Bloß ein Titel! Welch ein Leid.

„Killed by a Fake-Referee. Only one shitty Title. So sad.“ So hätte es uns Donald Trump Samstagnacht mitgeteilt – wenn er der FC Bayern München wäre. Denn beim tollsten aller deutschen Fußballvereine war zu spüren, dass es nicht geplant war, die Saison mit bloß mit einem beschissenen Titel abzuschließen. Drei Heldentaten waren vorgesehen. Und nun bleibt bloß schlechte Laune und reichlich Spott.

Es war wie im richtigen Menschenleben. Die fatale Kombination von prallstem Selbstvertrauen und einem umso brutalerem Scheitern ist vielen von uns schon begegnet. Die erste Heldentat, die Deutsche Meisterschaft, hatten die Bayern längst abgehakt. So frühzeitig, dass der Glaube in die eigene Überlegenheit immens gewachsen war. Dann schien alles möglich. Doch es kamen das ebenfalls große Real Madrid und das kleine Eintracht Frankfurt. Und aus einer geplant überragenden Spielzeit wurde eine Schrottserie.

Der wahre Charakter von Menschen zeigt sich daran, wie sie mit einer Niederlage umgehen. Dieses Sprichwort trifft zu. Man hat es Samstagnacht erlebt. Statt Respekt zu zeigen und dem Sieger zu gratulieren reagierten die Bayern beleidigt. Sie liefen davon und jammerten über das erlittene Unrecht durch einen nicht gegebenen Elfmeter. Ein Spieler reagierte auf die Reporterfrage, ob Frankfurt verdient gewonnen habe, mit der Feststellung „Die Frage hätten Sie sich sparen können“. Ein anderer schleuderte seine Silbermedaille ins Publikum. Bloß Silber für uns? Wie unangemessen!

Aber so ist das mit dem Charakter der besten Fußballer und ihrer Funktionäre. Sie sonnen sich gerne in der Nähe der Macht. Die „Sieger der Herzen“ sind die anderen.

Und die Mächtigen gewähren den Zugang. Der wahlkämpfende türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ließ sich gerne die Trikots von Ilkay Gündogan und Mesut Özil überreichen, welche so ihren Marktwert auf dem Heimatmarkt ihrer Familien stärken konnten. Zur Aufbearbeitung dieser fragwürdigen Begegnung bekamen beide umgehend einen Versöhnungs-Termin beim deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier.

Man stelle sich vor, überlastete Pflegekräfte, mies bezahlte Supermarkt-Kassiererinnen oder Langzeitarbeitslose bekämen innerhalb weniger Tage  eine Audienz in Schloss Bellevue, um ihre Sorgen schildern zu können. Das wird nicht passieren. Was aber andererseits heißt, dass wir Fußball viel zu wichtig nehmen. Es ist ein Spiel. Und wenn der Richtige verliert, freut es uns. Den einen Titel hätten andere sehr gerne.