Berlusconi, der Märtyrer der Missverstandenen

Steht auf, Ihr Missverstandenen dieser Erde! Sehet, Euch wurde ein Märtyrer geschenkt! Es ist ein kleiner Mann mit Wachspuppengesicht und flachgebügelten Haaren. Ja, ist ist Silvio Berlusconi. Und er ist doch viel netter als man dachte.
Der famose italienische Cavaliere (Ritter) hat gerade eine politische Schlacht krachend verloren. Weil ihn der Senat wegen seiner “Decadenca” (muss man nicht übersetzen, wir alle kennen die Geschichten) ausschließen wollte, wollte er die Regierung zu Fall bringen und Neuwahlen erzwingen, bei denen er wie Alberich aus der Asche wiederkehren sollte. Dieser diabolische Plan erschien aber selbst seinen treuen Parteisoldaten als untragbar. Viele von ihnen verweigerten die Gefolgschaft, woraufhin der römische Beraz (Bester Regierungschef aller Zeiten) höchstselbst im Parlament verkünden musste, dass seine Kollegen und er die amtierende Regierung unterstützen würden. Zuvor hatte unter anderem Angela Merkel tadelnd den Finger erhoben.
Jetzt steht der Medienzar ziemlich dumm da. Ohne parlamentarische Immunität muss er damit rechnen, dass die gegen ihn gefällten Urteile wirksam werden. Gut, ins Gefängnis muss er nicht, dafür ist er in Italien mit seinen 76 Jahren zu alt.
Weil er aber keine Lust darauf hat, während eines Hausarrests in seiner Villa monatelang die missratenen Shows seiner Fernsehsender anzugucken, will er seine Strafe mit Sozialarbeit ableisten. Wie großartig: Ein auf jugendlich gebotoxter Milliardär schickt sich an, alten Menschen in einem Pflegeheim zu helfen.
Und: Silvio kann das. Schließlich jobbte er als Student als Sänger und Pianist auf Kreuzfahrtschiffen und komponierte zuletzt liebestrunkende Balladen. Das ergibt geballte Rollstuhl-Romantik statt Decadenca und wogende Sitztänze statt Bunga Bunga.
Allerdings sollten die ominösen blauen Pilen weggesperrt werden. Denn Krankenschwestern sind für bekanntlich Männer die größtmögliche Erotik-Projektionsfläche unter allen berufstätigen Frauen. Was bei Berlusconi kaum anders sein wird. Ist er doch im Geiste ein Mega-Mann, ein Cavaliere extra potente. Wie sagt man auf Italienisch naochmal für “Damit könnten Sie gut ein Dirndl ausfüllen…?”

Peer Steinbrück: Ein Kerl für die Landwirtschaft

Hiermit stelle ich Folgendes fest: Ich finde Peer Steinbrück witzig. Einen Politiker, der derart ohne Rücksicht auf Verluste sagt, was er gerade denkt, hatten wir schon lange nicht mehr. Aber ob er der richtige Kanzler ist?

Der SPD-Kanzlerkandidat hat unter Ausnutzung seiner sämtlichen Beinfreiheit erklärt, dass er ziemlich entsetzt beobachtet habe, dass in Italien zwei Clowns die Wahlsieger seien. Und prompt läuft die allgemeine Empörungsmaschinerie. Aber was ist falsch daran? Wahlsieger Nummer 1, Beppe Grillo, ist Komiker von Beruf. Und zwar einer, der sich härter äußert, als es ein Peer Steinbrück je machen würde. 25 Prozent der Wählerstimmen hat er mit seinen Sprüchen erreicht. Also ein Ergebnis, mit dem eine SPD zur Not leben könnte.

Und Silvio Berlusconi? Zirka 99 Prozent der Deutschen sind überzeugt, dass es sich bei ihm um einen, wenn auch fiesen Clown handelt. Und hatte sich nicht Angela Merkel dereinst an der Seite des französischen Staatskomikers Nicolas Sarkozy köstlich über den verrückten Italiener amüsiert?

Warum also darf man das nicht sagen? Na klar, weil es in der ganz großen Politik nicht um die Wahrheit geht. Ein Bundeskanzler muss jederzeit in der Lage sein, einem Massenmörder lächelnd die Hand zu schütteln. Vor allem dann, wenn sein Land über Bodenschätze oder über einen stolzen Militärhaushalt verfügt. Er muss selbst bei den übelsten Typen so tun, als seien sie irgendwie nette Kerle. Die Kunst des Redens geht einher mit der Bereitschaft zum Schweigen.

Also kann Genosse Peer schwerlich Kanzler, aber schon gar nicht Außenminister in einer großen Koalition werden. Sein bestmöglicher Job wird zurzeit von einer gewissen Ilse Aigner besetzt. Man stellte sich vor: Der SPD-Kampfplauderer als der unerbittlichste aller Lebensmittelkontrolleure, als Rächer der Dioxin-Eier und Gammel-Döner. Steinbrück for Landwirtschaft! Das haut hin! Das ist der Plan!

Silvio? Die Mörderpuppe ist nie ganz weg

Es lebe die Mörderpuppe!

Es lebe die Mörderpuppe!

Es gibt Lebewesen und Dinge, die man einfach nicht wegkriegt. Spinnen, Kakerlaken, Hundeflöhe, Gartenschnecken, Maulwürfe, aber auch Blut-, Rost- und Rote-Beete-Flecken. Und es gibt Silvio Berlusconi. Über ihn wissen wir jetzt endgültig, dass er nie ganz weg sein wird. So lange es in Italien Politik gibt.

Beim Anblick des Cavaliere, dem die Mimik inzwischen komplett aus dem Gesicht operiert worden ist, rauschen mir – passend eigentlich – 50 Jahre Fernsehgeschichte durch den Kopf. Berlusconi erinnert mich an einen Helden meiner Kindheit, den Springteufel Zebulon. Wenn die kleinen Fernsehzuschauer dachten, dass Ruhe im Karton ist, ging der Deckel hoch, und das seltsame Wesen sprang mit einem lauten “Turnikuti, Turnikuta, Zebulon ist wieder da!” aus der Schachtel. Das war Mitte/Ende der 60-er Jahre. Auch der Zonk aus der TV-Show “Geh aufs Ganze!” erinnert mich an unseren ewigen Zombie.

Aber das ist nicht richtig. Denn eigentlich ist das Problemäääh, dass wir Deutsche nicht wolle verstähä, was italienise Sääle bewägä tut.” In seiner Heimat ist Berlusconi nämlich ein Mischwesen aus zwei anderen Protagonisten der Fernsehunterhaltung. Des grimmigen Alles-Wegräumers Gernot Hassknecht aus der heute-show und des Glücksbringers im Postboten-Gewand, Walter Spahrbier. Des biederen Schutzheiligen der “Aktion Sorgenkind”.

Silvio, ein Glücksbringer? Kann nicht wahr sein – stimmt aber doch. Denn so sehr es sich bei Berlusconi um einen offensichtlichen Lumpen und altersgeilen Bock handelt, so clever ist er als Verkäufer in eigener Sache. Er gibt seinen Landleuten immer noch das Gefühl, dass er sie vor Angela Merkel, verückten Richtern, Dieben aller Art und dem Staat als solchem beschützt. Was weh tut, wird von Onkel Silvio geheilt. Deses Volk will in Freiheit glücklich sein. Oder wenigstens daran glauben.

Übersehen wird dabei ein wichtiger Aspekt. Berlusconi tut zwar so, als würde er seine Wahlversprechen mit Milliarden aus seinem Geldspeicher bezahlen. Daran aber denkt er gar nicht. Er macht Politik, um seine Reichtümer zu bewahren. Egal, wem das schadet. Arme Italiener, Ihr verehrt einen Filmstar, die Reinkarnation von Chucky, der Mörderpuppe. Wer das nicht glaubt, schaue auf das Bild zu diesem Beitrag. Er ist es. Und er kommt immer wieder.

Silvio, jetzt nimm doch mal die Maske ab

Irgendwann muss jeder gehen...

Irgendwann muss jeder gehen...

Caduto! (Gestürzt!) Finalmente! (Endlich!) Santo subito! (Heilig, sofort!) Halt, ganz am Schluss war ich auf der falschen Baustelle. Kaum jemand käme ja auf die Idee, den italienischen Noch-Regierungschef Silvio Berlusconi heilig zu sprechen. Außer er selbst, versteht sich. Viele, viele andere Menschen sind glücklich über seinen baldigen Rücktritt.

Als Blogger mit einem Herz für Kurioses werde ich den Cavaliere im Falle seines tatsächlichen Verschwindens auch vermissen. Denn er war stets ein zuverlässiger Click-Generator. Bezogen auf die meistgelesenen Beiträge meines Blogs ist er die Kader Loth der europäischen Politik. Ein irrealer Typ, dessen Haare wie aufgeklebt und hingetatscht aussehen und bei dessen maskenhaftem Gesicht man sich inzwischen fragt, ob darin nicht schon mehr Falten weggebügelt wurden als im Gesicht von Cher.

Berlusconi, das ist ein mit Testosteron getunter Gerhard Schröder. Ein Regierungschef, der sich keine Mühe gibt, seine Niveaulosigkeit durch schlaues Gerede zu kaschieren. Eine Beschreibung für Barack Obama wie “Er ist jung, gut aussehend und gut gebräunt” kann nur von ihm kommen. Schließlich ist er ein Medien-Mogul, der seinen Landsleuten auf allen Kanälen vorführen lässt, wie Frauen auszusehen haben: Brünette Mähne, möglichst blaue Augen, Traumfigur und ganz lange Beine auf sehr hohen Schuhen.

Über die Frage, wie er sich überhaupt so lange halten konnte, rätselt die halbe Welt. Ich sehe es so: Die Leute glaubten an ihn, dass er “den Menschen Arbeit gibt”, wie mir ein Italiener mal erklärt hat. Es wurde bewundert, wie er sich aus einfachen Verhältnissen nach oben gearbeitet hat. Berlusconi verkörpert den Typ des Unternehmers, der gegen alle Widerstände von Behörden und/oder Staat sein Ding macht. Er beherrscht die typischen Konversations-Gesten der Italiener perfekt. Und seine Frauen-/Mädchen-Affären? Er arbeitet doch auch viel. Ein erfolgreicher Mann muss sich auch mal etwas gönnen dürfen.

So haben das viele im Volk gesehen. Silvio Berlusconi auch. Ob er geht, ist für mich noch nicht sicher. Da fehlen noch einige Beratungen mit seinen Anwälten. Wenn es aber so kommen sollte, wie er jetzt gerade scheint, dann habe ich einen Wunsch: “Bitte, Silvio, nimm beim Abschied deine Maske ab. Ich möchte wissen, wer du wirklich bist.”

Cindy & Bert sollen Deutschland retten

How, Sie haben gesprochen! Auf meine jüngst gestellte Frage, welches Traumpaar im Stil des Duos Putin/Medwedew Deutschland übernehmen sollte, gab es zwei klare Favoriten. Es siegte das Schlagerpaar Cindy & Bert mit 38,1 Prozent der Stimmen vor Motsi und Mabuse mit 28,5 Prozent. Alle anderen, etwa Angie und Peer, fielen durch.
Ich respektiere das Leservotum, weil sich im gewaltigen Gesamtwerk von Cindy & Bert immer wieder Lieder finden, die sich auf Euro-Krisenstaaten beziehen. “Spaniens Gitarren” zum Beispiel oder “Addio, bella musica” (das Lied, das Berlusconi gerade übt).
Griechenland hat das Duo sein Lied “Rosen aus Rhodos” gewidmet. Nicht eben feurig, dieser Schlager. Aber vielleicht ist just diese träumerische Besonnenheit der richtige Weg aus der Krise. YouTube Preview Image

Putin und Medwedew: Das Prinzip Dick und Doof

Die Zirkus-, Theater-, Film-, Musik-, ja die gesamte Menschheitsgeschichte ist voll von gegensätzlichen und daher (tragi-)komischen Paaren. Denken wir nur an Dick und Doof, Pat und Patachon, Starsky und Hutch, Hänsel und Gretel, Kain und Abel, Dr. Jekyll und Mr. Hyde oder an Don Quichotte und Sancho Pansa.

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Sie alle zeigten uns den Facettenreichtum des menschlichen Wesens. Wahlweise nach der Devise “Gemeinsam sind wir unerträglich” oder eben “Gemeinsam sind wir unschlagbar”.

Es war eine Frage der Zeit, bis dieses Prinzip in der Politik erprobt wurde. Nach der Endphase von Helmut Kohl und keinem anderen gaben Gerd und Joschka ein recht schlüssiges Tandem ab. Bei Angela und Philipp klappt das auch ohne Guido nicht so recht.

Ein wahrhaftiges Traumpaar gibt es dafür in Russland. Dort haben der aktuelle Präsident Dmitrij Medwedew und der derzeitige Ministerpräsident Wladimir Putin beschlossen, das Land unter sich aufzuteilen. Da das Volk das Ganze offenbar mitmachen wird, werden zu bestimmten Terminen die Paläste getauscht. Wobei der “lupenreine Demokrat” Putin sehr eindeutig das Krokodil und Medwedew der Kasper ist.

Kann ein solcher ständiger Rollentausch auch bei uns funktionieren? Und falls ja, mit wem? Bitte stimmen Sie ab.

Putin findet Schätze – was kann Merkel?

Kein Zweifel: Dieser Mann ist ein Held.

Kein Zweifel: Dieser Mann ist ein Held.

Geht’s noch dümmer? Da geht also der russische Präsident Wladimir Putin zum Tauchen. Eingepackt in einen famosen Ganzkörper-Anzug schnorchelt er im Asowschen Meer in zwei Metern Tiefe und siehe da: Er stößt auf die Reste von römischen Amphoren, die dort seit vielen Jahrhunderten unentdeckt gelegen haben. Da kann es doch für sein Volk keinen Zweifel geben. Dieser Mann ist ein Held. Ihn müssen wir zum Regierungschef wählen.

Gut, die Mächtigen in Russland sind seit langer Zeit daran gewöhnt, ihre Untertanen mit windschiefer Propaganda zu verblöden. Das war schon lange vor dem Kommunismus so. Der Begriff “Potemkinsche Dörfer” stammt noch aus der Zarenzeit.

Wie aber können wir das auf andere Regierende übertragen? Da fällt uns schon was ein. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy etwa könnte sich perfekt inszenieren, indem er den grausligen Libyer Gaddhafi während es Zwölf-Gang-Gelages mit Beaujolais unter den Tisch säuft und so zum Amtsverzicht bewegt. Silvio Berlusconi wiederum würde seine Vitalität beweisen, indem er in einer Nacht 20 Internatsschülerinnen schwängert.

Aber Deutschland? Da hätten Helden-Storys eher zur früheren Regierung gepasst. Zu Gerhard Schröder hätte es gepsst, sich am Ende eines wüchtigen Spiels der deutschen Fußball-Nationalelf einwechseln zu lassen und unter dem Pseudonym “Acker” das entscheidende Tor zu schießen. Joschka Fischer hätte bewiesen, dass man auch mit 50 Kilo Übergewicht einen Marathon laufen kann.

Aber Angela Merkel? Das geht nicht, oder? Doch. Wie wäre es, wenn unsere gelernte Physikerin im heimischen Hobbykeller gemeinsam mit Ehemann Joachim Sauer ein bislang unbekanntes, irrsinnig energiereiches Elementarteilchen entdeckt, welches fortan alle unsere Versorgungsängste beseitigt.

Und dafür sorgt, dass wir auch das Gazprom-Gas gar nicht mehr brauchen. Dann hätte es Merkel dem Hobbytaucher Putin mal so richtig gezeigt. Da würde er staunen, der Russe.

Der Latin Lover ist ein Muttersöhnchen

Wie stellen wir uns den jungen Italiener vor? Am ehesten so: Dunkelhaarig, glutäugig, gepflegt, vielleicht ein bisschen klein geraten, dafür aber mit geschmeidigen Bewegungen und einem Charme, dem keine Frau lange widerstehen kann. Ein Latin Lover eben. Aber dieses Klischee stimmt nicht – sofern diese Nachricht stimmt: Die Zahl der Muttersöhne in Italien steigt alarmierend.

Laut einer offiziellen Studie ist in Italien der Anteil der jungen Menschen zwischen 15 und 29 Jahren, die weder arbeiten noch studieren, auf 22,1 Prozent gestiegen. Der europäische Schnitt liegt bei 14,7 Prozent. Unser südlicher Nachbar ist somit das einzige Land, in dem es mehr Inaktive als Arbeitslose gibt.

Das ist überraschend, aber es gibt Gründe. Da ist die italienische Mama als solche. Keine andere weltweit ist derart fürsorglich wie sie, keine andere vertsteht sich so gut auf die Zubereitung der drei großen P’s (Pasta, Pizza und Polenta). Auf der anderen Seite gibt es für junge Italiener kaum angemessene Partnerinnen. Jene Grazien, die das Frauen-Wunschbild prägen, indem sie durch die Programme der privaten TV-Sender tänzeln, sind derart schön und derart auf Drei-Wetter-Taft de Luxe gestylt, dass im realen Leben nichts Vergleichbares anzutreffen ist.

Und schließlich: Silvio Berlusconi lehrt den jungen Männern, dass es für Amore vor allem und zuallererst eine dicke Brieftasche braucht. Für berufliche Perspektiven hat er allerdings weniger gut gesorgt. Kein Job, kein Geld. Also bleiben viele lieber gleich daheim und ruhen sich vorsorglich aus für den Tag, an dem ihnen bezahlte Arbeit zufliegt.

Sie meinen, dass das bei uns ganz anders ist? Noch ist es so, aber wir sind auf dem Weg dorthin. Wenn sich der Trend zu immer mehr Praktika, Leiharbeit und befristeten Jobs fortsetzt, wird der Mut, auf eigenen Füßen zu stehen, entsprechend nachlassen. Wir wären dann so verzagt wie die Italiener – höchstwahrscheinlich aber weniger chic.

Die bösen Finnen und der Zorn bei uns

Europa hat ein neues Schreckgespenst: Die “Wahren Finnen”. Sie also sind es, die unseren geliebten Euro weich machen, die wie einst die Hardrock-Monster beim Eurovision Song Contest aus Wäldern und mückenumtosten Seen auftauchend in unsere beschaulichen Städte stürmen und dort Angst und Schrecken verbreiten. Werden wir den Frontalangriff dieser 19-Prozent-Partei überstehen?

Man muss ja erstmal dahin kommen, diese Partei ernsthaft zu betrachten. Gut, es gibt seltsame Parteinamen. Berlusconi “Haus der Freiheiten” oder sein “Furz für Italia” etwa. Aber “Wahre Finnen”? Das klingt wie “Alter Schwede”, wie der Stammtisch eines Karnevalvereins oder  nach einer 80er-Jahre Neue-Deutsche-Welle-Combo, aber nicht nach harter Politik.

Aber die Finnen waren uns ja schon immer suspekt. Wir denken da an die Neigung zum Komasaufen, an die hohe Selbstmordrate oder an jenen Skispringer Janne Ahonen, der selbst im Moment größter Freude grundsätzlich keine Miene verzogen hat.  Dass Finnland die Heimat der Weltmeisterschaft im Ameisenhaufensitzen sowie im Handy- und Gummistiefelweitwurf ist, passt ins Bild. Andererseits: Wenn Kinder, die diese seltsame Sprache lernen müssen, trotzdem jeden Pisa-Tests gewinnen, spricht das doch sehr dafür, dass im hohen Norden höchste Intelligenz versammelt ist.

Nein, man darf den Protest gegen den Euro nicht unterschätzen. Denn es brodelt auch bei uns. Ich selber habe vor ein paar Tagen in der Nürnberger Fußgängerzone nur einen Sonnenschirm mit dem Logo meiner Gewerkschaft aufgespannt – und wurde sofort in Gespräche über die Ungerechtigkeiten in diesem Land und über Versagen aller möglichen Institutionen verwickelt.

Die Äußerungen waren wirklich massiv. Wollen wir hoffen, dass das den “Wahren Deutschen” nicht hilft.