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Schöne Frauen machen Männer dumm (3): Horst Seehofer

Mit welchen Frauen sich der Seehofer so rumtreibt – oder: Parteigründerin Gabriele Pauli ist überall.
Wenn es um Betrachtungen zur Macht der Hormone geht, kommt man an Horst Seehofer nicht vorbei. Der Ministerpräsident gibt ein Musterbeispiel dafür ab, wie sich ein älter werdender Mann durch eine junge Frau in größte Kalamitäten bringen kann.
CSU-geneigte Moralisten werden sagen, dass das vor gar nicht allzu langer Zeit viel besser war. An der Treue von Günther Beckstein zu seiner Marga etwa gibt es überhaupt keinen Zweifel. Wer dieses Paar aus der Nähe erlebt hat, weiß das. Und davor? Edmund Stoiber würde beim Wettbewerb “Unsexiest Man Alive” mit Sicherheit ganz vorne landen, Aber hat sein Verzicht auf das Berliner Ministeramt nicht doch mit einer jungen, blonden Abgeordneten zu tun? Bei Max Streibl darf man vermuten, dass er die erotischten Momente seines Lebens bei der Gamsjagd im Hochgebirge hatte. Hätte man andererseits Franz-Josef Strauß Außereheliches zugetraut? Aber hallo, und wie.
Letzterer wiederum ist Seehofers Vorbild. Der amtierende Ministerpräsident spielt intellektuell in einer tieferen Liga, leidet auch unter einer vergleichsweise stark ausgeprägten Entscheidungsschwäche, wendet aber die Instrumente zur Machtübung in dessen Stil an. Also scheinbar souverän und lässig sein und dennoch die Kontrolle haben, bei Bedarf die Meinung wechseln, Intrigen nicht scheuen. Schließlich gilt es, das eigene Umfeld so zu besetzen, dass schwache Leute zahlreich und die Starken in Konkurrenzkämpfe verwickelt sind.
Das alles zu managen ist aufreibend. Schon weil es bei dieser Art von Politik immer rachsüchtige Opfer gibt. Einer wie Seehofer steht demnach immer unter Strom. Und dann muss er nicht mal ein notorischer Fremdgänger sein, um im fremden Bett zu landen, in seinem Fall bei Anette F. (35). Er wäre nicht der erste Mann, dem bei dauerndem hochtourigen Betrieb die Sicherungen durchknallen. Zumal dann, wenn er sich in einer Fernbeziehung befindet. Ihn alleine dafür zu verurteilen, wäre weltfremd bis verlogen.
Aber da ist halt das kleine Kind. Damit hat sich Seehofer in eine Zwickmühle gebracht, aus der ihm keiner heraushelfen kann. Meidet er Tochter und Mutter, wird man ihn als herz- und charakterlosen Gesellen anprangern. Kümmert er sich um seine Kleine, vermutet man, dass er unverbesserlich mit seiner Geliebten herummacht. Es ist eine Konstellation, die wie gemalt ist für die Abservierten. Wenn die “Bunte” ein Seehofer-Mutter/Kind-Foto bringt, schlägt die Stunde der politischen Zombies. Da weiß man, warum ein ehemaliger Staatssekretär namens Heike Erklärungen zu Seehofers Privatleben so besonders wichtig findet.
Was bleibt als Fazit? Der Fall Seehofer beweist die Richtigkeit unserer wissenschaftlichen These. Denn dass ein ehemaliger Gesundheitsminister nicht weiß, wofür Kondome gut sind – das ist nun wirklich dumm.
Arme Gabi Pauli: Der Hubert hat`s getan
Oh Drama, oh furchtbar. Hubert Aiwanger hat es getan: Er hat dafür gesorgt, dass Gabriele Pauli aus der Landtagsfraktion der Freien Wähler ausgeschlossen wird. Sowas von dumm.
Freuen wird sich vor allem Günther Beckstein. Denn damit verliert seine Ex-Helferin beim Stoiber-Sturz den Vorsitz im Innenausschuss, seinem früheren Kompetenzzentrum Nummer eins. Die Gefahr, dass ausgerechnet sie ihm das Wort erteilt, ist gebannt.
Wie es nun weitergeht, ist die große Frage. Ich habe bloß so eine böse Ahnung, wie die morgige Titelseite der taz aussehen könnte…
Seehofer – ein super-wichtiger Gast
Wir hatten ja fast vergessen, wie irrsinnig wichtig bayerische Ministerpräsidenten sein können. Günther Beckstein trat in seiner kurzen Amtszeit stets ohne Pomp auf. Das entsprach natürlich nicht dem Vorbild des wichtigsten Landesvaters aller Zeiten, Franz-Josef Strauß. Sozialministerin Haderthauer hat gerade erfahren, dass eine treffende kritische Anmerkung zu dessen autokratischem, manchmal korrupten Regierungsstil, selbst heute noch beinahe den Job kosten kann.
Wie sehr der legendäre FJS das Idol von Horst Seehofer ist, hat gerade die Redaktion der Nürnberger Nachrichten erlebt. Der neue Ministerpräsident traf hier mit einem sehr beachtlichen Tross von Begleitern ein. Zehn Dienstfahrzeuge standen im Haltverbot neben dem Verlagsgebäude, zwei Polizeiautos hielten zusätzlich Wacht. Die wie immer auffällig unauffälligen Sicherheitsleute musterten jede(n) Mitarbeiter(in) ganz genau von oben nach unten, ein Sprengstoffhund schnüffelte vorbeugend an den Schreibtischen der Redakteure. Nur Scharfschützen auf den Dächern und ein über Nürnberg kreisender Polizeihubschrauber fehlten zur prachtvollen Inszenierung.
Man fragt sich doch: Wer in aller Welt sollte ein Attentat auf Horst Seehofer verüben wollen? Warum überhaupt? Könnte damit die Welt nachhaöltig geschockt werden?
Nein, das superwichtige Gehabe stammt noch aus einer Zeit, als die CSU noch wirklich wichtig war oder wenigstens zu sein schien. Damals, zu Zeiten von Franz-Josef Strauß. Zuzistimmen ist einem Kollegen, der an eine Terminverwechlung gelaubte: “Seehofer wollte wohl zum Truppenbesuch nach Kabul.”
Warum ist der Söder bloß so lustig?
Er ist weltberühmt, hat in unzähligen Filmen die Hauptrolle gespielt und sogar einen Oscar gewonnen – aber genützt hat es ihm nichts: Er ist der größte Pechvogel aller Zeiten! Was er anpackt, geht schief. Er neigt zu Wutausbrüchen, ist ständig pleite, muss wie ein Sklave für seinen reichen Onkel schuften. So richtig Glück hat er nie im Leben. Und das soll Markus Söder sein? Niemals!
Beim Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg wurde der Nürnberger zum “Donald Duck der CSU” ernannt. Aber da war vielleicht der Wunsch des Vaters des Gedankens. Es stimmt, uns Mittelfranken ist der inzwischen zum Gesundheits- und Umweltminister aufgestiegene Karrierekünstler öfter mal peinlich. Aber dass ihm kurzzeitiges Glück auf der Stelle zwischen den Schwimmhäuten zerrinnen würde, ist völlig abwegig.
Söder, der sich selbst “Lebensminister” nennt, ist vielmehr ein Überlebenskünstler ersten Ranges. Ob die bayerischen Dagoberts nun Stoiber, Beckstein oder Seehofer hießen oder heißen – er erscheint immer als treuer Diener seines Herren. Wenn die Zeit gekommen ist, hilft er mit, den Regenten zu beseitigen. oder einen neuen zu installieren. Und bleibt so immer wieder irgendwie oben dabei. Die Satire-Experten vom Nockherberg haben erkannt, dass da einer ist, den man nicht übersehen sollte. Weil ihm seine eigenen Intrigen nicht wirklich schaden.
Jedenfalls hat man ihm in Bußpredigt und Singspiel eine tragende Rolle zuerkannt. Dies vielleicht auch deshalb, weil er als ehemaliger Volontär im BR-Studio Franken Fernseherfahrung mitbringt Er weiß einfach, dass das Aufflackern des roten Lichtes auf der Kamera die gleiche Bedeutung hat wie der Tusch beim Fernsehfasching: Grinsen, eventuell laut Lachen und Schenkelklopfen. Egal, ob da gerade ein Witz oder eine gute Pointe waren.
Mit tatsächlich vorhandenem Humor hat das nichts zu tun. Den erlebt man bei Politikern in unverfälschter Form eigentlich ja nur bei Dorfbürgermeistern. Von ihren Witzen oder dummen Sprüchen nimmt die große, weite Welt keine Notiz. Sie bleiben folgenlos. Je höher die politische Ebene, desto berechnender wird das Ganze. Die Frage “Hat man Humor?” weicht der Überlegung “Schadet/nützt mir Humor?”. Allenfalls Peer Steinbrück scheut den Fettnapf nicht.
Dummerweise beherrscht CSU-Jungstar Karl-Theodor zu Guttenberg die Rolle des Humor-Politikers auch. Auch er lachte lauthals an Stellen, die man kaum lustig finden kann. Auf dem Nockherberg sprach man da schon vom “Gustav Gans der CSU”. Ich finde: Es riecht nach Intrige.
Unsere Miss, DSDS-Vanessa und Beckstein
Vor einer Woche hatte ich gefragt: “Wer ist diese Miss?”. Es ist Zeit für die Auflösung.
Meine Leser(innen) sind der Wahrheit in dieser Umfrage nicht so richtig nahe gekommen. Genau 50 Prozent der Teilnehmer(innen) waren der Meinung, dass das Bild aus der Coyote Bar “Franconias Drag Queen of the Year”. Diese gibt es aber erstens gar nicht und zweitens ist das Mädchen echt. Transe stimmt also ebenso wenig wie der zweitliebste Lösungsvorschlag “Bayerische Milchkönigin” (19 Prozent). “Miss Peitsche”, wie von 14 Prozent vermutet , ist es auch nicht.
Die Dame mit dem strengen Blick ist vielmehr “Miss Rubensengel 2008″, Cornelia Gitter. Elf Prozent lagen richtig. Sie war nach Nürnberg gekommen, um die Bewerberinnen um ihre Nachfolge, auf die Wahl vorzubereiten. Inzwischen steht die Siegerin fest: Die Sarländerin Tanya Gouraige ist die neue XXL-Miss.
Weiterhin auf dem Weg zum Superstar-Ruhm ist unsere Nürnberger DSDS-Kandidatin Vanessa Neigert. Nach einer – wie Dieter Bohlen zurecht kritisierte – mäßigen Gesangsleistung musste sie zwar “nach vorne”, schaffte es aber unter die besten sieben Kandidatinnen. Als ihr Schutzpatron war in der Samstagabend-Show das Ballermann-Fossil Jürgen Drews im Saal.
An Intrigen herrscht bei DSDS inzwischen kein Mangel. Aber so funktionieren das Leben im Allgemeinen sowie Showbusiness und die Politik im Besonderen. Ex-Ministerpräsident Günther Beckstein äußerte sich im Fernsehen zu den Tagen nach der CSU-Pleite nach der Landtagswahl so: “Alle Parteifreunde standen hinter mir. Aber nicht alle in guter Absicht.” Nettes Zitat…
CSU-Ball: Markus Söder ist Ben Hur!

Markus Söder und seine ehrenvorsitzenden Oscar Schneider und Günther Beckstein vor der Bühnendeko. Foto: Horst Linke
So richtig toll war der Ball der Union diesmal nicht. In einem der langweiligen Momente habe ich mir die Bühnendekoration angeschaut. Diese gibt es seit vielen, vielen Jahren. Und plötzlich wusste ich, woran mich dieser Schriftzug erinnert: Markus Söder ist Ben Hur! Und nicht nur der. Stöbern wir also in alten Filmplakaten – und wir wissen um das Wesen der CSU. Das virtuelle Filmposter-Archiv
erlaubt Verlinkungen auf seine PHP-Seiten. Also bitteschön.
Erstmal Ben Hur…
Gerade, wenn es um Rücktritte und andere Personalien geht, weiß man nicht immer, wer Schuld war. In der Politik gibt es ihn, den Befehl aus dem Dunkel…
Manchmal muss ein Söder kämpfen. Er fühlt sich dann wie Bruce Lee, König der Todeskralle…
… und geht keinem Zusammenstoß aus dem Weg. Wie ein ultraharter Driver…
…manchmal sind Politiker grausam wie Dschingis Khan...
…wenn`s schief geht, geraten Sie auf die Straße der Verdammnis…
…was aber wird dann aus Franken? Wird es wie Caprona, das vergessene Land?
…ist der Papst dann nur eine Metapher, wenn Seehofer gemeint ist. Wie in Einer gegen Rom?
…drohen gar Exzesse im Folterkeller?
…hilft uns schließlich nur noch das Erscheinen von Frankenstein Junior?
…oder ist Politik ja doch immer ein bisschen nur ist, wie Das Leben des Brian?
Letztlich ist auch das egal. Gut 43 Prozent sind für die CSU schlicht und ergreifend ein Erdbeben.
Beckstein und die Lust auf grüne Schuhe
“Ja, die habe ich gesehen und wollte sie gleich.” So hat sich Günther Beckstein über die Wahl der grünen Schuhe geäußert, die er beim Veitshöchheimer Fernsehfasching zum Dirndl getragen hat. Ich liefere exklusive Hintergründe zu seinem Auftritt.
Das Schminken hat nach den Angaben von Ehefrau Marga nur einer Viertelstunde gedauert. Laut Günther Beckstein brauchte es ein bisschen mehr Zeit, höchstens aber eine halbe Stunde. Die Schuhe stammen aus dem Fundus des Nürnberger Staatstheaters. Beckstein hat Schuhgröße 42, also seien für ihn, so seine Ehefrau, immer auch Damenschuhe vorrätig. Die Frage ob er mit den eigenwilligen Schuhen zum überwiegend weißen Gewand auch ein Stück weit die Papst-Affäre abarbeiten wollte, beantwortete er mit einem Lachen.
Kein Problem bereitet ihm nach eigenen Worten, dass die Süddeutsche Zeitung seinen Auftritt auf ihren Online-Seiten eher unfreundlich mit dem Satz “Die Geierwally lässt grüßen” kommentierte. Beckstein hierzu: “Wer Humor hat, sollte lachen. Wer nicht, sollte sich ärgern. Das würde mir gefallen.”
Preisfrage: Was sind Seehofers Erfolge?
Na also, es muss nicht immer so ganz schlimm sein, wenn man einen Job verliert. Im Nürnberger Presseclub plauderte Günther Beckstein über sein Leben als Ex-Ministerpräsident. Er könne erstmals nach 20 Jahren Ski fahren, ohne dass während der Abfahrt das Handy klingle, im Hotel warteten keine dringenden Faxe und er könne mit gutem Gewissen die Zeitungen auch einmal nicht lesen. “Ich bin resozialisiert”, versicherte er.
Zur “Unterstützung” seines Wahlkampfes durch manche seiner Parteifreunde und seine persönlichen Erlebnisse nach der Pleite sagte Beckstein: “Es standen alle hinter mir. Aber einige nicht in guter Absicht.” Über Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte er sich so: “Eine sehr strenge Dame, die Widerspruch nicht verzeiht.”
Keine rechte Antwort hatte er auf meine Bitte, drei Erfolge des Ministerpräsidenten Horst Seehofer zu nennen. Geht man nach Becksteins Antwort ist dieser noch in der Einarbeitungsphase. Man merke, dass er aus der Bundespolitik komme.
Also gebe ich die Frage an meine Leserschaft weiter…
Ade, Herr Müllermeister Glos!

Gibt den Taktstock ab und nimmt den Hut. Michael Glos (hier an der Seite des Münchner CSU-Rechtsaußens Hans-Peter Uhl). F.: CSU
Da haben wir es wieder: Michel Glos hinterlässt anlässlich seines politischen Selbstmords in der “Bild am Sonntag” einen Abschiedsbrief. Und wir lernen erneut, dass Günther Beckstein noch Ministerpräsident sein könnte. Wie das? Hätte er dem damaligen CSU-Chef Erwin Huber gleich nach der Wahlpleite seinen Rücktritt angeboten, hätte dieser sofort abgelehnt, sein uneingeschränktes Vertrauen ausgesprochen und so vielleicht den eigenen Kopf gerettet. Das prompt zurückgewiesene Rücktrittsangebot ist eine neue und ausbaufähige Kunstform in der deutschen Politik.
Noch funktioniert sie nicht, wir bekommen einen neuen Wirtschaftsminister. Widmen wir uns also zum Abschied Müllermeister Glos aus Prichsenstadt. Der war früher manchmal richtig gut. Ich habe ihn vor der Bundestagswahl 1994 bei einem Pressegespräch erlebt. Der lokale CSU-Kandidat erläuterte wortreich, wie man Bürger entlasten und das Steuerrecht entrümpeln könnte. Da meinte Ehrengast Glos ganz trocken: “Eine Vereinfachung des deutschen Steuerrechts kann es doch bloß durch eine blutige Revolution geben.” Volltreffer!
Ansonsten wird er mir als Stammgast bei “Christiansen” in Erinnerung bleiben. Inmitten mancher aufgeregter Diskutanten spielte er zuverlässig die Rolle des beruhigenden Elements. Und je länger er als Minister amtierte, desto besser nahm er diese Rolle an. Der Kameraschwenk auf Michael Glos wurde zum Mittel gegen Einschlafstörungen. Dabei hatte er es früher doch krachen lassen. Als er Joschka Fischer einen Zuhälter illegal zugewanderter Prostituierter aus Osteuropa nannte, Jürgen Trittin als “Öko-Stalinisten” beschimpfte oder davor warnte, dass nach einem EU-Beitritt der Türkei der “Bevölkerungsüberschuss von Anatolien” Deutschland überrollen werde.
Aber zuletzt hat Michael Glos – abgesehen von dem Vorfall mit dem Polizisten-Fuß – vor allem Langsamkeit vermittelt. Der freche Naturschutzbund Deutschland hat ihn gar zum “Dinosaurier des Jahres” ernannt.
Das hat er sich vielleicht zu Herzen genommen. Und die Nachfolge? Eigentlich war die Situation wie gemalt für den stets karrieregeilen Markus Söder. Stattdessen wird es der neue CSU-Jungstar Karl-Theodor zu Guttenberg (37). So schnell, wie der aufsteigt, wäre eigentlich mal eine Intrige fällig…
Knalltüte des Wahlabends: Ronald Pofalla
Nur ganz kurz zur Hessenwahl: Zu den Dingen, die uns an Politikern stören, gehört erstens
die Unart, Fragen nicht zu beantworten
und zweitens der Drang,
Niederlagen in Siege umzudeuten.
In diesem Sinne war CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla die Knalltüte des Hessen-Wahlabends. Brachte er es doch fertig, angesichts des miesen Abschneidens seiner Partei von einem “Abend der Freude” zu sprechen. Er meinte gar, die Hessenwahl habe dieses Ergebnis: „Der Wahlsieger heißt Roland Koch“.
Noch immer lästern CSU- oder CDU-Leute über Gerhard Schröders Krawallauftritt nach seiner Niederlage bei der Bundestagswahl. Aber auch bei Pofalla fragt man sich: Welche Drogen nimmt der Mann?
“Ses bi xer be”: Erdogan hätte Beckstein retten können
Andere Länder, andere Probleme: Da rauscht es derzeit mächtig im türkisch-sprachigen Blätterwald. Denn Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat Ungeheuerliches getan: Er hat öffentlich einen Satz auf Kurdisch gesagt.
„TRT ses bi xer be“, sagte bei der Aufzeichnung eines Interviews mit dem neuen staatlichen Fernsehsender TRT 6, der in kurdischer Sprache sendet und der an Neujahr den Betrieb aufnahm. Das bedeutet nun keineswegs “Mit alles, und scharf”, sondern „Gutes Gelingen, TRT 6“. Erdogan fand die Aussage so gut, dass er sie vor Journalisten noch einmal demonstrativ auf Kurdisch wiederholte.
Der Mann ist im Wahlkampf – und so muss man sofort an Günther Beckstein denken. Wäre vielleicht alles anders gekommen, wenn dieser seinen Amtseid gejodelt hätte? Hätte er seine erste Regierungserklärung mit einem Satz auf Rosenheimerisch beginnen sollen oder hätte er sich komplett von Franz Beckenbauer synchronisieren lassen sollen? Wären die stolzen Oberbayern dann die Seinen gewesen? Und wie wäre es gewesen, wenn der seinerzeitige Parteichef Erwin Huber wenigstens gelegentlich so geredet hätte, dass jeder die jeweilige Landessprache auf Anhieb hätte erkennen können?
Die Antworten auf diese Fragen werden für immer im Dunkeln bleiben. Leider. Warum bloß hat der gewiefte Wahlkampf-Taktiker Erdogan seinem Kollegen, dem erklärten Türkei-Freund Beckstein, keinen Tipp gegeben? Jetzt hat er Seehofer an der Backe. Selber schuld.
Die Sache zeigt aber auch, dass die Türken manchmal ziemlich durchgeknallt sind, wenn es um nationale Symbole und Freundlichkeiten gegenüber Minderheiten geht. Sollten Sie in die EU kommen, bekämen wir also ein lustiges Volk dazu. Ich würde sie vom Schrulligkeits-Faktor her als Finnen des Südens oder als Schwarzmeer-Japaner bezeichnen. Die Finnen haben wir in der EU ja schon. Geschadet haben sie uns nicht.
Günther Beckstein: Keine Angst vor großer (Fall-)Höhe?
Manchmal staunt man über Menschen, die man irgendwie zu kennen glaubt. Günther Beckstein ist so einer. Der ehemalige Ministerpräsident hat am Rande eines CSU-Empfangs zu seinem 65. Geburtstag sein nächstes größeres Vorhaben offenbart: Er will in Tibet einen Sechstausender besteigen.
Ich hätte an so etwas nicht gedacht. Schließlich fragt man sich, wo ein Politiker die Kondition hernimmt. Er erledigt ja seinen Job hauptsächlich sitzenderweise in Parlament, Konferenzräumen und Limousine oder stehend am Rednerpult. Nun hat sich der Ex-Ministerpräsident für seine Tour einen leichteren Berg ausgesucht. Dieser hat “einen sehr komplizierten Namen”, beginnt aber erst im 4000 Metern Höhe, so dass die restliche Strecke überschaubar ist. Trotzdem: Wer wie ich im vierten Stock ohne Aufzug lebt und sieht, wie kaputt manche Leute dort eintreffen, bekommt da Respekt. Becksteins persönlicher Höhenrekord liegt bei 5600 Metern, erwandert in den peruanischen Anden.
“Ich hatte noch nie Probleme mit der Höhe”, hat mir Günther Beckstein gesagt. Mit großer Fallhöhe schon eher. Jedenfalls hatte er eigentlich keine Lust, sich zum Rentenalter-Geburtstag feiern zu lassen. Die Niederlage bei der Bayernwahl war ihm doch zu deftig ausgefallen. Aber selbst bei einem solchen privaten Ereignis zählt in einer Partei der freie Wille des Betroffenen wenig bis nichts. Und man muss zu allem Überfluss das verbale und reale Schulterklopfen von Menschen ertragen , bei denen die sprichwörtliche Steigerung “Feind, Todfeind, Parteifreund” nicht so abwegig ist.
Schauen wir auf das Bild oben. Analysieren wir Körperhaltung und Gesichtsausdruck. Und fragen wir uns, ob da ausschließlich echte Freunde stehen.
Der ältere Herr links ist Oscar Schneider (81). Er war früher Bauminister und darf als authentischer Beckstein-Freund gelten. Er hielt eine Laudatio in der Art, in der sie früher im Ostblock Regimekritik geäußert haben: Niemanden direkt ansprechen, aber doch gezielte Watschen verteilen.
„Egoisten können vorübergehend große Erfolge haben, scheitern aber irgendwann.”, war so eine Aussage. Sie dürfte Edmund Stoiber gegolten haben. Aber auch Markus Söder? Jedenfalls lobte Schneider derart betont Becksteins christliches Wertefundament, dass man davon ausgehen kann, dass er ein solches bei dessen Nachfolger als CSU-Bezirkschef, Markus Söder eben, nicht so richtig sieht.
Ein Volltreffer war seine Anmerkung, dass es in der Politik nicht so sehr darauf ankomme, Großes geleistet zu haben, „sondern das man sich Großes zuzuschreiben weiß.“ Erwin Huber beugte sich da auf seinem Stuhl mit einem gequälten Lachen nach vorn. Das gab`s auch noch: „Auf dem Markt der Meinungen ist die falsche Münze genauso viel wert wie die echte.“ Und diese Erkenntnis: Wer aus der Politik die Lüge wegnehme, nehme die ganze Politik weg.
Ein zweites Bild gibt es auch noch, die Sitzordnung beim Geburtstagsempfang betreffend: Gleich neben dem Platz vom BR-Chefredakteur Sigmund Gottlieb hatten die Organisatoren die “Sicherheit” platziert. War das ein Hinweis auf Zensur, ist der Mann so schützenswert? Gehen wir von Zufall aus. Dass er als einziger Journalist in der allerersten Reihe inmitten der CSU-Granden platziert wurde, sagt aber über seine Arbeit sicher etwas aus.
Der Fluch der Landrätin: “Park Avenue” ist futsch
Gottseidank, ich bin gerettet. Seit gestern Abend bin ich stolzer Besitzer einer Autogrammkarte von Gabriele Pauli. Und das sollte mich bewahren vor dem Fluch der Ex-Landrätin. Den gibt es nämlich.
Während die ”schöne Gaby” mit dem Einzug in den Landtag grandios auf das Vorenthalten ihrer Landratspension durch die Fürther Kreistag reagiert hat, haben alle, die ihr mal geschadet haben, schlechte Papiere. Edmund Stoiber erledigt, Günther Beckstein zum einfachen Abgeordneten degradiert.
Und nun hat es “Park Avenue” erwischt. Jene Zeitschrift also, die die ominösen Latex-Bilder unter der Überschrift “St. Pauli” veröffentlicht hat, wird eingestellt. Das hat der Verlag Gruner und Jahr bekanntgegeben. 23 Journalisten verlieren ihren Job.
Den wahren Grund für diesen Schritt gibt der Verlag natürlich nicht bekannt. Auslöser sei die Wirtschaftskrise, die „erhebliche Kostensenkungsmaßnahmen“ notwendig mache, sagte G+J-Vorstandsmitglied Bernd Buchholz. Dieses Argument werden wir in nächster Zeit noch aus verschiedenen Branchen hören.
In der Medienbranche wird derzeit allerdings Personal gestrichen, als wären die Journalisten noch schlimmer als die Versager in den Landesbanken. Bei der Süddeutschen wurden Mitarbeiter/innen, “die ohnehin über eine andere Lebensplanung nachdenken”, darum gebeten, doch besser gleich zu gehen. Der WAZ-Konzern streicht bei seiner Westfälischen Allgemeinen und angegliederten Lokalzeitungen bis zu 300 Stellen, die einstmals so stolzen Wirtschaftstitel “Capital”, “Impulse” und “Börse Online” werden zusammengelegt. Das kostet dann nochmal 95 Jobs.
Wahrscheinlich wurde auch bei diesen Blättern in einem Unterhaltungs-Ressort über Gabriele Pauli abgelästert. Auch ich war gelegentlich frech. Aber jetzt halte ich die Autogrammkarte derart in Ehren, dass ich sie sogar im Internet veröffentliche. Der Fluch sollte also gebannt sein. Ja, ich bin gerettet.
Schäfer Heinrich und die Trittbrettfahrer
Gerade habe ich unseren “Bauer sucht Frau”-Schäfer Heinrich zum Superstar erklärt. Völlig zurecht übrigens, denn eingegoogelt, löst sein Name 615.000 Links aus. Weder Günther Beckstein (521.000), noch Gabriele Pauli (372.000) und schpon gar nicht Markus Söder (121.000) können da mithalten. Horst Seehofer liegt mit 673.000 Links noch knapp vorne, sollte sich aber dringend öffentlichkeitswairksam um Pisa und das Rauchverbot kümmern, damit das so bleibt.
Furchtbar ist bloß, dass offenbar schon die ersten Trittbrettfahrer da sind, um am Ruhm des einsamen Bauern teilzuhaben. Vor allem ein baden-württembergisches Weingut kennt offensichtlich keinerlei Scham. Und eine Rechtsanwaltskanzlei nennt ausgerechnet “Familienrecht” als erstes Spezialgebiet. Und – wie sollte es auch anders sein? – ein Autohändler ist zur Stelle.
Ich frage: Muss das sein? Hat Schäfer Heinrich nicht genug Probleme?





Er wär`s gern, aber Seehofer ist wirklich kein Strauß
Szene einer Politik-Ehe "Horsti,halt doch einfach mal den Mund."
Eigenlob stinkt. Also sollte man sparsam damit umgehen. Aber was unseren Landesvater und CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer angeht, nehme ich für mich in Anspruch, dass ich schon vor einem Jahr recht gut vorhergesehen habe, wo das mit ihm hinführen wird. Mein Ausblick damals: Da wäre einer gerne so bedeutend wie sein großes Vorbild Franz-Josef Strauß, spielt aber intellektuell nicht in der gleichen Liga. Kann man hier nachlesen.
Nach der Bundestagswahl hat Seehofer mächtig Gegenwind bekommen. Sein Ergebnis war schließlich schlechter als das des Duos Beckstein/Huber. 41,5 Prozent in seinem geliebten Oberbayern sind für seine Partei eine Schande. Und genau jetzt wird bekannt, dass das Bayerische Fernsehen am 23. Oktober seine neue Reihe “Nachfolger gesucht” startet. Ein Menetekel?
Seehofers Populismus hat es jedenfalls nicht gebracht. Wie die CSU der 80-er Jahre schwört er der Schwesterpartei CDU einerseits Treue, verspricht aber – wie schon damals meistens folgenlos – etwas anderes, wenn es den Interessen des Freistaats zu dienen scheint. An der FDP hat sich die Strauß- CSU sowieso besonders gerne abgearbeitet.
Sein Problem ist jedoch, dass ihm der Pep oder auch das letzte Quäntchen Unverschämtheit fehlt, um auf eine Stufe mit FJS oder mit dessen wahrhaftigen Stellvertreter auf Erden, Silvio Berlusconi, zu kommen. Dieser hat vor einigen Tagen im Erdbebengebiet in den Apenninen neue Häuser für die Opfer eingeweiht und dabei kräftig auf den Putz gehauen. “Ein Wunder” habe seine Regierung vollbracht, sie habe “sämtliche Weltrekorde gebrochen”. Tags darauf beschimpfte er die Opposition dafür, dass diese die israelische Flagge verbrenne. Das macht die zwar gar nicht – aber sei`s drum.
Nein, “Super-Horst” ist glücklos und hat keine allzu große Zukunft mehr. Derzeit hält ihn vor allem an der Macht, dass die CSU in Sachen Führungswechsel nicht ähnlich dumm wie die SPD dastehen möchte. Das wäre die allergrößte Schande. Aber so in, sagen wir, einem Jahr, sollten sich gewisse gesundheitliche Gründe finden lassen…