Das Spiel mit vergifteten Grenzwerten

Wie sauber ist die Luft, wie rein könnte sie sein? Wo kommt der Dreck überhaupt her? Steht die Messstation am richtigen Ort. Im Ringen um die Zukunft des von Verbrennungsmotoren getriebenen Straßenverkehrs hat die politische Debatte gerade einen Höhepunkt erreicht. Und sie zeigt absurde Züge.

Es war abzusehen, dass all jene, die in der Autoindustrie Verantwortung tragen oder die sich ihr verbunden fühlen, zum Gegenschlag ausholen würden. Aus ihrer Sicht kann es nicht sein, dass ein popeliger Verein wie die Deutsche Umwelthilfe die mächtigste Industriesparte dieses Landes vor sich hertreibt.

Und was tut man da? Man lässt angeblich unabhängige Experten Zweifel säen. Die erste Attacke ritt eine Gruppe von Lungenärzten. Sie vertrat unter großem öffentlichen Getöse die Meinung, dass die europäischen Grenzwerte für Auto-Schadstoffe verfehlt, wenigstens aber übertrieben seien.

Rückendeckung bekamen die Pneumologen von Epidemologen. Diese wiesen darauf hin, dass ein Raucher mit nur wenigen Zigaretten mehr krebserzeugende Gifte aufnimmt, als er sich einverleiben könnte, wenn er sein Leben lang tief atmend an einer stark befahrenen Kreuzung stünde.

Schließlich wurden Experten-Zweifel an den Standorten der Messstationen laut. Dadurch entstehe ein völlig falsches Bild der wahren Bedrohungen.

Alles schön und gut. Bloß, es hilft uns nichts. Es ist völlig klar, dass die Gefahr durch Autoabgase unterschiedlich gesehen wird. Je nach dem Blickwinkel, aus dem man draufschaut. Pendler oder Anwohner, die Fahrverbote aufgebrummt bekommen, können diese nicht bejubeln, sondern fühlen sich enteignet.

Und erschwert wird die Suche nach der exakten Wahrheit auch noch dadurch, dass Grenzwerte nie den Sinn haben, die große Masse der Menschen zu schützen. Sie wollen zuallererst den besonders Gefährdeten helfen, seien es nun Kleinkinder, Alte, Allergiker oder Asthmatiker.

Also lassen wir doch diese Diskussion. Es ist nicht entscheidend, ob ein Grenzwert richtig ermittelt und bewertet wird. Es kommt darauf an, dass unsere Luft sauberer wird. Dies hülfe ohne jeden Zweifel Mensch und Natur. Und dazu gehört zum Beispiel ein anderes Mobilitätsverhalten.

So klar das Ziel, so kompliziert und verquer die Debatte. Schauen wir auf das Wesentliche. Auch wenn der Lobbyist grantig knurrt.