Griechenland, die Krönungskrise für die CSU

Ach, hätten unsere Politiker doch mehr Mut. Der Nicht-Grexit würde anders ausfallen. Nehmen wir bloß die CSU: Sie hätte die Chance gehabt, ihren Ur-Traum zu verwirklichen, unmittelbar in die Fußstapfen der Wittelsbacher zu treten und eine nach-parlamentarische Monarchie zu errichten. Mit König Horst, Prinz Markus und Prinzessin Ilse. Aber nix war’s.

Gerade Bayern hat Hellas viel gegeben. Nachdem ein damals 16-jähriger Wittelsbacher-Spross im Jahr 1832 als Otto I. König von Griechenland gekrönt worden war, gab es zahlreiche Veränderungen. Das Bayerische Reinheitsgebot wurde eingeführt, weshalb die Griechen bis heute ein ordentliches Bier brauen. Die weiß-blaue Flagge folgte farblich dem freistaatlichen Vorbild, die originellen Trachten der Athener Palastwachen wurden von Ottos Gemahlin Amalia entworfen.

Es geht sogar die Sage, dass das damals gängige Wort “Baiern” wegen der königlichen Beziehungen nach Griechenland geändert wurde. Das “i” kommt im griechischen Alphabet nicht vor, das “y” sehr wohl.

Und in diesen Jahren der Euro-Krise regiert eine Partei in Bayern annähernd monarchisch. Ohne die CSU geht nichts, Opposition wird mit erledigt.  Also sieht man sich gewiss in der Nachfolge des alten Herrschergeschlechts. Aber taugt man auch dazu? Eine wenigstens zeitweise Wieder-Übernahme Griechenlands, der “GrEnter”, wäre als Lackmus-Test für dieses Projekt ideal gewesen.

Doch nicht einmal der ansonsten so zupackende Finanz- und Heimatminister Markus Söder hat hierfür den Mut. Er, der Herr über die bayerischen Schlösser und Seen ist und er, der sich energisch an die Wiederbelebung des seit vielen Jahren stillgelegten Nürnberger Fernsehturm-Restaurants macht, zeigt den Hellenen die kalte Schulter. Lieber verteilt er Schulnoten für deren Reformbemühungen – in einer Bandbreite zwischen Fünf minus und Sechs.

Ich hatte ihn in diesem Blog vor knapp drei Jahren, am 7. August 2012, als König von Griechenland vorgeschlagen. Söder jedoch wählte die Rolle des großtmöglichen Grexit-Propheten. Mit den unvergessenen Sätzen “Wenn jemand an deinem Seil hängt und dabei ist, dich mit in den Abgrund zu reißen, musst du das Seil kappen” und “Irgendwann muss jeder bei Mama ausziehen”.

Tja, es kommt anders. Tsipras sitzt wieder am Tisch von Mutti. Die CSU aber mault und mault und mault. Sie ist eben doch nur christsozial und gar nicht königlich.

PS.: Der Ausgewogenheit halber sei angemerkt: Nach König Ottos Sturz im Jahr 1862 beliefen sich die Schulden Griechenlands gegenüber dem Staat Bayern auf 1.933.333 Gulden und 20 Kreuzer oder 4.640.000 Drachmen. Ohne das letzte Darlehen von einer Million Gulden, das König Ludwig ermöglichte, hätte Griechenland den Staatsbankrott anmelden müssen. Die Nicht-Rückzahlung der Darlehen belastete bis zu der abschließenden Verhandlungslösung 1881 die griechisch-bayerischen Beziehungen sehr…

 

 

Die CSU hat Muskeln – doch die sind puddingweich

Die CSU ist die erfolgreichste aller demokratischen Parteien. Zwischendrin brauchte man die FDP zum Regieren, aber gemessen an der Gesamt-Herrschaft in Bayern seit dem Zweiten Weltkrieg war das nur eine Frühstückspause. Fehler macht die CSU nicht. Und wenn, dann werden sie verziehen. Warum also ist man bei schwierigen Themen so zaghaft?

Schließlich hat man die Dinge normalerweise im Griff. Bei G7-Gipfel deeskalierte sogar das Wetter, indem es Demonstranten durchnässte. Statt  Wasserwerfer-Chaos bot man dem Rest der Welt eine zünftige Trachten-Show. Jeden hauptberuflichen Unterdrücker hätte diese Inszenierung begeistert. Auch weil sie so wirksam war. Hatten Oppositionspolitiker und Medien vor dem Treffen der Staatenlenker vorgerechnet, dass dieses einen dreistelligen Millionenbetrag kosten würde, war nach dem Weißbier-Lachen des US-Präsidenten davon überhaupt keine Rede mehr. Journalistinnen und Journalisten bejubelten lieber die Entscheidung, das Verfeuern von Kohle und Gas dann einzustellen, wenn es sie aus heutiger Sicht eh nicht mehr gibt.

Man sieht, es geht doch. Also müsste sich die CSU gar nicht auf halbseidene Themen verlegen. Tut sie aber: Das Betreuungsgeld wird höchstrichterlich überprüft. Und diese Maut? Jedem einigermaßen vernunftbegabten Menschen war klar, dass dieses Projekt ein Rohrkrepierer werden könnte. Doch im Wahlkampf ist es eben nie verkehrt, dass man denen da draußen (scheinbar) zeigt, das mia mia sind.

Stimmentechnisch hat das Ganze seinen Zweck erfüllt. Das Volk hat vertraut. Und doch beginnt hier die Enttäuschung über die CSU. Sie könnte doch, wie keine andere Partei, die Energiewende durchsetzen. Doch ihre Devise lautet: Strom Ja, Stromtrassen Nein. Wie kraftlos ist das?

Zumal der Verdacht, dass man Strom aus Nord- und Ostdeutschland ablehnt, weil man gemeinsam mit e.on die Atomkraftwerke wiederbeleben möchte, vom Tisch ist. Sonst hätte die CSU ein Atommüll-Zwischenlager an der Isar mit Freuden akzeptieren müssen. Stattdessen ertönen Wehklagen und Schimpfen.

Gerade nach dem G7-Gipfel war es naheliegend, der bayerischen Staatsregierung eine besonders knifflige Aufgabe zu übertragen. Die strotzte  vor Selbstvertrauen und Kraft. Tja, es stimmt: Die CSU zeigt gerne Muskeln. Bei der Trachten-Party sehen diese auch gut aus. Ihr Nachteil ist bloß: Wenn jemand dagegen drückt, vorzugsweise Wähler vom Land, werden sie schnell weich wie Pudding. Wenn das nicht mal die Wähler merken…

 

 

G7: Die Welt dankt den Gebirgsindianern

Na gut. Vielleicht waren wir in Sachen G7-Gipfel allzu kritisch. Das Ganze kostet wahnsinnig viel Geld. Aber es lohnt sich. Denn es gibt prima Bilder.

Oberbayern musste sein. Denn wo sonst findet sich in Deutschland ein Landstrich, wo Menschen seltsame Gewänder anziehen und dabei auch noch stolz und vergnügt aussehen? Man nehme nur die kräftigen Mannsbilder, der im Angesicht des US-Präsidenten Obama ihren Gamsbart stramm nach oben recken. Winnetou ist tot – aber der Gebirgsindianer lebt. Komme wer wolle, it’s always Oktoberfest.

Die Mega-Super-Joker-Karte hat indes die Brauerei Karg gezogen. Ihr Wappen prangte auf dem Glas, mit dem der strahlende Allermächtigste den Fotografen zuproteste. Zwar war, wie man hörte, alkoholfreies Bier beziehungsweise garantiert unvergiftetes Gebräu eines amerikanischen Unternehmens in Obamas Trinkgefäß. Doch das wird das Management der Brauerei aus Murnau am Staffelsee leidlich egal sein, wenn es seine groß angelegte Werbekampagne durchzieht.

“Wir setzen uns für einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol ein”, steht auf der Karg’schen Homepage. Womit wir definitiv beim Gipfel sind. Denn natürlich geht es hier um die Verantwortung für Renditen, Zinsen, Aktienkurse und um den Weltfrieden im Besonderen und im Allgemeinen. Ein Aspekt dabei ist der Klimawandel. Und auch in dieser Hinsicht ist Elmau gut gewählt. Denn unsere Staatenlenker werden später ihren Enkeln Fotos zeigen und sagen können: “Schaut mal, da war Schnee im Juni. Wenn wir energischer gehandelt hätten, gäb’s das heute noch.”

Überschätzen sollten wir die Gipfel-Akteure aber sowieso nicht. Diese geben ja vor, in Sachen Weltwirtschaft alles im Griff zu haben. Was natürlich kompletter Unsinn ist. China ist ja ökonomisch ziemlich erfolgreich, ist aber nicht vor Ort. Ein Kontinent wie Afrika fehlt komplett. Auch Südamerika ist außen vor. Vom russischen Bösewicht Wladimir P. aus M. ganz zu schweigen.

Und noch einen haben sie vergessen. Den Mann, der gerade die meisten Wolkenkratzer, die längsten Brücken und die größten Flughäfen der Welt bauen lässt, den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Ja, er hätte den anderen erklärt, wie man im 21. Jahrhundert auch als unmittelbarer Nachbar von Griechenland den totalen Boom erzeugt. Aber gut, er konnte nicht, weil bei ihm zuhause gerade Wahl ist. So wichtig ist der Elmauer  Güpfel eben auch nicht…

PS/Nachtrag: Angesichts seines Wahlergebnisses hätte Erdogan auch wegfahren können

Fußball ist korrupt – G 7 ist verrückt

Jetzt ist die Bild-Zeitung aber wirklich böse. Unser Zentralorgan des gesundes Volksempfindens klärt uns darüber aus, wie viel Geld ARD und ZDF für die Übertragungsrechts für die nächsten Fifa-Fußball-Weltmeisterschaften in Russland und Katar zahlen: 432 Millionen Euro sollen es sein! Und das alles von unseren Gebühren!!! Gibt es noch Schlimmeres? Ja doch. Sein Name ist G 7.

Zunächst aber zur WM. Die Summe wirkt gigantisch. Andererseits genießt das Recht auf TV-Fußball hierzulande Verfassungsrang. Zumindest informell. Und sicher: Man könnte mit diesem Geld unglaublich viel Gutes bieten. Flaue Serien mit Fritz Wepper oder Christine Neubauer zum Beispiel. Doch würde mit einem Boykott auch das Geschäft der falschen Leute betrieben. Zögen sich die öffentlich-rechtlichen Sender vom Fußball zurück – in den Chefetagen von Sky würden die Sektkorken knallen. Endlich wäre das allerbeste Produkt der Welt nur noch gegen Aufpreis greifbar.

Der finanzielle Aufwand für die großen Blatter-Shows relativiert sich sowieso, wenn man sieht, wofür ansonsten Geld verschleudert wird. So wird der G 7-Gipfel auf Schloss Elmau, dieses Klassentreffen der Regierungschefs der großen Industrienationen, nach neuesten Schätzungen rund 390 Millionen Euro kosten. Und das alles von unseren Steuergeldern!!!

Man muss schon fragen, wie jemand die hirnrissige Idee haben konnte, ein solches Hochsicherheits-Meeting in die oberbayerischen Alpen zu verlegen. Diese Gegend ist hierfür komplett ungeeignet. Schon deshalb, weil im Freistaat der freie Zugang zu den Naturschönheiten Verfassungsrang genießt. Aber die Milliarden, die Berichte aus der wunderschönen Gegend sehen werden? Tja. Bayern punktet im Ausland mit schönen Landschaften, aber auch mit seiner Gelassenheit. Endlose Zäune, Schlagstöcke und Wasserwerfer passen hier nicht hin. Oder will die Münchner Regierung Werbung für Rüstungsprodukte machen?

Man fragt sich sowieso: Wie groß muss die Angst der Mächtigen vor den Menschen sein, wenn sie sich derart abschotten müssen? Wenn über Demonstranten  mehr als potenzielle Gewalttäter denn als Leute gesprochen wird, die von einem Grundrecht Gebrauch machen wollen.

Idylle wird es während der G7-Gipfeltage nicht geben. Und das Schlimmste: Man ahnt schon jetzt, dass nicht viel rauskommt. Außer öde Verlautbarungen, verletzte Demonstranten und Polizisten, gereizte Augen und Hämatome. Da hätten wir wirklich lieber noch eine WM genommen…

 

 

Das Unfassbare: Bayern lernt Demut

Gerade wurde gemeldet, dass sich der “GfK-Konsumklima-Index” eingetrübt habe, Grund sei die Krim-Krise, heiß es. Diese nehme den Konsumenten die Lust auf neue Kühlschränke. Doch jetzt geht der Abschwung richtig los. Das schlimme Wort heißt Bayern-Krise.

Da hat also der FC Bayern München im Halbfinale der Champions League mit einem Ergebnis verloren, wie es eigentlich Schalke 04 gebührt. In dem von bösen Menschen als “Arroganz-Arena” verfemten Stadion obsiegten die aus unserer Sicht noch arroganteren Fußballer von Real Madrid, angeführt vom arrogantesten Spieler der Welt, Cristiano Ronaldo. Und das geschah, obwohl die bayerische Elf über den besten Kader, über die teuerste Ersatzbank sowie über den nachdenklichsten, elegantesten und genialsten Trainer dieses Planeten verfügt.

Müssen wir jetzt weinen? Oh nein. Und das nicht einmal, weil für mich als Club-Fan jede Niederlage der Bayern ein Trostpflästerchen ist (außer in Hamburg). Sondern deshalb, weil es gut tut, dass dieser Verein und alle, die sich in dessen Glanz sonnen (wollen), einen Dämpfer bekommen. Denn der FC Bayern ist oder war das in kurze Hosen gesteckte Amigo-System der CSU. Die reichsten Motten des Landes umschwirren das Licht, denn es schien so, als ob es nur noch einen Weg geben könnte: Den nach oben. Und wer sich dem Einzigartigen in den Weg stellt, wird weggeschossen oder kaputt gekauft.

Jetzt erleben die selbsternannten Galaktischen etwas ganz Neues: Demut. Die Übermacht ist brutal geschrumpt, das allertollste Geschäftsmodell ist entzaubert. Und das ist gut so.

 

 

 

 

 

Wählen kann auch sexy sein

Absolute Mehrheit für die Nichtwähler! Nach der Kommunalwahl herrschte nicht nur bei uns in Nürnberg unter Politikern und politisch Interessierten totales Unverständnis, wieder einmal. Woher in aller Welt komme diese Wurstigkeit? Was erlaube Wahlvolk?

Wundern kann man sich schon. Das bayerische Kommunalwahlrecht ist Demokratie pur. Man ist an keine Partei gebunden. Man kann einzelne Kandidaten favorisieren oder streichen. Ganz wie man will. Bei uns hatten die Menschen 70 Stimmen zum persönlichen Jonglieren. Das Jammern, dass man ganz und gar den Vorgaben der Parteien ausgeliefert sei, passt hier nicht. Trotzdem lag die Wahlbeteiligung nur bei 44 Prozent.

Wundern muss man sich nicht. Eine hohe Wahlbeteiligung entsteht durch Spannung. Wenn kontroverse Themen fehlen, wenn sich die Stadtbewohnern wohlfühlen, anstatt zu diskutieren, fehlt das Gefühl, dass man als Nichtwähler etwas verpassen könnte. Wenn dann auch noch Sofawetter herrscht, panaschiert man eben lieber mit Kaffee, Chips und Bienenstich.

Wundern muss man sich nicht. Denn wir sind gar nicht so interessiert daran, was vor unserer Haustüre passiert. Wenn der Schnee zuverlässig von der Straße geräumt wird, ist schon viel errreicht. Wir schimpfen über Hundekot, Ratten, Tauben, Müll auf den Straßen, Spielsalons und benzingetriebene Laubbläser. Für die wirklich großen Probleme fehlt uns die Zeit. E läuft ja Bundesliga.

Freuen darf man sich doch. Ein aus Afrika stammendes Ehepaar wählt, frisch eingebürgert, zum ersten Mal. Mit Stolz und strahlenden Gesichtern. Wählen kann also sexy sein. Man muss es nur zu schätzen wissen.

Hoeneß-Prozess: Es lebe die "tätige Reue"

Erster Tag im Prozess gegen Uli Hoeneß. Es lebe die “tätige Reue”. Auf diese hatte sein großer Bewunderer Edmund Stoiber in Günther Jauchs Talkshow immer wieder hingewiesen. Tatsächlich hat der Präsident von Bayern München vor Gericht ein umfassendes Geständnis abgelegt. Aber Reue? Das nehme ich ihm nicht ab.

Zumindest keine Reue in dem Sinn, dass er es bedauert, der Gesellschaft einen zweistelligen Millionenbetrag vorenthalten zu haben. Steuersünder wie er geben zwar zu, einen Fehler gemacht zu haben. Sie beklagen aber in Wahrheit die negativen Auswirkungen auf sich selbst. Ob mit ihren Steuergeldern ein Kindergarten hätte gebaut werden können, ist ihnen egal. Die persönliche Schande ist ihre Tragödie, Auch eine Alice Schwarzer denkt sehr wahrscheinlich so.

Steuersünder/-innen dieses Kalibers denken an ihre Verdienste. Haben sie nicht diesem Land den Champions-League-Sieg beschert? Haben sie nicht den Guardiola nach Deutschland geholt? Haben sie nicht hunderttausenden Frauen zu Equal Pay verholfen? Haben Sie nicht die Deutsche Post zum Global Player umgebaut. Und haben sie nicht irrsinnige Geldbeträge einfach so – beziehungsweise steuerabzugsfähig – gespendet? Hat jemand, der so massiv seinem Land gedient hat, nicht auf Anspruch auf einen Steuerbonus?

Und so läuft im Fall Hoeneß die Rechtfertigungsmaschinerie. Er sei eben, unter dem immensen Druck seines Amtes, eine gespaltene Persönlichkeit gewesen, salbaderte Ex-Ministerpräsident und FC-Bayern-Spezi Edmund Stoiber in der Jauch-Talkshow. Schon gut. Gespaltene Persönlichkeit heißt Schizophrenie.

Ich habe vergangene Woche als ehrenamtlicher Richter mit entschieden, dass ein Mann mit einer schizophrenen Störungen zwangsweise in die Psychiatrie eingewiesen wird. Er hat kein Geld veruntreut, sondern im Wahn einen anderen Mann mit einem Messer verletzt. Das Urteil war nach meiner Überzeugung richtig. Aber es hat mir weh getan.

Warum aber sollte nicht auch jemand, der der Gesellschaft als sonstiger Ehrenmann zwecks vorübergehender Persönlichkeitsspaltung Millionen Euro vorenthalten hat, nicht auch hinter Gittern büßen? Ich weiß es nicht. Den Münchner Richtern wünsche ich alles Gute…

 

 

 

Uli Hoeneß, Du bist der beste Mann!

Jetzt springen wir doch mal über unseren Schatten und sagen laut und vernehmlich: Danke, Uli Hoeneß! Denn der Präsident des FC Bayern München hat sich als bester Steuerfahnder der Republik erwiesen. Seitdem den Menschen klar geworden ist, dass selbst Erschaffer von Triple-Gewinnern ins Gefängnis gesperrt werden können, regnet es Selbstanzeigen von Betrügern. Kein noch so wilder Finanzbeamter hätte das je erreicht.

Ja, wir haben verstanden: Wenn selbst ein Monument des Fußballs im Angesicht der eigenen Schuld tränenreich zu wanken beginnt, ist Gefahr in Verzug. „Rette sich, wer kann“ ist die Devise der Stunde. Und das erst recht, seitdem bekannt ist, dass Steuerbetrug im Zweifel nie verjährt. Man frage Alice Schwarzer – und die hat ja ein unermessliches Selbstvertrauen, wenn es darum geht, ihr kriminelle Energie mit Verschwörungstheorien zuzukleistern.

Man darf aber schon fragen, warum es so weit kommen muss. Eigentlich sollte es für jede/n Bürger/in völlig normal sein, die seiner wirtschaftlichen Situation angemessenen Steuern zu zahlen. Der Betrug dürfte gar keine Option sein. Schon gar nicht für Menschen, die als Stützen dieser Gesellschaft angesehen werden.

Ist er aber doch. Und warum? Weil zu wenig hingeschaut wird.

Es ist ein großes Rätsel dieses Landes, warum bei uns alles bis ins Letzte geregelt ist. Warum der Krankenkassenbeitrag immer sauber abgebucht wird, warum die Straßenbahnen pünktlich sind und warum den Raubvögeln im Zoo zuverlässig die Krallen gestutzt werden. Aber warum sich der Staat nicht richtig darum kümmert, dass er das Geld bekommt, das ihm zusteht.

Das wäre doch im Sinne aller. Schließlich könnte der Staat in diesem Fall mehr in sinnvolle Dinge investieren. Oder er könnte ohne neue Schulden auskommen und vielleicht sogar Steuern senken. Der Staat könnte Zukunft gestalten statt Zukunft belasten. Und jede Wette: Jede/r einigermaßen motivierte Steuerfahnder/in wird ein Vielfaches seines/ihres Gehalts erwirtschaften.

Doch das ist offenbar nicht gewollt. Wahrscheinlich aus Rücksichtnahme auf die vermutete Zielgruppe. Und genau deshalb brauchen wir berühmte Spätberufene in Sachen Ehrlichkeit. Uli Hoeneß, Du bist der beste Mann!

 

GroKo und die weiß-blauen Bettvorleger

Als Löwen gesprungen, als Bettvorleger gelandet. Dieses Schicksal hat gerade die CSU ereilt. In der neuen Großen Koalition ist sie die neue FDP, also weitgehend überflüssig.

Vor einigen Wochen hatte das noch ganz anders ausgesehen. Absolute Mehrheit in Bayern zurückerobert, Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einem blendenden Wahlergebnis zwischen Main und Zugspitze in die Nähe derselben gebracht. Horst Seehofer und die Seinen schwelgten im Glück, sie konnten vor Kraft nicht laufen.

Und nun? Der neue Verkehrsminister heißt Alexander Dobrindt. Der Experte für überflüssiges Getöse und schiefe Sprachbilder darf also beweisen, dass er sowohl Pkw-Maut als auch Berliner Flughafen hinbekommt. Sein Kollege Gerd Müller führt das Entwicklungshilfeministerium, dessen Existenzberechtigung ja durchaus umstritten ist.Den großartigsten Abstieg aber hat Hans-Peter  Friedrich hingelegt. Der ehemalige Innenminister, der dem Großen Verbündeten USA so mutig die Stirn geboten hat, darf in Zukunft gemeinsam mit den Imkern gegen die Verbreitung der Varroa-Milbe kämpfen und sich an der Seite des EU-Bürokratenschrecks Edmund Stoiber für den freien Verkauf krummer Salatgurken einsetzen. Da Verbraucherschutz nicht mehr zu seinem Ressort gehört, wird er sich mit seinem Staatssekretär heftig um den Posteingang balgen.

Wie aber konnte das passieren? Wer, bitteschön, hat unsere CSU geschrumpft? Antwort: Es war der Horst. Man darf davon ausgehen, dass Parteichef Seehofer die Bundespolitik egal ist. Sinnstiftend für die CSU ist die absolute Mehrheit im schönen Bayern. Und dann ist es gut, wenn man mit den wirklich kontroversen oder schmerzhaften Themen nichts zu tun hat. Eurorettung? Macht der Mann im Rollstuhl. Energiewende? Schaut Leute, der irre Gabriel schröpft die Bürger. Pflegenotstand? Den regelt der Gröhe mit der lustigen Frisur. Gäbe es ein Bundesministerium für Bedeutungslosigkeit – die CSU hätte es genommen.

Denn was immer auch in Berlin passiert: Schuld sind die anderen. Man kann das als taktisch versiert ansehen. Tatsächlich zeigt es eine feige Gesinnung. Manche Bettvorleger haben ihr Schicksal verdient…

Auch bei der SPD: Tränen lügen nicht

Manchmal ist es der letzte Versuch: Ein Mann muss tun, was er tun muss. Gelegentlich auch etwas Ungewöhnliches. Zum Beispiel Gefühle zu zeigen, wenn es niemand erwartet. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat es gemacht. Helfen wird es nicht.

Weinen ist für Männer im Rentenalter (Steinbrück ist 66) gar nicht so einfach. Einerseits macht das Leben Männer mit den Jahren immer härter. Zudem lässt die natürliche Produktion von Tränenflüssigkeit nach. Senioren haben eher trockene Augen.

Der Kanzlerkandidat hat trotzdem geweint. Aber worüber? Hat ihn tatsächlich die Rede seiner Frau so tief berührt? Oder ist ihm einfach bewusst geworden, in welch verkorkstes Projekt er momentan verstrickt ist. Die SPD als Partei, die unbedingt an die Macht möchte, ist tatsächlich schwer wahrnehmbar. Sie müsste wie Borussia Dortmund auftreten, wirkt aber wie Bochum oder Duisburg.

Im Bund mit einem Spitzenkandidaten, dessen Entdecker, der ansonsten allwissende Helmut Schmidt, sich mit Blick auf seinen Kandidaten tendenziell auf Altersdemenz beruft. In Bayern einem Anführer namens Christian Ude. Er ist der berühmteste linkshändige Bierfass-Anzapfer der Welt. Er ist auch ein vielfach gewählte Münchner Oberbürgermeister.

Aber er leidet auch unter dem Schicksal, dass sein Witz in seinen Büchern viel mehr zu erleben ist als in seinen bräsigen Reden. Wenn man ihn wenigstens nicht so arg frühzeitig ins Rennen geschickt hätte – man hätte es nicht gemerkt.

Alles in allem kann man Peer Steinbrücks Tränen auf dem Parteikonvent absolut verstehen. Seine Partei liegt aktuell bei 22 Prozent – mehr als das Amt des Vizekanzlers wird für ihn nicht herausspringen.

Und Christian Ude? Steht auch nicht gut da, könnte es aber mit einer Mehrparteien-Koalition schaffen. Dazu jedoch bräuchte es ein Ereignis oder einen Skandal, der sowohl der CSU schadet als auch der SPD nützt. Nach allem was schon war, erscheint so etwas völlig undenkbar.

Also weinen alle, die Genossen sind oder die Genossen mögen. “Tränen stillen keine Not”, heißt ein russisches Sprichwort. “Tränen reinigen das Herz”. sagt Dostojewskij. Na, immerhin.