Markus Söder: Ein Quadratschädel geht aufs Ganze

Mut hat der Mann. Dies lässt sich, egal, wie man sonst denkt, über Markus Söder sagen. Denn er riskiert, als bayerischer Ministerpräsident mit der  kürzesten Amtszeit in die Geschichte einzugehen. Verliert er die Landtagswahl 2018, kann schon wieder Schluss sein.

Bisheriger Minus-Rekordalter ist Günther Beckstein. Der bisher einzige Mittelfranke im hohen Amt wurde am 9. Oktober 2007 gewählt und am 27. Oktober 2008 nach einer verlorenen Landtageswahl von Horst Seehofer abgelöst. Beckstein bilanzierte das vor seinem Rückzug Erlebte so: „Die Parteifreunde standen hinter mir. Aber nicht in guter Absicht.“ Nie wieder ein Protestant, nie wieder ein Franke – so lautete seinerzeit die Devise in der CSU.

Und jetzt kommt doch der zweite Versuch. In Nürnberg wissen wir, dass es nie verkehrt ist, einem Mittelfranken ein wichtiges Amt zu übertragen. Wir sind die Elite des Freistaats. Die Oberbayern haben die Berge, wir haben den Horizont. Horst Seehofer wiederum kommt aus Ingolstadt, auf halber Strecke zwischen München und Nürnberg gelegen. Einer eigentlich hübschen Ansiedlung an der Donau, von der Nutzer der Autobahn vor allem eine muffelnde Raffinerie sehen.

Aber Markus Söder? In seiner Heimat war er lange Zeit für viele ein pures Hass- oder Spottobjekt. Jetzt ist die Zahl seiner guten Freundinnen und Freunde sprunghaft gewachsen. Und:  Offensichtlich hat es der amtierende Finanzminister geschafft, sich südlich der Donau ein gutes Image aufzubauen. Vielleicht, weil er inzwischen einen Quadratschädel auf den Schultern sitzen hat, der sehr an Franz-Josef Strauß erinnert. Jenes große CSU-Idol, dessen Porträt im Jugendzimmer Söders an der Wand hing. Er ist Protestant, geht aber in den katholischen Regionen als hinreichend barock durch.

Ob Horst Seehofer dem neuen Alphatier den Erfolg gönnt, ist ungewiss. Die Zustimmung für die Doppelspitze dürfte beim Parteitag überragend sein. Danach kann er seinen Nachfolger ganz nach seinem Geschmack noch monatelang zappeln lassen. Was in seinem Fall ein erprobtes Verfahren ist. Je länger Seehofer noch da ist, desto kleiner werden Markus Söders Chancen, sein Profil zu schärfen.

Aber wie gesagt: Der Mann hat Mut. Demut, die er selbst als seine zweite Eigenschaft mit Blick auf seinen neues Amt bezeichnet hat, galt bislang nicht als seine Stärke. Vielleicht lernt er sie noch. Vielleicht mit ungeahnter Wucht.

 

 

 

 

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