Faulheit kostet nichts – allenfalls das Leben

Statistiken sind gefährlich. Oft genug werden sie in Auftrag gegeben, weil jemand eine Botschaft in die Welt setzen möchte. Gemäß dem Motto: Nur wer gut fälscht, kommt voran. Und: Schlechte Gewissen erzeugen Umsatz.

Gerade wurde in einer US-Fachzeitschrift namens „The Lancet“ eine medizinische Studie verbreitet, wonach Bewegungsmuffel ganze Staaten ruinieren können. Weltweit, so haben es nicht näher benannte Wissenschaftler ermittelt, verursachen Faule und Behäbige Kosten von mehr als 60 Milliarden Euro pro Jahr. Daten aus 142 Ländern hätten dies ergeben.

Zugleich monieren die Forscher den Schaden für die Weltwirtschaft durch Einbußen in der Produktivität.

Spätestens an dieser Stelle rufen wir: Stopp! Wir sind es zwar gewohnt, dass wir aufgerufen sind, unser  Dasein „den Märkten“ unterzuordnen. Doch abgesehen davon, dass ein konsequenter Sofasitzer sparsam lebt, macht es eine Studie doch verdächtig, wenn sich Mediziner Sorgen über die Probleme der Wirtschaft durch eine träge Lebensweise machen.

Das Gegenteil ist doch der Fall. Wo bliebe die Medizin, und mit ihr die Pharmaindustrie, wenn alle Menschen gesund wären? Jeder entzündete Blinddarm bringt mehr für das Bruttosozialprodukt als eine vom Joggen gereinigte Lunge.

Und stellen wir uns bloß das Gegenteil vor: Volkswirtschaftler und Banker würden sich um die Gesundheit der Menschen kümmern. Die durchschnittliche Lebenserwartung würde sich alsbald dem Leitzins annähern.

Unsere Studie wiederum, welche übrigens anlässlich der Olympischen Spiele entstanden ist, dem bekanntlicherweise saubersten Gesundheits-Event dieses Planete, bringt Bewegungsmangel mit fünf Millionen Todesfällen pro Jahr in Verbindung.
Wer’s glaubt fühlt sich schlecht und kauft sich vielleicht ein Fahrrad. Echte Realisten hingegen verweisen auf die Kostenneutralität des faulen Daseins. Und sie wissen: Die Ursache jedes Todes ist die Geburt. Davonrennen kann man davor nicht.