Posts Tagged ‘Bayern’

April 17th, 2012

Auf See qualmt nur der Dampfer

Käpt'n Söder sorgt für saubere Luft.

Käpt'n Söder kämpft für frische Luft.

Der Kampf schien vorbei, das Problem befriedet: Mit dem schärfsten Rauchverbot aller Zeiten wurde Frieden zwischen den Menschen mit und ohne Mundgeruch geschaffen. Schien es. Doch wir wissen, dass eine funktionierende Bürokratie und eine mitfühlende Politik für jedes Problem stets noch eine offene Frage findet.

In diesem Sinne ist unser Ex-Gesundheitsminister Markus Söder erfolgreich gewesen. Als neuer Finanzminister ist er der oberste Herr über Bayerns Schlösser und Seen. Er trägt damit auch die Verantwortung für die auf den Gewässern kreuzenden Ausflugsdampfern. Dort jedoch trafen bislang Nikotinfreunde und -feinde völlig unkontrolliert aufeinander. Das geht nicht. Also hat Söder ein Rauchverbot auf “seinen” Schiffen erlassen. Zum Schutz der mitfahrenden Kinder, wie es hieß.

An dieser Stelle dürften sich selbst erklärte Rauchgegner gewundert haben. Eine Schifffahrt ist ja in der Regel mit Fahrtwind verbunden. Weshalb der Qualm schnell verschwinden sollte.

Aber vielleicht liegt hier der wahre Verbotsgrund, nämlich der Schutz der an den Seeufern wohnenden Großkopferten á la Edmund Stoiber. Der Tabakqualm wird schließlich an die Berghänge geweht und erreicht die dort grasenden Gemsen. Diese werden krank – und die Metastasen landen über die Nahrungskette auf den Tellern der Kommandeure der Gebirgsschützenkompanien.

Nichts gegen diese fürsorgliche Regelung, aber so etwas wünscht sich auch das Volk. Und das geht so: Während der Öffnungszeiten von Biergärten wird ab sofort die Vorbeifahrt von Lastwagen strikt unterbunden. Erst dann wird abgasfreier Genuss richtig schön. Herr Söder, übernehmen Sie!

März 13th, 2012

Dieter Bohlen, Retter der Sangesknaben

Sucht man nach Beweisen für die Gnadenlosigkeit unserer Gesellschaft, müssen wir in Bayern nicht weit schauen. Es sind unsere Schulen. Nirgends in der Republik bleiben so viele Kinder sitzen wie im Freistaat. Und nur ein Mann kann den Opfern dieses Systems Hoffnung machen: Dieter Bohlen, von Beruf Pop-Titan.

Das Ergebnis einer Bildungsstudie im Auftrag der einflussreichen Bertelsmann-Stiftung sieht für Bayern so aus: In keinem anderen Bundesland schaf­fen weniger Schüler das Abitur. Und nirgends sonst entscheidet die Herkunft stärker über die Schulkarriere als im Freistaat uns. Das sei schlecht, sagen die Bildungsforscher.

Leute, warum so wehleidig?  Nach der festen Überzeugung der einflussreichsten CSU-Politiker(innen) wird das bayerische Abitur in mindestens 178 Staaten der Welt als wahrhaftige Krone des deutschen Bildungswesens bewundert und respektiert. Unser Rohstoff ist wahrhaftiger weiß-blauer Geist. Wer dagegen nur Stroh im Kopf hat, taugt eben nur als Knecht. Das ist eine Wahrheit.

Die andere Wahrheit ist, dass Mädchen in ganz Deutschland fleißiger und klüger sind. Sie räumen in den Schulen ab. Sie hängen die Jungs ab, so dass diese im Vergleich immer blasser wirken. Aufzuhalten ist diese Entwicklung nicht mehr.

Nur eine Institution stemmt sich seit Jahren erfolgreich gegen diesen Trend: Die RTL-Castingshow “Deutschland sucht den Superstar”. Hier werden alle Erkenntnisse der Bildungsforschung auf den Kopf gestellt. Mädchen, und seien sie noch so talentiert, will das Publikum nicht sehen. Das Herz des Publikums gehört Sangesbuben in lustigen Gewändern.

Die rettende Botschaft für männliche Schulversager lautet also: “Singt, wenn Ihr sonst nichts könnt”. Das hilft vielleicht sogar im gnadenlosen Freistaat Bayern.

 

 

November 28th, 2011

Das Unverhoffte kann so schön sein

Überraschung! Der Bahnhof kommt.

Überraschung! Der Bahnhof kommt.

Gibt es etwas Schöneres als das Unerwartete? Wenn es anders kommt als gedacht? Wenn alle Prognosen über den Haufen geworfen werden? Ja, das kann schön sein. Aber die Betonung liegt auf „kann“. Sicher ist nur, dass der große Wilhelm Busch richtig gelegen hat, als er dereinst dieses reimte: “Stets findet Überraschung statt. Da, wo man’s nicht erwartet hat.”

Nehmen wir das vergangene Wochenende: Bei der Volksabstimmung für „Stuttgart 21“ war eine klare Mehrheit für den unterirdischen Bahnhof. Das hatten sich viele anders ausgemalt. Andererseits: Durch den Weiterbau wird in Stuttgart zwar elend viel Geld vergraben. Aber vielleicht ist die Wirkung genauso wie bei einem anständigen Begräbnis: Danach herrscht Ruhe im Karton. Dann wäre es nicht so schlimm gewesen.

Unverhofft ist es auch gekommen, dass Florian Silbereisen mit seinem „Adventsfest der 1000 Lichter“ mehr Zuschauer in die ARD lockte als Dieter Bohlen und Konsortinnen mit ihrem „Supertalent“ in RTL. Es sei ihm vergönnt. Intellektuell schädlich ist jede dieser Sendungen – aber der nette Volksmusikant richtet keinen größeren Schaden an.

Völlig konfus und letztendlich glückselig hinterlässt es uns Nürnberger schließlich, dass an einem Spieltag der Fußball-Bundesliga der Club und Augsburg gewonnen und die Bayern verloren haben.

Ja, unglaubliche Überraschungen, die uns zeigen, dass die Dinge vielleicht doch besser sind, soll es noch viele geben. Die nächste Gelegenheit sehe ich bei der Klimakonferenz in Durban. Mal sehen.

November 3rd, 2011

Markus Söder, unser Held zum Weltmännertag

Wie kein anderer pflügt er durch das Meer der Politik: Markus Söder.

Wie kein anderer pflügt er durch das Meer der Politik: Markus Söder.

Heute ziehe ich den Hut vor der CSU! In einer Zeit der schleichenden Feminisierung dieser Gesellschaft zeigt sie uns, dass sie echte Kerle zu schätzen weiß. Sie hat Markus Söder aus Nürnberg zum bayerischen Finanzminister ernannt. Und das ist, ob es der Konkurrenz gefällt oder nicht, ein starkes Signal zum heutigen Weltmännertag.

Markus Söder, das war immer der Mann fürs Grobe. Unvergessen ist der Vergleich vom Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg aus dem Jahr 2009. Da wurde der gerade irrwitzig berühmt gewordene Jungstar Karl Theodor zu Guttenberg als Gustav Gans der CSU bezeichnet, unser Mann aus Nürnberg jedoch als Donald Duck. Als ewiger Pechvogel wurde er diffamiert.

Er ist also so etwas wie die Bild-Zeitung der Christsozialen. Er wird gewählt, aber keiner will es gewesen sein. Seine Umgangsformen sind nicht elegant, Humor ist vorhanden, aber nicht feinsinnig.

Ausgeblendet haben die Satiriker, dass es sich bei Markus Söder um einen Überlebenskünstler ersten Ranges handelt. Ob seine Herren nun Strauß, Stoiber, Beckstein oder Seehofer hießen – der gelernte Fernsehredakteur diente seinen Herren zuverlässig in jedem Amt, das ihm zugewiesen wurde. Frei nach dem alten Journalisten-Erfolgsrezept “Nichts wissen, aber das gekonnt ausdrücken.” Und einen Guttenberg konnte er auch deshalb überstehen, weil seine eigene Doktorarbeit zum Thema “Von altdeutschen Rechtstraditionen zu einem modernen Gemeindeedikt. Die Entwicklung der Kommunalgesetzgebung im rechtsrheinischen Bayern zwischen 1802 und 1818“ so schlecht benotet wurde, dass es gar nicht um ein Plagiat handeln kann.

Eine Parteifreundin, die Markus Söder in innigstem Hass verbunden ist, äußerte sich über dessen Zukunft mir gegenüber einmal so: “Manchmal genügt es, am Ufer eines Fluss zu sitzen und darauf zu warten, dass die Leiche des Feindes vorüberschwimmt.”

So ist es jetzt: Söder sitzt am Fluss. Seehofer rudert hektisch durch die Gegend. Fortsetzung könnte folgen – sofern die CSU diese Personalie überlebt.

August 1st, 2011

Die Welt riecht besser – aber früher war sie cooler

Als James Dean qualmte, galt rauchen noch als cool.

Als James Dean qualmte, galt rauchen noch als cool.

Seit einer kreativen Sternstunde des Sängers Elton John wissen wir, dass “Sorry” das härteste Wort der Welt ist. Wir tun uns schwer, einfach so mal zuzugeben, dass wir auf dem falschen Dampfer waren. Heute ist für mich der Tag dieser Demutsgeste gekommen: Das Rauchverbot in Bayern war nicht völlig falsch.

Fast drei Jahre hatte bei uns ein Glaubenskrieg getobt. Seit genau einem Jahr nun gibt es die vom gesundheitsbewussten Teil des Volkes gewollten strikten Regeln. Und es hat sich viel verändert. Die Raucher sind – der billigen Schmuggelware sei Dank – zwar noch nicht zur völlig unbedeutenden Randgruppe geworden. Aber sie sind netter und rücksichtsvoller als noch vor ein paar Jahren. Sie stellen sich zum Beispiel in die Rauchfrei-Quadrate auf den Bahnhöfen und nehmen mit bewundernswertem Gleichmut in Kauf, wie bescheuert das aussieht.

Und doch fehlt etwas. Nämlich diese mit Unbelehrbarkeit und Krebsverachtung gepaarte Lässigkeit der Raucher. Es fehlen die Qualmer, die in ihrer Stammkneipe beim Abfackeln ihres Tabaks den Gang der Dinge analysierten, kreativ-sarkastisch in die Zukunft schauten, dabei ordentlich becherten und am nächsten Tag mit einem schweren Kopf und dunklen Augenringen aufwachten. Oder die sich bei einem Glas Rotwein an kubanischen Pralinen verlustierten. Menschen, die anders waren, als die heute so sehr als Vorbild gepriesenen Marathonläufer.

Kurzum, die Welt riecht besser – aber früher war sie cooler. Die Zeiten für Dichter und Denker sind schwierig geworden. Aber in einem Land, in dem sich die Leute freiwillig von Merkel, Westerwelle und Seehofer regieren lassen, muss das vielleicht so sein.

Juli 19th, 2011

Stefan Schuster – der Retter der Demokratie

Unser Retter: Stefan Schuster.

Unser Retter: Stefan Schuster.

Ich muss jetzt mal eine Frage stellen, mit der meine zahllosen Freunde außerhalb Bayerns nichts anfangen können: Kennen Sie Stefan Schuster? Nein? Sollten sie aber. Denn dieser SPD-Landtagsabgeordnete ist der Hoffnungsträger, der Retter. Er, und vielleicht nur er, kann die Vertrauenskrise der Politik überwinden. Denn er ist… Aber der Reihe nach.

Unsere glorreiche Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung untersucht ja alles, wovon jemand mit Geld meint, dass es untersucht werden sollte.  Zum Beispiel ermittelt sie die deutsche Single-Hauptstadt (Regensburg), ergründet die Nachfrage nach E-Books (noch schwach) oder fragt nach der bevorzugten Marke von Hausärzten beim Kauf von Blutdruck-Messgeräten.

Manchmal jedoch geht es auch den Marktforschern ums große Ganze. Dann sammeln sie Daten für den “GfK-Vertrauensindex”. Und lassen die Menschen fragen: Wer meint es wirklich gut mit uns? Wer ist aufrecht und niemals hinterfotzig? Wer lügt nie bei der Arbeit?

Für die Politiker/-innen ist diese Forschungsarbeit schlecht ausgegangen. Nur 14 Prozent der Befragten trauen ihnen über den Weg. Das tut weh, wird aber durch eine nette Pension schon nach relativ kurzer Amtszeit belohnt. Auch die Banker genießen kein Vertrauen mehr. Endlich, möchte man sagen. Und nicht einmal die eigentlichen Anker unseres Daseins, die Brückenbauer ins Paradies, also die Priester, schneiden überragend ab. Das Vertrauen in den Klerus ist innerhalb eines Jahres von 72 auf 55 Prozent gesunken.

Aber an wen glauben die Menschen? an die Ärzte, die Polizisten – und an die Feuerwehrleute. Unfassbare 94 Prozent sind sicher, dass die Löschkräfte ausschließlich aus hehren Motiven handeln.

Und jetzt kommt die Auflösung vom Anfang dieses Textes: Der Landtagsabgeordnete Stefan Schuster war vor seinem Wechsel ins bayrische Parlament von Beruf Feuerwehrmann. Er kann die Vertrauenskrise lösen. Denn wenn man die Feuerwehr- und Politiker-Vertrauensquote zusammenrechnet und durch zwei teilt, gilt er als spürbar vertrauenswürdiger als jeder katholischer Prieste. Und das als Sozialdemokrat! Die Marktforschung macht’s möglich.

 

 

 

 

Februar 15th, 2011

Kinderlos im Duft der Rosen

Da war er also wieder, der „Tag der Liebenden“. Massenhaft sind sich Menschen im Gedenken an Bischof Valentin im Duft der im Pestiziddunst gepflückten Rosen in die Arme gefallen. Aber ob das gegen die Überalterung dieser Gesellschaft wirklich etwas hilft? Eher mal nicht. Die Geburtenquote wird wegen den Blumensträußen nicht explodieren.

Sage keiner, die Regierung habe es nicht probiert. Ursula von der Leyen hat mächtig Geld herbeigeschaufelt, um die Zeugungs- und Gebärfreude im Land zu fördern. Ihre Nachfolgerin Kristina Schröder geht sogar höchstpersönlich mit gutem Beispiel voran. Und stürzt sich ins Abenteuer Elternschaft, obwohl Sie und ihr Ehemann von läppischen knapp 20.000 Euro brutto im Monat leben müssen.

Aber was lässt die Menschen so sehr verzagen, was treibt sie in die Windelphobie?

Oktober 30th, 2010

“Geh waida, El Kaida!”

Und hier kommt mein Posting zum Ausklang des CSU-Parteitages: Ich hatte in einer   Umfrage nach einem stimmenträchtigen zuwanderungs- und islamkritischem Parteislogan gefragt. Die Zahl der Teilnehmer(innen) war mit 75 gut. Weitere Klicks sind willkommen.

Favorit meiner Leser(innen) war der Spruch “Geh waida, El Kaida”. 42,67 Prozent fanden ihn am besten. Mithalten konnte da nur noch die frauen- und dekolleté-freundliche Formulierung “Dirndl statt Burka” mit sehr ordentlichen 36 Prozent.

September 23rd, 2010

Söder und die Burka: Das Aus für die Fata Morgana?

Nein, schwarz-braune Gestalten wollen wir nicht.

Nein, mit Burka und Lederhosen - das wollen wir nicht.

Erinnern wir uns doch mal an den schönen Satz “Leben und leben lassen”. Dieser galt einst als Alleinstellungsmerkmal Bayerns innerhalb der deutschen Bundesländer. Sollten doch die Sozis in ihrem NRW und Bremen alles kaputt regulieren, die CSU würde das liberale Klima ihres Freistaates auf jeden Fall bewahren. Aber das ist rum: “Lebensminister” Markus Söder fordert ein Burkaverbot.

Was treibt ihn dazu?

August 9th, 2010

Horst Seehofer, der Umfragewert-Konservative

Das Bild zeigt: Horst Seehofer ist stets offen für die Belange des Volkes. Foto: Matejka

Am 13. Februar wollte ich es wissen: „Was sind Seehofers Erfolge?“ hatte ich meine Leser(innen) gefragt, und 58,8 Prozent wählten die Antwort „Erfolge???“. Würde diese Quote heute anders ausfallen? Aus meiner Sicht eher nicht. Oder kann man diese Frage gar nicht beantworten? Weil die Erfolge und Misserfolge des Bayerischen Ministerpräsidenten so schleierhaft sind, wie seine politische Linie ganz generell?

Eine solche müsste er haben, als selbst ernannter Held der Wertkonservativen.

Juli 27th, 2010

Ab 1. August: Raucher drängt es in die Luftschutzbunker

Ab 1. August gilt in Bayern das schärfste Anti-Raucher-Gesetz aller Zeiten. Und schon jetzt steht fest: Die Bezeichnung “Luftschutzbunker” bekommt eine ganz neue Bedeutung.

Bei meiner am 5. Juli gestarteten Umfrage zur Frage “Wo kann man überhaupt-noch-rauchen?”

haben 41,2 Prozent der Teilnehmer(innen) nämlich die Antwort “Im Keller, da geh ich auch schon zum Lachen hin” gewählt.

Juli 5th, 2010

Die große Frage: Wo kann man überhaupt noch rauchen?

So hatten wir das nicht erwartet: Der Sieg der Nichtraucher-Fraktion beim Volksentscheid war in dieser Klarheit eine ähnliche Überraschung wie das 4:0 gegen Argentinien. Es war, wenn man die einzelnen Ergebnisse anschaut, ein Triumph der Besitzer gepflegter Vorgärten über die Bewohner von Mietwohnungen in Stadtvierteln mit hoher Wirtshausdichte.

Die Raucherinnen und Raucher bewegt nunmehr vor allem die Frage, wo sie ihr Laster überhaupt noch ausleben können. Ich bitte um Meinungen:

Juli 3rd, 2010

Qualm in WM-Zeiten: Wer kriegt eins in die Fressi?

Rauchen oder nicht? Nach dem 4. Juli wissen wir mehr.

Ach ja, das Rauchen. Sollten sich nachher beim Public Viewing Menschen in einem super-spannenden Moment eine Zigarette anzünden, geht es vielleicht wirklich nur darum, ob sich die heutige Prophezeiung von Deutschlands meistgekauftem Satireblatt erfüllen wird, die da lautete: “Messi kriegt eins in die Fressi.” In Zukunft könnte diese “Bild”-Schlagzeile alle treffen, die an einem öffentlichen Ort qualmen wollen.