Pendelwesen retten keine Planeten

Es hilft uns alles nichts: Der Mensch ist ein Pendelwesen. Und deshalb sollten wir uns auf das Schlimmste gefasst machen. Wir werden diesen Planeten nicht retten. Eher schon er sich vor uns. Weil es so kommen muss.

Die Sache mit dem Pendeln steckt nicht nur in unseren Genen, sie wird uns auch von zirka 832 Lebensberatungs-Lexika vorgegeben. „Lassen Sie doch mal die Seele baumeln“, steht da geschrieben. Eine Verheißung ist dieses Bild keineswegs. Wer Schiffschaukeln kennt, weiß auch, dass es einem beim Baumeln ganz schön schlecht werden kann. Oder die Seele baumelt zu arg, die Verbindung zur Verankerung reißt, und sie fällt in ein Loch. Das nennt man dann Burnout, depressives Belastungssyndrom oder noch schlimmer.

Man kennt es auch im Beruf. Schicke Unternehmensberaterinnen in schwarzen Kostümchen geben unseren Chefs allerfeinste Tipps, wie diese ihre Mitarbeiter/-innen mit ein paar Freundlichkeiten und einer Prise Angst zu Höchstleistungen treiben. Da gehen dann einige Gruppen in Klausur und schreiben eine knallharte Agenda mit dem Titel „Kundenglück Zwanzichzwanzich“.

Anschließend laufen alle Beschäftigten breit lächelnd und mit feurigem Blick durch die Gegend. Allerdings nur maximal acht Wochen. Die Beraterin ist über alle Berge, der letzte Hochmotivierte ist weitere 14 Tage später wieder „eingenordet“. Alles ist wie zuvor. Die Belegschaft ist zurückgependelt.

Warum sollte das mit der Energiewende anders sein? Vielleicht hat sich ja jemand als Konsequenz aus Fukushima eine sparsame Gefriertruhe gekauft. Vielleicht lässt jemand öfter das Auto stehen, weil er aus Prinzip nie für mehr als 20 Euro tankt, und deshalb nicht mehr so weit kommt. Aber die große Masse ändert ihre Gewohnheiten nicht. Oder pendelt zurück, sobald der Schrecken überstanden ist.

Letztlich wird nichts anders. Wir sind süchtig nach Energie. Und das wissen auch unsere Kanzlerin, ihr Umweltminister sowie die vielen offenen und verdeckten Atomlobbyisten. Vielleicht ein halbes Jahr noch – und dann geht es rein in die Talkshows. Weil dem Volk erklärt werden muss, dass man trotz Kernkraft gut die Seele baumeln lassen kann. Werden wir’s glauben?