Der Kaiser ist kein Heiland

Wer sich als Mensch den Göttern nähert, fällt besonders tief. Dieser Satz gilt in diesen Tagen für Franz Beckenbauer. Der charmanteste, smarteste und erfolgreichste deutsche Fußballer wird als gieriger Gauner entlarvt. Und dies zehn Jahre nach seinem Aufstieg zur vermeintlichen Lichtgestalt.

Mit dem Votum zwielichtiger Funktionäre für das deutsche Sommermärchen hatte er dem Volk vermittelt, dass die Bezeichnung „Der Kaiser“ in seinem Fall enorm untertrieben sei. Franz Beckenbauer erschien als Mensch, der jeden anderen von allem Möglichen überzeugen könnte. Überbrückten andere Fußballer seiner Generation die Zeit bis zur Rente als Geschäftsführer eines Lotto-Toto-Ladens, so sprudelten bei ihm die Werbeeinnahmen noch einmal so richtig. Es gibt wohl kaum einen bedeutenden deutschen Konzern, für den „der Franz“ nicht die Werbefigur abgegeben hat.

Die dankbaren Menschen reagierten nicht genervt, sondern dankten ihm mit kultischer Verehrung.

Man darf sicher annehmen, dass er jene 5,5 Millionen Euro, die er als WM-Botschafter eingesteckt haben soll, nicht im Mindesten gebraucht hat. Die Lichtgestalt war längst so reich, dass ihr ausreichend Gelegenheiten fehlten, ihr Geld jenseits bezahlter Empfänge und Hubschrauberflüge wenigstens einigermaßen auszugeben. Andererseits: Wer, wie er, Beträge dieser Höhe mit leichter Hand an Berater von hochbegabten Jugendlichen aus Schwellenländern überwiesen hat, sieht ein solches Honorar wahrscheinlich als korrekte Ehrenamts-Entschädigung an.

Da ist einer aufgestiegen und in größter Höhe geflogen.  Aber daran kann man trefflich scheitern. Hoch gebildete Menschen kennen das als Sage von Ikarus. Uns anderen genügt ein Gedicht von Robert Gernhardt:

„Ich sprach nachts: Es werde Licht! Aber heller wurd‘ es nicht. Ich sprach: Wasser werde Wein! Doch das Wasser ließ dies sein. Ich sprach: Lahmer, Du kannst gehn! Doch er blieb auf Krücken stehn. Da ward auch dem Dümmsten klar, daß ich nicht der Heiland war.“