange, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Musikgeschmack und der Persönlichkeit eines Menschen gibt. Die Ergebnisse einer Mitmach-Studie auf der Internetseite http://www.peopleintomusic.com bestätigen diesen nun, allerdings anders als erwartet.
Heavy-Metal-Fans sind eher sanftmütig, lautet ein Ergebnis der Befragung. Unmöglich, meinen Sie? Diese zotteligen, gerne mal besoffenen Gestalten in ihren bevorzugt schwarzen Klamotten seien doch wenigstens latent gefährlich. Nun, wer so denkt und redet, kennt Wacken nicht. Das Dorf in Schleswig-Holstein erlebt jedes Jahr das größte Metal-Festival der Welt. bis zu 75.000 Freunde der lauten Musik fallen dort ein.
Und was passiert? Der Filialleiter vom Supermarkt ist glücklich, weil er Dosenbier und Gummibärchen palettenweise verkauft. Der Mann vom Schuhgeschäft jubelt, weil es in Wacken oft regnet, aber Metal-Fans selten Gummistiefel mitbringen. Und die örtliche Feuerwehrkapelle benennt sich in “Fire Fighters” um und absolviert einen Auftritt vor großem Publikum. Die Fans bedanken sich mit Headbanging zu Blasmusik. Auf “peopleintomusic” lernen wir nach der Auswertung von inzwischen 36.000 Online-Fragebögen auch dieses: Menschen, die sich gerne mit Metal-Klängen zudröhnen, sind im sonstigen Leben entspannt aber auch schüchtern.
Pop-Liebhaber sind demnach wenig kreativ und Funk-Fans etwas faul. Die Umfrage der schottischen Universität Heriot-Watt in Edinburgh outet schließlich Country-Fans als relativ fleißig, Menschen mit Vorliebe für Rap als eher aufgeschlossen und Jazzer und Klassik-Fans als kreativ sowie von sich selbst überzeugt. Leuten, die auf Punk abfahren, fehlen dagegen meist Selbstbewusstsein und Sanftmütigkeit.
Als überraschend sehen die schottischen Forscher die Wesenverwandtschaft zwischen Klassik- und Metal-Liebhabern an. Laut Umfrage sind beide kreativ, fühlen sich wohl in ihrer Haut und sind nicht besonders aufgeschlossen. Mich wundert das nicht so: Wer einen Motörhead-Song kompositionstechnisch betrachtet, wird erkennen , dass da mehr Bach drinsteckt als bei Dieter Bohlen.
Hüten wir also vor den Vorurteilen. Dass Pop-Fans am 28. September CSU wählen, erscheint mir aber sehr naheliegend.
Was macht reich? Billigwurst und dicke Autos
Es ist doch die große Frage in unserem Leben: Wie werde ich reich? Mancher hofft bis zu seinem Tod auf einen Lottogewinn. Die Cleveren lesen Zeitung. Darin stehen immer gute Tipps für alle Lebensarten.
In meinem persönlichen Leib- und Magen-Blatt, den Nürnberger Nachrichten, ging es heute recht ausführlich um die Milliardäre in Deutschland. Deren Zahl ist auf inzwischen 108 gestiegen. Es gibt also Wachstum.
Wer den Artikel liest, lernt aber auch wie man reich werden könnte. So belegt Aldi-Gründer Karl Albrecht mit einem geschätzten Vermögen von 17,2 Millarden Euro Platz eins der Rangliste. Demnach hat man Erfolg, wenn man Lebensmittel ähnlich liebevoll wie Schrauben oder Waschbecken-Armaturen präsentiert. Und wenn man die Lieferanten in Sachen Preis so brutal knebelt, dass sie nur noch an großen Mengen verdienen können.
Der Esskultur im Lande hat Aldi sicher nicht gedient. Wir haben gelernt, dass auch Schrott den Magen stopft. Außerdem: Wenn das Zeug billig ist, können wir es problemlos wegschmeißen. Denn es gibt wichtigeres als gutes Essen.
Autos zum Beispiel. Weshalb BMW-Großaktionärin Susanne Klatten auf dem zweiten Platz landet. Auf Rang drei ist aber schon wieder ein Billigmacher unterwegs, nämlich Dieter Schwarz von Lidl/Kaufland. Er hat 11,5 Milliarden Euro gesammelt.
Wer also will, dass es über ihm Geld regnet, dass die Scheinwerfer Scheine auf ihn werfen, sollte also Kopfweh-Bier, Sonderangebots-Wurst und Tiefkühlpizza verkaufen und nebenbei Luxusautos unter’s Volk bringen. Man wird es ihm durch Umsatz danken.
Wer auf Geldregen steht, könnte allerdings auch einen Staat ruinieren. Aber das ist jetzt eine andere Geschichte…