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Was macht die Gsell, wie geht’s der Pauli?
Zu den allseits beliebten journalistischen Produkten zählt die Rubrik “Was macht eigentlich…..?”. Man erinnert damit an berühmte Menschen, die in Vergessenheit geraten sind. Man schreibt zum Beispiel darüber, dass der große Kriegstreiber Georg W. Bush heute Bilder von Hundebabys malt. Aber bleiben wir in Franken, und fragen: Was machen zwei große Heldinnen dieses Blogs, nämlich Tatjana Gsell und Gabriele Pauli?
Als ich kürzlich an Tatjana Gsell gedacht habe, war das vermutlich eine Vorahnung. Denn tatsächlich: Sie ist wieder da. Die einstmals teuerste Frau der Welt hat eine Hauptrolle in der quotenstarken RTL2-Serie “Promi-Frauentausch” bekommen. Sie präsentiert sich dort, wie es heißt, dank einer konsequenten Champagner-Botox-Diät völlig faltenfrei und mit einer Oberweite, die nach den Gesetzen der Schwerkraft den aufrechten Gang unmöglich macht. Aber gut, auch Hummeln können fliegen. Wie das Fernsehpublikum mittlerweile erfahren hat, lebt die berühmte Witwe heute mit zwei Männern in London. Wobei einer von beiden deutlich jünger ist und in der Wohnung Waschbären und Leguane hält. Das alles klingt nach ganz großem Drama.
Bei Gabriele Pauli ist die Sache anders gelagert. Sie hat, erstens, gerade den Chef der Freien Wähler, Hubert Aiwanger, erfolgreich auf eine persönliche Wahlkampfkostenerstattung von 4600 € verklagt. Sie hat, zweitens, ein Buch geschrieben. Es soll im Sommer 2013 erscheinen und neben autobiographischen Inhalten auch Vorschläge für eine moderne Politik enthalten.
Wir sollten es lesen. Klar, es stimmt, dass Gabriele Pauli nach ihrer nahezu im Alleingang betriebenen Demontage des Ministerpräsidenten Edmund Stoiber zeitweise allzu stark in die Welt der Modestrecken und der spirituellen Grenzerfahrungen abgedriftet ist. Die vormals schöne Landrätin wurde deshalb irgendwann als absurde Politikerin wahrgenommen.
Aber kann man es ihr verdenken? Sie hat sich ja mit dem am besten funktionierenden politischen Beziehungssystem überhaupt angelegt. Wenn man bloß überlegt, wie erfolglos sich die komplette Opposition in Bayern an der CSU abarbeitet, war doch klar, dass die Rache der Staatspartei fürchterlich sein würde. Zumal sich die feigeren (oder klügeren?) Mitstreiter nach dem Putsch eiligst in die Büsche geschlagen hatten. Der alte Edmund Stoiber wurde parteiintern rehablitiert. Er ist sogar als künftiger Präsident des FC Bayern München im Gespräch. Eine Funktion, die im Lederhosen-und-Laptop-System als papstgleich gelten darf.
Fassen wir zusammen, kommen wir zum Fazit. Wie in der “Zeit” zu lesen war, ist in unserer Gesellschaft der Platz von Uli Hoeneß für eine frühere Heldin frei geworden. Klare Wahl: Vergeben wir ihn an Gabriele Pauli. Vielleicht hilft es irgendwann doch noch was.
Wenn zwei das Gleiche tun…
Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Ja, dieses Sprichwort ist abgedroschen. Aber es stimmt. Das erleben wir gerade am Beispiel der Affäre Hoeneß.
Zwar gibt es viele Stimmen, die nach Rücktritt rufen. Doch alles in allem ist die Reaktion auf seinen Steuerbetrug moderat. Weil Uli Hoeneß eine Reizfigur ist, die man trotz alledem nicht missen möchte. Er zählt zu den Oberhäuptern der einzigen weltumspannenden Religion, des Fußballs. Also ist mancher willens, dem kaiserlichen Steueroptimierer Franz Beckenbauer zu glauben, wenn dieser, wie auf Sky geschehen, dreist erklärt: “Na ja, der Uli. Der macht immer zehn Sachen gleichzeitig. Da hat er halt was vergessen.” Und so lernen Menschen, die in einem kompletten Arbeitsleben einen Bruchteil von dem verdienen, was der Bayern-Präsident an Zinsgewinnen einsackt, ein großes Wort aus der Welt der Justiz fehlerlos auszusprechen: UNSCHULDSVERMUTUNG!
Nehmen wir doch einmal an, Uli Hoeneß wäre ein unbeliebter Politiker. Bei der Klage gegen den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff geht es noch um ein paar hundert Euro. Aber weil die Bild-Zeitung die Jagd mit allem Nachdruck betrieben hat, wurde der blutleere Nicht-Kämpfer radikal zum Abschuss freigegeben. Was hätte ihm geblüht, wenn er einen Millionenbetrug begangen hätte. Lebenslänglich? Oder Vierteilung durch mit Ecstasy aufgeputschte Heidschnucken?
Andere Beispiele: Der zurecht vergessene Ex-Bundesverkehrsminister der Nachwendezeit, Günther Krause, stolperte darüber, dass seine Ehefrau eine Putzhilfe zu 70 Prozent aus Fördermitteln des Arbeitsamtes bezahlt hatte. Die Menschen fanden es gut. Dem FDP-Politiker Jürgen Möllemann machte im Jahr 1992 die so genannte “Briefbogen-Affäre” den Garaus. Mit dem Briefkopf des Bundesministeriums für Wirtschaft hatte er deutschen Handelsketten einen Chip empfohlen, der als Pfandmünze bei Einkaufswagen zum Einsatz kommen sollte. Ein solcher Chip wurde von der Firma eines seiner Verwandten vertrieben. Der Rücktritt wurde bejubelt.
Das war auch immer so, wenn gierige Manager in die Wüste geschickt wurden. Für den Ex-Vorstandschef der Deutschen Post, Klaus Zumwinkel, hatte nach dessen Abgang wegen Steuerhinterziehung niemand mehr ein gutes Wort.
Volkes Sympathie macht jedenfalls den Unterschied. Als Bundesbildungsministerin Annette Schavan wegen einer teilweise abgeschriebenen Doktorarbeit den Hut nehmen musste, heulten nur einige Parteifreunde und das Volk nahm es eher gleichgültig auf. Dagegen wären dem dreisten CSU-Lügenbaron Karl Theodor zu Guttenberg vermutlich Hunderttausende gefolgt, wenn er dazu augerufen hätte, ihn per blutiger Revolution zurück ins Amt zu bringen.
Wie sehr ein entlarvter Gauner tatsächlich verachtet wird, hat also mehr mit dem persönlichen Image als mit dem Ausmaß seiner Tat zu tun. Verlassen kann man sich in dieser Situation wohl nur auf den Volksmund. Alsdenn, Sprichwort Nummer 2: “Bei großem Gewinn ist großer Betrug.” Stimmt.
Rettet die CSU-Politikerfrauen!
Angesichts der Steuerhinterziehung durch Uli Hoeneß, Fußballgott, ist für die Öffentlichkeit ein anderer großer bayerischer Skandal in den Hintergrund gedrängt worden: Es geht um das Schicksal von Frauen. Genauer gesagt, um das weitere Überleben der Frauen bedeutender CSU-Politiker.
Politischen Beobachtern ist seit langem klar, dass die CSU den Freistaat Bayern als ihr Eigentum betrachtet. Die meisten Wahlergebnisse der Vergangenheit haben – das sei der Partei zugestanden – diese Vermutung durchaus gestützt.
Was aber ist gerade los?
Alle Landtagsabgeordneten erhalten eine Pauschale, mit der sie Bürokräfte bezahlen können. Aber brauchen das Volksvertreter einer Partei, der aus Tradition sowieso sämtliche Ministerien treu und ergeben zuarbeiten? Also dachten sich alte Recken wie der Staatsminister für Unterricht und Kultus, Ludwig Spaenle und Fraktionsschef Georg Schmid, dass man dieses Geld doch auch in der Familien lassen könne. Man beschäftigt also, so wie das Oktoberfest-Wirte und Dönerbuden-Besitzer tun, die eigene Frau. Und entschädigt sie so nebenbei für die Entbehrungen an der Seite eines hauptberuflichen Weltenlenkers.
Jetzt ist diese besondere Form der Arbeitsbeschaffung herausgekommen. Und sofort gab CSU-Chef Horst Seehofer die Büro-Gattinnen zum Abschuss frei. Spaenle kündigte seiner Frau zum 1. Mai, Schmid schickte seine Angetraute mit sofortiger Wirkung zur Arbeitsagentur.
Als überzeugter Gewerkschafter finde ich das unerhört. Wo bleibt der Aufschrei meiner Organisation? Sind nicht sechs Wochen zum Quartalsende die Mindest-Kündigungsfrist? Ist die Politik ein rechtsfreier Raum, in der langjährige Mitarbeiterinnen einfach auf der Straße gesetzt werden, weil irgendein Oberboss den Daumen senkt? Wo bleibt die Vorbildfunktion für andere Arbeitgeber?
Nach allem, was ich weiß, gibt es betriebsbedingte Kündigungen. Was bedeutet, dass ein Arbeitgeber jemand auif die Straße setzt, weil er sich die Beschäftigung dieses/dieser Mitarbeiter/-in nicht mehr leisten kann. Diese Stelle muss nach der Entlassung frei bleiben.
Ein Abgeordneter ohne Büro ist aber undenkbar. Somit bleibt nur die außerordentliche, sprich fristlose Kündigung. Hier muss sofort auf ein eklatantes Fehlverhalten reagiert werden.
Aber was könnten diese Frauen getan haben? Haben sie Horst Seehofer beleidigt? Haben sie beharrlich die Arbeit verweigert oder haben sie eine Krankheit vorab angekündigt? (Und heut’ Abend hab’ ich Kopfweh?) Haben sie Menschen für blöd erklärt, weil diese immer noch CSU wählen? Haben Sie die Rede für das Kaninchenzüchter-Jubiläum geklaut? Waren sie pampig zu Lobbyisten?
Diese und viele andere Fragen stehen im Raum. Mindestens ein Grund muss zutreffen. Ansonsten werde ich mich auf allen Ebenen meiner Gewerkschaft für eine massivst-mögliche Kündigungsschutzklage einsetzen. Wie? Was? Frau S. wurde in einem Bayern-Trikot in der Schweiz gesehen? Na gut, dann hat er recht, der Horst. So etwas geht wirklich nicht mehr…
Der Porsche als Glatzentröster

Er hat ein Ziel: Gib mich den Porsche!
Vor, sagen wir, drei Jahrzehnten wäre das undenkbar gewesen. Männer mittleren Alters haben unter ihrem Haarverlust gelitten. Aber sie hatten gelernt, ihn zu ertragen. Vielleicht, weil sie in ihrer Jugend eine haarextreme Phase hinter sich hatten. Und weil bekannt war, dass Haarwasser dieser Zeit außer Gestank wenig bewirkt hat. Birken-Extrat machte ähnlich einsam wie sonst nur Mundgeruch. Zahnpasta half der Kopfhaut noch nie. Es gab kein Entrinnen.
Und der Kerl, erst recht der Verantwortliche für echten Männersport, hat sein heimliches Leiden irgendwann beendet. Geheimratsecken und Glatze waren eben da.
Aber heute? In einer Zeit, in der alles immer gegen Geld verfügbar ist und wo jede Alterserscheinung korrigiert werden kann, wird gegen die Wahrheit gearbeitet, wird kompensiert. Da fehlen einem Arien Robben die Haare für eine Eigentransplantation. Er holt sich die Jugend zurück, indem er Trikots in Kindergrößen trägt und wie damals bei Mami noch bei sechs Grad plus in roten Strumpfhosen spielt. Aber das ist Schicki-Micki-München.
Und wenn dieser Cristiano Ronaldo aussieht, als wäre sein Ermüdungsbecken ausschließlich mit warmer Eselsmilch gefüllt, dann ist das eben Luxus-Real Madrid. Die Mannschaft, in der der “Sechser” Khedira mit einem Germany’s Next Top Model um die Häuser zieht.
Aber Dortmund? Revier, Kohlenstaub, Arbeitslosigkeit, kürzlich eine ganze Zeitung zugesperrt. Da zählt Ehrlichkeit. Will dieser Jürgen Klopp am Ende so werden wie Silvio Berlusconi? Ein alter Mann mit faltenfreiem Wachspuppengesicht, dessen Frisur so aussieht, als wäre sie festgetackert und an jedem Morgen von zwei minderjährigen Sklavinnen zurechtgebügelt? Nein, das kann, das darf nicht sein.
Fragt sich bloß, was dieser Mann bei all seinen Erfolgen kompensieren muss. Für mich liegt das auf der Hand. Er leidet darunter, dass er immer noch Werbung für Opel machen muss.Ich fordere: Gebt dem wilden Jürgen einen Werbevertrag bei Porsche. Die Rallyestreifen gibt’s als Haarteile obendrauf. Dann wird alles gut. Und ehrlich.
Herdprämie, die stille Revolution
Oh heilige Statistik! Man stellt es sich doch ganz einfach vor. Man sammelt Daten, wertet sie aus – und weiß hinterher ganz genau, was Sache ist. Aber das stimmt nicht. Denn es kommt immer noch darauf an, wer die Zahlen anschaut. Vor allem dann, wenn es um revolutionäre Veränderungen geht.
Ich habe das bei einer politischen Diskussionsrunde am Beispiel Krippenplätze ganz frisch erlebt. Einer amtlichen Statistik zufolge verfügt München über 14.729 Krippenplätze. Das sind 52 Prozent aller Krippenplätze in Bayern. Die SPD bejubelt deshalb ihren Oberbürgermeister und Landtags-Spitzenkandidaten Christian Ude als “Usain Bolt der kinderfreundlichsten Politiker”. Die CSU kontert prompt: In München lebten die meisten Menschen. Also sei klar, dass es dort die meisten Krippenplätze gebe. Tatsächlich stellt das CSU-geführte Sozialministerium München und Nürnberg als Bayerns größte Problemzonen in Sachen Kinderbetreuung an den Pranger. Hier fehlten die meisten Betreuungsplätze.
Aber es gibt ja noch das Betreuungsgeld. Und die von Spöttern so genannte “Herdprämie” ist eine Revolution, der weitere Revolutionen folgen könnten. Denn sie ist die erste staatliche Subvention, die gewährt wird, weil man ein Recht gegenüber dem Staat nicht in Anspruch nimmt.
Man bekommt diese Zuwendung ja nur dann, wenn man auf einen Kinderbetreuungsplatz verzichtet. Genau das aber lässt sich weiterdenken. Es wäre demnach doch ganz normal, wenn Fußgänger Geld aus der Mineralölsteueraufkommen dafür bekämen, dass sie die Straßen nicht benutzen. Wer unterschreibt, dass er auf keinen Fall ins Opernhaus geht, könnten seinen Anteil an den öffentlichen Kultursubventionen erwarten.
Gleiches müsste für Menschen gelten, die nie öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Und wer einen Bogen um die Stadtbibliothek macht, dürfte sich auf einen Buchgutschein freuen.
Man sieht: Es gibt schier unendliche Möglichkeiten, Prämien zu finden. Fangen wir an, gehen wir bis zum Koalitionsbruch – und danken wir Horst Seehofer und Co. für deren wunderbare Idee.
Nicht nur im Fußball: Gerecht ist selten
Aus einem “Tatort” ist uns durch Hauptkommissar Schimanski folgende Erkenntnis überliefert: “Eher findest Du bei einer Hure die Unschuld, als im Leben Gerechtigkeit.” Und so war das wieder, an diesem Samstagabend. Der FC Bayern München war besser, aber hat sein legendäres “Finale dahoam” verloren. Der Champions-League-Pokal geht nach London.
Als Fan des 1. FC Nürnberg könnte ich mich zurücklehnen und mich grinsend den Bauch kraulen. Gilt mir doch jeder Bayern-Sieg zunächst als Unrecht. Aber das Finale wirkte anders. Der Gegner hat ja hauptsächlich den anderen beim Fußballspielen zugeschaut. Noch dazu ein Gegner, an dessen aus Öl-Milliarden finanzierten Trikots sozusagen die Not des russischen Volkes klebt.
Aber: Fußball muss so sein. Ginge es nämlich nur nach dem Können der einzelnen Spieler, gäbe es niemals Pokalsensationen durch Amateure aus entlegenen Provinzstädtchen. Wir müssten das Wort “Sensation” streichen, spannend wären nur noch Begegnungen gleichstarker Teams. Bei dieser Vorstellung schlafen einem doch die Schreibfinger ein.
Und ist uns nicht auch der Boxer sympathisch, der zwölf Runden lang angeschlagen durch den Ring torkelt, um seinen Gegner mit einem unfassbaren Verzweiflungsschlag niederzustrecken? Den Igel, der sich bei Gefahr völlig destruktiv zusammenrollt, mögen wir auch lieber als den Kampfhund, den er in die Schnauze sticht. Leistung muss sich nicht immer lohnen.
Stattdessen gilt: Die Liste der Ungerechtigkeiten auf dieser Welt reicht für ein mittleres Lexikon. Ob das Spiel vom Samstag darin eingetragen wird, ist für mich allerdings gar nicht so sicher. Man hätte ja nur ins Tor schießen müssen…
Auf See qualmt nur der Dampfer

Käpt'n Söder kämpft für frische Luft.
In diesem Sinne ist unser Ex-Gesundheitsminister Markus Söder erfolgreich gewesen. Als neuer Finanzminister ist er der oberste Herr über Bayerns Schlösser und Seen. Er trägt damit auch die Verantwortung für die auf den Gewässern kreuzenden Ausflugsdampfern. Dort jedoch trafen bislang Nikotinfreunde und -feinde völlig unkontrolliert aufeinander. Das geht nicht. Also hat Söder ein Rauchverbot auf “seinen” Schiffen erlassen. Zum Schutz der mitfahrenden Kinder, wie es hieß.
An dieser Stelle dürften sich selbst erklärte Rauchgegner gewundert haben. Eine Schifffahrt ist ja in der Regel mit Fahrtwind verbunden. Weshalb der Qualm schnell verschwinden sollte.
Aber vielleicht liegt hier der wahre Verbotsgrund, nämlich der Schutz der an den Seeufern wohnenden Großkopferten á la Edmund Stoiber. Der Tabakqualm wird schließlich an die Berghänge geweht und erreicht die dort grasenden Gemsen. Diese werden krank – und die Metastasen landen über die Nahrungskette auf den Tellern der Kommandeure der Gebirgsschützenkompanien.
Nichts gegen diese fürsorgliche Regelung, aber so etwas wünscht sich auch das Volk. Und das geht so: Während der Öffnungszeiten von Biergärten wird ab sofort die Vorbeifahrt von Lastwagen strikt unterbunden. Erst dann wird abgasfreier Genuss richtig schön. Herr Söder, übernehmen Sie!
Dieter Bohlen, Retter der Sangesknaben
Sucht man nach Beweisen für die Gnadenlosigkeit unserer Gesellschaft, müssen wir in Bayern nicht weit schauen. Es sind unsere Schulen. Nirgends in der Republik bleiben so viele Kinder sitzen wie im Freistaat. Und nur ein Mann kann den Opfern dieses Systems Hoffnung machen: Dieter Bohlen, von Beruf Pop-Titan.
Das Ergebnis einer Bildungsstudie im Auftrag der einflussreichen Bertelsmann-Stiftung sieht für Bayern so aus: In keinem anderen Bundesland schaffen weniger Schüler das Abitur. Und nirgends sonst entscheidet die Herkunft stärker über die Schulkarriere als im Freistaat uns. Das sei schlecht, sagen die Bildungsforscher.
Leute, warum so wehleidig? Nach der festen Überzeugung der einflussreichsten CSU-Politiker(innen) wird das bayerische Abitur in mindestens 178 Staaten der Welt als wahrhaftige Krone des deutschen Bildungswesens bewundert und respektiert. Unser Rohstoff ist wahrhaftiger weiß-blauer Geist. Wer dagegen nur Stroh im Kopf hat, taugt eben nur als Knecht. Das ist eine Wahrheit.
Die andere Wahrheit ist, dass Mädchen in ganz Deutschland fleißiger und klüger sind. Sie räumen in den Schulen ab. Sie hängen die Jungs ab, so dass diese im Vergleich immer blasser wirken. Aufzuhalten ist diese Entwicklung nicht mehr.
Nur eine Institution stemmt sich seit Jahren erfolgreich gegen diesen Trend: Die RTL-Castingshow “Deutschland sucht den Superstar”. Hier werden alle Erkenntnisse der Bildungsforschung auf den Kopf gestellt. Mädchen, und seien sie noch so talentiert, will das Publikum nicht sehen. Das Herz des Publikums gehört Sangesbuben in lustigen Gewändern.
Die rettende Botschaft für männliche Schulversager lautet also: “Singt, wenn Ihr sonst nichts könnt”. Das hilft vielleicht sogar im gnadenlosen Freistaat Bayern.
Das Unverhoffte kann so schön sein

Überraschung! Der Bahnhof kommt.
Nehmen wir das vergangene Wochenende: Bei der Volksabstimmung für „Stuttgart 21“ war eine klare Mehrheit für den unterirdischen Bahnhof. Das hatten sich viele anders ausgemalt. Andererseits: Durch den Weiterbau wird in Stuttgart zwar elend viel Geld vergraben. Aber vielleicht ist die Wirkung genauso wie bei einem anständigen Begräbnis: Danach herrscht Ruhe im Karton. Dann wäre es nicht so schlimm gewesen.
Unverhofft ist es auch gekommen, dass Florian Silbereisen mit seinem „Adventsfest der 1000 Lichter“ mehr Zuschauer in die ARD lockte als Dieter Bohlen und Konsortinnen mit ihrem „Supertalent“ in RTL. Es sei ihm vergönnt. Intellektuell schädlich ist jede dieser Sendungen – aber der nette Volksmusikant richtet keinen größeren Schaden an.
Völlig konfus und letztendlich glückselig hinterlässt es uns Nürnberger schließlich, dass an einem Spieltag der Fußball-Bundesliga der Club und Augsburg gewonnen und die Bayern verloren haben.
Ja, unglaubliche Überraschungen, die uns zeigen, dass die Dinge vielleicht doch besser sind, soll es noch viele geben. Die nächste Gelegenheit sehe ich bei der Klimakonferenz in Durban. Mal sehen.
Markus Söder, unser Held zum Weltmännertag
Markus Söder, das war immer der Mann fürs Grobe. Unvergessen ist der Vergleich vom Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg aus dem Jahr 2009. Da wurde der gerade irrwitzig berühmt gewordene Jungstar Karl Theodor zu Guttenberg als Gustav Gans der CSU bezeichnet, unser Mann aus Nürnberg jedoch als Donald Duck. Als ewiger Pechvogel wurde er diffamiert.
Er ist also so etwas wie die Bild-Zeitung der Christsozialen. Er wird gewählt, aber keiner will es gewesen sein. Seine Umgangsformen sind nicht elegant, Humor ist vorhanden, aber nicht feinsinnig.
Ausgeblendet haben die Satiriker, dass es sich bei Markus Söder um einen Überlebenskünstler ersten Ranges handelt. Ob seine Herren nun Strauß, Stoiber, Beckstein oder Seehofer hießen – der gelernte Fernsehredakteur diente seinen Herren zuverlässig in jedem Amt, das ihm zugewiesen wurde. Frei nach dem alten Journalisten-Erfolgsrezept “Nichts wissen, aber das gekonnt ausdrücken.” Und einen Guttenberg konnte er auch deshalb überstehen, weil seine eigene Doktorarbeit zum Thema “Von altdeutschen Rechtstraditionen zu einem modernen Gemeindeedikt. Die Entwicklung der Kommunalgesetzgebung im rechtsrheinischen Bayern zwischen 1802 und 1818“ so schlecht benotet wurde, dass es gar nicht um ein Plagiat handeln kann.
Eine Parteifreundin, die Markus Söder in innigstem Hass verbunden ist, äußerte sich über dessen Zukunft mir gegenüber einmal so: “Manchmal genügt es, am Ufer eines Fluss zu sitzen und darauf zu warten, dass die Leiche des Feindes vorüberschwimmt.”
So ist es jetzt: Söder sitzt am Fluss. Seehofer rudert hektisch durch die Gegend. Fortsetzung könnte folgen – sofern die CSU diese Personalie überlebt.
Die Welt riecht besser – aber früher war sie cooler
Fast drei Jahre hatte bei uns ein Glaubenskrieg getobt. Seit genau einem Jahr nun gibt es die vom gesundheitsbewussten Teil des Volkes gewollten strikten Regeln. Und es hat sich viel verändert. Die Raucher sind – der billigen Schmuggelware sei Dank – zwar noch nicht zur völlig unbedeutenden Randgruppe geworden. Aber sie sind netter und rücksichtsvoller als noch vor ein paar Jahren. Sie stellen sich zum Beispiel in die Rauchfrei-Quadrate auf den Bahnhöfen und nehmen mit bewundernswertem Gleichmut in Kauf, wie bescheuert das aussieht.
Und doch fehlt etwas. Nämlich diese mit Unbelehrbarkeit und Krebsverachtung gepaarte Lässigkeit der Raucher. Es fehlen die Qualmer, die in ihrer Stammkneipe beim Abfackeln ihres Tabaks den Gang der Dinge analysierten, kreativ-sarkastisch in die Zukunft schauten, dabei ordentlich becherten und am nächsten Tag mit einem schweren Kopf und dunklen Augenringen aufwachten. Oder die sich bei einem Glas Rotwein an kubanischen Pralinen verlustierten. Menschen, die anders waren, als die heute so sehr als Vorbild gepriesenen Marathonläufer.
Kurzum, die Welt riecht besser – aber früher war sie cooler. Die Zeiten für Dichter und Denker sind schwierig geworden. Aber in einem Land, in dem sich die Leute freiwillig von Merkel, Westerwelle und Seehofer regieren lassen, muss das vielleicht so sein.
Stefan Schuster – der Retter der Demokratie
Ich muss jetzt mal eine Frage stellen, mit der meine zahllosen Freunde außerhalb Bayerns nichts anfangen können: Kennen Sie Stefan Schuster? Nein? Sollten sie aber. Denn dieser SPD-Landtagsabgeordnete ist der Hoffnungsträger, der Retter. Er, und vielleicht nur er, kann die Vertrauenskrise der Politik überwinden. Denn er ist… Aber der Reihe nach.
Unsere glorreiche Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung untersucht ja alles, wovon jemand mit Geld meint, dass es untersucht werden sollte. Zum Beispiel ermittelt sie die deutsche Single-Hauptstadt (Regensburg), ergründet die Nachfrage nach E-Books (noch schwach) oder fragt nach der bevorzugten Marke von Hausärzten beim Kauf von Blutdruck-Messgeräten.
Manchmal jedoch geht es auch den Marktforschern ums große Ganze. Dann sammeln sie Daten für den “GfK-Vertrauensindex”. Und lassen die Menschen fragen: Wer meint es wirklich gut mit uns? Wer ist aufrecht und niemals hinterfotzig? Wer lügt nie bei der Arbeit?
Für die Politiker/-innen ist diese Forschungsarbeit schlecht ausgegangen. Nur 14 Prozent der Befragten trauen ihnen über den Weg. Das tut weh, wird aber durch eine nette Pension schon nach relativ kurzer Amtszeit belohnt. Auch die Banker genießen kein Vertrauen mehr. Endlich, möchte man sagen. Und nicht einmal die eigentlichen Anker unseres Daseins, die Brückenbauer ins Paradies, also die Priester, schneiden überragend ab. Das Vertrauen in den Klerus ist innerhalb eines Jahres von 72 auf 55 Prozent gesunken.
Aber an wen glauben die Menschen? an die Ärzte, die Polizisten – und an die Feuerwehrleute. Unfassbare 94 Prozent sind sicher, dass die Löschkräfte ausschließlich aus hehren Motiven handeln.
Und jetzt kommt die Auflösung vom Anfang dieses Textes: Der Landtagsabgeordnete Stefan Schuster war vor seinem Wechsel ins bayrische Parlament von Beruf Feuerwehrmann. Er kann die Vertrauenskrise lösen. Denn wenn man die Feuerwehr- und Politiker-Vertrauensquote zusammenrechnet und durch zwei teilt, gilt er als spürbar vertrauenswürdiger als jeder katholischer Prieste. Und das als Sozialdemokrat! Die Marktforschung macht’s möglich.
Kinderlos im Duft der Rosen
Da war er also wieder, der „Tag der Liebenden“. Massenhaft sind sich Menschen im Gedenken an Bischof Valentin im Duft der im Pestiziddunst gepflückten Rosen in die Arme gefallen. Aber ob das gegen die Überalterung dieser Gesellschaft wirklich etwas hilft? Eher mal nicht. Die Geburtenquote wird wegen den Blumensträußen nicht explodieren.
Sage keiner, die Regierung habe es nicht probiert. Ursula von der Leyen hat mächtig Geld herbeigeschaufelt, um die Zeugungs- und Gebärfreude im Land zu fördern. Ihre Nachfolgerin Kristina Schröder geht sogar höchstpersönlich mit gutem Beispiel voran. Und stürzt sich ins Abenteuer Elternschaft, obwohl Sie und ihr Ehemann von läppischen knapp 20.000 Euro brutto im Monat leben müssen.
Aber was lässt die Menschen so sehr verzagen, was treibt sie in die Windelphobie?
“Geh waida, El Kaida!”
Und hier kommt mein Posting zum Ausklang des CSU-Parteitages: Ich hatte in einer Umfrage nach einem stimmenträchtigen zuwanderungs- und islamkritischem Parteislogan gefragt. Die Zahl der Teilnehmer(innen) war mit 75 gut. Weitere Klicks sind willkommen.
Favorit meiner Leser(innen) war der Spruch “Geh waida, El Kaida”. 42,67 Prozent fanden ihn am besten. Mithalten konnte da nur noch die frauen- und dekolleté-freundliche Formulierung “Dirndl statt Burka” mit sehr ordentlichen 36 Prozent.



Balanceakt mit dem vierten Grad
Glückwunsch: Der Bayerische Landtag hat die Neuzeit erreicht. In einer Epoche, in der Familienbeziehungen auseinander brechen, in der Patchwork-Familien mit letztlich völlig unübersichtlichen Beziehungen auf dem Vormarsch sind, hat das Landesparlament mit den Regeln der Beschäftigungsmöglichkeiten für seine Abgeordneten einen hoch modernen Pflock in den Boden gerammt. Vetternwirtschaft ist ab sofort verboten. Uns aber beschäftigt die Frage: Was in aller Welt ist ein Verwandter vierten Grades?
Im Normalfall hatten wir beim vierten Grad spontan an Verbrennungen gedacht. Aber man kann auch als Parlamentsabgeordneter verbrannt werden. Was zu vermeiden ist. Informieren wir uns also der Reihe nach. Verwandte ersten Grades sind die ganz direkten. Also Eltern und Kinder. Bruder und Schwester gelten als Verwandte zweiten Grades.
Das ist einfach. Doch Verwandtschaftsbeziehungen sind kompliziert. So sind die Geschwister der Eltern Verwandte dritten Grades. Der Onkel zweiten Grades ist der Cousin ersten Grades des Vaters oder der Mutter. Ehe- und Lebenspartner der Geschwister der Eltern sind im dritten Grad verschwägert. Ein Cousin oder Vetter ersten Grades ist das männliche, eine Cousine oder Base ersten Grades das weibliche Kind eines verwandten – also nicht nur angeheirateten – Onkels oder einer ebensolchen Tante. Mit Cousins und Cousinen ersten Grades ist man laut Bürgerlichem Gesetzbuch im vierten Grad verwandt. Und immer gilt es, aufzupassen: Verschwägert bleibt man mit anderen Menschen auch dann, wenn die Ehe, die die Verschwägerung ausgelöst hat, geschieden ist.
All dies müssen die bayerischen Abgeordneten erst einmal verstehen und dann auch noch beachten. Bedauernswerte Geschöpfe, die, wie bei komplizierten Gesetzen und Verordnungen gerne geseufzt wird, “mit einem Bein im Gefängnis stehen”. Aber wie ist es nun mit der Sorge, die neuen Regeln würden einem Berufsverbot gleichkommen? Jawohl, das stimmt.
Denn zu den Auffälligkeiten entlegener ländlicher Gebiete, etwa der Gebirgsregionen Oberbayerns oder der zahlreichen Gegenden mit Glaubensdaispora, gehört die weitgehende Namensgleichheit ihrer Bewohner. Hier ist es schwer bis unmöglich, eine(n) Nichtverwandte(n) oder einen Verwandten jenseits des fünften Grades zu finden, der nicht mit den eigenen Verwandten dritten Grades verschwägert ist.
Kann die ganze Aktion also wirklich gut gehen? Wir wissen es nicht. Aber wir sind froh, dass die strengen Verwandtschaftsregeln in anderen Branchen nicht gelten. Ein geschwächtes Parlament halten wir aus. Aber ein Wirtshaussterben wäre wirklich eine Katastrophe.